COP-Projekt III - Deutsches Global Compact Netzwerk

COP-Projekt III - Deutsches Global Compact Netzwerk

Deutsche Unternehmen im Global Compact CSR als Weg aus der Krise? „Eine qualitative Analyse der Fortschrittsmitteilungen und Nachhaltigkeitsberichte v...

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Deutsche Unternehmen im Global Compact CSR als Weg aus der Krise? „Eine qualitative Analyse der Fortschrittsmitteilungen und Nachhaltigkeitsberichte von vier Energie-Unternehmen und zwei Logistik-Unternehmen“

COP-Projekt III

Juni 2009

Autoren: Lothar Rieth, Jasmin Boghrat TU Darmstadt, Institut für Politikwissenschaft mit Unterstützung von Oliver Glindemann TU Darmstadt, Hochschuldidaktische Arbeitstelle (HDA)

mit

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ....................................................................................................... ii Zusammenfassung ..................................................................................................... iii 1. Aktuelle Entwicklungen: Der Global Compact und die Finanzkrise ......................... 1 1.1. Der UN Global Compact in Deutschland................................................................................ 4 1.2. Die zentrale Bedeutung von COPs und das COP Notable Programm .................................... 4 1.3. Das COP Review Projekt an der TU Darmstadt ..................................................................... 8

2. Die Kernthemen des Global Compact und ihre unternehmerische Umsetzung ........ 9 2.1. Problemaufriss: Energiebranche und Logistik ..................................................................... 10 2.2. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Menschenrechte/ Arbeitsnormen.............................. 11 2.3. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Umweltschutz ........................................................... 12 2.4. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Anti-Korruption......................................................... 14

3. Weitere relevante Aspekte der Berichterstattung................................................... 19 3.1 Berichtsgrenzen – Was ist der Gegenstand der Berichterstattung? ...................................... 19 3.2. Zielsetzung, Umsetzung und Ergebnissicherung ................................................................. 20 3.3. Nachhaltigkeitsthemen im Printbericht, Internet-Portal und Konzernlagebericht............... 21 3.4. Veröffentlichung sensibler Themenfelder............................................................................ 22 3.5. Interaktion mit Stakeholdergruppen ................................................................................... 22

4. Global Reporting Initiative: Der lange beschwerliche Weg der Umsetzung ........... 24 4.1. Aktuelle Trends.................................................................................................................... 24 4.2. Das GRI OS-Treffen am 18./19.Februar 2009 in Stuttgart.................................................. 25 4.3. Die Einhaltung allgemeiner GRI-Leitlinien – Empiriecheck................................................. 25 4.4. Analyse ausgewählter GRI-Indikatoren ............................................................................... 27

5. Das COP-Projekt aus Sicht der Unternehmen und der Studierenden ..................... 30 5.1. Rückmeldung von den Studierenden................................................................................... 30 5.2. Rückmeldungen aus den Unternehmen............................................................................... 31

6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick.................................................... 32 Dank ......................................................................................................................... 35 Weitere Informationen zum Projekt .......................................................................... 36

ii

Zusammenfassung Der UN Global Compact entwickelt sich trotz widriger globaler Marktbedingungen stetig weiter. Nicht nur die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen nimmt ständig zu, sondern auch die Bereitschaft in regelmäßigen Abständen Fortschrittsmitteilungen (COPs) zu verfassen. Die konsequente Durchsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen durch das Global Compact-Büro hat in den letzten beiden Jahren zur Streichung einer stattlichen Anzahl von Unternehmen aus der Global Compact-Teilnehmerliste geführt. Es besteht nun ein zusätzlicher Anreiz bzw. wächst der Druck auf Unternehmen, jährlich eine COP zu verfassen. Dadurch wurde die Wertigkeit des Global Compact-Engagements gesteigert, sodass sich eine Teilnahme am Compact in der Zwischenzeit als Mindeststandard etabliert hat und von NGOs, CSR-Rating-Agenturen etc. auch als solcher bei Unternehmen erwartet wird. Um sich stärker von anderen Unternehmen zu differenzieren, haben Global-Compact Teilnehmer darüber hinaus die Möglichkeit, durch die vorbildliche Erfüllung der COP-Kriterien positiv ausgezeichnet zu werden. Wenn dies aus Sicht des Global Compact zutrifft, wird ein Unternehmen im Rahmen des “Notable COP-Program“ ausgezeichnet. Aus Deutschland wurden bislang erst 17 Unternehmen diese Ehre zuteil. Das COP-Projekt an der Technischen Universität Darmstadt hat in der dritten Auflage eine Analyse des CSR-Engagements von vier Energie- und zwei Logistik-Unternehmen durchgeführt. Über die Beurteilung der formalen COP-Kriterien hinaus wurde die Leistung der sechs Unternehmen in den zentralen CSR-Kernthemenfeldern untersucht. Im Rahmen der Analyse ließen sich neben der bewährt umfassenden Berichterstattung im Bereich Umweltschutz auch signifikant positive Veränderungen in den Bereichen Menschenrechte/Arbeitsnormen feststellen, wohingegen die unternehmerischen Bemühungen in der Korruptionsbekämpfung noch immer als stark ausbaufähig bezeichnet werden können. Gleichwohl gibt es in allen zuvor genannten Teilbereichen noch erhebliches Verbesserungspotential. Jenseits der inhaltlichen Bearbeitung von CSR-Kernthemen, haben sich zudem weitere relevante Aspekte der Berichterstattung herauskristallisiert. So wurde bei einigen der untersuchten Unternehmen deutlich, dass eine unzureichende Bestimmung der Berichtsgrenzen, insbesondere der Organisationseinheiten im Inund Ausland nur ein unvollständiges Gesamtbild des Nachhaltigengagements dargestellt wird. Weitere nützliche Erkenntnisse ergeben sich für den Leser aus einer Bestimmung der Zielsetzung, einer anschließenden Ergebnissicherung, sowie in der innovativen Aufbereitung der Berichtsinhalte. Überdies hat eine genauere Analyse der Berichterstattung nach GRI-Leitlinien bestätigt, dass sich Unternehmen nur selten präzise an ihnen orientieren und stattdessen häufig sehr willkürlich oder nur sehr lückenhaft berichten. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass die Berichte in der Zwischenzeit in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden, andererseits lässt die Klarheit und Genauigkeit der Daten noch manche Wünsche offen. So ist beispielsweise nur selten ein Vergleich zwischen den einzelnen Unternehmen möglich, da zum Teil sehr unterschiedliche, bevorzugt absolute und nur vereinzelt relative, Kennzahlen angegeben werden. Insgesamt ist somit unabhängig davon, ob die Daten extern geprüft werden, eine abschließende vergleichende Gesamtbewertung kaum möglich. Ob das verstärkte CSR-Engagement als ein Weg aus der Krise bezeichnet werden kann, hängt letztlich von den Beteiligten in den Unternehmen selbst ab. Die Nachfrage nach CSR-Informationen hat zuletzt stark zugenommen und in der Krise kaum nachgelassen. Auch wenn durch zusätzliche CSRMaßnahmen nicht immer ein kurzfristiger wirtschaftlicher Mehrwert generiert werden kann, so zeigen aktuelle Börsenanalysen, das gesellschaftliches Engagement einem Unternehmen auch mittelfristig nicht schadet. Außerdem haben die Missstände und Irrationalitäten der Finanzkrise den gesunden aufgeklärten Menschenverstand bestätigt, der nie in Zweifel gezogen hat, dass ein zusätzlicher Einsatz für die eigenen Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden, Maßnahmen für den Umweltschutz oder gegen Bestechung einem Unternehmen in einer sozialen Marktwirtschaft eigentlich niemals schaden (dürften), nur scheinen dies Manager wie Konsumenten in den letzten Jahren vergessen bzw. verdrängt zu haben. Unternehmen, Zivilgesellschaft und nicht zuletzt die öffentliche Hand sind gerade in diesen turbulenten Zeiten - und dies bestätigt auch diese Untersuchung - mehr denn je auf einander angewiesen. Über öffentlich-private Partnerschaften und Multistakeholder-Initiativen können alle Akteure, insbesondere Unternehmen, noch viel voneinander lernen können.

iii

iv

1. Aktuelle Entwicklungen: Der Global Compact und die Finanzkrise Das Global Compact-Büro hat Anfang April 2009 seinen Jahresbericht für das vergangene Jahr 2008 herausgegeben. Ein Blick auf die Entwicklung der Teilnehmerzahlen zeigt, dass sich der Global Compact weiterhin im Aufwind befindet (vgl. Abbildung 2, Stand 20.05.2009: 5069 Unternehmen. Unterstrichen wird dieser Trend durch die zunehmende Disziplin der Unternehmen in regelmäßigen Abständen Fortschrittsmitteilungen (“Communication on Progress“ - COPs) zu verfassen. Waren es vor vier Jahren nur knapp 300 Unternehmen, die ihrer COP-Pflicht nachkamen, so hat im Jahr 2008 die stattliche Zahl von 1700 Unternehmen eine COP eingereicht. (vgl. Abbildung 1). Weiterhin wird die 2004 Abbildung 2: Entwicklung der Zahl der Global eingeführte “Delisting“-Policy bei Compact-Teilnehmer, Quelle: Global Compact Nichteinhaltung der COP-Vorgaben nun konAnnual Review 2008 sequent umgesetzt. Es wurden im Jahr 2008 insgesamt weitere 404 Unternehmen aus der offiziellen Teilnehmerliste auf der Global Compact-Homepage entfernt.1 Im April 2009 wurde ferner eine leicht modifizierte COP-Policy eingeführt, die helfen soll die Berichtsdisziplin bei Unternehmen im laufenden Jahr weiter zu optimieren (nähere Informationen dazu in Kapitel 1.2.). Dennoch wurde im Jahresrückblick des Global Compact auch deutlich, dass die grundsätzlich positiven Entwicklungen quantitativer Natur hinsichtlich der Teilnehmerzahl und der Einhaltung der Berichtspflicht, nicht über Defizite in der qualitativen Umsetzung der zehn Global Compact-Prinzipien hinwegtäuschen können (vgl. auch Untersuchungsergebnisse im COP II-Bericht (2008)). Das formale Bekenntnis zu den CSR-Kernthemen geht nicht automatisch mit einer gleichermaßen konsequenten Umsetzung der zehn Prinzipien einher. Positive Weiterentwicklungen und Unternehmensaktivitäten im Bereich Umweltschutz stehen einer zurückhaltenden Umsetzung in den Bereichen Menschenrechtsschutz und Korruptionsbekämpfung gegenüber. In diesem Zusammenhang ist positiv hervorzuheben, dass das Global Compact-Büro in den letzten Jahren zu einer differenzierteren und selbstkritischeren Betrachtung ihrer eigenen Leistungen übergangen ist, wobei die Erkenntnisse auch weiterhin stark auf Unternehmensbefragungen und weniger auf unabhängigen Analysen von externen Beobachtern basieren. In Ergänzung zu Unternehmensbefragungen des Global Compact-Büros erstellt

Abbildung 1: Entwicklung der eingereichten COPs

1

Vgl. Fact Sheet-UN Global Compact Annual Review 2008, 8 April 2009 http://www.unglobalcompact.org/docs/news_events/9.1_news_archives/2009_04_08/Fact_Sheet.pdf, letzter Zugriff 20.05.2009). 1

das COP-Projekt an der TU Darmstadt detaillierte Unternehmensanalysen. Es ist das erklärte Ziel, auf der Basis solide recherchierter Analysen in den Dialog mit Unternehmen zu treten und die Stärken und Schwächen eines Unternehmens zu erörtern. Wie in den Projekten zuvor, wurden auch in der dritten Auflage des COP-Projekts wieder Unternehmen aus Branchen bzw. Clustern ausgewählt, so dass auch ein direkter Unternehmensvergleich von “Best Practices“ möglich ist. Die Finanzkrise Im Vergleich zu den enormen derzeitigen Umwälzungen in der Weltwirtschaft treten die zuvor beschriebenen Entwicklungen im Rahmen des Global Compact auf den ersten Blick in den Hintergrund. Stattdessen stellt sich generell die Frage, ob Unternehmen, die aktiv gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich beispielsweise zu den zehn Prinzipien des Global Compact bekannt haben, bessere Chancen haben, gestärkt aus Abbildung 3: Entwicklung der Aktien-Indizes, der Finanzkrise hervorzugehen. Es ist vielQuelle: SAM DJSI World Index, April 2009 leicht mehr als nur eine Randnotiz, dass das ehemalige amerikanische Investmenthaus Lehman Brothers sich nicht zu den Global Compact “Principles for Responsible Investment (PRI)“ bekannt hat. Gleiches gilt für andere Unternehmen aus der Finanzbranche, die stark von der Krise betroffen sind und zeitweise um ihr Überleben kämpften. In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in die Liste der PRI-Unterzeichner und auch der Zeitpunkt Ihrer Unterzeichnung. Andererseits wird auch allgemein deutlich, dass die Finanzbranche - von einigen Ausnahmen abgesehen - auch bisher in CSR-Kreisen nicht durch pro-aktives gesellschaftliches Engagement aufgefallen ist. Dies bestätigen nicht zuletzt auch Äußerungen von CSRRating-Institutionen, die in den letzten Monaten erstaunlicherweise ein nachlassendes Interesse an Feedbackgesprächen zu Rating-Ergebnissen bei Unternehmen aus der Finanzbranche feststellten. Hier stellt sich die Frage, welche Bedeutung Themen wie Nachhaltiges Wirtschaften und CSR bei den so genannten „systemrelevanten“ Finanzorganisationen in der sozialen Marktwirtschaft spielen. Unabhängig davon, in welchem Maße die Finanzbranche sich selbst zu CSR-Prinzipien bekennt und entsprechende CSR-Maßnahmen zur Umsetzung ergreift, so zeigt sich, dass das Interesse an nachhaltigen Investmentfonds trotz schwieriger Marktlage nicht nachgelassen hat. Bis einschließlich März 2009 wurden in 294 Fonds, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, ca. 21 Mrd. Euro investiert, alleine in diesem Jahr sind bereits 19 Fonds mit einem Volumen von 865 Mio. Euro in Deutschland hinzugekommen.2 Diese Nachricht gewinnt an Bedeutung, wenn zeitgleich in Deutschland im ersten Quartal 142 “Mainstream“- Fonds für Privatanleger geschlossen oder zusammengelegt wurden und nur 62 Fonds neu aufgelegt wurden.3 Weiterhin stellt sich der Privatanleger genauso wie der institutionelle Investor die Frage, ob Investitionen auf der Basis nachhaltiger Kriterien die Performanz der getätigten Investitionen verbessert. Ausgehend von der in der CSR-Community weitgehend geteilten

