Frankreich 2000 - Klaus Bartram

Frankreich 2000 - Klaus Bartram

Frankreich 2000 Reisetagebuch unserer Süd-Frankreich-Reise vom 04.05.2000 bis zum 20.05.2000 1.Tag: Donnerstag, den 04.05.2000 Nachdem wir am Vortag...

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Frankreich 2000 Reisetagebuch unserer Süd-Frankreich-Reise vom 04.05.2000 bis zum 20.05.2000

1.Tag: Donnerstag, den 04.05.2000

Nachdem wir am Vortag bereits unsere Reisetaschen in ein Schließfach am Hauptbahnhof gebracht hatten, fuhren wir mit nur kleinem Gepäck per S-Bahn von Offenbach nach Frankfurt. Um 16.56 Uhr fuhr unser Zug los. Die Fahrt war angenehm und 3 Stunden später kamen wir in unserer Zwischenstation Straßburg an. Wir hatten mit 40 Minuten genügend Zeit, uns und unsere 4 Reisetaschen von Bahnsteig 3 auf 2 zu befördern. Weiter ging es dann mit dem Liegewagen. Zunächst waren wir höchst verwundert, dass die Verbindungstüren zu den anderen Waggons verschlossen waren, da wir jedoch im Laufe unserer Fahrt nach Agde an mindestens 3 verschiedene Züge angekoppelt wurden, erschien diese Maßnahme im nachhinein sinnvoll, denn ansonsten wäre Klaus bei einer nächtlichen Wanderung in den Speisewagen unter Umständen vom Rest der Familie abgekoppelt worden. Das Abteil teilten wir mit noch zwei anderen Mitschläfern. Die Nacht verlief ruhig, obwohl unser 4-jähriger Knabe allein auf einer Pritsche in der Mitte der 3-stöckigen Betten liegen musste.

2.Tag: Freitag, den 05.05.2000

Kurz vor 8.00 Uhr kamen wir ausgeruht in Agde an und gingen erst einmal Kaffee trinken. Danach fuhren wir mit dem Taxi zur Marina von NAUTIC-TOURS. Das dortige Büro befand sich ganz stilecht in einem ausrangierten Frachter. Unser Boot war zu dieser frühen Stunde allerdings noch nicht übernahmebereit.

Pénichette 935 9,35 m lang und 3,10 m breit mit 50 PS Dieselmotor Doppelbett im Bug und Einzelbett im Gang Sitzecke und Kombüse im Heck Toilette mit Dusche und Waschbecken mittschiffs.

Wir ließen unser Gepäck in der Marina zurück und gingen unter warmer südlicher Sonne Agde erkunden.

Agde ist eine der ältesten Städte Frankreichs und war bereits in der Antike ein griechischer Handelshafen. Es ist ein sehr interessanter Ort mit vielen Bauten aus schwarzem Vulkangestein, verwinkelten Gassen, der befestigten Kathedrale St. Étienne aus dem 12. Jahrhundert, einem Rathaus aus dem 17. Jahrhundert, und mit griechischen Schutzmauern aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

(noch 2.Tag: Freitag, den 05.05.2000)

Wir entdeckten einen wirklich sehr schönen Park und nahmen gegen Mittag einen kleinen Imbiss in einem Café am Rande der Innenstadt ein. Zurück am Hafen konnten wir dann unser Boot übernehmen, verstauten unser Gepäck an Bord und Arne spielte ausgiebig mit zwei Hunden. Er kam dabei auf die Idee, sein Allergie geplagter Vater könne doch Zuhause ausziehen und er sich daraufhin einen Hund anschaffen. Wir erledigten die notwendigen Formalitäten im Büro des Bootsvermieters, erhielten die obligatorische technische Einweisung, gingen einkaufen und legten bald darauf ab. Wir fuhren auf dem Canal du Midi nach Villeneuve-lès-Béziers. Vor der örtlichen Schleuse übernachteten wir, nachdem wir zunächst einen kleinen Hafenrundgang gemacht hatten.

Baron Pierre-Paul Riquet begann 1663 mit dem Bau des Canal du Midi, nachdem er dessen Wasserversorgung mit Hilfe von Talsperren löste. Finanziell ruiniert starb er 1681, ein halbes Jahr vor der Einweihung. Seit dieser Zeit profitieren alle von diesem Meisterbauwerk: Riquets Nachkommen verdienten Geld, der Handel blühte auf und bietet heute ein einzigartiges Charterbootrevier, von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft.

