Instrumente des Kreditrisikotransfers im - Walder Wyss

Instrumente des Kreditrisikotransfers im - Walder Wyss

SZW/RSDA 5/2009 323 Instrumente des Kreditrisikotransfers im schweizerischen ­Banken­aufsichtsrecht Von Dr. iur. et lic. rer. pol. Christian Staub ...

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Instrumente des Kreditrisikotransfers im schweizerischen ­Banken­aufsichtsrecht Von Dr. iur. et lic. rer. pol. Christian Staub

The modern instruments of Credit Risk Transfer (CRT) have been in the spotlight since the beginning of the credit crisis. This article describes the banking regulatory framework for CRT in Switzerland. It presents the basic characteristics of CRT instruments (credit derivatives and securitisation instruments) and their regulation in Swiss supervisory banking law. The Swiss regulation is, with a few exceptions, based on the provisions of Basel II. Relevant for CRT instruments are the respective provisions on regulatory capital, risk distribution and risk management. The regulation of credit derivatives differs depending whether the instruments are held in the banking

or the trading book and whether the bank is buyer or seller of (credit risk) protection. The regulation of securitisation instruments refers to the Basel IIframework for securitisations in its entirety. Reforms in the wake of the credit crisis are under way and will, by means of implementation of the relevant international standards, also affect Swiss regulation. While fundamental principles that underlie the Basel II-framework (external ratings and internal risk assessments by banks) are critisised, no alternatives are in sight. Increases in regulatory capital and a more intense supervision of banks are the measures of choice at the moment.

Inhaltsübersicht

IV. Würdigung 1. CRT-Instrumente und die Kreditkrise 1.1 Risikoentstehung 1.2 Risikoübertragung 1.3 Risikoübernahme 1.4 Risikobewirtschaftung 2. Reformbestrebungen 3. Fazit

I. Grundlagen 1. Ausgangslage und Problemstellung 2. Kreditrisikotransfer 2.1 Begriffe 2.2 Der Markt für Kreditrisikotransfer 2.3 Kreditderivate 2.4 Verbriefungsinstrumente 3. Relevante Grundzüge des schweizerischen ­Bankenrechts 3.1 Eigenmittelvorschriften 3.2 Risikoverteilungsvorschriften 3.3 Vorschriften über das Risikomanagement II. Kreditderivate 1. Frühe Regulierung 2. Kreditrisikominderung 2.1 Ausgangslage und Grundlagen 2.2 Anforderungen 2.3 Eigenmittelentlastung 2.4 Risikoverteilung und -management 3. Kreditrisikoübernahme 4. Kreditderivate im Handelsbuch III. Verbriefungsinstrumente 1. Grundlagen 1.1 Frühe Regulierung 1.2 Schweizerische Regulierung 1.3 Das Basel II-Regelwerk 2. Verbriefung von eigenen Kreditpositionen 2.1 Traditionelle Verbriefungen 2.2 Synthetische Verbriefungen 3. Verbriefungspositionen 3.1 Grundlagen 3.2 Standardansatz 3.3 IRB-Ansatz 3.4 Verbriefungspositionen im Handelsbuch 4. Aufsichtliches Überprüfungsverfahren und Marktdisziplin

I. Grundlagen 1. Ausgangslage und Problemstellung Im Herbst 2007 fanden vorher nur Spezialisten bekannte Begriffe wie CDS, MBS oder CDO quasi über Nacht Eingang in die Tagespresse und den Wortschatz von Anlegern weltweit. Mit der zu diesem Zeitpunkt gerade beginnenden «Subprime»oder Kreditkrise an den Finanzmärkten brachten es die modernen Instrumente des Kreditrisikotransfers rasch zu einer, wenn auch zweifelhaften Bekanntheit.1 Die Ursachen der Kreditkrise sind insgesamt

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Mit dem Begriff «Subprime» werden US-amerikanische Hypotheken bezeichnet, die eine schlechte Schuld­ nerqualität aufweisen. Zwischen 2003 und 2006 wurden solche Hypotheken in grosser Zahl vergeben. Ab Anfang 2007 erhöhten sich die Ausfälle auf diesen Produkten. Diese Ereignisse standen am Anfang einer Entwicklung, die zu der wohl grössten Finanzmarktkrise in der Geschichte führen sollte: Die notwendigen Wertberichtigungen von Banken und Versicherungen überstiegen per Ende 2008 USD 1000 Mrd., die Börsenkapitalisierung des ­Finanzsektors sank weltweit um USD 5500 Mrd. Die Krise an den Finanzmärkten wird zudem als Auslöser

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vielfältig.2 In die allgemeine Kritik gerieten neben den Marktteilnehmern auch die Aufsichtsbehörden und die Regulierung. Die nachfolgenden Ausführungen stellen die rechtlichen Rahmenbedingungen des Kreditrisikotransfers im schweizerischen Bankenauf­ sichtsrecht dar. 2. Kreditrisikotransfer 2.1 Begriffe Art. 36 der Eigenmittel­verordnung3 definiert Kreditrisiko als «die Gefahr eines Verlustes […], der da­durch entsteht, dass: (a.) eine Gegen­par­tei ihren vertrag­lich vereinbarten Ver­pflich­­tungen nicht nach­ kommt; oder (b.) sich der Wert von Finanzinstru­ menten vermindert, die von einer Drittpartei ausgegeben wurden, namentlich von Be­te­iligungstiteln, Zinsinstrumenten oder Anteilen von kollektiven Kapitalanlagen.»4 Unter dem Begriff Kreditrisikotransfer (Credit Risk Transfer, CRT) sollen im Folgenden Instrumente und Methoden verstanden werden, die es einer Partei erlauben, Kreditrisiken an eine andere Partei zu übertragen. Davon abzugrenzen ist die Kreditsicherung, bei der zur Haftung der Gegenpartei entweder weiteres Haf­tungs­substrat (Real­sicherheit) oder ein weiteres Haftungssubjekt (Perso­nal­­sicherheit) hinzutritt.5

