Der Bauernhof als pädagogischer Lernort Der Lernort Kunzenhof liegt

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Der Lernort Kunzenhof ist seit dem Jahr 2008 offizielles Projekt der UNESCO-Dekade für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bei allen Veranstaltungen am Lernort Kunzenhof sind land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten Ausgangspunkt für altersgemäße Reflektionen im Sinne von BNE. In der Regel dauert eine Veranstaltung 3-4 Std. Da es keine „1-Mal-Events“ gibt, können bei den 4-10-maligen Besuchen die Erlebnisse und Inhalte „nachhaltig“ vertieft werden. Der Betreuungsschlüssel von 2 Erwachsenen pro 10 Kinder ermöglicht jeder/m Teilnehmenden selbst aktiv tätig zu werden. Niemand muss nur zuschauen. Voller Körpereinsatz und Geschick sind gefragt. Das Wort „ Begreifen“ kann dadurch in seiner tiefen Bedeutung wirksam werden. Die Kinder im Kindergartenalter werden von verstandesgeprägten Erklärungen verschont und können mit allen Sinnen in die vielfältigen Erlebnisse beim Versorgen und dem Kontakt mit den Nutztieren eintauchen. Im Grundschulalter hat die Freude am Schaffen und am Erleben von sinnvollen Zusammenhängen ihren Höhepunkt. Die Kinder dürfen das „Gute“, das „Wahre“ und das „Schöne“ des Bauernseins in seiner ganzen Fülle auskosten. Skandale und Tragödien der modern industrialisierten Landwirtschaft haben im Grundschulalter keinen Platz. Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen erleben die tiefe Befriedigung beim sinnvollen Einsetzten ihrer Kräfte. Oft erkennen sie zum ersten Mal die wirkliche Bedeutung der bis dahin meist rein kognitiv gelernten Inhalte. Die Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, die Verbraucher der Zukunft, sollten die ökologischen, sozialen und ökonomischen Zusammenhänge ihres Konsumverhaltens kennen lernen. Bei ihren Einsätzen auf dem Bauernhof erleben sie die Diskrepanz ihrer -in der Regel- städtischen Lebensgestaltung zu dem bäuerlichen Leben in Abhängigkeit von Wetter, Boden und Wasser, sowie der Verantwortung für Pflanzen und Nutztiere. Die Erwachsenenbildung, als Elterngeneration, sowie die Fortbildung im Rahmen der Lehrerausbildung gewinnt am Lernort Kunzenhof seit Jahren an Bedeutung. Anbei ein Zitat des Nachhaltigkeitsbeirats BW 2008 ( „Zukunft gestalten, Nachhaltigkeit lernen,“ Seite 7):…. „BNE muss zu einem Schwerpunkt in der Lehrerausbildung werden. Man könnte auch analog zu einem Pädagogikum oder Philosophikum an ein BNE-Zertifikat denken, das jeder Lehrer und jede Lehrerin vorweisen muss, ehe der Schuldienst angetreten werden kann. Möglich wäre auch, dass für alle LehramtskandidatInnen das Thema BNE zum Prüfungsinhalt in den Abschlussprüfungen gehört.“ Das Ziel der Veranstaltungen am Lernort Kunzenhof ist, den eigentlichen Wert der Dinge, mit denen wir uns umgeben, im eigenen Tun wieder erlebbar werden zu lassen. Einige SchülerInnenzitate: „Warum sagen die immer „ Arbeit“ das macht doch alles Spaß, auf dem Bauernhof macht doch einfach alles Spaß!“ ( Schülerin 4. Klasse) „Ich habe gleich am nächsten Tag mit meinen kleinen Geschwistern Brot gebacken“ (Schüler, 4. Klasse) „Ich finde es toll, dass ich jetzt weiß, wie einfach es ist ein Brot selbst zu backen.“ (Schüler,7.Klasse) Erst jetzt verstehe ich, wie das mit der Milchsäuregärung ist“ (Schülerin 10. Klasse, beim Quark herstellen) Ich hätte nicht gedacht, dass das so eine schwere Arbeit ist. Heute habe ich erfahren, wie doch alles miteinander zusammenhängt. Heute haben wir endlich mal was Sinnvolles gemacht, können wir jetzt jeden Dienstag hierher kommen?“ (2 Schüler, 11. Klasse nach dem Kompostausbringen. Thema war „Mist und Kompost, das Wunder der lebendigen Erde“.

“Habe jede Menge gelernt über Getreide und Brot, was eigentlich zum Alltagswissen gehören sollte. Solche Veranstaltungen sollte es auch für die nächsten Referendare geben.“ (Referendar, Gymnasium nach einer Fortbildung mit Brot backen:) Die Zitate könnten beliebig fortgesetzt werden. In Bildungsstandards, Aktionsplänen, Orientierungsrahmen, Nachhaltigkeitsstrategien… wird unermüdlich auf die große Bedeutung des Lernens für eine Nachhaltige Entwicklung durch selbsttätig werden in authentischen Situationen, sowie an außerschulischen Orten und Lernorten hingewiesen. Bis heute sind die bereitgestellten finanziellen Mittel zum Unterhalt und weiteren Ausbau des außerschulischen Bildungsangebotes im Sinne von BNE völlig unzureichend, obwohl seit Jahren gefordert. Dieser dringenden Forderung möchte ich mich im Sinne einer zukunfts- und, handlungsfähigen Gesellschaft anschließen. Gabriele Plappert