2

Vgl. www.nachhaltiges-investment.org, letzter Zugriff 28.05.2009: Marktentwicklung Nachhaltige Publikumsfonds 1. Quartal 2009. 3 Vgl. Artikel, Financial Times Deutschland vom 15.04.2009: Investmentfirmen schrumpfen Fonds. 2

Auffassung, dass Anlagen in “Socially Responsible Investment“ die Erfolgschancen nicht schmälern, so stellt sich umgekehrt aber auch die Frage, ob Nachhaltigkeitsindizes die Finanzkrise und fallende Börsenkurse auf breiter Front besser verkraftet haben als klassische Indizes. Interessanterweise gab es bis August 2008 fast eine gleichförmige und gleichwertige Entwicklung, beispielsweise des Dow Jones Sustainability World Index, einem der weltweit bekanntesten Nachhaltigkeitsindizes (aus der Familie der Dow Jones Sustainability Indizes (DJSI)) im Vergleich zum MSCI World-Index.4 Es fällt auf, dass der DJSI World-Index in allen Vergleichen (s. Abbildung 4) besser abschneidet als ein Investment in den MSCI World-Index oder ein Investment in den wichtigsten Abbildung 4: Entwicklung der Aktien-Indizes, Quelle: SAM, deutschen Aktienindex, den DAX-30. Deutsche Börse, 15.04.2009

Der deutsche Staat wird aktiv: Konstituierung und Aktivitäten des deutschen CSR-Forum In der Folge der Vorstellung der Studie „Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (CSR) zwischen Markt und Politik“, die einen Versuch unternonmmen hat, den aktuellen Stand der CSR-Debatte in Deutschland wiederzugeben, nahm Anfang des Jahres 2009 das Nationale CSR-Forum seine Arbeit auf. Das Nationale CSR-Forum, das aus 40 Vertretern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Verbraucher- und Umweltschutzverbänden sowie Politik besteht, hat das Ziel, die Bundesregierung bei der Entwicklung einer nationalen CSR-Strategie zu beraten und zu unterstützen. Ende April wurde mit dem „Gemeinsam[en] Verständnis von Corporate Social Responsibility (CSR) in Deutschland“ ein erstes Arbeitsergebnis vorgestellt.5 Im Wesentlichen wurde auf anderthalb Seiten das in Deutschland vorherrschende CSR-Verständnis niedergeschrieben. Auch wenn keine besonders weit reichenden oder überraschenden Neuerungen im Dokument enthalten sind, so ist es dennoch erwähnenswert, dass die verabschiedete Erklärung im Wesentlichen das CSR-Verständnis der Europäischen Kommission widerspiegelt.6 Demnach steht „CSR für eine nachhaltige Unternehmensführung im Kerngeschäft, die in der Geschäftsstrategie des Unternehmens verankert ist“. Auch wurde hervorgehoben, dass CSR freiwillig, aber nicht beliebig ist. Die Stärkung des Gemeinwesens durch regionales und lokales (häufig philanthropisches) Engagement wurde auch in dieses CSR-Grundverständnis mit aufgenommen, wobei philanthropische Maßnahmen als Ergänzung zu CSR-Maßnahmen im Kerngeschäft verstanden werden. Es wäre wünschenswert, wenn das Dokument in Kürze auch in englischer Sprache vorliegen würde, da es auf deutsche Besonderheiten, wie z.B. das hohe gesetzliche Niveau in den Politikfeldern Soziales und Ökologie eingeht. Diese deutschen Besonderheiten werden von deutschen Unternehmensvertretern häufig angeführt, aber selten als glaubwürdiges Argument akzeptiert. Darüber hinaus ist 4

Vgl. http://www.sustainabilityindex.com/djsi_pdf/publications/Factsheets/SAM_IndexesMonthly_DJSIWorld.pdf, letzter Zugriff 20.05.2009: Dow Jones Sustainability World Index, April 2009. 5 Vgl CSR-Forum verabschiedet Grundlagen zur nachhaltigen Unternehmensführung, 28.April 2009: http://www.csr-in-deutschland.de/portal/generator/8262/090428__zweites__csr__forum.html, letzter Zugriff 20.05.2009. 6 European Commission (2001). Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility. Brussels, Directorate General for Employment and Social Affairs. Luxemburg: Office for Official Publication of the European Communities: 32 S. 3

vielen ausländischen Beobachtern die, in Deutschland stark verbreitete, Philosophie „darüber spricht man nicht, man tut es einfach“ nur schwer zu vermitteln. Darüber hinaus ist es auch erwähnenswert, dass der Deutsche Gesetzgeber das Vergaberecht reformiert hat.7 Er ermöglicht öffentlichen Auftraggebern nun ausdrücklich, bei der Vergabe die Beachtung sozialer und ökologischer Kriterien in der Auftragsausführung einzubeziehen. Somit können Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen, für ihr Engagement von öffentlichen Auftraggebern werden, ohne das gegen nationales Wettbewerbsrecht verstoßen wird. 1.1. Der UN Global Compact in Deutschland Im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich mit über 500 teilnehmenden Unternehmen im Global Compact handelt 120 es sich beim deutschen Global Compact Netzwerk um 100 ein eher kleineres Netzwerk, 80 das aber wie im letzten COP II-Bericht ausführlich beTn insgesamt 60 Zuwachs/Jahr schrieben wurde, nicht nur zwei Drittel aller DAX-30 40 Unternehmen umfasst, son20 dern aufgrund der Teilnahme andere Stakeholder0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Gruppen zu Recht als Multi9 14 24 32 48 72 92 117 Tn insgesamt 6 stakeholder-Forum be3 5 10 8 16 24 20 25 Zuwachs/Jahr 6 schrieben werden kann. ZuAbbildung 5: Entwicklung der teilnehmenden Unternehmen im dem wurde die TeilnehmerGlobal Compact in Deutschland 2000-2008 zahl kontinuierlich gesteiQuelle: Global Compact Homepage, New York, 26.05.2009 gert (s. Abb. 5). 1.2. Die zentrale Bedeutung von COPs und das “COP Notable Program“ Im Rahmen des Global Compact haben Unternehmen, wie in Abschnitt 1.1. bereits beschrieben, seit 2004 die Verpflichtung jährlich eine Fortschrittsmitteilung (“Communication on Progress“/ COP)8 zu veröffentlichen. Diese sollte integriert im Nachhaltigkeits- oder Geschäftsbericht veröffentlicht werden. Die COP kann aber auch als einzelnes Dokument veröffentlicht werden. Dies geschieht bei zweijähriger Berichterstattung häufig als Status-Report. Zeitgleich wurden erstmals weiche Sanktionsmittel eingeführt, d.h. Unternehmen, die über mehrere Berichtszeiträume dieser Pflicht nicht nachkommen, sind vom Ausschluss aus dem Global Compact bedroht.9 Weitere Veränderungen hat das Global Compact-Büro mit der Überarbei-

7

Vgl. Vergabereform tritt in Kraft: http://www.csr-indeutschland.de/portal/generator/8306/2009__04__30__vergaberechtsreform.html, letzter Zugriff: 20.05.2009) 8 Einen „Praxisratgeber für eine Fortschrittsmitteilung“ finden Sie unter: http://www.gtz.de/de/dokumente/de-gc-praxisratgeber-fortschrittsmitteilung-2005.pdf, letzter Zugriff 26.05.09) 9 Vgl. Übersicht über Integritätsmaßnahmen des Global Compact: http://66.109.24.102:8080/opencms2/export/unglobalcompact/COP/Overview/COP_Policy.pdf, letzter Zugriff 15.12.2008. 4

tung der COP-Policy Anfang April 2009 eingeführt.10 Seither haben beispielsweise neue Mitglieder nicht mehr zwei Jahre, sondern nur noch ein Jahr Zeit, um ihre erste Fortschrittsmitteilung zu veröffentlichen. Zudem gilt nun die Regelung, dass neue Mitglieder in den ersten fünf Jahren mindestens über zwei der vier Bereiche (Menschenrechte, Umwelt, Arbeits- und Sozialstandards, Anti-Korruption) des Global Compact berichten müssen. Trotz dieser leicht verschärften Teilnahmebedingungen, die zur Qualitätssicherung und Erhöhung der Glaubwürdigkeit der Initiative eingeführt wurden, kann mit der formellen Einreichung eines COPs jedoch nicht direkt auf die erhöhte Wirksamkeit des Global Compact geschlossen werden. Notwendig ist darüber hinaus eine qualitative Sicherung der Eingaben, die allerdings bisher nur in begrenztem Maße stattgefunden hat. So wird das New Yorker Global Compact-Büro seit Einführung der COP-Policy wöchentlich mit Dutzenden von Nachhaltigkeitsberichten überflutet, denen jedoch aus Mangel an Ressourcen nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Die Mitarbeiter versuchen nach Kräften, die COPs wenigstens auf ihre formelle Vollständigkeit zu überprüfen, wohl wissend dass eine umfassende Überprüfung aller COPs den Möglichkeitsrahmen des New Yorker Global Compact-Büros übersteigt. Unternehmen deren COP-Eingang formell untersucht wurde, werden daher anschließend nur mit einem kurzen Schreiben über den Eingang ihres COP informiert. Zusätzlich werden nach Möglichkeit allgemeine Vorschläge zur Verbesserung des jeweiligen COP ohne detailliertes inhaltliches Feedback unterbreitet. Besonders vorbildliche COPs werden außerdem als mustergültige Beispiele (“notable COP“) ausgezeichnet und auf der Global Compact-Homepage als solche ausgewiesen.11 Das “Notable COP Program“ wurde im Jahr 2004 durch das UN Global Compact Office ins Leben gerufen. Um als “notable“ ausgezeichnet zu werden, sind die Qualität und der Umfang der gegebenen Informationen ein wichtiges Bewertungskriterium. Um als “notable“ eingestuft zu werden, müssen zunächst die elementaren Anforderungen an eine COP erfüllt werden, wie sie in der “COP policy“12 definiert sind. Diese umfassen: 1. ein Bekenntnis zu einer weiteren Unterstützung des Global Compact im Vorwort durch ein Vorstandsmitglied. 2. die Beschreibung von Aktivitäten und gegebenenfalls von Grundsätzen. In den ersten fünf Jahren zunächst in mindestens zwei der vier Bereiche (Menschenrechte, Umwelt, Arbeits- und Sozialstandards, Anti-Korruption) der zehn Prinzipien. Anschließend zu allen vier Bereichen. 3. die Identifikation von Zielen, Definition von Performanz Indikatoren und Messung der Ergebnisse.

10

Siehe auch http://www.unglobalcompact.org/docs/communication_on_progress/COP_Policy.pdf letzter Zugriff 29.04.09. 11 Besonders vorbildliche COPs/Fortschrittsmitteilungen werden durch das Notable COP-Programm hervorgehoben, und dienen somit als Vorbild für andere Unternehmen (s. http://www.unglobalcompact.org/COP/notable_cops.html, letzter Zugriff 15.12.2008) 12 Siehe auch http://www.unglobalcompact.org/docs/communication_on_progress/COP_Policy.pdf letzter Zugriff 29.04.09. 5

Neben diesen Grundlagen wurden vier Hauptkriterien13 mit jeweiligen Unterkriterien definiert, welche erfüllt werden müssen.14 Dabei handelt es sich um Informationen: 1. zur weiteren Unterstützung des Global Compact. 2. zu praktischen Maßnahmen, die unternommen wurden um die Prinzipien des UN Global Compact umzusetzen oder um die Durchführung von “partnership projects“ zu unterstützen. 3. zur Entwicklung des Unternehmens bezüglich der gesetzten Ziele. 4. Zur Berichterstattung und ihrer Struktur. Bisher wurden 274 von 5.287 COPs als “notable“ gekennzeichnet15; 19 COPs davon stammen von deutschen Unternehmen (siehe Tabelle 1).16 Positiv fallen in diesem Zusammenhang vor allem die BASF AG und die Allianz SE auf. Sie wurden als einzige zweimal als “notable“ eingestuft. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum dieses Prädikat nicht von mehr Unternehmen angestrebt und erreicht wird. Die Bewertung “notable“ wird durch das UN Global Compact-Büro vergeben. Ein Unternehmen, dass den “notable“ Status erhält, kann sich somit positiv von anderen Global Compact-Teilnehmern abheben und sieht seinen besonderen Einsatz dokumentiert. Somit kann die Auszeichnung zu einem Reputationsgewinn führen, da das Unternehmen anschließend quasi in einer Art „Bestenliste“ als “Best Practice“ geführt wird. Die Anforderungen, um als “notable“ eingestuft zu werden, sind für Unternehmen im Prinzip mit keinem größeren Aufwand verbunden, sondern nur mit einer transparenten Darstellung der durchgeführten Maßnahmen. Aus diesem Grunde lohnt eine zusätzliche SelbstÜberprüfung des eigenen COP, eine Checkliste ist in diesem COP-Bericht in der Heftmitte enthalten.

