Exkursion 2011 - Vereinigung Weihenstephaner

Exkursion 2011 - Vereinigung Weihenstephaner

Exkursionsbericht USA und Kanada 2011 Exkursion 2011 Kanada und USA 12.04. – 19.04.2011 Organisation und Leitung: Prof. Dr. Klaus Salhofer & Dr. Ma...

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Exkursion 2011 Kanada und USA 12.04. – 19.04.2011

Organisation und Leitung: Prof. Dr. Klaus Salhofer & Dr. Markus Gandorfer Technische Universität München 1

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Inhalt

1.

Gruppenbild vor dem Willis Tower in Chicago ..................................................... 3

2.

Programm der Kanada- und USA-Exkursion ....................................................... 4

3.

Studentische Teilnehmer ..................................................................................... 5

4.

Begleiter ............................................................................................................... 6

5.

Die besuchten Bundesstaaten von Kanada und der USA .................................... 6 5.1 Ontario .............................................................................................................. 6 5.2 Michigan ............................................................................................................ 7 5.3 Illinois ................................................................................................................ 7 5.4 Indiana .............................................................................................................. 7 5.5 Ohio ................................................................................................................... 8 6.

Der erste Exkursionstag ( Di., 12.04.2011) ....................................................... 9

7.

Der zweite Exkursionstag (Mi.,13.04.2011) .................................................... 11

8.

Der dritte Exkursionstag (Do., 14.04.2011) ..................................................... 13

9.

Der vierte Exkursionstag (Fr., 15.04.2011) ..................................................... 18

10. Der fünfte Exkursionstag (Sa., 16.04.2011) .................................................... 23 11. Der sechste Exkursionstag (So., 17.04.2011) ................................................. 26 12. Der siebte Exkursionstag (Mo., 18.04.2011) ................................................... 32

2

Exkursionsbericht USA und Kanada

1.

2011

Gruppenbild vor dem Willis Tower in Chicago

Danksagung Wir bedanken uns bei den besuchten Betrieben für die offene und herzliche Aufnahme. Insbesondere gilt unser Dank den Familien Thompson, Walch und Böcker, die uns mit fachlicher Kompetenz und Gastfreundschaft eine unvergessliche Zeit bereitet haben.

3

Exkursionsbericht USA und Kanada

2. Tag

2011

Programm der Kanada- und USA-Exkursion Datum

Programm

Übernachtungsort

Abflug München Di

12.04

Ankunft Toronto

London

Weiterfahrt London Weiterfahrt Detroit Mi

13.04

Besichtigung Gleaners Food Bank

Chicago

Weiterfahrt Chicago

Do

14.04

Fr

15.04

Sa

16.04

Chicago Board of Trade, Downtown, Weiterfahrt Columbus Columbus: Campus, Farms, Amish Village

Columbus

Anderson

Weiterfahrt nach Buffalo über Cleveland Buffalo Niagra Falls

So

17.04

Betrieb Walch

Guelph

Weiterfahrt Guelph Guelph: Campus, Farm, Verband od. Mo

18.04

Ministerium

Toronto

Weiterfahrt Toronto

Di

19.04

Zeit zur freien Verfügung in Toronto Abreise

4

Exkursionsbericht USA und Kanada

3.

2011

Studentische Teilnehmer

Bauer

Astrid

Becker

Elisabeth

Boeswirth

Tobias

Botzler

Florian

Dauermann

Angelika

Göckmann

Victoria

Höbel

Tim

Isert

Valentin

Kappauf

Katharina

Koukol

Matthias

Mederle

Michael

Miller

Manuela

Nellen

Amelie

Piesk

Julia

Prey

Lukas

Puchner

Andreas

Siefer

Veronika

Simon

Robert

Schuler

Barbara

Wechslberger

Christiane

5

Exkursionsbericht USA und Kanada

4.

2011

Begleiter

Dr. Gandorfer

Markus

Prof. Dr. Salhofer Klaus Prof. Dr. Roosen

Jutta

Dr. Amon

Harald

5.

Die besuchten Bundesstaaten von Kanada und der USA

5.1 Ontario Ontario ist eine Provinz im südlichen Zentrum Kanadas. Sie ist die bevölkerungsreichste und nach Québec die flächenmäßig zweitgrößte Provinz. Ontario grenzt an die Provinzen Manitoba im Westen und Québec im Osten sowie an fünf USBundesstaaten im Süden. Hauptstadt Ontarios ist Toronto, die gleichzeitig größte Stadt des Landes ist. Ottawa die Hauptstadt Kanadas. Sie befindet sich im Osten an der Grenze zu Québec. Im Gegensatz zu vielen anderen Flächenstaaten existiert kein gesonderter Hauptstadtdistrikt. Bei der Volkszählung 2006 wurden 12.160.282 Einwohner gezählt, was 38,5% der Bevölkerung Kanadas entspricht. Einst der dominierende Wirtschaftszweig, beschäftigt die Landwirtschaft heute nur noch einen kleinen Prozentsatz der Erwerbstätigen. Vorherrschend sind Viehzucht, Weizenanbau und Milchwirtschaft. Auf der Niagara-Halbinsel und entlang des Eriesees konzentrieren sich Obst-, Trauben- und Gemüseanbau. Massey Ferguson, einst der weltweit wichtigste Hersteller von Landwirtschaftmaschinen, wurde in Ontario gegründet.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

5.2 Michigan Michigan ist als Geburtsort der Automobilindustrie bekannt, besitzt aber auch eine große Tourismusbranche. Michigan hat durch die Lage an den Großen Seen die längste Süßwasserküste eines US-Bundesstaates und ist der Bundesstaat mit den meisten Sportbooten. Michigan hat den Beinamen „Great Lakes State“ (Staat der Großen Seen). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann die Landwirtschaft in Michigan an großer Bedeutung, die bis heute anhält. Wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnisse sind Milchprodukte, Mais, Sojabohnen und Rinder. Außerdem ist Michigan führend für die Produktion von Kirschen und Äpfeln. Etwa 3 Milliarden US-Dollar werden durch Nutzpflanzen eingenommen.

5.3 Illinois Illinois liegt im mittleren Westen und grenzt im Nordosten an den Michigansee. Die einzige Millionenstadt in Illinois ist Chicago, die drittgrößte Stadt der USA. Illinois hat sehr fruchtbare Böden, die überwiegend zum Soja- und Maisanbau (Corn Belt) genutzt werden. Nebenbei werden andere Produkte, wie z. B. Weizen, Sorghum oder Obst angebaut.

