Besuch in Omegas Welt - BurdaNews

Besuch in Omegas Welt - BurdaNews

uhren! Special NOVEMBER 2012 Im Interview: Uhren-Legende Jack Heuer Helden-Jubiläum „James Bond“-Filme gibt es seit 50 Jahren – hier Darsteller Dani...

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uhren! Special

NOVEMBER 2012

Im Interview: Uhren-Legende Jack Heuer Helden-Jubiläum „James Bond“-Filme gibt es seit 50 Jahren – hier Darsteller Daniel Craig mit Omega-Uhr

Hart, aber leicht: Aktuelle Materialien verbessern Zeitmesser Rolex-Rekord: Deepsea Challenge – keine taucht tiefer

Exklusiv:

Besuch in Omegas Welt Im Schweizer Grenchen entstehen in einer neuen High-Tech-Produktion edle Zeitmesser mit den berühmten Co-Axial-Werken

20 Neue Materialien verbessern Uhren

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32 Gespräch mit Jack Heuer

Neue Modelle & mehr Welche Trends die LuxusuhrenBranche bewegen

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Jack Heuer im Interview Die Uhrenlegende über Formel 1, Innovationen und Sammlermarkt

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Baume & Mercier Wie die Traditionsmarke erfolgreich an ihre Geschichte anknüpft

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Begehrter Uhrenpreis FOCUS richtet mit dem „UhrenMagazin“ die 15. Goldene Unruh aus

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Metronome der Macht Politiker: Was ihre Uhren über sie verraten

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Kult-Marke Warum der Navitimer von Breitling so dauerhaft gefragt ist

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Rolex-Rekord Bei der Deepsea Challenge tauchte die Edelmarke tiefer als alle anderen

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Rekord: Rolex taucht so tief wie sonst keiner

Omegas Welt FOCUS besucht als Erster das neue Werk des Schweizer Unternehmens Royal-Oak-Jubiläum Der kantige Klassiker wurde 40 – und ist aktueller denn je Neue Materialien Wie Silizium & Co. die Eigenschaften der Chronometer verbessern Deutsche Höchstleistungen Aus Glashütte in Sachsen-Anhalt kommen Modelle von Weltruf Der Markt ist heiß Nie verkauften Schweizer Manufakturen mehr – vor allem nach Asien Von Wempe in die Welt Deutschlands größter Uhrenhändler expandiert nach China

FOCUS-Special »uhren!« FOCUS Magazin Verlag GmbH, Arabellastraße 23, 81925 München, Postfach 81 03 07, 81903 München, Telefon 0 89/92 50-0, Fax 0 89/92 50 - 20 26

Foto: dpa

Herausgeber: Helmut Markwort Chefredakteur: Uli Baur Stellvertretende Chefredakteure: Markus Krischer, Carin Pawlak Art Director: Bardo Fiederling, Robert Weissenbacher Chef vom Dienst: Sonja Wiggermann Konzeption & Redaktion: Andreas Körner Mitarbeiter dieser Ausgabe: Axel Spilcker, Thomas van Zütphen Layout & Titel: David Schier Bildredaktion: Rüdiger Schrader; Arne Deepen FOCUS-Dokumentation/Schlussredaktion Produktion/Herstellung: Ernst Frost, Helmut Janisch, Bildtechnik: Harald Neumann, Tobias Riedel Redaktionstechnik: Kai Knippenberg, Alexander von Widekind FOCUS-Special »uhren!« erscheint in der FOCUS Magazin Verlag GmbH. Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt: Uli Baur. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags

FOCUS 45/2012

gestattet. Dieses gilt auch für die Aufnahme in elektronische Datenbanken und Vervielfältigungen auf CD-ROM. Sofern Sie Artikel aus FOCUS-Special in Ihren internen elektronischen Pressespiegel übernehmen wollen, erhalten Sie die erforderlichen Rechte unter www.presse-monitor.de oder unter Telefon: 0 30/28 49 30, PMG Presse-Monitor GmbH. Anzeigenverkauf für FOCUS „mann!“: Carolin Cleven, Telefon 0 89/92 50-2091, Fax: 0 89/92 50-24 94, [email protected] Verantwortlich für den Anzeigenteil: Kai Sahlfeld, Arabellastraße 23, 81925 München, Tel.: 0 89/92 50-29 50, Fax: 0 89/92 50-29 52. Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 23, gültig seit 1. Januar 2012. Senior Brand Manager FOCUS: Lars Monschau Leiterin Markenkommunikation/Werbung: Pea Schubert Director Marketing: Christian Schlottau Verlagsleiter: Stefan Kossack Director Finance and Operations: Gunnar Scheuer Geschäftsführer: Burkhard Graßmann, Andreas Mayer Verleger: Dr. Hubert Burda

Stratege Firmenchef Lutz Bethge, 57, baut neben der angestammten Schreibgeräte- die Uhrensparte aus

Montblanc: nobles maritimes Doppel

Sinn: neue Fliegernorm entwickelt

Vor allem an Bootseigner mit hohen Ansprüchen an Funktionalität und Exklusivität richtet sich ein Angebot der Luxusmarke Montblanc. Das Set Collection Villeret 1858 Régulateur Nautique kombiniert eine 120 Kilogramm schwere Navigationsuhr fürs Schiff mit einem Armband-Chronographen. Die Bootsuhr, die auch zu Hause montiert werden kann, besteht aus vernickeltem Messing mit vergoldeten Elementen und verfügt über eine kardanische Aufhängung, die Schräglagen ausgleicht. Das Großwerk wird von Hand aufgezogen und hat dann eine großzügige Gangreserve von 360 Stunden. Die Uhr zeigt die Ortszeit, die Weltzeit sowie die Zeit am Start- und Zielhafen an. Der zugehörige Armband-Chrono (Durchmesser 38,4 Millimeter) wird ebenfalls per Hand aufgezogen und bietet zwei Zeitzonen sowie Tag- und Nacht-Indikation. Der stolze Preis für beide: 290 000 Euro. Dafür erhalten die Käufer extrem seltene Stücke – es gibt nur je acht Exemplare in Rot- oder Weißgold. Gefertigt wird das Edel-Duo in der Uhrenproduktion des ursprünglich deutschen Konzerns (jetzt Richemont-Gruppe) im Schweizer Le Locle.

Für Taucheruhren gibt es schon seit längerer Zeit einheitliche Standards. Für Fliegeruhren hat die Frankfurter Sinn Spezialuhren GmbH vor vier Jahren einen entsprechenden Vorstoß gewagt. Jetzt ist es so weit: Zusammen mit dem Fachbereich Luftund Raumfahrttechnik der Fachhochschule Aachen hat der Hersteller den Technischen Standard Fliegeruhren (TeStaF) vorgestellt. Die Zeitmesser werden dabei auf jene Eigenschaften untersucht, die für professionelle Piloten wichtig sind – etwa, wie die Uhren auf schnelle Veränderungen des Luftdrucks reagieren oder auf hohe Vibrationen. Besonders überprüft wird die gute Ablesbarkeit auch unter schlechten Sichtverhältnissen. Eines der Modelle, die Sinn ins Rennen schickt, ist der Einsatzzeitmesser 10 (EZM 10), mit Metallarmband zu einem Preis von 4300 Euro. Der EZM 10 verfügt über ein kratzfestes „Tegiment“-Gehäuse, eine spezielle Trockenhalte-Technik und ist von minus 45 bis plus 80 Grad Celsius funktionssicher.

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FOCUS 45/2012

Maurice Lacroix: edel

Zenith: Erstes seiner Art Zu den bekanntesten Uhrwerken der Welt gehört das El Primero von Zenith. Der Name folgte aus der Tatsache, dass es 1969 das erste Chronographen-Werk mit automatischem Aufzug war (Uhr mit Stoppfunktion). Hier ist eine seltene „Explosions-Zeichnung“ des Werks zu sehen, die alle Teile und ihr Zusammenspiel zeigt.

Schwungmasse

Die sogenannten Milanese-Armbänder mit zahlreichen kleinen Gliedern sind auf Grund ihres hohen Tragekomforts beliebt. Die Eliros Chronographe von Maurice Lacroix für 755 Euro ist mit dem edlen Band und einem Zifferblatt mit Sonnenschliff bestückt. Im Inneren arbeitet ein Schweizer Chronographen-Quarzwerk mit Großdatum.

Säulenrad

Anker

Ankerrad

Unruh

IWC: Vaterund Sohn-Uhr

Kupplung

Wechslerrad

Federhaus

Werkplatte

Stützring

Panerai: rares Blatt Die Mailänder Uhrenschmiede offeriert zwei Typen mit extravaganten „California“-Zifferblättern. Diese tragen sowohl römische als auch arabische Ziffern. Die abgebildete Radiomir PAM 448 Special Edition kostet 6600 Euro. Die PAM 424 mit Datumsanzeige 6300 Euro.

Uhrenliebhaber mit Familiensinn werden bei der Schaffhauser IWC fündig. Die Firma bietet ein Fliegeruhren-Set an, bei dem ein großes Modell (42 Millimeter, Automatikwerk 51111) für den Vater vorgesehen ist, ein kleineres für den Junior (39 Millimeter, Basiswerk ETA 2892). Nur Ersteres bietet eine Datums- und Gangreserve-Anzeige. Der Preis für die „Große“ in Stahl beträgt 14 900 Euro, für die „Kleine“ 4300 Euro.

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Hublot: mit den Bayern gewinnen Die Genfer haben unlängst die King Power FC Bayern München lanciert. Sie ist auf 200 Stück limitiert und kostet 17 600 Euro. Das Gehäuse besteht aus satiniertem Titan. Das Werk ist teilweise skelettiert und bietet eine Gangreserve von 42 Stunden. Besonderheit: Es verfügt über eine zentrale 45-Minuten-Anzeige, die Fans signalisiert, wann eine Halbzeit endet. Im Bild: FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (3. v. l.) mit Hublot-Chef Jean-Claude Biver (2. v. l.) und Spielern.