3.Tag: Samstag, den 06.05.2000

Nach dem Aufstehen gingen wir zusammen erstmal im Supermarkt einkaufen und besuchten auch den örtlichen Markt. Dann fuhren wir weiter den Kanal hinauf nach Béziers. Zwischen Meer und Bergen gelegen überragt die geschichtsträchtige Stadt das Weinbaugebiet. Béziers gilt als Hauptstadt des französischen Tischweins. Dort legten wir eine ausgiebige Mittagspause mit anschließender Hafenbesichtigung ein. Später, nach einem heftigen Regenguss, fuhren wir durch zwei weitere Schleusen und den Pont-canal de Béziers bis zur Schleusentreppe von Fonserannes, einer imposanten Anlage mit 7 Schleusenkammern und insgesamt 13,60 m Höhenunterschied. Mittlerweile war es bereits 18.30 Uhr, so dass eine Weiterfahrt wegen Ende der Schleusenöffnungszeiten nicht mehr möglich war. Wir spielten noch "Mach- und Sachgeschichten mit der Maus" und gingen dann alle erschöpft in unseren bequemen Kojen schlafen.

4.Tag: Sonntag, den 07.05.2000

Typisch Wochenende: Arne weckte uns schon sehr früh. Diesmal war es jedoch ausnahmsweise OK, denn so kamen wir bereits beim ersten Schleusengang zusammen mit zwei anderen Booten durch die Schleusenanlage. Uns folgten zwei große Ausflugsboote, so dass die bereits wartenden anderen Charterboote mindestens 2 Stunden Zwangsaufenthalt hatten. Nach der letzten Schleusenkammer legten wir erst einmal für ein zweites Frühstück an und unser Bootsmann konnte seinen Bewegungsdrang ausleben. Außerdem wurde eine Fahne für das Boot gebastelt, die sich jedoch im weiteren Verlauf als nicht ausreichend regenbeständig erwies. Erst die Nachfolgerin hielt bis zum Schluss der Reise.

Wir fuhren durch einen malerischen, kurvenreichen Kanalabschnitt mit Platanen und Zypressen an der Uferböschung bis zum Ort Colombiers, wo wir in der Nähe der Einfahrt zum Hafenbecken anlegten. Eigentlich wollten wir hier nur kurz eine kleine Mittagspause machen, aber wir verbrachten den ganzen Nachmittag in diesem kleinen Städtchen, in dem reges Treiben herrschte: Wettangeln mit anschließendem Feierfest. Wir gingen Crêpes und Eis essen, abends Pizza. Arne versuchte mit diversen Kindern Kontakt aufzunehmen und sah schlussendlich ein, dass es von Vorteil wäre etwas Französisch zu lernen.

5.Tag: Montag, den 08.05.2000

Nach dem Aufstehen und Frühstücken gingen wir im nahegelegenen Supermarkt einkaufen, der geöffnet hatte, obwohl heute Montag war, eine eher seltene Ausnahme in Frankreich. Wir hatten da in der Vergangenheit schon ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Danach fuhren wir weiter auf dem Kanal. Uns erwartete eine interessante Streckenführung mit Tunnel (Souterrain de Malpas), mehreren Aquädukten und einem malerisch gewundenen Kanalbett.

Gegen Mittag legten wir zwischen Poilhés und Capestang an einem Weinberg an. Später fuhren wir den Canal du Midi bis le Somail weiter, einer ehemaligen Station der Postschiffe.

(noch 5.Tag: Montag, den 08.05.2000)

Im 18. Jahrhundert brauchten die Postschiffe, die damals regelmäßig auf dem Kanal verkehrten, vier Tage von Agde nach Toulouse. Die Poststationen befanden sich in le Somail, Trèbes, Castelnaudary und in Négra. In le Somail kann man noch einen runden Turm sehen, in dem damals im Sommer Eis aufbewahrt wurde.