5.4 Indiana Indiana ist ein Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika, die Hauptstadt ist Indianapolis. Die Bewohner Indianas werden Hoosier genannt, daher auch der Beiname „The Hoosier State“. Indiana bedeutet „das Land der Indianer“. Indianas wichtigster Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte des Staates sind Mais, Sojabohnen, Weizen, Tabak, Schweine, Rinder, Molkereiprodukte und Eier. Indiana zählt aufgrund der Menge an jährlich produzierten Getreide zu dem sogenannten Getreidegürtel (Corn Belt) der USA.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

5.5 Ohio Ohio liegt im Nordosten der USA. Im Norden ist er vom Eriesee, der die Grenze zum Nachbarland Kanada bildet, und im Süden vom Ohio-Fluss begrenzt, der dem Bundesstaat seinen Namen gab. Ohio ist ein Begriff der Irokesen und bedeutet „Schöner Fluss“. Der Bundesstaat Ohio ist 116.096 km² groß (im Vergleich der Bundesstaaten an 34. Stelle) und hat rund 11,5 Mio. Einwohner. Im Jahre 1803 wurde Ohio in die Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen und wurde der 17. Staat der Union. Der Beiname Ohios ist „Buckeye State“ (Buckeye tree = Kastanienart). Als Teil des Corn Belts spielt die Agrarwirtschaft eine große Rolle. Die landwirtschaftliche Produktion umfasst Sojabohnen, Milchprodukte, Mais, Tomaten, Schlachtvieh (Schweine, Rinder), Geflügel und Eier. Am Eriesee wird kommerzieller Fischfang betrieben.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

6.

2011

Der erste Exkursionstag ( Di., 12.04.2011)

Von Christiane Wechselberger, Amelie Nellen, Tobias Böswirth Am 12.04.11 war es soweit, die Exkursion über den großen Teich konnte nach langem und zähem Warten endlich beginnen. Die 24 Exkursionsteilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei sich Gruppe 1 zwei Stunden vor dem Abflug nach London Heathrow um 7:10 Uhr am Münchner Flughafen vollständig versammelte. Die Gruppe 2 hingegen konnte etwas länger schlafen, da ihr Flug erst um 12:55 Uhr in München startete. Nach den beiden Flugstunden nach London Heathrow (Abb. 1), mit dem zwischenzeitlichen undefinierbaren Snack im Flugzeug, war erst einmal ein vier bzw. zwei stündiger Aufenthalt am Flughafen vorgesehen, welcher von nahezu allen Exkursionsteilnehmern zum Schlaf nachholen genutzt wurde. Nachdem dieser Zeitabschnitt endlich überstanden war, konnte die Reise nach Toronto endlich weitergehen. Die acht weiteren Flugstunden wurden studententypisch größtenteils zum weiteren Schlafen genutzt. Endlich in Toronto am Flughafen angekommen, den Jetlag von -6 Stunden in den Beinen, kamen erst zwei Abb. 1: Zwischenlandung in London- Studenten der Gruppe 1 kräftig ins Heathrow Schwitzen, als diese durch das kanadische Sicherheitspersonal von der Gruppe noch vor dem Kofferband getrennt wurden, und zum Einbürgerungsschalter kommandiert wurden. Glücklicherweise war diese Prozedur nach 10 Minuten überstanden, welche sich laut den beiden Studenten wie mehrere Stunden anfühlten. Nachdem die Gruppe 1 wieder komplett war und alle wieder im Besitz Ihrer Koffer waren, ging es mit einem kurzen Fußmarsch zur AlamoAutovermietung weiter. Dort ergab sich die nächste Strapaze, da die AlamoMitarbeiter sich gerade in einem Tarifstreik befanden. Dies durfte sowohl Gruppe 1 also auch ein paar Stunden später Gruppe 2 dadurch spüren, dass jedes vermietete Auto erst sekundengenau vier Minuten warten muss, bevor es abgefertigt wurde. Das amüsante daran war, dass eine Handvoll Mitarbeiter (allesamt mit Stoppuhren und Pylonen bewaffnet) benötigt wurden, um pünktlich alle vier Minuten ein Mietauto vom Parkplatz fahren zu lassen. Um vom Flughafen zur ersten Übernachtungsunterkunft 9

Exkursionsbericht USA und Kanada

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in der Travelodge im kanadischen London zu gelangen, waren noch knapp drei Stunden Autofahrt an der Tagesordnung. Nach der Ankunft am Hotel war es dann endlich soweit, das erste typisch nordamerikanische Abendessen mit Burgern und Steaks stand auf der Speisekarte.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

7.

2011

Der zweite Exkursionstag (Mi.,13.04.2011)

Von Christiane Wechslberger und Amelie Nellen, Tobias Böswirth Nachdem unsere Gruppe die erste Nacht in London, Kanada verbracht hat ging es weiter über die Grenze von Kanada nach USA in die Stadt Detroit. Detroit liegt zwischen dem Lake St. Claire und dem Eriesee, im Bundesstaat Michigan und ist mit ca. 900.000 Einwohnern die elftgrößte Stadt der USA. Detroit ist auch als „Motor City“ bekannt, da sich in dieser Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Autofirmen niederließen. Durch die boomende Autoindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen viele Ausländer und später auch viele Afroamerikaner aus dem Süden nach Detroit um zu arbeiten. Nach dem krisenhaften Untergang der Autoindustrie, erlebte auch die Stadt Detroit eine starke Veränderung. In den letzten 60 Jahren verließen fast die Hälfte der Bewohner die Stadt. Viele Leute verloren Ihren Arbeitsplatz und so ist die Arbeitslosenrate in Detroit besonders hoch. Auch die Kriminalitätsrate ist mittlerweile sehr hoch. Im Jahr 2009 galt Detroit als gefährlichste Stadt in den USA. Zurzeit sind ca. 35% des Stadtgebiets unbewohnt. Viele leerstehende Häuser verfallen oder werden von ärmeren Leuten, ohne Wissen der Hauseigentümer, bewohnt. Momentan hat Detroit mehr als 12.000 Hektar unbebaute Grundstücke. Ein Event, welches bis heute für Detroit bekannt ist, ist der Eastern Market. Seit 1891 gibt es diesen Bauernmarkt. Mittlerweile hat er eine Größe von 17 ha und ist damit der flächengrößte, öffentliche, historisch gelegene, Markt in den USA. Jeden Samstag kommen ca. 45.000 Menschen um den Eastern Market zu besuchen. Dort gibt es über 150 Nahrungs- und Spezialitätengeschäfte und den größten Verkauf von Blumen in der ganzen USA. Viele Produkte kommen aus dem Staat Michigan aber man findet auch Produkte aus der ganzen Welt. An diesem Exkursionstag haben wir den Eastern Market und die „foodbank“ von Detroit besucht (Abb. 2).