2.2 Der Markt für Kreditrisikotransfer Traditionellerweise war das Kreditgeschäft von Banken dominiert. Mit der Syndizierung und den ersten Verbriefungstrans­aktionen wurden aber Anfang der 1970er-Jahre Instrumente und Me­tho­den eingeführt, die zu einer ste­tigen Disintermedia­tion des Kreditgeschäftes geführt haben.6 Neben Banken sind insbesondere Hedge Funds, Versicherungsunternehmen (inklusive Rück­versiche­run­gen und spezialisierten Kreditver­siche­rungs­gesellschaften, sog. Monolines), Anlagefonds und weitere institu­tionelle Investo­ren in diesem Markt aktiv. Die Märkte für Kreditrisiken haben ein enormes Wachstum erlebt: So hat sich etwa das Transaktionsvolumen von Kreditderiva­ten gemäss Umfragen zwischen 1996 und 2006 verhundertfacht.7 Die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten von CRT-Instrumenten sind gemäss Umfragen das Handelsgeschäft, die Absicherung (Hedging), das Kreditportfoliomanagement sowie die Optimierung des regulatorischen Eigenkapitals, bei Verbriefungs­ instrumenten zusätzlich die Finanzierungsmöglichkeit.8 Aus Investoren­sicht ermöglichen CRT-Instrumente eine Investitionsmöglichkeit in Anlagen, die sonst nicht oder nur schwer zugänglich wären.9

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einer weltweiten Rezession angesehen, die sich ab dem Sommer 2008 akzentuierte. Vgl. dazu etwa Whalen Christopher R., The Subprime Crisis – Cause, Effect and Consequences, Networks Financial Institute Policy Brief No. 2008-PB-04, Terre Haute 2008. Verordnung vom 29. September 2006 über die Eigenmittel und Risikoverteilung für Banken und Effektenhändler (ERV, SR 953.03). Dieser Kreditrisikobegriff beschränkt sich demnach nicht nur auf mögliche Verluste aus dem Kreditgeschäft. Vielmehr sind in den vertraglich vereinbarten «Verpflichtungen» auch andere Rechtsgeschäfte, wie etwa offene Handels- oder Derivatepositionen enthalten. Mit der Nen­nung der Finanzinstrumente werden auch Risiken abgedeckt, die nicht auf eine vertragliche Beziehung zurückgehen, womit Gegenparteirisiken in ihrer Gesamtheit angesprochen sind. Emch Urs/Renz Hugo/Arpagaus Reto, Das Schweizerische Bankgeschäft, 6. A., Zürich/Basel/Genf 2004, N 969. Der Kreditgeber sieht sich hier anderen Risiken ausgesetzt, etwa dass die Sicherheit nicht durch­setz­bar oder nicht wert­haltig ist.

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Banken arbeiten heute im Kreditgeschäft zunehmend nach dem «originate and distribute»-Modell: Kreditrisiken werden nicht mehr bis zur Rück­zahlung des Kredits auf den eigenen Büchern ge­halten, sondern mit CRT-Instrumen­ten an andere Kapital­markt­akteure weiter­gegeben, vgl. etwa BIS, Credit Risk Transfer – Report Submitted by a Working Group Established by the Committee on the Global Financial System, Basel 2003, 4. British Bankers’ Association, BBA Credit Derivatives Report 2006, London 2006, 5. In der Folge der Kreditkrise sind die Markt­vo­lu­men zurückgegangen. So sank das Volumen von Credit Default Swaps als wichtigste Art von Kredit­deri­va­ten im ersten Halbjahr 2008 zum ersten Mal überhaupt, vgl. BIS, OTC Derivatives Market Activity in the First Half of 2008, Basel 2008, 1. British Bankers’ Association (zit. Fn. 7), 31. Zur Eigenmitteloptimierung setzen Banken Kreditderivate dann ein, wenn sie Kredite im Verhältnis zum ökonomischen Risiko mit zu hohen Eigenmitteln unterlegen müssen. Anlagen in Kreditrisiken sind vor allem auch wegen der geringen Korrelation ihrer Wertentwicklung im Vergleich zu anderen Anlagen wie etwa Aktien, Rohstoffe oder Immobilien interessant.

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2.3 Kreditderivate Als Derivate bezeichnet man vertraglich geregelte Terminkontrakte, deren Bewer­tung von der Ent­ wicklung mindestens eines zugrunde liegenden Basiswertes abhän­gig ist.10 Der Wert von Kreditderiva­ten leitet sich demnach von der Entwick­lung eines oder mehrerer Kreditinstrumente wie Bank­kredite oder Anleihens­obliga­tio­nen ab. Diese Instrumente erlauben es, das Ausfall- oder Bonitätsrisiko eines oder mehrerer Schuldner zu isolieren und han­del­bar zu machen. Kreditderivate sind in der Mehrzahl sog. «Over the Counter»-Trans­aktionen (OTC)11 und basieren i.d.R. auf einem Master Agreement der International Swaps and Derivatives Organisation (ISDA). Credit Default Swaps (CDS) sind gleichzeitig die einfachste und die bedeutendste Form von Kredit­ derivaten. Sie werden zudem häufig in komplexeren Kredit­derivaten eingesetzt, d.h. zu sog. synthetischen Instrumenten kombi­niert. Bei einem CDS übernimmt der Sicherungs­geber gegen eine Prämie die Verpflich­tung, im Falle eines Kreditereignisses12 bei einer vordefinierten Referenzforderung (Underlying) eine Leistung an den Sicherungsnehmer zu

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Vgl. Art. 5 der Verordnung vom 2. Dezember 1996 über die Börsen und den Effektenhandel (BEHV, SR 954.11). Zum Derivatbegriff vgl. etwa Contratto Franca, Konzep­ tionelle Ansätze zur Regulierung von Derivaten im schweizerischen Recht, Diss. Freiburg 2006, 8  ff. Als Termin­kontrakte oder -geschäf­te werden Verträge be­ zeich­net, in denen mindestens zwei Parteien vereinbaren, in der Zukunft be­stimmte Güter zu einem vorbestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen: Emch/Renz/Arpagaus (zit. Fn. 5), N 2052. Damit werden Finanzinstrumente bezeichnet, welche nicht an einer Börse gehandelt werden. Für eine ausführliche Diskussion des Begriffes vgl. etwa Giger Peter C., Der OTC Handel mit Finanzderivaten aus rechtlicher Sicht, Diss. Zürich 1998, 4 ff. Die bedeutendsten Kreditereignisse gemäss ISDA-Master Agreements sind: Insolvenz des Schuldners (Bankruptcy), Nichtleistung wesentlicher Zins- oder Tilgungszahlungen (Failure to Pay), vorzeitige Fälligkeit (Obligation Acceleration) sowie Obligation Default, Restructuring und Repudiation/Moratorium. nth-to-Default-Swaps («n» steht für eine Zahl grösser/gleich 1) funktionieren grundsätzlich ähnlich wie CDS. Es werden aber mehrere Referenz­ forderungen in einem sog. Basket zusammengefasst. Das aus­­lösen­de Kreditereignis ist als ein oder mehrere Kreditereignis(se) auf einzelnen, beliebigen Referenzforderungen im Basket definiert: bei einem First-to-DefaultSwap das erste, bei einem Second-to-Default-Swap die zwei ersten etc.

