Grüner Kreis

Grüner Kreis

Frühjahr 2007 No. 61 MAGAZIN Verlagspostamt 1070 Wien P.b.b. 04Z035724 S · DVR-Nr.0743542 www.gruenerkreis.at Leben im „Grünen Kreis“ Wir lassen Bi...

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09.09.2009 - Köhnen, J 00 - Köhnen, F 02 - Ribeiro, E 01 - Kamper, K 00. 34,57. ASC Düsseldorf ...... Zenker Fynn (98) 9

Anschriften Kreis - Kreis 104 Rachel - Lusen
Markus Wiesmann. Haslach 12. 94568 St. Oswald. 0170/7325610 [email protected] Seite 1. 4 EC Grünbach Schneiderm. Klaus

Anschriftenverzeichnis Kreis 5 - FVN Kreis 5
11.07.2016 - Jugendleiter Ömer Akbulut, Josefstr. 101, 41462 Neuss, Tel.: 02131/272897 Mail: [email protected]

Kreis Minden-Lübbecke - Geoportal Kreis Euskirchen
SM Lemgo. SM Löhne. SM Minden. Espelkamp. SM. SM Lemgo. SM Löhne. SM Minden. Espelkamp. SM. 1. 1. 2. 5. 1. 1. 1. 1. 2.

Leichtathletik-Gemeinschaft Kreis Verden - LG Kreis Verden
17.05.2017 - Cluvenhagen, Lohberg, Posthausen, Thedinghausen. Ferner sind einige Male. Athleten der Vereine TSV Blender

Frühjahr 2007 No. 61

MAGAZIN Verlagspostamt 1070 Wien P.b.b. 04Z035724 S · DVR-Nr.0743542

www.gruenerkreis.at

Leben im „Grünen Kreis“ Wir lassen Bilder sprechen.

| grünerkreisSport

Monaco Marathon 2006 Therapie Laufen – ein Weg aus der Sucht In unserer heutigen Gesellschaft wird Sucht oft mals als Versagen eines Elternteils – meist ist dafür ja die Mutter zuständig – abgetan oder mit „Überverwöhntsein“ erklärt. Nach einfachen und schnellen Antworten auf ein kompliziertes Phänomen suchen viele, so wird Sucht begreiflich. Wir sehen darin jedoch das Gegenteil. Sucht ist eine Krankheit, schlimmer als so manche andere chronische Krankheit. Unsere KlientInnen brauchen sehr viel Zeit, um über diese Krankheit hinweg zu kommen und mit ihr leben zu können. Darum versuchen wir im „Grünen Kreis“ unterschiedliche Methoden zu verwenden, um unsere KlientInnen dauerhaft begleiten zu können. Da die Krankheit hartnäckig im Menschen und auf allen Ebenen – der seelischen, körperlichen und geistigen – festsitzt, braucht es genauso viel Hartnäckigkeit, um den KlientInnen zu einer Besserung zu verhelfen.

Der Trainer uns sein Team.

Einer dieser hartnäckigen Wege ist für mich, als Betreuer ein Mensch zu sein, mein ganzes Menschsein zu vermitteln, ohne zu verlangen oder zu erwarten, einfach nur zu geben, als Vorbild zu wirken. Dies klingt ganz einfach, aber es ist das Schwierigste. Denn es bedeutet, den KlientInnen zu helfen, sie zu begleiten, aber sie ihrer Wege gehen zu lassen. Ein Weg, um Lob, Wertschätzung und Anerkennung für ihre Selbstverantwortung und ihr Selbstbewusstsein weiterzuvermitteln. Hilfreich auf dem Weg aus der Sucht ist das Laufen. Laufen ermöglicht den KlientInnen,

frühjahr 2007

TEXT: IBRAHIMA DIALLO, SPORTVERANTWORTLICHER, DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHKEITSARBEIT FOTOS: IBRAHIMA DIALLO

sich von Abhängigkeiten zu befreien – neben Psychotherapie, Medizin und Arbeitstraining. Durch monatelanges, oft jahrelanges Training werden sie auf die Wettbewerbe langsam vorbereitet. Einer dieser wichtigen Läufe war 2006 der Monaco Marathon. Nur durch SponsorInnen schaffen wir es, die Teilnahme an Marathon Läufen dieser Klasse zu finanzieren – herzlichen Dank für diese Möglichkeit!

anstrengenden Reise folgte eine kurze Erholungspause – unser Hunger meldete sich und wurde auch gleich in einer Pizzeria gestillt. Natürlich brauchen MarathonläuferInnen jede Menge Kohlenhydrate! Nach dem Essen war ein Verdauungsspaziergang angesagt, Bewegung für begeisterte SportlerInnen musste einfach sein. So lernten wir die Stadt Menton gleich kennen.

Am 10. November 2006 um 11.45 Uhr war es dann soweit. Die Zeit der intensiven Marathonvorbereitung für das Laufteam des „Grünen Kreises“ war zu Ende, wir fühlten uns gut und mutig. Unser Bus brachte uns von der Buckligen Welt zum Flughafen Wien Schwechat. Für die meisten KlientInnen ist Fliegen etwas ganz Besonderes, manche sind noch nie in ihrem Leben geflogen oder haben gar ihr Heimatland Österreich je verlassen.

Am Samstag fuhren wir mit dem Zug nach Monaco, um unsere Startnummern abzuholen und gleichzeitig die Sehenswürdigkeiten von Monaco zu genießen. Die KlientInnen wollten unbedingt die Formel 1 Rennstrecke besichtigen, vor allem die scharfe Kurve gegenüber dem Casino hatte es ihnen angetan. Zum Glück durften wir diesen Teil als Marathonstrecke am Sonntag auch laufen.

Alle TeilnehmerInnen des „Grünen Kreises“ sind glücklich, voller Stolz und Freude durch das Ziel gekommen. Alle erhielten eine Finish Medaille, die als Anerkennung und Erinnerung ganz offiziell von den VeranstalterInnen überreicht wurde. Nach dem Bewerb fuhren wir gemeinsam mit dem Zug nach Menton zurück, wo Auslaufen, Dehnübungen, Erholen und Duschen am Programm standen. AnschlieDie Casinokurve mit Hafenblick. ßend feierten wir diesen Erfolg natürlich bei Mit einer Zwischenlandung in München hat- einem gemeinsamen Abendessen. ten wir nicht gerechnet und waren froh, als wir endlich in Nizza landeten. Nizza ist eine Am 13. November um 10.10 Uhr ging es mit wunderschöne, sehenswerte Stadt mit vielen dem Bus von Menton nach Nizza, danach freundlichen Menschen. Die KlientInnen wa- mit dem Flugzeug über Stuttgart nach Wien. ren besteigert und motiviert für den Lauf. Sie er- Unsere KollegInnen vom „Grünen Kreis“ erkannten, dass ihnen dieser Weg wirklich helfen warteten uns schon am Flughafen, um uns zu könnte, und wussten diese Möglichkeit auch feiern und nach Hause zu bringen. Begeistert, zu schätzen. Und doch ist dieser Weg nur ein glücklich, voller neuer Erfahrungen, die wir Anfang, ein Bruchteil davon, was getan werden in unser neues Leben danach mitnehmen, muss, um ohne Abhängigkeiten zu leben. erreichten wir müde unser Zuhause im „Grünen Kreis“. Zwischen Nizza und Menton nahmen wir die öffentliche Buslinie. Nach einer langen und

grünerkreisInhalt |

grünerKreisAktuell 2

Editorial

3

Wuzzelwahnsinn zugunsten des „Grünen Kreises“: Round Table 37 sammelte 2.000,– €

3

Versteigerung für den „Grünen Kreis“

3

Veranstaltungshinweise

3

Spendenliste

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Siegerblumen vom Meierhof

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Leserbrief – In „schwierigen“ Situationen lernen

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Frischer Wind am Marienhof: Dr. Ursula Leitner verstärkt das medizinische Team

Leben in der Waldheimat – eine Heimat auf Zeit für Jugendliche

6

Binder im Umbau

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Unter Frauen – das Leben im Frauenhaus

8

Marienhof ist anders

8

Marienhof – die Vielfalt der Möglichkeiten

10

Therapiealltag am Meierhof

11

Therapeutin am Meierhof

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Der Ettlhof – ein Team entwickelt sich

14

Die Villa – das kreative Zentrum des „Grünen Kreises“

15

Veteranen in der Villa

16

Treinthof – dem Himmel so nah

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Man macht kein Schloss für fromme Leute

20

Beruf und Berufung: Tischlern am Berghof

22

Mens sana in corpore sano: Ohne physische Gesundheit ist alles nichts!

23

Welche Behandlung für wen?

nker

grünerKreisPrävention

r bietet e. nd ch. nd nce,

24

Family06: 18000 BesucherInnen der Arena Nova

25

Projekt „AMS Suchtberatung“

n

Fragen zum The

5

Erklärung über die grundlegende Richtung gem.§ 25 Mediengesetz vom 12.6.1981: Das Aufgabengebiet des „MAGAZIN Grüner Kreis“ bildet die Berichterstattung zur Prävention suchtindizierter Probleme im Allgemeinen, die wissenschaftliche Aufarbeitung der Abhängigkeitsthematik sowie Informationen über die Tätigkeit des Vereins „Grüner Kreis“. Das „MAGAZIN Grüner Kreis“ erscheint viermal jährlich. Medieninhaber: „Grüner Kreis“, Verein zur Rehabilitation und Integration suchtkranker Personen Herausgeber: Vorstand des Vereins „Grüner Kreis“ Mitglieder des Vorstandes: Brigitte Podsedensek, Dr.Erhard Doczekal, Alfred Rohrhofer, Ernst Steurer Mitglieder des Aufsichtsrates: Dr. Michael Schwarz, Dr. Ewald Schwarz, Prim.Doz.Dr. Peter Porpaczy, DI Wolf Klerings Kaufmännischer Direktor: Alfred Rohrhofer

grünerKreisMenschen

ma SUCHT? Der „Grüne Kreis in Niederösterrei“ bietet Beratung chs AMS Stell en.

Wege aus der Sucht: Die therapeutischen Gemeinschaften des „Grünen Kreises“

Impressum

U3 Catering – Klaus Tockner über sein Vorzeigeprojekt

grünerKreisInternational

grünerKreisEinrichtungen 4

grünerKreisCatering

grünerKreisWissenschaft 26

ARS Addiction Research Society: Die Forschungsvorhaben im Jahr 2007

grünerKreisKunst&Kreativität 27

Kunst und Kreativität im „Grünen Kreis“: Bilanz und Jahreshoroskop 2007

28

Der Tanz der Kettensägen oder Holzskulpturen mit Pflanzenschmuck

grünerKreisSport U2 Monaco Marathon 2006

Der „Grüne Kreis“ dankt seinen Förderern:

Redaktion: Alfred Rohrhofer, Dr. Brigitte Wimmer (CvD, Lektorat, Fotoredaktion) Eigenverlag: „Grüner Kreis“, Verein zur Rehabilitation und Integration suchtkranker Personen Alle: Hermanngasse 12, A-1070 Wien, Tel.: (1) 526 94 89, Fax: (1) 526 94 89-4, [email protected], www.gruenerkreis.at ZVR-Zahl: 525148935 Anzeigen: Sirius Werbeagentur GmbH Oberfeldstraße 10a, A-4020 Linz, Tel.: (732) 905 22, Fax: (732) 905 22-666, offi[email protected] Layout: KONTEXT kommunikation. Kaiser&Partner KEG, Babenbergerstraße 9/11a, A-1010 Wien, Tel.: (1) 319 52 62, Fax: (1) 319 52 62-99, [email protected], www.kontext.at Belichtung und Druck: AV+Astoria Druckzentrum GmbH Faradaygasse 6, A-1030 Wien, Tel.: (1) 797 85-0, Fax: (1) 797 85-218, offi[email protected], www.av-astoria.at

Diese Ausgabe entstand unter Mit arbeit von: Milan B., Walter Bernhauser, Wolfgang Bogner, Herwig D., Ibrahima Diallo, DGPPN, Dr. Anita Födinger, Bianca H., Sabine Heckenast, Mag. Christoph Kainzmayer, Büro Mag. Johanna Mikl-Leitner, Dr. med. Ursula Leitner, Univ.Prof. Mag. Dr. Peter M. Liebmann, Dr.med. Leonidas K. Lemonis, Ferdinand M., Thomas Monschein, Kurt Neuhold, Nina Reisinger, Round Table 37, Lothar Schäfer, Dr. Angelika Schefzig, Dr. Petra Scheide, Berith Schistek, Ing. Harald W. Schober, Dr. Georg Steindl, Ernst Stückler, Klaus Tockner, Mag. Dr. Human F. Unterrainer, Mag. Marcela de las Mercedes Gomez Valverde, Johannes W., Rene W., Dr. Brigitte Wimmer, Mag. Karoline Windisch, Klaus Z., Mag. Franziska Zussner

Titelbild: Berith Schistek

PatientInnennamen wurden aus Datenschutzgründen von der Redaktion geändert.

frühjahr 2007

1

| grünerkreisAktuell

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

Heute möchten wir feiern – mit Ihnen. Sie halten den Grund in Händen. Diese Ausgabe unseres „Grüner Kreis“ Magazins ist etwas Besonderes. Wir bringen die Farbe aus unseren Gedanken auf die Seiten unseres Magazins. Unsere stationären Einrichtungen und das Leben dort stehen dieses Mal im Mittelpunkt. Häuser voller Leben in Farbe, manchmal harmonisch, beruhigend, manchmal schrill und grell, wie das Leben selbst. BewohnerInnen schreiben über nahe gehende Eigenheiten ihrer Gemeinschaften, über die ganz spezielle Atmosphäre, die in jedem einzelnen Haus fühlbar wird, über Stimmungen und besondere Menschen – ganz einfach über ihr Leben im „Grünen Kreis“. Gelungene Beiträge führen Sie durch alle stationären Einrichtungen, Sie lernen heute Neues, eine andere Seite des „Grünen Kreises“, kennen. Gerade rechtzeitig zu Frühlingsbeginn, wo auch die Natur ihre Farben zurück in unsere Leben bringt, lassen wir Bilder sprechen und wünschen uns, dass das bunte Treiben Kraft gibt – unseren PatientInnen, den Weg aus der Sucht zu finden, unseren MitarbeiterInnen, ihnen dabei die richtige Unterstützung zu bieten. Kunst und Kreativität, Sport und Medizin, Suchtforschung und Vernetzung fördern diesen Heilungsprozess der KlientInnen und leisten auch zu dieser Ausgabe ihren bedeutenden Beitrag.

2

frühjahr 2007

Wir präsentieren Ihnen heute unser „Grüner Kreis“ Magazin von seinen besten Seiten – ein paar mehr sind es geworden, in neuem Layout und hoffen, dass die Farbe auch ihr Herz erreicht. Denn schließlich und endlich sind es ja Sie, für die dieses Magazin erscheint. In diesem Sinne freuen wir uns auf ein Wiedersehen im bunten Sommer!

Alfred Rohrhofer Brigitte Wimmer [email protected] P.S.: Melden Sie sich zu unserem Newsletter an! Auf www.gruenerkeis.at erfahren Sie mehr.

grünerkreisAktuell |

„Wuzzelwahnsinn“ zugunsten des „Grünen Kreises“: Round Table 37 sammelte 2.000,– € für den Verein. Am 17. November 2006 lud der Round Table 37 Wien International zum 2. offenen Round Table Tischfußballturnier. 100 höchst motivierte Gäste folgten der Einladung in die Wiener Innenstadt und wuzzelten an diesem Abend bis die „Wuzzeltische glühten“. Es war ein gelungener Abend für die Veranstalter, aber auch für den „Grünen Kreis“. Der Reinerlös von 2000,- € kam dem Verein zugute.

11th EFTC European Conference on Rehabilitation and Drug Policy Working together: Partners for change 6th – 9 th June 2007, Ljubljana, Slovenia Information: Conference Secretariat Cankarjev dom, Cultural and Congress Centre Mateja Peric Prešernova 10, SI-1000 Ljubljana , Slovenia Tel.: +386 (1) 241 71 39 Fax: +386 (1) 241 72 96 [email protected] www.eftc-europe.com/conferentie

11 th EFTC Europ

Infos finden Sie auf der Round Table Österreich Homepage www.roundtable.or.at.

Der Round Table ist ein Club junger Männer mit dem Ziel, das freundschaft liche und gesellschaft liche Leben am jeweiligen Wohnort Der „Grüne Kreis“ bedankt sich im Namen zu fördern und durch Serviceaktivitäten in seiner PatientInnen ganz herzlich für diese Not befindlichen Menschen zu helfen. Round Spende! Table ist weltweit aktiv, weder parteipolitisch, DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHnoch konfessionell orientiert und in Österreich TEXT: KEITSARBEIT UND FUNDRAISING mit rund 860 Mitgliedern vertreten. Nähere FOTO: ROUND TABLE 37

Versteigerung für den „Grünen Kreis“ Am 20. Dezember letzten Jahres wurde bei Vereins „Grüner Kreis“ regelmäßig durchgeder MitarbeiterInnen-Weihnachtsfeier der führt werden. Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA-DJP) Kunsthandwerk aus Pool 7 versteigert. Damit Windlicht aus Glasbewiesen die GewerkschafterInnen, dass sie kugeln – ein Objekt aus dem Pool 7 nach einem für sie schwierigen Jahr auch mit Sortiment, das bei ihren persönlichen Mitteln innovative Akder Weihnachtsfeier versteigert tivitäten und sozial engagierte Projekte und wurde. Vereine fördern. Mit dem Erlös aus der Versteigerung werden Kunst- und Kreativprojekte unterstützt, die im Rahmen der Therapie und in Kooperation mit professionellen Künstle- TEXT UND FOTO: KURT NEUHOLD, LEITER KUNST UND rInnen in den Betreuungseinrichtungen des KREATIVITÄT IM „GRÜNEN KREIS“ Herzlichen Dank für die Spende von 10 Computern inkl. Monitor, Tastatur und Maus an:

Spendenliste

ACHITZ Friedrich BAUER Gabriele BENKO Sandra BERGER Apollonia BLEI Waltraud FREIZEITCLUB WAGENRAD Medr. Dr. HABERMAYER Robert HIBA Gabriele HOLAUBEK Viktoria KANDL Brigitta KIEFER Ewald

Bauarbeiter Urlaubs- und Abfertigungskasse, DI Peter Heissig Kliebergasse 1A, A-1050 Wien www.buak.at Herzlichen Dank für die Kranz- und Blumenspenden anlässlich des Begräbnisses von Margarete Ernstthaler:

Herzlichen Dank an alle angeführten SpenderInnen, die den „Grünen Kreis“ und dessen Tätigkeit unterstützen: DI MIRWALD Johann OPLL Roswitha DI PROBST Erwin RÖDLBACH Gabriele DI STÜTZ Andrea TANZLER Franziska Der „Grüne Kreis“ dankt auch seinen zahlreichen anonymen Spender Innen.

Veranstaltungshinweise

ARTNER Susanne Familie BARANYAI BEHON Hildegard BONOMO Elisabeth BÖTTNER Gertrude Familie CASULT ECKER Eva und Leo Familie ERNSTTHALER FLECKL Maria Mag. HOLICZKI Brigitte HOLZER Helga KERN Herbert KÖNIG Ingrid LISCHKA Hannelore NADLER Herbert

PITSCHMANN Helmuth und Christine PÖSEL Elisabet WOCILKA Dita DI WÜRINGER Elisabeth DI WÜRINGER Peter GmbH Aus Datenschutzgründen erfolgen die Namensnennungen ohne Adresse.

unterstützt die Ziele des „Grünen Kreises“.