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Abb. 2: Exkursionsgruppe in Detroit, Eastern Market Leider gibt es in dieser Stadt viele arme Menschen, die nicht genug Geld haben, um das tägliche Brot für die Familie kaufen zu können. Deshalb gibt es Hilfsprojekte wie „Gleaners“. Die „Gleaners Community Food Bank“ (Abb. 3) ist eine karitative Organisation kämpft gegen den Hunger im südöstlichen Michigan. In Zusammenarbeit mit Organisationen und anderen Partnern gibt sie gespendete Lebensmittel oder LeAbb. 3: Logo Gleaners bensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, in Food Bank Wert von Millionen an Menschen in Not ab. Nachdem „Gleaners“ die Ware sortiert hat und den Bestand aufgenommen hat, wird sie an Suppenküchen, Schulen oder andere soziale Einrichtungen verteilt. Neben einem Warenlagerhaus in Detroit (siehe Abb. 4) hat „Gleaners“ vier weitere über ganz Michigan verteilt in Livingston, Oakland, Taylor und Warren, um Bedürftige mit Nahrungsmittel zu versorgen. Im Oktober 2010 hat das Unternehmen einen 3Abb. 4: Warenlager Gleaners in Detroit

von Jahres-Plan verabschiedet, der die größte Hungerkrise seit der Geschichte von Gleaners bekämpfen soll.

Der Plan fordert eine Aufstockung der Lebensmittelbeschaffung derzeit im Wert von 36 Mio. $ auf 40 Mio. $ bis Ende 2013. Ebenfalls soll die Reichweite erhöht werden und Aufklärungsprogramme wie zum Beispiel „effektives haushalten“ und „Einteilen des Budget“ weiter ausgedehnt werden. Nach der Besichtigung sind wir nach Chicago weitergefahren. 12

Exkursionsbericht USA und Kanada

8.

2011

Der dritte Exkursionstag (Do., 14.04.2011)

Katharina Kappauf, Florian Botzler, Lukas Prey Chicago Bord of Trade (CBOT) Nachdem wir die Nacht im komfortablen Seneca Hotel verbracht hatten, fuhren wir mit dem Bus zur CBOT. Gegbäudeansichten sind Abb. 5 dargestellt.

Abb. 5: Chicago Board of Trade Dabei konnten wir schon die beeindruckenden Hochhäuser in der „Loop“, Chicagos Finanz- und Handelszentrum, bewundern. Der Name stammt von der Hochbahn, die Downtown durchzieht und zum Teil noch aus dem Jahr 1893 stammt. An der CBOT bekamen wir nach einer Viertel Stunde Warten und der unvermeidbaren Sicherheitskontrolle mit einem deutschsprachigen Film die Grundlagen der Termingeschäfte vermittelt. Diese wurden in der modernen Form 1848 mit der Gründung der Rohstoffbörse in Chicago eingeführt, wo damals die Handelsströme wichtiger Agrarprodukte in Nordamerika zusammenflossen. Später wurde das Chicago Butter and Egg Board ausgegliedert, mit dem die CBOT 2007

wieder

zum

Chicago

Mercantile

Exchange

(CME)

fusionierte.

Die

Warenterminbörse ermöglicht es dabei, den Marktteilnehmern durch Kontrakte Preise für Rohstoffe bis 18 Monate vorab abzusichern, um Schwankungen auszugleichen. Traditionell werden vor allem lagerfähiges Getreide und Ölfrüchte (commodities) und deren Produkte gehandelt, während tierische Produkte wie Schweinehälften erst ab den 1960er Jahren dazu kamen. Unterschieden werden 13

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

dabei „Optionen“, bei denen der Käufer lediglich die Möglichkeit erwirbt, eine Produktmenge künftig zu einem fixen Preis kaufen oder verkaufen zu können. Die „Futures“ hingegen stellen einen Vertrag dar, der in der Zukunft zu erfüllen ist. Die Erzeuger können sich so eine frühzeitige Abnahme der Produkte sichern und Verarbeiter sich gegen Preissteigerungen absichern. Die Teilnehmer, die Waren verkaufen oder kaufen wollen, werden Hedger (Broker) genannt. Während Teilnehmer die aus finanziellem Interesse am Handel teilnehmen als Spekulanten („local traders“) bezeichnet werden. Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Spekulanten die „Bösen“ sind, erfüllen sie wichtige Funktionen, indem sie den Markt liquide halten und die Risiken anderer Marktteilnehmer übernehmen. Kontrakte werden mehrfach und in verschiedenen Formen gehandelt, so dass etwa zwei Milliarden davon im Jahr an der CBOT gehandelt werden. Ein einzelner Kontrakt zum Beispiel beläuft sich 5000 amerikanische Bushel, das sind etwa 136 t Weizen. Mittlerweile stellen jedoch Finanzprodukte die Mehrheit der Transaktionen an der CBOT. Der Handel wird von Händlern auf den „floors“, zwei riesigen Auktionshallen abgewickelt. In der einen werden nur pflanzliche Produkte und in der anderen tierische Produkte und Finanzprodukte gehandelt. Ein weiterer „floor“ wird in New York vor allem für andere Rohstoffe unterhalten. Leider durften wir nur vom der Besucherrang hineinsehen und keine Fotos machen. Je nach zu handelndem Produkt treffen sich die interessierten Händler rund um den Leiter der Auktion in einem sogenannten „Pit“ und verständigen sich per Handzeichen, zu welchen Preisen und Mengen sie kaufen oder verkaufen möchten. Mehrere Berichterstatter, die etwas überhöht sitzen, registrieren die Abschlüsse und geben diese ins System ein. Daraus werden die aktuellen Kurse ermittelt, die dann über die großen Anzeigetafeln in der Auktionshalle veröffentlicht werden. Auch ansonsten war die Koordination für uns sehr erstaunlich, da der Handel eher ungeordnet wirkte und von lautem Rufen der Beteiligten begleidet wurde. Je nach