Victorinox: hohe Strahl-Kraft Der Hersteller der traditionellen Schweizer Offiziersmesser baut sein Uhrenangebot weiter aus. Aktuell kommt die Airboss mit einem Automatikwerk (ETA 2897) und der Komplikation Gangreserve-Anzeige auf den Markt. Ihr Preis beträgt 1295 Euro. Sie lässt sich auch in der Nacht besonders gut ablesen, da neben den Zeigern die Zahlen mit Leuchtmittel belegt sind.

Buch: Top-Überblick deutscher Marken Wer sich für mechanische Armbanduhren interessiert oder konkrete Kaufabsichten hegt, sammelt gern möglichst viele Informationen zum begehrten Objekt. Das Buch „Deutsche Uhrenmarken“ des renommierten Fachjournalisten Thomas Wanka für 9,80 Euro bietet alles Wissenswerte zur Historie der Hersteller, ihren wichtigsten Modellen oder technischen Besonderheiten (UhrenMagazin, ISBN 978-3-87188-219-7).

Breguet: schneller als die meisten Die Firma stellte dieses Jahr die Neuheit Breguet Classique Chronométrie 7727 vor. Das Modell schwingt als erste Armbanduhr mit zehn Hertz, also 72 000 Halbschwingungen je Stunde, statt wie gewöhnlich mit drei oder vier Hertz. Ermöglicht wird die hohe Frequenz und damit Ganggenauigkeit durch eine Siliziumspirale. Der Preis steht noch nicht fest.

Texte: Andreas Körner

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FOCUS 45/2012

Ein neues Werk für Omega Der Schweizer Uhrenhersteller fertigt in einer neuen Manufaktur seine Top-Erzeugnisse. FOCUS besuchte als erstes deutsches Medium die geheime Produktion in Grenchen

Vordenker Omega-Präsident Stephen Urquhart will das Geschäft mit mechanischen Edeluhren noch weiter ausbauen – die positiven Zahlen im ersten Halbjahr 2012 bestätigen seinen Kurs

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Feinarbeit Techniker montieren in der neuen Omega-Manufaktur auf der Rückseite des Werks die aufwendig bearbeitete Schwungmasse

autlos schwingt die Metallkugel hin und her. Immer im selben Takt, immer in derselben Geschwindigkeit: Im Jahr 1851 hatte der französische Physiker Léon Foucault mit seinem berühmt gewordenen Pendel der staunenden Pariser Öffentlichkeit das Phänomen der Erddrehung vorgeführt. Damit konnte er nachweisen, dass die Zeiteinteilung auf der Rotation des Erdballs um die eigene Achse beruht. Kein Wunder, dass ein Modell des genialen Wissenschaftlers in der Zentrale von Omega – einem der größten Uhrenhersteller der Welt – im schweizerischen Biel steht. Was könnte besser zur Entwicklung des 1848 gegründeten Hauses passen als das an einer langen Schnur hin- und herschwingende Pendel? Denn wechselvoll verlief auch die Unternehmensgeschichte des eidgenössischen Produzenten. Weit mehr als 100 Jahre dauerte der Aufstieg mit Sportzeitmessern – darunter die legendären Armbanduhren Constellation, De Ville oder Sea- und Speedmaster, die schon der US-Astronaut Buzz Aldrin bei der ersten Mondlandung trug. Dann folgte in den 70er-Jahren der Absturz. Der Einstieg ins Quarzuhren-Segment hatte zu hohen Verlusten geführt. Erst 1983 fand der Produzent unter dem Dach der Swatch Group wieder zu alter Größe zurück. Heute nimmt Omega – auch auf Grund seiner breiten Produktpalette – längst wieder eine Spitzenposition neben Konkurrenten wie

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FOCUS 45/2012

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Glamour für die Marke Fiirmenchef Urquhart legt der US-Moderatorin und Schauspielerin Cindy Crawford eines der neuesten Damenmodelle an. Die VIP-Strategie zahlt sich für die Firma aus

Das Herzstück Nur selten lässt Omega Besucher in seine neue, hochmoderne Uhrenmaufaktur im schweizerischen Grenchen. Hier fertigen die Mitarbeiter die Luxusmodelle mit den 9er Kalibern

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Foto: Star face.ru/Splash News

TAG Heuer oder Rolex ein. Obschon die Swatch Group die Gewinn- und Verlustrechnung seiner 19 Marken strikt geheim hält, hob Konzernchef Nick Hayek bei der Bilanzkonferenz für das Geschäftsjahr 2011 seinen größten Produzenten als einen der Ertragsbringer hervor. „Das erste Halbjahr zeigt, dass sich dieser Trend fortsetzt“, weiß Omega-Präsident Stephen Urquhart Das liegt nicht zuletzt an prominenten Werbeträgern wie den US-Schauspielern Cindy Crawford, Nicole Kidman oder George Clooney, die der Traditionsmarke den nötigen Glamour verleihen. Seit 1995 trägt auch jeder Hauptdarsteller des Agentendauerbrenners „James Bond“ einen Omega-Zeitmesser am Handgelenk. Passend zum neuesten Thriller „Skyfall“ brachten die Bieler die Seamaster Planet Ocean 600M als Limited Edition mit 5007 Exemplaren auf den Markt. Dank der Investitionsbereitschaft des Swatch-Mutterkonzerns baut Omega vor allem sein Luxusuhren-Segment weiter aus. Als erstes deutsches Medium durfte FOCUS ins neue Herzstück des Herstellers im schweizerischen Grenchen: In der Uhrenmanufaktur setzen Mitarbeiter die Tradition von 160 Jahren Uhrmacherkunst im Hause Omega fort. Auf einer hochmodernen Produktionsstraße entstehen die Co-Axial-Chronographen mit dem Kaliber 9300 und 9301, die durch zahlreiche Neuerungen eine hohe Ganggenauigkeit über einen längeren Zeitraum garantieren. Jeder, der die Hallen betritt, muss einen weißen Laborkittel, eine Haube für die Haare und blaue Plastiküberzieher für die Schuhe anlegen. Ohne diese Spezialkleidung dürfen weder Besucher noch Techniker die Fertigungshallen betreten. Schließlich sind Menschen wahre Staubfänger. Und nichts ist schädlicher für die empfindlichen Uhrwerke als Schmutzpartikel von außerhalb. Deshalb setzen die Betreiber auch ein spezielles Luftfiltersystem ein, um die Menge der Partikel in der Luft von 4500 pro Kubikmeter in normalen Räumen auf ganze 100 in der Montagehalle abzusenken. In den Produktionsanlagen transportieren Förderbänder Hunderte Uhrengerüste, die in Plastikkästen von Arbeitsstation zu Arbeitsstation wandern. An den Haltepunkten öffnen Feinmechaniker die Deckel der Miniboxen und FOCUS 45/2012

FUTURISTISCH Die Speedmaster Spacemaster Z-33 Chronograph, Preis 4400 Euro

VOLL-MONDIG Gefertigt in der neuen Manufaktur: Speedmaster Moonwatch Preis 19 500 Euro

TIEFENFEST Auch aus dem neuen Werk: Seamaster Planet Ocean Preis 6120 Euro

setzen mit ihrem High-Tech-Werkzeug binnen wenigen Minuten eine von Hunderten Komponenten in das Chronographengerüst ein. Mal sind die Federhäuser dran, mal das Ziffernblatt, mal müssen Schrauben fixiert werden, mal das Ankerklötzchen. Stets werden einzelne Schritte überprüft und – wenn nötig – der entsprechende Arbeitsgang wiederholt. Solche Akribie ist wichtig, weil Omega verstärkt auf exklusive mechanische Produktreihen setzt. Die Modelle mit Tourbillon – einer Mechanik zum Ausgleich der Erdanziehungskraft – samt automatischem Aufzug stellen nur wenige Uhrmacher in einer besonders abgeschirmten Abteilung der neuen Manufaktur her. Der Klassiker besteht aus 320 Einzelteilen. Das Uhrwerk enthält ein sogenanntes fliegendes Tourbillon – also ohne eine Brücke über dem Käfig, die womöglich die Sicht versperren könnte. Der Tourbillonkäfig besteht aus 41 Einzelstücken und wiegt gerade mal ein knappes halbes Gramm. Besonders stolz ist der Hersteller auf seine „magischen Zeiger“. Dabei handelt es sich um zwei übereinanderliegende Saphirscheiben. Eine ist für die Minuten zuständig, das Gegenstück für den Stundenzeiger. Geführt werden die Saphirschieben im Zentrum vom Zifferblatt und außen von drei Brücken. Seit Mitte der 90er-Jahre ersinnen die Omega-Tüftler immer ausgefeiltere Uhrwerke. 2004 lancierten die Spezialisten in Biel den Skeleton Chronometer mit einem 2633er Kaliber. Die diamantene Variante wurde auf zehn Stück begrenzt. Drei Jahre später folgte ein weiteres Highlight mit einem Tourbillon. Stückpreis je nach Modell zwischen 120 000 und 230 000 Euro. 2010 entstand dann die skelettierte Ausgabe. Die Schwungmasse der Anfertigungen besteht aus Platin, Regulierschrauben, Zifferblattring und Appliken aus Gold, der Tourbillon-Käfig ist aus Titan gefertigt. Insgesamt hat das Spezialressort 500 Tourbillon-Modelle der Marke Omega gebaut. „Diese Linie stellt eine gelungene Liaison zwischen neuester Uhrmachertechnik und unverzichtbarer Handarbeit dar“, schwärmt Firmenchef Urquhart. ■ AXEL SPILCKER

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Er gab dem Sport den Takt vor Jack Heuer wurde am 19.11.1932 in Bern/Schweiz geboren. Der Urenkel des Firmengründers entwickelte zahlreiche Uhrenklassiker für die Firma aus La Chaux de Fonds, die heute zu LVMH gehört. Heuer fuhr in der eidgenössischen StudentenSki-Nationalmannschaft und revolutionierte die Zeitnahme in der Formel 1

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»Glücklicher Käufer mit meiner Nummer eins« Der Urenkel des Gründers und Ehrenpräsident von TAG Heuer, Jack Heuer, zum Sinn von Innovationen, zur Formel 1 und zum Sammlermarkt Herr Heuer, Sie werden in diesem Monat 80. Zu Ihrem Geburtstag entstand eine auf 3000 Stück limitierte Auflage des klassischen Chronographen Carrera. Wir nehmen an, Sie tragen die Nummer eins der Serie?