W orki ng

2. Münchner AIDS Werkstatt – Werkstattkongress für klinische Berufe 16. – 17. März 2007, München, Deutschland Information: Anja Zöller mic mic management information center GmbH Tel. : +49 (81) 911 25-479 Fax: +49 (81) 911 25-600 [email protected] www.aids-werkstatt.de

ean Conference and Drug Policy on Rehabilitation

Tog ethe r: Part ners for C hang e Ljubljana, Slove

6 th – 9 th June

http://www.e

ENCARE “European Network for Children Affected by Risky Environments within the Family” Tagung: Innerfamiliäre Gewalt und elterlicher Alkoholkonsum 19. – 20. April 2007, Kongresspark Bad Honnef bei Köln, Deutschland Information: Kompetenzplattform Suchtforschung Katholische Fachhochschule Nordhrein-Westfalen Wörthstraße 10, D-50668 Köln, Deutschland Danielle Reuber, Tel.: +49 (221) 77 57-169 [email protected] SehnSUCHT Familie 26. – 27. April 2007, Veranstaltungsraum der Dialog Akademie, Wien, Österreich Akupunktur in der Suchttherapie 14. Mai 2007, Veranstaltungsraum der Dialog Akademie, Wien, Österreich Information: Mariana Trettler Verein Dialog, Gudrunstraße 184/4/3 A-1100 Wien, Österreich Tel.: +43 (1) 604 11 21-52 Fax: +43 (1) 548 60 90-76 [email protected] www.dialog-on.at Harm Reduction 2007 – coming of age! 13th to 17 th May 2007, Warsaw, Poland Information: Sue Kucuk, Weave Consulting Ltd. Tel.: +44 (208) 987 60 21 [email protected] www.harmreduction2007.org 12. Suchttherapietage Hamburg: Kultur und Sucht 29. Mai – 1. Juni 2007, Universität Hamburg Deutschland Information: Kongressbüro Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung ZIS Klinik für Psychiatrie (UKE) Martinistraße 52, D-20246Hamburg, Deutschland Tel.: +49 (40) 428 03-4203 Fax: +49 (40) 428 03-5121 [email protected] www.suchttherapietage.de LuC: Professional NPO General Management Program 2007 Jänner bis November 2007, Wien, Österreich Information: Dr. Helmut Hütter, NPO-Akademie MC Management Consulting GmbH Gentzgasse 137, A-1180 Wien, Österreich Tel.: +43 (1) 955 17 77, Fax: +43 (1) 54 68 00-925 Mobil: +43 (664) 504 60 24 [email protected] www.npo-akademie.at

frühjahr 2007

nia

2007

ftc-europe.co m/con

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ferentie/

| grünerkreisEinrichtungen

Wege aus der Sucht: Die therapeutischen Gemeinschaften des „Grünen Kreises“ Der Verein „Grüner Kreis“ wurde 1983 nach Der „Grüne Kreis“ entwickelte ein ganzheiteinem Konzept von Prim. Dr. G. Pernhaupt, liches Konzept der stationären Behandlung ehemals an der Drogenstation des Anton Suchtkranker in der „Therapeutischen GeProksch Instituts tätig, als Institution zur Remeinschaft“. Neben Psychotherapie und habilitation und Integration suchtkranker medizinischer Behandlung stellen das Personen mit Sitz in Wien gegründet. soziale Lernen durch den Aufbau einer Im Jahre 1985 begann der „Grüne realitätsbezogenen Arbeitsstruktur sowie eine aktive Freizeitgestaltung mit Kreis“ mit der Errichtung von Sozialhilfeeinrichtungen für Suchtverschiedensten Möglichkeiten, vor kranke in Niederösterreich. Als erste allem im Bereich Sport, Abenteuer- und stationäre Einrichtung wurde 1985 in Erlebnispädagogik, einen fi xen BestandKrumbach der Treinthof angemietet, teil des Behandlungsprogramms dar. renoviert und besiedelt, um ehemaligen PatientInnen im Sinne einer NachbeDabei ist grundlegender Gedanke, dass treuung eine Wohnmöglichkeit alternativ zur in der Behandlung nicht vorrangig am DefiStadt zu bieten. Auf Grund des großen Bedarfs zit der PatientInnen angesetzt wird, vielmehr an Langzeittherapieplätzen erfolgte dann der werden vorhandene Ressourcen herausgeAusbau des Treinthofs zu einer Langzeitthe- arbeitet und gefördert. Dies involviert den rapieeinrichtung. Der medizinisch-wissen- Selbsthilfegedanken in der Suchttherapie. schaft liche Fonds der Stadt Wien ermöglich- Die PatientInnen als Mitglieder der „Thete die Finanzierung, 1986 wurde der „Grüne rapeutischen Gemeinschaft“ sollen aktiv an Kreis“ als Einrichtung gemäß des damaligen § ihrer Persönlichkeitsfindung mitarbeiten und, 22 des Bundesgesetzblattes anerkannt. je nach individueller Möglichkeit, mehr und mehr Verantwortung für sich selbst und die Durch das große Interesse und den regen Zu- soziale Gemeinschaft übernehmen. Diese lauf wurde das ursprüngliche Konzept ausge- Verantwortungsübernahme wird von Beginn weitet und zu einem flexiblen, ganzheitlichen der Therapie an kontinuierlich aufgebaut. Die Modell mit innovativem Charakter für sta- TherapeutInnen werden in diesem Konzept tionäre Langzeit-, Kurzzeit- und ambulante mehr als WegbegleiterInnen erlebt, sie superTherapie. In den folgenden Jahren erwies sich vidieren das Geschehen in den Betreuungsdiese Idee als sehr erfolgreich, sodass weitere häusern, wobei ihrer Vorbildfunktion große stationäre Betreuungshäuser eröffnet wurden. Wichtigkeit zukommt.

Die stationäre Therapie findet in neun therapeutischen Wohngemeinschaften, die den Schwerpunkt dieser Magazinausgabe bilden, im südlichen Niederösterreich und in der Steiermark mit Platz für 262 Personen statt. Je nach individuellem Befinden der PatientInnen besteht die Möglichkeit einer sechsmonatigen Kurzzeittherapie oder einer mindestens zwölf Monate dauernden Langzeittherapie. Im stationären Langzeitbereich existieren Spezialprogramme für Eltern mit Kindern, Jugendliche und MultimorbiditätspatientInnen; geschlechtsspezifische Aspekte werden in den Programmen besonders berücksichtigt. Sucht ist eine chronische Erkrankung, daher ist es oberstes Ziel, effektiv an der Heilung der Suchterkrankten zu arbeiten und gleichzeitig die Würde des Menschen zu achten. Nur durch sinnvolle Kooperation und Vernetzung von Vorsorge, Therapie und Nachbehandlung kann eine optimale Betreuung und Versorgung suchtkranker Menschen erfolgen. Zu wünschen bleibt immer, dass Suchtkranke ihren – ganz eigenen, selbstbestimmten – Platz in der Gesellschaft finden und neue Lebensperspektiven erhalten, um den eingeschlagenen Weg aus der Sucht beizubehalten.

TEXT: DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHKEITS ARBEIT FOTOS: BERITH SCHISTEK

DIE STATIONÄREN EINRICHTUNGEN DES „GRÜNEN KREISES“ Waldheimat (1994) Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung A-2872 Mönichkirchen, Unterhöfen 92

Villa (1986) Sozialhilfeeinrichtung A-2851 Krumbach, Maierhöfenstraße 18

Binder (1993) Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung A-2872 Mönichkirchen 99

Treinthof (1985) Sozialhilfeeinrichtung A-2851 Krumbach, Hosien 3

Marienhof (1989) Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung, Sonderkrankenhaus, Eltern-Kind-Haus A-2870 Aspang, Ausschlag-Zöbern 3–5

Johnsdorf (2003) Sozialhilfeeinrichtung A-8350 Fehring, Johnsdorf 1

Meierhof (1987) Sozialhilfeeinrichtung A-2870 Aspang, Unternberg 38 Ettlhof (1988) Sozialhilfeeinrichtung A-2813 Lichtenegg, Spratzau 32

4

frühjahr 2007

Berghof (1988) Sozialhilfeeinrichtung A-2842 Thomasberg, Königsberg 10

grünerkreisEinrichtungen |

Leben in der Waldheimat – eine Heimat auf Zeit für Jugendliche TEXT: KLAUS Z., MILAN B., WALDHEIMAT FOTOS: KLAUS Z., MILAN B., BERITH SCHISTEK

tigsten Phasen der Therapie, die dazu da ist, sich um Arbeitsplatz, Wohnungsmöglichkeit, Weiterbildung etc. zu kümmern. Zur Vorbereitung stehen drei zusätzliche Tagesausgänge zur Verfügung.

In der Freizeit bietet das Jugendhaus verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Tischfußball, Tischtennis, Billard, Brettspiele, Musik hören und tanzen, und bei schönem Wetter Volleyball auf unserem Beachvolleyballplatz, Fußballspielen im Garten uvm. Zweimal pro Woche gehen wir in unsere Sauna und trainieren regelmäßig in der eigenen Fitnesskammer. Jede Woche wird ein Fernsehprogrammplan Für jeden Jugendlichen gibt es während des erstellt. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig, Aufenthalts in der Waldheimat drei Phasen zu es muss aber das abgesprochene Programm durchleben. Am Beginn ist man in der Null- gesehen werden. phase ohne Außenkontakte und mit weniger Rechten. Nach sechs Wochen macht man ein Im Jugendhaus „rennt der Witz“ und es ist so genanntes Aufnahmegespräch in der Grup- immer etwas los. Auch die TherapeutInnen pe. In diesem Gespräch muss man vor allen sind oft mit von der Partie und verstehen Patienten und einem/einer Therapeuten/in unseren Witz sehr gut. Im Moment ist unseüber sich selbst erzählen. Nach dem Gespräch re Gruppe harmonisch, aber das ändert sich gibt man sich gegenseitig Feedback, das über meistens von Monat zu Monat. Wir Jugenddie Aufnahme in die Gruppe entscheidet. Um lichen lernen hier, uns wieder für etwas zu aufgenommen zu werden, muss man gewisse interessieren, wir passen uns wieder besser Kriterien erfüllen. Vor allem ist es wichtig, an unsere Umgebung an und können mit uns dass sich die Jugendlichen in dieser Zeit gut selbst ins Reine kommen. in die Gruppe eingliedern.

In der Waldheimat wohnen derzeit 17 männliche Jugendliche im Alter von 16 bis 21 Jahren. Das Jugendhaus unterscheidet sich in vielen Dingen von den Erwachseneneinrichtungen. Viele Jugendliche hier haben eine Lehre oder eine höhere Schule begonnen, aber nicht fertig abgeschlossen. Die Jugendlichen werden von einer Entzugsstation oder aus dem Gefängnis überwiesen. Die Motivation, in die Waldheimat auf Therapie zu kommen, liegt anfangs meist nicht bei den Jugendlichen selbst, sondern passiert durch eine gerichtliche Weisung oder durch Druck von der Familie und vom sozialen Umfeld. Nach einiger Zeit erst merken die meisten, dass es um ihr Leben und ihre Zukunft geht und dass sie die Therapie nur für sich selbst machen. Nach dieser ersten Hürde ist man in der Motivationsphase. Sechs Wochen nach der Aufnahme Grundsätzlich teilt sich die Woche in Ar- muss jeder einen Motivationsmarsch zu einer beitszeit und Freizeit. In Arbeitsstunden anderen Einrichtung des „Grünen Kreises“ maumgerechnet arbeiten wir 38 Stunden pro chen. Hin und zurück sind das ungefähr 28 km Woche, in denen wir unsere Funktionen er- und gut vier Stunden Gehzeit, in denen man füllen als Vorbereitung auf einen späteren sich vieles durch den Kopf gehen lässt. Danach Arbeitsplatz. Es gibt verschiedene Arbeits- ist es möglich, mit seinem Handy zu telefoniebereiche wie zum Beispiel Stall, Küche oder ren und das Jugendhaus jede zweite Woche für Tierfriedhof. In dieser Zeit haben wir aber einen Tagesausgang zu verlassen. Nach sechs auch die Möglichkeit, eine Ausbildung (Be- positiv absolvierten Tagesausgängen kann rufsschule, Berufsorientierungskurs, Bewer- jeder um den Aspiranten anzusuchen. Aspibungskurs) zu machen. Wöchentlich finden rant zu sein bedeutet, mehr Verantwortung zwei Sportnachmittage statt, an denen wir zu übernehmen. Nicht jeder Jugendliche stellt unterschiedliche Sportaktivitäten auspro- dieses Ansuchen und manche erreichen die bieren wie zum Beispiel Laufen und Yoga. Aspirantenphase auch nicht, da sie nicht zwinObendrein gibt es noch die Möglichkeit, an gend notwendig ist. Ein Anwärter muss für die der Fußball- oder Volleyballgruppe teilzu- ganze Gruppe selbstständig eine erlebnispädnehmen. Pro Woche finden drei Gruppen- agogische Aktivität, wie zum Beispiel „Dialog therapien statt: die Haus- und Wohngruppe, im Dunkeln“, organisieren. Ähnlich wie bei der in der wir über die Situation im Haus reden, Aufnahme findet ein Aspirantengespräch statt. die Selbsthilfegruppe, in der wir ohne An- Dieses Gespräch ist aber viel intensiver und der wesenheit unserer TherapeutInnen über uns Jugendliche muss zusätzlich in seiner Therapie reden, und die Psychotherapiegruppe mit erfolgreich sein. Zu den Vorteilen der Aspiranunseren TherapeutInnen, in der wir über tenphase zählen Spontan- und Nachtausgänge alle Probleme reden können. Einmal pro und eigene Geldverwaltung. Woche hat jeder eine Einzeltherapiestunde, in der wir Jugendlichen alleine mit unseren Drei Monate bevor die Therapie endet, beginnt EinzeltherapeutInnen an uns arbeiten. die Orientierungsphase. Das ist eine der wich-

WALDHEIMAT

Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung A-2872 Mönichkirchen Unterhöfen 92 Tel.: (2649) 209 48, Fax: (2649) 209 48-40 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Hausinterne Versorgungstätigkeiten, Gartenarbeit, Tierhaltung (Lamas), Kreativwerkstätte, Tiergedenkstätte ANTARES, Berufsausbildung (BFI, AMS, EU-Computerführerschein, Projekt Neue Wege). Infrastruktur: Verstärkte sportliche Freizeitgestaltung: Volleyballplatz, Tischtennis, Sauna, Fitnessraum, Streetballplatz, Tischfußball, indianisches Schwitzzelt; Schulungsraum.

frühjahr 2007

5

| grünerkreisEinrichtungen

die notwendigen Renovierungsmaßnahmen vorgenommen werden.

Binder im Umbau Ein neues Zuhause für die Gemeinschaft der Frauen TEXT: MAG. KAROLINE WINDISCH, KLINISCHE UND GESUNDHEITSPSYCHOLOGIN, BINDER FOTOS: MAG. KAROLINE WINDISCH, ERNST STÜCKLER, BERITH SCHISTEK

Im Herzen der Buckligen Welt am Südost- in neuem, modernen Design, das trotz des hang des Wechselgebietes liegt auf 1000 m der glatten Steinbodens mit den warmen Farben Höhenluft kurort Mönichkirchen. Zur Jahr- der Holzeinrichtung und der Sesseln sowie hundertwende wurde hier ein Kurhotel, das den farbenfrohen Vorhängen und üppigen heutige Hotel Binder errichtet, dessen äußeres Pflanzen eine gemütliche Wohnatmosphäre Erscheinungsbild seit einer Fassadensanierung im Jahr 2004 in „altem“ Glanz erstrahlt. Das Binder ist die einzige Einrichtung des „Grünen Kreises“, in der ausschließlich erwachsene Frauen und weibliche Jugendliche gemeinsam betreut werden. Ein überaus wichtiges Detail, das sich auf die Atmosphäre des Hauses, das therapeutische Zusammenleben und die daraus resultierenden Entwicklungsschritte enorm auswirkt. Die renovierte Küche.

„Zur Ruhe kommen können …“ – ganz so friedlich und still ist es jedoch in den letzten Monaten nicht gewesen. Seit knapp einem Jahr befi ndet sich unser Seminarhotel im Um- und Ausbau. In den Anfängen bedeutete dies eine stressreiche Zeit für alle hier im Haus lebenden und arbeitenden Personen. So herrschten teils schwierige, teils unvorgesehene Arbeits- und Lebensverhältnisse, die vorerst nur in der Arbeitstherapie, später aber in der Gesamtsituation im Haus bemerkbar wurden.

Der neue Schankraum.

Zur Zeit befinden sich die Sanierungsmaß- schafft. Nach Fertigstellung des Erdgeschoßes nahmen im Erdgeschoss in der Endphase: werden die Patientinnenzimmer einer Neuaddie Gemeinschaftsräumlichkeiten sowie die aptierung unterzogen und mit neuen SanitärArbeitsräume wie Waschküche und Bügelzim- bereichen ausgestattet. Die Patientinnen wermer bekommen noch den letzten Feinschliff den für diesen Zeitraum in den zweiten Stock und können schon bald von uns zurückero- übersiedeln und die Seminarzimmer beziehen. bert werden. Vor allem die „Schank“ erstrahlt Zu aller letzt sollen in den Seminarzimmern

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Unterdessen gibt es seit geraumer Zeit große Betriebsamkeit im Keller: ein Wellnessbereich soll entstehen. Ganz konkret werden eine finnische Sauna, eine Infrarotkabine und ein (Sole-)Dampfbad in unseren Räumlichkeiten Einzug halten. Zusätzlich sollen ein Ruheraum mit erwärmten Sitz- und Liegeflächen sowie ein gut ausgestatteter Fitnessbereich das Angebot komplettieren. Mit der Neugestaltung des Stiegenbereiches soll ein positives Gesamtbild für unsere Seminargäste, aber auch für unsere Patientinnen geschaffen werden. Mit den Umbau- und Adaptierungsarbeiten im Seminarbereich soll nun auch künft ig der Seminarbetrieb mehr in den Therapiealltag integriert werden. So werden im Rahmen der Arbeitstherapie strukturelle Veränderungen vorgenommen werden, die zur Zufriedenheit und Motivation der Frauen beitragen sollen. Diese Neuorganisation wird von Klaus Tockner, Leiter des Caterings des „Grünen Kreises“, und Constanze Schober, gelernte Hotelkauffrau, in Absprache mit Geschäftsführer Dir. Alfred Rohrhofer geplant und ausgeführt werden. Constanze Schober, die nach ihrem stationären Aufenthalt im Hotel Binder für einige Monate bei Pool 7 in Wien beschäft igt war, ist seit September 2006 als Seminarverantwortliche und Hausassistentin in unserer Einrichtung tätig. Unterstützung bekommt sie von Diplompädagogin Ilse Braunstorfer, die neben dem zwei Mal wöchentlich stattfindenden Unterricht in der Waldheimat für Sozial- und Berufsfragen und für alles rund um den Kreativbereich zuständig ist. Des weiteren zählt Mag. Pamela Egger, von 2000 bis 2003 im Ambulanten Betreuungszentrum in Wien tätig, seit September 2003 als Klinische und Gesundheitspsychologin zu unserem Betreuungsteam im Frauenhaus. Die Hausleitung unserer Einrichtung hat seit 2002 der psychotherapeutische Leiter des „Grünen Kreises“, Dr. Robert Muhr, über. Ich, Mag. Karoline Windisch, selbst Klinische und Gesundheitspsychologin, bin seit Februar 2002 im Binder beschäft igt. Ich lebe und arbeite gerne in der Frauengemeinschaft, wo Platz und Raum geboten wird für echte Beziehungserfahrungen, Vertrauensaufbau und die Wahrnehmung eigener Gefühle und Bedürfnisse.

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Unter Frauen Das Leben im Frauenhaus TEXT UND FOTO: BIANCA H., BINDER

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich im Juni 2006 ins Binder kam. Nach langer Fahrt stieg ich aus dem „Grüner Kreis“ Bus und sah dieses große Haus. Es übertraf meine Vorstellungen. Damals wurde gerade umgebaut und wir gingen deshalb zum Essen ins Nebengebäude, in unseren Kreativraum. Als ich dann auf mein Zimmer kam, fielen mir sofort die hellen Holzmöbel und der Balkon auf. Ich hatte noch nie einen eigenen Balkon und freute mich sehr darüber. Da wir im Haus nicht rauchen dürfen, sitzen wir in den Rauchpausen oft zusammen am Balkon und reden. Das Zimmer ist total gemütlich und ich fühle mich sehr wohl darin.

gewohnt, nur mit Frauen unter einem Dach schlimme Vergangenheit hinter sich und zu leben. Vor meiner Therapie hatte ich fast brauchen viel Zeit und Geduld, um diese nur männliche Freunde, einige Zeit wohnte Erlebnisse zu verarbeiten. Die Einzel- und ich mit meinen beiden Brüdern zusammen, Gruppenpsychotherapien sind sehr wichtig, danach mit meinem Ex-Freund in einer klei- um zu lernen, mit Problemen und Ängsten nen Wohnung. Unvorstellbar, mit so vielen umzugehen. Langsam werden wir hier an ein Frauen zu leben! Doch ich hatte mich sehr geregeltes und vor allem drogenfreies Leben getäuscht. Mittlerweile bin ich sogar froh, gewöhnt. Die Therapie ist nicht leicht und dass wir Frauen unter uns sind. Wir lenken leider brechen manche auch ihre Therapie ab uns nicht ab durch Beziehungen zu Männern. oder haben einen Rückfall. Doch umso mehr Die meisten, so wie ich, sind zufrieden, nur hilft es, Expatientinnen zu sehen, die drogenfür sich zu leben und nicht immer Rücksicht frei leben und denen es gut geht. Ich bin sehr froh über die Möglichkeit, hier Therapie zu auf einen Mann nehmen zu müssen. machen und zu lernen, auch ohne Drogen Zu Beginn der Therapie fiel es mir schwer, Freude am Leben zu haben. den ganzen Tag zu arbeiten. Ich war nicht Für mich strahlt das Haus Gemütlichkeit und gewohnt, zu arbeiten und am Abend noch Wohlbefinden aus. Es kommt mir manchmal Gruppentherapie zu machen. Die Tage verginBINDER so vor, als wäre es mein Zufluchtsort, weg gen extrem langsam. Am Abend fiel ich müde Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinvon der kalten Straße hinein in eine wohlbe- ins Bett und dachte mir, ich schaffe das nie. richtung hütete Atmosphäre, wo ich die Möglichkeit Doch nach einiger Zeit fand ich das Arbeiten A-2872 Mönichkirchen 99 habe, mich zu entfalten. Viele Frauen hier ganz OK und mittlerweile vergehen meine Tel.: (2649) 83 06-27, Fax: (2649) 83 07 im Haus hatten so einen Raum nie zu ihrer Tage ziemlich schnell. [email protected] Verfügung. Hier haben wir die Freiheit, so zu sein, wie wir wirklich sind, und können Es ist ein schönes Gefühl, zu einer Gruppe Arbeitsmöglichkeiten: Interne Versorlernen, zu uns selbst zu finden. Zum ersten zu gehören. Ich kann mit allen reden, wenn gung, Seminareinrichtung Binder (26 BetMal in meinem Leben setze ich mich mit mir es mir schlecht geht. Wir sind zur Zeit nur ten), Kreativwerkstätte, Tierhaltung (Laselbst auseinander. 14 Frauen hier, so kennt jede die andere und mas), Berufsausbildung. wir bemerken ziemlich schnell, wenn es jeInfrastruktur: Tischtennis, Tennis, StreetAls ich hörte, dass das Binder eine Frauenein- manden nicht gut geht. Wir kennen die Leballplatz, Gymnastikraum, Tischfußball, richtung sei, dachte ich mir, dass es bestimmt bensgeschichten der anderen und fühlen uns indianisches Schwitzzelt. andauernd „Zickenterror“ gäbe. Ich war nicht nicht mehr alleine. Viele Frauen haben eine

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Marienhof ist anders Ein Patient erzählt. Als ich vor gut einem Jahr auf den Marienhof kam, hatte ich nur recht unklare Vorstellungen von dem, was mich hier erwarten würde. Groß und stressig, soviel wusste ich, und alles andere ließ ich mehr oder weniger einfach auf mich zukommen.