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Auktion tragen die Händler zum Teil farbige „ trading jackets“ um sich als Teilnehmer auszuweisen. Obwohl auch der Onlinehandel seit fast 20 Jahren eingeführt ist, werden vor allem Optionen weiterhin vor Ort auf dem Parkett gehandelt. Das Gebäude der Warenbörse selbst war ab 1930 für 35 Jahre das höchste Chicagos und ist von einer Statue der römischen Göttin des Ackerbaus, Ceres gekrönt. Willis Tower Nach der CBOT genossen wir den Ausblick vom Skydeck des Willis Tower (Abb. 6), dem mit insgesamt 527 m höchsten Wolkenkratzer der Vereinigten Staaten. Das Anfang der 1970er vom Handelsunternehmen Sears als Sears Tower erbaute Wahrzeichen der Stadt wurde 2009 nach einem Versicherungsunternehmen umbenannt. Leider war die Sicht nur mäßig, da recht viele Wolken die Spitze des 108 Stockwerke hohen Turm umhüllten. An klaren Tagen hat man jedoch einen Ausblick von 80 km über die Skyline der Stadt und dem angrenzenden Lake Michigan. Auch der Blick vom Glasbalkon 412 Meter senkrecht nach unten müsste dann noch spektakulärer sein. Nicht jeder von uns wagte sich auf die Glasplatten.

Abb. 6: WillisTower mit Blick auf Chicago und dem Glasbalkon 15

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Bootsfahrt Nach einer kurzen Mittagspause machten wir eine einstündige Bootsfahrt auf dem Chicago River, während dessen der Stadtführer die architektonischen Highlights der Stadt, vor allem der Wolkenkratzer, erklärte. Abb. 7 zeigt Bilder vom Chicago River auf die Wolkenkratzermetropole.

Abb. 7: Bootsfahrt auf dem Chicago River Dabei machte Chicago seinem Namen als „windy city“ alle Ehre. Allerdings gilt die Stadt auch als architektonische Hauptstadt der USA. Nach dem Großbrannt von 1871 wurde die Stadt, die als blühende Handelsmetropole aufgestiegen war, wieder aufgebaut und hatte 1880 schon 500000 Einwohner. Zehn Jahre später waren es eine Million. Das Bevölkerungswachtumg war einer der Hauptgründe, dass hier die ersten Wolkenkratzer erbaut wurden. Wie auch das Gebäude der CBOT gibt es hier bis heute zahlreiche Hochhäuser im Art Déco- Stil. Die spätere von Glas dominierte Architektur wurde auch vom deutschen Architekten van der Rohe vorangetrieben. Eine Besonderheit sind auch die zahlreichen, zum Teil hochklappbaren Stahlbrücken über den Chicago River. Dessen Mündung wurde im 19. Jahrhundert wegen seiner Verschmutzung

umgeleitet,

um

die

Trinkwasserversorgung

sicherzustellen.

Erwähnenswert sind außerdem das einst größte Postgebäude der Welt und ein Tunnelsystem unter der Stadt von 1912, dessen versehentliche Überflutung 1992 Stromausfälle in der ganzen Stadt verursachte und Chicago tagelang lahmlegte.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Chinatown Anschließend holten wir unser Gepäck im Hotel und wärmten uns beim Mittagessen in Chinatown (Abb. 8) auf. Wir verließen Chicago und fuhren tiefer hinein in den Corn Belt Richtung Süden. Die Landschaft wird dort vom Mais- und Sojaanbau dominiert. Die Aussaat war aber meist noch nicht erfolgt. Nach vier Stunden Fahrt erreichten wir unsere Unterkunft in Anderson, Indiana.

Abb. 8: Chinatown Chicago

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Exkursionsbericht USA und Kanada

9.

2011

Der vierte Exkursionstag (Fr., 15.04.2011)

Von Andreas Puchner, Valentin Isert

Besuch der Andersons Marathon Ethanol LLC: Nach einem gemütlichen Abend in der Lobby des Hampton Inn Anderson und einem Kampf um das Waffeleisen beim Frühstück, ging es am dritten Exkursionstag um 7:15 Uhr Richtung Greenville (Ohio) weiter. Das erste Ziel des Tages war die Andersons Marathon Ethanol LLC, einem Joint-Venture Unternehmen zwischen Andersons Inc. und der Marathon Abb. 9: Logo von Anderson und Marathon

Petroleum

Company

(Abb. 9).

Als wir uns der Fabrik näherten sah man schon von weitem die beeindruckende Schlange von LKWs, die vor der Waage warteten (Abb. 10). In der im Jahr 2008 fertiggestellten Fabrik wird aus Mais Ethanol hergestellt. Die Ethanolproduktion erfolgt über einen Fermentationsprozess. Laut Angaben der Andersons Inc. ist die Ethanolfabrik in Greenville die größte ihrer Art in Ohio. Die jährliche Ethanolproduktion beläuft sich auf ca. 100 Millionen Gallonen, was etwa 416,5 Millionen Liter entspricht. Für den Produktionsprozess werden jährlich 40 Millionen Bushel, also 1,02 Millionen Tonnen Mais benötigt. Außer Ethanol entstehen ca. 350000 t getrockneter Maisschrot (Abb. 11), welcher als Futter- Abb. 10: Vordergrund: LKW-Schlange vor Anlieferung, Hintergrund: Fermenter mittel für Rinder verkauft wird.

18

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Abb. 11: Verladung von Maisschrot Es bestehen monatliche Lieferverträge mit den Landwirten, die die Fabrik mit Mais beliefern. Die Anlieferung wird größtenteils von den Farmern selbst erledigt, indem sie den Mais entweder per LKW oder per Pick-Up mit ein bis zwei Anhängern zur Fabrik bringen (Abb. 12).

Abb. 12: Verwiegung der Lieferfahrzeuge Im Anschluss teilte sich die Gruppe zum Mittagessen auf bevor es weiter zu Cargill ging. Das Mittagessen war „Fastfood“, da wir unterwegs nur kurz anhielten. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Station.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Besuch Cargill Nach etwa 15 Minuten erreichten wir Cargill Inc., 2400 Industrial Drive, Sidney in Ohio, ein Standort für die Produktion von Sojaöl aus Sojabohnen (Abb. 13).