Wir machten nach dem Anlegen zunächst einen Rundgang durch das sehr mediterran wirkende Städtchen mit seiner alten Brücke, der kleinen Kirche aus dem 17. Jahrhundert und alten efeuberankten Gebäuden, besuchten ein interessantes Atelier und erstanden ein paar Postkarten. Zur Krönung des Abends gingen wir in einem netten Restaurant am Hafen essen und genossen ein wirklich sehr geschmackvolles französisches Dinner.

6.Tag: Dienstag, den 09.05.2000

Vormittags fuhren wir zunächst 2 1/2 km zurück und verließen anschließend den Canal du Midi südlich in Richtung Mittelmeer auf dem Canal de Jonction. Es mussten 5 Schleusen passiert werden, dann hatten wir uns eine Mittagspause in Sallès-d´Aude verdient. Palmen, Zypressen und wunderschöne Rosen sind hier keine Seltenheit. Man merkte, dass wir uns hier 1.000 km südlich von Offenbach befanden. Nach der Pause - selbst die automatischen Schleusen machen hier Mittagspause (d.h. zwei rote Ampeln) - befuhren wir ein kurzes Stück des Flusses l´Aude. Hier stießen wir zum ersten Mal auf Bojen. Und zwar auf zwei grüne, aber keine rote, so dass wir erst einmal die Flussrichtung herauskriegen mussten, um zu wissen, auf welcher Seite wir die Bojen umfahren mussten.

Weiter ging es den Canal de la Robine entlang. Man konnte erkennen, dass wir uns auf einer Nebenstrecke befanden, denn die Schleusen mussten von den Schleusenwärtern vollständig von Hand bedient werden. Keine Automatik. Zu Arnes Entzücken kam uns unterwegs auf der Strecke eine Art Rasenmäherboot entgegen. Die Einfahrt nach Narbonne war sehr malerisch: blumengesäumtes Ufer, die einzige bebaute Brücke Frankreichs, sowie eine interessante Hafenanlage mitten im Zentrum. Hier legten wir an, gingen einkaufen und gewannen einen ersten Eindruck von dieser Mittelmeer-Stadt, die typisch südfranzösisch wirkt. Um den Hunger zu stillen gab es jedoch heute Abend italienische Pasta an Bord.

(noch 6.Tag: Dienstag, den 09.05.2000)

Narbonne ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt mit vielen historischen Bauwerken: u.a. die römische Straße "VIA DOMITIA", das römische Horreum, ein Speicherraum für verderbliche Lebensmittel, sowie das Erzbischöfliche Palais (12.-14.Jahrhundert) mit Kunst- und Geschichtsmuseum und die Kathedrale St-Just.

7.Tag: Mittwoch, den 10.05.2000

Am Morgen besichtigten Heike und Arne die Markthalle von Narbonne. Hier gab es alles, was das Herz begehrt: Fisch, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Brot, Gebäck, Fleisch, Wurst, Käse, aber bis auf eine Tüte Kirschen erstanden sie jedoch nichts. Danach ging es weiter Richtung Innenstadt, damit Sohnemann Arne zu seinem versprochenen Eis kam und sie landeten letztlich bei McDonalds. Die beiden wanderten ein Stück auf der VIA DOMITIA, Überreste einer alten römischen Straße zwischen Spanien und Italien, und verschafften sich einen Überblick über das erzbischöfliche Palais und die Kathedrale St-Just. Da zur Mittagszeit fast alles geschlossen war, beschlossen sie später auf der Rückfahrt alles genauer zu besichtigen und gingen zum Boot zurück. Nach telefonischen Geburtstagsgrüßen an Opa Karl-Heinz fuhren wir Richtung Meer weiter. Der Kanal schlängelt sich zwischen Mittelmeerbuchten und Salzseen hindurch. An der Schleuse bei der Ile Sainte-Lucie legten wir an, um das Naturschutzgebiet zu besichtigen. Wir wählten einen kurzen Rundweg und hatten auch Glück mit dem Wetter. Die Flora wirkt recht unwirklich, wie in einem Zauberwald, dunkles Grün und Silber. Weiter ging es die wenigen Kilometer bis nach Port-laNouvelle.