TEXT: HERWIG D., MARIENHOF FOTO: BERITH SCHISTEK

geführt. Einst unvorstellbar. Ebendort sind auch die Kreativ- und Keramikwerkstätten sowie die Buchbinderei untergebracht. Das Spektrum der angebotenen Arbeitstherapie ist breit gefächert und umfasst neben Stall-, Garten- und Küchenarbeit auch noch den Bau- und Putzbereich sowie die Tätigkeit in der Waschküche und die Hausarbeit.

Bei all diesen unterschiedlichen Aspekten, die am Marienhof unter einen Hut gebracht werden, stellt man sich die Frage: Überwiegt nun das Trennende oder das Gemeinsame? Ohne Zweifel herrscht unter den drei Gruppen ein starkes Konkurrenzdenken und Vergleichen. Freundschaften, die noch während des „alten Was mir sofort ins Auge sprang, war, dass Systems“ geschlossen wurden, konnten zwar es sich hier auch um ein Eltern-Kind-Haus aufrecht erhalten werden, im „neuen System“ handelte und dass der Hof nicht getrennt ge- Der Marienhof hat Sonderkrankenhausstatus bilden sie sich aber meist gruppenintern. schlechtlich geführt wurde, obwohl damals und ist als solches auch Drehscheibe für Kon- Nichtsdestotrotz – wie das letzte Weihnachtsnoch streng in ein Frauen- und ein Männer- takte zwischen allen Betreuungseinrichtungen. fest hinreichend bewies – spüren wir unsere haus unterteilt. Häusertrennung hieß das, Obendrein stellt dieser Status beste Betreuung Zusammengehörigkeit. So kann man, glaub was soviel bedeutete, wie gemeinsam arbeiten, für alle KlientInnen, besonders aber die des ich, „unseren Mahof“ wohl mit Recht als einen essen und Sport treiben und alle zwei Wochen Doppeldiagnoseprogramms, sicher. bunten, etwas anderen Hof bezeichnen. ein gemeinsames Hausforum.

Marienhof – die Vielfalt der Möglichkeiten

Nicht unerwartet, aber doch überraschend, traf uns im Juni 2006 die Umstellung auf das sogenannte Johnsdorf Modell, das eine völlige Strukturveränderung bedeutete. Die gute, alte Häusertrennung, die uns schon in Ein Rundgang durch die Anlage des MaFleisch und Blut übergegangen war, war plötz- rienhofes – ein „Luxus“ im meist stressiglich Geschichte. Drei Gruppen, wohlgemerkt en Arbeitsalltag – soll der Ausgangspunkt gemischt, wurden gebildet, die Zuständig- dieses Artikels sein. Er lässt Erinnerungen keiten der TherapeutInnen verlagerten sich, an Vergangenes auftauchen und die in viekurzum die Unsicherheit und Skepsis war len Bereichen veränderte Gegenwart bewusst groß. Rückblickend muss man aber sagen, werden. Was ist er denn eigentlich – der Madass die Umstellung relativ schnell und ver- rienhof? Ein aus zwei Haupt- und mehreren hältnismäßig reibungslos vor sich ging. Und Nebengebäuden bestehender Gebäudekomheute kennen viele das System von früher nur plex in einer Grünanlage, der sich nur noch mehr vom Hörensagen. mit dem Bahnhof die bewaldete Gegend von Ausschlag-Zöbern teilt, eine SozialhilfeeinAuch sonst kamen viele Neuerungen auf uns zu. richtung, eine Jugendwohlfahrtseinrichtung, So wurde unter anderem unser Tagraum völlig ein Sonderkrankenhaus für 63 KlientInnen, neu gestaltet, der alte gemütliche Kachelofen, ein Eltern-Kind-Haus, eine Einrichtung für der Holzboden, der schmiedeeiserne Luster, suchtkranke Männer, Frauen und multimorsie alle mussten den Hygienevorschriften Tri- bide KlientInnen … Es scheint erstaunlich, but zollen und Praktischerem weichen. Das welche Vielfalt von Möglichkeiten hier unter ehemalige Zugangshaus für neue KlientInnen, einem Dach Platz gefunden hat. eigentlich eine heimelige Holzhütte, erstrahlt seit Weihnachten in neuem Glanz. An den Wo- Der augenscheinlichste Unterschied zu den chenenden wird dort ein internes Kaffeehaus anderen Einrichtungen des „Grünen Kreises“

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besteht wohl darin, dass auf dem Marienhof Kinder suchtkranker Eltern gemeinsam mit diesen im so genannten „Eltern-Kind-Haus“ leben. Das zu Grunde liegende Konzept hat im Lauf der Jahre einen deutlichen Wandel erfahren. Ursprünglich dafür gedacht, suchtkranken Eltern statt „Fremdunterbringung“ ihrer Kinder ein Zusammenleben mit diesen zu ermöglichen, wurden später über viele Jahre hinweg die Kinder im hauseigenen Kindergarten professionell betreut und damit die Eltern entlastet. Die Idee der gänzlichen Entlastung – ein eigenes „Kinderhaus“ ist nie entstanden – hat mittlerweile eine Art Trendwende erfahren. Derzeit wird vermehrt die eigenständige Betreuung der Kinder durch die Eltern gefördert und unterstützt, wenn keine geeignete externe Betreuung vorhanden ist. Je nach Alter besuchen die Kinder den Kindergarten und die öffentliche Volksschule in Aspang. Obwohl das „Für und Wider“ der Konzepte diskutiert wird, ist die Zielsetzung jedoch damals wie

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heute gleich geblieben und besteht in der För- Eine Herausforderung an einerseits strukderung konstruktiverer Beziehungen zuein- turierende und andererseits integrierende ander, was zugleich auch eine suchtpräventive Qualitäten stellt seit Sommer 2006 die UmMaßnahme darstellt. Wenn auch Krisen nicht stellung der bisherigen Zuteilung der Klienausbleiben und sich manchmal heraus stellt, tInnen zum Frauen- oder zum Männerhaus, dass eine Fremdunterbringung unumgänglich allenfalls auch zur Doppeldiagnose-Gruppe, ist, gibt es doch Erfolge. Spürbar sind Kinder wobei die MitarbeiterInnen „für alles“ zustänaber jedenfalls bei KlientInnen und Mitarbei- dig waren, in die Zuteilung zu einer dieser terInnen herzlich willkommen. drei Gruppen dar. Die einzelnen Gruppen sind weitgehend voneinander unabhängig Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass und integrieren jeweils Frauen, Männer und am Marienhof Frauen und Männer gemein- KlientInnen, die nach dem Multimorbiditätssam leben – eine Möglichkeit, die es sonst Konzept gefördert werden. Außerhalb der Arnur noch in Johnsdorf gibt – und damit na- beitsbereiche sind auch die MitarbeiterInnen türlich auch Partnerschaften – bereits beste- dezidiert und ausschließlich einer der drei hende und hier entstehende – gelebt werden Gruppen zugeordnet. Nachdem anfänglich können. Geschlechtertrennung? Gemein- Protest, Skepsis und Verunsicherung bei viesames Leben? Keine Beziehungen? Ab wann len KlientInnen und MitarbeiterInnen überBeziehungen? Naturgemäß führen diese Fragen zu heft igen und emotionalen Diskussionen unter KlientInnen und MitarbeiterInnen. Nachdem bis zum Sommer 2006 der Argumentation, dass „abhängige“ Beziehungsmuster der wogen haben, werden mittlerweile auch die persönlichen Entwicklung hinderlich sind Vorteile, nämlich bessere Überschaubarkeit, und Beziehungskrisen die Rückfalls- und intensivere Betreuung und leichtere EntwickTherapieabbruchsgefahr erhöhen, durch Ge- lung einer Gruppenidentität erkennbar. Die schlechtertrennung in Form eines „Frauen- Entwicklung der letzten Monate macht uns hauses“ und eines „Männerhauses“ sowie so zuversichtlich. Auf KlientInnen-Seite sind genannter „Beziehungsregeln“ mehr Gewicht sowohl das Gruppenzugehörigkeitsgefühl als beigemessen wurde, versuchen wir nunmehr auch Auseinandersetzungen und Konkurrenz ein integratives Modell, das die Möglichkeit persönlich und therapeutisch entwicklungszu gemeinsamer Entwicklung und zum An- fördernd und wir MitarbeiterInnen machen einander-Lernen bietet. Die „Beziehungsre- zunehmend mehr positive Erfahrungen, was geln“ bestehen insofern weiter, als während gruppenintern und was gruppenübergreifend der ersten drei Therapiemonate ausschließlich diskutiert und entschieden werden sollte. die persönliche Entwicklung im Vordergrund Dabei kommt uns unsere offene und konsstehen sollte. Die Diskussionen sind noch truktive Gesprächsatmosphäre zu Gute. Das, nicht verstummt und so manche „Wolke 7“ was weiterhin verbindend bleibt (und worauf ist etwas unsanft auf dem Boden der Realität auch niemand verzichten möchte), sind die gelandet. Es ist jedoch auch ein konstrukti- gemeinsamen Mahlzeiten, die gemeinsame ves Miteinander erkennbar, das uns nicht nur Arbeit und der gemeinsame Sport. skeptisch in die Zukunft blicken lässt. Nicht zuletzt ist der Marienhof ein SonderkranEine Eigenheit des Marienhofes, die es an- kenhaus, in dem das gesamte medizinische sonsten nur in der Villa und in Johnsdorf gibt, Team beheimatet ist, wobei eine enge Zusamist die so genannte Doppeldiagnose-Einheit menarbeit mit dem therapeutischen Team für KlientInnen mit Mehrfachdiagnose. Das besteht. Von hier aus werden nicht nur die zu Grunde liegende Mulimorbiditäts-Kon- KlientInnen des Marienhofes, sondern auch zept besteht bereits seit vielen Jahren und ist die der anderen niederösterreichischen Einunbestritten. Auch wenn es manchmal ge- richtungen des „Grünen Kreises“ betreut. duldiger Auseinandersetzungen bedarf, um wechselseitiges Verstehen und gemeinsame Vielfalt ist auch in den Arbeitsbereichen erEntwicklung zu fördern, steht der integrative kennbar. Der Marienhof bietet ArbeitstheFaktor bei KlientInnen und MitarbeiterInnen rapie in der Keramik- und Kreativwerkstatt, der Buchbinderei, am so genannten „Bau“, außer Frage.

der Renovierungsarbeiten, kleinere Tischlereiund Metallarbeiten und die Hausbetreuung abdeckt, im „Stall“, das heißt in der Betreuung von zwei Rindern, drei Ponys, Lamas, Ziegen und Schafen, in der Küche, die nicht nur die BewohnerInnen des Marienhofes, sondern auch ein Flüchtlingsheim mit Essen versorgt, im „Putztrupp“, der für die Reinigung des Marienhofes verantwortlich ist, oder im Rahmen externer Arbeitsprojekte. Trotz dieser Vielfalt wird die geplante Erweiterung bzw. Präzisierung der Arbeitstherapie von allen begrüßt. Vielfältig sind auch die Gebäude des Marienhofes. Neben den beiden Wohngebäuden gibt es den (ehemaligen) Kindergarten, der derzeit einen Kinderspielraum, Lagerräume und Büros beherbergt, und unser „MehrzweckHolzhaus“, in dem es neben Werkstätten seit kurzem ein Kaffeehaus für KlientInnen, das auch von diesen geführt wird, gibt. Auch Sportanlagen für Volleyball und Fußball sowie eine Sauna und ein Fitnessraum sind vorhanden. Auf Grund der Vielfalt der Möglichkeiten sind KlientInnen und MitarbeiterInnen immer wieder gefordert, Erprobtes zu bewahren, Neues zu probieren, Strukturen zu entwickeln und Trennendes und Verbindendes zu integrieren. Eine gemeinsame Aufgabe für MitarbeiterInnen und KlientInnen, die verbindet.

TEXT: DR. ANGELIKA SCHEFZIG, PERSONENZENTRIERTE PSYCHOTHERAPEUTIN, LEITUNGSTEAM MARIENHOF FOTOS: DR. ANGELIKA SCHEFZIG, BERITH SCHISTEK

MARIENHOF Sonderkrankenhaus, Eltern-Kind-Haus, Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung A-2870 Aspang, Ausschlag-Zöbern 3-5 Tel.: (2642) 524 30, Fax: (2642) 524 30-40 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Büro, Tierhaltung, interne Versorgung, externe Gartenprojekte, Essensversorgung für Flüchtlingsheime, Kreativwerkstätten, Berufsausbildung. Infrastruktur: Volleyballplatz, Tennis, Tischtennis, Tischfußball, Streetballplatz, Sauna, Fitness-, Gymnastikraum, Kinderspielplatz, indianisches Schwitzzelt.

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Therapiealltag am Meierhof Aus der Sicht zweier Bewohner

Alle anfallenden Reparaturarbeiten sowie externe Auft räge werden von uns durchgeführt. So endet für manchen von uns ein Arbeitstag oft erst spät am Abend. Sinn steckt dahin gehend dahinter, nach der Therapie, die im Regelfall 12 bis 18 Monate dauert, wieder ein selbstverantwortliches und eigenständiges Leben führen und in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden zu können.

TEXT: FERDINAND M., 11 MONATE MEIERHOF, JOHANNES W., 9 MONATE MEIERHOF FOTOS: BERITH SCHISTEK, TEAM MEIERHOF

Sport nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert im Rahmen des Behandlungskonzeptes ein. Der tägliche Morgenlauf, die oft abendlichen ist es Dr. Anita Födinger, der wir viel zu ver- Beachvolleyballspiele im Sommer, die vielen danken haben. Ihr gelingt es, auf geschickte verbrachten Stunden in der Kraft kammer, Art und Weise alles aus uns herauszulocken. Tischtennis, Billard sowie der wöchentliche Wir werden von ihr auch kritisiert und dann Sportnachmittag mit dem 7 Kilometer Lauf angehalten, mit dieser Kritik konstruktiv und dem anschließenden Zirkeltraining traumzugehen, sie sinnvoll zu nutzen und dar- gen unweigerlich dazu bei, uns selbst besser aus zu lernen. Im Laufe der Zeit mussten wir kennen und einschätzen zu lernen und nach erkennen, wie wichtig es ist, sich die eigenen relativ kurzer Zeit eine gehörige körperliche Versäumnisse und Schwächen aufzeigen zu Kondition zu erlangen. lassen und einzugestehen. Auf anschauliche Weise wurde uns vermittelt, dass die Suchter- Reich gestaltete Gemeinschaftsaktionen, wie krankung sehr komplex ist und der alleinige Schifahren und Eislaufen im Winter, KinoVerzicht auf die Droge noch lange nicht aus- besuche, Wanderungen, Museumsbesichtireicht, um auf Dauer ein abstinentes Leben gungen und vieles mehr, die den Zusammenführen zu können. Wesentlich ist, und das halt unserer Gruppe sehr fördern, runden betont Anita immer wieder, unsere Persön- das nicht immer reibungslos verlaufende lichkeit kritisch zu betrachten und uns Ge- Zusammenleben in unserer therapeutischen danken zu machen, welche Verhaltensweisen Gemeinschaft ab. Wir sind wirklich froh, den Drogenmissbrauch verursachten bezie- die Möglichkeit erhalten zu haben, hier am hungsweise förderten. Wir werden nunmehr Meierhof Therapie zu machen und sehen mit angehalten, Strategien zu entwickeln, diese Zuversicht und einigen Erwartungen unserer Muster aufzulösen oder zu korrigieren. Zukunft entgegen.

Der Entschluss, die Hilfe einer Langzeittherapieeinrichtung in Anspruch zu nehmen, fiel uns beiden äußerst schwer. Nach längerer Zeit der Überwindung und erfolglos absolvierter Kurzzeittherapie trafen wir die Entscheidung, jetzt endlich etwas gegen das unsägliche Leid, das jeden Suchtkranken begleitet, zu unternehmen. Wir hatten das große Glück, auf dem Meierhof, wo wir herzlich aufgenommen wurden, zu landen. Inmitten fast unberührter Natur im Wechselgebiet liegend, strahlt der Hof eine Atmosphäre der Ruhe und der Kraft aus. Die ersten Tage, ja Wochen, waren für uns natürlich schwer. Wir waren beide an keine Struktur mehr gewöhnt. Ein geregeltes Leben ist einem Drogensüchtigen nun wirklich fremd. Das Klima hier am Hof ist naturgemäß von der Anzahl, der Herkunft und dem Alter der Patienten abhängig. Wir waren uns bewusst, dass wir gewillt sein müssen, uns auf die Therapie einzulassen und nehmen sie als Vorbereitung für ein abstinentes Leben sehr ernst. Es herrscht Bereitschaft von uns, Hilfe von den TherapeutInnen, den Hausassistenten oder von anderen Auch was unsere physische Konstitution beMitpatienten anzunehmen. Da wir bereits die trifft, müssen wir zugeben, dass der jahrelanBetreuerphase erreicht haben, versuchen wir ge exzessive Alkohol- und Drogenkonsum auch neuen Patienten zur Seite zu stehen und Raubbau am Körper betrieben hat. Dr. Ursula fühlen uns für den Hof mitverantwortlich. Leitner, Ärztin im „Grünen Kreis“, die sich viel Zeit für jeden einzelnen nimmt, stellt uns, komEin wichtiger Baustein neben den Psychothe- biniert mit alternativen Methoden, vor allem rapie- und den Selbsthilfegruppen, wo wir uns der chinesischen Medizin, wieder auf die Beine. des Öfteren überwinden müssen, vor bis zu Auch Erich, unser Masseur, besucht uns am Hof 20 Menschen frei zu sprechen, sind zweifels- und unterstützt uns beim Gesundwerden. ohne die Einzeltherapiestunden. Wir finden hier eine Person unseren Vertrauens, der wir Große Bedeutung hier am Hof wird der Aralle Probleme, die wir haben beziehungsweise beitstherapie beigemessen. Das heißt, sämtschon lange mit uns herumschleppen, offen- liche Tätigkeiten in Bezug auf Landwirtschaft baren können und sollen. In unserem Fall und Haushaltsführung, wie z.B. Kochen, Abwaschen, Putzen, Wäsche Waschen, Bügeln, Brennholz Schneiden, Heizen, Stallarbeit, Tierpflege, Mähen, Heu Machen, Gärtnern (wir versorgen uns teilweise selbst mit Gemüse), werden von uns Patienten selbst durchgeführt. Es gibt hier auf dem Meierhof auch eine Schlosserei Tiere als Therapie sowie eine Bau- und Holzwerkstatt.

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MEIERHOF

Sozialhilfeeinrichtung A-2870 Aspang, Unternberg 38 Tel./Fax: (2641) 25 66 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft (12 ha), Forstwirtschaft (Holzarbeit), Gärtnerei (Glashäuser), Landschaftsgärtnerei Gartenbau „Grüner Kreis“, Schlosserei, Viehzucht (Schweine, Pferde), Kreativwerkstätte, Berufsausbildung. Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz, Tischtennis, Fitnessraum, Reiten, Sauna, Tischfußball, indianisches Schwitzzelt.