Abb. 13: Sojabohnen-Verarbeitung, Cargill, Sidney Dort angekommen wurden wir zunächst von einer Mitarbeiterin über die Strukturen des privaten Unternehmens informiert: Bereits 1865 gegründet verfügt Cargill heute über 131.000 Angestellte verteilt auf 66 Länder. Cargill ist ein internationaler Hersteller und Vermarkter von Lebensmitteln, landwirtschaftlichen und industriellen Produkten. Die Aktivitäten umfassen den Kauf, die Verarbeitung und den Vertrieb von Getreide, Getreideprodukten und anderen landwirtschaftlichen Handelswaren sowie deren Herstellung. Zusätzlich werden Futtermittel und spezielle Inhaltsstoffe aus verarbeiteten Lebensmitteln hergestellt. Mit einem Jahresumsatz von 116 Milliarden US-Dollar zählt Cargill zu den weltweit größten Familienunternehmen. Anschließend gab es eine kurze Einführung zur Herstellung von Sojaöl. Dabei wurden Proben herumgereicht, welche die verschiedenen Produktionsschritte der Sojabohne, auf ihrem Weg zum Sojaöl, darstellten. Dieses Verfahren ist die primäre Auf20

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

gabe der 2001 errichteten Fabrik. Die Primärenergie für den Produktionsprozess kommt aus Erdgas. Bevor wir die Produktionsstätte betreten konnten wurden wir mit einem Kittel und einem Haarschutz, sowie speziellen Funkohrschützern ausgestattet. Ein Gruppenleiter führte uns durch die Produktions- und Lagerhallen. Leider konnten wir nur bedingt die ganzen Produktionsabläufe und Maschinerien betrachten, da am Freitagnachmittag kaum noch Arbeiter anwesend waren und die meisten Maschinen außer Betrieb waren. Die besichtigten die Abläufe der Herstellung von Sojaöl und dessen Weiterverarbeitung und Verpackung. Das gewonnene Sojaöl wird entweder rein abgefüllt, oder in der Küche, die sich oberhalb der Produktions- und Lagerhallen befindet, zu Fertigprodukten wie zum Beispiel Dipping-Soßen oder Salatdressing verarbeitet. Frisch verpackt können die Waren direkt am Lager bestellt und abgeholt werden. Nach der Führung machten wir uns auf den Weg zu unserem dritten Tagestermin. Nach 30 Minuten erreichten wir unser Ziel, Cargill Corn Milling Inc., 3201 Needmore Road Dayton in Ohio (Abb. 14).

Abb. 14: Maisverarbeitung, Cargill, Dayton

21

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Zu Beginn gab es erneut eine Einführung: Die in 1977 errichtete, mit Kohle betriebene Fabrik wird sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße mit Mais beliefert. Vorort werden die Bestandteile des Maiskorns Stärke, Öl Protein und Faserstoffe durch sehr aufwändige Verfahren aufgearbeitet und in Süßungsmittel, Alkohol, Futtermittel und Industriestärke umgewandelt. Hauptziel dabei ist, unabhängig von Zuckerimporten zu sein. Danach wurden wir zur Besichtigung des Geländes in zwei Gruppen aufgeteilt und mit einem Helm ausgestattet. Ein Angestellter zeigte uns die verschieden Produktionsschritte und führte uns durch die Anlage. Neben dem unangenehmen Geruch war auch der Zustand der Fabrik sehr schockierend. Alles war verrostet, Leitungen undicht und auch der Kontrollraum schien sehr veraltet. Abschließend bekamen wir noch Getränke und Süßigkeiten mit dem aus der Fabrik hergestellten Fruktosezucker. Geschmacklich konnten diese jedoch nicht überzeugen. Nach dieser eher bedrückenden Veranstaltung fuhren wir weiter nach Columbus. Dort waren wir bei Professor Thompson und dessen Familie zu einem Imbiss eingeladen. Einer der Söhne bot uns an mit ihm und seinen Freunden am Abend auszugehen, weshalb wir dann aufbrachen und im Comfort Inn 650 South High Street, Columbus eincheckten. Mit dem Taxi ging es zu den Bars und Clubs, wo wir den gelungen Tag ausklingen ließen.

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Exkursionsbericht USA und Kanada

10.

2011

Der fünfte Exkursionstag (Sa., 16.04.2011)

Von Tim Höbel An diesem Tag waren wir mit Justin, einem Studenten verabredet. Er führte uns durch die Ohio State University. Somit fuhren wir nach einem kräftigen Frühstück vom Comfort Inn in Columbus los und holten Justin an seiner Wohnung ab. Um kurz vor neun Uhr erreichten wir mit ihm die Universität.

Justin erzählte uns, dass rund 55.000 Studenten die Uni besuchen, wobei diese Studiengebühren von rund 9.200 $ zahlen müssen. Für eine Wohnung in einer Wohngemeinschaft müssen die Studenten zusätzlich 200 bis 350 $ bezahlen. Er führte uns über das große Football- Stadium zur atemberaubenden Bibliothek mit ihren elf Stockwerken und ihrem Penthouse- artigem Lernzimmer im obersten Stockwerk, von dem man einen guten Überblick über den Campus gewinnt. Im Anschluss zeigte er uns das Fitness- und Sportcenter der Uni, in dem jeder Student das Recht hat zu Trainieren und Sport zu treiben. Von hier aus ging es weiter ins campuseigene Vergnügungscenter, wo sich die Studenten treffen, um sich Filme, Theater oder andere Aufführungen anzusehen. Auch der Ballsaal der Uni ist hier untergebracht. Dort finden die jährlichen Abschlussbälle statt. Aber auch andere Feierlichkeiten werden hier veranstaltet. Im Souvenir-Shop konnten wir uns wieder mit Erinnerungsstücken eindecken. Um elf Uhr mussten wir uns von Justin, verabschieden und machten uns auf den Weg nach Berlin in Ohio, wo wir nach knapp zwei Stunden fahrt ankamen. Die Fahrt dorthin bescherte uns einen abwechslungsreichen Einblick in eine Landschaft mit kleinstrukturierten Landwirtschaftsbetrieben und ihren sehr hügeligen Flächen, die einen an das bayrische Alpenvorland erinnerte. Wir stärkten uns zunächst in Cindy´s Dinner bei verschiedenen Burgern. Die feschen Angestellten in dem Dinner verrieten uns aufgrund ihrer Kleidung unsere nächste Station: Die Amish People (Abb. 15).

