Bruder Klaus

Bruder Klaus

600 Jahre Bruder Klaus «Ich bin dankbar, dass er einfach nur der ‹Klaus› ist» Seit November 2016 ist Josef Rosenast Bruder-Klausen-Kaplan und somit a...

624KB Sizes 1 Downloads 11 Views

Recommend Documents

Rundbrief März 2010 - Bruder Klaus
Fuss von Liestal nach Sachseln wall- fahren. ... die Waschküche sowie ein Kulturgüter- schutzraum errichtet .... und Med

Neuaufbruch im Museum Bruder Klaus
04.03.2013 - licher werden?» (Franz Jägerstätter). Als Kulturtreffpunkt und Begeg- nungsort für alle Generationen bietet

Die Ehe von Bruder Klaus und Dorothea als prophetisches Zeichen
11.05.1997 - des; das neue Pessach ist das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. ... uneingeschränkten Dienst ihres Ehemann

auf dem weg zwischen glauben und schauen - Bruder Klaus
würfe in die Tiefe graben oder gar wie Adler die Welt überblicken. ... Jesus vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht

Pfarrei: Flittard, Stammheim, Bruder Klaus - Christen am Rhein
28.02.2010 - nisch in der Bruder Klaus Siedlung, in Flittard und in Stammheim im Norden von KÃ˝uln. Ihr. Pfarrleben ko

Klaus-Jürgen Bruder Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen
Allerdings meine ich nicht den Krieg als die Bedrohung, nicht die Kriegsgefahr, sondern ... Und der Höhepunkt, das Übers

White Gillian - Text u. Biografie - Museum Bruder Klaus Sachseln
09.04.2017 - Nicht von ungefähr heisst die Monografie, die 2009 zur Ausstellung im Kunstmuseum Olten bei Schei- degger

Unterwegs auf dem Jakobsweg in Obwalden - Bruder Klaus
Lungern –. Schönbüel. Melchtal. Grafenort. Stans 451 m. Hergiswil. 449 m. LUZERN. Pilatus. Stansstad. 435 m. Alpnachstad

Bruder Klaus und Dorothea - Leben aus der Eucharistie
Ihr Männer, liebt eure Frauen, ... als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine ... Niklaus lie

Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Jörg Hein - Psychosozial
Eva König-Werner, Jörg Kronauer, Uwe Krüger,. Christiane Reymann, Jürgen Rose, Rainer Rupp,. Michael Schulze von Gla

600 Jahre Bruder Klaus

«Ich bin dankbar, dass er einfach nur der ‹Klaus› ist» Seit November 2016 ist Josef Rosenast Bruder-Klausen-Kaplan und somit auch Ansprechpartner für die jährlich bis zu 100 000 Pilger, die den Weg in den Ranft finden. Die «Civitas» hat sich mit dem Wallfahrtspriester Josef Rosenast v/o Pink zu Beginn des Jubiläumsjahres 600 Jahre Bruder Klaus zum Gespräch getroffen. Dieses Jahr feiern wir den 600. Geburtstag von Niklaus von Flüe. Mystiker – Mahner – Friedensstifter – Familienvater – Heiliger – was ist für Dich die wichtigste Bezeichnung für Bruder Klaus?

Ich finde das Dreigestirn vom Motto – Mensch, Mittler, Mystiker – eigentlich treffend. Für mich ist ganz wesentlich, dass dies zusammengehört. Dies bewahrt auch vor irgendwelcher Vereinnahmung. Zuerst war er Mensch und Mittler, dann Berater und Mystiker. Das ist der Weg, den Klaus gemacht hat. Er ist ja nicht schon als Mystiker geboren. Den Weg, den er gemacht hat, muss man als Ganzes sehen, jener Weg macht den Niklaus aus, den wir heute Bruder Klaus nennen. Ein Mystiker aus dem 15. Jh., also vor rund 600 Jahren, ein Familienvater, der faktisch die Familie verliess. Was hat eine solche Person uns heute noch zu sagen?