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Therapeutin am Meierhof 18 Jahre im „Grünen Kreis“ Der Meierhof besticht durch seine Lage in 840 m Seehöhe, umgeben großteils von Wald und mit herrlichem Weitblick bis in die Bucklige Welt. Im Sommer ist es angenehm kühl. Manchmal sorgen heft ige Gewitter unfreiwillig für romantische Verhältnisse, wenn durch Blitzeinschläge plötzlich der Strom ausfällt. Im Spätherbst, wenn im Tal der Nebel liegt, strahlt der Himmel in knalligem Blau. Im Winter gibt es fast immer Schnee und in der Nähe besteht auch die Möglichkeit zum Schifahren. Der Frühling kommt zwar spät, umso beeindruckender ist das Erwachen der Natur. Diese Umgebung ist eine Chance für unsere Bewohner, die durch Sucht oft mals die Wahrnehmung für Schönes verloren haben und für die nur mehr Sensationen durch extreme „Kicks“ möglich sind, mithilfe der beruhigenden Natur und ihren Phänomenen ihre Sinne wieder zu entdecken und neu zu schärfen. So manche sind von einem farbenprächtigen Sonnenaufgang beim Morgensport beeindruckt. Für mich persönlich bedeutet die harmonische Gegend einen angenehmen Kontext für meine Arbeitsaufgaben. Der Meierhof ist eine Sozialhilfeeinrichtung für Männer und bietet 20 Plätze, davon je nach Bedarf für Kurzzeittherapie mit bis zu 6 Monaten Aufenthaltszeit und für eine Langzeitbehandlung, die zwischen 12 und 18 Monaten dauert. Das Anwesen liegt im Gemeindegebiet von St. Corona am Wechsel. Um die Patienten kümmern sich zwei TherapeutInnen, ein Hausassistent, zwei Arbeitsanleiter und ein Zivildiener. Die Einrichtung hat traditionsgemäß viele Arbeitsmöglichkeiten, wie eine Gärtnerei, eine Schlosserei, Schweine- und Schafzucht, Holzarbeit und Pferdestall. Regelmäßige Außenarbeiten für die Landschaftsgärtnerei und Baustellen des Vereins erweitern das Angebot. Seit meinem Tätigkeitsbeginn hier vor mehr als 14 Jahren veränderte sich viel am Meierhof. Obwohl der rustikale Bauernhof mit alten Kachelöfen, einfacher Ausstattung und mit der durch geringeres Platzangebot bedingten kleinen Patientenanzahl sehr familiär war, bietet das nunmehrige Haus durch einen Zubau weit mehr Komfort. Es gibt ausschließlich Zweibettzimmer, einen eigenen

Fernsehraum, eine Sauna, einen separaten großen Gruppenraum und ein eigenes Einzeltherapiezimmer. Die Arbeit für TherapeutInnen im stationären Setting unserer Wohngemeinschaft unterscheidet sich wesentlich von einer ambulanten Behandlung. Dienstbeginn ist meist um neun Uhr. Nach meiner Ankunft am Hof findet die Dienstübergabe statt und ich bekomme Informationen über die Vorfälle der vergangenen Tage. Patienten, die dringende Anliegen haben, warten manchmal schon vor der Haustür auf mich. Danach werden Dienstberichte gelesen, dringende Telefonate und Büroarbeiten erledigt. In dieser ersten Stunde am Hof ist die Gesamtstimmung sehr schnell wahrnehmbar. Um zehn Uhr in der Vormittagspause teile ich die Einzeltherapien ein, wobei ich darauf Rücksicht nehmen muss, ob ein Patient Arztbesuche hat, in der Küche beschäft igt ist, eine Putzfunktion hat, die zu bestimmten Zeiten erledigt werden muss, oder ob er bei Außenarbeiten eingesetzt wird. Der erste Arbeitstag ist meist ausgefüllt mit sechs Einzelsitzungen und am Abend mit der Psychotherapiegruppe. Mein Dienst endet um 21 Uhr. Am Abend ist noch Treff punkt im Speiseraum, meistens wird gespielt: Karten, Activity, Trivial Pursuit, Schach oder Backgammon.

Wöchentliche Teambesprechung

Aktive Freizeitgestaltung

Leistungsdokumentation, die Medikamentenausgabe oder das Ausarbeiten von Dienstplanvorschlägen am Programm. Der Dienst endet um 20 Uhr. Am dritten Tag beginnt ein 24-Stunden Dienst bis zum folgenden Tag um acht Uhr morgens. Ich habe großes Interesse am Gesamtgeschehen am Hof und mache regelmäßig mit meinen Hausassistenten Hofrunden. Einmal pro Woche findet eine Hausbesprechung statt, an der die Hofcrew und alle Patienten mit Betreuerstatus teilnehmen. Wöchentlich steht eine TherapeutInnenteambesprechung am Plan. Einmal pro Woche ist Sportnachmittag, der mir ein großes Anliegen ist, da körperliches Spüren und Fitness zur Gesundung gehören. Generell versuche ich, viel mit den Patienten zu unternehmen, Für mich ist von großer Bedeutung, bei mei- um ihre Motivation zu steigern. nen Klienten präsent zu sein, d.h. ich bin bei den Mahlzeiten und in den Pausen anwesend, Meine Arbeit am Meierhof beschränkt sich da unsere Schützlinge zu diesen Zeitpunkten nicht nur auf Psychotherapie in engerem Sinn. erlebbarer und spürbarer sind als in manchen Sie umfasst ebenso Sozialarbeit, da unsere Einzeltherapien. Wichtig ist, dass wir neben Patienten meist Schulden haben, oft mals den vielen ernsthaften Belangen auch Spaß über keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und ein offenes, ehrliches Klima vor- verfügen und die berufliche Reintegration herrscht. Die Bewältigung von Krisen und ein Schwerpunkt der Behandlung ist. Freidamit einher gehenden Konfrontationen zeitanimation, Vermittlung von praktischen gehören ebenso zum Alltag. Die Stimmung Fertigkeiten und eine wichtige Funktion als hängt meist von der Zusammensetzung der Vorbild und Vertrauensperson gehören noch jeweiligen Gruppe ab, unter anderem davon, ob dazu. Aber gerade diese Mannigfaltigkeit des Aufgabenprofi ls ist der Grund, dass ich diese viele neue Patienten hinzugekommen sind. Tätigkeit seit mehr als 18 Jahren beim „GrüDer zweite Tag beginnt für mich offiziell um nen Kreis“ ausübe und sie bereitet mir noch acht Uhr, allerdings nehme ich des Öfteren immer Freude. am Morgensport teil. Es stehen weitere fünf TEXT: DR. ANITA FÖDINGER, KLINISCHE UND Einzeltherapien und auch administrative GESUNDHEITSPSYCHOLOGIN, PERSONENZENTRIERTE THERAPEUTISCHE HAUSLEITERIN Aufgaben wie z.B. das Erstellen von Thera- PSYCHOTHERAPEUTIN, MEIERHOF pieberichten für Kostenträger, die tägliche FOTOS: DR. ANITA FÖDINGER

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Der Ettlhof – ein Team entwickelt sich TEXT: MAG. CHRISTOPH KAINZMAYER, KLINISCHER PSYCHOLOGE, PSYCHOTHERAPEUT (VT), NOTFALLSPSYCHOLOGE, THERAPEUTISCHER HAUSLEITER ETTLHOF FOTOS: WALTER BERNHAUSER, HAUSASSISTENT ETTLHOF, BERITH SCHISTEK

Im September 2005 – ein Monat der großen Veränderungen und Erneuerungen – übernahmen wir den Ettlhof: Walter, Hausassistent vom Marienhof, Monika, unsere neue Therapeutin, und ich, Christoph, therapeutischer Hausleiter. Ein neues Team, das sich finden und erproben musste. Monika ging, an ihre Stelle trat Helmut und ein neuer Arbeitsanleiter wurde zusätzlich auf den Hof geholt. Wir waren mit viel Neuem konfrontiert. Mittlerweile arbeiten wir sehr harmonisch zusammen, erleben uns in einigen Interventionen als wirksam. Teilweise ist es sogar so, dass wir sehr schwierige Patienten mit Persönlichkeitsstörungen bei uns betreuen und ihnen Wichtiges vermitteln können. Ich bin sehr froh, dieses Team zu leiten, wo es trotz der oft sehr belastenden Arbeit möglich ist, gemeinsam zu lachen. Wir geben uns gegenseitig Energie und geistigen Input.

Unsere Patienten – am Hof leben nur Männer – erlebten nun schon zwei „Durchmischungen“. Im September 2005 zogen zu den drei Patienten, die noch am Hof waren, sieben vom Treinthof. Zusätzlich nahm Helmut, als er vom Berghof hierher wechselte, fünf Patienten mit. Ein Hofwechsel, das bedeutet: neuer Ort, unbekannte Gesichter und viel Ungewisses. Das ist für die meisten Patienten oft mit großer Angst besetzt und bedeutet Trennung von Altem, was sicher nicht zu ihren Stärken gehört. Dementsprechend schwierig war es, eine Gemeinschaft mit weitergegebenen Werten, Vorstellungen und Idealen zu erreichen. Es waren viele Gruppengespräche und Gemeinschaftsaktionen notwendig, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen zu lassen. Doch seit April 2006 ist die „Truppe vom Ettlhof“ zusammengewachsen und versteht sich als Gemeinschaft mit all ihren Dynamiken. Die Hausstruktur, die natürlich den allgemeinen Regeln des „Grüner Kreis“ Behandlungskonzeptes entspricht, aber auch hofspezifische Besonderheiten beinhaltet, galt es noch zu entwickeln. Das Grundgerüst

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konnte ich vom Treinthof übernehmen, da es in den wichtigsten Punkten meinen Vorstellungen entsprach. Doch die Eigenheiten, das Spezielle, das einen Hof vom anderen unterscheidet und auch wieder verbindet – denn in allen Einrichtungen werden Patienten mit einer Suchterkrankung behandelt, war nun Thema. Im Mittelpunkt steht der Patient und die gewissenhafte Suche – mit Ausschöpfung aller professionellen Ressourcen – nach einer für ihn hilfreichen Behandlung, die immer wieder auf Effektivität überprüft und gegebenenfalls angepasst werden muss. Individuelle Behandlung für Jeden heißt: auf seinen Entwicklungsstand eingehen, ihn fordern, aber nicht überfordern, eine persönliche Bindung aufbauen, aber sich nicht missbrauchen lassen, Vertrauen geben, aber Enttäuschung aushalten ... diese Aufzählung ließe sich noch lange fortführen. Es gibt allerdings kein geeignetes Rezept, das auf alle Patienten passt. Bei jeder Entscheidung laufen Tausende Überlegungen ab. Man versucht, viele Einflüsse zu berücksichtigen, und dennoch kann sich die getroffene Entscheidung als nicht richtig oder fördernd erweisen.

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Ich sehe die Beziehung zu meinen Patienten als die Basis, die sicher und auch immer da ist. Alles ist zu besprechen und ein Austausch auf kognitiver und emotionaler Ebene ist stets möglich. Es gibt Regeln und Angebote, die klar sind, die vertreten werden und mit denen die Patienten sicher rechnen können. Das ist das Angebot, das wir hier stellen. Wer sich mit seiner Person auseinandersetzen möchte und konfrontieren will, kann dies mit uns tun.

wie z.B. Hauswäsche, Mülltrennung, Fernsehplan, Fahrtenplan usw. vertraut zu machen. Unserem Koch wird allerdings schon eine größere Verantwortung zu teil: Kalkulation und Abrechnung mit vorhandenem Küchenbudget, Lebensmittelbestellung, Speiseplanerstellung und natürlich immer gute Speisen werden von ihm verlangt. Ein stressiger und oft undankbarer Job. Doch hier beweisen die Patienten ihre wieder erlernten Stärken und

ihre Fähigkeit, mit Menschen zusammen zu arbeiten und zu leben. All diese Arbeitsbereiche, wie z.B. auch Heizer, Werkstattleiter oder Stallverantwortlicher, sind im Tagesablauf genau geplant und eingeteilt, um sich wieder an Struktur und wichtige Aufgaben zu gewöhnen. Durchhaltevermögen, Erfahrung, Geschicklichkeit und vor allem Motivation werden in der Arbeitstherapie

Eine Entwicklung gemeinsam zu erleben, Veränderungen zusammen anzugehen, Neues zu lernen ... das sind Vorgänge, zu denen wir Lust machen wollen – nicht nur in der Psychotherapie, sondern auch in der aktiven Freizeitgestaltung und in der Arbeitstherapie. Die Arbeitstherapie am Ettlhof teilt sich in verschiedene Aufgabenbereiche. Ganz individuell können Patienten Verantwortung über einen Arbeitsbereich übernehmen. In der sogenannten Zugangsphase gibt es in der Regel keine zugeteilten Verantwortungsbereiche. In dieser Zeit können bzw. sollen sich die Klienten auf sich konzentrieren und auf die neue Lebenssituation einstellen. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen und nach den ersten sechs Wochen versuchen wir, die Patienten mit neuen, vorerst kleinen Aufgaben

Tiere haben therapeutischen Effekt.

im „Grünen Kreis“ erprobt, um im späteren Leben, so auch im zukünft igen Beruf, angewandt werden zu können.

Wöchentliche Teambesprechung

Hier trifft sich die Gemeinschaft zu den Mahlzeiten.

ETTLHOF Sozialhilfeeinrichtung A-2813 Lichtenegg, Spratzau 32 Tel./Fax: (2643) 21 14 [email protected]

Kunstprojekte fördern die persönliche Entwicklung.

Sehr anschaulich beschreibt ein Patient seine Eindrücke über „seinen“ Hof: „... Ich empfinde die Stimmung am Ettlhof, seine „Andersartigkeit“ und Eigenart, als sehr belebend für die Gruppe. Es ist da dieser bestimmte erdige Charakter, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. Das merke ich an der heimeligen Atmosphäre, die am Hof herrscht und die mir schon oft Anlass dazu gegeben hat, Ruhe zu bewahren. In der Gruppe wirkt sich diese bestimmte Form von Charakter auf den Zusammenhalt aus. Dadurch entwickelt sich eine eigene Dynamik, die besonders Neuankömmlingen eine rasche Integration in die Gruppe ermöglicht.“

Arbeitsmöglichkeiten: Schlosserei, Viehzucht (Schweine, Hühner), Landwirtschaft (2 ha), Gartenleistungsprojekte, Berufsausbildung. Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz, Tischtennis, Fitnessraum, Sauna, Tischfußball, indianisches Schwitzzelt.

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Die Villa – das kreative Zentrum des „Grünen Kreises“

TEXT: DR. PETRA SCHEIDE, KLINISCHE PSYCHOLOGIN, PSYCHOTHERAPEUTIN, THERAPEUTISCHE LEITERIN VILLA FOTOS: THOMAS MONSCHEIN, BERITH SCHISTEK

Die Villa, ein Jahrhundertwendehaus in Krum- gere Begleitung mit dem notwendigen Freibach, wurde 1987 vom „Grünen Kreis“ er- raum benötigen. worben. Ganz im Verständnis von Primarius Dr. Günter Pernhaupt, Vereinsgründer, war Diese Zusammensetzung schafft für alle Mitbereits die Adaption des Hauses Bestandteil glieder der therapeutischen Gemeinschaft des Therapieprogramms. Die Patienten re- ein förderliches Klima im Sinne eines Mitnovierten im Rahmen der Arbeitstherapie einanders, bei dem in der speziellen Grupgemeinsam das Haus, schufen eine neue pendynamik eine individuelle Entwicklung Raumeinteilung und begannen, sich unter möglich wird. Wichtige Faktoren auf diesem anderem auch in den entstandenen Kreativ- individuellen Prozess sind das Erlernen neuer Bewältigungsmuster, sozialer Fertigkeiten, werkstätten zu betätigen. einer anderen Konfliktbewältigung und FrusDie Förderung der Kreativität hat als ein trationsverarbeitung sowie einer alternativen Bestandteil des Behandlungskonzeptes des Zukunftsplanung. Patienten mit einer Abhän„Grünen Kreises“ in der Einrichtung Villa gigkeitserkrankung lernen auf Patienten mit einen besonderen Stellenwert. Sie wird im noch größeren Defiziten Rücksicht zu nehSinne eines ganzheitlichen therapeutischen men, Menschen mit einer vorliegenden KoAnsatzes als Möglichkeit gesehen, gesunde morbidität versuchen, in diesem Setting statt Anteile im Menschen zu erkennen, zu stärken ihrem passiven Ertragen der Krankheit aktiv und in das Alltagsleben zu integrieren. ihr Leben zu gestalten und ihre Traumatisierungen anders zu bewältigen als mit Drogen. Die Besonderheiten der Einrichtung Villa. Sie lernen ebenfalls, mit Selbstbewusstsein VerDie Grundpfeiler der 12- bis 18-monatigen antwortung zu übernehmen, und merken vor stationären Behandlung bilden die Psychothe- allem, dass sie bestimmten Herausforderungen rapie, die Arbeitstherapie, die medizinische durchaus gewachsen sein können. Behandlung und die aktive Freizeitgestaltung. Die Zusammensetzung aus Eigenmotivation Die Kreativwerkstätten der Einrichtung Villa. für eine Entwicklung, Selbsthilfe, psychothe- Die Villa verfügt neben den für die zur Aufrapeutischer, ärztlicher und psychiatrischer rechterhaltung des gemeinschaft lichen Lebens Begleitung und letztlich arbeitsfi ndender üblichen Arbeitsbereichen über eine Tischlerei, Angebote in einer strukturierten Therapie- eine Keramik- und Malwerkstätte, ein Photohierarchie bilden den Rahmen der Behandlung labor, einen kleinen Garten und eine Küche, die auch für den Cateringbetrieb des Vereins in der therapeutischen Gemeinschaft. genutzt wird. Es gibt sowohl das Angebot der Die Einrichtung Villa des „Grünen Kreises“ Beschäft igungstherapie für Komorbiditätspabietet derzeit insgesamt Platz für die Rehabili- tienten, die zumeist in den ersten Monaten der tation von 18 Männern mit Abhängigkeitser- Therapie nur geringen Anforderungen gewachkrankungen. Ein Großteil davon befindet sich sen sind als auch die Arbeitstherapie für die aufgrund einer freiwilligen Entscheidung in Mitglieder der therapeutischen Gemeinschaft, Behandlung, ein Teil absolviert eine Therapie die in den Arbeitsmarkt reintegriert werden statt einer Gefängnisstrafe, vier Plätze dienen sollen. Diese soll den realen Anforderungen Patienten mit einer Abhängigkeitserkrankung im Berufsleben entsprechen. Somit können und einer Komorbidität (psychiatrische Er- mit diesem Training die Arbeits- und Leiskrankung). Drei Personen arbeiten im Rah- tungsfähigkeit in strukturierter Form wieder men des mobilen Betreuungskonzeptes in hergestellt werden. der Villa, leben jedoch in drei in Krumbach angemieteten und mitbetreuten Wohnungen, Der heilsame Faktor der Kreativität. Dieser da sie nach der stationären Therapie eine län- wird in vielen klinischen Bereichen und bei

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den verschiedensten Störungsbildern (Sucht, Psychose, Depression, Angsterkrankungen, Zwänge etc.) dazu genutzt, die psychosoziale Entwicklung der Patienten zu fördern. Als mögliche relevante Anteile werden dabei der emotionale Ausdruck, die Förderung von Spontaneität, die nonverbale Kommunikation und Kompetenz, die eigene Entfaltung, die Förderung von Ressourcen, der schöpferische Prozess und Struktur gebende Aspekte erörtert. Die Patienten der Villa nutzen die Entdeckung der eigenen Kreativität beim Töpfern von Vasen, Herstellen von Pokalen für Sportbewerbe, Tischlern von Bilderrahmen, Restaurieren von Möbeln, Schaffen eines Gemäldes, Zusammenstellen eines Blumengesteckes oder einer Speisenfolge für ein Catering zur Förderung des Selbstbewusstseins, entdecken die Lust am Schaffen und neue Bewältigungsmuster. Die kreativen Werke können weiters für die Bewältigung bestimmter interner Konflikte und unangenehmer Gefühle genutzt und in der Psychotherapie bearbeitet werden. Die Produkte der Kreativwerkstätten werden nicht nur bei zweimal jährlich stattfindenden Tagen der offenen Tür, sondern auch auf Märkten ausgestellt und verkauft. Zusätzlich gibt es eine gute Zusammenarbeit mit Kurt Neuhold, dem Leiter des Bereichs Kunst und Kreativität im Verein „Grüner Kreis“. Er ist u.a. bemüht, künstlerische Werke von besonders talentierten Patienten der einzelnen therapeutischen Gemeinschaften im Geschäftslokal des Vereins in Wien, in Pool7, bei Ausstellungen einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Was die Caterings betrifft, werden die Speisen, die durchaus auch einer gewissen Kreativität bedürfen, bei zahlreichen Veranstaltungen angeboten. Dabei bekommen die Patienten nicht nur im Rahmen der Arbeitstherapie Rückmeldungen über ihre Leistungen, sondern auch direkt von den KundInnen und BesucherInnen. Diese Form der Reflexionsmöglichkeit wirkt sich positiv auf den therapeutischen Prozess aus.