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Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Abb. 15: Amish People in Berlin, Ohio Als wir uns mit unseren vier Vans um 14 Uhr aufmachten um uns in einem Museum die Geschichte der Amish anzusehen, kamen leider nur drei Vans an. Der vierte Van hatte eine Amish- Käserei als sein Ziel auserkoren. Dort betrachteten die Gestrandeten die pfiffige Verkaufsidee der Amish. In der Schaukäserei konnte man viele verschiedene Sorten Käse und Milcherzeugnisse von den Amish probieren und kaufen. Nebenbei hätte man in die Käserei schauen und den Mitarbeitern beim Käsen zuschauen können, wenn es nicht Samstag gewesen wäre. Am Wochenende wird nicht produziert.

Die Milch kommt ausschließlich von Amish- Betrieben, die im Schnitt 10 Kühe besitzen. Neben der Arbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb kommen die Amish in die Käserei zum Verarbeiten und Verkaufen der „handgemachten“ (handmade) Käseprodukte. Wir mussten über die Bedeutung von „handgemacht“ schmunzeln, da unsere Vorstellung von handgemacht eine etwas andere ist. Nach unserer Vorstellung bedeutet handgemachter Käse, eine Produktionsweise, die auf Elektro- oder Verbrennungsmotor betriebene Gerätschaften verzichtet und diese durch Handarbeit ersetzt. In der besichtigten Käserei wird unter handgemacht eine mittelständische Käserei verstanden, die sehr wohl elektrisch betriebene Pumpen und Rührwerke zur Käseherstellung einsetzt. Dies ist umso mehr verwunderlich, da die Amish bekannt dafür sind auf motorgetriebene Gerätschaften zu verzichten.

24

Exkursionsbericht USA und Kanada

2011

Der Verkaufsladen war sehr gut besucht. Es zog sich eine lange Warteschlage durch die Räumlichkeit. In Nebenräumen konnte man andere handgemachte Produkte der Amish kaufen. Kurz vor 16 Uhr fanden sich alle wieder zusammen. Spontan hatte man die Möglichkeit bekommen den landwirtschaftlichen Betrieb der Miller zu besichtigen.

Dieser Betrieb bewirtschaftet 93 Acre, was in etwa 37,2 Hektar entspricht. Der Betrieb wird nach den Regeln des organischen Landbau bewirtschaftet. Er hat fünf Shire-horses als Zugpferde für die Feldbestellung. Es standen noch mehr Pferde im Stall, diese waren jedoch schlanker und dienten zum Kutschen fahren. Der Betrieb hatte früher Milchkühe, diese wurden jedoch aufgrund eines Arbeitsunfalls des Betriebsleiters aufgegeben. Seither wird das Getreide, welches nicht an die Pferde verfüttert wird verkauft. Die Fruchtfolge besteht aus Hafer, Mais und Kleegras.

Neben den Geräten besichtigen wir den neuen Hühnerstall, in dem 25.000 Hühner nach konventioneller Methode, unter Zukauf von Futtermitteln, gemästet werden. Die Mast ist vertraglich abgesichert. Die Beheizung des Maststalles, in dem je nach Entwicklungsstadium der Hühner über 30 °C notwendig sind, erfolgt über eine eigene Erdgasquelle. Diese Quelle befindet sich unter dem Betriebsgelände. Die Energie ist kostenfrei. Am Ende der Mastzeit von 7 Wochen wiegen die Tiere rund 7 Pfund oder 3,2 Kilo.

Abschließend besichtigten wir das Haus des Altenteils, in dem uns die faszinierende Einfachheit der GasAbb. 16: Masthühner-Produktion, Miller

heizung erklärt wurde und Herr Miller Senior uns ein Ständchen auf

seiner alten Drehleier vorspielte Wir verabschiedeten uns gegen 17 Uhr fuhren weiter nach Buffalo.

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11. Der sechste Exkursionstag (So., 17.04.2011) Von Barbara Schuler, Angelika Dauermann, Matthias Koukol Niagarafälle Um 8:30 Uhr starteten wir von unserem Hotel in Buffalo in Richtung der Niagara Fälle. Nachdem die Grenze nach Kanada überschritten werden musste, wurde zusätzlicher Zeitbedarf eingeplant. Gegen 9:45 Uhr trafen wir bei den Niagara Fällen ein. Leider war das Wetter kalt, windig und bewölkt. Die Niagara Fälle sind Wasserfälle des Niagara-Flusses an der Grenze zwischen dem US-amerikanischen Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario. Das Wort Niagara heißt in der indianischen Sprache der Ureinwohner „donnerndes Wasser“. Der Niagarafluss stürzt hier 52 Meter in die Tiefe. Dabei wird der Fluss durch die oben gelegene Insel „Goat Island“ in zwei Teile gespalten. Der US-amerikanische Teil der Fälle hat eine Kantenlänge von 363 m, der kanadische eine von 792 m. Das Wasser des US-amerikanischen Teils fällt nach 21 m auf eine Sturzhalde, die bei einem Felssturz im Jahr 1954 entstand. Der kanadische Teil (Horseshoe) hat eine freie Fallhöhe von 52 m. Abb. 17 zeigt das Höhenprofil vom Lake Superior im Westen bis zum Atlantischen Ozean im Osten. In der Mitte der Darstellung befinden sich die Niagara Fälle.

Abb. 17: Profil der Niagarafälle

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Dieses Naturspektakel konnten wir auf verschiedenen Plattformen bewundern. Natürlich wurde kräftig photographiert (Abb. 18).

Abb. 18: : Kanadischer Teil der Niagara-Fälle, Horseshoe Es ging in den Tunnel hinter den Horseshoe - Fall. Nirgendwo ist die Kraft und Schönheit des Wassers deutlicher. Immerhin fallen durchschnittlich 4 200 l / s die Fälle herab. Eine schnelle Fahrt mit dem Aufzug brachte uns auf die untere Ebene. Der Tunnel hinter dem Fall wurde im Jahre 1889 erbaut, da die Fälle schon immer ein touristischer Anziehungspunkt waren. Gegen 11:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einer Milchfarm in Ontario. Milchfarm in Ontario Am Nachmittag des 17.04.2011, erreichte unsere Exkursion einen großen Milchviehbetrieb niederländischer Auswandrer. Der Betrieb lag etwa eine Stunde von der Universität Guelph im Bundesstaat Ontario entfernt. Er hält 500 Milchkühe der Rasse Holstein-Friesian aufgestallt in einem Liegeboxenlaufstall mit Nachzucht. Einen Blick in diesen Stall zeigt Abb. 19.