Ich betone dies ganz gerne anders, um auch mal zu verstehen, was das Ganze eigentlich bedeutet. Niklaus verliess nicht in erster ­Linie Familie und Kind, sondern er verzich-

tete auf die Sicherheit und die Geborgenheit einer Familie, Sicherheit im Alter, welche man hat, wenn man eine grosse Familie hat. Er verzichtete auf all dies, um sich frei zu machen von materieller Gebundenheit, und ging in die Einsamkeit. Ich vergleiche es auch mit uns Priestern heutzutage. Ein Priester, der auf Familie und Partnerschaft verzichtet, ist nicht einer, der das nicht stemmen mag und darum flüchtet. Sondern einer, der zugunsten von etwas Anderem verzichtet. Er betrachtet dies nicht einfach als Leiden im Sinne von, ich darf nicht heiraten, sondern es ist zugunsten eines anderen Wertes. Dies gibt dann Kraft. Mit 50 Jahren liess er die Familie zurück und ging zunächst ins Elsass, danach in den Ranft, ungefähr 100–200 m Luftlinie von zu Hause. Darf man dies auch als eine Art Flucht verstehen?

Ich persönlich glaube dies nicht. Er war sehr aktiv, politisch und militärisch. Und zudem auch engagiert: mit einer grossen Familie, als Bauer und ihm ging es ja gut. Er war ein reicher Bauer. Er hatte keinen Grund zu flüchten. Wichtig scheint mir, dass dies in jener Zeit gar nichts Abwegiges war. Darum ging er ja vorerst auch ins Elsass. Dort gab es damals viele Waldbrüder. Der Wegzug, um Waldbruder zu werden, ist nicht so ungewöhnlich.

welches bereits über der damaligen Lebenserwartung lag. Und er verblieb noch 20 Jahre als Eremit im Ranft. Wieso ging er nicht früher weg?

Ich glaube, er wollte sicher schon früher gehen. Es wird ja auch berichtet, dass zunächst seine Familie und seine Frau nicht einverstanden waren. Es ging darum, miteinander einen Weg zu gehen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war. Sein Weggehen war nicht ein Entscheid von heute auf morgen.

«

Insofern der schweizerische Radikalismus seit der Zeit der Helvetik auf Wilhelm Tell setzte, den Revolutionär, schien den katholischen Studenten Bruder Klaus eine konservative Alternative zu sein.»

Er ist ein Aussteiger, nicht in erster Linie ein Flüchtender. Auch in der heutigen Zeit gibt es solche, die diesen Weg als sinnvoll erachten. Weggehen aus dem Alltag, in dem man gefangen ist, etwas Neues suchen und wieder Kraft tanken. Ob Bruder Klaus, als er in den Ranft ging, wirklich vorhatte, 20 Jahre zu bleiben, glaube ich nicht. Dorothea, seine Frau, war ca. Ende 30,

Im Alter von 50 Jahren ging Niklaus

als Niklaus fortzog und mehrfache

in den Ranft, in einem Alter notabene,

Mutter. Der älteste Sohn war Anfang 20, der jüngste kaum geboren. Was war ihre Rolle in den 20 Jahren, als Niklaus im Ranft war? Und welche Rolle hatte sein ältester Sohn?

Fotos: C. A. Ambiel

Sie kochte für die Pilger. Manchmal holte sie bei ihm Rat, auch in Familienangelegen­ heiten. Der älteste Sohn nahm den Platz vom Vater ein und sorgte für die Familie. Das war dazumal bei einer so grossen Familie auch üblich. Aber Dorothe war eine wehrhafte Frau. Es ging ihr und der Familie ja auch gut. Die von Flües waren eine wohlhabende Familie. Von seiner Mutter her war Niklaus von Flüe bereits wohlhabend. Und mit Doro«Es ist auch ein mystischer Ort.»

28  Civitas 2/2016-2017

thea Wyss ehelichte er eine vermögende

600 Jahre Bruder Klaus

Bauerntochter. Seine Söhne verbanden sich später ebenfalls mit reichen Obwaldner Familien. Spielte diese soziale Sicherheit auch mit, dass Niklaus bei einem Scheitern des Projekts jederzeit wieder in den Alltag zurückkehren konnte?