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erbringen.13 Ein Total Return Swap (TRS) ist eine Vereinbarung zum Austausch von Zahlungs­strö­men. Der Siche­rungs­­nehmer leitet dem Sicherungsgeber alle Erträge (Zin­sen und Markt­wertsteigerungen) aus einer Referenzforderung weiter, dieser wiederum be­zahlt dem Sicherungsnehmer einen vordefinierten Zins und gleicht zudem alle Marktwertverluste aus.14 Credit Linked Notes (CLN) sind Kombinationen aus einer Anleihe und einem CDS.15 Die vom Sicherungsnehmer emittierte CLN wird vom Sicherungsgeber erworben, der während der Laufzeit eine perio­dische Zinszahlung erhält. Eine vollstän­dige Rückzahlung des Nominalwertes der CLN erfolgt aber nur, wenn wäh­rend der Laufzeit bei der Referenz­forderung kein Kreditereignis einge­treten ist. 2.4 Verbriefungsinstrumente Unter Verbriefung (Asset Securitisation) wird eine Technik verstanden, die illiquide Vermögenswerte oder -flüsse in handelbare Wertpapiere umwandelt. Dafür über­trägt eine Bank oder ein Unternehmen als sog. Originator einen Pool von Vermö­gens­werten an ein sog. Special Purpose Vehicle (SPV).16 Dieses refi­nan­­ziert sich am Kapitalmarkt durch die Ausgabe von Wert­schriften (Asset-backed Securities, ABS). Investoren parti­zipieren durch Zeichnung der ABS direkt am Aktivenpool. Zins- und Til­gungs­zahlungen der ABS sind im Regelfall vom Originator unabhängig und die Investoren sind nur dem Kreditrisiko ge-

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Die Leistung kann in einem Barausgleich (Cash Settle­ ment) oder in einer physischen Lieferung der Referenzforderung gegen Zahlung des Nominal­wertes (Physical Settlement) beste­hen. Damit hat der Sicherungsnehmer den gesamten ökonomischen Ertrag, inklusive des Marktrisikos, gegen eine vor­ definierte Zinszahlung eingetauscht. Der Sicherungs­ge­ber dagegen ist in eine synthetische Posi­tion bezüglich der Referenzforderung einge­tre­ten. Die Swiss Exchange SIX kotiert CLN im Segment «An­ leihen». Nach Basel II, § 552 ist ein SPV «ein Unternehmen, Treuhänder oder eine andere Einheit, die für einen bestimmten Zweck errichtet wurde, deren Aktivitäten allein auf die Erfüllung dieses Zwecks begrenzt sind und deren Struktur darauf abzielt, sie vom Ausfallrisiko des Originators oder des Verkäufers der Positionen zu trennen». Falls die Aktiven an das SPV verkauft werden, spricht man von einer true sale-Transaktion. Bei einer synthetischen Verbriefung kommt es nicht zum Verkauf von Aktiven, sondern der Originator überträgt die Kreditrisiken mittels Kreditderivaten auf das SPV.

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genüber den ursprünglichen Schuldnern der verbrieften Forderungen ausgesetzt. Die Verbriefung von hypothekargesicherten Darlehen (Mortgage-backed Securities, MBS) ist die ältes­te und immer noch bedeutendste Klasse von Verbriefungen.17 Unter dem Begriff der Collateralised Debt Obligation (CDO) wird eine Vielzahl von komplexe­ren ABS zusammengefasst, die Kredite und Anleihen verbriefen.18 CDO können ganz unter­ schiedliche Forderungspapiere bis hin zu ABS enthalten, was sie zu sog. «higher-tier»-Instrumenten, d.h. Verbriefungen von Verbriefungen machen kann.

3. Relevante Grundzüge des schweizerischen Bankenrechts Risiko an sich stellt die eigentliche Grundlage des Bankgeschäfts dar. Ohne das Ein­gehen von Risiken könnte eine Bank keine Erträge generieren. Art.  9 Abs. 2 BankV nennt die Risiken, welche Banken «erfassen, begren­zen und überwachen» müssen: Markt-, Kredit-, Ausfall-, Abwicklungs-, Liqui­ditäts- und Imagerisiken sowie operationelle und rechtliche Risiken. Das Kreditrisikogeschäft der Banken ist zusammengefasst wie folgt regu­liert: – Im Zentrum stehen die Eigenmittelvorschriften. CRT-In­stru­mente kön­nen sowohl im Banken- als auch im Handelsbuch gehalten werden, womit die Eigen­mittelvorschriften für die Unterlegung von Kredit- und Marktrisiken relevant sind. – Risikoverteilungsvorschriften begrenzen die Ausleihungen an einzelne Gross­kunden auf einen bestimmten Anteil des gesamten Geschäfts­umfangs. – Die Vorschriften über das Risikomanagement schliesslich schreiben be­stimm­te Kontroll- und Überwachungssysteme vor.

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Der weitaus grösste Markt für MBS sind die USA. Unterschieden werden Ver­briefungen von Hypothekarkrediten an Privatpersonen (Residential Mortgage-backed Securities, RMBS) und an Unternehmen (Commercial Mortgage-backed Securities, CMBS). Je nach Qualität der Schuldner werden bei RMBS die Darlehen in Segmente unterteilt: «Prime» für Schuldner mit guter Bonität, «Alt-A» für weniger gut dokumentierte Hypotheken oder schlechtere Schuldner sowie «Subprime» für Darlehen an Schuldner mit schlechter Bonität (ohne Verifizierung von Einkommen oder Vermögen). Vgl. etwa Das Satyajit, Credit Derivatives – CDOs and Structured Credit Products, 3rd ed. Singapore 2005, 307.