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Abb. 19: Liegeboxenlaufstall für 500 Milchrinder Die kanadischen Holsteinkühe beeindruckten durch einen rahmigen Körperbau und eine ansprechende Größe. Entsprechend beeindruckend war auch der Herdendurchschnitt von 13000 kg Milch pro 305 Tage-Laktation einer Kuh. 43 Liter beträgt der Tagesdurchschnitt einer Kuh im Betrieb. Der durchschnittliche Milchbauer in Ontario melkt 11 000 kg Milch pro Laktation. Deutschland positioniert sich diesbezüglich mit ungefähr 8000 kg Milch im internationalen Wettbewerb. Arbeitswirtschaftlich wird das Betriebsleiterehepaar durch zwei erwachsene Söhne und sechs bis acht Angestellte

in

Teilzeit

unterstützt.

Gemolken

wird

in

einem

Doppel-12er-

Fischgrätenmelkstand über 17 Stunden am Tag (Abb. 20). Die Kühe werden dreimal täglich gemolken. Ein Durchgang bedarf sechs Stunden. Hinzu kommen Reinigungsund Wartungsarbeiten. Die Stallhygiene machte einen exzellenten Eindruck.

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Der Spaltenboden wird durch einen Faltschieber trocken und sauber gehalten. Tiefboxen mit einer großzügigen Einstreu aus Sägespänen bieten den Tieren sehr gute Bedingungen für die nötigen Ruhephasen. In dieser Konsequenz zeigten die Milchkühe wenig Klauenprobleme und eine gute Beweglichkeit für den Boxenlaufstallbetrieb. In der Außenwirtschaft bewirtschaften die gebürtigen Niederländer 250 Hektar. Zusätzlich wird die Außenwirtschaft für einen Milchviehbetreib mit 100 Kühen in räumlicher Nähe im DienstleistungsbeAbb. 20: Melkarbeit im Fisch- trieb bearbeitet. grätenmelkstand Eigenmechanisierung ist in Kanada die Regel. Durchschnittlich kann der Betrieb mit 600 mm Niederschlag im Jahr kalkulieren. Hauptfuttergrundlage ist die Gras-/Luzerneernte von 180 Hektar mit durchschnittlich vier Schnitten im Jahr. Luzerne wird wegen der hohen Proteingehalte für die Milchviehration angesät. Die Grassilage stabilisiert die Milchsäuregärung in der Silagemischung mit der Luzerne. Geerntet wird kurz vor der Blüte bei entsprechender Witterung um beste Silagequalität zu garantieren. Probleme machen dem Betrieb Frostschäden an den Kulturen durch die extrem niedrigen Temperaturen im Winter. Es wird auf Vegetation auch im Winter geachtet um den Boden nachhaltig zu schützen. In Kanada wird der Milchmarkt über ein Quotensystem gesteuert. Wachstumsschritte sind in dieser Konsequenz schwierig zu verwirklichen. Bei einem Quotenpreis von ungefähr 30000 kanadischen Dollar pro Milchkuh sind hohe Investitionen für eine Produktionsausweitung erforderlich. Entschädigt wird der kanadische Landwirt durch einen sehr stabilen Milchpreis. Gezahlt werden 70 kanadische Cent pro gelieferten Kilogramm Milch. Der kanadische Milchpreis ist somit erheblich besser als in den USA, wo keine Milchquote existiert. Vereinzelt kommen schon US-Farmer nach Kanada, um dort unter besseren ökonomischen Bedingungen die Milcherzeugung fortzusetzten, wurde uns berichtet. In Kanada wird allerdings jeder Liter Milch gleichwertig honoriert. Zuschläge bei geringer Entfernung des Betriebs zur Molkerei sowie 29

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Mengen- und Qualitätszuschläge werden nicht gewährt. Dem kanadischen Landwirt werden ebenfalls keine Subventionen gezahlt. Sicherlich wird der gute Milchpreis auch durch die geschlossenen Marktstrukturen der Kanadier und die damit erschwerten Importbedingungen für ausländische Produkte getragen. Auf diesem Betrieb wurde uns ein interessanter Einblick in einen kanadischen Milchviehbetrieb mit hervorragendem Management gewährt. Betrieb Walch Nach der Besichtigung des Milchviehbetriebs ging es dann zurück auf den Ackerbaubetrieb der deutschen Auswandererfamilie Walch, wo wir in der Maschinenhalle zum Kuchen eingeladen waren (Abb. 21). Die Familie bewirtschaftet in Stratford 1200 ha, wovon ca. 960 ha Eigentum sind. Zudem besitzen sie eine eigene Getreidetrocknung, ein Lagerhaus und einen Fuhrpark mit mehreren LKWs zum Transport des Getreides.

Abb. 21: Betrieb Walch, in der Mitte Augustin Walch In Kanada ist es üblich, dass die Farmen von den Eltern an die Kinder verkauft werden. Da sich von diesen jedoch immer weniger für ein Leben als Landwirt entscheiden und somit immer mehr Farmen verkauft wurden, konnte sich der Betrieb der Familie Walch in den letzten Jahren weiter vergrößern. Der Kaufpreis für Ackerland liegt dort bei ca. 10 000 bis 14 000 $ pro acre. Das Klima ist geprägt von heißen Sommern mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und kalten Wintern. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 650 mm. Feldarbeit ist normalerweise von April bis Dezember möglich. Die Fruchtfolge des Betriebs besteht aus Mais, Bohnen und Winterweizen. So stellte uns Herr Walch viele verschieden 30

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Bohnensorten vor, die in der Region angebaut werden (Abb. 22). Auf seiner Farm baut er hauptsächlich Cranberry-, Azuki-, Soja-, Weiße und Schwarze Bohnen auf ca. 350 ha an. Der Anbau der Bohnen gestaltet sich als sehr aufwändig und erfordert eine wöchentliche Bestandskontrolle und regelmäßige Behandlungen mit Insektiziden und Fungiziden. Der Körnermais wird in der eigenen Trocknungsanlage getrocknet, eingelagert und dann das Jahr über an Futtermühlen vermarktet.