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Patienten und Mitarbeiter beschreiben im Fol- Kreativität zur Bearbeitung von Gefühlen. genden ihre Erfahrungen mit der Kreativität Thomas, Hausassistent und Arbeitsanleiter in der Villa: „Im Laufe meiner Therapie in im Rahmen des therapeutischen Prozesses. der Villa entdeckte ich das Malen, das auch Arbeit in der Keramik als Wegbereiter für heute noch eine große Leidenschaft von mir den Einstieg in die Therapie. Martin, seit 7 ist. Anfangs sah ich es rein als Hobby oder Monaten in der Villa: „Als ich vor 7 Monaten Zeitvertreib, doch nach jedem Bild wurde es in die Therapieeinrichtung Villa kam, fand ich mir bewusster, dass in jedem dieser Werke alles recht verwirrend und überfordernd. Zum ein Teil meiner Vergangenheit, meiner GeGlück halfen mir einige Menschen im Haus, genwart oder meiner Wunschzukunft steckte. die schon mehr Erfahrung hatten, denn sonst Ich nutzte das Malen, um meinen Gefühlen hätte ich die ersten Tage nicht so gut überstan- ein mehr oder weniger klares Bild zu geben. den. Anfangs war ich sehr unsicher, ob ich mit Nicht selten war das Ergebnis in Folge ein den Menschen in der Gemeinschaft überhaupt Thema in meiner Einzeltherapie, welches ich zu Recht kommen würde. In der Villa leben anhand des Bildes dann bearbeiten konnte. auch Patienten mit einer Doppeldiagnose. Heute, drei Jahre nach meiner Therapie, male Ich wusste weder, was dies bedeutete, noch ich noch immer gerne und habe auch schon wie ich mit diesen Menschen umgehen sollte. ein paar Bilder verkauft, was für mich natürErst als ich sie näher kennen lernte, machte lich ein schönes Gefühl bedeutet, wenn ich ich keinen Unterschied mehr zwischen allen merke, dass auch andere Menschen Gefallen Mitgliedern der Gemeinschaft. Es war sehr an meinen Werken finden. Bei meiner Arbeit schwierig für mich, mich nach so langer Zeit als Haussasistent versuche ich, den Patienten weg vom Arbeitsmarkt wieder den ganzen Tag meine Freude für Kreativität als Teil der Arlang einer Beschäft igung zu widmen. Ich war beitstherapie weiterzugeben.“ froh, dass es in der Villa die so genannte Kreativwerkstatt gibt, denn dort hatte ich vorerst Kreativität zum Finden einer Sprache. Mardie Möglichkeit, mit Ton meiner Fantasie freien kus, Arbeitsanleiter in der Villa: „Zu Beginn Lauf zu lassen. Außerdem hatte ich dort die meiner Therapie konnte ich mich wenig für die Chance, während der Arbeit über mein Leben Arbeit in den Kreativwerkstätten begeistern. nachzudenken und neben dem Arbeiten mit Wegen meiner anfänglichen Kontaktschwieden Mitpatienten über meine rigkeiten mit Menschen fand Gedanken zu sprechen. Dies ich aber bald durch die Arbeit half mir anfangs sehr, einen mit Ton eine Möglichkeit, Einstieg in die Psychotherapie mich auszudrücken und mitzuteilen. Die daraus entstanzu finden, über meine Sorgen reden zu lernen, meinem Ledenen Werke wurden mit der ben wieder die notwendigen Zeit immer schöner. Die Arbeit, speziell mit Ton, ist für Strukturen zu geben und heute einen ganzen Arbeitstag mit viel mehr Leis- mich bis heute ein guter Ausgleich in stressigen Zeiten geblieben. Heute als Angestellter tung zu bewältigen.“ versuche ich, diese Fähigkeiten und für mich Kreativität zur Stärkung des Selbstbe- wichtigen Erfahrungen an die Patienten weiwusstseins. Michael, seit 7 Monaten in der terzugeben.“ Villa: „Meine kreative Arbeit in der Villa begann eigentlich deshalb, weil sich mein Abschließend lässt sich festhalten, dass die Sohn Tariel von mir ein Holzboot wünschte. meisten Patienten mit zunehmender AufTrotz anfänglicher Schwierigkeiten, die mich enthaltsdauer eine gute Motivation für ein früher zum Aufgeben bewogen hätten, half eigenverantwortliches, drogenfreies Leben es mir sehr, etwas für meinen Sohn zu bas- und dem Erlernen oder Ausüben eines geteln, das auch mir gefiel. Je mehr ich mich sellschaft lich akzeptierten Berufs entwickeln. mit dem Werkstoff Holz beschäft igte und Dabei hat sich bereits über viele Jahre gezeigt, die Fortschritte sah, desto mehr Selbstbe- dass sich die Kombination aus den beschriewusstsein entwickelte ich. Früher fiel es mir benen Angeboten (Arbeitstherapie, Psychoschwer, meine eigenen Arbeiten zu schätzen. therapie und Sport) gut eignet, Menschen mit Die Fertigung des Kinderspielzeuges gibt mir einer Abhängigkeitserkrankung zu erreichen, jetzt ein Selbstvertrauen, das ich vorher nicht einen Entwicklungsprozess zu begleiten und hatte. Zusätzlich fühle ich Zufriedenheit und damit eine Reintegration zu ermöglichen. Die eine innere Ruhe während der Arbeit. Diese Förderung der Kreativität als ein Bestandkreative Arbeit möchte ich gerne nach der teil der Arbeitstherapie trägt zur Erreichung Therapie als Hobby beibehalten.“ dieses Zieles bei.

Veteranen in der Villa Wiedersehen mit alten Bekannten & Freunden Am 12. November letzten Jahres war es wieder einmal soweit. Die Villa in Krumbach öff nete ihre Türen und lud ihre Expatienten zu einem gemeinsamen, gemütlichen Tag ein. Das Veteranentreffen findet einmal im Jahr statt und bietet Menschen, die ihre Therapie erfolgreich abgeschlossen haben und in ih-

rem jetzigen Leben ohne Drogen auskommen, ein freundliches Wiedersehen mit alten Bekannten und Freunden. Diese Treffen sollen aber nicht nur ehemaligen „Villanern“ die Gelegenheit geben, sich auszutauschen und von ihrem drogenfreien Leben zu erzählen, sie sollen auch den derzeitigen Patienten zeigen, dass es Menschen gibt, die es geschafft haben, ohne Drogen zu leben. Für mich persönlich ist dieses Treffen ein Ereignis, auf das ich mich schon Wochen vorher freue, weil leider oft, aus den verschiedensten Gründen, der Kontakt zu einigen Mitpatienten abbricht, man aber trotzdem wissen möchte, ob es ihnen gut geht. Vor allem finde ich es toll, mit meinen ehemaligen TherapeutInnen zu reden und von meinem jetzigen Leben zu erzählen. Ich bin froh, dass es diese Zusammenkünfte gibt und bin schon gespannt auf das nächste Jahr, um wieder zu hören, wie sich meine Therapiekollegen weiterentwickelt haben. TEXT UND FOTO: RENE W., EX-PATIENT DER VILLA

VILLA Sozialhilfeeinrichtung A-2851 Krumbach, Maierhöfenstraße 18 Tel./Fax: (2647) 428 84 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Garten, interne Hausversorgung, Kreativwerkstätten (Töpferei, Seidenmalerei, Holzarbeiten), Catering, Berufsausbildung. Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz, Tischtennis, Sauna, Fitnessraum, Musikraum, Tischfußball, indianisches Schwitzzelt.

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Treinthof – dem Himmel so nah TEXT: MAG. MARCELA DE LAS MERCEDES GOMEZ VALVERDE, KLINISCHE UND GESUNDHEITSPSYCHOLOGIN, PSYCHOTHERAPEUTIN, TREINTHOF, WOLFGANG BOGNER, PSYCHOTHERAPEUT, THERAPEUTISCHER LEITER TREINTHOF FOTOS: MAG. MARCELA DE LAS MERCEDES GOMEZ VALVERDE, BERITH SCHISTEK

In der Buckligen Welt, um genau zu sein in idyllische Atmosphäre zu beobachten. In der Krumbach, Hosien 3, in Niederösterreich, Finsternis der Nacht leuchten die Sterne so thront auf einer Hügelkuppe der idyllische klar und hell, als bräuchte man nur die Hand Bauernhof Treinthof. Vorbei am Schloss auszustrecken, um einen zu pflücken. Krumbach und an unzähligen Naturpfaden und Hügeln gelangt man über einen schmalen Die Geschichte. Der Treinthof ist die KeimZufahrtsweg zu Hosien. Oben angekommen zelle des „Grünen Kreises“, die Wiege, wo kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, alles begann. Die Geschichte ist jedoch wedem Himmel so nahe zu sein. Nach einem niger romantisch als die Beschreibung der kurzen Stück Weg taucht der Treinthof am Landschaft und der Umgebung. Am Anfang Horizont auf, eine Einrichtung des „Grünen musste Pionierarbeit geleistet werden, denn Kreises“, die für 16 männliche Patienten in die öffentliche Meinung wurde durch Ängste Einzel- und Doppelzimmern Platz für Lang- und Vorurteile geprägt. Die BewohnerInnen und Kurzzeittherapie bietet. der Umgebung standen der Idee des Projektes skeptisch gegenüber. Es war wichtig und notHier begrüßen dich zwei Pferde, mit ihren wendig, Überzeugungs- und Aufk lärungsBlicken mustern sie dich neugierig. Aus dem arbeit zu leisten. Sucht kann alle treffen und Stall hört man Schafe, Hühner und Schweine. das unabhängig von Bildung und Wohlstand Bei einem Spaziergang kann man die Hoch- der Familie. landrinder und die Natur bestaunen. Schwierige und strenge behördliche Zeitig in der Früh herrscht am Treinthof schon Auflagen waren zu überwinden, um als reges Treiben, im Stall werden die Tiere ver- Einrichtung bestehen zu können. In sorgt, in der Küche die Jause und das Essen einer Zeit, in der Begriffe wie Sucht, vorbereitet. In der Land- und Forstwirtschaft Abhängigkeit und Drogenmisswerden die Bäume gepflegt und geschnitten brauch mit rechtswidrigen, chaund das Holz für den Winter zu Brennholz rakterlosen und kriminellen Pergemacht. In den wärmeren Monaten werden sonen in Zusammenhang gebracht der eigene Gemüsegarten vorbereitet und die wurden, war es schwer, die Akzeptanz Blumen eingesetzt, die dann dem Hof eine der Gesellschaft für Suchtbehandlung ganz besondere Stimmung verleihen. zu erlangen. Die Landschaft. Da ist die Natur in ihrem Element. Jede Saison bietet ihre Reize, der Frühling verströmt einen Geruch nach Maiglöckchen und Bärlauch, der Sommer hat ein würziges Aroma, der Herbst indes bietet eine Vielfalt an gelborangen Farben, ein Fest für FotografInnen. Das Pflanzendickicht wuchert, eine üppige Blüten- und Farbenvielfalt lockt die Schmetterlinge und schmückt diese malerische Landschaft. Bei Sonnenaufgang und in der Abenddämmerung ist eine romantische,

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Treinthof angemietet und mit einfachsten Mitteln renoviert und bewohnbar gemacht. 1986 erfolgte die Anerkennung durch den damaligen Gesundheitsminister Dr. Franz Kreuzer und die Verankerung im Bundesgesetzblatt nach §22a. Die Anfangsschwierigkeiten waren vielfältig und niemand wusste, ob und wie dieses Experiment gelingen würde. Trotz allem wurde mit Pioniergeist und Mut weiter gearbeitet und in den folgenden Jahren kamen die Villa, der Meierhof, der Berghof, der Ettlhof und der Marienhof dazu – allesamt von den VorbesitzerInnen aufgegebene und nicht mehr genutzte Objekte, die dem Pioniergeist des „Grünen Kreises“ und seinen MitarbeiterInnen gerade recht kamen. Der Treinthof wurde erst mehr als zehn Jahre später umgebaut und renoviert: ein desolates Wirtschaftsgebäude wurde abgerissen und an dessen Stelle ein Neubau errichtet, der mit komfortablen Doppelzimmern ein Ende der Stockbettenwirtschaft bedeutete. Auch erfreuen wir uns seither an einer Zentralheizung, mehr Duschmöglichkeiten und einigen Expatientenzimmern im alten Gebäude, die jetzt als Gemeinschaftsräume genutzt werden können. Optimale Rahmenbedingungen für den stationären Therapieaufenthalt am Treinthof wurden geschaffen.

Der Treinthof ist unvermeidlich mit dem Namen Dr. Günther Pernhaupt (1936 bis 1999), dem Gründer des Vereins „Grüner Kreis“, verbunden. Seit den frühen Siebzigern war Erwähnenswert ist noch der Besuch von Dr. Pernhaupt als Drogenpapst und Leiter Don Eduardo Calderon, einem peruanischen der stationären Drogentherapieeinrichtung Schamanen, der in seiner Art wie ein geistides Anton Proksch Instituts bekannt. 1983 ger Bruder von Günter Pernhaupt war und wurde der „Grüne Kreis“ gegründet mit der den Treinthof vor etwa 15 Jahren mit seiner Absicht, ehemaligen PatientInnen des APIs Anwesenheit beehrte. Auf seiner Pendeleine alternative Wohn- und Lebensmöglich- kunst basieren die Anordnung der magischen keit auf dem Land zu bieten. 1985 wurde der Spirale und der Schwitzzeltplatz nahe der

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Rinderweiden, an dem zu besonderen Gele- Dennoch ist am Treinthof der Schöpfergeist genheiten noch heute schamanische Rituale vieler Menschen und Personen spürbar, ein durchgeführt werden. Haus, das Geschichte schreibt, mit Ideen, mit Herz und Seele. Träumer, Romantiker, KämpDie Stimmung. Jeder Bewohner kann im fernatur und Visionäre – das ist es, was hier Rahmen der Gruppentherapiesitzungen seine am Treinthof spürbar wird. Der Blick aus Beschwerden, seelischen Probleme und andere dem Fenster beschreibt es genau: die Weite ihm wichtige Themen einbringen. Besondere und die Vielfalt der Sicht. Man kann den NeuAufmerksamkeit gilt dem Gestalten und Erle- siedler See und bis weit über die Grenzen in ben der Beziehungen in der Gruppe. Verhal- die Fremde sehen. So sind auch die Idee und tensweisen, Gefühle und Fantasien können im die Therapie ein breites Spektrum an ErfahAustausch mit den Mitpatienten beobachtet rungen, Sichtweisen und Blickwinkeln, wie und verstanden, sowie angemessenere Pro- ein Blumenstrauß, wo jeder seine eigenen Blumen pflücken kann. blemlösungsstrategien erarbeitet werden. Die Intensität des Miteinanders ist unglaub- Das Leben der Patienten. Rene, ehemaliger lich. Das Erleben von Beziehung, d.h. seine Patient und zur Zeit Arbeitsanleiter, fiel bei eigenen Grenzen und die Grenzen des Ge- seiner Ankunft am Treinthof besonders auf, genübers zu respektieren, somit sich gegen- dass ihm alle so nett und freundlich begegseitig zu begegnen und zu wachsen, ist eine neten, ganz anders als er es bis dahin gekannt hatte: „Drei Tage, nachdem ich angekommen besondere Erfahrung. war, wurde der Abschied von einem Patienten Die Vielfältigkeit ist hier genau so vertreten wie gefeiert und dabei dachte ich mir, wie schön in unserer „Welt da draußen“, eine Mischung es ist, wenn einem so viel Achtung entgegen aus verschiedenen Kulturen, Gewohnheiten gebracht wird. Feste wie Geburtstage, Weihund Persönlichkeiten, die zusammen kom- nachten und Ostern werden hier so feierlich men. Auch das aktuelle TherapeutInnenteam begangen. Man sieht wirklich, wie die Gruppe miteingeschlossen: ein Gesprächstherapeut am Hof zusammen hält. Jeder übernimmt eine mit schamanischem Image, eine Familienthe- Aufgabe. Und auch wenn immer wieder neue rapeutin mit einer araukanischen Herkunft Patienten dazu kommen, ist es für alle nicht und zwei Hausassistenten in ihrer Stärke und leicht, aber schon nach kurzer Zeit schweißt Klarheit bieten den Boden und eine gute Basis sich die Gruppe wieder zusammen. Der Charakter der Gruppe verändert sich ungefähr so für die Therapie und die Patienten. wie sich die Jahreszeiten ändern.“ TREINTHOF Jürgen, 24 Jahre, kam im April letzten Jahres auf den Treinthof zur Langzeittherapie: „Mein erster Eindruck vom Hof war sehr positiv, obwohl manche Dinge veraltet aussehen. Es hat dadurch etwas Melancholisches an sich. Eine Aussicht, die bis ins Burgenland reicht, rundherum nur Wald und Wiesen und eine Ruhe, an die man sich erst gewöhnen muss! Dieser Bauernhof strahlt Wärme und Geborgenheit aus. Sozialhilfeeinrichtung Die erste stationäre Einrichtung des Ich wurde herzlich aufgenommen und hatte „Grünen Kreises“ wurde 1985 eröffnet. von Anfang an ein sehr gutes Gefühl dabei, die A-2851 Krumbach, Hosien 3 nächsten 18 Monate hier zu leben, zu arbeiten Tel./Fax: (2647) 428 74 und Therapie zu machen. Das hat sich auch [email protected] bis heute nicht geändert. Die Erfahrung, täglich mit 70 Schafen, 70 Hühnern, 13 Rindern, Arbeitsmöglichkeiten: Viehzucht (Hoch2 Pferden und 6 Schweinen zu arbeiten, und landrinder, Pferde, Schweine, Schafe), Garspäter auch für sie verantwortlich zu werden, ten, Gemüseanbau, Forstwirtschaft, Bewar für mich etwas Neues. Man kümmert rufsausbildung. sich um die Tiere und sie geben einem etwas Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetzurück, was nur schwer zu erklären ist. Ein ballplatz, Tischtennis, Fitnessraum, Saumagisches Band zwischen Tier und Mensch na, Reiten, Tischfußball, indianisches entsteht. In mir rufen sie Gefühle wach, die ich Schwitzzelt. lange Zeit tief in mir vergraben habe. Gefühle

Das Miteinander hat besondere Bedeutung.

Weihnachten 2006

wie Stolz, Anerkennung, Mut, Selbstachtung, Selbstwert und andere. Die Therapie ist anstrengend, sie nimmt uns alle sehr in Anspruch. Einmal geht es besser, dann wieder schlechter. Das Gefühl des Zusammenhalts, des gegenseitigen Helfens gibt mir immer wieder die Kraft, weiter zu machen.“ Nico aus Wien, 21 Jahre alt, ist seit vier Monaten Patient am Treinthof: „Ich konnte mich recht schnell in die Gruppe hier integrieren. Die Gruppendynamik bei uns ist super. Wenn jemand ein Problem mit einem anderen hat, spricht man es sofort an. Die Gruppe hält zusammen und man kann von jedem Einzelnen etwas lernen. Man lernt, Gefühle auszuhalten und damit umzugehen, in Beziehung mit anderen zu treten, Konflikte einzugehen und diese auch auszustreiten. Ich finde die Therapie gut, aber nicht einfach. Ich bin gerne am Treinthof und beim „Grünen Kreis“.“ Thomas, 21 Jahre, kam vor drei Monaten auf den Hof: „Ich wurde von der Gemeinschaft gut aufgenommen. Probleme werden hier offen angesprochen. Ich fühle mich in der Gruppe gut aufgehoben, wir bilden eine gute Gemeinschaft, die zusammen hält. Wir lernen kleine Fortschritte zu beachten und sie als kleine Erfolge anzuerkennen. Ich bin sehr froh, hier sein zu können.“

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„Man macht kein Schloss für fromme Leute.“ (Sprichwort)

Johnsdorf – jüngste und größte Einrichtung des „Grünen Kreises“

Einst ... ... wurde Schloss Johnsdorf Ende des 13. Jahr- eröff net. Weitere MitarbeiterInnen kamen ... hunderts erbaut und hat seit dem eine be- und manche gingen auch wieder. Sportanwegte Geschichte aufzuweisen. Es würde lagen wurden errichtet. Auch teilweise exomit Leichtigkeit den Inhalt eines eigenen tische Tiere wie Lamas oder Hochlandrinder Beitrags füllen, die verschiedenen Stationen fanden in der therapeutischen Gemeinschaft vom mittelalterlichen gräflichen Anwesen ein Zuhause. Altes begann, sich mit Neuem zur Suchttherapiestation im Hier und Heute zu vermengen. Auf alle Fälle wurde dem alten nachzuskizzieren. Als wichtiges Detail darf Gemäuer ordentlich Leben eingehaucht. aber gelten: Vorheriger Besitzer des Schlosses war der Salesianer Orden. Dieser hatte das Im Laufe der Wochen und Monate begann sich Schloss Johnsdorf mit KlientInnen verschiedener Herkunft, (Vor)Geschichte und Persönlichkeit zu füllen. Neuankömmlinge wurden und werden stets mit gewisser Neugier und Spannung erwartet und von jenen KlientInnen, die bereits seit längerer Zeit in Johnsdorf sind, in die therapeutische Gemeinschaft integriert. Erste Kontakte werden geknüpft, nach Gemeinsamkeiten gesucht, Informationsweitergabe, reger Erfahrungsund Meinungsaustausch finden statt. Schloss aber in den 90-er Jahren aufgegeben. Das ehemalige Kloster, teilweise auch mit Seminarbetrieb, stand damit 2002 schon seit Jahren verwaist. ... ist Johnsdorf mit knapp 80 KlientInnen und 27 MitarbeiterInnen die größte Einrichtung des „Grünen Kreises“. Es gibt einen Behandlungsschwerpunkt „Alkohol“ und auch ein ... wurde Geschäftsführer Dir. Alfred Rohrhofer spezielles Mehrfachdiagnoseprogramm, d. auf das Objekt aufmerksam und nach heraus- h. für KlientInnen, die neben der Suchterfordernden Verhandlungen ging das Schloss krankung noch eine allgemein psychiatrische in den Besitz der „Grüner Kreis“ – Gemein- Erkrankung aufweisen. Insgesamt 24 Plätze nützigen Aus- und FortbildungsgesmbH über. stehen für diese KlientInnen zur Verfügung, Dank der aufopfernden Pionierarbeit von Ka- wobei besonders Wert auf die Möglichkeit des rin Petrovic, derzeit Leiterin des Ambulanten kreativen Ausdrucks gelegt wird – für einige Zentrums Graz, und Hans Felberbauer, aktuell das passende Medium, um Gedanken und Leiter der Tischlerei in Johnsdorf, konnte die Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Unter Therapiestation im März 2003 ihre Pforten der Woche gleicht Johnsdorf einem Bienenöff nen und startete mit vorerst einer Klientin. schwarm – geschäftiges Treiben an allen Ecken. Im Sommer 2003, als der Autor dieser Zeilen, Die KlientInnen werden in verschiedensten Dr. Human Unterrainer, seinen Dienst als Arbeitsbereichen betreut. Küche, Schlosserei, Therapeut in Johnsdorf aufnahm, waren es Land- und Forstwirtschaft, Garten, Wäscherei, 20 und die Zahl wuchs ständig. Der 2. Stock Tischlerei, Bau, Instandhaltung und Kreativund das Tiefparterre wurden für KlientInnen werkstätte bieten ein reiches Betätigungsfeld,

Heute ...

Gestern ...