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Die Revision des Schweizerischen Bankenaufsichtsrechts per 1. Januar 2007 stand im Zeichen der Umsetzung des neuen Eigenkapitalakkords des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht («Basel II»).19 Für die Umsetzung von Basel II war in der Schweiz keine Gesetzesänderung nötig, sondern nur An­ passungen auf Verordnungsstufe.20 Die technischen Erläute­run­gen und detaillierten Bestimmungen regelte die damalige EBK (heute FINMA) in fünf neuen Rundschreiben.21 3.1 Eigenmittelvorschriften Bei den Eigenmittelvorschriften werden Eigenmittelanforderungen einerseits und Eigen­mittel­­ anrechnung andererseits unterschieden. Die anrechenbaren Eigenmittel müssen die erforderlichen dauernd über­steigen.22 In der Schweiz forderte die ehemalige EBK seit jeher Eigenmittel, die über die natio­nalen und inter­nationalen Mindestan­for­de­run­ gen hinausgehen (sog. «Swiss Fi­nish»).23 Nach der 19

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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – Basler Ausschuss für Bankenauf­sicht, Inter­nationa­le Konvergenz der Eigenkapitalmessung und Eigenkapitalan­for­­derungen: Überarbeitete Rahmenver­ein­barung – umfassende Version, Basel 2004. Sigrist Daniel, Basel II – kurz erklärt, in: Wiegand Wolfgang (Hrsg.), Basel II – die rechtlichen Konse­quenzen, Bern 2006, 1 ff., 10. Die bisher in der BankV geregel­ten Eigenmittel- und Risiko­ver­teilungs­vorschriften wurden aus derselben heraus­ge­löst und in der neuen Eigenmittelverordnung geregelt. Heute FINMA-RS 08/19 «Kreditrisiken Banken», 08/20 «Marktrisiken Banken», 08/21 «Operatio­nelle Risiken Banken», 08/22 «EM-Offenlegung Banken» sowie 08/23 «Risiko­ver­tei­lung Banken». Art. 33 Abs. 1 ERV. Basler Kommentar-BEHG-Bingert / Gmür / Heinemann, Art. 12 N 181; Haltiner Eugen, Hie ein Lob und da ein Tadel – aus dem Jahrbuch der EBK, Referat vor der Zürcher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft vom 10. Dezember 2007, 4. Gemäss Art. 4 Abs. 3 BankG kann die FINMA «in besonderen Fällen Erleichterungen von den Mindestanforderungen zulassen oder Ver­­schär­fungen anordnen». Weiter hält Art. 34 ERV fest, dass von den Banken erwartet wird, dass sie «zusätzliche anrechenbare Eigenmittel halten, um den von den Mindestanforderungen nicht erfassten Risiken Rechnung zu tragen und die Einhaltung der Mindest­an­forderungen auch unter ungünstigen Ver­hältnissen sicher­zu­stellen». Auch Basel II, vor § 757, fordert im Rahmen der zweiten Säule, dass die Banken­aufsicht von den Banken erwar­ten sollte, «dass sie über eine höhere Eigenkapital­aus­stattung als die regulatorischen Min­dest­quoten ver­fügen, und sie sollte die Möglichkeit haben, von den Banken eine Eigenkapital­ ausstattung zu verlangen, die über dem Minimum liegt».

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bisherigen Praxis wur­de eine Eigenmitteldeckung von min­des­tens 120 Prozent erwartet.24 Für die beiden Grossbanken wurde das Erfor­dernis in der Folge der Kreditkrise auf 200 Prozent erhöht.25 Unterlegt werden müssen Kredit­risiken, nicht gegenparteibezogene Risiken, Marktrisiken sowie operationelle Risiken.26 Die erforderlichen Eigenmittel für Kreditrisiken werden nach der indirekten Unter­legungsmethode be­stimmt. Bilanzpositionen sind nach Risiko zu gewichten, falls sie ein Kreditrisiko aufweisen und sofern kein direkter Eigen­mittel­abzug notwendig ist.27 Auf den einzelnen Positionen können risikomindernde Massnahmen berücksichtigt werden: Netting, Garantien, Kreditderivate und andere Sicherheiten.28 Die Risikogewichtung der einzelnen Positionen muss nach einem von drei Ansätzen vorge­nommen werden:29 nach dem Schwei­zer Stan­dard­­ansatz (SACH), dem inter­nationalen Standardansatz (SA-BIZ) oder dem Internal Ratings Based Approach (IRB). Die Gesamtheit der so ge­wichteten Positionen muss dann zu 8 Prozent mit Eigenmitteln unterlegt wer­ den.30 Während der SA-CH zum Ziel hat, eine einfache Umsetzung von Basel  II für über­wiegend im In­land tätige Banken zu ermöglichen, übernimmt der SA-BIZ die Vor­gaben von Basel  II möglichst unver­ändert und lehnt sich eng an die entsprechenden Richtlinien der EU an. Der IRB schliesslich wird nur von einzelnen grossen Banken in der Schweiz eingesetzt.31 Grundprinzip des IRB ist, dass Ban­ken zur Bestim­mung der Eigen­kapital­unter­legung auf ihre ­eigenen internen Schätz­un­gen der Risiko­kom­ ponenten zurück­greifen.32

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Basler Kommentar-BankG-Bingert / Heinemann, Art.  4 N 3; Emch/Renz/Arpagaus (Fn. 5), N 2656. Botschaft zu einem Massnahmenpaket zur Stärkung des schweizerischen Finanzsystems vom 5. November 2008, BBl 2008 8943 ff., 8977 f. Art. 33 Abs. 2 ERV. Art. 37 Abs. 1 ERV. Art. 47 Abs. 1 ERV. Art. 38 Abs. 1 ERV. Art. 33 Abs. 2 lit. a ERV. Gemäss einer Präsentation von Daniel Sigrist der damaligen EBK vom 20. März 2007 sind dies ne­ben UBS und Credit Suisse eine Kantonalbank sowie fünf Auslandbanken. Vgl. auch Hauri Patrick/Lecomte Grégoire, Umsetzung von Basel II – Herausforderungen und Stolpersteine, ST 2007, 169 ff., 169. Basel II, §§ 211 f. und 245. Vgl. auch Basler KommentarBEHG-Bingert/Gmür/Heinemann, Art. 12 N 93.