Abb. 22: Verschiedene Essbohnen, die am Betrieb Walch ausgesät werden Die Durchschnittserträge des Betriebs liegen bei etwa 12 t/ha. Da die kanadische Bevölkerung genetisch veränderten Pflanzen gegenüber sehr tolerant ist, sind dort ca. 80% der Maisbestände GVO-Mais. Der Winterweizen wird auf der Farm von September bis Mitte Oktober ausgesät und Mitte Juli gedroschen. Herr Walch erntet auf seinen Flächen etwa 70 dt/ha. Auch dieser wird auf dem Betrieb getrocknet, gereinigt und eingelagert. Der Qualitätsweizen wird übers Jahr vorverkauft und dann den Winter über mit den eigenen Transportfahrzeugen zu den Mühlen gefahren, wo er zu Mehl verarbeitet wird. Die Familie kauft das Saatgut für Mais und die Bohnen zu. Den Winterweizen vermehren sie selber. Zum Abschluss überreichte Herr Amon der Familie als besonderes Gastgeschenk Dieselfilter für Herrn Walchs MB-Trac, da diese in Kanada nicht erhältlich sind. Zudem bekamen sie einen Bierkrug und T-Shirts der Brauerei Weihenstephan. Auch wir wurden mit einem Geschenk überrascht und so bekam jeder von uns eine Dose Bohnen sowie ein T-Shirt der Organisation farmersfeedcities.com mit dem Aufdruck: „1 ONTARIO FARM = FOOD FOR 120 PEOPLE“. Dann wurde die Weiterfahrt nach Guelph angetreten, wo wir bei Familie Böcker zum Essen eingeladen waren. Den Abend ließen wir dann in einem Pub in der Nähe unseres Hotels ausklingen, wo sich noch der ein oder andere im Karaoke-Singen beweisen konnte. 31

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12. Der siebte Exkursionstag (Mo., 18.04.2011) Von Astrid Bauer, Victoria Göckmann, Manuela Miller Schweinemastbetrieb Nach dem Frühstück wurden wir von Herrn Prof. Böcker im Hotel abgeholt und machten uns auf den Weg zu einem Schweinemäster. Natürlich mussten wir uns dort aus hygienischen Gründen in einen überdimensionalen Einweganzug und Plastiküberziehschuhe quälen (Abb. 23).

Abb. 23: Gruppe im Einweganzug mit Plastikschuhen Der Betrieb mit 2000 Mastschweinen gehört zu einer - für Ontario eher kleinen - Gesellschaft mit 25 Stationen und insgesamt 4000 Muttersauen. Ryan Martin, der Produktionsmanager des Betriebs führte uns durch die Stallungen und gab uns einen Einblick in Haltung, Fütterung, Gruppenmanagement, Gesundheitsmaßnahmen und Arbeitsabläufe (Abb. 24). Danach erwartete uns Bob Hunsberger von der Gesellschaft und informierte uns über aktuelle Entwicklungen der Schweineproduktion in Ontario. Interessant war auch, dass fast das gesamte Schweinefleisch in den asiatischen Raum, überwiegend Japan, exportiert wird. Da die Japaner sehr viel Wert auf Herkunft, Produktion und Haltung legen, Abb. 24: Produktionsmanager Ryan Martin (Mitte) 32

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muss die gesamte Produktionskette transparent sein und deshalb finden regelmäßig Besuche und Kontrollen der Japaner statt. Universität Guelph Nach dem Besuch des Schweinemastbetriebs ging es weiter an die Universität von Guelph. Guelph liegt ca. 100 km südwestlich von Toronto. Nachdem wir uns unserer stinkenden Überziehanzüge entledigt hatten, machten wir eine kurze Tour über den Campus der Universität. Guelph hat eine der größten agrarwissenschaftlichen Fakultäten Kanadas. Besonders beeindruckt waren wir von der „Mensa“, die eine sehr große Auswahl von frisch zubereitetem Essen bereithält. Nachdem wir alle gegessen hatten, plünderten einige von uns den Uni-Shop, um sich mit T-Shirts und anderen Souvenirs auszustatten. Durch die feine Duftnote, die wir in der Luft verbreitet haben, wurden wir meist sehr schnell als die deutsche Studentengruppe identifiziert. Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Angelegenheiten Um halb eins trafen wir uns, um gemeinsam das Landwirtschaftsministerium der Provinz Ontario zu besuchen. Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Angelegenheiten empfing uns mit einem informativen Vortrag über die Landwirtschaft in Ontario. In Ontario hängen 700 000 Arbeitsplätze von der Landwirtschaft und der lebensmittelverarbeitenden Industrie ab. Damit arbeitet jeder siebte in der Agri-Food-Branche. Ontario exportiert ungefähr die Hälfte der Lebensmittel an andere Provinzen und in die USA. Es gibt mehr als 3,5 Millionen Hektar Ackerland in Ontario, was nur etwa 6% der gesamten Landfläche Kanadas entspricht. Die Biolebensmittelbranche ist der am schnellsten wachsende Sektor, weil zurzeit die meisten Bioprodukte, die in Kanada verkauft werden, importiert werden. Eine Ausnahme stellen nur Milchprodukte dar. Etwa 65% der in Ontario angebauten Mais- und Sojasorten sind gentechnisch verändert. Danach hörten wir einen Vortrag von einem Mitarbeiter der Universität, der uns über die zukünftigen weltweiten Herausforderungen an die Landwirtschaft aufklärte. Brauerei Nachmittags besuchten wir die Brauerei Wellington (Abb. 25). Diese kleine Brauerei ist 1985 gegründet worden und bietet mehrere verschiedene Biersorten an, die nach englischer Art gebraut werden: Wellington County Ale, Arkell Best Bitter, Special Pale 33

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Ale, Iron Duke Strong Ale, Imperial Stout, Beehive Honey Lager, Trailhead Lager. Nach einer Verkostung durften wir das kleine Brauhaus besichtigen, in dem täglich 700 Liter Bier gebraut werden.

Abb. 25: Bierprobe bei der Brauerei Wellington

Toronto Anschließend fuhren wir weiter nach Toronto, um die letzte Nacht in einem luxuriösen Hotel zu verbringen. Wir ließen den Tag abends in einem Steakhouse in Downtown Toronto ausklingen. Für diejenigen, die schon früher ins Hotel gegangen sind, gab es gegen Mitternacht noch eine Überraschung: Feueralarm! Was für manche bedeutete 22 Stockwerke zu Fuß die Treppen hinunterzustürmen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Aufregung umsonst war, da es sich um Fehlalarm han-

Abb. 26: Abendessen im Steakhouse delte und wir nach ca. einer halben Stunde wieder auf die Zimmer zurückkehren konnten. Andere verbrachten dagegen den späten Abend gemütlich in einer Bar, was sich mal wieder als die deutlich entspanntere Version der Abendgestaltung erwies. 34