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Berufsaus- und weiterbildungen können absolviert werden. Auch bei Workshops und vereinsinternen wie externen Festen oder Veranstaltungen sind viele KlientInnen mit großem Interesse und Engagement bei der Sache. Hier entstehen oft wahre Kunstwerke. Skulpturen, musikalische Darbietungen, kulinarische Köstlichkeiten werden präsentiert und die Freude und Be-

geisterung, mit der manche bei der Sache sind, wirken ansteckend. Die Restaurierung des Schlosses ist in den letzten Jahren schon weit fortgeschritten. Eine Kirche, die ebenfalls in das Schlossareal integriert ist, erinnert stark an die Zeit, als das Schloss noch als Kloster diente. Regelmäßig werden auch heute noch, meist am Sonntag, Gottesdienste gefeiert. Zu Mittag und am Abend treffen sich alle BewohnerInnen zum gemeinsamen Essen. Nach dem Abendessen finden psychologisch/ psychotherapeutisch geführte Gruppen statt. In der Wohngruppe werden allgemeine Anliegen den Wohnbereich betreffend besprochen. Insgesamt gibt es vier Gruppen zu je 20 KlientInnen, die auf jeweils einer Etage leben. Es erfolgt keine Trennung von Frauen und Männern. Das Führen einer Paarbeziehung während der Therapie mit eigenem Beziehungszimmer ist möglich. Jeden zweiten Mittwoch

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TEXT: MAG. FRANZISKA ZUSSNER, KLINISCHE PSYCHOLOGIN, JOHNSDORF, DR. HUMAN UNTERRAINER, KLINISCHER PSYCHOLOGE, PSYCHOTHERAPEUT I.A.U.S., THERAPEUTISCHES LEITUNGSTEAM JOHNSDORF FOTOS: MAG. FRANZISKA ZUSSNER, DR. HUMAN UNTERRAINER, BERITH SCHISTEK

im Monat ist Hausforum im Rundsaal unter der Kirche und die Gemeinschaft bespricht Fragen, die das Haus insgesamt betreffen. Am Wochenende ist es ruhiger. Es werden Gemeinschaftsaktionen durchgeführt, Wochenendausgänge, Besuche und nicht zuletzt das von KlientInnen betriebene Kaffeehaus tragen dazu bei, dass in Johnsdorf an Samstagen, Sonn- und Feiertagen eine entspanntere, familiäre Atmosphäre herrscht.

entInnen zweifelsohne auch ein gewisses Maß und Teich runden diesen Eindruck ab. Für an Frustrations- und Kompromissbereitschaft viele KlientInnen stellt die wald- und hügelab, bietet aber auch die Möglichkeit, sich als reiche Umgebung eine wichtige Kraftquelle Teil der Gemeinschaft an- und aufgenommen dar und bietet auch die Gelegenheit, (wieder) zu fühlen, was vielen KlientInnen (in einigen zu Naturverbundenheit zu gelangen. Vieles Fällen erstmals) das Gefühl von Zugehörigkeit ist noch im Werden, eines hat das „Projekt vermittelt. Einen wichtigen Aspekt und Schritt Johnsdorf “ allerdings schon gezeigt: Das stellen das Suchen und Finden des eigenen Konzept der Therapeutischen Gemeinschaft Platzes in der therapeutischen Gemeinschaft – von vielen schon als veraltet zu Grabe geund später (wieder) in der Gesellschaft dar. tragen – funktioniert und das auch in einem solch großen Rahmen.

Morgen ... ... wächst Johnsdorf weiter. Eine Veranstaltungshalle und weitere Werkstätten werden errichtet, zusätzliche bauliche Erweiterungen sind geplant. Auch die Wissenschaft hat Einzug in Johnsdorf gehalten. Verschiedene Aspekte der Suchterkrankung sollen im Auft rag von ARS – Addiction Research Society hier erforscht werden.

JOHNSDORF

Das tägliche Miteinander im Arbeits- und Freizeitbereich birgt erfahrungsgemäß auch Konfliktpotential in sich. Vorurteile be- und entstehen, Berührungsängste und Skepsis kommen auf. Der konstruktive Umgang mit Konflikten fällt zwar nicht immer leicht, stellt aber für die KlientInnen einen wichtigen Lernprozess und oft mals eine Bereicherung dar. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang das Bemühen der KlientInnen, Verbindendes, Gemeinsames über Trennendes zu stellen und Brücken zu bauen, zu fördern und zu unterstützen. Das Leben in der Gemeinschaft verlangt den Kli-

Jeder Tag „auf Therapie“ (wie viele unserer KlientInnen die stationäre Therapie zu nennen pflegen) bringt eine Vielzahl an neuen Erfahrungen, Möglichkeiten und Einsichten mit sich, aber auch enttäuschte Hoff nungen, Erwartungen und gemischte Gefühle von Angst bis Zuversicht – eine breite Palette an Impressionen, Gedanken und Gefühlen. Johnsdorf unterscheidet sich von den anderen Einrichtungen des „Grünen Kreises“ vor allem durch seine Größe. Das Schloss ist großzügig angelegt, ein riesiges Grundstück mit Wald

Sozialhilfeeinrichtung Die jüngste Einrichtung des „Grünen Kreises“ wurde am 3.3.2003 eröff net. A-8350 Fehring, Johnsdorf 1 Tel.: (3155) 519 79 Fax: (3155) 519 79-40 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft, Garten, Schlosserei, Tischlerei, Kreativwerkstätten, Büro, Berufsausbildung. Infrastruktur: Fußballplatz, Volleyballplatz, Streetballplatz, Fitnessraum, indianisches Schwitzzelt, Sauna, Schwimmteich.

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tung Villa die Holzwerkstätte betreute und 1999 als zweiter Geselle angestellt wurde, zu seinem beruflichen Neubeginn.

Beruf und Berufung Tischlern am Berghof TEXT: ERNST STÜCKLER, TISCHLER, BERGHOF, DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHKEITSARBEIT FOTOS: ERNST STÜCKLER, BERITH SCHISTEK, ARCHIV „GRÜNER KREIS“

Erfolgreiche Rehabilitation, Resozialisierung und Reintegration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt stehen im Zentrum der arbeitstherapeutischen Behandlung im „Grünen Kreis“. Die Gewöhnung an ein abstinent zu führendes, geregeltes Arbeitsleben in sozialem Kontext ist im Vordergrund, um für die Zeit nach Therapieabschluss optimale Chancen am Arbeitsmarkt zu ermöglichen und so den Langzeiterfolg der Therapie zu sichern. Der Schwerpunkt der Arbeitstherapie in der Männersozialhilfeeinrichtung Berghof, einem renovierten Bauernhof am Königsberg in der Gemeinde Thomasberg, wird auf die Beschäftigung in der Tischlerei gelegt.

Bis zum heutigen Tag entwickelte sich die „Grüner Kreis“ Tischlerei zu einer sehr gut ausgestatteten Werkstatt, die Holzarbeiten sind sehr vielseitig und reichen vom Bilderrahmen bis zur Gaststätteneinrichtung. Auch externe Auft räge kamen vermehrt dazu bzw. wurden umfangreicher. Um diese Erfolge zu erzielen, setzte der Verein auf qualifizierte Handwerker: ein Tischlermeister, zwei Gesellen, ein Lehrling und ein bis zwei Klienten werden im Rahmen des sozialökonomischen Projektes beschäft igt. Der Betrieb zeigt sich vor allem durch seine Spezialisierung auf Maßanfertigung von Einbauküchen, Büros, Schlaf- und Wohnzimmern bis hin zu massiven Eingangstüren, Kunst- und Einrichtungsgegenständen in Planung, Bau und Montage durchaus konkurrenzfähig.

Eigengebrauch herzustellen. Drei Jahre später trat Ernst Stückler als erster Geselle in den Vereinsbetrieb ein. Anfangs glich die Tischlerei am Berghof noch eher einer Bastelstube, der Stall wurde damals in eine Werkstatt umgebaut, wenige Werkzeuge und Holzbearbeitungsmaschinen standen zur Verfügung, es musste täglich improvisiert werden. Verarbeitet werden Massivholz-, furnierte und Kunststoff platten je nach KundInnenwunsch. In den darauf folgenden Jahren wurde die Die Behandlung der Oberfläche erfolgt mit Bandbreite an Maschinen und Werkzeugen umweltfreundlichen Lacken, Wachsen oder aber erweitert, denn das Tischlereikonzept Ölen. Auch Restaurierungs- und Reparaturergänzte sehr gut das Arbeitstherapieange- auft räge werden fachgerecht ausgeführt, wobot des „Grünen Kreises“. Die Möglichkeit, bei bei Restaurierungen großer Wert auf die interessierten PatientInnen eine abwechs- Erhaltung des Originalzustandes gelegt wird. lungs- und lehrreiche Beschäft igung zu bie- Alle Auft räge werden vom Tischlermeister Tischlermeister und Arbeitsanleiter Christian ten, war so geschaffen. Alle PatientInnen des persönlich mit den KundInnen besprochen. Handler begann vor vielen Jahren mit einer Vereins haben mittlerweile Zugang zu dieser Die nötigen Farb-, Beiz- und Furniermuster kleinen Werkstatt im Verein „Grüner Kreis“. Beschäft igung und darüber hinaus auch dazu, sind ebenso vorhanden wie Muster von speDiese Tischlerei diente dem Verein haupt- die ersten Schritte in Richtung TischlerInaus- ziellen Beschlägen und Holzverbindungen. sächlich dazu, Reparaturen zu tätigen und bildung zu machen. Schon einige absolvierten Qualität und Service stehen an erster Stelle, kleinere Einrichtungsgegenstände für den diese Form der Arbeitstherapie in der Ver- damit kann die kleine, aber feine Tischlerei am Berghof nicht nur bei ihren KundInnen punkten – es ist eine Freude für Angestellte und PatientInnen, dort zu arbeiten.

BERGHOF Die Werkstatt

Das Tischlerteam vom Berghof

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Der Speisesaal im Binder – solide Tischlerarbeit vom Berghofteam

gangenheit erfolgreich. Für die KlientInnen gestaltet sich die Arbeit in der Tischlerei sehr abwechslungsreich, Möbelbau und Montagearbeiten in allen Betreuungshäusern, aber auch Kunst und Design sowie Auft räge außer Haus gehören zum Berufsalltag. Meister und Geselle sind jederzeit bereit, ihr Wissen an interessierte PatientInnen weiter zu geben. Diese Gelegenheit nützte 1998 auch Michael Blenk, der schon in der Betreuungseinrich-

Sozialhilfeeinrichtung A-2842 Thomasberg, Königsberg 10 Tel./Fax: (2644) 74 01 [email protected] Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft (10ha), Tischlerei, Viehzucht (Hochlandrinder, Ziegen, Schweine), Süßmosterzeugung, Berufsausbildung. Infrastruktur: Volleyballplatz, Tischtennis, Tischfußball, Streetballplatz, indianisches Schwitzzelt.

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Medizin im „Grünen Kreis“

Frischer Wind am Marienhof: Dr. Ursula Leitner verstärkt das medizinische Team. Ende Mai 2006 war es soweit. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Ich hatte es geschafft, hielt das Diplom zum Arzt für Allgemeinmedizin in meinen Händen. Vergleichbar mit dem Bestehen der Matura oder der letzten Prüfung an der Uni. Bereits zu Beginn des Turnus war klar gewesen, meine Zukunft würde nicht im Krankenhaus liegen. Dementsprechend war meine Ausbildung auch ausgerichtet. Ich verbrachte sehr viele Monate auf Abteilungen, die nicht zur Pflichtausbildung zählten, wie die sechs Monate auf der Unfallchirurgie und der Radioonkologie. Auch meine Freizeit widmete ich der Medizin, allerdings der Chinesischen, die mir immer mehr ans Herz gewachsen war und ist. Es ist ihre komplett andere Anschauungs- und Behandlungsweise, die mich so fasziniert. Nicht die Therapie von Symptomen, sondern der Mensch mit Einbeziehung seiner Lebensweise, seiner körperlichen und seelischen Befindlichkeit steht dabei im Mittelpunkt. Der Einstieg dazu war die Akupunkturausbildung, die ich von Oktober 2002 bis Juli 2004 absolvierte und an die ich die Chinesische Arzneimittellehre anschloss, mit der ich mich nun seit mindestens zweieinhalb Jahren intensiv beschäftige.

als Rucksacktouristinnen quer durchs Land bis zurück nach Shanghai schlugen. Der Aufwand lohnte sich, wir nahmen eine Menge an Wissen und Lebenserfahrung mit nach Hause.

Zurück in Österreich konnte ich auch gleich wieder ins Berufsleben einsteigen. Seit September 2006 bin ich nun als praktische Ärztin beim „Grünen Kreis“ beschäft igt. Die meiste Zeit versuche ich, mich meinen PatientInnen zu widmen – Aufnahmen, Visiten, gelegentliche Notfälle und vor allem das Gespräch stehen im Mittelpunkt. Das ärztliche Team ist in der glücklichen Lage, ausreichend MitarbeiterInnen zur Verfügung zu haben, die sich intensiv mit bestimmten Projekten beschäft igen können. Was mich betrifft, werden das in nächster Zukunft die Psychoedukation sowie die Aufk lärung über bestimmte medizinische Themen, wie zum Beispiel Hepatitis, HIV Den Höhepunkt dabei stellte der letzte Sommer dar, den ich von und Geschlechtserkrankungen, sein. Mein Ziel und mein Antrieb für Juni bis August mit meiner Freundin und Kollegin Dr. Karin Moser die Tätigkeit beim „Grünen Kreis“ ist es, Menschen zu helfen, die in in Chengdu in China an einer Universitätsklinik für Traditionelle unserer schnelllebigen und „kalt erscheinenden“ Gesellschaft bisher Chinesische Medizin verbrachte. Wir erlebten eine uns fremde Welt. noch nicht ihren Platz finden konnten – und das nach dem Motto von Der Krankenhausalltag war in keinster Weise mit österreichischen Winston Churchill: „Ich denke, es reicht nicht zu sagen, wir tun unser Verhältnissen vergleichbar. Ein Arzt, der mit mindestens zehn Pati- Bestes, sondern wir müssen das tun, was erforderlich ist.“ entInnen, uns Studentinnen und unserem Übersetzer auf Hockern rund um einen kleinen Tisch in einem 10m2 großen Raum gedrängt TEXT UND FOTO: DR. MED. URSULA LEITNER, MEDIZINISCHES TEAM MARIENHOF saß – diese Situation machte uns zunächst schwer zu schaffen. Auch schwüle 40 Grad Celsius, keine Sonne, extrem scharfes Essen, KakerDR. URSULA LEITNER laken im Hotelzimmer ... machten es nicht gerade leichter. Es dauerte Studium Humanmedizin an der Universität Wien, Wahlfach aber nicht lange und wir hatten „den Dreh heraußen“. Mindestens Unfallchirurgie einmal pro Woche stand ein Hotpot, die Landesspeise der Provinz Ärztin für Allgemeinmedizin, KH Wr. Neustadt Szechuan, auf dem Speiseplan. Auf unseren Drahteseln machten auch Notarztdiplom wir die Straßen Chengdus unsicher und natürlich nahmen wir gerne Akupunkturdiplom die gesamte Palette an Anwendungen der Chinesischen Medizin in DFP Diplom der Österreichischen Ärztekammer Anspruch, wie die Tuinamassage, die Akupunktur oder ein KräuterTraditionelle Chinesische Medizin an der Wiener Schule für dekokt bei Magenbeschwerden. Den krönenden Abschluss unserer TCM Reise bildeten die letzten beiden Wochen, während denen wir uns

Siegerblumen vom Meierhof Mit Blumen von der Gärtnerei „Grüner Kreis“ am Meierhof wurde St. Corona am Wechsel 2006 von der Landesjury des Blumenschmuckwettbewerbs „Blühendes Niederösterreich“ in der Gruppe 1 zum schönsten Ort Niederösterreichs gewählt. Die Entscheidung war aufgrund des üppigen Blumenschmucks und der durchwegs guten Pflege der Orte oft schwer. In St. Corona zeigte sich, dass die in der Gärtnerei des „Grünen Kreises“ gezogenen Pflänzchen bei guter Pflege zu wunderschöner Blütenpracht heranwachsen können.

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9]lja]ZkklYf\gjl: A-2870 Aspang, Unternberg 38 GdYfmf_kZ1jg: A-7503 Großpetersdorf, Miedlingsdorf 108, Tel.: (3362) 300 14, Fax: (3362) 300 16 [email protected], www.gartenbau.gruenerkreis.at

TEXT UND FOTO: KURT NEUHOLD, LEITER KUNST UND KREATIVITÄT IM „GRÜNEN KREIS“

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Mens sana in corpore sano: Ohne psychische Gesundheit ist alles nichts!

TEXT: DR. MED. LEONIDAS LEMONIS, ARZT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN UND PSYCHIATRIE, ÄRZTLICHER LEITER FOTOS: QUELLE DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR PSYCHIATRIE, PSYCHOTHERAPIE UND NERVENHEILKUNDE

Nach meinen bisherigen Berlin Erfahrungen im November war ich aber fließender sein als bisher angenommen. Insbesondere der Anteil auch dieses Mal auf trübes und kaltes Wetter eingestellt. Spätestens der manifest Spielsüchtigen überrascht, selbst in Fachkreisen. Über die aber nachdem ich das dichte Tagungsprogramm durchgegangen war, Grenzen der Sozialkonzepte der Schweizer Casinos wurde diskutiert, beschäft igte ich mich nicht mehr im Geringsten mit der Wetterkom- aber auch über die unbefriedigende, weil wenig spezifische Klassifiponente, im Wissen, dass auch nur bei Besuch eines Teiles des Ange- kation des pathologischen Spielens nach ICD 10 bzw. DSM IV . botenen die mir verbleibende Zeit außerhalb des Kongresszentrums gering sein würde. Die Einschulung der im Casino Tätigen durch den psychologischen Dienst mit dem Ziel, zumindest die unter dem Motto „beat the system“ 17 State of the Art Symposien und 71 Workshops in fünf Tagen tra- Spielenden zu erkennen, hat sich als hilfreich erwiesen. Die Kombigen dazu bei, dass nur nach einer intensiven Auseinandersetzung nation von Psycho- und Pharmakotherapie bewährt sich am ehesten. mit dem Kongressprogramm noch vor dessen Beginn eine Selektion Als Mittel der ersten Wahl werden in der Schweiz Antidepressiva, vorgenommen und dementspreinsbesondere SSRI bzw. Opiatantchend ein individueller Tagesplan agonisten, verwendet, meistens erstellt werden kann. erfolgt die therapeutische Begleitung in Form der kognitiven Verhaltenstherapie. Das wissenschaft liche Komitee der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Therapieunterschiede im SuchtNervenheilkunde benannte für bereich unter der Perspektive des den DGPPN-Kongress 2006 im Lebensraumes, im konkreten Fall Internationalen Congress Centrum ICC Berlin viele Hauptthemen: nennenswerte Unterschiede in der Arbeit mit Alkoholkranken in Italien vs. Deutschland, beschäft igten uns beim Symposium über Psycho• Altern und psychische Gesundheit traumatologie. Abgesehen von der Quantität (durchschnittlicher pro • Interaktionen zwischen psychischen und somatischen Erkran- Kopf Alkoholkonsum 9 Liter pro Jahr in Italien/13 in Deutschland) „zählt“ Alkohol in Italien zu den Nahrungsmitteln und wird dadurch kungen selten ohne Essensbegleitung konsumiert. Das hohe Schamerleben • Subjektivität und Hirnentwicklung bei Trunkenheit in Italien und eine bessere Trauerfähigkeit wurden • Förderung psychischer Gesundheit der Bevölkerung als mögliche Faktoren für den wesentlich geringeren Anteil an AlkoDer Einfluss der Hirnentwicklung auf das individuelle Erleben von holkranken angeführt. Ebenfalls günstig erscheint der verbindliche Subjektivität beginnt durch neurobiologische Forschungsergebnisse Kontakt zur Primärfamilie, eine höhere soziale Verantwortung, weauch für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu werden. Dadurch niger an die Arbeit gekoppelter Stress sowie die im Falle einer Erdass Lebensereignisse die Hirnentwicklung prägen, stellt aber die krankung geringere soziale Ausgrenzung. Interaktion zwischen physiologischer und gestörter Hirnentwicklung und dem Erleben von Subjektivität auch für die Fachwelt eine Ein weiteres erwähnenswertes Thema des Kongresses erscheint mir die These des „positiven“ Erlebens im Zuge einer Retraumatisierung, Herausforderung dar. durch die Endorphinausschüttung bedingt, insbesondere wenn „EinDie Wertigkeit einer Früherkennung auch bei den nicht stoffgebun- eisung“ nach einem Trauma als einzige Bewältigungsstrategie erkannt denen Süchten war ein zentrales Thema beim Symposium über das und praktiziert wurde. pathologische Spielen. Hilfreich erscheint ein Selbstbeurteilungsfragebogen, der in den Schweizer Spielcasinos erkennbar gefährdeten Vom 21. bis 24. November 2007 fi ndet der nächste DGPPN-JahresSpielerInnen zum Ausfüllen angeboten wird. Dem psychologischen kongress [www.dgppn-kongress.de] statt. Auch wenn die WahrDienst geht es vor allem darum, dass die Betroffenen erkennen kön- scheinlichkeit, Berlin wieder mit spätsommerlichen Temperaturen nen, „wann das Spielen zum Problem wird“. zu erleben, äußerst gering ist, freue ich mich auf die Teilnahme und rechne mit interessanten Beiträgen. Dass der Mensch nur begrenzt rational denkt, ist allgemein bekannt. Die Grenzen vom Problemspielen zum pathologischen Spielen dürften

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Welche Behandlung für wen? 9. Internationales Symposium zum Thema Behandlung der Suchtmittelabhängigkeit in Helsinki Das 9. Internationale Symposium gründet auf dem Zusammenschluss der nordischen Universitäten, die sich mit dem Thema der Abhängigkeiten in verschiedenen Bereichen beschäft igen und ihre Ergebnisse regelmäßig in einem Symposium darstellen und diskutieren.