Das war eigentlich so geplant. Die Uhren mit den Seriennummern zwei bis vier sollten meine Söhne und mein Schwiegersohn bekommen. Durch ein Missgeschick wurden diese Stücke aber mit der normalen Lieferung versandt. Da draußen läuft jetzt ein glücklicher Käufer mit meiner Nummer eins herum – aber ich gönne es ihm von Herzen (lacht). Mit Ihren weit komplizierteren Modellen Mikrotimer Flying 1000 und der Mikrogirder können Sie mechanisch Tausendstel- und Zehntausendstelsekunden messen. Lohnen sich solche aufwendigen Innovationen?

Unbedingt. Sie wecken Aufmerksamkeit, und sie belegen technologische Kompetenz – eine Grundvoraussetzung dafür, als hochwertige Marke wahrgenommen zu werden. Nehmen Sie nur die Monaco V4, die ein professionelles Team unter unserem Firmenchef JeanChristophe Babin entwickelt hat. Sie wurde als Konzeptuhr gebaut, also ohne die Serienproduktion zu planen. Was ist das Besondere an diesem Modell?

Es tickt komplett anders als konventionelle Uhren. Die Kraftübertragung läuft über Riemen ab, nicht über Zahnräder. Die Aufzugsenergie wird nicht wie gewohnt über einen drehenden Rotor gewonnen, sondern über ein WolframKlötzchen, das wie ein Kolben im Benzinmotor auf- und abläuft. Alle haben gesagt, das geht nicht, das ist nicht machbar. Dann ging es doch, und wir haben erlebt, dass allein dieses eine Produkt weltweit Interesse geweckt hat. Wie ging es dann weiter?

Sofort waren zwei Dinge klar. Wir müsFOCUS 45/2012

sen die V4 auf den Markt bringen, um die Kunden nicht zu enttäuschen. Und: Wir müssen dauerhaft innovativ sein. Jetzt wird die V4 in Hunderterserien verkauft. Zu 55 000 Euro in Titan und zu 75 000 Euro in Rotgold. Schließen solche Preislagen nicht viele Uhrenfans von neuen Technologien aus?

Vielleicht im Einzelfall. Die meisten Neuerungen kommen vielen Uhrenkäufern zugute. Ein Beispiel: Wir haben Chronographen, also Uhren mit Stoppfunktion, mit zwei unabhängigen Werken und Federhäusern entwickelt – eines für die normalen Uhrenfunktionen, eines für die Stoppfunktion. Weil das Zeitmessmodul seine eigene Energie erhält, beeinflussen die Stoppvorgänge die Ganggenauigkeit der Uhr nicht mehr. Männer lieben solche Armbanduhren mit Stoppfunktion. Aber wofür nutzen deren Besitzer – vielleicht Ärzte oder Anwälte – diese Chronographen eigentlich in ihrem Alltagsleben?

HAPPY BIRTHDAY! Carrera-Sondermodell zum Achtzigsten von Jack Heuer Preis 3950 Euro

Also ich kenne einen Anwalt, der stoppt damit exakt die Zeit, die er seinen Mandanten in Rechnung stellt. Die haben dann das Gefühl, sehr korrekt behandelt zu werden (lacht). Man kann also vermuten, dass die Hauptanwendungen nach wie vor im sportlichen Bereich liegen?

Wahrscheinlich haben Sie Recht. So kam auch ich dazu, die Zeit möglichst genau messen zu wollen. Schon als Mitglied der Studenten-Nationalmannschaft der Schweiz im Alpin-Ski habe ich mit einem elektronischen System versucht, die Abfahrtszeiten exakter zu stoppen. Am Ende stand ein Kasten, zwei Kilo schwer, der erstmals Tausendstel festhalten konnte. Angespornt hat mich dabei, dass mein Großvater die mechanische Messung der Hundertstel-

KÖNIGSKLASSE Die TourbillonS mit zwei autonomen Ausgleichsmechanismen Preis: ca. 200 000 Euro

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sollen statt der jetzt 40 000 Stück jährlich 80 000 Werke hergestellt werden. Schon zuvor haben wir einen Gehäuse-Hersteller und einen Zifferblatt-Spezialisten übernommen, um möglichst viel selbst fertigen zu können.

Familientradition Jack Heuer mit seinem Vater Charles Edouard Heuer in der Produktion des 1860 gegründeten Unternehmens

sekunden erfunden hat. Die Messung kleiner Zeitintervalle liegt also quasi in den Genen unserer Firma und Familie. Vor allem im Motorsport ist TAG Heuer präsent und engagiert. Wie wichtig ist die Formel 1 für Sie?

Wir waren von Anfang an beim Rennzirkus dabei. Bernie Ecclestone kenne ich noch aus der Zeit, als er Gebrauchtwagenverkäufer war. Wir haben unsere Zeitmesskompetenz auf die Formel 1 übertragen. Erst die Messung kleinster Einheiten und die Anzeige für die einzelnen Fahrer mit Zwischenzeiten usw. haben die Rennen für das Publikum spannend gemacht. Ich glaube, wir haben so dazu beigetragen, die Rennserie zur Geldmaschine zu machen. Hinzu kommt: Erst das akribische Stoppen der Zeiten ermöglicht den Rennställen, ausgefeilte Strategien zu entwickeln. Was hat sich in der Formel 1 in den vergangenen 30 oder 40 Jahren geändert?

Man muss sich vor Augen halten, dass die Fahrer in den 70er- oder 80er-Jahren quasi immer mit einem Fuß im Grab gestanden sind. In den zwölf Jahren, in denen ich direkt dabei war, haben wir vier oder fünf Piloten verloren. Natürlich waren Fahrer wie mein Freund Jo Siffert, der ebenfalls verunglückte, Haudegen. Heutzutage sind die Rennen weitaus weniger gefährlich, das ganze Drumherum ist viel professioneller. Deshalb sind auch die Fahrer heute kühlere Profis.

Was verlangen die Sammler sonst noch von Ihrem Unternehmen?

Aufheulende Motoren, Geruch nach Benzin und leicht bekleidete Mädchen am Fahrbahnrand – lässt sich der Mythos F1 in Zeiten politischer Korrektheit und der Seligsprechung von Elektromobilen aufrechterhalten?

Die Formel 1 war und ist technisch spitze. Das wird die Menschen noch lange begeistern. Die Faszination sieht man auch daran, dass Uhren mit Wurzeln im Automobilsport wie die Monaco oder die Carrera zunehmend beliebt sind. Sind es mehr Autofans oder eher Sammler, die diese Zeitmesser erwerben?

Wir haben wesentlich mehr Sammler, als wir immer dachten. Modelle wie die Monaco V4 werden Sie in freier Wildbahn kaum sehen, die behüten die Leute meistens daheim. Immer mehr Interessenten schätzen, dass sie mit einer hochwertigen Uhr einen stabilen Sachwert haben. Einzelne Exemplare erzielen exorbitante Ergebnisse. Etwa die Monaco, die Schauspieler Steve McQueen im Film „Le Mans“ 1971 trug, brachte einen Erlös von 799 500 US-Dollar. Welche Rolle spielt Ihr neues, im eigenen Haus entwickeltes Chronographen-Kaliber für den Sammlermarkt?

Für Sammler ist es sehr wichtig, Uhren mit Manufakturwerken statt zugelieferten Basiswerken zu erwerben. Wir stellen schon eine anziehende Nachfrage aus diesem Segment fest. Um den Ausstoß zu erhöhen, bauen wir gerade ein Werk an der französischen Grenze. Dort

Kürzer als ein Wimpernschlag Die TAG Heuer Mikrogirder (r.) kann Zehntausendstelsekunden messen. Das ermöglicht ein Frequenzstab, der je Stunde 7,2 Millionen Mal schwingt

Die erwähnte Innovationskraft ist sehr wichtig. Ich habe daher bei unserer 150-Jahr-Feier gesagt, dass wir alle zwei bis drei Jahre eine dokumentierte Weltneuheit an den Start gebracht haben und das auch weiterhin tun werden. TAG Heuer hat mit den MikrotourbillonS eine Komplikation weiterentwickelt, die Ungenauigkeiten durch die Erdanziehungskraft ausgleichen soll. Erhöht das tatsächlich die Ganggenauigkeit?

Bei unseren MikrotourbillonS dreht sich eines der zwei Tourbillons mit der konventionellen Geschwindigkeit, also einmal in der Minute, um die eigene Achse. Das zweite dreht sich wesentlich schneller und ist rein für das Chronographenwerk zuständig. Das macht die Messung der Hundertstelsekunden präziser. Verraten Sie uns, woran Ihre Techniker im Augenblick arbeiten?

Wir versuchen, die spiralfreie Unruh, die es als Konzept gibt, aber noch nicht in Serienmodellen, in zwei bis drei Jahren seriell fertigen zu können. Sie ist unempfindlich bei Temperaturschwankungen. Und: Sie würde uns unabhängiger vom Lieferanten Swatch Group machen, der aktuell quasi ein Monopol bei konventionellen Spiralen besitzt. Zum Schluss: Können Sie sich eine Krise mechanischer Uhren vorstellen wie nach Einführung der Quarzwerke? Etwa, weil junge Leute die Zeit vom Mobiltelefon oder iPad ablesen und das Interesse an Uhren verlieren.