13

Siehe auch http://www.unglobalcompact.org/docs/communication_on_progress/Notable_COPs.pdf, letzter Zugriff 24.03.09. 14 Die genauen Anforderungen können Sie der Checkliste auf Seite 16-17 entnehmen. 15 Stand 27. Mai 2009, Quelle: www.unglobalcompact.org. 16 Stand 27. Mai 2009, Quelle: www.unglobalcompact.org. 6

Tabelle 1: Auflistung der deutschen “notable“ COPs (in chronologischer Reihenfolge) Unternehmen

Zeitraum

Titel

Allianz SE

01/2004-12/2004

Sustainability Website and Annual Report 2003

Daimler AG

03/2004-08/2005

Corporate Social Responsibility Report, Environmental Report and Annual Report 2004

Macondo

08/2004-08/2005

Macondo COP 2005

BASF AG

01/2005-12/2005

Corporate Report 2005

WestLB AG

01/2005-12/2005

New Thinking. Sustainability Report 2005

Merck KGaA

10/2005-12/2007

Responsibility for Employees, the Environment and the Community - Report 2007

Volkswagen AG

08/2005-08/2006

One plus one equals three

E.ON AG

01/2006-12/2006

Changing Energy - CSR Report 2006

Commerzbank AG

01/2006-12/2006

Corporate Responsibility Report 2007

Miele & Cie. KG

01/2006-12/2006

Nachhaltigkeitsbericht 2008

WestLB AG

01/2006-09/2007

Asking Questions - Sustainability Report 2007 incl. Report on Progress under the Global Compact

Osram GmbH

10/2006-09/2007

OSRAM Communication on Progress 2007

Deutsche Post DHL

07/2006-06/2008

Deutsche Post World Net - Communication on Progress

Allianz SE

09/2006-09/2007

Allianz: COP 2006/2007

BASF AG Bayer AG

BASF Report 2007 and Global Compact Section of BASF's Sustainability Website Science For A Better Life - Sustainable Development Re01/2007-12/2007 port 2007 01/2007-12/2007

Deutsche Telekom AG 01/2007-12/2007

COP 2007

Henkel AG & Co. KGaA 01/2007-12/2007

Our commitment

Puma AG

01/2007-12/2007

Interim Report 2008

Quelle: Global Compact Homepage, www.unglobalcompact.org, letzter Zugriff 20.05.2009.

7

1.3. Das COP Review Projekt an der TU Darmstadt Das COP Review Projekt widmete sich im Wintersemester 2008/09 bereits zum dritten Mal der Untersuchung des CSR- und Nachhaltigkeitsengagements verschiedener deutscher Großunternehmen. Dabei versucht es zum einen, den Unternehmen im Rahmen der UN Global Compact-„COP-Policy“ ein Feedback zu geben. Zum anderen widmet es sich der Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Lehre. Wie oben bereits ausführlich beschrieben wird im Rahmen der Teilnahme am UN Global Compact von Unternehmen jährlich die Veröffentlichung einer COP erwartet. In dieser sollen Global Compact-Teilnehmer beschreiben, wie sie die zehn Prinzipien in der Unternehmenspraxis umsetzen und im besten Fall die eigenen Stärken und Schwächen und die zukünftigen CSR-Ziele dokumentieren. Eine COP kann separat oder – wie vom Global Compact-Büro bevorzugt – integriert in den Nachhaltigkeitsbericht oder Geschäftsbericht veröffentlicht werden. Bei aktuell mehr als 5.100 teilnehmenden Unternehmen aus über 130 Ländern17 ist es den Mitarbeitern des Global Compact leider nicht möglich, den Unternehmen ein detailliertes individuelles Feedback zu geben. Diese Lücke schließt das COP Review Projekt in Ansätzen und erarbeitet ein detailliertes, fundiertes sowie individuelles Feedback für die teilnehmenden Unternehmen. Basis und Bewertungsmaßstab der Feedback-Analyse sind die vom Global Compact definierten Anforderungen an eine COP und in Teilen die Berücksichtigung von GRILeitlinien. Zusätzlich werden die CSR-Leistungen der Unternehmen anhand des Stufenmodells des organisationalen Lernens von Zadek (2004) bewertet (vgl. COP-I Bericht für eine detaillierte Beschreibung).18 Im Wintersemester 2008/2009 wurden in der dritten Projektphase sechs deutsche Unternehmen mit Unterstützung des Deutschen Global Compact-Netzwerks einer intensiven Untersuchung unterzogen, darunter auch zwei Unternehmen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung noch nicht Global Compact-Teilnehmer waren. Dabei standen zwei Branchen im Vordergrund: Zum einen die Energie- und zum anderen die Logistik-Branche. Tabelle 2: Unternehmensauswahl COP III-Projekt

Energie

GC-Tn seit

Logistik

GC-Tn seit

EnBW

-

Deutsche Bahn

04/200919

E.ON

04/2005

Deutsche Post DHL

07/2006

RWE

01/2004

Vattenfall

07/2008

17

http://www.unglobalcompact.org/AboutTheGC/index.html, letzter Zugriff 27.05.09 Vgl. COP I-Bericht, der explizit auf das Modell von Simon Zadek eingeht: Zadek, S. (2004). "The Path to Corporate Responsibility." Harvard Business Review 82(12): 125-132). 19 Die Deutsche Bahn ist erst nach Ende unseres Untersuchungszeitraums am 15.April 2009 dem Global Compact beigetreten. 18

8

2. Die Kernthemen des Global Compact und ihre unternehmerische Umsetzung Es gehört mittlerweile zum guten Ton bei deutschen und internationalen Großunternehmen, sich zur aktiven Übernahme gesellschaftlichen Engagements zu bekennen. Im Regelfall wird das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen in Leitbildern, Verhaltenskodizes und in Form von freiwilligen Selbstverpflichtungen dokumentiert. Wird im Rahmen eines Unternehmensleitbildes stärker die schriftliche Formulierung der Unternehmensphilosophie verstanden, so verpflichtet sich ein Unternehmen mit einem Verhaltenskodex selbst zur Einhaltung bestimmter Verhaltensrichtlinien.20 In fast allen Unternehmen finden sich in Leitbildern oder Verhaltenskodizes vollmundige Formulierungen, wie sich Unternehmen „aus Überzeugung für eine soziale Gesellschaft engagieren“ oder dass „die Wahrnehmung von Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt ein wesentlicher Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg darstellt“. Eine direkte Prüfung der Umsetzung in den CSR-Kernfeldern findet zumeist nur indirekt statt, denn auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werden im Regelfall nur zur Prüfung der Gültigkeit der Daten hinzugezogen, die im Nachhaltigkeitsbericht dargestellt sind, und auch diese erfolgt häufig nur selektiv bei ausgewählten Maßnahmen und zum Teil auch nur mit „begrenzter Sicherheit“ anstatt „hinreichender Sicherheit“, wie es im „Prüferdeutsch“ heißt. Es bleibt fraglich, welcher Teil der “CSR-Community“ zwischen „Aufträgen zur Prüfung“ und „Aufträgen zur prüferischen Durchsicht“ im Bereich der Nachhaltigkeit unterscheiden kann.21 Nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Klarheit und des bisher eingeschränkten und nicht geklärten inhaltlichen Mehrwerts von Testaten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sieht ein Großteil der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, von einer externen Prüfung seiner Nachhaltigkeitsberichte immer noch ab. In der Folge werden die gewonnen Erkenntnisse aus dem COP-Projekt vorgestellt, die ohne Kenntnisse interner Unterlagen, sondern auf Basis öffentlich zugänglicher Dokumente erarbeitet wurden. Im Vordergrund steht die Beantwortung der Leitfrage, ob ein Unternehmen sein CSR-Engagement plausibel nachvollziehbar darlegt und alle wesentlichen CSR-Maßnahmen ergreift. Insgesamt fiel bei der Zusammenstellung der Gesamtergebnisse auf, dass die meisten Unternehmen aus den beiden untersuchten Branchen Energie und Logistik (a) im Menschenrechtsbereich in Bezug auf ihre Einflusssphäre ihre Hausaufgaben noch nicht vollständig gemacht haben und häufig in allgemeine Formulierungen flüchten, (b) z.T. umfangreiche Maßnahmen zur Umsetzung von Arbeitsnormen erfolgt sind, jedoch dort nur selten eigene Defizite thematisieren und (c) im Umweltschutz bereits große Fortschritte gemacht wurden, und die Kritik auf einem insgesamt höheren Niveau ansetzt, aber dennoch viele Formen der Darstellung der Ergebnisse für Nicht-Experten nicht immer nachvollziehbar ist.

20

Vgl. Ansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship und der Bedeutung von Leitbildern in z.B. Schaltegger et al. (2007): Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen, Wolfsburg. 21 Vgl. den aktuellen Prüfungsstandard des Instituts der Wirtschaftsprüfer zur ordnungsmäßigen Prüfung oder prüferischen Durchsicht von Berichten im Bereich der Nachhaltigkeit: IDW PS 821 Grundsätze ordnungsmäßiger Prüfung oder prüferischer Durchsicht von Berichten im Bereich der Nachhaltigkeit. 9

Zu guter Letzt wird im Bereich Korruptionsbekämpfung in den meisten Fällen angedeutet, dass bereits interne Maßnahmen eingeleitet wurden, diese aber extern nicht transparent kommuniziert werden. Auffällig dabei ist, dass nur wenige Unternehmen schildern, dass es während des Berichtszeitraums in diesem Themenbereich zu Verfehlungen gekommen ist. Bedauerlicherweise schweigen die meisten Unternehmen zu den Ergebnissen der internen Anti-Korruptionsbemühungen. 2.1. Problemaufriss: Energiebranche und Logistik Bevor die detaillierten Arbeitsergebnisse vorgestellt werden, werden die besonderen Herausforderungen in den beiden untersuchten Branchen Energie und Logistik skizziert.22 Energiebranche Die Energiebranche war im COP III-Projekt mit den vier größten in Deutschland tätigen Energiekonzernen EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall vertreten. Das besondere am deutschen Energiemarkt ist das vorherrschende Oligopol. So besitzen die vier Konzerne quasi ein Monopol bei den Übertragungsnetzen und verfügen über einen 80%igen Marktanteil im Bereich der Energieerzeugung. Es bleibt eine offene Frage, ob und in welcher Weise Energieunternehmen im Sinne von CSR-Überlegungen für Versorgungssicherheit, mehr Wettbewerb und faire Preise verantwortlich sind, oder ob nur über staatliche Maßnahmen, z.B. über die Bundesnetzagentur mit Hilfe geringerer Durchleitungsentgelte oder eine funktionierende Strombörse in Leipzig, niedrigere Strompreise entstehen können. Diese Frage bleibt im Raum, auch wenn Sie in dieser Untersuchung nicht explizit thematisiert wird. Bezogen auf die klassischen CSR-Themenfelder stellt die Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette, insbesondere bezüglich der Beschaffungsländer von Rohstoffen, ein besonderes Problem dar. So werden ein Großteil der Energierohstoffe im Ausland angekauft: 100% des Mineralöls, 100% der Kernenergieträger und 82% des Erdgases, nur der Stein- und Braunkohleanteil wird zum überwiegenden Teil selbst gefördert. Im Arbeits- und Gesundheitsschutz stehen die Energiekonzerne durch eine Vielzahl an Großbaustellen vor besonderen Herausforderungen. Der Umweltschutz überragt alle andere CSR-Themenfelder. So stehen neben der Endlagerungsproblematik, Störfällen besonders in Kernkraftwerken, die Themen Reduzierung der CO2-Emissionen sowie der Anteil erneuerbarer Energien im Vordergrund der öffentlichen Diskussion. Es gilt zu prüfen, ob eine Reduzierung der CO2-Emissionen primär über Energieeffizienzmaßnahmen, Einsatz und die Weiternutzung von Kernkraftwerken oder über die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien zu realisieren ist. Insbesondere bezogen auf den zuletzt genannten Aspekt, besteht von NGOs und Kunden ein besonderes Interesse an einer transparenten Aufschlüsselungen und Darstellungen der Diversifizierung von Energierohstoffen. Das Thema Anti-Korruption bezieht sich einerseits auf Vorteilsnahme im Anlagenbau, aber auch auf die Verbindungen zwischen Politikern und der Energiewirtschaft und der Möglichkeit der Einflussnahme auf die Gestaltung der Wirtschaftspolitik. Logistik Die Logistik-Sparte – im COP-Projekt repräsentiert durch Deutsche Post World Net und die Deutsche Bahn – sieht sich verschiedenen gesellschaftlichen Anforderungen gegenüber. Von Logistikunternehmen wird eine Berichterstattung zu sozialen Aspekten ihres Unternehmens,

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Die folgenden Darstellung basieren in großen Teilen auf IÖW (2007): Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland; SAM (2008): Sustainability Yearbook.