TEXT: LOTHAR SCHÄFER, INTERNATIONAL CONSULTANT „GRÜNER KREIS“, DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHKEITSARBEIT FOTO: BERITH SCHISTEK

notwendig, die Gefängniskultur und Sprache zu durchbrechen und zu verändern. Klar zum Ausdruck kam, dass an solchen Projekten zwingend weitergearbeitet werden muss, auch wenn einzelne Projekte zeitlich limitiert sind.

Der EFTC European Federation of Therapeutic Communities ist da- Zum Thema Harm Reduction und Substitutionsbehandlung wurden bei aktiv beteiligt, was besonders durch die Arbeit des Gründers und die Forschungsergebnisse einzelner Länder dargestellt, welche auch ersten Präsidenten des EFTC, Prof. Eric Broekaert aus Gent, Belgien, in der Pompidougruppe des Europarates zusammengefasst und beschrieben werden. Auch wenn den TeilnehmerInnen auf der einen zum Ausdruck kommt. Seite die Notwendigkeit der Substitutionsbehandlung bewusst ist, So fand in Helsinki, Finnland, vom 9. bis 11. Oktober 2006 das 9. In- so kamen doch bei diesen Vorträgen viele Fragezeichen und eine ternationale Symposium zum Thema Behandlung der Suchtmittel- lebhafte Diskussion auf, was die unterschiedliche Haltung zwischen abhängigkeit statt. Die drei Veranstaltungstage waren sehr intensiv den zwei Richtungen abstinenzorientierte Therapie und substituierte Behandlung bzw. Harm Reduction bestätigt. und das Programm wurde in vier Bereiche eingeteilt: • Richtlinien und Behandlung für Alkohol- und Drogenprobleme Die Zeit, jeden einzelnen Themenblock ausführlicher zu behandeln aus der Sicht der öffentlichen Hand und zu vertiefen, fehlte, dennoch boten die drei Kongresstage ein sehr • Therapeutische Gemeinschaften intensives und schweres Programm. Da die TeilnehmerInnenanzahl • Drogenbehandlungsprogramme in Gefängnissen beschränkt wurde, blieb das Symposium sehr übersichtlich und per• Harm Reduction und Substitutionsbehandlung sönlich, was es insgesamt überaus bereichernd machte. Jeder einzelne Bereich würde an sich schon einen dreitägigen Kongress füllen. Um so schwieriger war es, Schwerpunkte und Themenwahl für sich zu definieren. Viele der ReferentInnen stellten ihre Arbeit und Forschungsergebnisse so engagiert dar, dass es nicht leicht war, im Anschluss darüber zu diskutieren. Aus gesundheitspolitischer Sicht weisen die meisten der dargestellten Richtlinien zur Alkohol- und Drogenbehandlung das Viersäulenmodell auf: Prävention, Behandlung, Harm Reduction (Schadensminderung) und Repression. Das ambulante Behandlungsangebot ist in den letzten Jahren klar gestiegen, insbesondere für die Jugendlichen im Bereich Alkoholmissbrauch. In der Thematik der therapeutischen Gemeinschaften lag der Schwerpunkt auf Evaluation der Behandlungsangebote, aber auch auf Darstellung der Neuheiten im Bereich Evaluation einzelner Interventionen. Weitere Themen waren Kurzinterventionen in therapeutischen Gemeinschaften, Partnerschaft für erfolgreiche Behandlung oder auch Drogenmuster nach obligatorischer stationärer Behandlung in Bezug auf Behandlungsanstrengung und Stabilität. Im Bereich Drogenbehandlungsprogramme im Gefängnis wurden Modelle wie „Therapeutische Gemeinschaft intern im Gefängnis“ vorgestellt. Es kamen einzelne Projekte aus den Ländern Finnland, Norwegen, Schweden und Schottland zur Darstellung. All diese Programme sind relativ neu, nicht länger als zwei Jahre in Anwendung. Die ReferentInnen zeigten sehr deutlich die, mit der Gefängnisstruktur zusammenhängenden, Schwierigkeiten auf, wie beispielsweise die Umgangssprache im Gefängnisalltag. Es ist ein enormer Aufwand

Im April 2004 wurde der „Grüne Kreis“ als Vollmitglied in den EFTC aufgenommen. Es handelt sich hier um einen Zusammenschluss von mehr als 40 therapeutischen Gemeinschaften in 25 europäischen Ländern, die, wie der „Grüne Kreis“ auch, Ziele, die der Reduktion der Drogennachfrage oder der Förderung und Verbesserung von Präventions- und Behandlungsangeboten dienen, verfolgen. Beratung und Unterstützung der Arbeit in Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe, Förderung der Aus- und Fortbildung von pädagogischen und therapeutischen Fachkräften und Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der Durchführung wissenschaft licher Symposien, der Publikation von Fachinformationen und der Kooperation mit Fachkreisen sind weitere Zwecke des EFTCs, der 1978 gegründet wurde und seinen Sitz in Belgien hat. Die regelmäßig veranstalteten Tagungen und Kongresse ermöglichen den Erfahrungsaustausch und die Diskussion verschiedener Arbeitsansätze, was der Reflexion der eigenen Arbeitssituation dient. Detaillierte Informationen finden Sie auf www.eftc-europe.com.

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| grünerkreisPrävention

Family06 18000 BesucherInnen in der Arena Nova Am 5. November 2006 fand in der Arena Nova in Wiener Neustadt bereits zum zweiten Mal die Familienmesse family06 statt, bei der auch der „Grüne Kreis“ mit einem Informations- und Beratungsstand vertreten war. Über 18000 BesucherInnen nützten die Gelegenheit, sich über Produkte, Leistungen und Initiativen von mehr als 250 AusstellerInnen zu informieren. Das Angebot erstreckte sich von Freizeit über Erziehung und Lernen bis hin zu Gesundheit und Beratung. „Da haben wir etwas Besonderes zustande gebracht. Man sieht, wie wichtig das Thema Familie ist.“, zog Familienlandesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner bereits am 5. November Bilanz über die größte österreichische Familienmesse. Neben ihren gesellschaft lichen Funktionen stellt die Familie einen wichtigen Faktor in der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen dar. Im Rahmen der NÖ Elternschule TEXT: SABINE HECKENAST, FUNDRAISING, DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN ÖFFENTLICHKEITSARBEIT wurde ein Bildungsangebot für Niederösterreichische Familien mit FOTO: BÜRO MAG. JOHANNA MIKL-LEITNER dem Spezialmodul „Krankheit Sucht – Familie mit Maß und Ziel“ initiiert, um grundlegende Zusammenhänge über Ursachen und Entstehung Thema Alkohol und Drogen veranschaulicht und gleichzeitig Mut von Sucht zu vermitteln. Der „Grüne gemacht, Verständnis füreinander zu zeigen, die Ängste und Sorgen Kreis“ unterstützt hierbei mit fach- des Kindes ernst zu nehmen und zur Unterstützung eines der vielfällicher Hilfestellung und langjähriger tigen Beratungsangebote zu nützen. Anstelle von Patentrezepten gibt Erfahrung aus Beratung, Betreuung diese Broschüre ein Gefühl dafür, wie wichtig eine vertrauensvolle Gesprächsbasis in der Familie ist, um Drogenmissbrauch frühzeitig und Therapie. zu erkennen. h Mit der Broschüre „Sucht frühzeitig Gestern hat mic Mama erkennen und helfen“, die auf Initiative Nähere Informationen und die Möglichkeit zum bequemen Downschwer der NÖ Landesregierung in Zusammen- load der Broschüre finden Sie auf www.gruenerkreis.at im Bereich geSCHOCKt ... arbeit mit dem „Grünen Kreis“ entwi- Publikationen/Berichte und Sonderdrucke. Der Ratgeber kann ckelt wurde, soll Eltern die Angst vor selbstverständlich auch per Post zugestellt werden. Nützen Sie zur dem ersten Gespräch über Drogen genommen werden. Dabei wird Bestellung bitte die Familien-Hotline des Landes Niederösterreich die unterschiedliche Herangehensweise von Eltern und Kind an das 02742/9005-1-9005. die

PRÄVENTION IM „GRÜNEN KREIS“ Der „Grüne Kreis“ bietet im Rahmen der Suchtprävention – Vorträge – Geleitete Diskussionen – Seminare und Workshops – Coaching – Outdoorveranstaltungen – Mithilfe bei der Gestaltung von Schwerpunktwochen und Stationenmodellen für alle Interessierten im schulischen und betrieblichen Bereich an. Termine erfragen Sie bitte bei: Prävention „Grüner Kreis“ Pool 7, A-1010 Wien, Rudolfsplatz 9 Tel.: +43 (1) 523 86 54-0 Fax: +43 (1) 523 86 54-30 Mobiltel.: +43 (664) 811 16 60 [email protected] www.gruenerkreis.at

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Leserbrief zu „Grüner Kreis“ Magazin Winter 2006: „Krise – Gefahr oder Chance?“ In „schwierigen“ Situationen lernen Diese Ausgabe enthält wieder viele wertvolle Abhandlungen. Dr. Robert Muhr z.B. schreibt, dass ein struktureller Balanceakt notwendig ist, der es PatientInnen ermöglicht, sehr viel in „schwierigen“ Situationen lernen zu können, ohne durch Überforderung krisenhaftes Geschehen zu fördern. Genauso ist es oft am Berg und im täglichen Leben. Leider „stürzen“ im täglichen Leben, sowohl in der Stadt als auch am Land, immer mehr Mitmenschen ab, weil sie Drogen, legale oder illegale, konsumieren. Jamling Tenzing Norgay, der Sohn des Mount Everest Erstbesteigers, schreibt in seinem Buch über seinen Everest Gipfelsieg: „In den Bergen lässt man weltliche Bindung zurück, und, da materielle Ablenkung fehlt, ist man hier für spirituelles Denken offen. Beim Bergsteigen sorgt die Geistesgegenwart, die in gefährlichen Situationen vorhanden ist, wie von selbst dafür, dass wir nicht zerstreut sind, und diese Konzentration erzeugt Achtsamkeit und das Gefühl, vollkommen lebendig zu sein.“ Dieses „Lebendigsein“ ist ein Ziel in der Suchttherapie und wird bei längeren Bergtouren von selbst erreicht. Gerade am Berg, in schwierigen Situationen, entsteht das Bewusstsein, „nicht abstürzen zu wollen.“ Eine klare Entscheidung zum Leben ohne Drogen. Ing. Harald W. Schober [email protected]

grünerkreisPrävention |

Über ein Jahr ist es her, seit dem der „Grüne Kreis“ im Auft rag des Landes Niederösterreich und des AMS NÖ das Projekt „Suchtberatung“ an allen 23 AMS Regionalstellen gestartet hat. Zeit, um Bilanz zu ziehen: 1349 Beratungsgespräche, 358 betreute Personen, davon 288 Betroffene und 70 Angehörige, im Zeitraum von Jänner bis Dezember 2006 bestätigen die Wichtigkeit dieses Angebots. Wir, Nina Reisinger, Sandra Juris und Emmelite Braun-Dallio, das AMS Beraterinnenteam vom „Grünen Kreis“, blicken zurück auf eine arbeitsintensive Zeit mit vielen herzlichen Momenten. An allen AMS Stellen wurden wir freundlich willkommen geheißen und spürten die Freude über ein bisschen Entlastung und Zusammenarbeit. In den letzten Monaten bestärkte sich unser Gefühl, dass sich seitens der AMS LeiterInnen und BeraterInnen die anfängliche Skepsis vor allem durch gute Kommunikation gelöst hat.

nd ch. nd nce,

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ligen Bezirken und Regionen zu vertiefen. Durch regelmäßige Vernetzungstreffen hoffen wir, für das Suchtklientel und dessen Angehörige Angebote zu schaffen, die es erleichtern, sich in Problemsituationen an eine entsprechende Anlaufstelle zu wenden. Informationen rund um die Suchtberatungsstellen in den verschiedenen Bezirken erhalten Betroffene und Angehörige in den „Grüner Kreis“ Informationsständern, die gut sichtbar in allen AMS Stellen zu finden sind. Auch hier planen wir Verbesserungen, die sich hoffentlich durch die Vernetzungsveranstaltungen ergeben werden.

Fragen zum Th

Wunsch und Wirklichkeit – Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr 2006

nker r bietet e.

e m a SU C HT ? Der „Grüne Kr in Niederöste eis“ bietet Beratung rreichs AMS St ellen.

Projekt „AMS Suchtberatung“

Unser Jahresrückblick 2006 zeigt einige positive Ergebnisse. Zum Einen musste in manchen AMS Stellen die Anzahl der Suchtberatungs- Wir sind mit viel Ehrgeiz ins neue Jahr gestartet, immer offen für stunden erhöht werden, da es zusätzliche Buchungen seitens der AMS Anregungen und Verbesserungen, aber auch für konstruktive KriBeraterInnen und LeiterInnen gab. Zum Anderen spüren wir wach- tik seitens unserer KlientInnen, AMS BeraterInnen und AMS Leisendes Vertrauen seitens der KollegInnen des AMS in uns. Natürlich terInnen. Und wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit ist es nicht immer leicht, mit allen BeraterInnen und LeiterInnen sehr im Jahr 2007! guten Kontakt zu halten. Wir haben uns jedoch für kommendes Jahr das Ziel gesetzt, die Kommunikation mit allen AMS Stellen und in TEXT: NINA REISINGER, LEITERIN AMS SUCHTBERATUNG weiterer Folge auch mit anderen sozialen Einrichtungen in den jewei- FOTOS: ARCHIV „GRÜNER KREIS“ BERATUNG UND HILFE Die Beratung steht in den folgenden AMS Stellen anonym und kostenlos zu den angegebenen Zeiten zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Ihre AMS BetreuerInnen oder an die genannten „Grüner Kreis“ Mitarbeiterinnen zur genauen Terminvereinbarung. Ihr „Grüner Kreis“ Beratungsteam Nina Reisinger, DSA Projektleitung AMS Suchtberatung Mobiltel.: (664) 811 16 71 [email protected] Sandra Juris, DSA Mobiltel.: (664) 180 97 09 [email protected] Emmelite Braun-Dallio, Dipl. Suchtberaterin, Akad. Sozialtherapeutin Mobiltel.: (664) 384 08 25 [email protected] Weiterführende Informationen finden Sie auch auf www.gruenerkreis.at unter Spezialkonzepte/AMS-Programm.

AMS Zweigstelle

Beratungszeit

Amstetten

Do 09:30–11:30, monatlich

„Grüner Kreis“ Beraterin Nina Reisinger

Baden

Di 10:00–13:00, wöchentlich

Sandra Juris

Berndorf

Mo 09:30–15:30, 14-tägig, gerade Wochen

Emmelite Braun-Dallio

Bruck/Leitha

Di 10:00–14:00, 14-tägig, ungerade Wochen

Emmelite Braun-Dallio

Gänserndorf

Fr 09:00–12:00, 14-tägig, gerade Wochen

Sandra Juris

Gmünd

Mi 10:00–12:00, monatlich

Nina Reisinger

Hollabrunn

Mo 09:00–12:00, 21-tägig

Sandra Juris

Horn

Mo 09:00–11:30, 14-tägig, ungerade Wochen

Nina Reisinger

Korneuburg

Mo 12:00–14:00, 21-tägig

Sandra Juris

Krems

Mi 12:30–15:30, monatlich

Nina Reisinger

Lilienfeld

Mo 08:30–11:30, 14-tägig, gerade Wochen

Nina Reisinger

Melk

Mo 12:30–15:00, 14-tägig, gerade Wochen

Nina Reisinger

Mistelbach

Fr 10:00–12:00, 14-tägig, ungerade Wochen

Sandra Juris Nina Reisinger

Mödling

Mi 09:00–13:00, 14-tägig, gerade Wochen

Neunkirchen

Fr 10:00–14:00, wöchentlich

Emmelite Braun-Dallio

Scheibbs

Fr 09:00–12:00, wöchentlich

Nina Reisinger

Schwechat

Di 10:00–14:00, 14-tägig, gerade Wochen

Nina Reisinger

St. Pölten

Mi 10:00–13:00, 14-tägig

Sandra Juris

Tulln

Mo 09:00–11:00, 21-tägig

Sandra Juris

Waidhofen/Thaya

Mi 13:00–15:00, monatlich

Nina Reisinger

Waidhofen/Ybbs

Di 09:30–11:30, 14-tägig, ungerade Wochen

Nina Reisinger

Wiener Neustadt

Do 09:00–15:00, wöchentlich

Emmelite Braun-Dallio

Zwettl

Mi 09:00–11:30, monatlich

Nina Reisinger

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grünerkreisWissenschaft

BA-CA Landesdirektor Steiermark Hansjörg Langer, Mag. Dr. Human Friedrich Unterrainer und Rektor Univ.Prof. Dr. Alfred Gutschelhofer bei der Verleihung des BA-CA Forschungspreises 2006.

ARS Addiction Research Society Die Forschungsvorhaben im Jahr 2007 Seit Juli 2000 initiiert der Verein „Addiction Research Society (ARS) – Verein zur Erforschung von Abhängigkeitserkrankungen“ mit Sitz in Graz Studien und Forschungsprojekte über pathophysiologische, sozialpsychiatrische und psychologische Aspekte von Sucht und Abhängigkeitserkrankungen. Wissenschaft liche Erkenntnisse über Ursache, Begleiterscheinungen und Folgen sowie die Entwicklung und Evaluation neuer Diagnose- und Therapieansätze sind vorrangiges Ziel. Der „Grüne Kreis“, vertreten durch Dir. Alfred Rohrhofer, und Experten aus dem medizinisch-universitären Bereich wie Univ.Prof. Dr. Peter Liebmann, Medizinische Universität Graz, und Univ.Prof. DDr. Michael Lehofer, Landeskrankenhaus Sigmund Freud, haben ARS gegründet und sind im Vorstand des Vereins vertreten. Zu den Mitgliedern von ARS zählt eine Reihe weiterer ExpertInnen unterschiedlicher Professionen, deren heterogener beruflicher Hintergrund es ermöglicht, die vielschichtige Problematik von Abhängigkeitserkrankungen von unterschiedlichen Perspektiven aus zu beleuchten und so ideale Rahmenbedingungen für zielführende, den PatientInnen dienende Forschungsarbeit zu schaffen. In den vergangenen Jahren gelang es ARS immer wieder, interessante Forschungsergebnisse zu erzielen und diese durch Publikationen in renommierten wissenschaft lichen Journalen der Fachwelt zugänglich zu machen.

Diese euphorischen Zustände sind es oft, die von Suchtkranken durch den Missbrauch von Substanzen wie Heroin herbeigeführt werden und sie in einem Teufelskreis der Abhängigkeit fesseln. Für ARS war es nun von Interesse, das endogene Opioidsystem suchtkranker PatientInnen genauer unter die Lupe zu nehmen, um etwaige Unterschiede in dessen Funktion im Vergleich zu gesunden Personen festzustellen. Hintergedanke dieses Vergleiches war unter anderem die Vermutung, es könnte eine Störung dieses körpereigenen Systems vorliegen, die bestimmte Menschen anfälliger für Suchterkrankungen macht, als es solche mit „normalem“ endogenen Opioidsystem sind. Tatsächlich wurde diese Vermutung durch die von ARS mit KlientInnen des „Grünen Kreises“ durchgeführten Studien erhärtet. Wie berichtet wurden auch Studien zur Funktion des körpereigenen Dopaminsystems durchgeführt, die ebenfalls höchst interessante Ergebnisse gebracht haben.