Port-la-Nouvelle ist immerhin der siebtgrößte Seehafen Frankreichs. Es ist auch ein traditioneller Badeort der Mittelmeerküste und liegt an langen Sandstränden. Da im Mittelmeer keine wesentlichen Gezeiten herrschen, kann man hier auch mit einem Binnenschiff den Seehafen anlaufen. Bei heftigem Regen mussten wir mehrere Anlagemanöver absolvieren, da der von uns zuerst anvisierte Ponton leider ein Privatsteg war. Ein heftiges Gewitter hielt uns von einem Abendspaziergang ab und wir verbrachten einen ruhigen Abend an Bord.

8.Tag: Donnerstag, den 11.05.2000

Am nächsten Morgen erwachten wir bei strahlendem Sonnenschein. Wir beeilten uns mit unseren morgendlichen Verrichtungen, packten unsere Strandsachen ein und los ging´s Richtung Strand. Die Aussicht auf Sandbuddeln und Meer beflügelten unseren Sohn so sehr, dass er die über 2 km lange Strecke ohne zu Klagen lief. Unterwegs erstanden wir noch etwas Gebäck und eisgekühlte Getränke als Erstverpflegung für den Strand. Wir wanderten den großen Handels- und Fischereihafen entlang, beobachteten das rege Treiben auf den Frachtern aus Frankreich, Russland, Holland, Schweden und der Türkei und die ein- und auslaufenden Fischkutter. Mehrmals kamen wir an Ständen vorbei, an denen die Fischer ihren frisch gefangenen Fisch und Meeresfrüchte zum Kauf anboten.

Endlich erreichten wir das Meer und wurden mit wunderschönem Sand und fast menschenleerem Strand für unsere lange Anreise belohnt. Arne fing sofort an im Sand zu graben und rannte bald ins Wasser, das allerdings zum Schwimmen leider noch etwas zu kühl war, aber zum Plantschen reichte es bereits. Mittags gingen wir in ein nahe gelegenes Restaurant und verspeisten dort Muscheln, Schnecken, Krabben etc. Klaus wollte sich von der leckeren Muschelsauce wohl etwas mitnehmen, denn er schüttete sich mindestens einen 1/4Liter über die Hose. Die Strandpromenade war nicht belebt und viele Bars, Restaurants, Hotels und Läden hatten geschlossen. Saison ist hier Juli/August.

Nach dem Essen gingen wir zurück zum Strand und verbrachten einen herrlichen SommerSonnentag. Gegen 16.00 Uhr brachen wir auf, denn immerhin lag ja noch ein 1 1/2-stündiger Fußweg vor uns, unterbrochen von kleineren Einkäufen und Schiffe beobachten sowie Eis essen. Ein leckeres Abendessen an Bord rundete den Tag ab und wir ließen ihn mit der untergehenden Sonne und einer Flasche Rotwein ausklingen.

9.Tag: Freitag, den 12.05.2000

Heute morgen war der Himmel ziemlich bedeckt, so dass wir uns nochmals zu unserem perfektem Timing mit dem gestrigen sonnigen Strandtag gratulierten. Leider mussten wir als erstes feststellen, dass unsere Toilette nach einigen kleineren Problemen an den Vortagen nunmehr endgültig defekt war, was uns unterwegs noch ein hektisches Anlegemanöver zwecks Aufsuchen des Ufergebüschs zur körperlichen Erleichterung unseres Sohnes einbringen sollte. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir Narbonne an.

Kurz vor 14.00 Uhr legten wir mitten im Stadtzentrum an, gratulierten Opa Hans telefonisch zum Geburtstag und nahmen auf mehrfachen ausdrücklichen Wunsch unseres Knaben einen Imbiss bei McDonalds ein. Gegen 14.30 Uhr erreichten wir dann telefonisch unseren Bootsvermieter, der uns zusagte, einen Servicetechniker innerhalb einer Stunde zu schicken. Bis zum Eintreffen des Monteurs machten wir einen ersten Rundgang und Arne zeigte Klaus voller Stolz die "römische Straße", die er ja bereits von der Hinfahrt schon kannte.