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wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aber auch Sicherheit der Arbeitsplätze und “Outsourcing“, erwartet. Ebenso steht die Kundenfreundlichkeit in Form von Kommunikation, Transportsicherheit und Verbraucherschutz im Fokus. Nicht zu vergessen sind in diesem Sektor der Umwelt- und Klimaschutz, da die Ressourcennutzung und Energieeffizienz stark in der öffentlichen Wahrnehmung stehen u. a. bei der Verwendung verschiedener Antriebmittel. Die Thematik der Anti-Korruption steht zwar nicht primär im Fokus der Öffentlichkeit, kann aber bei Verfehlungen wie bei anderen Branchen schnell zu einem wichtigen Thema werden kann, wie Fälle aus der Vergangenheit beweisen. Bei Berücksichtigung der aktuellen Berichterstattung zur Deutschen Bahn und der „Daten-Affäre“ wird aber auch deutlich, wie vorsichtig mit diesem Thema umgegangen werden muss. Dies führt dazu, dass in diesem konkreten Fall eine sensible und selbstkritische Berichterstattung von Unternehmen erwartet wird. 2.2. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Menschenrechte/ Arbeitsnormen Insgesamt fällt es den sechs untersuchten Unternehmen schwer, zu den Themen Menschenrechtsschutz und Einhaltung von Arbeitsnormen konkrete Angaben zu machen. In vielen Fällen wird auf die bereits hohen gesetzlich verankerten Vorschriften in Deutschland sowie Westeuropa verwiesen und damit eine bewusste Auseinandersetzung mit der Einflusssphäre eines Unternehmens und den besonderen Anforderungen bei der Einhaltung der Kernarbeitsnormen der ILO vermieden. Insbesondere, wenn ein Unternehmen darauf hinweist, in vielen Ländern außerhalb Westeuropas tätig zu sein oder in Abbildung 6: Auszug aus der Wertschöpfungskette, weit über 200 Ländern und Territorien RWE 2008 aktiv zu sein. Zu diesem Zweck ist es empfehlenswert, die Wertschöpfungskette nachvollziehbar abzubilden und die wichtigen CSRHerausforderungen zu benennen, dies erfolgt bedauerlicherweise nicht immer. (vgl. GRIVorgaben 1.2. “Strategy and Analysis“). Einige Unternehmen haben bereits Verhaltenskodizes für Lieferanten eingeführt und Bewertungen der Erstlieferanten bezüglich ökologisch und sozialer Anforderungen umgesetzt. Ob diese positiv oder negative ausgefallen sind, dazu ist von den meisten analysierten Unternehmen wenig zu erfahren. Generell fällt auf, dass in den beiden untersuchten Branchen nur wenige konkrete Informationen über Lieferanten und Lieferantenbeziehungen zu finden sind. Hier sind internationale Konkurrenten bereits einen Schritt weiter. Vorbilder wie Nike, die alle ihre Lieferanten und Bezugsquellen offen gelegt haben, sind in Deutschland weitgehend unerreicht. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz nimmt bei den untersuchten Unternehmen eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Die Darstellung und Aufarbeitung von Arbeitsunfällen (inkl. meldepflichtigen Unfällen) ist noch nicht hinreichend erfolgt. Insbesondere die Aufarbeitung von Unfällen im eigenen Unternehmen oder Fremdfirmen erfolgt noch in vielen Fällen nicht in nachvollziehbarer Art und Weise. Konkrete Formen der Umsetzung in Form von Managementsystemen zur Förderung des konzernweiten Arbeitsschutzes stellen eher eine Ausnahme 11

dar. Die Bedeutung des Gesundheitsmanagement hat auch in Hinblick auf den demographischen Wandel als wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg zugenommen. Mit diversen innovativen Maßnahmen (wie z.B. Gesundheitstagen bei der Deutschen Bahn oder “Health Management Toolkits“) werden Mitarbeiter motiviert, stärker auf ihre persönliche Verantwortung zu achten. Die Messung durchgeführter Maßnahmen im Gesundheitsschutz erfolgt jedoch noch sehr unterschiedlich. Der Rückgang der Krankentage allein kann sehr wohl auch andere Gründe haben. Weiterhin wurden überdurchschnittlich häufig Frauenförderung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie (“Work/life-Balance“) und Anti-Diskrimierung (“Diversity management“) als Maßnahmen zur Einhaltung von Menschenrechten und Arbeitsnormen genannt. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Unternehmen aus den Branchen Energie und Logistik in den weniger öffentlichkeitswirksamen Feldern Menschenrechte noch einige Hausarbeiten zu leisten haben, aber bezüglich der Förderung von Arbeitsnormen insgesamt erhebliche Anstrengungen unternommen und Fortschritte gemacht haben. Eine konkretere Darstellung der Wertschöpfungskette und Darstellung der daraus abzuleitenden Herausforderungen hilft, die eigene Einflusssphäre näher zu bestimmen und einerseits im außer-europäischen Ausland ein aktiveres Lieferanten-Management durchzuführen und andererseits auch zweckmäßige Arbeitsschutzmaßnahmen und unterstützende Gesundheitsprogramme für Mitarbeiter im Inund Ausland anzubieten. Bezogen auf die Branche Energie wird bedauerlicherweise immer noch ignoriert, wo und wie die importierten Energieträger gewonnen werden. Unternehmen aus der Logistik-Branche könnten durch detaillierte Materialitätsanalysen unter Einbeziehung von wichtigen Stakeholden gezielter Schwerpunktthemen besetzen (vgl. COP II-Bericht). Abschließend bleibt festzuhalten, dass zwar viele Kodizes und Managementsysteme zur Förderung von Menschenrechten und Arbeitsnormen eingeführt wurden, aber Beschwerdemanagementsysteme bleiben die Ausnahme, sodass die Glaubwürdigkeit vieler Maßnahmen nicht zuletzt durch fehlende Nennung von Erfolgen und Misserfolgen darunter leidet. 2.3. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Umweltschutz Dem Thema Umweltschutz widmen sich alle untersuchten Unternehmen mit Hingabe. Nicht nur, dass das Thema Umweltschutz seit dem Umweltgipfel der Vereinten Nationen im Jahr 1992 in Rio im Fokus der Öffentlichkeit steht, in diesem Thema bestehen die größten offensichtlichen Synergien unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Darüber hinaus drohen neue politische Gesetze und Verordnungen, sodass es Unternehmen wichtig ist, als pro-aktiv wahrgenommen zu werden. So wurden in fast allen Unternehmen spezielle Umweltprogramme mit prägnanten Namen eingeführt. Ziel ist es, von außen als Akteur wahrgenommen zu werden. Dies geschieht beispielsweise über die Durchführung zielgerichteter Maßnahmen für den Klimaschutz. Somit leisten Unter-

Abbildung 7: Emissionen bei der Energieerzeugung, EnBW 2008

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nehmen einen Beitrag zu politischen Klimazielen, wie u. a. der Senkung von CO2Emmissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 40%, der Steigerung der Energieproduktivität bis 2020 um 3% pro Jahr und zu guter Letzt – dies ist einem Großteil der politisch-interessierten Öffentlichkeit wichtig – der kontinuierlichen Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien. Diese Ziele kollidieren in der Energiebranche zum Teil mit Aspekten der Versorgungssicherheit und in der Logistik-Branche mit der Bereitstellung des Kerngeschäfts von Transportdienstleistungen. Die bereitgestellten Informationen zum Umwelt- bzw. Klimaschutz sind bei allen untersuchten Unternehmen reichhaltig und umfassend. So antworteten alle fünf vom anerkannten “Carbon Disclosure“- Project untersuchten Unternehmen. Zudem haben fast alle Unternehmen entschieden, ihre Antworten auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einige Unternehmen beteiligen sich auch am “Clean Development Mechanism“, der von den Vereinten Nationen geregelt wird, und dem “Joint Implementation“-Programm. In keinem CSR-Themenbereich werden in den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen so viele quantifizierbare Kennzahlen vorgelegt. Bedauerlicherweise stellen die meisten lediglich absolute Zahlen dar, wie beispielsweise die Summe der CO2-Emissionen. Diese Zahlen erlauben lediglich einen Vergleich zwischen den Jahren, der wiederum durch Zu- und Verkäufe von Unternehmen stark beeinflusst werden kann. Sinnvoller sind hier – wo dies möglich ist – die Nennung relativer Kennzahlen, wie z.B. CO2-Emissionen in „g/kWh“, wenn möglich auch im Vergleich zu anderen Referenzdaten (s. Abb. Emissionen bei der Stromerzeugung) und dies nicht nur selektiv, wenn ein Unternehmen in einem Bereich besonders positive Zahlen vorweisen kann. Bedauerlicherweise werden häufig unterschiedliche Einheiten verwendet (TWh, GWh, KWh), die die Nachvollziehbarkeit der Daten nicht erhöht. Zudem deuten viele Korrekturen in den Nachhaltigkeitsberichten an, dass die Erfassung der Daten erst nach und nach präzisiert wird. Bezogen auf (Netto-)Investitionen in erneuerbare Energien in Milliardenhöhe, ist es für den interessierten Leser hilfreich, wenn ohne langes Suchen im Printbericht, im Internetportal bzw. im Geschäftsbericht der prozentuale Anteil der Investitionen bezogen auf die Gesamtinvestitionen deutlich wird, denn diese bewegen sich häufig nur im einstelligen Prozentbereich. Bezogen auf Themen, die zur Zeit in der Öffentlichkeit sehr positiv besetzt sind, wie der Einsatz erneuerbare Energien für die Energiebranche und alternative Antriebe in der Logistikbranche fällt auf, dass immer konkretere Daten bereitgestellt werden, sodass in der Branche in der Tat positive Wettbewerbsprozesse (“upscaling“) festzustellen sind. Energiekonzerne gehen dazu über, nicht nur den Anteil der erneuerbaren Energien auszuweisen, sondern diesen Anteil auch mit Angaben zu konkreten Windparkprojekten und ihren Leistungspotentialen zu präzisieren (s. Abbildung 8). Dies erlaubt faire und realistischere Einschätzungen, welcher Energiemix in 10, 20 und 40 Jahren technisch möglich und realisierbar erscheint. Demgegenüber nimmt auch in der Logistikbranche die Bereitschaft zu, transparent zu demonstrieren, in welchem Maße alternative Antriebsarten und umweltschonende konventionell betriebene Fahrzeuge - langsam aber stetig - Eingang in die Fahrzeugflotte finden und somit auch mittelbar die Nachfrage bei Automobilherstellern erhöhen. Die Fortführung der Transparenz in der Berichterstattung beim Energieverbrauch, Abbildung 8: Offshore-Windparkprojekte, Vattenfall 2008

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aber auch die offene Darstellung der Erzeugungsstruktur von Strom oder anderer Energieformen in der Logistikbranche ist lobens- und wünschenswert, insbesondere wenn die Entwicklung über die Zeit nach verfolgt werden kann (s. Abb. 9 und Abb. 10).

Abb. 9: Fahrzeuge mit nicht konventionellem Antrieb, Deutsche Post DHL 2008

Abb. 10: Erzeugungsstruktur Strom Bahn 2008

Zuletzt soll noch kurz die Zunahme umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen behandelt werden. Diese erlauben es auch dem Konsumenten und anderen Unternehmen, die in direktem Kundenkontakt mit den beschriebenen Unternehmen stehen, über die erhöhte Nachfrage umweltschonender Produkte steuernd einzugreifen. Diese Entwicklung ist grundsätzlich positiv zu bewerten, da Unternehmen somit auch von außen zu verstärktem nachhaltigem Engagement gedrängt werden können. In der Energiebranche wird seit geraumer Zeit mit so genanntem „Ökostrom“ geworben. Hier sollten die Energieunternehmen deutlich machen, aus welchen Energieträgern dieser erzeugt wird. Auch bei Logistik-Produkten sollte noch stärker und transparenter verdeutlich werden, dass es alternative, energieeffizientere Lösungen gibt, Dies könnte beispielsweise bei Transporten geschehen, indem man auf die unterschiedlichen CO2-Emissionen bei Luft- und Straßentransporten verweist. 2.4. Allgemeine Ergebnisse und Trends – Anti-Korruption Prominente Fälle aus der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, wie schnell das Thema Korruption für ein Unternehmen zum Bumerang werden kann. Insofern sollte Korruptionsbekämpfung bei den Unternehmen und in den Nachhaltigkeitsberichten - schon aus purem Eigeninteresse - immer präsent sein. Mit Ausnahme von einem Unternehmen beschreiben alle konkrete Maßnahmen, um Bestechungsvorfälle zu vermeiden, frühzeitig erkennen zu können und zu bekämpfen. Hier dominieren besonders Schulungen und internetbasierte Lernprogramme. Ob diese stark autodidaktischen Lernprogramme in diesem Themengebiet geeignet sind bleibt fraglich, da Korruption fast ausschließlich über direkte Interaktionen zwischen Menschen entsteht. Weit verbreitete Mechanismen zur Früherkennung sind Hotlines und Verhaltenskodizes. Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass noch weitergehende Maßnahmen ergriffen werden sollten. Hinzu kommt in der Hälfte aller untersuchten Unternehmen, dass über Ziele und Maßnahmen nicht berichtet wird. Zur Besserung Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen wäre eine genauere Beschreibung der eigenen Vorgehensweise, aber auch eine selbstkritische Reflektion sowie zusätzlich die Darstellung von Misserfolgen erstrebenswert. Letzteres erscheint zunächst auf den ersten Blick wenig sinnvoll.