Das glaube ich nicht, da die mechanische Uhr heute eine völlig andere Funktion übernommen hat als die pure Zeitanzeige. Schon lange können Sie für ein paar Euro genauere Quarzuhren kaufen. Mechanische Modelle sind aber für Männer – besonders in Asien – eines der wenigen akzeptierten Statussymbole. Und: Die Leute lieben einfach die Mechanik. Viele sprechen vom „reassuring ticking“ – dem Ticken, das einem die Ruhe und Sicherheit gibt, dass das Leben weitergeht. ■ INTERVIEW: ANDREAS KÖRNER

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FOCUS 45/2012

Grandios unterschätzt

ei der Premiere drohte ein Fiasko. Als die Familienmanufaktur Audemars Piguet im Jahr 1972 in Basel eine Kreation ihres Designers Gérald Genta vorstellte, war das Publikum ganz und gar nicht begeistert. Die meisten Besucher standen kopfschüttelnd rund um die Vitrine, als sie die Royal Oak betrachteten. Eine extrem flache und trotzdem wasserdichte Kreation mit Stahlgehäuse und einer achteckigen, durch Weißgoldschrauben am Korpus fixierten Lünette. Dazu 250 Kantenbrechungen an Band und Gehäuse sowie ein ungewöhnlicher Mix aus polierten und satinierten Flächen. Und dann noch der Preis: Mit 3650 Franken zielte der Newcomer offenkundig vom Start weg auf das Hochpreissegment. Niemand hielt es damals für möglich, dass Varianten dieses Exoten 40 Jahre später zu Preisen von 80 000 Euro verkauft würden. Ebenso wenig, dass allein

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Klare Kante Das Oktagon der Royal Oak steht seit 40 Jahren für eine eigene Formensprache im Uhrendesign

die Royal Oak heute rund zwei Drittel zum Geschäft der Manufaktur beiträgt. „Eine einerseits dankbare, andererseits aber auch ein wenig problematische Rolle“, wie die Verwaltungsratspräsidentin Jasmine Audemars freimütig zugibt. Denn diese Art der Abhängigkeit von einem Produkt verpflichtet zu anhaltendem Erfolg. Audemars Piguet hatte ihn – auch dank zahlreicher Rekorde und diverser Rekordhalter. Die Sportuhr entwickelte sich über die Jahre zum Extremboliden, dessen Gehäusekonstruktion als Oktagon über wie unter Wasser selbst härtesten Beanspruchungen standhält. Das begeistert seither prominente Markenbotschafter weltweit. Immerhin waren 20 manuelle Arbeitsschritte nötig, um der amagnetischen Schale schon 1993 eine Wasserdichtigkeit bis zu einem Druck von zehn Atmosphären zu verleihen (unter bestimmten Voraussetzungen entspricht das 100 Meter Wassertiefe). Heute sind es SportIkonen wie Lionel Messi und Michael Schumacher, die sich für die Royal Oak begeistern. Für den Rekordweltmeister des Formel-1Motorsports brachte das Unternehmen im September eine nach ihm benannte limitierte Edition der Royal Oak Offshore auf den Markt. Der Chronograph mit seinem 44-Millimeter-Gehäuse ist wahlweise als 950er-Platinvariante, 18-Ka rat-Rotgoldausführung oder Titanmodell erhältlich – zu Preisen zwischen 39 000 und 105 000 Euro. Im Jubiläumsjahr brachte Audemars Piguet außerdem eine nostalgische Re-Edition des Premieremodells aus dem Jahr 1972 heraus: Mit originalgetreuem Zifferblattdesign und auch mit dem historischen ultraflachen Automatikkaliber 2121. Das Rohwerk, vor 40 Jahren noch von LeCoultre zugekauft, baut Audemars Piguet heute allerdings selbst. ■ THOMAS VAN ZÜTPHEN FOCUS 45/2012

Fotos: dpa

Bei ihrer Vorstellung 1972 wurde die Royal Oak nur müde belächelt. Heute trägt sie als Armband-Klassiker zwei Drittel zum Geschäft der Familienmanufaktur Audemars Piguet bei

KLASSISCH Der Chronograph aus der Hampton-Serie orientiert sich an historischen Vorbildern.

Preis 6950 Euro

Starke Wurzeln Die Firma wurde 1830 im Schweizer Les Bois gegründet. In dieser Werbeanzeige preist ein Priester-Darsteller seine Baume & Mercier

Chrono mit inneren Werten aume & Mercier – das war doch der Hersteller dieser zwölfeckigen Bicolor-Uhren, die so typisch für die 1980erJahre waren? Tatsächlich prägt das markante Modell Riviera, das 1973 auf den Markt kam und sich mehr als 20 Jahre gut verkaufte, bei vielen Uhrenfans das Bild der Marke. Seither hat sich bei der Tochter des Schweizer Luxusgüter-Konzerns Richemont viel geändert – auch wenn BicolorUhren gerade eine Renaissance erleben. Heute offeriert Baume & Mercier unter dem Label Linea Damenuhren, die, wenn überhaupt, das dezentere Rotgold mit Stahl kombinieren statt wie früher das blinkende Gelbgold. Die meisten Modelle sind schlicht in Edelstahl gefertigt. In der Classima-Reihe für Herren findet sich eine breite Palette klassischer Dreizeiger-Uhren, also mit zentraler Stunden-, Minuten- und Sekundenanzeige. Einige davon verfügen über thermisch gebläute Zeiger, die mit den zumeist hellen Zifferblättern gut kontrastieren. Bei den ebenfalls angebotenen Rotgold-Varianten – aktuell ein Trend bei Herrenuhren

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– sind auch die Zeiger vergoldet. Unter dem Signet Capeland bietet Baume & Mercier technisch aufwendigere, sportliche Herren-Chronographen an, also Uhren mit Stoppfunktion. Derzeit fast unumgänglich: Ein Teil der Kollektion ist vom Stil der 50er- oder 60er-Jahre geprägt („Vintage“). Bei Baume & Mercier wird das von Uhrenkennern aber akzeptiert, da das Unternehmen bereits 1830 als „Frères Baume“ im Schweizer Jura gegründet wurde. Es kann daher tatsächlich Anleihen bei früheren Produkten aus dem eigenen Haus nehmen (s. Fotos oben). In einer gehobenen Version der Capeland-Serie arbeitet ein La-Joux-Perret-8147-2-Kaliber auf Basis eines ETA 7750. Dieses Uhrwerk (eingebaut in die Referenzen 10006, 10007 und 10068) bietet die beliebte „Flyback“-Funktion. Das heißt, der Stoppzeiger springt nach einmaligem Betätigen des Drückers sofort auf null und startet dann automatisch wieder. Das macht die Zwischenschritte „stoppen, Null stellen und wieder starten“ überflüssig.

Baume & Mercier steht zu dieser Technik, zugelieferte Werke und andere Teile zu veredeln und dann einzubauen. Dieses „Établissage“ genannte Vorgehen passt auch gut zu dem Ziel der Schweizer, möglichst viele Neulinge an das Luxusuhren-Segment heranzuführen. Nur so lassen sich ausreichende Stückzahlen zu vertretbaren Kosten fertigen. Eine Sonderrolle spielt ein Chronograph aus der Hampton-Serie (Referenz 10032). In diesem steckt – weitgehend unbekannt – ein Werk von Jaeger LeCoultre (ebenfalls Richemont), das sehr begehrt ist und als eines der derzeit besten Chronographen-Kaliber gilt (Foto). Auch diese aktuellen Chronographen tragen den griechischen Buchstaben PHI als Logo – wie die 80er-JahreIkone Riviera. Er steht unter anderem für den Goldenen Schnitt, also für stimmige Proportionen. Beim Hampton-Chrono findet er sich allerdings dezent auf der Aufzugskrone – um die Harmonie des Zifferblatts nicht zu stören. ■ ANDREAS KÖRNER FOCUS 45/2012

Foto: dpa

Die Traditionsmarke Baume & Mercier will Kunden den Einstieg in das Luxussegment ermöglichen. Hochwertige Chronographen helfen ihr dabei

Leicht & fest Silizium erhöht die Genauigkeit und Gangreserve mechanischer Uhren

Stoffe für die Zukunft Werkstoff-Innovationen wie Silizium oder kratzfestes Gold erobern die Uhrenbranche. Sie verbessern Haltbarkeit und Präzision

W

er beim Thema Uhren ehrlich ist, muss eine harte Wahrheit akzeptieren: Jede Quarzuhr für 15 Euro verrichtet ihr Tagwerk präziser als hochwertige mechanische Uhren. Selbst wenn viele dieser komplizierten Zeitanzeiger tausendmal mehr kosten. Schon auf Grund der physikalischen Gesetze können die Mechanikuhren bei der Präzision nicht mithalten: Ihre Schwing- und Hemmungssysteme, die den Takt für die gesamte Uhr vorgeben, können sich niemals so schnell 20

bewegen wie der elektronische „Oszillator“ in einem Quarzwerk. Dieser schwingt mit Taktzahlen von bis zu 32 768 Hertz. Zum Vergleich: Mechanische Bauteile und Werkstoffe schwingen in der Regel mit vier Hertz (28 800 Halbschwingungen). Das spornt die Forscher von Patek Philippe seit Jahren an, zumindest die Grenzen des naturwissenschaftlich Möglichen zu erreichen. Mit der Entwicklung innovativer Komponenten zum Beispiel, die Ganggenauigkeit und Zuverlässig-

keit von Uhren steigern können. Dabei sind manche Anforderungen durchaus widersprüchlich. So muss eine Unruh – auch Gangregler genannt – möglichst leicht sein, aber dennoch eine gewisse Energiemenge übertragen. Eine Aufgabe, die konstruktionsbedingt hohe Reibungsverluste und Luftwiderstandswerte bewirkt. Zumindest der Reibung ist mit Ölen beizukommen. Doch jeder Langzeiteinsatz im Uhrwerk macht die Fette harzig. Das Schmiermittel wird zum Bremsfaktor. Um neue Werkstoffe zu untersuchen, die derartige Probleme beheben können, schloss sich Patek Philippe mit Rolex und der Swatch Group zusammen. Sie erforschen gemeinsam Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Silizium, einem Material, das bislang vor allem in der Chip-Industrie verwendet wird. Die Konkurrenten wollen sich so die Entwicklungskosten teilen. „Und bei der folgenden Nutzung des Wissens in der Produktion, die jedem Partner individuell oblag, FOCUS 45/2012