Das glaube ich weniger. Er war überzeugt, dass es der richtige Moment war. Wenn er Angst um die Familie gehabt hätte, hätte er den Schritt nicht getan. Niklaus und die Familie gingen den Weg zusammen und haben dann auch gemeinsam entschieden: Niklaus, du musst dem Ruf Gottes folgen.

punkte werden vertreten, aber Bruder Klaus lehrt eben genau, auf die anderen zu hören und aufgrund dessen, seinen Standpunkt wieder zu überprüfen. Hier sehe ich ihn als politisches Vorbild. Ein weiterer Punkt ist der Frieden, Frieden nicht nur im Sinne von Frieden predigen, sondern ihn auch als Friedensapostel zu sehen und sich zu überlegen, wie Frieden entsteht, nicht zuzuwarten, bis die Regierung endlich Frieden macht. Frieden beginnt bei jedem Einzelnen. Niklaus suchte den Frieden mit Gott und so konnte er Ratgeber dafür sein, den Frieden zu suchen.

Wo kann er uns heute als Vorbild dienen? Nicht einfach

Wie muss man sich so eine

als Heiliger, sondern als

Begegnung mit ihm im Ranft

Mensch, Familienvater, Mah-

vorstellen?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass Bruder Klaus weder schreiEben gerade als Heiliger! Ich ben noch lesen konnte. Darum bin dankbar, dass es einfach glaube ich, dass er zunächst nur der «Klaus» ist, nicht der «… auf alles verzichtet, um hier ein sehr radikales Beispiel einfach zugehört hat. Es gibt ja Bischof oder Ordensmann, sonzu geben.» Berichte von Menschen, die von dern ein normaler Mann, ein Schliesslich ist auch der Lebensstil von weither zu ihm pilgerten, um Rat zu holen. Vater, der heiliggesprochen wurde. Sonst sind es oft Päpste oder Ordensleute, die hei- Bruder Klaus vorbildlich: Er hätte ganz an- Offensichtlich scheint er ein Mensch geweliggesprochen werden, weil diese auch eine ders leben können. Aber verzichten und be- sen zu sein, der zuhören konnte, bevor er Lobby hinter sich haben. Gerade das ist für scheiden zu sein ist doch eine enorm wichti- einen Rat gab. Natürlich spielen auch seine Erfahrungen als Familienvater, Politiker, mich ein wunderschönes Zeichen, auch im ge Eigenschaft. Bauer eine Rolle. Er konnte als Mensch Rat Heiligwerden. Heiligwerden in der Spur von Bruder Klaus heisst, an seinem Platz Niklaus ist heute vor allem auch bekannt geben. Vor allem auch, weil er in sich gekehrt war und die Verbindung zu Gott suchte. mit seinen Möglichkeiten, seinen Fähigkei- als Friedensförderer und FriedensstifIch glaube, wenn die Menschen schon ten heilig werden. Daher ist für mich Doro- ter. Im Zusammenhang mit dem Stanser in diesen Ranft hinuntergestiegen sind und thea auch eine Heilige, denn ohne Dorothe Verkommnis sowie zuvor bereits mit den dort diesen Mann trafen, der gezeichnet war gäbe es Bruder Klaus nicht. Für mich wäre Burgunderkriegen, wo er zur Mässigung es daher ein schönes Zeichen, wenn Bruder mahnte. Was war damals seine Rolle bzw. vom einfachen Leben, fühlten sich die Menschen scheinbar angezogen. Klaus und Dorothe als heiliges Paar gelten wie wurde er wahrgenommen und was würden. kann man heute noch daraus lernen? Bruder Klaus ist sodann ein Vorbild, in Vielleicht etwas typisch Schweizerisches, Zu Beginn hast Du es kurz angesprochen, dem er offen war für den Ruf Gottes. Was nämlich Kompromisse zu schliessen. Als es war auch ein Lebensentwurf, der nicht auch immer dieser bringen mag. Ich denke, wichtigste Eigenschaft von Bruder Klaus einfach nur fremd war. Man ging in die dies wäre auch heute für junge Menschen könnte man den Gehorsam sehen, aufeinan- Einsiedelei, zieht sich zurück. Aber wie ungeheuer wichtig. In sich hinein hören und der hören. Wenn man sich heute Diskussi- wurde das damals in der Öffentlichkeit versuchen zu spüren, was Gott von einem onen im Radio oder Fernsehen anhört und wahrgenommen, als Niklaus sich zurückwill. Mit meinen Fähigkeiten, Möglichkei- ansieht, stellt man sehr schnell fest, wie we- zog? ten eine Welt bewegen bzw. einen Dienst an nig der heutige Mensch zuhören kann. Auch Ich glaube auch nicht, dass damals alle dader Welt leisten können. Das ist das Wich- das Parteiwesen in unserer Gesellschaft geht mit einverstanden waren. Einige dachten tigste von Bruder Klaus und Dorothe: auf immer mehr in diese Richtung. Parteien gewiss, der Niklaus «spinne». Ich kann mir den Ruf Gottes zu hören. sind an und für sich gut, gegenseitige Stand- gut vorstellen, dass dieses Unverständnis ner, Mittler …