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Abbildung 11: Compliance-Maßnahmen, Siemens 2009

Ein Unternehmen kann jedoch dadurch sehr gut verdeutlichen machen, dass man um die eigenen Schwachstellen weiß und sie aktiv bekämpft. Als positives Beispiel ist hier Siemens zu erwähnen. Als „gebranntes Kind“ haben sie aus der Vergangenheit gelernt und veröffentlichen regelmäßig jedes Quartal detaillierte Informationen zur Korruptionsbekämpfung. Beispielsweise berichten sie über aktuell anhängige Verfahren bezüglich der im Jahr 2008 entdeckten Korruptionsaffäre. Darüber hinaus erscheinen im gleichen Rhythmus aktuelle Zahlen zu veranstalteten Trainingsprogrammen, Disziplinarmaßnahmen sowie den “Helpdesks“,“Ask Us“ und “Tell Us“. Eine ähnliche Transparenz- und Informationspolitik lassen die meisten untersuchten Unternehmen leider vermissen. Resümierend bleibt festzuhalten, dass Anti-Korruption in allen Unternehmen der Energie- und Logistik-Sparte ein wichtiges Thema ist. Allerdings gewinnt der Betrachter bei einigen Unternehmen den Eindruck, dass es in Zukunft stärker gewichtet und mehr Wert auf Transparenz gelegt werden sollte. Insofern werden die bestehenden Möglichkeiten in der Korruptionsbekämpfung und -berichterstattung nicht annähernd ausgeschöpft.

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Checkliste 1. Bekenntnis zur weiteren Unterstützung des Global Compact (min. 3 Kriterien müssen erfüllt werden). Anforderung



GC-Bekenntnis durch den Vorstand (inkl. Unterschrift) Bekenntnis als Teil des COP Nennung der Gründe für die Unterstützung des GC Verknüpfung des Bekenntnisses mit bedeutenden Aktionen/Ergebnissen der Umsetzung der GC Prinzipien Beschreibung der aktiven Teilnahme an Veranstaltungen des GC oder eines lokalen Netzwerks

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2. Klare und detaillierte Beschreibung der praktischen Maßnahmen, die unternommen wurden, um die Prinzipien des UN Global Compact umzusetzen oder um die Durchführung von ‚partnership projects’ zu unterstützen (min. 4 Kriterien müssen erfüllt werden) Anforderung Verbindung der Bekenntnisse und Maßnahmen im Rahmen der 10 GC Prinzipien mit dem eigenen Geschäft („Materialität“) Reflektion der eigenen Einflussmöglichkeiten auf z.B. die Zulieferkette und der Berichtsgrenzen Widerspieglung der GC Prinzipien im Management System Einbindung der Maßnahmen in das Kerngeschäft Vollständige Beschreibung der Maßnahmen, sodass aus ihnen gelernt werden kann. Zukunftsplan (für das folgende Jahr) Beschreibung von “‚partnerships projects“ zur Unterstützung von UN Zielen



3. Reflektion der Ergebnisse zur Ermittlung des Fortschritts (min. 4 Kriterien müssen erfüllt werden). Anforderung



Nutzung von Standard-Indikatoren (z.B. GRI) Darstellung betriebseigener Kennzahlen für mehrere Jahre Vergleich der betriebseigenen Kennzahlen mit Konkurrenten Betrachtung von positiven und negativen Aspekten im Bericht Nennung von Zukunftsziele 17

Beschreibung des Business Case, d.h. es werden beispielsweise Aktivitäten und Ergebnisse mit Finanzdaten in Verbindung gebracht Verbindung der betriebseigenen Kennzahlen mit den 10 Prinzipien 4. Die Berichterstattung ist beständig, klar und enthält zeitnahe Informationen sowie einen StakeholderDialog. (min. 3 Kriterien müssen erfüllt werden. Anforderung Externe Überprüfung der Informationen im COP Aktive Einbindung der Stakeholder und Kommunikation des COP Darstellung der Informationen in verständlicher Weise Zeitnahe Berichterstattung bis spätestens 6 Monate nach Ende des Berichtszeitraums



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3. Weitere relevante Aspekte der Berichterstattung Im Rahmen der Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte von deutschen Global CompactUnternehmen und der Internetdokumentation der Unternehmensleistungen, stießen wir auf weitere Aspekte, die nicht auf die Branchen Energie und Logistik beschränkt sind, sondern zur Beurteilung und gleichzeitigen Optimierung des CSR-Engagement der meisten Unternehmen von besonderer Wichtigkeit sind. Die im COP I/II -Bericht genannten Aspekte, wie z.B. die Frage nach dem Veröffentlichungsturnus oder das Verhältnis von CSR und Philanthropie und andere, behalten auch für diese Projektphase ihre Gültigkeit. Aus Platzgründen wird auf diese an dieser Stelle nicht mehr dezidiert eingegangen. In diesem Bericht möchten wir besonders auf die besondere Bedeutung der Berichtsgrenzen (3.1.), Prozesse der Zielsetzung und Ergebnissicherung (3.2.), auf die schwierige Frage der Veröffentlichungsformate (3.3.), der Problematik der Bearbeitung und Darstellung sensibler Themenfelder (3.4.), sowie neuer Formen der Stakeholder-Kommunikation im Internet (3.5.) eingehen. 3.1 Berichtsgrenzen – Was ist der Gegenstand der Berichterstattung? Ein jedes Global Compact-Unternehmen steht vor der Frage, wie es die Grenzen seiner Berichterstattung festlegt. Dies bezieht sich zum einen auf die eigenen Organisationseinheiten (insbesondere Tochterunternehmen) im In- und Ausland, darüber hinaus aber auch auf die Einflusssphäre des Unternehmens (inkl. Zulieferer und Kunden). Der Global Compact ist diesbezüglich sehr flexibel, geht aber davon aus, dass Unternehmen, die dem Global Compact beitreten, über das Unternehmen am Hauptsitz inkl. seiner Tochterunternehmen berichten. In Fällen, in denen Tochterunternehmen separat dem Global Compact beigetreten sind, ist sowohl ein gemeinsamer Bericht als auch eine separate Berichterstattung möglich. In den GRI-Leitlinien ist dies ähnlich geregelt: der Nachhaltigkeitsbericht „sollte die Organisationseinheiten umfassen, über die die berichtende Organisation Kontrolle ausübt“ oder auf die sie erheblichen Einfluss hat (z.B. in der Lieferkette oder nachgelagert bei Vertrieb und Kunden). Allerdings ist bei der GRI konkreter geregelt, dass bei einer Mehrheitsbeteiligung an einem Unternehmen, auch über dieses Unternehmen berichtet werden muss. In der Praxis kommt es vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen Konzernmüttern und –töchtern bei der Schwerpunktsetzung und Ausrichtung von Nachhaltigkeitsberichten, die konzernweit erstellt werden. Es wird deutlich, dass in Abhängigkeit von kulturellen Befindlichkeiten, unterschiedliche Akzente gesetzt werden, die nur über zusätzliche Dialogprozesse und bei Bedarf zusätzliche Broschüren oder Internetschwerpunktsetzung abgefedert werden können. Abbildung 12: Berichtsgrenzen, RWE 2008

Bezogen auf die Wertschöpfungskette eines Unternehmens schildern einige Unternehmen z.T. sehr transparent und gut nachvollziehbar, in welchen Ländern sie bezogen auf die Produktion und Vertrieb ihrer Produkte sowie Dienstleistungen tätig sind (s. Abb. 12). Dies bildet aller-

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dings häufig nur einen Teil der Wertschöpfungskette ab, die jedoch als Grundlage für die Bestimmung der Berichtsgrenzen nach GRI herangezogen werden sollten. So wird zu selten berichtet, aus welchen Ländern (und unter welchen Bedingungen) die Primärprodukte, z.B. Rohstoffträger stammen oder in welchem Maße Einfluss auf die effiziente Nutzung der Produkte durch Konsumenten oder Unternehmenskunden Einfluss genommen werden kann – hier stellt die Textilbranche eine löbliche Ausnahme dar. Ein weiteres Problem ergibt sich bei Firmenübernahmen oder Teilverkäufen. In diesen Fällen dauert es eine gewisse Zeit, bis bestimmte Organisationseinheiten im Rahmen der internen Datengewinnung vollständig in die Berichterstattung miteinbezogen werden können. Gerade in den ersten Jahren nach strukturellen Veränderungen sollte dies in der Berichterstattung deutlich gemacht werden, da hierdurch einige Daten und Statistiken z.T. erheblich verzerrt werden könnten. 3.2. Zielsetzung, Umsetzung und Ergebnissicherung In den letzten Berichtszyklen hat sich bei den meisten Unternehmen, die Nachhaltigkeitsberichte erstellen, - im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung der Berichterstattung - etabliert, einen GRI-Index im Anhang des Berichts abzudrucken oder die GRI-Indikatoren auf der unternehmenseigenen Homepage bereitzustellen. Häufig ist in dieser Auflistung der GRIBerichtsvorgaben auch noch ein Verweis auf entsprechende Global Compact-Prinzipien enthalten. Zur adäquaten Bestimmung der Themen bietet sich außerdem vorab die Durchführung einer Materialitätsanalyse an (vgl. COP-Bericht II). Über die Bestimmung der Themen, die für Stakeholder und Unternehmen relevant sind, werden Ziele definiert und Termine genannt, zu denen diese Ziele erreicht werden sollen.

Abbildung 13: Zielsetzung, Umsetzung und Ergebnissicherung Deutsche Post DHL 2009

Mit diesem zusätzlichen Prozessschritt kann ein GRI-Index und eine Global Compact-Matrix entsprechend aufgewertet werden. Fortschrittliche Berichte dokumentieren darüber hinaus detailliert diese einzelnen Umsetzungsschritte, inkl. Eingesetzter Managementsysteme und Aktivitäten (s. Abb. 13). Außerdem sollte jeweils noch der Status der Umsetzung beschrieben werden und ggf. gleichzeitig die mögliche Irrelevanz eines Themas erklärt werden. Diese Form der Ergebnissicherung erleichtert die interne und externe Orientierung bei der Bewertung des Nachhaltigkeitsengagements von Unternehmen. 20

3.3. Nachhaltigkeitsthemen im Printbericht, Internet-Portal und Konzernlagebericht Die meisten Unternehmen, die ihr Nachhaltigkeitsengagement darstellen, befinden sich immer noch auf der Suche nach dem richtigen Format bzw. nach einer zweckmäßigen Verknüpfung der einzelnen Formate, um die Informationen möglichst leserfreundlich aufzubereiten und um den Kreis der potentiellen und tatsächlichen Leserschaft zu vergrößern. Die meisten CSRReferenten sind sich bewusst, dass das herkömmliche Format von 60-80 Seiten in den meisten Fällen weder CSR-Profis noch allgemein CSR-Interessierte oder -Neulinge zufrieden stellt. Dem einen sind die Information nicht detailliert genug, dem anderen sind die Daten nicht leserfreundlich genug aufbereitet. Für viele CSR-Verantwortliche in Unternehmen stellt die Aufbereitung des Nachhaltigkeitsengagements im Internet eine Alternative dar. Unterschiedliche Analysen haben allerdings ergeben, dass diese Darstellungsart allein mit Problemen behaftet ist, da der Nachhaltigkeitsbericht in der Regel nicht am Computer gelesen wird, außer um vielleicht zielgerichtet bestimmte Daten abzurufen. Auch geht aus dem firmeneigenen Internetportal nicht immer hervor, auf welchen Berichtszeitraum sich die Informationen bezieAbbildung 14: Verknüpfung Printberichthen oder wann die Daten zuletzt aktualisiert Internet, E.ON 2008 wurden. Außerdem hat der CSR-Interessierte selbst bei aktuellen Daten das Gefühl, dass manche Themengebiete nur rudimentär behandelt werden. Ein gedruckter Nachhaltigkeitsbericht hat letztlich immer noch den Vorteil, dass ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt - insbesondere in Zeiten des schnelllebigen Internets - Rechenschaft ablegt, diese Disziplinierungsfunktion geht ohne regelmäßigen Turnus eines Printberichts verloren. Als Alternative scheint sich in letzter Zeit zum einen eine Verknüpfung von gedrucktem Nachhaltigkeitsbericht sowie Internet herauszukristallisieren (s. Abb. 14). Zum anderen gibt es Entwicklungen, den Nachhaltigkeitsbericht in einer nüchternen Berichts- und zusätzlich in einer Magazinvariante zu präsentieren. Die kommenden Erfahrungen werden zeigen, ob sich diese Form der Verknüpfung von Internet, Printbericht und Magazin-artiger Aufbereitung durchsetzt. Da die Nachfrage nach unternehmensspezifischen Nachhaltigkeitsinformationen auch auf den Finanzmärkten bei Analysten und Investoren kontinuierlich zugenommen hat, sind Unternehmen vermehrt dazu übergegangen größere Teile des Nachhaltigkeitsberichts, komprimiert im Geschäftsbericht zu integrieren. Die Aufnahme nicht-finanzieller Leistungsindikatoren ist ein wichtiger Schritt für die allgemeine Akzeptanz von Nachhaltigkeitsthemen an Finanzmärkten. Da sich dieser Prozess erst am Anfang befindet, kann noch kein Urteil gefällt werden, welche Dynamiken dadurch in Gang gesetzt werden. So ist es beispielsweise umstritten, ob die vollständige Integration von CSR-Themen in den Geschäftsbericht in einem Stadium, in dem Nachhaltigkeitsthemen sich noch nicht vollständig im Unternehmen und an Finanzmärkten etabliert haben, möglicherweise zeitlich noch zu früh kommt. In diesem Zusammenhang wird in CSR-Abteilungen auch häufig diskutiert, ob die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten zum gleichen Termin wie die Veröffentlichung von Geschäftsberichten sinnvoll erscheint oder ein separater Erscheinungstermin mehr Öffentlichkeitswirkung erzeugt. Wenn der Nachhaltigkeitsbericht erst einmal vollständig in den Geschäftsbericht integriert ist, stellt sich diese Frage nicht mehr. 21