Foto: P. Ginter/Bilderberg

High-Tech-Rohstoff Für ihr Oscillomax-Modell Referenz 5550P verwendet Patek Philippe Siliziumkomponenten

Material-Doppel Das Hublot-Ferrari-Modell besteht aus „Magic Gold“, einer unempfindlichen Kombination aus Keramik und Gold

waren wir sehr schnell“, freut sich PatekPhilippe-Chef und -Eigner Thierry Stern. Die Genfer setzen das schillernde Halbmetall seither regelmäßig für die Fertigung von Ankerrad, Spirale, Unruh oder auch der kompletten Baugruppe einer Hemmung ein. Etwa in ihrem Modell 5550P (Bild oben links). Deren Innenleben ist zu entscheidenden Teilen hart, stoßfest, leicht und kommt ganz ohne Schmierung aus. Mit dem Ergebnis: Das Uhrwerk läuft präziser, und seine Gangreserve erhöht sich von 48 auf bis zu 70 Stunden. Die Uhrenbauer schätzen den neuen Werkstoff aber auch wegen seines Amagnetismus. Denn Magnetismus ist neben Staub oder Feuchtigkeit so etwas wie der natürliche Feind korrekter konventioneller Zeitmessung. Silizium verhindert Gangabweichungen bis zum Stillstand des Räderwerks. Die drohen, wenn magnetische Kraft Anker und Spiralen aus dem Takt bringt. Schließlich, so Thierry Stern, „geht es bei der Nutzung neuFOCUS 45/2012

Kratzfest Die Fusion mit Keramik verwandelt flüssiges Gold in Hartmetall

er Materialien in erster Linie immer um Präzision“. Das sieht Jean-Claude Biver anders. Dem Geschäftsführer von Hublot (LVMH-Gruppe) geht es auch um Optik und Robustheit. Er verband 24-karätiges Gold mit Zirkonoxidkeramik zu einem kratzfesten 750er-Gold. Bei Hublot heißt der neue Stoff „Magic Gold“, bei anderen Herstellern „Ceragold“. Hublot betrieb die dreijährige Entwicklung dafür gemeinsam mit der Technischen Hochschule Lausanne. Deren

Materialwissenschaftler mussten einen Druck von 200 Bar erzeugen und den Schmelzofen auf 1400 Grad anheizen, um die Keramik mit dem Edelmetall zu verbinden (die Technik heißt „Sintern“). Das Ergebnis ist ein Härtegrad des Goldes von 1000 Vickers. Zum Vergleich: Das robuste Titan besitzt 970, Stahl 700 und Gold allein gerade mal 25 Vickers. Das neue Magic Gold verhindert weitgehend die Nachteile dieser von Haus aus geringen Härte, die bei Käufern von Luxusuhren wegen auftretender Gebrauchsspuren schon häufig zu Ärger geführt hat. Eine gewichtige Folge dieser MaterialInnovation: Uhren aus Magic Gold – wie Hublots Chronograph Big Bang Ferrari Magic Gold (Bild oben) – lassen sich nur noch mit Diamantwerkzeugen bearbeiten. Alle konventionellen Werkzeuge wären schlichtweg zu weich für deren harte Schale. ■ THOMAS VAN ZÜTPHEN

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Uhr-Wahlrecht 2013 findet zum 15. Mal die Leserwahl zur Goldenen Unruh statt. FOCUS vergibt den begehrten Preis mit dem »Uhren-Magazin« nternationale Hersteller haben für den renommierten Wettbewerb insgesamt 426 ihrer Modelle ins Rennen geschickt. Um diese Uhren fair vergleichen zu können, werden sie in fünf Preiskategorien aufgeteilt (bis 2500 Euro, bis 5000 Euro, bis 10 000 Euro, bis 25 000 Euro und mehr als 25 000 Euro).

I

Die fachkundigen Leser des „UhrenMagazins“ treffen per Stimmkarte eine Vorauswahl der zehn besten Zeitmesser je Kategorie. Über die Endplatzierung entscheiden dann Tausende FOCUS-Online-Nutzer zischen dem 12. Dezember 2012 und dem 31. Januar 2013 (www.focus.de/

uhrenwahl). Die Teilnehmer können hochwertige Uhren im Gesamtwert von mehr als 38 000 Euro gewinnen (s. unten). Die siegreichen Uhrenhersteller werden in einem feierlichen Rahmen im Frühjahr 2013 geehrt. ■ ANDREAS KÖRNER

1. Preis

2. Preis

3. Preis

JAEGERLECOULTRE Grande Reverso Ultra Thin Tribute to 1931 6250 Euro

JUNGHANS Aerious Chronoscope 4490 Euro

WEMPE GLASHÜTTE Chronometerwerke 4450 Euro

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Patek Philippe prämiert Den erstmals vergebenen „Sonderpreis Technik“ erhielt die Genfer Manufaktur – neben TAG Heuer – für ihr Modell Triple Complication Referenz 5208. Die besondere Leistung Patek Philippes hierbei war, ein Chronographenmodul zwischen Repetition und Kalender zu setzen.

4. Preis

5. Preis

HANHART Pioneer TwinControl 3300 Euro

SINN Finanzplatzwecker 3250 Euro

6. Preis

7. Preis

8. Preis

NOMOS Zürich Blaugold 2960 Euro

UNION GLASHÜTTE Averin Chronograph 2950 Euro

BREITLING Superocean 42 2930 Euro

9. Preis

10. Preis

11. Preis

TUTIMA Grand Classic Chronograph UTC 2790 Euro

BAUME & MERCIER Hampton Automatic 2700 Euro

MONTBLANC Star Classique Automatic 2390 Euro

So sehen Sieger aus! Die Repräsentanten der Uhrenfirmen, die bei der Goldenen Unruh 2012 einen Preis ergatterten, wurden im Münchner Goldhaus des Edelmetallhändlers Pro Aurum geehrt

FOCUS 45/2012

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Comeback einer Branche Anfang der 90er-Jahre war die ostdeutsche Uhrenindustrie zusammengebrochen. Die Handwerkskunst ihrer Uhrmacher ist heute wieder ein Aushängeschild von Glashütte (Sachsen-Anhalt)

Nach oben gibt es kaum eine Grenze Deutsche Manufakturen überbieten sich mit Rekorden – bei ihrer Kunst, den Lieferzeiten, aber auch den Preisen

D LUXUSLIGA Die Grande Cosmopolite Tourbillon von GUB Preis 325 000 Euro

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ie Rückkehr ihrer Uhrenmarke Tutima ins sächsische Glashütte zelebrierte die norddeutsche Unternehmerfamilie Delecate mit einer Präzisionsarbeit: Mit der Premiere der Hommage Minutenrepetition, einer Armbanduhr mit aufwendiger Zusatzfunktion, einer sogenannten großen Komplikation. Im Mai vergangenen Jahres lobte die Fachwelt die technische Finesse des Schlagwerks, das die Zeit akustisch signalisiert. Denn bis dahin hatte man in Glashütte noch nie eine Minutenrepetition produziert. Doch auch mit ihrem Preis von mindestens 168 000 Euro stieß die hochkomplizierte Arbeit von Chefkonstrukteur Rolf

Lang in für Tutima neue Dimensionen vor. Bis dahin hatten hier die Konkurrenten von Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) und Lange & Söhne den Ton angegeben. Es dauerte nur zehn Monate, bis die GUB-Marke Glashütte Orginal auf der Branchenmesse Baselworld im März die sächsische Uhrmacherkunst in noch höhere Preisregionen führte. 325 000 Euro kostet das Modell Grande Cosmopolite Tourbillon, an dessen Konstruktion die Manufaktur, die zur Schweizer Swatch Group gehört, sechs Jahre lang gearbeitet hat. „Hinter dem Preis“, so Christina Hentschel von GUB, „steckt die Entwicklung von Funktionen, die vor allem Vielreisende auch wirklich FOCUS 45/2012

nutzen können“. Es werden nicht allzu viele Käufer sein, denen das immerwährende Kalendarium mit Panoramadatum, Wochentag-, Monats-, Schaltjahres- sowie Tag-und-Nacht-Anzeige in 37 Zeitzonen dieser Welt Orientierung verschafft. Die Auflage der Grande Cosmopolite Tourbillon ist auf 25 Exemplare limitiert – genau wie die der Tutima Hommage Minutenrepetition. Dass die Kunden – etwa wegen der Euro-Krise – ausbleiben, müssen die Anbieter nicht fürchten: Grundsätzlich sind Luxuskäufe in der Preisklasse ab 100 000 Euro weitgehend unabhängig von der Konjunktur. Um die VIP-Kunden bemühen müssen sich die Uhrenhersteller aber sehr wohl. Beispiel Glashütte Original: Schon zur Präsentation ihrer neuen Uhr – eine der kompliziertesten, die jemals in Deutschland gefertigt wurde – bat GUB auf der Basler Messe ausschließlich geladene Gäste. Nur wenige wurden in den fensterlosen Raum, tief im Inneren des Messestands, mit Globus in der Mitte und

HOCHPREISIG Tutimas klingendes Modell Hommage Minutenrepetition Preis 168 000 Euro