Civitas 2/2016-2017  29

600 Jahre Bruder Klaus

auch da war. Ähnlich wie es wahrscheinlich heute auch sein würde. In der Art, wie die Familie von Flüe den Wegzug erlebte, haben die Leute es dann wohl auch begriffen und akzeptiert. Es ist nicht immer einfach, einen solchen Weg zu verstehen. Politisch wird Bruder Klaus heute von verschiedenen Seiten vereinnahmt. Jetzt wird er quasi posthum zum Martyrer, wenn er für die Politik der SVP herhalten muss. Ich finde diese Vereinnahmung total verkehrt. Oftmals sind es falsche Verständnisse, die dahinterstecken. Er wird für die falschen Ziele vereinnahmt. Er war kein Politiker, wie sie ihn heute darstellen. Papst Johannes Paul II. hat, als er im Flüeli war, dies schön erklärt. «Machet den Zaun nicht zu weit, aber wagt über den Zaun hinaus­ zuschauen.» Bruder Klaus hat sehr wohl akzeptiert, Räume zu erweitern. Sonst hätte er sich ja kaum dafür eingesetzt, dass Fribourg und Solothurn in den Bund auf­ genommen werden. Das ist eben das Problem bei den Politikern, dass sie nicht eine friedliche Lösung suchen, sondern eine abgesonderte Sicht, für die sie Bruder Klaus herbeiziehen. «Machet den Zaun nicht zu weit» ver­ lockt geradewegs, als Parabel für Abgrenzung und Abschottung zu dienen.

Nein, ich glaube es ist vielmehr ein Aufruf zur Bescheidenheit und nicht zum Eigennutz. Das ist ja das, was heute oftmals im Vordergrund steht. Gegen dieses Verständnis wandte sich Bruder Klaus. Er mein-

«Mehr Ranft» auch bei den Devotionalien.

30  Civitas 2/2016-2017

te damit mehr Bescheidenheit und mehr ­Zufriedenheit – vor allem mit dem Gedanken, dass mehr Zufriedenheit glücklich macht. Darum hat er auch grad auf alles verzichtet, um hier ein sehr radikales Beispiel zu geben. Er merkte, dass er nichts braucht. Das kann man jetzt glauben oder nicht, jedenfalls ist es erwiesen. Er hatte damals die Kraft, wahrscheinlich auch durch die enge Verbundenheit zu Gott, dass er nichts benötigte. Der Friedensförderer und -stifter ging ja, bevor er heiratete, 15–20 Jahre in den Krieg, von Schlacht zu Schlacht. Wie passt dies zum Friedensbild, das wir von Bruder Klaus haben?

Ich vergleiche dies mit unserer Zeit. Ich bin als Prediger auch schon gefragt worden, wie ich als Hauptmann das Priester-Gewand tragen könne. Da erwiderte ich jeweils, dass

«

Ich schliesse das Haus. Lieber eine Armee haben, die man nie braucht, als keine zu haben und dann zu Grunde gehen, wenn man sie brauchen würde. So stelle ich mir den Bruder Klaus auch vor. Wo würdest Du heute die Rolle eines Bruder Klaus als Mittler in einer politischen Auseinandersetzung sehen?

Ich denke, erstens in jener Art, wie er sich als Mittler verhalten hat, nämlich sich­ beide Seiten anzuhören und dann geht es ja letztendlich meistens um einen Kompromiss. Es gibt keine Situation, wo nur der Eine Recht hat. Sondern man muss aufeinander hören und eine Annäherung suchen. Nur dann geht es. Obwohl sich die Fronten verhärten, ist es ja etwas Urschweizerisches, Kompromisse zu finden. Da ist Bruder Klaus, denke ich, immer noch im Hintergrund tätig.