3.4. Veröffentlichung sensibler Themenfelder Im letzten COP II-Bericht wurde bereits unter dem Stichwort „Das Wagnis der Ehrlichkeit“ beschrieben, inwiefern ein Unternehmen mit der Kommunikation über sensible Themenfelder bzw. negativer Nachrichten – trotz unternehmensinterner Kritik an deren Zweckmäßigkeit – an Glaubwürdigkeit gewinnen kann. Allzu häufig werden bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten nur jene Themen erwähnt bzw. jenes Datenmaterial verwendet, in denen positive Entwicklungen im Unternehmen zu berichten sind. Dies erschwert nicht nur die Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen, sondern schadet dem eigenen Bekenntnis zur Transparenz. Der Leser erwartet weniger Selektivität, sondern viel mehr jene Daten, die benötigt werden, um sich ein klareres Bild vom Unternehmen zu machen. Insbesondere Krisen in der Vergangenheit oder heikle Themen sollten selbstkritisch aufgearbeitet werden. Zudem sollten erhebliche Schwankungen oder auch Trends bei der Präsentation der Kennzahlen erläutert und kommentiert werden, damit der Leser die Entwicklungen verstehen und nachvollziehen kann. Außerdem sollten Unternehmen darauf achten, Themen nicht vollständig aus dem Nachhaltigkeitsbericht herauszulösen, wenn sie einem Thema aufgrund verstärkter öffentlicher Nachfrage besondere Aufmerksamkeit widmen und z.B. zusätzliche separate Internet-Rubriken einrichten oder zusätzliche Broschüren erstellen. Der Nachhaltigkeitsbericht sollte letztlich jenen Platz darstellen, an dem zu allen CSR-Themenfeldern die wesentlichen Aspekte kommuniziert werden. 3.5. Interaktion mit Stakeholdergruppen Das Internet bietet nicht nur neue Möglichkeiten des Reporting, sondern auch der Integration und Information der Stakeholder. Durch interaktive Elemente können nicht nur zielgeleitete Nutzer, sondern auch nicht interessierte bzw. zufällig auf die Webseite gelangte Personen für das Thema Nachhaltigkeit begeistert werden. Als positives Beispiel ist hier die Deutsche Post DHL zu erwähnen. Zu ihrem Klimaschutzprogramm “GoGreen“ gibt es eine eigene Internetseite, die nicht nur über das Programm informiert, sondern beispielsweise durch ein Online-Spiel auch auf potentielle Bereiche der Ressourcenverschwendung in Haushalten hinweist (s. Abb. 15). Darüber hinaus kann jeder seine individuellen Ideen, Projekte und Tipps auf der Seite veröffentlichen. Dadurch finden nützliche Ideen Verbreitung und der ein oder andere wird vielleicht angeregt, sich mit dieser Thematik näher zu befassen. Durch spielerische Elemente werden zudem verschiedene Altersgruppen angesprochen, besonders Kinder und Jugendliche, die dadurch frühzeitig positiv sensibilisiert werden können.

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Abbildung 15: Interaktion Unternehmen-Stakeholder, Deutsche Post DHL Quelle: www.dp-dhl-gogreen.de/go/, letzter Zugriff 20.05.2009

Das Internet bietet Möglichkeiten der Information und Einbindung, die weit über Druckerzeugnisse und Informationsabrufe hinausgehen. Interessanterweise führt dies nicht zu einer Vernachlässigung der klassischen Berichterstattung, denn ein Dokument in Papierform hat eine andere Wertigkeit als eine Webseite. Insofern steht bei der Wahl des Mediums eher die Intention im Vordergrund.

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4. Global Reporting Initiative: Der lange beschwerliche Weg der Umsetzung Die Global Reporting Initiative (GRI) bietet einen Leitfaden zur Nachhaltigkeitsberichterstattung an. Über die standardisierte Abfrage von Indikatoren soll die Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichte verschiedener Unternehmen verbessert werden. So können u. a. intern bestehende Lücken erkannt werden. Die Umsetzung der Global Compact-Prinzipien in Form einer Fortschrittsmitteilung wird vom Global Compact explizit unter Anwendung der GRILeitlinien empfohlen.23 Der überwiegende Teil der großen deutschen Global CompactTeilnehmer folgt den Vorgaben der GRI. Die kleineren und mittleren Global CompactTeilnehmer stehen vor größeren Problemen bei der Befolgung der GRI-Leitlinien der dritten Generation („G3“). Zu diesem Zweck hat die GRI entsprechende Publikationen und Unternehmensdokumentationen zur Verfügung gestellt, um diese Lücke schließen zu helfen.24 4.1. Aktuelle Trends Unabhängig von der vorbildlichen Förderung von Leitlinien zu Berichterstattungsstandards, die mit der kostenlosen Bereitstellung der allgemeiner G3-Leitlinien und der zusätzlichen branchenspezifischen Anhänge („Sector Supplements“) einhergeht, stellen aktuelle Studien den Wirkungsgrad der GRI in Frage.

Abb.: 17: Nachhaltigkeitsberichterstattung, 1992-2008, Quelle (wie auch Abb. 16): Corporate Register (2009): CRRA

Abb.: 16: Anteil des GRI-Reporting an der Gesamtheit aller veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte

Das Unternehmen „Corporate Register“, das ursprünglich mit der GRI zusammenarbeitete, stellte in einer seiner neuesten Studien25 fest, dass nur ein Drittel aller Unternehmen sich offiziell an den G3-Leitlinien orientiert (s. Abb. 16 und 17). Obwohl der von CorporateRegister gewählte Indikator (die Existenz eines GRI-Index im Nachhaltigkeitsbericht) auf den ersten Blick nur wenig robust wirkt, wurde diese Zahl im Abgleich mit der von der GRI veröffentlichten Liste aller GRI-Reporter im Frühjahr 2009 bestätigt.26 Unternehmen scheinen nur bedingt 23

Vgl. COP-II Bericht (2009), S.4, Dokument „Verbindungen schaffen: Die GRI-Leitlinien und die Fortschrittsmitteilung des UN Global Compact“, http://www.gtz.de/de/dokumente/de-gc-griverbindungen-schaffen-2008.pdf, letzter Zugriff 20.05.2009. 24 Vgl, GRI, Small and Medium Enterprises Homepage, mit Verweis auf die Broschüre “Small, Smart and Sustainable, . http://www.globalreporting.org/whoareyou/sme, letzter Zugriff, 20.05.2009. 25 Corporate Register (2009): CRReportingAwards’08 – Global Winners and Reporting Trends – March 2009. 26 Vgl. GRI Reporters List: Who is reporting? , http://www.globalreporting.org/GRIReports/GRIReportsList/, letzter Zugriff, 20.05.2009. 24

bereit zu sein, sich explizit an den GRI-Leitlinien zu orientieren. Obwohl die Zahl der GRIReporter in den letzten Jahren konstant angestiegen ist, umfasste die offizielle GRI-Liste im Jahr 2008 nicht mehr als 1000 Unternehmen. Es ist darauf hinzuweisen, dass dies nicht die Bedeutung der GRI schmälert, denn in der Tat orientieren sich viele Unternehmen an den GRI-Leitlinien ohne dies explizit kenntlich zu machen. Dennoch verwenden offiziell nicht so viele Unternehmen die GRI-Leitlinien wie gemeinhin angenommen wird. Dies wirft dennoch die Frage auf, ob die GRI als allgemein anerkannter Standard und wichtiger Referenzrahmen möglicherweise Risse bekommen hat und der konkrete GRI-Bezug in Nachhaltigkeitsbereichten nur noch bedingt einen Mehrwert darstellt. 4.2. Das GRI OS-Treffen am 18./19.Februar 2009 in Stuttgart Diese und andere Fragen wurde auf dem Treffen der Mitglieder der GRI („Organizational Stakeholder“/OS) in Stuttgart am 18./19. Februar 2009 diskutiert. Generell wurde von Mitgliedern der Mehrwert bestehender Netzwerke, wie des deutschen GRI-OS-Netzwerks, im Vergleich zum Global Compact Netzwerk und anderer branchen-spezifischerer Foren thematisiert. Im GRI-Netzwerk waren vielen Mitgliedern ihre besonderen Wahlrechte nicht bekannt. Sie vermissten weiterhin, trotz regelmäßigen 1000 OS-Newsletter von Seiten der GRI, die regelmäßige Bekanntmachung relevanter In800 formationen aus der GRI heraus. Überdies war es bezeichnend, dass den meisten anwe600 senden OS ihre aktuellen Vertreter in GRIGremien nicht bekannt waren. Der am zwei400 ten Tag durchgeführte offene Teil des Workshops war jedoch in Teilen ein voller 200 Erfolg. So wurden in einem hoch informativen Panel aktuelle Herausforderungen bei 0 der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 diskutiert. Es wurde letztlich deutlich, dass die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts kein Selbstzweck sein darf, sondern das Endprodukt einer langen Reise und wiederum einen neuen Startpunkt darstellt.

Abbildung 18: Anzahl eingereichter GRI-Berichte pro Jahr, 1999-2008 Quelle: GRI, s. Fußnote 26

4.3. Die Einhaltung allgemeiner GRI-Leitlinien – Empiriecheck Bei der Analyse der Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen aus der Logistik- und EnergieSparte anhand der allgemeinen GRI-Leitlinien fällt zunächst positiv auf, dass sich alle Unternehmen bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten an den Vorgaben der GRI orientieren und auch einen GRI-Index in ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung integriert haben.

25

Folgt man den GRI-Ausführungen zur Qualitätssicherung27, die Ausgewogenheit, Vergleichbarkeit, Genauigkeit, Aktualität, Klarheit und Zuverlässigkeit thematisieren, so zeigt sich ein sehr gemischtes Bild, wie die Ergebnisse in Abbildung 19 verdeutlichen. Abbildung 19: Einhaltung der allgemeinen GRI-Berichterstattungstandards Quelle: eigene qualitative Beurteilung 100%

80%

60% negativ unentschieden positiv

40%

20%

0% Aktualität/ Timeliness

Vergleichbarkeit/ Comparability

Zuverlässigkeit/ Reliability

Klarheit/ Clarity

Ausgewogenheit/ Balance

Genauigkeit/ Accuracy

Ausgewogenheit bezieht sich auf die unvoreingenommene Gesamtdarstellung der Leistungen im Nachhaltigkeitsbericht, wobei sowohl positive als auch negative Aspekte berücksichtigt werden sollten. Die überwiegende Zahl der Unternehmen bewegt sich bei diesem Aspekt im Mittelfeld. Als Kritikpunkte sind hier teilweise fehlende Selbstkritik, thematisch einseitige Berichterstattung bzw. unausgewogene Themenbehandlung anzuführen. Vergleichbarkeit soll durch eine klare und schlüssige Darstellung die Gegenüberstellung mit Konkurrenten und anderen Unternehmen, fördern. Dies gelingt den analysierten Unternehmen in unterschiedlichem Maß. Allerdings wären die konsequente Anwendung branchenintern einheitlicher Maßeinheiten, wie z.B. die Verwendung bestimmter “Key Performance Indicators“ oder die Befolgung der Vorgaben des “GRI-Sector Supplement“ wünschenswert. Im Bereich Genauigkeit bewegen sich die Unternehmen überwiegend im Mittelfeld mit zwei negativen Ausnahmen, die sich durch fehlerhafte Angaben oder irreführende Textverweise begründen lassen. Die Genauigkeit der Daten sollte Stakeholdern eine selbstständige Bewertung des Berichts und der zeitlichen Entwicklung über mehrere Jahre hinweg ermöglichen. Aktualität erreicht im Vergleich mit den anderen fünf Punkten die besten Ergebnisse. Fünf von sechs Unternehmen gewährleisten eine regelmäßige Berichterstattung und erreichen deshalb die Bewertung „gut“. Auch wenn sich bei einigen Unternehmen der Berichtszeitraum auf meh-