Anschließend besuchten wir die Kathedrale und erstanden danach für jeden ein Eis. Zurück am Boot traf auch bald der Mechaniker ein, der nicht lange brauchte, um einen Spitzer aus dem Klo zu entfernen, den wohl ein anderes Kind dort vor geraumer Zeit deponiert hatte. Unser zunächst verdächtigter Nachwuchs war offensichtlich unschuldig an dem Malheur, denn sein Spitzer befand sich noch bei seinem Malsachen. Nun funktionierte die Toilette zwar grundsätzlich wieder, allerdings hatten wir jetzt eine "Nasszelle" im wahrsten Sinne des Wortes, denn nach der provisorischen Reparatur waren nicht mehr alle Dichtungen so wirklich dicht und es spritzte bei jedem Pumpen ein wenig oder mehr Kanalwasser ins Bad... Wir setzten unseren Spaziergang fort und schlenderten durch die verwinkelten Gassen der Altstadt; tranken Kaffee, erledigten unseren Einkauf und gingen zum Abendessen zurück auf unser Boot. Dort vertilgte Arne fast ein Kilo Wassermelone. Abends streiften wir nochmals durch den interessanten Ort. Zu Arnes Bedauern hatte allerdings das Kinderkarussell bereits geschlossen. Gegen 21.00 Uhr gingen wir wieder zurück an Bord unseres Charterbootes und ließen den Abend ausklingen.

10.Tag: Samstag, den 13.05.2000

Morgens durchstreiften Arne und Heike nochmals die schöne Innenstadt und gingen anschließend zusammen mit Klaus durch die imposante Markthalle zum Einkaufen. Wir aßen an Bord frisches Baguette und Käse aus der Region und fuhren dann weiter Richtung Canal de Jonction. Nach den diversen Schleusen erreichten wir wieder den Canal du Midi und fuhren weiter westlich bis le Somail. Kaum angelegt, eilten wir in das uns schon bekannte Restaurant am Hafen und leisteten uns ein ausgiebiges Schlemmermenü: ein riesiger leckerer Vorspeisenteller mit Meeresfrüchten (Austern, Muscheln, Garneelen, Schnecken, Langusten), üppige Fischplatte, Käse und Dessert, dazu 2 Karaffen Rosewein. Danach fielen wir alle mit vollem Bauch in unsere Kojen.

11.Tag: Sonnatg, den 14.05.2000

Heute statteten wir zunächst dem Antiquariat am Kanal einen ausgiebigen Besuch ab. Ein wirklich beeindruckender Laden in so einem kleinen Ort. Dann fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein den Canal du Midi Richtung Agde zurück.

Kurz vor Capestang machten wir unterwegs Rast. Zur Begeisterung unseres Sohnes weidete in der Nähe unserer Anlegestelle ein Pferd, das dann auch mehrfach besucht wurde. Nahe Béziers vor der Schleusentreppe von Fonserannes legten wir zur Nachtruhe an.

12. Tag: Montag, den 15.05.2000

Um 8.00 Uhr klingelte unser Wecker, da das Herunterschleusen in Fonserannes nur früh am Morgen oder alternativ am Mittag möglich ist. Doch zunächst wurden der 38 Meter lange umgebaute Frachter, dem wir am Vortag eine ganze Weile gefolgt waren, zusammen mit einem Schwesterschiff die 7 Schleusenkammern herabgeschleust. Anschließend folgten wir zusammen mit 3 weiteren Charterbooten. In den Schleusenkammern wurde es entsprechend eng. Wir bewältigten noch die beiden Schleusen vor und nach dem Jachthafen von Béziers. Gleich nach der letzten Schleuse legten wir an, gingen ein frisches Baguette kaufen, tranken in einer Hafenbar einen Kaffee und Arne verspeiste schon morgens ein Eis. Danach ging es weiter die schattige Platanenallee entlang. Zur Mittagszeit legten wir bei Villeneuve-lèsBéziers an und veranstalteten ein gemütliches Picknick auf unserem Sonnendeck. Wir fuhren vorbei an unserer Marina und durch die einzigartige Rundschleuse von Agde. Voller Tatendrang und bei herrlichem Wetter schipperten wir noch weiter in den Étang de Thau bis zum ersten Hafen in Marseillan.

Der Étang de Thau, ist ca. 120 qkm groß. Der 17 km lange und 4 km breite Salzwasser-Binnensee ist das grösste Binnengewässer Frankreichs und verbindet den Canal du Midi mit dem Canal du Rhône à Sète. Dies ist zwar eigentlich ein Seeweg, darf aber bei gutem Wetter auch mit einem Flussschiff überquert werden.