Auch für das heurige Jahr hat sich ARS auf dem Gebiet der Erforschung der Pathomechanismen und psychologischen Hintergründe von Abhängigkeitserkrankungen einiges vorgenommen. Einerseits wird ein Schwerpunkt auf die Erforschung diverser molekularer Einflussfaktoren auf die Entstehung und Aufrechterhaltung von SuchterkranSo war beispielsweise das endogene Opioidsystem und dessen Ein- kungen gesetzt, andererseits soll die psychologische Ebene der Sucht fluss auf Suchtverhalten in den letzten Jahren Gegenstand intensiver näher beleuchtet werden. Forschung. Opiate werden aus der Milch des Schlafmohns (Papaver somniferum) gewonnen; zu ihnen zählen unter anderem Morphin Auf der molekularen Ebene ist das Dopaminsystem an der Entstehung und Codein, zwei wichtige Substanzen zur Schmerzbekämpfung und und Aufrechterhaltung der Sucht beteiligt, weshalb dieses auch 2007 Mitbehandlung von Atemwegserkrankungen. Heroin ist ein synthe- wieder Gegenstand intensiver Forschungsarbeit sein wird. Dopamin tisches Opiat, das anfänglich als Ersatz für Codein in Hustensäften gehört zu den sogenannten Katecholaminen, einer wichtigen Gruppe eingesetzt wurde, da Codein ja süchtig macht. Der Name Heroin als von Botenstoffen, zu denen auch Adrenalin und Noradrenalin gehört. heroische Substanz geht auf die fälschliche Annahme zurück, dass es Dopamin wird in bestimmten Gehirnregionen bei Verabreichung eine therapeutisch hochwirksame Substanz ohne Nebenwirkungen sei. von Drogen unterschiedlichster Art vermehrt freigesetzt und steht Bald wurde diese fatale Fehleinschätzung erkannt und Heroin nicht mit dem bei Drogenmissbrauch erlebten Gefühl des „high“ in engem mehr therapeutisch eingesetzt. Der Körper selbst bildet opiatähnliche Zusammenhang. Störungen in der Produktion, Ausschüttung oder Substanzen, die endogenen Opioide. Das endogene Opioidsystem trägt „Weiterverarbeitung“ dieses Botenstoffes werden als eine der Ursachen viel zum „sich Wohlfühlen“ bei und wird unter anderem durch positive gesehen, warum Suchtkranke trotz offensichtlich negativer Folgen Erlebnisse, durch Leistungen, aber auch in Notfallssituationen und bei immer wieder zum Suchtmittel greifen. Dieses Jahr wird sich ARS bestimmten körperlichen Anstrengungen („runners high“) aktiviert. FORTSETZUNG AUF SEITE 27

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Kunst und Kreativität im „Grünen Kreis“: Bilanz und Jahreshoroskop 2007 12,2 Millionen Google Einträge zum Suchbegriff Kreativität, gar 179 Millionen Einträge zum Begriff Kunst, bei 15 von 20 zufällig ausgewählten Stellenangeboten ist neben der Teamfähigkeit und Belastbarkeit die Kreativität eine unbedingte Bewerbungsvoraussetzung und praktisch jedes Unternehmen beschreibt sich in der Selbstdarstellung als innovativ, leistungsorientiert und natürlich als: kreativ. Kreativ im Umgang mit den KundInnen, kreativ im Umgang mit den MitarbeiterInnen, der Unternehmensentwicklung, den Anforderungen der Zukunft ... Wie ich also den Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen entnehme, ist Kunst ein betriebswirtschaft liches Erfolgsinstrument und Kreativität ziemlich in. Doch welche Kreativität ist da gemeint? Erstaunlicherweise wird der Begriff auf den Kunst- und Kulturseiten viel vorsichtiger und sparsamer verwendet.

Arbeitsprozess erfolgreich abzuschließen. Dies alles sind Grundvoraussetzungen für Kreativität und für die Gestaltung und Organisation der Kunstprojekte in den Betreuungshäusern Der „Grüne Kreis“ vermeidet in seinen Pub- des Vereins im Jahr 2007. likationen einen inflationären Umgang mit Schlagwörtern. Der Begriff Kunst findet sich In diesem Jahr geplant sind Theater- und Fobei der Beschreibung der Grundsäulen des toworkshops, Holzbildhauerei, eine Schreibtherapeutischen Konzepts. Die dritte Säu- werkstatt, die Produktion von Klangskulple, die gleichwertig neben der Arbeits- und turen und einer Klang-CD und Kreativtage Psychotherapie steht, wird zum Erlernen von kunstals „Aktive Freizeit“ bezeichhandwerklichen Techniken wie z.B. Siebdruck. Um die net. Ziel dabei ist es, dass Sport- und FreizeitaktiviQualität der Kunstprojekte täten, Kunst und kulturelle abzusichern, kooperieren wir Angebote soziales Lernen mit professionellen Künstleermöglichen und dazu beitragen, die aktive rInnen, die in ihrer Arbeit soziale Aspekte mit und lustvolle Erlebnisfähigkeit der Patien- einem künstlerischen Anliegen verbinden. Im tInnen zu entwickeln und zu fördern. Ausstellungs- und Verkaufslokal Pool 7 am Rudolfsplatz 9 in Wien werden die interessanDeshalb werden im „Grünen Kreis“ Kunstpro- testen Arbeiten aus den Workshops öffentlich jekte organisiert, deshalb versuchen Künstle- präsentiert und zum Verkauf angeboten. rInnen im Rahmen von Workshops künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten zu vermitteln, Wir freuen uns über jede Form Ihrer ungewöhnliche Handwerkstechniken zu lehUnterstützung von „Kunst im Grünen ren, Neugierde zu wecken und Wissen zu verKreis“, sei sie nun finanziell oder materimitteln. In Teamarbeit werden gemeinsame ell, und über Ihren Besuch in Pool 7! Näheres finden Sie auf www.gruenerkreis.at Produkte, Objekte oder Theaterauff ührungen und www.pool7.at oder kontaktieren Sie erarbeitet und wird die passende Form [email protected] den. Zentral dabei: das voneinander Lernen, die Offenheit für andere, für Ideen und Vorschläge und die Erfahrung, dass ohne Ausdauer und KURT NEUHOLD, LEITER KUNST UND KREATIVITÄT Anstrengung nichts gelingt und dass es lust- TEXT: IM „GRÜNEN KREIS“ voll und befriedigend ist, einen langwierigen FOTOS: KURT NEUHOLD

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besonders der näheren Erforschung der Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin widmen, jener Strukturen also, die für die Aufnahme dieses Neurotransmitters zuständig sind. Man unterscheidet verschiedene Arten von Dopaminrezeptoren, die charakteristisch im Organismus und besonders im Gehirn verteilt sind. Veränderungen dieser Verteilung könnten Hinweise auf das Risiko eines Rückfalls und den Therapieverlauf im Allgemeinen geben. In diesem Zusammenhang sind auch die bei Drogenmissbrauch festzustellenden Veränderungen im Immunsystem, wie erhöhte Infektanfälligkeit und eine verminderte Reaktion von Zellen der Immunabwehr auf stimulierende Reize, von großem Interesse, da Dopaminrezeptoren auch in Zellen der Immunabwehr gebildet werden. So möchte ARS auch der Frage nachgehen, ob die Veränderungen im Rezeptormuster bei Suchtkranken für deren Störungen in der Immunabwehr mitverantwortlich sind.

Prognoseparameter bei Suchtkranken, aber auch in der Früherkennung von Abhängigkeitserkrankungen Anwendung finden könnte. Als weiteres Projekt von ARS kann die Forschungsarbeit von Mag. Dr. Human Friedrich Unterrainer angeführt werden. Dr. Unterrainer ist Klinischer Psychologe und im therapeutischen Leitungsteam der Einrichtung Johnsdorf. Er hat kürzlich ein Buch mit dem Titel „Spiritualität & Sucht – Glaube als Ressource in der Alkoholismustherapie“ publiziert (zu beziehen über [email protected]). Aufbauend auf die in diesem Buch beschriebenen Ergebnisse führt er momentan ein weiterführendes Projekt mit dem Arbeitstitel „Spiritualität & psychische Erkrankung“ in Johnsdorf und an der Uni-Klinik für Psychiatrie in Graz durch. Dies wurde mit dem BA-CA Forschungspreis 2006 bedacht. Ergebnisse der Untersuchung können auch von ARS im interdisziplinären Rahmen diskutiert und auf Möglichkeiten der Implementierung in das Behandlungskonzept des „Grünen Kreises“ geprüft werden.

Ein Schwerpunkt für 2007 wird es sein, diverse die Sucht modulierende Persönlichkeitseigenschaften und -merkmale herauszufi ltern. So besteht möglicherweise für impulsiv handelnde, risikobereite Menschen Insgesamt wartet also ein buntes Programm an Projekten auf Verwirklieher die Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung, da chung und ARS freut sich darauf, durch die Zusammenarbeit von Experdiese weniger an die Konsequenzen ihrer Handlungen denken und sich tInnen verschiedenster Sparten und dem „Grünen Kreis“ den Ursachen weniger die mit ihren Handlungen in Verbindung stehenden Gefahren von Suchterkrankungen wieder einen Schritt näher zu kommen. bewusst machen. Diese Persönlichkeitsstrukturen können nun einen DR. GEORG STEINDL, MAG. DR. HUMAN FRIEDRICH UNTERRAINER, genetischen, also im Erbgut der jeweiligen Person verankerten und TEXT: UNIV.PROF. MAG. DR. PETER M. LIEBMANN, ARS FORSCHUNGSTEAM somit festgeschriebenen Hintergrund haben – eine Tatsache, die als FOTO: MAG. DR. HUMAN FRIEDRICH UNTERRAINER

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Der Tanz der Kettensägen oder

Holzskulpturen mit Pflanzenschmuck In der angeblich stillsten Zeit des Jahres, Lasuren und Ölen im Advent 2006, dröhnten am Meierhof bearbeitet, bei andie Motorsägen und Motorfräsen im Duett deren blieb das Holz und Terzett. Bei Sonnen- naturbelassen. schein und für die Jahreszeit ungewöhnlich Das Arbeiten mit den Baumstämmen und milden Temperaturen Holzbearbeitungsmaschinen ist körperlich bearbeiteten die Män- anstrengend und kräfteraubend, es erfordert ner vom Meierhof un- technisch-handwerkliches Geschick, Kreativiter der fachkundigen tät und Ausdauer. Diese Arbeitserfahrungen bei einem Kreativworkshop zu machen, Leitung des Holzbildhauers Gerhard Fousek soll helfen, einen konstruktiven Umgang rohe Baumstämme. mit ungewohnten Herausforderungen Mit Sägen, Fräsen, und Anstrengungen zu erlernen. Ein Stemmeisen, Bohrer wichtiger Aspekt dabei ist das Arbeiten und Hammer fabriim Team. Deshalb wurden die Prozierten sie ungewöhndukte gemeinsam entwickelt, nur mit liche Blumentröge und gegenseitiger Hilfestellung konnte mit Pflanzenbehälter, die in den schweren Holzstücken hantiert und mit den Maschinen effektiv gearZukunft als Prototypen für die weitere Produktion in der Holzwerkstatt dienen beitet werden. Gefördert wurden diese sollen. Prozesse durch die umsichtige Workshopleitung von Gerhard Fousek, der Der Workshop wurde im Rahmen der Promit viel Gelassenheit, Einfühlungsverjektreihe „Kunst im Grünen Kreis“ organisiert. mögen und technischem Know How für jedes Somit bestand der Anspruch, jedes Objekt Problem die passende Lösung fand. wie eine Skulptur zu gestalten, die auch ohne Pflanzenschmuck präsentiert werden kann. Die Zielvorgabe, die Objekte in den BetreuAusgehend von den Besonderheiten des Mateungshäusern, der Gärtnerei, bei Pflanzenrials, der Form, Maserung und Stärke der märkten und in Pool 7 auszustellen, Stämme, wurden die Entwürfe zu nutzen und zu verkaufen, hob die und Ideen für die HolzobMotivation und stärkte das Selbstbejekte gemeinsam erarbeiwusstsein der kreativen „Kunsthandwerker“ tet und unterschiedliche vom Meierhof. Sollten Typen für die weitere Produktion entwickelt. Mit Sie Interesse an diesen Motorsägen und Fräsen bearbeiteten die originellen Pflanztrögen „Holzbildhauer“ die großen Stämme, kleinere haben oder einfach nur neugierig sein, wenden Hölzer wurden zerschnitten und danach zu Sie sich an Pool 7 unter [email protected] größeren Formen verschraubt bzw. verleimt. Die Wannen und Hohlräume, die mit Pflanzenerde gefüllt werden, wurden mit Teerpap- TEXT UND FOTOS: KURT NEUHOLD, LEITER KUNST UND pe abgedichtet. Einige Objekte wurden mit KREATIVITÄT IM „GRÜNEN KREIS“

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Kunst & Kreativität im „Grünen Kreis“ Pool 7 A-1010 Wien, Rudolfsplatz 9 Tel.: (1) 523 86 54-0 Fax: (1) 523 86 54-30 Mobiltel.: (664) 384 02 83 [email protected] www.pool7.at

grünerkreisCatering |

„Grüner Kreis“ Catering: ein Vorzeigeprojekt „Grüner Kreis“ Magazin: Das „Grüner Kreis“ Catering, ein sozialökonomisches Projekt, das Sie, Herr Tockner, leiten, entwickelte sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Klaus Tockner: „Ja, denn wir bieten ein professionelles Cateringservice an. Unsere KundInnen bestellen von der Seminarverpflegung bis hin zum Galabuffet alles Erdenkliche. Caterings für mehrere Hundert Gäste sind für uns keine Seltenheit. Die PatientInnen haben die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeitstherapie von der Planung bis zur Umsetzung der Veranstaltung aktiv unter professioneller Anleitung mitzuarbeiten. „Grüner Kreis“ Magazin: Sind Ihre KundInnen denn mit Ihrer Leistung zufrieden? Klaus Tockner: Scheinbar ja, denn seit drei Jahren nimmt die Auft ragslage konstant zu. Der Kreis der StammkundInnen wächst von Jahr zu Jahr. In vielen eMails und Briefen an unser Team bedanken sich unsere KundInnen. Da wir kaum Werbung für unser Cateringservice betreiben, vermute ich, dass die Mundpropaganda recht gut funktioniert, auch ein Anzeichen für zufriedene KundInnen. „Grüner Kreis“ Magazin: Seit Herbst 2006 bieten Sie auch Produkte aus biologischem Anbau und Produkte mit dem „fair trade Gütesiegel“ an. Wie nehmen Ihre KundInnen diese Qualitätssteigerung auf? Klaus Tockner: Sehr gut, trotz des ein wenig höheren Preises. Es ist schön zu sehen, dass sich ökologisches und sozial verantwortliches Denken und wirtschaft liches Arbeiten nicht ausschließen müssen und dies von unseren KundInnen geschätzt wird. „Grüner Kreis“ Magazin: Sind die PatientInnen des „Grünen Kreises“ mit der Arbeit zufrieden?

Klaus Tockner: Eigentlich ja. Es kommt natürlich in Stresssituationen und arbeitsintensiven Zeiten immer wieder zu Überforderungen. Hier ist dann vorrangig, diese Situationen zu besprechen und zu lösen. In erster Linie stehen natürlich die PatientInnen mit ihren „Grüner Kreis“ Magazin: Was waren Ihre Bedürfnissen im Mittelpunkt. Immer wieder schönsten Momente im Cateringjahr 2006? schön zu sehen, ist die Zufriedenheit der Pati- Klaus Tockner: Schöne Momente gab es viele, entInnen, wenn Sie große Auft räge meistern eigentlich jedes Mal, wenn ein Auft rag gut und unsere KundInnen begeistert sind. Das über die Bühne ging. Besonders positiv finstärkt ihr Selbstwertgefühl. de ich spontane Rückmeldungen von Gästen. Manche befragen mich über die Arbeit des „Grüner Kreis“ Magazin: Beeinflusst die Ar- „Grünen Kreises“ und sind dann erstaunt zu beit im Cateringbereich auch die Zukunfts- erfahren, dass alle anwesenden MitarbeiterInnen PatientInnen einer stationären Suchtplanung der PatientInnen? Klaus Tockner: Das Interesse, nach Abschluss therapie sind. So funktioniert Integration in der stationären Therapie einen Transitarbeits- den Arbeitsmarkt wirklich. Ein besonderes platz im Cateringbereich zu bekommen, steigt. Highlight im Jahr 2006 war das Catering von Momentan arbeiten vier Personen in diesem „Licht für die Welt“, wo unser Team unseren „geschützten Rahmen“. Weitere Anfragen von Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer PatientInnen gibt es bereits und ich hoffe, dass kennen lernen durfte. unsere Auft ragslage weiterhin gut bleibt, um auch ihnen eine Transitanstellung zu ermög- „Grüner Kreis“ Magazin: Verraten Sie uns lichen. Einige PatientInnen, die noch über Ihre Wünsche für 2007? keine Berufsausbildung verfügen, möchten Klaus Tockner: Persönlich hoffe ich, dass sich in diesem Bereich weiter arbeiten. Über eine der Bereich Catering in der Arbeitstherapie therapiebegleitende Ausbildung wird zur Zeit weiterhin so gut entwickelt. Wir nehmen uns vor, auch nächstes Jahr wieder besonderes intensiv nachgedacht. Augenmerk auf beste Qualität und perfektes „Grüner Kreis“ Magazin: Welche Unter- Service zu legen. Und natürlich wünsche ich schiede gibt es zwischen dem „Grüner Kreis“ uns viele Auft räge, bei denen wir unser Können unter Beweis stellen dürfen. Catering und anderen AnbieterInnen? Klaus Tockner: Für mich ist entscheidend, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. „Grüner Kreis“ Magazin: Danke für das Ich möchte nicht, dass sich unsere Arbeit Gespräch und natürlich drücken wir die allein dadurch auszeichnet, dass Sie von Daumen ... PatientInnen durchgeführt wird. Die Qualität muss stimmen, das Service unsere Kun- Übrigens, Klaus Tockner erreichen Sie unter dInnen zufriedenstellen. Mit unserem Angebot (664) 651 83 43 oder [email protected] können wir gut mit anderen AnbieterInnen INTERVIEW: DR. BRIGITTE WIMMER, LEITERIN mithalten und brauchen keinen Vergleich ÖFFENTLICHKEITSARBEIT zu scheuen. FOTO: KLAUS TOCKNER

VIELE ZUFRIEDENE KUNDINNEN SCHÄTZEN DAS CATERING DES „GRÜNEN KREISES“ ABZ Wien – Arbeit Bildung Zukunft Wien AK Arbeiterkammer Wien Armutskonferenz AUVA – Projekt „Aktion 3“ Best Institute für Berufsbezogene Weiterbildung Beratungszentrum Migrant Bewährungshilfe Neustart Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Bundesministerium für Gesundheit und Frauen die partner.at Fa. Alois Swoboda Fa. Dworak Zdenko

Fa. Luckerbauer Fa. Pittel und Brausewetter Fa. Wedl Freiraum Wien FSW Fonds Soziales Wien Gebietsbetreuung 17./18. Bezirk Wien Grüne Bildungswerkstätte Haus am Mühlengrund Hebebühne Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Institut für Ehe- und Familienberatung Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung Kollegium Kalksburg

Kreativwerkstatt „Würfel“ Licht für die Welt MA 18 Wien Museumsquartier Marketing/Communication Museumsquartier Tanzquartier NONLILLY ÖSB – Consulting GmbH Österreichischer Bauernbund Österreichische Gesellschaft für Politikwissenschaft Österreichisches Orgelforum Österreichwerbung Porr AG Projektassistenz Interdisk

Radio Orange 94.0 PR Verein Kinderreich Verein für Psychotherapie Verein „Wobes“ Volkshilfe Wiener Krankenanstaltenverbund Wiener Schule für Kunsttherapie Wiener Seniorenbüro WUK WZW Wissenschaftszentrum Wien ZIT Zentrum für Innovation und Technik ZSI Zentrum für Soziale Innovation

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Erste Hilfe Kontakt Zentralbüro A-2872 Mönichkirchen 25 Tel.: (2649) 83 06 Fax: (2649) 83 07 eMail: [email protected] Web:www.gruenerkreis.at Ambulantes Betreuungszentrum A-1070 Wien, Hermanngasse 12 Tel.: (1) 526 94 89 Fax: (1) 526 94 89-4 eMail: [email protected] Ambulantes Betreuungszentrum A-8020 Graz, Sterngasse 12 Tel.: (316) 76 01 96 Fax: (316) 76 01 96-40 eMail: [email protected] Ambulantes Betreuungszentrum A-9020 Klagenfurt, Feldmarschall Konrad-Platz 3 Tel.: (463) 59 01 26 Fax: (463) 59 01 27 eMail: [email protected] Büro Linz A-4020 Linz, Sandgasse 11 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Werner Braun, MSc Leitung der Vorbetreuung Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg Mobiltel.: (664) 230 53 12 eMail: [email protected] AMS Suchtberatung durch Nina Reisinger Projektleitung AMS Suchtberatung Mobiltel.: (664) 811 16 71 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Emmelite Braun-Dallio Wien, NÖ, Burgenland, Justizanstalten Wien, NÖ AMS Suchtberatung Mobiltel.: (664) 384 08 25 eMail: [email protected]erkreis.at Vorbetreuung durch Sandra Juris Landesgericht Wien AMS Suchtberatung Mobiltel.: (664) 180 97 09 eMail: [email protected]

Vorbetreuung durch Sabine Rößler Wien Mobiltel.: (664) 811 16 67 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Walter Clementi Wien, Niederösterreich, Burgenland Mobiltel.: (664) 384 08 27 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Karin Petrovic Leitung Ambulantes Betreuungszentrum Graz Steiermark Mobiltel.: (664) 384 08 26 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Agnes Szilveszter Steiermark Mobiltel.: (664) 811 16 73 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Günther Gleichweit Steiermark Mobiltel.: (664) 524 79 91 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch MMag a. Magdalena Zuber Leitung Ambulantes Betreuungszentrum Klagenfurt Kärnten, Osttirol Mobiltel.: (664) 384 02 80 eMail: [email protected]

Vorbetreuung durch Veronika Kuran Oberösterreich, Büro Linz Mobiltel.: (664) 910 00 05 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Konrad Endres Oberösterreich Mobiltel.: (664) 811 16 65 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Richard Köppl Salzburg Mobiltel.: (664) 811 16 68 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Christian Rath Vorarlberg, Tirol Mobiltel.: (664) 310 94 37 eMail: [email protected] Vorbetreuung durch Susanne Fessler-Rojkowski Tirol Mobiltel.: (664) 811 16 75 eMail: [email protected] Öffentlichkeitsarbeit durch Dr.Brigitte Wimmer Mobiltel.: (664) 210 33 69 eMail: [email protected] Fundraising durch Dipl.Kfm.(FH) David Gottschling Mobiltel.: (664) 811 16 64 eMail: [email protected]

Verein zur Rehabilitation und Integration suchtkranker Personen www.gruenerkreis.at