27

Diese sind zu finden im G3-Leitfaden der GRI. Dieser http://www.globalreporting.org/NR/rdonlyres/B77474D4-61E2-4493-8ED0D4AA9BEC000D/2439/G3_LeitfadenDE.pdf, letzter Zugriff 21.04.09. 26

ist

abrufbar

unter:

rere Jahre bezieht, so werden doch in kürzeren Zeitabständen Statusreports (“Updates“) erstellt. Gänzlich gegenteilige Ergebnisse sind bei der Klarheit festzustellen, wobei es um die Aufbereitung der bereitgestellten Informationen geht. Denn „Informationen sollten so zur Verfügung gestellt werden, dass sie für Stakeholder, die den Bericht nutzen, verständlich und nachvollziehbar sind". Hier wird das gesamte Spektrum von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ abgedeckt. Dies lässt sich mit den großen qualitativen Unterschieden der jeweiligen Berichtsstruktur begründen. Mehr Übersichtlichkeit, eine klarere Strukturierung und die Vermeidung von Dopplungen könnten das Ergebnis erheblich verbessern. Die Einführung eines Stichwortverzeichnisses am Ende des Berichts könnte ebenfalls einen Beitrag dazu leisten. Eine höhere Leistungsdichte als bei der Klarheit ist beim letzten Punkt Zuverlässigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen zu beobachten. Hierbei geht es insbesondere darum, dass Informationen und Verfahren so erfasst, aufgezeichnet, zusammengestellt, analysiert und offen gelegt werden sollten, sodass sie zum einen überprüfbar sind und zum anderen deren Notwendigkeit sowie Qualität deutlich wird. Bei einigen Unternehmen finden sich hierzu keine nachvollziehbaren Angaben zu internen Erhebungsprozessen. Andere wiederum, aber nicht alle, verweisen auf externe Überprüfungen, die die Richtigkeit der Daten belegen sollen. Mehr Transparenz wäre generell wünschenswert, besonders die Beantwortung der Frage, welche Themen aus welchen Gründen besonders oder gar nicht relevant sind. 4.4. Analyse ausgewählter GRI-Indikatoren Im Zuge der Analyse wurden - wie bereits im COP-Projekt II - ausgewählte GRI-Indikatoren aus den Bereichen Menschenrechte, Gesellschaft, Produktverantwortung und Marktpräsenz/Geschäftspolitik untersucht. Anhand konkreter Indikatoren wurde geprüft, ob bestimmte, z.T. sehr sensible Indikatoren bedient werden und darauf aufbauend ein sinnhafter Vergleich zwischen den untersuchten Unternehmen möglich ist. Im Bereich der Menschenrechte wurden die Indikatoren HR1, HR2 und HR3 ausgewählt, welche sich mit Investitions- und Beschaffungspraktiken befassen. Tabelle 3: GRI Indikatoren: Menschenrechte Indikator

Inhalt

HR1

Prozentsatz und Gesamtzahl der wesentlichen Investitionsvereinbarungen, die Menschenrechtsklauseln enthalten oder die unter Menschenrechtsaspekten geprüft wurden.

HR2

Prozentsatz wesentlicher Zulieferer und Auftragnehmer, die unter Menschenrechtsaspekten geprüft wurden und ergriffene Maßnahmen.

HR3

Stunden, die Mitarbeiter insgesamt im Bereich von Firmenrichtlinien und Verfahrensanweisungen der Organisation, die sich auf Menschenrechtsaspekte beziehen und die für die Geschäftstätigkeit maßgeblich sind, geschult wurden sowie Prozentsatz der geschulten Mitarbeiter an der Gesamtbelegschaft.

Quelle: G3-Leitfaden, S.33. Betrachtet man nun die Auswertung der Berichterstattung, dann wird deutlich, dass die meisten Unternehmen in ihrem GRI-Index Informationen zu den Indikatoren HR1, HR2 und HR3 bereitstellen. Dies sagt allerdings noch nichts über die Qualität der Berichterstattung aus. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass die Inhalte in über der Hälfte der Fälle bei HR1 und HR2 keine adäquate Informationen enthalten. Bei HR3 verhält es sich etwas anders. Nur vier

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der sechs Unternehmen berichten zu diesem Indikator wobei drei davon adäquate Informationen zur Verfügung stellen. Im Bereich Gesellschaft wurden die Indikatoren SO2 und SO5 analysiert, welche sich auf den Themenbereich Korruption und Politik beziehen. Tabelle 4: GRI Indikatoren: Gesellschaft Indikator

Inhalt

SO2

Prozentsatz und Anzahl der Geschäftseinheiten, die auf Korruptionsrisiken hin untersucht wurden.

SO5

Politische Positionen und Teilnahme an der politischen Willensbildung und am Lobbying.

Quelle: G3-Leitfaden, S.35. Die Gesamtergebnisse in diesem Teilbereich sind sehr unterschiedlich. So wird deutlich, dass der Indikator SO2 nur durch die Hälfte der Unternehmen überhaupt adressiert wird, wobei auch nur ein Unternehmen diesen angemessen beantwortet. Der Indikator SO5 hingegen wird von fast allen bearbeitet und von der Mehrheit auch adäquat beantwortet. Die Produktverantwortung wurde anhand des Indikators PR1 näher betrachtet. Dieser erfragt die Betrachtung der „Etappen während der Lebensdauer eines Produkts oder der Dauer einer Dienstleistung, in denen untersucht wird, ob die Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen auf die Gesundheit und Sicherheit der Kunden verbessert werden können und Prozentsatz der Produkt- und Dienstleistungskategorien, die entsprechend untersucht werden.“ (G3-Leitfaden, S. 36) Auf diesen Indikator wird von der Mehrheit der Unternehmen eingegangen, jedoch wird er von mehr als der Hälfte nicht angemessen bzw. ausreichend beantwortet. Der Themenbereich Marktpräsenz / Geschäftspolitik wurde durch den Indikator EC6 beleuchtet. Welcher nach „Geschäftspolitik, -praktiken und Anteil der Ausgaben, der auf Zulieferer vor Ort an wesentlichen Geschäftsstandorten entfällt“ fragt. (G3 Leitfaden, S. 26) EC6 wird von der Hälfte der Unternehmen bearbeitet, wobei nur ein einziges Unternehmen hierzu angemessene und ausreichende Informationen zur Verfügung stellt. In Einzelfällen werden Informationen angegeben, diese werden aber nicht explizit mit diesem Indikator in Verbindung gebracht und somit leider als „nicht berichtet“ gewertet. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Mehrheit der Unternehmen Informationen zu den ausgewählten Indikatoren präsentiert. Allerdings ist die Qualität der gegebenen Informationen sehr unterschiedlich. Ähnliches gilt auch für die Performanz bei den GRI Qualitätssicherungsstandards. Positiv fällt hier der Punkt der Aktualität auf, hier wurden fünf von sechs Unternehmen mit „Gut“ bewertet. Mit Ausnahme von „Klarheit“, wo es ein sehr gestreutes Ergebnis gibt, werden die restlichen Standards durchschnittlich mit „Befriedigend“ bewertet. Tendenziell sind viele abgegebene Antworten noch stark ausbaufähig. Außerdem sei noch darauf verwiesen, dass es den Unternehmen vorbehalten bleibt auch offen zu kommunizieren, welche GRI-Indikatoren sie noch nicht vollständig bearbeitet hat (s. Abb. 20). Dies erhöht die Glaubwürdigkeit und belegt, dass es im Unternehmen noch offene Baustellen gibt – wie es bei jedem Unternehmen nicht anders zu erwarten ist (vgl. auch Abschnitt 3.2. zur Zielerreichung).

28

Abbildung 20: Bearbeitung von GRI-Indikatoren Deutsche Bahn(2007): Texte zum Nachhaltigkeitsbericht 2007

29

5. Das COP-Projekt aus Sicht der Unternehmen und der Studierenden Der Begriff der Evaluation erfuhr in den letzten Jahren zunehmende Prominenz, gerade in der praktischen Anwendung. Dies resultiert aus dem gestiegenen Anspruch, die Qualität von Prozessen und Produkten zu verbessern. Ziel der Evaluation ist, praktische Maßnahmen zu bewerten und sie zu überprüfen, um sie zu verbessern. So wird Evaluation - vor allem im Zusammenhang mit Qualitätsmanagement - zum Konkurrenzvorteil. Im Sinne einer bedarfsorientierten Kurskonzeption und –weiterentwicklung führen die Projektleiter jeweils in der Mitte des Semesters ein ausführliches Feedbackgespräch mit den Studierenden. Außerdem wird gegen Ende des Semesters ein standardisierter Fragebogen zur Evaluation des Seminars eingesetzt. Die Ergebnisse aus dem Feedbackgespräch und der Evaluation werden hier zusammengefasst wiedergegeben. 5.1. Rückmeldung von den Studierenden Die Studierenden äußern ein hohes Maß an Zufriedenheit mit Bezug auf die "hervorragende Betreuung" (ø = 1,5) und loben das Engagement der Dozenten. Dies bestätigt sich auch dadurch, dass sie die Veranstaltung regelmäßig besuchen (ø = 1,4). Die Studierenden beteiligen sich aktiv an der Veranstaltung (ø = 1,6), die Atmosphäre regt sie dazu an, sich zu beteiligen (ø = 1,5). Die Studierenden bezeichnen den Kurs als "gute/professionelle Veranstaltung" und schätzen die "sehr guten Rahmenbedingungen". Die Ergebnisse sind auch in Tabelle 5 dargestellt. Tabelle 5: Ergebnisse aus der Evaluation Wintersemester 2008/2009

Item (Skala: 1 = trifft voll zu", 5 = "trifft gar nicht zu")

Ich habe die Veranstaltung regelmäßig besucht. Ich habe mich aktiv an der Lehrveranstaltung beteiligt. Die Atmosphäre der Veranstaltung regte mich dazu an, Fragen und Kommentare einzubringen. Mit der Betreuung durch die Dozenten im Rahmen der Veranstaltung bin ich zufrieden.

Durchschnittliche Bewertung 1,38 1,63 1,50 1,50

Die Möglichkeit fortlaufend ihre “Soft Skills“ weiterzuentwickeln, wurde immer wieder unterstrichen. Dass die Teilnehmer im Laufe des Seminars immer wieder Präsentationen halten, wurde ebenso geschätzt wie die Stärkung der eigenen Teamkompetenz durch die regelmäßigen Gruppenarbeitsphasen. Die Interdisziplinarität und der Praxisbezug, der in anderen Kursen häufig vermisst wird, wurden von den Studierenden immer wieder positiv hervorgehoben. Gerade in den Unternehmen und durch die Unternehmensvertreter fühlen sich die Studierenden besonders ernst genommen und haben die Möglichkeit, ihre Kritik einzubringen, die vor Ort auch gehört wird. Der Besuch im Unternehmen und die Vorstellung der Ergebnisse ihrer Analysen stellt für die Studierenden den Höhepunkt des Semesters dar. Der Lernerfolg in der Veranstaltung wird durch die Studierenden um einiges höher eingeschätzt als in anderen Veranstaltungen. Dieser Lernerfolg bezieht sich nicht nur auf reines Faktenwissen, sondern spiegelt sich auch darin wieder, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine höhere Sensibilität für CSR-Themen entwickelt haben.

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Die hohe Qualität des Seminars und der umfangreiche Lernerfolg wird jedoch durch einen sehr hohen Arbeitsaufwand seitens der Dozenten und Studierenden "erkauft". Von den Teilnehmern wird ein hohes Maßes an Engagement verlangt. Die Kursteilnehmer gaben an, dass der Arbeitsaufwand im Vergleich zu anderen Lehrveranstaltungen recht hoch ist. Trotz des überproportionalen Arbeitsaufwands sind die Studierenden motiviert und die – auch aus Lehrperspektive – spannende und unkonventionelle Verknüpfung von fachlicher und didaktischer Expertise ein Ansporn, diese "Zukunftsorientierte Lehrveranstaltung mit Klasse" – wie ein Teilnehmer es ausdrückte – fortzusetzen. 5.2. Rückmeldungen aus den Unternehmen Neben dem positiven Feedback durch die Studierenden ist die Einschätzung der Unternehmensvertreter ein weiterer Gradmesser für den Erfolg des Projekts. Deswegen führen die Projektverantwortlichen, nach der Vorstellung der Ergebnisse in den Unternehmen, regelmäßig eine Online-Befragung bei den besuchten Unternehmen durch. Bisher bekundeten alle Unternehmensvertreter ausdrücklich ihr Interesse, das Projekt wieder einzuladen. Besonders gut gefallen haben den Unternehmensvertretern diesmal die persönliche Ebene und die Orientierung an allgemein anerkannten Kriterien. Die abschließende Bewertung und die Diskussionen (inklusive Anregungen und Verbesserungsvorschlägen), die sich an die Präsentation der Ergebnisse anschließen, wurden als besonders nützlich angesehen. Aus Sicht der Unternehmen könnte jedoch noch mehr auf unternehmensrelevante Fragen eingegangen werden. Als Referenz soll hier ein Auszug aus dem Schreiben eines Unternehmens wiedergegeben werden, das nach einer Präsentation vor Ort Anfang 2008 beim COP-Projekt eingegangen ist: "Ihre Analyse und Ihre Vorschläge sind für unsere Arbeit im Bereich CSR sehr hilfreich und auch aus den anderen Abteilungen haben wir positive Rückmeldung erhalten. Einige der Punkte, die die Studenten und Studentin in Ihrem Seminar herausgearbeitet haben, konnten wir unmittelbar für den Nachhaltigkeitsbericht 2009 nutzen. Die Idee, politikwissenschaftliche Lehrinhalte im »Praxistest« zu erproben, unterstützen wir daher ausdrücklich. Durch diese Vorgehensweise bieten Sie den Studierenden die seltene Gelegenheit, wissenschaftliche Erkenntnisse so zu präsentieren, dass Sie in der Wirtschaft erstens gehört und zweitens zu einer Weiterentwicklung führen. Im vorliegenden Fall ist dieser Sprung in die Praxis sehr geglückt." Als besonderer Anreiz für Studierende und Unternehmen ist darüber hinaus anzusehen, dass sich durch die Kontakte im Rahmen des Projektes immer wieder für Studierende die Gelegenheit ergeben hat, bei den Unternehmen Praktika zu absolvieren oder Abschlussarbeiten anzufertigen. Aus Unternehmenssicht ergibt sich so die Möglichkeit, neben der kritischen externen Reflektion des eigenen Nachhaltigkeitsengagements, sich besonders motivierten Studierenden als potentielle zukünftige Arbeitgeber zu präsentieren und so einen beiderseitigen Mehrwert zu generieren und eine “Win-Win“-Situation zu schaffen.