Mehr Ranft»: Mehr Bescheidenheit, mehr Oasen, mehr Einsamkeit im Sinne der Zurückgezogenheit

wir in der Schweiz eine Defensivarmee haben. Bei uns ist es so, dass ich unser schönes Land und die Bevölkerung schütze, indem ich meinen Dienst tue. Das ist etwas Wesentliches. Wenn ich nur an den Frieden glauben würde, dann müsste ich ja keine Tür schliessen, da ja alle friedlich sind. Das gibt es aber eben nicht und darum verteidige ich mich:

Damals war der Ranft ja noch viel weiter weg als heute und vor allem führte kein Weg in diese dunkle Schlucht hinunter, wo kaum Tageslicht hin drang. Welche Ausstrahlung hatte dieser Ort, abgesehen von der Person, die dort war, auf die Menschen, die dahingingen?

Zuerst einmal ist es für mich ein symbolischer Ort. Ich muss vom hohen Ross hinuntersteigen. Erst dann bin ich fähig, einen Mittler anzunehmen, auf ihn zu hören. Solange ich auf dem hohen Ross sitze, habe ich das Gefühl, niemanden zu brauchen. Ich muss zuerst hinuntersteigen, um aufsteigen zu können. Ich muss etwas loslassen, das mir Wohlsein gibt, um für das Wesentliche frei zu werden. Ich beginne, dann auch offen zu werden für die Menschen, denen es vielleicht nicht so gut geht. Gerade das erlebe ich eher, wenn ich den Schritt in diese Gegend mache, in diese Kargheit, in das Wilde. Gerade jetzt im Winter ist es extrem unwirtlich. Darum hat auch dieses Motto «Mehr Ranft» sehr viel mit heute zu tun: Mehr Bescheidenheit, mehr Oasen, mehr Einsamkeit im Sinne der Zurückgezogenheit, sich zurückziehen, um wieder neue Kraft zu schöpfen.

600 Jahre Bruder Klaus

Sammelst Du dort unten auch Kraft?

Bereichen der Schweiz gehabt hatte,

Ja, aber nicht nur wegen dem geografischen Ort, sondern weil auch Bruder Klaus dort lebte und wirkte. Daher wurde er auch zum Kraftort. Aber ich denke schon, dass es auch ein mystischer Ort ist. Der Bach da unten, der Wald, die Schlucht. Das führt einen zu sich selbst zurück. Man wird auf sich selber zurückgeworfen und ist daher auch wieder offen für Gott. Ich glaube auch, das Offenwerden für Gott kommt erst dort, wo ich von mir selber loslassen kann. Auch dort «Mehr Ranft», ich bin bereit, nach unten zu steigen und von mir wegzukommen, von allen Annehmlichkeiten und Schönheiten der Natur, vom Menschen usw.

seliggesprochen wurde?

Es werden sehr wenig Leute heiliggesprochen, die nicht eine Lobby hinter sich haben, die den Prozess vorantreiben würde. Bei ihm war es vielleicht auch gar nicht nötig. Er starb im Ruf der Heiligkeit und das reichte den Leuten damals. Das ist ähnlich wie heute, wenn die Leute auch ab und zu sagen, dass die Dorothea nicht unbedingt heiliggesprochen werden muss. Da sie es für uns schon ist. Aber mit der Kanonisierung stellt man jemanden als Vorbild hin. Was ist die Rolle eines Bruder Klaus, eines heiligen Niklaus von Flüe in der heutigen römisch-katholischen Kirche?

rischen Studentenvereins (StV). Wie müsste man seine Rolle, welche er inne hatte, stärken, damit der StV diese Person wieder vermehrt wahrnehmen würde?