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Als Marktrisiko definiert Art. 69 ERV die Gefahr eines Verlustes aus Werts­chwan­kungen einer Posi­ tion, die «durch eine Veränderung der ihren Preis bestimmenden Faktoren wie Aktien- oder Rohstoffpreise, Wechselkurse und Zinssätze und deren jeweiligen Volatilitäten ausgelöst wird».33 Mit Eigenmitteln zu unterlegen sind insbesondere Marktrisiken von Zinsinstrumenten und Beteiligungstiteln, die im Handelsbuch geführt werden.34 Die Abgren­ zung des Banken- vom Handelsbuch ist damit von grosser Bedeutung. Das Handels­buch enthält Positionen in Finanz­­instrumenten und Waren, die mit Handels­absicht oder zur Absicherung von ande­ren Positionen gehalten werden.35 Für die Be­rech­nung der not­wendigen Unterlegung der Marktrisiken mit ­Eigenmitteln stellt die ERV drei verschiedene Be­ rech­nungs­­ansätze zur Verfügung: den De-MinimisAn­satz, den Marktrisiko-Standard­ansatz sowie den Markt­risiko-Modell­ansatz.36

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Zu den schweizerischen Vorschriften über die Eigenmittelunterlegung von Marktrisiken vgl. etwa EBK-Bulletin 34/1998 sowie EBK, Basel II: Umsetzung in der Schweiz – Kommentar, Bern 2006, 44 ff. Art. 68 Abs. 1 ERV. Art. 5 Abs. 1 ERV. Eine Handelsabsicht besteht, wenn die Bank beab­sichtigt, die Positionen auf kurze Sicht zu halten, von kurz­fristigen Markt­preis­schwan­­kungen zu profitieren oder Arbitragegewinne zu erzielen (z.B. Positionen des Eigen­handels oder Market-Maker-Positionen). Art. 70 Abs. 1 ERV. Der De-Minimis-Ansatz kann von einer Bank nur angewendet werden, wenn das Handelsbuch zu keiner Zeit 6 Prozent der Bilanzsumme oder die Summe von CHF 30 Mio. über­schreitet, wobei beide Be­dingungen kumulativ zu erfüllen sind. Eine weitere Bedingung für die Anwen­dung dieses Ansatzes ist, dass die Bank keine Kredit­derivate im Handelsbuch hält. Die erforder­lichen Eigenmittel werden analog dem Vor­gehen für die Kredit­risiken (SA-CH oder SA-BIZ) berechnet. Der Marktrisiko-Standardansatz ist in den Art. 72 ff. ERV und den Rz 63 ff. des FINMA-RS 08/20 geregelt. Bei dessen Anwendung werden die zu unter­le­gen­den Eigenmittel für jede Risikofaktorkategorie (Zinsänderungs-, Aktienkurs-, Währungs- und Rohstoffrisiko) separat nach vordefinierten Verfahren berechnet und addiert. Die erforder­ lichen Eigenmittel setzen sich aus je einer Komponente für das spezifische Risiko und für das allgemeine Marktrisiko zu­sam­men. Um den Marktrisiko-Modellansatz verwenden zu können, muss eine Bank die Be­willigung der Aufsichts­behörde einholen. Die Berechnung der Eigenmittelanforderungen erfolgt mittels instituts­spezifischer Risiko­aggrega­tions­­modelle, die auf dem Value-at-Risk (VaR) basieren.

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3.2 Risikoverteilungsvorschriften Eine Risiko­kon­zen­tration ist gemäss Basel  II «jede einzelne Forderung oder eine Gruppe von For­ de­rungen, die geeignet sind, so grosse Verluste zu generieren […], dass der Fort­bestand der Bank oder ihre Fähigkeit, ihr Kerngeschäft fortzuführen, bedroht sind».37 Kreditrisiko­konzentrationen umfassen gemäss Basel II: – bedeutende Engagements gegenüber einem einzelnen oder einer Gruppe verbundener Kunden; – indirekte Kreditrisiken, die einer Bank aus Kreditrisikominderungsverfahren erwachsen; – Kredite an Kunden aus derselben Branche oder Region; oder – Kredite an Kunden, deren Finanzkraft von derselben Leistung oder Ware ab­hängt. Art. 4bis Abs. 1 BankG bestimmt, dass die Ausleihungen einer Bank an einen einzel­nen Kunden sowie die Beteiligungen an einem einzelnen Unternehmen in einem angemessenen Verhältnis zu ihren eige­nen Mitteln stehen müssen. Ein Klumpenrisiko liegt gemäss Art. 83 Abs. 1 ERV vor, wenn die Gesamtposition gegenüber einer Gegenpartei oder einer Gruppe verbundener Gegenparteien 10 Pro­zent der anrechenbaren Eigenmittel einer Bank erreicht oder überschreitet.38 Die schweizerischen Vorschriften über die Risikoverteilung decken damit nur einen Teil der von Basel II geforderten Be­reiche ab, nämlich die Konzentration auf einzelne Gegenparteien. Risikokonzentrationen in einzelnen Märk­ten, Branchen oder geogra­fi­schen Regionen sind jedoch nicht reguliert.39 3.3 Vorschriften über das Risikomanagement In der Schweiz ist das Risikomanagement auf Gesetzesstufe nur für Finanzkonzerne und -konglomerate geregelt: Art. 3f Abs. 2 BankG verlangt, dass diese so organi­siert sind, dass sie alle wesentlichen Risi­ken erfassen, be­grenzen und überwachen können. Für Einzelinstitute bestimmt Art.  9 Abs. 2 BankV, dass Banken die Grund­züge des Risikomanage-

ments sowie die Zuständigkeit und das Verfahren für die ­Bewilligung von risikobehafteten Geschäften in ­einem Regle­ment oder in internen Richtlinien regeln. Insbesondere Markt-, Kredit-, Ausfall-, Abwicklungs-, Liqui­ditäts- und Image­risiken sowie operationelle und rechtliche Risiken sind zu erfassen, zu begrenzen und zu überwachen. Ent­sprechend dem weiten Begriff des Risiko­ma­na­gements sind in den verschiedenen Rundschreiben der FINMA eine Vielzahl von Einzelbestimmungen zum Risikomanagement enthalten.40

II. Kreditderivate 1. Frühe Regulierung Bis 2003 enthielten weder die Bankenverordnung noch die Rundschreiben der EBK Vor­schriften zu Kreditderivaten. Die Eigenmittelunter­legung für diese Instrumente wurde entweder von der Aufsichtsbehörde im Einzelfall und auf Anfrage hin entschieden oder von der betreffenden Bank zusammen mit der Revisions­stelle erarbeitet. Die wachsende Bedeutung der Kreditderivate führte zu einer deut­lichen Zunahme der Anfragen an die Aufsichtsbehörde, womit sich eine allgemeine Regelung noch vor der Umsetzung von Ba­sel II aufdrängte.41 Das entsprechende Rund­schreiben EBK-RS 03/2 «Auswirkungen des Einsatzes von Garantien und Kredit­derivaten auf die erforderlichen Eigenmittel» wurde auf den 31. März 2004 in Kraft gesetzt. Das Rundschreiben orientierte sich in weiten Teilen am dritten Kon­sul­tationspapier zu Basel II.42 Die darin enthaltenen Be­stim­mun­gen wurden im Rahmen der Umsetzung von Basel  II weit­gehend in die neuen FINMA-RS 08/19 «Kredit­ risi­ken Banken» und 08/20 «Markt­risi­ken Banken» übernommen.