31

6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick Die Analyse und die anschließenden Gespräche mit Vertretern der sechs untersuchten Unternehmen aus den Branchen Energie und Logistik haben gezeigt, dass jene, die sich schon seit Jahren intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und CSR beschäftigen, ihr Engagement kontinuierlich verstetigen und ausbauen. Es gibt aber auch deutliche Hinweise darauf, dass jene, die erst etwas später auf den "CSR-Zug aufgesprungen" sind, große Anstrengungen unternehmen, um den Anschluss zu halten. Die Einordnung der untersuchten Unternehmen in das Stufen- Abbildung 21: Grad des Organisationalen Lermodell des organisationalen Lernens nach nens in Bezug auf GRI-Indikatoren Zadek (vgl. COP I-Bericht, S. 17 , COP II- (Legende: AN: Arbeitsnormen; MR: Menschenrechtsschutz; KOR: Korruptionsbekämpfung; Bericht, S. 14/15)28 zeigt, dass sich alle unUMW: Umweltschutz; tersuchten Unternehmen wenigstens auf Lernstufe 3 befinden, d.h. CSR-Themen und CSR-Managementansätze in vielen Handlungsfeldern und Organisationseinheiten ihres Unternehmens verankert haben. Bei einigen Unternehmen lassen sich bereits deutliche Anzeichen dafür finden, dass sie sich in bestimmten CSR-Themenfeldern, wie beispielsweise Umweltschutz, bereits auf dem Sprung (s. Abb. 21) zu Lernstufe 4 befinden. Diese Unternehmen haben für sich erkannt, dass die verstärkte Integration von CSR-Maßnahmen in strategische Unternehmensprozesse, den Geschäftserfolg positiv beeinflussen kann. Diese verstärkte Integration findet jedoch zunehmend selektiv statt. So wird den CSR-Themenfeldern Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung bei den meisten Unternehmen tendenziell weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Jedoch versuchen alle untersuchten Unternehmen in allen CSRThemenfeldern einen Mindeststandard zu etablieren. Allerdings lassen sie nur jene CSRAspekte in gesteigertem Maße in strategische Überlegungen mit einfließen, in denen es kurzund mittelfristig zu messbaren wirtschaftlichen Erfolgen kommen könnte. Diesbezüglich lassen sich auch Unterschiede zwischen Unternehmen aus der Energie- und Logistik-Branche feststellen. Obwohl beide Branchen über Groß- und Privatkunden verfügen, stehen Energieunternehmen unter wesentlich stärkerer öffentlicher Beobachtung und Kritik. Themen wie Atomkraft oder CO2-Emissionen von Kohlekraftwerken sind eher negativ, die Beschäftigung mit Gesundheitsschutz und “Diversity Management“ hingegen eher positiv oder neutral besetzt. So interessiert es beispielsweise nur wenige Stakeholder, aus welchen Energieträgern die Deutsche Bahn ihren Strom bezieht. Die Energiegewinnung und die Wahl der Energieträger stellt bei Energieunternehmen hingegen ein zentrales Thema und wird daher umfassend behandelt.

28

Vgl. Zadek, Simon. (2004). "The Path to Corporate Responsibility." Harvard Business Review 82(12): 125-132. 32

Der Mehrwert von dynamischen netzwerkartigen Dialogforen Zudem hat die Analyse diverse Vermutungen zur Bedeutung bzw. zum Mehrwert von Lernforen bestätigt: Unternehmen, die sich seit Jahren an Lernforen wie dem Global Compact, aber auch anderen interaktiven Netzwerk beteiligen, haben sich in ihren CSR-Ansätzen kontinuierlich weiter entwickelt. Sie sind in der Regel besser positioniert, um in unterschiedlichen Themenfeldern stetig wachsende CSR-Anforderungen zu bewältigen. Die Untersuchung zeigt auch, dass jene Unternehmen, die sich schon seit Jahren aktiv in Dialogforen einbringen, besser aufgestellt sind, um neuen CSR-Herausforderungen adäquat begegnen zu können. Diese Unternehmen verfügen über einen strukturierten CSR-Ansatz, der sich in qualitativ höherwertigen CSR-Maßnahmen, aber auch an modernen und innovativeren Darstellungsformen ablesen lässt. Hier gibt es auch immer noch große Unterschiede zu den anderen Unternehmen, die lediglich darauf bedacht sind, öffentliche Erwartungen zu bedienen und sich vorzugsweise mit dem Prozess der Daten-Generierung beschäftigen und primär an der Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts und nicht an den dahinter bestehenden Prozessen und Ansätzen interessiert sind. Die Diskussionen mit den Unternehmensvertretern vor Ort bestätigten den Eindruck, dass ein Nachhaltigkeitsbericht nur dann zu einem zweckmäßigen und für das Unternehmen nützlichen Dokument wird, wenn die in ihm oder auf der firmeneigenen Homepage benannten Gedanken und Themen im Unternehmen gelebt werden. Stattdessen ist es noch immer viel zu oft gängige Praxis, dass einmal pro Jahr in einem aufwändigen Projekt meist in Kooperation mit einer Kommunikationsagentur ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt wird, der primär für Öffentlichkeits- und Marketingmaßnahmen genutzt wird. Viel zu oft stellt der Nachhaltigkeitsbericht, aber auch das CSR-Internet-Portal eines Unternehmens, eine weitgehend einseitige Form der Kommunikation dar. Ein Nachhaltigkeitsbericht sollte jedoch nicht nur den Dialog zwischen dem Unternehmen und seinen Stakeholdern fördern, und zudem nicht nur das Ende eines Prozesses, sondern vielmehr einen Zwischenbericht (“work in progress“) für die Erreichtung der übergerdneten Ziele darstellen. Netzwerkartige Lernforen wie der Global Compact ermöglichen Unternehmen den regelmäßigen Austausch mit anderen CSR-Referenten und diversen Stakeholdergruppen, in denen es nicht nur wie so oft “Best Pratice“-Beispiele vorgestellt werden, sondern auch die Möglichkeit besteht, in Gesprächen am Rande der Konferenz mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Unternehmen (zum Teil auch von Wettbewerbern der gleichen Branche) insbesondere jene Ansätze und Maßnahmen zu diskutieren, die nicht zu den erhofften Ergebnisse geführt haben bzw. keine oder gar negative Auswirkungen auf die Erreichung der Geschäftsziele gehabt haben. Die Auswirkungen der Finanzkrise Zu guter Letzt noch ein Blick auf die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Nachhaltigkeits- und CSRThemas. Zurzeit ist die Unsicherheit unter den Unternehmen und insbesondere unter den mit CSR-Themen befassten Mitarbeitern groß, ob zusätzliche CSR-Maßnahmen tatsächlich einen Schritt aus der Krise bedeuten. Sie bewegt, ob Nachhaltigkeits- und CSR-Themen sich zu Krisenzeiten als Sicherheitsfaktor für ihr Unternehmen erweisen. Es ist derzeit umstritten, ob das Thema kon-

Abbildung 22: Grad des Organisationalen Lernen (Einfluss der Finanzkrise) 33

junkturell derzeit einen ersten Dämpfer erhält oder sich derzeit „nur“ konsolidiert (s. Abb. 22). Aktuelle Gespräche und Beobachtungen ergeben, dass auch wenn sich zu Krisenzeiten alle Unternehmensausgaben (inkl. der Durchführung neuer CSR-Projekte oder auch der Besuch von nationalen und internationalen CSR-Veranstaltungen) einer zusätzlichen unternehmensinternen Prüfung unterziehen müssen, an CSR-Maßnahmen zurzeit nicht mehr gespart wird als in anderen Unternehmensbereichen auch. Es werden in den Unternehmen aber eben auch gegenwärtig nicht zusätzliche Ressourcen für CSR-Themen investiert. Prüfungs- und Beratungsunternehmen plädieren in ihren Studien - wie nicht anders zu erwarten war – mehrheitlich für ein mehr an CSR-Engagement und externer Prüfung von Nachhaltigkeitsberichte, da dies die Wettbewerbsposition des einzelnen Unternehmens stärken würde. Dies ist jedoch zur Zeit selbst aufgeklärten und informierten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder nur schwer zu vermitteln, wenn dies mit zusätzlichen finanziellen Ausgaben verbunden ist. Andererseits befürchten gleichzeitig viele in der Vergangenheit pro-aktive Unternehmen, dass ihre in den letzten Jahren aufgebauten unternehmensspezifischen CSRAlleinstellungsmerkmale an Bedeutung verlieren bzw. verflüchtigen, wenn das allgemeine CSR-Niveau steigt. Es wird sich in Zukunft zeigen, ob die Kurse börsenorientierter Großunternehmen, die in der jüngeren Vergangenheit ein übermäßig hohes Maß an CSR-Engagement zeigten, nicht nur nicht schlechter oder geringfügig besser, sondern signifikant besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Entscheidend wird in Zukunft sein, ob die Finanzkrise von den zentralen Institutionen in Wirtschaft und Politik und ihren leitenden Personen genutzt wird, um generell über die Ursachen und Treiber der Krise zu diskutieren, oder ob die nächsten Monate nur mit großem Wehklagen überbrückt werden und mit einem lautlosen „weiter so“, d.h. unter Anwendung der gleichen kurzfristigen Anreiz- und Risikosysteme das globale Wirtschaften fortgesetzt wird und somit vermutlich eher früher als später die nächste Krise naht. Das Global Compact-Büro in New York, wie auch andere Institutionen, verweisen auf die besondere Bedeutung eines notwendigen Paradigmenwechsels in Wirtschaft und Politik hin und betonen wie wichtig es gerade heute ist, eine langfristige und nachhaltige Wertschaffung zu fördern, u. a. unter Verweis auf Nachhaltigkeit als “Business Case“ und eine neue Ära des Risiko-Managements.29 Nur wenn ein neues Denken in der Wirtschaft und in der Gesellschaft Einzug hält, werden CSRThemen auch nach dem Krisensturm an Bedeutung gewinnen oder wenigstens ein Bleiberecht erhalten und an ihnen wird nicht das Stigma des „Schönwetterthemas“ haften bleiben.

29

Vgl. Global Compact Büro (2008): The Global Economic Downturn: Why the UN Global Compact and Corporate Sustainability are Neede More Than Ever, http://www.unglobalcompact.org/NewsAndEvents/news_archives/2008_10_17.html, letzter Zugriff 20.05.2009) 34

Dank Das Leitungsteam bedankt sich bei allen teilnehmenden Studierenden des Kurses im Wintersemester 2008/2009, der im Rahmen der politikwissenschaftlichen Master of ArtsStudiengänge an der TU Darmstadt (Internationale Studien/ Friedens- und Konfliktforschung; Governance und Public Policy; Politische Theorie) angeboten wird. Ohne die durchweg überdurchschnittliche Vor- und Zuarbeit der Studierenden wäre dieser Bericht nicht zu verwirklichen gewesen. Folgende Studierende haben am COP III-Projekt teilgenommen: Christoph Bertaloth, Anja Blohmer, Victor Brasch, Johannes Catterwell, Albana Demiraj, Doktor Dummy, Timnit Ghirmai, Omar Kassab, Marta Kozlowska, Aaron Neuville, Malte Noga, Lars Petereit, Johanna Reinhardt und Hiroko Takahashi. Ein besonderer Dank gilt Jasmin Boghrat, die sich als wissenschaftliche Hilfskraft nahtlos einfügte in das Projektteam einfügte sowie maßgeblich and der Durchführung des Kurses sowie der Erstellung dieses Berichts beteiligt war. Ihr wollen wir dafür an dieser Stelle unseren besonderen Dank und ein großes Lob aussprechen. Außerdem möchten wir uns bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des e-learning centers der TU Darmstadt bedanken, die uns in gewohnt professioneller Weise besonders bei den Videoaufzeichnungen mit Lecturnity und der Pflege der Lernplattform Moodle unterstützt hat.

Gedruckt auf FSC-Papier.

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Druck:

typographics GmbH Röntgenstraße 27a 64291 Darmstadt Tel. (06151) 71 96 09

Bisher erschienen: COP-Projekt I – Projektbericht: Der sich wandelnde Mehrwert des UN Global Compact, Juni 2008

COP-Projekt II – Projektbericht: Allgemeines Bekenntnis und selektive Umsetzung, Dezember 2008

(Beide als Download auf der Projekthomepage abrufbar.)

Weitere Informationen zum Projekt Ansprechpartner: Lothar Rieth Institut für Politikwissenschaft Technische Universität Darmstadt CSR Projekt Hochschulstraße 1 D-64289 Darmstadt Tel.: 06151 16 6287 Fax: 06151 16 6288 Email: [email protected] http://www.csrproject.tu-darmstadt.de/

Oliver Glindemann Hochschuldidaktische Arbeitsstelle Technische Universität Darmstadt Projektmitarbeiter Hochschulstraße 1 D-64289 Darmstadt Tel.: 06151 16 2994 Fax: 06151 16 6011 Email: [email protected] http://www.tu-darmstadt.de/hda/

Internet: www.cop-projekt.de

www.theorymeetspractice.de

Unterstützt von:

Ferner finanziert aus Mitteln des Instituts für Politikwissenschaften an der TU Darmstadt (QSL-Mittel).

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