Weltzeit-Zonenkarte an der Wand, vorgelassen. Unter Uhrenfans, die sich oft untereinander kennen, gilt so eine Einladung als Auszeichnung. „Die Resonanz war fantastisch“, meldete GUB nach der Veranstaltung. Nach der Messe wurde der edle Zeitmesser in internationalen Metropolen gezeigt – laut GUB aber nicht vorrangig, um neue Kunden zu gewinnen. „Vielmehr um anschaulich zu machen, zu welcher Handwerkskunst unsere Uhrmacher fähig sind“, versichert GUBSprecherin Hentschel. Den Uhrenliebhabern in Shanghai, Peking, Hongkong, aber auch in Singapur, Zürich und New York wurde immerhin wahrhaftig eine Uhr gezeigt. Auch wenn Fotografieren und Anfassen streng verboten waren – die Präsentation einer echten Uhr ist immerhin mehr, als die Konkurrenz derzeit bieten kann. Hersteller Tutima hat ein Erfolgsproblem: „Wir wären froh, wenn wir wenigstens noch eine Uhr hätten, die wir vorzeigen könnten“, räumt Vertriebschef Alexander Philipp ein. Denn die Hommage Minutenrepetition ist längst ausverkauft und ausgeliefert – obwohl sie in der auf fünf Exemplare limitierten Platinversion 179 000 Euro kostet. Derzeit sprengt die Zahl der eingehenden Bestellungen – und damit auch die Ungeduld der dahinter stehenden Käufer – bisweilen die Kapazitäten feiner Manufakturen. Für die Version in Roségold zum Preis von 168 000 Euro nimmt Tutima noch Bestellungen entgegen, hat den aktiven Vertrieb aber faktisch eingestellt. Denn nur zwei Uhrmachermeister des Hauses können eine Hommage Minutenrepetition von Anfang bis Ende bauen. Sie benötigen für jedes Exemplar gut vier Monate um die 550 Einzelteile zu fertigen und anschließend zu montieren. Alexander Philipp: „De facto sind Lieferzeiten von 18 Monaten schon die Grenze dessen, was ein Kunde bereit ist, an Wartezeit aufzubringen.“ Auch Glashütte Original wird bis Ende des Jahres erst fünf Exemplare der Grande Cosmopolite Tourbillon ausgeliefert haben. Aber alle 25 sind bereits fest geordert. Die letzte davon soll allerdings erst Ende 2014 produziert sein. ■ THOMAS VAN ZÜTPHEN

6WDUNH7\SHQ JHVXFKW Für Männer, die den großen Auftritt lieben. Der Timemaster Big Date. Mit seinen markanten Maßen, dem Großdatum und der Gangreserveanzeige einfach nicht zu}übersehen – und dank leuchtintensiver Super-LumiNova Beschichtung kommt die Sportuhr auch im Dunkeln ganz groß raus. www.chronoswiss.com

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Metronome der Macht Dauerstress und Terminnot: Die Uhr am Handgelenk hilft Spitzenpolitikern, ihren Alltag zu bewältigen. Das gewählte Modell verrät einiges über das Naturell des jeweiligen Trägers

N

ur noch zehn Minuten, dann sollte er den Flieger besteigen. Wenig Zeit, um die richtige Armbanduhr auszuwählen. So ausführlich Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) etwa über die Nachteile des deutsch-schweizerischen Steuerabkommens doziert, so schnell entscheidet er sich, wenn ihm etwas gefällt. Als sein alter s.-OliverTaktgeber ausfiel, brauchte er schnell einen neuen Zeitmesser. In der Ausla-

ge am Flughafen entdeckte der NRWKassenwart schließlich einen adäquaten Ersatz: ein Modell des dänischen Herstellers Skagen. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, erzählt der Minister FOCUS. Deshalb habe er auch nicht lange überlegen müssen. „An der Uhr fasziniert mich das schlichte skandinavische Design – und ein normaler Preis.“ Das gute Stück habe etwas über 100 Euro gekostet, erinnert sich Walter-Borjans.

Etwas teurer darf es da bei seinem Amtskollegen in Berlin sein. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) setzt voll und ganz auf ein Produkt aus seiner baden-württembergischen Heimat: Er trägt eine gradlinige Berlin Mega Solar Ceramic des Schwarzwälder Traditionshauses Junghans zum Preis von 850 Euro. Ja, so ticken unsere Politiker. Häufig klagen sie über Terminstress, Zeitnot und ihren eigenen kleinen „Sklaventreiber“

Angela Merkel und ihre Boccia Titanium

Wolfgang Schäuble trägt Junghans Mega Solar

Die Damenuhr passt zum Temperament der Bundeskanzlerin: nüchtern, klar und sachlich. Der Zeitmesser liegt mit 89 Euro deutlich im unteren Preissegment.

Heimatverbunden setzt der Bundesfinanzminister auf ein Modell des Traditionshauses aus dem schwarzwäldischen Schramberg. Das schmale, puristisch anmutende Herrenmodell kostet 850 Euro.

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Fotos: D. Bauer/FOCUS-Magazin, Breuel-Bild, laif

am Handgelenk. „An hektischen Tagen“ empfindet etwa Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ihre Uhr mehr als „Gegner“ denn als Freund. Auch ihr Parteifreund und Ministerkollege Thomas de Maizière pflegt ein ambivalentes Verhältnis zum Präsent seiner Frau. Die Uhr sei „Hilfe und Feind“ zugleich, bekannte er im August im Magazin „Cicero“. Die Metronome der Macht könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. Bei der oder dem einen darf es ein bisschen teurer sein, bei anderen wiederum etwas günstiger. Während manche Volksvertreter sich als Uhrenliebhaber bekennen, interessiert andere ausschließlich die korrekte Uhrzeit. Die Modellwahl fällt genauso unterschiedlich aus wie das Naturell der jeweiligen Träger aus der Politarena.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bevorzugt als eher nüchtern-sachliche Vertreterin ihrer Zunft nach Angaben der Berliner Tageszeitung „B.Z.“ eine Boccia Titanium für 89 Euro. Gerade einmal elf Euro mehr hat Freidemokrat und Koalitionspartner Rainer Brüderle in seine Cerruti Date investiert. Gefolgt von CDU-Bundesumweltminister Peter Altmaier mit seiner Skagen Date 233 (119 Euro). Im Mittelfeld bewegen sich Verbraucherschutzministerin und CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner (Marke Fortis, 790 Euro) sowie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Zum 50. Geburtstag schenkte die Frau des Politikers ihm eine klassische Nomos (920 Euro). „Quälen kann einen jede Uhr im täglichen Terminstress“, meinte der

ehemalige Außenminister kürzlich. Aber wenn dem schon so sei, „dann sollte sie wenigstens gut aussehen“. Ähnlich denkt wohl auch Christian Lindner, NRW-Chef der FDP. Nur dass sich der liberale Uhrenfan den Luxus am Handgelenk etwas kosten lässt. Der eloquente Freidemokrat trägt eine IWC Portugieser für rund 10 800 Euro. Das alles ist allerdings Kleinkram im Vergleich zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Zu seiner Sammlung zählt eine noble Lange & Söhne Tourbillon im Wert von stolzen 380 000 Euro. Bis heute rätseln Oppositionelle, wie sich Putin dieses Stück mit einem offiziellen Jahresgehalt von umgerechnet 95 000 Euro leisten konnte. ■ AXEL SPILCKER

NRW-FDP-Chef Lindner liebt seine IWC Portugieser Er hat einen exquisiten Geschmack. Die neue Hoffnung der Freidemokraten lässt sich seine Vorliebe für teure Uhren auch etwas kosten. Sein sportliches Modell der Schweizer Nobelmarke ist für rund 10 800 Euro zu haben.

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Exportmarkt Nummer eins Angeführt von den Konzernen Richemont, LVMH und Swatch Group, exportierten die Schweizer Manufakturen 2011 allein nach Hongkong Uhren im Wert von gut vier Milliarden Franken

Lust auf Luxus nimmt zu

D

ie Rekordmeldung fiel fast unter den Tisch. Dabei hätte die Führungsetage des Verbands der Schweizerische Uhrenindustrie (FH) in der Rue d’Argent Nummer sechs im Städtchen Biel (Bienne) dieser Tage Grund gehabt, einmal so richtig zu feiern. Erstmals durchbricht die Schweizer Uhrenindustrie innerhalb eines Jahres die Exportmarke von 20 Milliarden Franken. Eine fulminante Erfolgsgeschichte, seit spätestens im 17. Jahrhundert vor allem Bauern im Schweizer Jura anfingen, sich die Winter mit dem Bauen mechanischer Zeitmesser zu vertreiben. Und dabei ist das diesjährige Weihnachtsgeschäft gerade erst angelaufen. Doch die Meister-Uhrmacher zwischen Genf und Schaffhausen können auch stärker auftrumpfen. Etwa wenn es

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darum geht, denjenigen Märkten Reverenz zu erweisen, denen der Exportboom vorrangig zu verdanken ist. Es sei eine Hommage an China, erklärte etwa Blancpain-Chef Marc Hayek Ende September dem internationalen Publikum bei der Vorstellung der Villeret Calendrier Chinois Traditionnel. Einer Uhr, die zum ersten Mal den gregorianischen und den traditionellen chinesischen Kalender auf einem Zifferblatt vereint. Präsentiert wurde die Weltneuheit im Chinesischen Garten von Zürich. Mitte August eröffnete Jaeger-LeCoultre-Chef Jérôme Lambert in Pekings prestigeträchtigstem Luxus-Shopping-Center Park Life die erste Boutique der Uhrmacher aus dem Vallée de Joux. An seiner Seite Chinas Filmstar Zhao Wei. Und erst unlängst zeigte sich Tissot glücklich, in

zwei Jahren wieder offizieller Zeitnehmer der Asienspiele 2014 in Korea zu sein. Auch das Branchenmagazin „U.J.S.“ (Uhren Juwelen Schmuck) konstatierte unlängst die neue, wichtige Rolle Asiens: Nicht wenige Vorstände von Schweizer Luxusuhrenmarken „demonstrieren unverhohlen, wo ihre Prioritäten liegen – im guten alten Europa jedenfalls nicht mehr“. Vor allem das Wirtschaftswachstum in China, Hongkong, Singapur, Thailand, Taiwan und Südkorea treibt die Auslandsabsätze von Rolex, IWC, Piaget & Co. seit Jahren an – und das nahezu ununterbrochen (s. Grafik). Vom Knick 2009 infolge der Weltwirtschaftskrise hat sich die Schweizer Uhrenindustrie „markant erholt“, bestätigt FH-Präsident Jean-Daniel Pasche. So lag selbst der FOCUS 45/2012