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Basel II, § 770. Die Auf­sichts­­behörde kann gemäss Art. 103 ERV die Risiko­verteilungsvor­schrif­ten in besonderen Fällen erleichtern oder verschärfen. Basler Kommentar-BankG-Ochsner / Wiederkehr / Müller, Art. 4bis N 6.

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Vgl. die FINMA-RS 08/6 «Zinsrisiken Banken», 08/9 «Aufsicht über die Grossbanken», 08/20 «Marktrisiken Banken», 08/21 «Operationelle Risiken Banken» sowie 08/24 «Überwachung und interne Kontrolle Banken». EBK, Begleitbrief vom 14. Oktober 2003 zum Inkraftsetzen des EBK-RS 03/2 «Kreditderivate», Bern 2003, 1. EBK, Begleitbrief (zit. Fn. 41), 2.

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2. Kreditrisikominderung 2.1 Ausgangslage und Grundlagen Wenn eine Bank die zu haltenden Eigenmittel für einen im Bankenbuch gehaltenen Kredit reduzieren möchte, kann sie ihr Engagement mit einem Kreditderivat verringern. Aus Sicht der Regulierung muss eine solche Transaktion bestimmte Anforderungen erfüllen. Art. 47 Abs. 1 ERV bestimmt, dass bei der Berechnung der mit Eigenmitteln zu unter­legen­ den Positionen Kredit­derivate als risikomindernde Massnahmen berücksich­tigt werden können. Kreditderivate im Bankenbuch sind im FINMA-RS 08/19 «Kreditrisiken Banken» geregelt.43 Zulässige Ins­ trumente sind CDS, TRS, First- und Second-to-Default-Instrumente sowie CLN.44 Das Rundschreiben regelt den Fall von Banken, die einen der Standard­ ansätze anwenden. Für den IRB-Ansatz verweist das Rund­schreiben direkt auf die Bestimmungen von ­Basel II.45 2.2 Anforderungen Das FINMA-RS 08/19 stellt zunächst einige allgemeine Bestimmungen für risikomindernde Mass­ nahmen auf, die auch für Kreditderivate zur Anwendung kommen:46 – Die Auswirkungen von Kreditrisikominderungsinstrumenten werden nicht doppelt erfasst. Wenn etwa ein Emissionsrating bereits die Wirkung ­einer Kreditrisikominderung erfasst, können die Instrumente nicht nochmals berücksichtigt werden. – Sollte eine Position durch risikomindernde Massnahmen entgegen den Erwartungen eine höhere Eigenmittelanforderung erhalten, müssen die Mass­nah­men nicht berücksichtigt werden. – Wenn eine Bank für eine einzelne Position mehrere risikomindernde Mass­nahmen einsetzt, muss sie die Position unterteilen und das Risiko­gewicht für jeden der Teile separat ermitteln. Wichtigste spezifische Anforderung ist die effektive Über­tragung der Kreditrisiken auf den Siche-

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Zu Kreditderivaten im Handelsbuch vgl. hinten II.4. Vgl. FINMA-RS 08/19, Rz 234 ff. FINMA-RS 08/19, Rz 203. Vgl. dazu Basel II, §§ 332 f. und 480 ff. FINMA-RS 08/19, Rz 103 ff. Das Rundschreiben bezieht sich dabei auf die §§ 113, 114 und 206 von Ba­sel II.

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rungsgeber.47 Eine Eigen­mittel­erleichterung wird nur dann gewährt, wenn sichergestellt ist, dass im Fall des Eintretens eines Kreditereignisses die Gegenpartei des Kreditderivat­kontraktes den Ausfall auch wirklich übernimmt. Der Vertrag über das Kredit­ derivat muss daher insbesondere:48 – eine unmittelbare Forderung an den Sicherungsgeber darstellen; – unwiderruflich und unbedingt sein; – bindend und recht­lich durchsetzbar sein; und – in schriftlicher Form abgefasst sein. Die Absicherungswirkung wird nur anerkannt, wenn der Sicherungsgeber ein Emittent der folgenden Kategorien ist:49 Zentralregierung oder Zentralbank; BIS, IWF oder multi­laterale Ent­wicklungs­ bank; öffentlich-rechtliche Körperschaft; Bank oder Effekten­händ­ler mit klei­ne­rem Risiko­gewicht als jenes des Referenzschuldners oder ein anderer Schuldner mit einem Rating der Ratingklasse 3 oder höher.50 Weiter müssen Kreditderivate zur Anerkennung der Absicherungswirkung insbesondere die folgenden Anforderungen erfüllen:51 – Kein Asset Mismatch: Die abgesicherte Forderung muss zugleich zu den­jeni­gen Forderungen gehören, die für die Be­stim­mung der Kreditereignisse und zur Abwicklung definiert sind. – Kein Maturity Mismatch: Die Restlaufzeiten des Kreditderivates und der abgesicherten For­de­rung müssen identisch sein.52 – Kein Currency Mismatch: Falls das Kreditderivat in einer anderen Währung eingegangen wurde als die abgesicherte Forderung, ist die aner­kannte Absicherungs­wirkung gemäss einer vorge­gebe­ nen Formel zu reduzieren. – Credit Events: Es müssen mindestens der Zahlungsverzug, die Insolvenz sowie die Restrukturierung als Kredit­ereignisse definiert sein.

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FINMA-RS 08/19, Rz 204. Vgl. im Folgenden FINMA-RS 08/19, Rz 205 ff. Vgl. auch Basel II, § 140. FINMA-RS 08/19, Rz 212 ff. Diese Ein­schränkungen gelten jedoch nicht für Credit Linked Notes. In diesem Fall ist der Sicherungsgeber durch Kauf der CLN seinen maximalen Verpflichtungen bereits nachgekommen: FINMA-RS 08/19, Rz. 212 (Fn. 5). Vgl. dazu im Folgenden FINMA-RS 08/19, Rz 220 ff. Bei Vorliegen eines Maturity Mismatch wird die anerkannte Absicherung dann gemäss einer vorgegebenen Formel reduziert: FINMA-RS 08/19, Rz 112 f.