Bruder Klaus ist zuallererst ein ökumenischer Heiliger, da er ja vor der Reformation lebte. Er hatte schon dazumal eine wichtige Bedeutung für den konfessionellen Frieden. Für mich ist daher Bruder Klaus auch wichtig im konfessionellen und interreligiösen Dialog. Und wenn ich da jetzt den StV anschaue, den farbentragenden Verein, diese Vielfarbigkeit, ist Bruder Klaus auch der Patron der Vielfarbigkeit. Er ist Sinnbild dafür, dass man für die verschiedenen «Couleurs» offen ist, eben auch Offenheit im konfessionellen und interreligiösen Gespräch, auch wenn der StV zuerst einmal ein katholischer Verein ist. Einerseits finde ich es nach wie vor wichtig, diese Überzeugung zu haben. Man soll zu seiner Überzeugung stehen, aber gleichzeitig offen sein für andere. Wie eben Johannes Paul II. gesagt hatte: «Machet den Zaun nicht zu weit, aber wagt, über den Zaun hinauszuschauen.» Das gilt für mich im Wesentlichen auch im religiösen Bereich. Bruder Klaus lebte von 1417 bis 1487. Er starb im Ruf der Heiligkeit, aber es dauerte doch länger, bis man ihn etwa um 1570 weiterherum zu verehren begann. Die Seligsprechung war 1649. Rund 200 Jahre nach seinem Tod wurde er seliggesprochen. Ist es nicht eine etwas lange Zeitdauer festzustellen, dass jemand, der doch eine bedeutende Rolle in gewissen

Wesentlich ist ein Heiliger für mich ein Vorbild. Er ist einer von uns, nichts Aussergewöhnliches, dies scheint mir wichtig. Er sollte ein Vorbild für jeden Menschen sein: Auch du kannst heilig werden. Man sollte Bruder Klaus nicht nachahmen, sondern mit seinen eigenen Möglichkeiten, seiner eigenen Art und in der heutigen Zeit heilig werden. «Heilig sein» heisst ja eigentlich nichts anderes, als das Ziel zu erreichen, in den Himmel zu kommen, das heisst, jeder Mensch im Himmel ist heilig. Ich denke, all die Eigenschaften, die wir jetzt schon aufgezählt haben, können Beispiele sein. Jeder hat einen Ruf, sehr viele hören in leider nicht, weil sie sich nicht wagen hinunterzusteigen. «Mehr Ranft» heisst darum auch, mehr Räume zu finden, Orte zu finden, wo ich den Ruf Gottes hören kann, der mich glücklich macht. In einer Zeit, wo sehr viele Menschen am Lebenssinn zweifeln, ist Bruder Klaus ein Vorbild auf der Suche. Das Motto dieses Gedenk­jahres ist ­ «Mehr Ranft». Das muss für Dich ja ein grandioses Motto sein als Bruder-Klausen-Kaplan. Was wirst Du tun, damit das Motto dieses Gedenkjahr überdauert?

Das ist natürlich ganz wichtig für uns. Wir wollen ein nachhaltiges Jubiläumsjahr. Darum haben wir auch nicht alles auf Sachseln konzentriert, sondern machen Projekte, die überall hingehen, bspw. bei der Bruder-Klaus-Kapelle wird gefeiert, im Seealpsee gibt es einen Friedensweg. Für mich als Kaplan ist es vor allem eine spirituelle Aufgabe. Ich möchte Menschen begleiten auf der Suche nach «mehr Ranft», nach Stille,

nach Begegnung mit Gott und der Suche nach Lebenssinn. Dies, glaube ich, muss letztendlich nachhaltig sein. Das heisst, «mehr Ranft» ist nicht nur lokal zu verstehen, sondern überregional?

Es kann jeder in den Ranft kommen. Es wird daher sicher mehr Pilger durch das Gedenkjahr geben. Aber das ist eigentlich nicht die Haupterwartung. Darum hat man auch bewusst viele Dinge ausserhalb vom Ranft und vom Flüeli organisiert, z. B. Vorträge in Luzern oder in Zug. Und es gibt diverse Anlässe und kantonale Projekte, wo auch verschiedene Pfarreien aktiv mitmachen. Ad personam Josef Rosenast (*1950) ist seit November 2016 Bruder-Klausen-Kaplan in Sachseln. Der Pallottinerpater wirkte von 2002–2015 als Generalvikar des Bistums St. Gallen. Er war während mehrerer Jahre in den Schulleitungen von Ebikon LU (St. Klemens) sowie Gossau SG (Friedberg) tätig. Pater Josef Rosenast war auch Provinzial der Pallottiner in der Schweiz sowie Dekan im Bistum St. Gallen. Er studierte Theologie, Philosophie und Heilpädagogik. Im Militär war er Feldprediger. Josef Rosenast v/o Pink ist Mitglied der Rotacher, der Leonina und der Helvetia Romana.

Civitas 2/2016-2017  31

Foto: Thomas Gmür

Bruder Klaus ist Patron des Schweize­