Fotos: Bloomberg, Mauritius

Vor allem die Boommärkte in Fernost katapultieren den Schweizer Edeluhren-Export in diesem Jahr erstmals über die Rekordmarke von 20 Milliarden Franken

Chinas Top-Verkäufer Mit seinen mehr als 1500 Filialen kontrolliert Chow Tai Fook Jewellery – hier eine der Boutiquen in Hongkong – 12,6 Prozent des Luxusuhrenmarkts im Reich der Mitte

FOCUS 45/2012

Unternehmen“. So müssten die Schweizer Uhrenmarken „ihre Preise vor allem in der Euro-Zone anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“. In Fernost zeigt sich der Luxusuhrenmarkt weitgehend robust. Eine neue Breguet-Boutique in Macao, zwei neue Edeladressen von Blancpain in Peking

Im Vorkrisentrend Entwicklung der Schweizer Luxusuhrenexporte in Mrd. Schweizer Franken

10,2 11,1

12,3

13,7

17,0

16,2 13,2

2003 04 05 06 07 08 09 10 11 2012

Delle Im härtesten Jahr der Finanzkrise 2009 lahmte auch der Uhrenverkauf

Quelle: FHS

15,9

21,2 19,8

Prognose

US-Export im vergangenen Jahr bereits wieder bei 1,98 Milliarden Franken, ein Plus von 18,4 Prozent. Wenngleich der amerikanische Markt damit gerade mal die Bedeutung von 2005 erreicht – also Vorkrisenniveau. Währenddessen auf der Überholspur ist China mit 1,64 Milliarden Franken. Das Land verdrängte nach einem Zuwachs von 48,7 Prozent Frankreich mit 1,3 Milliarden Franken auf den vierten Platz. Einsamer Spitzenreiter ist Hongkong mit 4,09 Milliarden Franken. Und daran wird sich auf Dauer nichts ändern. Erst Anfang Oktober schloss die britische Ex-Kolonie mit der Schweiz ein weiteres Freihandelsabkommen, obwohl die Sonderverwaltungszone zuvor schon auf Schweizer Importe keinerlei Zölle erhoben hat. Der einzige potenzielle Störfaktor der Schweizer Luxusuhrenindustrie ist die eigene Währung. „Über den starken Franken sind natürlich auch die Uhrenfirmen besorgt“, räumt Jean-Daniel Pasche ein. Doch setze die Währungsentwicklung weniger „den Export an sich unter Druck als die Margen der

oder Omegas neuer Flagship-Store in Hongkongs feiner DFS Galleria. Die Luxusmarken der Swatch Group wachsen vor allem in Asien zweistellig – das Plus betrug 21,7 Prozent. Der Konzern erzielte damit sein bestes Ergebnis aller Zeiten: 7,14 Milliarden Franken. Am Markt wie an der Börse ähnlich erfolgreich ist der Luxuskonzern Richemont. Insbesondere die Manufakturen Vacheron Constantin, IWC, Piaget und Jaeger-LeCoultre bescherten der Gruppe in ihrem im März 2012 beendeten Geschäftsjahr ein Plus von 31 Prozent. Im Uhrensegment stieg der Umsatz damit auf 2,32 Milliarden Euro. Mit einem Zuwachs von 36 Prozent hatte der asiatisch-pazifische Raum beträchtlichen Anteil daran, dass sich der Gesamtumsatz des Konzerns auf 8,87 Milliarden Euro erhöhte. Zur Freude der Anteilseigner hält der Aktienkurs das Tempo mit. Von 39,50 Euro zu Anfang dieses Jahres zog das Papier Ende Oktober auf ein Jahreshoch von 52,66 Euro an. ■ THOMAS VAN ZÜTPHEN

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Navigationshilfe am Arm Schon im Zweiten Weltkrieg nutzten britische Jagdflieger in ihrer Spitfire Breitliing-Fliegeruhren

Ein limitierter Überflieger Generationen von Flugpiloten schwören auf die Kultuhr Navitimer des Schweizer Herstellers Breitling. Jetzt gibt es eine Sonderausgabe zum 60. Jubiläum des Modells itunter gerät Jean-Paul Girardin ins Schwärmen. Besonders wenn es um den Klassiker aus dem Hause Breitling geht – die Navitimer. Sie sei das „Flaggschiff aller Modelle“, lobt der Vizepräsident der Schweizer Nobelmarke dann, sowie „der Verkaufsschlager“ in der gesamten 128 Jahre währenden Historie des eidgenössischen Unternehmens. Willy Breitling, der damals in dritter Generation die Uhrenschmiede führte, brachte das Modell 1952 auf den Markt. Keine andere Fliegeruhr dokumentiert so stark die Nähe des Herstellers zur Luftfahrt wie dieser Chronograph. „Dieser Typ war der erste seiner Zeit“, erläutert Girardin. Ein speziell für die Ansprüche der Luftfahrt (Aviatik) konzipiertes Handgelenk-Instrument. Früher gab es im Cockpit weder Bordcomputer noch andere elektronische Hilfsmittel, um exakte Flugdaten zu ermitteln. Der „mechanische BordPC“ von Breitling verfügte aber schon immer über den legendären kreisförmigen Rechenschieber. Dieser ermöglicht es, einfach und schnell sämtliche Navigationsoperationen durchzuführen. Die Piloten

M

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nutzten den Navitimer, um in der Höhe das Durchschnittstempo, die zurückgelegten Distanzen, den Treibstoffverbrauch oder die Steig- und Sinkflugraten zu kalkulieren. „Thank you for flying Breitling“, lauteten noch in den 90er-Jahren der Werbeslogan der Edelmanufaktur. „Die manuelle Navigation ist zwar im Zeitalter der Computer nicht mehr nötig“, referiert der stellvertretende Firmenchef, der selbst begeisterter Hubschrauberpilot ist. „Aber diese Uhr ist immer noch top unter den Fliegeruhren, allein schon deswegen, weil sie so gut ablesbar ist.“ Längst ist der NavitimerChronograph Kult geworden – und dies nicht nur unter Aeronautikfreaks. Nach firmeninternen Schätzungen wurden seit den 50er-Jahren mehrere hunderttausend Exemplare verkauft. Die „Uhrmutter aller mechanischen Chronographen“ nennt Girardin das Modell. Dieser Satz

SPEZIALAUSGABE Zum 60. gibt Breitling die Navitimer Blue Sky Limited Edition heraus Preis 8080 Euro

dokumentiert die Unternehmensphilosophie des Schweizer Herstellers. Nach der verlustreichen QuarzuhrenÄra Ende der 1970er-Jahre und nach dem Eigentümerwechsel in den 1980ern begannen die Genfer Uhrenmacher wieder rasch, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen: die Fertigung mechanischer Luxusuhren. So hat sich das Äußere des Navitimer seit seiner Geburtsstunde vor 60 Jahren kaum verändert. „Nur im Inneren wird der Chronograph mit allen Neuheiten und Komplikationen ausgestattet, die unser Haus hervorbringt“, erklärt Girardin. Anfang 2009 krönte der Genfer Produzent seinen ambitionierten Weg mit der Präsentation des werkseigenen Kalibers B 01 (Uhrwerk). Passend zum 60. Geburtstag des Kultzeitmessers hat Breitling nun eine auf 500 Stück begrenzte Serie mit einem aurorablauen Zifferblatt herausgebracht: die Navitimer Blue Sky Limited Edition. Das Jubiläumsmodell verfügt über ein Stahlgehäuse, ein automatisches Hochfrequenzwerk mit 28 800 Halbschwingungen, 47 Rubinen und einer 70-stündigen Gangreserve. Für JeanPaul Girardin stellt diese Ausgabe die perfekte Symbiose aus Altem und Neuem dar. „Diesen Weg werden wir konsequent weiterverfolgen“, betont der Vizepräsident. ■ AXEL SPILCKER FOCUS 45/2012

Neue Luxus-Linie Hamburg–Peking Umsatzplus, neue Modelle und China-Expansion: Bei Wempe, Deutschlands größtem Uhrenhändler, brummt das Geschäft uf der Sternwarte am Ochsenberg oberhalb der Uhrmacherhochburg Glashütte beginnt Hellmut Wempe an einem Oktobernachmittag zu sinnieren. Der Blick des Grandseigneurs der deutschen Schmuck- und Uhrenhändler schweift sekundenlang aus dem Fenster seiner Manufaktur Glashütte i/SA über die sächsischen Hügel. „Vielleicht“, schmunzelt der Hamburger, „setze ich mich hier oben zur Ruhe.“ Das Zwinkern seiner Augen verrät, dass der Satz nicht allzu ernst gemeint war. Ein Mann wie Wempe hört nie ganz auf. Auch nicht mit 80 Jahren. Obwohl er das Tagesgeschäft längst seiner Tochter Kim-Eva übergeben hat, mischt er immer noch mit. Schließlich sind die Zahlen, die das Familienunternehmen ein paar Stunden zuvor präsentiert hat, viel zu gut. 2011 steigerte das Hamburger Traditions-