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2.3 Eigenmittelentlastung Sofern ein Kreditderivat alle Anforderungen zur Anerkennung der Absicherungs­wirkung erfüllt, kann eine den Standardansatz verwendende Bank für die Forderung grundsätzlich auf das Risiko­ge­wicht des Sicherungsgebers abstellen.53 Damit kommt der sog. Substitutions­ansatz zur Anwendung: Das Risikogewicht des Kreditnehmers der abge­sicher­ten Forderung wird durch dasjenige des Sicherungsgebers ersetzt.54 Für Banken, die IRB-Ansätze verwenden, gelangen direkt die entsprechenden Vorschriften von Basel II zur Anwen­dung. Durch Abschluss einer Kreditderivattransaktion geht die Bank bezüglich ihrer Vertragspartei ein Gegen­parteirisiko ein.55 Falls das Kreditderivat alle Anforde­run­gen zur Anerkennung der Absicherungs­ wirkung erfüllt, wird dessen Gegenpartei­risiko anstelle des Kreditrisikos der abgesicherten Forderung berück­sich­tigt: im Stan­dard­­­ansatz via Substitution, im IRB-Ansatz über die Anpassung der Risiko­ kompo­nen­ten. Das Gegenpartei­risiko des Kreditderivates ist in diesem Fall nicht mehr ge­son­dert mit Eigenmitteln zu unter­legen. 2.4 Risikoverteilung und -management Das FINMA-RS 08/23 «Risikoverteilung Banken» enthält Bestimmungen, wie Kredit­derivate in Banken- und Handelsbuch in der Risikoverteilung berücksichtigt werden. Wenn eine Bank Sicherungsnehmer ist, tritt der Siche­rungsgeber an die Stelle des For­derungs­schuldners. Ent­sprechend können anerkannt abgesicherte For­derungen von der Gesamt­ position des Forderungs­schuldners in Abzug gebracht werden. Das FINMA-RS 08/19 «Kreditrisiken Banken» fordert, dass Banken die mit Kredit­derivaten verbundenen Risiken «erkennen und ver­stehen» müssen. Basel II fordert, dass Banken über wirksame interne Strategien, Systeme und Kon­trol­len verfü­gen, um insbesondere auch die indirekten Kreditrisiken, die ihnen aus dem Kreditrisikotransfer erwachsen, «zu

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FINMA-RS 08/19, Rz 233 ff. Je nach eingesetztem Kreditderivat sind nochmals zusätzliche Anforderungen zu erfüllen, vgl. dazu FINMA-RS 08/19, Rz 234 ff. Dass sich dieses durchaus realisieren kann, zeigt z.B. der Fall Lehman Brothers.

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iden­ti­fizieren, zu messen, zu über­wachen und zu begrenzen».56 3. Kreditrisikoübernahme Eine Bank kann sich auch als Sicherungsgeber einer Kreditderivattransaktion enga­gieren: Ohne selber einen Kredit vergeben zu haben, übernimmt sie das Risiko durch den Ab­schluss eines Kreditderivates mit dem Sicherungnehmer und führt eine sog. synthetische Position. Das Risiko ist damit grundsätzlich das gleiche wie bei einem direkten Halten der dem Kreditderivat unterliegenden Forderung. Bezüglich der Prämie des Kreditderivates kann zudem ein Gegenparteirisiko gegenüber der Vertragspartei aus dem Kreditderivat hinzukommen. Das FINMA-RS 08/19 «Kreditrisiken Banken» regelt in knapper Form die erforderlichen Eigen­ mittel, wobei sich die Regelungen je nach verwendetem ­Instrument unterscheiden.57 So sind etwa im Fall eines CDS oder TRS die eingegangenen Absiche­ rungs­­ver­pflich­tungen für die Ei­genmittelunterlegung wie eine normale Forderung ge­genüber dem Refe­ renzschuldner zu be­handeln. Das Gegen­parteirisiko muss nach den Vorschriften über die Derivate in den Art. 42 bis 45  ERV sowie dem FINMA-RS 08/19 mit Eigenmitteln unterlegt werden. Bezüglich der Risiko­verteilung sind eingegangene Absicherungs­verpflichtungen jeweils zur Gesamtposition des Schuldners der jeweiligen Refe­renz­forderung zu addieren.58 In Bezug auf das Risikomana­ge­ment muss die Bank als Sicherungsgeber einer Kreditderivat­transaktion die gleichen Vorschriften wie als Sicherungs­nehmer einhalten. 4. Kreditderivate im Handelsbuch Der Begriff des Handelsbuches wurde bereits erläutert. Kreditderivate im Handelsbuch haben im Regelfall keinen Bezug zu Kre­dit­positionen im Bankenbuch, sondern werden von der Bank mit der Ab­ sicht gehalten, von Marktpreis­schwankungen zu profitieren.

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Basel II, § 773. Beispielhaft genannt werden die Risiken aus der Herein­nah­me nur ei­ner Art von Sicherheiten oder aus Kreditabsicherungen mit nur einem Garantie­ge­ber. Vgl. dazu FINMA-RS 08/19, Rz 247 ff. Vgl. dazu FINMA-RS 08/23, Rz 6 ff. Je nach Instrument sind zusätzliche Positionen zu berück­sichtigen.

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Falls ein Kreditderivat dem Handelsbuch zugeordnet ist, muss das entsprechende Marktrisiko mit Eigenmitteln unterlegt werden.59 Für Kreditderivate im Handels­buch ist primär das Zinsänderungs­risi­ko relevant. Ein Kreditderivat kann dem Han­dels­buch zugeord­net werden, sofern es selber und auch eine der lieferbaren Forde­run­gen die Anforderungen von Art. 5 ERV erfüllen.60 Zur Bestimmung der notwendigen Eigenmittel für Kreditderivate darf die Bank nur den Standard- oder den Modellansatz, nicht aber den De-Minimis-Ansatz verwenden.61 Im Marktrisiko-Standardansatz wird bezüglich des Zinsänderungsrisikos nach allge­mei­nem Marktrisiko und spezifischem Risiko unterschieden. Für die Berech­nung des allgemeinen Marktrisikos differenziert das FINMA-RS 08/20 nach den einzelnen Instrumenten. Für die Messung und Unterlegung des allgemeinen Markt­risikos stehen zwei Metho­den zur Verfügung: die Laufzeitmethode und die Durationsmethode.62 Das spezifische Risiko bildet alle übrigen Risiken neben dem allgemeinen Markt­risiko ab, insbesondere das Kreditrisiko.63 Da das spezifische Risiko nur vom jeweiligen Emittenten abhängt,64 ist die Netto­position je Emittent für die Unterlegung massgebend. Falls im Handelsbuch einer Bank gegenläufige Positionen in Kreditderivaten vor­kommen sollten, müssen diese für die Unterlegung des spezifischen Risikos nicht be­rück­sichtigt werden. Kreditderivate können zudem je nach Instrument auf unterschiedliche Weise mit Kassapositionen verrechnet werden.65 Die zu unterlegenden Eigenmittel ergeben sich gemäss Art. 72 Abs. 1 ERV aus der Multiplikation der Nettoposition pro Emittent mit den Sätzen nach Anhang 6 zur ERV, welche nach Emittenten­kategorie und -rating abgestuft sind. Besondere Bestimmungen gelten im Wei­te­ren für sog. «qualifi­zierte Zinsins­ trumente», welche bezüglich des Ratings bestimmte An­for­derungen erfüllen.66 Die Unterlegungssätze für solche Instrumente bewegen sich je nach Rest­laufzeit