Zusammen mit den alten Bekannten aus der Schleusentreppe wurde der Hafen geentert. Die Briten hatten sich unterwegs wohl weiter grillen lassen und man sah daher deutlich sehr viel rote Haut. Nach dem Anlegen suchten wir zunächst erfolglos den Hafenmeister, dann ebenso erfolglos einen Sandstrand, aber der Spaziergang hatte sich trotzdem gelohnt. Zum Abendessen gingen wir in ein Hafenrestaurant und weil unser Sohn so schön Französisch sprach gab es für die Eltern gratis einen delikaten Pfirsichschnaps, eine Spezialität der Region. Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang gingen wir zurück an Bord. Es war zwischenzeitlich immerhin schon nach 22.00 Uhr.

13.Tag: Dienstag, den 16.05.2000

Morgens erledigten wir zunächst unsere Einkäufe im hiesigen Supermarkt und gingen auch noch ein wenig auf der Hafenpromenade spazieren. Dann durchquerten wir den Étang de Thau. Bei herrlichem Wetter und ruhiger See kamen wir schneller voran als erwartet, änderten unser ursprüngliches Fahrziel und fuhren in den Canal du Rhône à Sète, vorbei an Sète bis nach Frontignan. Der Canal du Rhône à Sète verbindet den Canal du Midi mit der Rhône. Auf einer Länge von insgesamt 97 km durchquert er mehrere nicht sehr tiefe Lagunenseen an der Küste. Die Brackwasserseen und Dünengebiete gehören zu den wichtigsten europäischen Feuchtgebieten. In Fortignan führt eine sehr niedrige Hebebrücke über den Kanal.

Dort mussten wir eine Zwangspause bis 16.30 Uhr einlegen, da die dortige Brücke nur dreimal täglich für Boote geöffnet wird. Wir nutzen die Unterbrechung zum Einkaufen und fuhren anschließend noch 1 1/2 Stunden an der Mittelmeerküste entlang bis zur Abbaye de Maguelonne, einer Abtei in der Nähe des kleinen Ortes Villeneuve-lès-Maguelonne. Hier fanden wir einen sehr schönen Liegeplatz und veranstalteten ein Picknick am Strand. Auf dem Weg dorthin beobachteten wir Flamingos und fliegende Fische. Der Strand war fast menschenleer, das Wetter wunderbar, das Wasser mit ca. 20 Grad relativ warm und Arne konnte auch noch ausgiebig im Sand buddeln. Wir blieben bis kurz vor Sonnenuntergang, den wir dann vom Boot aus beobachteten.

14.Tag: Mittwoch, den 17.05.2000

Am Morgen entdeckte Arne ein blaues Auto, dessen Fahrer den Begriff "Waschstraße" wohl irgendwie falsch verstanden hatte und in den Kanal gefahren war. Welch ein Ereignis für unseren Sohn: Ein Aufgebot von Polizei, Rettungswagen, Kranwagen etc. Und das alles in der Abgeschiedenheit des Naturschutzgebietes. Bald fuhren wir wieder in Richtung Frontignan, um die Mittagsöffnung der Hebebrücke um 13.00 Uhr nicht zu verpassen. In der 3/4stündigen Wartepause hatten wir noch Gelegenheit, Baguette und Eis zu erstehen. Wir fuhren nach Bouzigues im nordöstlichen Teil des Étang de Thau. Bouzigues gilt als die Wiege der Austernzucht im Étang de Thau. Ein örtliches Museum ist diesem Thema und der hiesigen Fischfangtechnik gewidmet. Feinschmecker kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Anlegeplätze im Hafen waren jedoch sehr rar. Nach einer einstündigen Wartezeit auf einem provisorischen Liegeplatz hatten wir aber auch dieses Problem gelöst und machten uns sodann auf den Weg in das der Muschel- und Austernzucht-Museum. Daraufhin wollten wir auf ausdrücklichen Wunsch unseres Sohnes noch das hiesige Feuerwehrmuseum besuchen. Dort angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass dieses außerhalb der Saison (Juli/August) nur Sonntags geöffnet hat. Zur Entschädigung bot uns ein freundlicher Brandschützer der örtlichen Feuerwache als Ersatz die Besichtigung des Fuhrparks an.