A

haus seinen Umsatz um 22,8 Prozent auf 365,9 Millionen Euro. Knapp ein Fünftel mehr Umsatz erwirtschafteten die 20 deutschen Wempe-Boutiquen, die sieben ausländischen Filialen verzeichneten gar Zuwächse von über 32 Prozent. Bald wird zudem die neue Dependance in Peking ihre Türen öffnen. Überraschenderweise avancierte der Standort in Madrid mit einem Plus von 43 Prozent zum Top-Seller. Offenbar konnte die Euro-Krise der Branche bisher nur wenig anhaben. Im Schnitt ließen die Kunden jeweils 4474 Euro in den Geschäften. Allein durch den Verkauf hochwertiger Uhren kletterte der Umsatz des Nobeljuweliers um mehr als ein Viertel. Beflügelt durch den Erfolg, erweiterte Deutschlands größter Uhrenhändler seine Belegschaft um 60 auf 606 Mitarbeiter. Der Expansionkurs lässt sich auch

Traditionsmarke Schon in den 30er-Jahren fertigte Wempe Schiffs-Chronometer in Hamburg FOCUS 45/2012

NEUHEIT Eines der Stahlmodelle der neuen Chronometer werke Glashütte i/SA Preis 5950 Euro

an der hauseigenen Uhrenmanufaktur ablesen. Hier steht nicht nur die einzige amtliche deutsche Chronometer-Prüfstation, in der Zeitmesser auf ihre Präzision getestet werden. Hier produzieren Uhrmacher auch neue Kreationen für den Luxusuhrenmarkt. Zu seinem runden Geburtstag erhielt der Firmenpatriarch Hellmut Wempe an jenem Herbstnachmittag die neuen Highlights aus dem Hause Glashütte in Sachsen-Anhalt: Die ersten beiden ChronometerwerkeArmbanduhren mit dem neuen Kaliber CW 3 in einer Gold- und einer Stahlfassung. Sie gehören zu einer streng limitierten Auflage von 80 Exemplaren samt Signatur des Jubilars. Danach wird das Modell mit seinem Handaufzugswerk und der für Glashütte-Uhren typischen Dreiviertelplatine, verschraubten Goldchatons und dem Sonnenschliff auf dem Sperrad, ohne Gravur angeboten. 13 950 Euro soll die goldene Version kosten, das stählerne Pendant 5950 Euro. Für Hellmut Wempe, dessen Vater bereits in den 30er-Jahren Schiffs-Chronometer produzieren ließ und in Glashütte ein Weiterbildungszentrum plante, ist dies ein weiterer Schritt zur Wiederauferstehung des sächsischen Uhrenorts nach dem Fall der Mauer: „Glashütte ist durch den Aufbau hochwertiger Uhrenindustrie wieder auf der industriellen Landkarte angekommen.“ ■ AXEL SPILCKER

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Solo-Premiere Im März 2012 tauchte der Regisseur James Cameron mit einer Rolex Deepsea Challenge an Bord seines Spezial-U-Boots als erster Mensch allein in rund 11 000 Meter Tiefe

Im Rausch der Tiefe Mit zahlreichen Rekorden seit der Entwicklung wasserdichter Uhren hat das Unternehmen Rolex wesentliche Etappen der internationalen Tauchgeschichte mitgeprägt 32

ie tief kann man sinken? Als Mensch oder auch als Uhr? Auf diesem Planeten ziemlich genau 11 000 Meter. Das ist die maximale Meerestiefe – am Marianengraben im westlichen Pazifik. Eine Tiefe, die der kanadische Filmregisseur James Cameron im März dieses Jahres erkundete, als Gastforscher der National Geographic Society in den USA und unterstützt von der Genfer Luxusuhren-Manufaktur Rolex. Als sein Spezial-U-Boot nach drei Stunden wieder auftauchte, war der Vater von Filmhits wie „Titanic“ und „Avatar“ der erste Mensch, dem ein Solo-Tauchgang in fast elf Kilometer Tiefe gelungen war. Mit dabei: die Uhr Deepsea Challenge 2012, eine außen am Boot montiert und eine am Handgelenk Camerons. Das serienmäßig gefertigte Uhrwerk (Kaliber 3135) überstand den Extrem-Trip schadlos. Damit

Foto: M. Thiessen/dpa

W

Nur wenige Stücke Die Deepsea Challenge ist nur eine Konzeptuhr, deren Eigenschaften aber in Serienprodukte fließen

hatte Rolex-Forschungsdirektor Jacques Baur zwei Dinge bewiesen: dass auch Experimentaluhren gut aussehen können (Foto links) und dass Rolex-Serienwerke extreme Belastungen aushalten. Denn in 11 000 Meter Tiefe herrschen 1170 Bar Wasserdruck – ein Gewicht von mehreren Tonnen pro Quadratzentimeter Uhr. Bis dahin hatten Rolex-Ingenieure die Widerstandsfähigkeit der Uhr ausschließlich im Überdruckbehälter getestet. Unter Laborbedingungen, die bis zu 15 000 Meter Tiefe simulieren können. Rolex hatte früh damit begonnen, die eigenen Produkte im Element Wasser auszuprobieren und so deren Robustheit zu demonstrieren. Das Resultat: Sie erleiden keine nennenswerten Schäden – weder beim täglichen Händewaschen noch bei stundenlangen Tauchgängen.

Sicher zurück Eine Rolex Deepsea Challenge war am Handgelenk David Camerons befestigt, eine weitere am Roboterarm des U-Boots FOCUS 45/2012

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Gutes Investment Preisvergleich in Euro Rolex Daytona Ref. 116520 Rolex Submariner Ref. 11610 Quelle: Juwelier Leopold/Berlin

Dieses Markenmerkmal trägt bedeutend zum Erfolg von Rolex bei. Schon im Jahr 1926 brachten die Genfer die weltweit erste patentierte wasserdichte Uhr heraus und nannten sie „Oyster“ („Auster“). Damals hielt das Gehäuse bis zu zehn Meter unter Wasser dicht – ein erster Rekord. Dabei ist nicht die eigentliche Wasserdichtigkeit einer Uhr das Problem. Immerhin werden Gehäuseboden, Lünette und Aufzugskrone verschraubt. Die Dichtigkeit erhöht sich quasi automatisch, je tiefer eine Uhr taucht und somit der Wasserdruck auf Gehäuse und Dichtungen steigt. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, Zeitmesser zu bauen, die dem hohen Druck überhaupt standhalten. Das galt auch für die 1953 in Biel lancierte erste Submariner, die schon zu dieser Zeit bis zu einer Tiefe von 100 Metern wasserdicht blieb. Sieben Jahre später präsentierte das Unternehmen eine Experimentaluhr, die genau wie die aktuelle Deepsea Challenge in den Marianengraben geschickt wurde – allerdings nicht im Rahmen eines SoloTauchgangs. Die Deep Sea Special von 1960 war, ausgestattet mit einem klobigen, halbkugelförmigen Glas und an der Außenwand ihres Tieftauchschiffs

10 000 8000 6000 4000 2000 0

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Tendenz steigend Die Preise für die besonders beliebten Rolex-Modelle Daytona und Submariner legen zu

„Trieste“ befestigt. Gesteuert wurde das Schiff von dem Schweizer Jacques Piccard und dem Amerikaner Don Walsh. Der Tauchgang markierte einen beeindruckenden Rekord mit einem ungewöhnlichen, auch damals nicht für den Verkauf bestimmten Einzelstück der Submariner-Familie. Derartige Höchstleistungen trieben die Nachfrage nach Serien-SubmarinerUhren mit Automatikwerken in die Höhe.

Tauchers Ikone – die Submariner von Rolex

Breite Palette Vom Basismodell ohne Datum (M.) bis zur Weißgoldversion (l.) kosten Submariner 6000 bis 33 000 Euro

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Obwohl oder weil sie über die Jahrzehnte ständig weiterentwickelt wurden und dabei ihr Gesicht kontinuierlich veränderten – zumindest bei den Details. Zunächst wurden Gehäuse und Lünette verstärkt, zwei Jahre darauf bekam sie einen Kronenschutz. In den Vitrinen der Rolex-Konzessionäre tauchten Mitte der 70er-Jahre Varianten mit Plexiglas auf, und wenig später erhielt die Submariner ihre erste Datumsanzeige. Ende der 80er-Jahre bekam die Submariner ein Saphirglas. Die Rolex-Baumeister schafften es, die Uhr bis auf 300 Meter Wassertiefe abzudichten. Ein entscheidender Schritt dafür, dass sie bei Profis, Gelegenheitstauchern und Nichtschwimmern gleichermaßen als Ikone der Taucheruhren gilt. Unabhängig davon, ob mit oder ohne Datumsanzeige, ob in Edelstahl, Weißgold oder Gelbgold – variantenreich auch in der Preispalette, die von 6000 bis 33 000 Euro reicht. Die Rolex-Konzeption „Ringlock“ ermöglichte wichtige Weiterentwicklungen der Submariner. Zuerst 2005 zur Sea Dweller, 2008 dann zur Sea Dweller Deepsea, die sogar der Rekordtiefe von 3900 Meter standhält. Dabei wird der Druck unter Wasser auf verschiedene Bau-Elemente verteilt. So ruht das mehr als fünf Millimeter dicke und gehärtete Saphirglas nicht mehr klassisch auf dem Gehäuse, sondern auf einem „Kompressionsring“ aus Stahl im Inneren, der in Verbindung mit dem Gehäuseboden und dessen Haltering einen Großteil des Drucks vom umliegenden Gehäuse nimmt. Dadurch verteilt sich der Druck, der auf dem Außengehäuse lastet, auf eine größere Fläche. Den Löwenanteil der Kräfte nimmt die robuste Innenkonstruktion auf. Diese patentierte „Ringlock“-Lösung kam auch bei der Forschungsuhr Deepsea Challenge aus dem Frühjahr zum Einsatz. Die im Laden erhältliche Serien-Deepsea mit dieser Konstruktion ist 18 Millimeter hoch und misst im Durchmesser 43 Millimeter. Sie ist damit quasi die größere – und auch etwas schwerere – Schwester der klassischen Submariner. Und vor allem eine der wasserdichtesten mechanischen Uhren, die jemals in Serienproduktion gingen ■ THOMAS VAN ZÜTPHEN

FOCUS 45/2012