Als wir zurück auf unser Boot kamen, badete gerade eine Horde Jugendlicher am Hafenkai. Bei Rotwein und Chips beobachteten wir das Treiben von unserem Sonnendeck aus. Arne war zunächst sehr fasziniert; als die Kids jedoch unser Boot als Sprungbrett ins Hafenbecken nutzten, hätte er am liebsten die Polizei zum Einschreiten gerufen. Als wir Abends zum Essen gingen, war seine größte Sorge, dass die Gören trotz unserer Ermahnungen weiterhin auf dem Boot herumhüpfen würden. Dies vergaß er jedoch rasch, als er vor dem Restaurant Bekanntschaft mit der dreijährigen Melanie machte. Die beiden flirteten so heftig miteinander, dass der Ober fragte, ob die Hochzeit in seinem Haus ausgerichtet werden solle. Währenddessen schlemmten wir nochmals ausgiebig: Austern, Schnecken und Muscheln mit Knoblauchsoße, Butter und Baguette, Miesmuscheln in Weißweinsauce, als Hauptgang einen heimischen Fisch á la provencale, danach verschiedene Desserts und Kaffee. Wir speisten bis 22.30 Uhr. Zu Arnes Leidwesen wurde Melanie eine Stunde eher von ihrem Vater entführt. Unser vierjähriger Nachwuchs hoffte inständig, seine kleine Freundin am nächsten Tag wiederzusehen.

15.Tag: Donnerstag, den 18.05.2000

Leider trafen wir Melanie nicht mehr an, auch nicht bei unseren weiteren Spaziergängen durch die Stadt. Gegen Mittag fuhren wir bei Windstärke 4-5 los und der Steuermann konnte seine theoretischen und praktischen Kenntnisse aus seinem Bootsführerscheinkurs anwenden. Kompass und sogar Arnes Fernglas kamen zur Anwendung. In ca. 3 Stunden durchquerten wir den Étang de Thau und fuhren das kleine Stück Kanal bis nach Agde. Um den Abschied vom Bootsfahren noch etwas hinauszuzögern, fuhr Klaus noch ein Stück den Fluss l´Hérault hinauf, aber es nutzte alles nichts, die Marina wartete auf uns. Dort angekommen, meldeten wir uns beim Bootsvermieter zurück. Die große Putz- und Bootsübergabeaktion sollte nach Rücksprache aber erst morgen stattfinden, so dass wir noch einen ruhigen Abend verbringen konnten. Wir erkundigten uns (vergeblich) am Bahnhof nach Gepäckaufbewahrungsmöglichkeiten. Arne konnte ausgiebig mit Ball und Hunden spielen und baute im Kies ein Modell des Canal du Midi, Étang de Thau, sowie der gesamten Stationen unserer Reise nach.

16.Tag: Freitag, den 19.05.2000

Die Bootsübergabe- und Putzaktion verlief dann doch etwas hektisch, da der Bootsvermieter es zunächst überhaupt nicht eilig hatte, dann aber feststellte, dass das Boot doch noch gebraucht würde und noch einiges zu machen sei. Wir ließen unser Gepäck im Büro zurück und gingen in die Innenstadt von Agde. Zunächst machten wir ein kleines Picknick am Kanal. Dann besuchten wir die Kathedrale Saint-Étienne und das Museum mit interessanten Ausstellungen, traditionellen Kostümen, Nachbildungen von Schiffen u.v.m. Wir machten noch einen ausgiebigen Stadtrundgang und gingen Eis essen. Gegen 17.30 Uhr waren wir zurück an der Marina um unser Gepäck abzuholen. Mit dem Taxi fuhren wir in ein BarRestaurant gegenüber dem Bahnhof. Bis zur Abfahrt unseres Zuges um 21.30 Uhr verbrachten wir hier die Zeit mit Kaffee trinken, Billiard spielen und einem vorzüglichen Abendessen.

17.Tag: Samstag, den 20.05.2000

Wir fuhren mit dem Liegewagen der Bahn über Nacht von Agde nach Straßburg. Im dortigen Bahnhof tranken wir einen Kaffee und fuhren dann nach einer 40-minütigen Pause weiter mit dem Zug nach Frankfurt, wo wir gegen 12.30 Uhr von den Frankfurter Großeltern erwartet und mit dem Auto nach Offenbach gebracht wurden.