zwischen 0,25 und 1,6 Prozent (im Vergleich zu den durchschnittlichen 8 Prozent). Gegenparteirisiken von Kreditderivaten im Handelsbuch sind gemäss den Art. 40 bis 45 ERV sowie den Vorschriften des FINMA-RS 08/19 über die Derivate mit Eigenmitteln zu unterlegen.67 Bezüglich Riskoverteilung und -management kommen auf Kreditderivate im Handelsbuch dieselben Vorschriften zur Anwendung wie für Instrumente im Bankenbuch.

III. Verbriefungsinstrumente 1. Grundlagen 1.1 Frühe Regulierung Noch in den späten 1990er-Jahren lagen in der Schweiz weder von Steuerbehörden noch von der damaligen EBK offizielle Stellungnahmen zur Verbriefung vor. Die damalige EBK klärte damit zusammen­hängende Fragen jeweils für jeden Einzelfall gesondert ab.68 Auch im übrigen Europa war die Regulierung zu diesem Zeitpunkt nicht weit fortgeschritten und auf einzelne Länder beschränkt.69 Zum Zeitpunkt der Verabschiedung von Basel I 1988 steckte der Verbriefungs­markt in Europa noch in den Anfängen, was zu re­gu­latorischer Arbitrage führte. 1.2 Schweizerische Regulierung Art. 37 Abs. 1 ERV bestimmt, dass alle Positionen nach Risiko zu gewichten sind, die ein Kreditrisiko aufweisen und nicht zu einem Abzug von den Eigenmitteln führen. «Forderungen im Zusammenhang mit Ver­briefungen» gelten gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b ERV als nach Risiko zu gewichtende Positionen. Das FINMA-RS 08/19 enthält in Rz 253 die grundsätzliche Bestimmung, dass für die Berechnung der erforderlichen Ei­­gen­­mittel für Transaktionen im Zusammenhang mit der Verbriefung von Kredit­risiko direkt 67 68

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Art. 33 Abs. 2 lit. c i.V.m. Art. 68 Abs. 1 ERV. FINMA-RS 08/20, Rz 201. FINMA-RS 08/20, Rz 49 e contrario. Art. 72 Abs. 2 ERV. Diese werden im FINMA-RS 08/20, Rz 98 ff. und 109 ff. näher detailliert. Vgl. EBK-RS 03/2, Rz 53. Emch/Renz/Arpagaus (zit. Fn. 5), N 2693. Vgl. dazu FINMA-RS 08/20, Rz 216 ff. Art. 4 lit. e ERV.

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FINMA-RS 08/20, Rz 202. Die erste Verbriefungstransaktion wurde von der damaligen EBK im März 1998 bewilligt. Für eine Zusammen­ fassung des (nicht publizierten) Entscheides vgl. Kroll Markus J., Securitisation in der Schweiz, in: Nobel Peter (Hrsg.), Aktuelle Rechtsprobleme des Finanz- und Börsenplatzes Schweiz, Bd. 7/1998, Bern 1999, 173 ff., 180. Bär Hans Peter, Asset Securitisation – Die Verbriefung von Finanzaktiven als innovative Finan­zierungs­technik und neue Herausforderung für Banken, 2. A., Bern/Stutt­ gart/Wien 1998, 412 f.

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die Basler Mindest­standards anwendbar sind. Damit gilt in der Schweiz für Verbriefungen das «Regelwerk zur Behandlung von Verbriefungen» von Basel II in seiner Gesamtheit. 1.3 Das Basel II-Regelwerk Das Regelwerk gehört systematisch zur ersten Säule von Basel II. Verbriefungs­trans­aktionen unterliegen aber auch den Bestimmungen über das aufsichtliche Prüfungsverfahren (zweite Säule) sowie über die Marktdisziplin (dritte Säule). Eine traditionelle Verbriefung i.S. des Regelwerks liegt vor, wenn Zahlungen aus einem zugrunde ­liegenden Pool von Aktiven genutzt werden, um mindestens zwei verschiedene Tranchen zu bedienen, die unterschiedlich hohe Kreditrisiken aufwei­sen.70 Ein Verkauf der Aktiven selber ist nicht begriffsnot­ wendiges Merkmal, solange nur die Zahlungen an die Investoren von der Entwick­lung der Aktiven abhängen. Synthetische Verbriefungen i.S. des Regelwerks sind Strukturen mit mindestens zwei Tranchen, wobei die Kreditrisiken des Aktivenpools durch Kreditderivate oder Garantien übertragen werden. Grundsätzlich unterscheidet Basel II zwei Arten von Risiken im Zusammenhang mit Verbriefungen und der dazugehörigen Regulierung: Im ersten Fall verbrieft eine Bank Forderungen, die sie bisher in ihrer eigenen Bilanz führte. Ziel aus aufsichtsrechtlicher Sicht ist hier, einen sog. Clean Break zu erreichen. Falls ein solcher bejaht werden kann, müssen die entsprechenden Positionen nicht mehr mit ­Eigenmitteln unterlegt werden. Im zweiten Fall übernimmt eine Bank Risiken aus der Verbriefung einer Drittpartei (sog. Verbriefungs­positionen). Grundbeispiel ist der Kauf von Instrumenten wie ABS oder CDO. Verbrie­fungspositionen sind grund­sätzlich mit ­Eigenkapital zu unterlegen.

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2.1 Traditionelle Verbriefungen Um die übertragenen Forderungen einer tradi­ tionellen Verbriefung von der Eigen­mittel­unter­le­ gung ausnehmen zu können, muss der Originator eine Reihe von Bedingungen erfüllen, insbesondere:71 – Ein «erheblicher Teil» des Kreditrisikos muss auf Dritte übertragen werden. – Die Bank behält weder eine tatsächliche noch eine indirekte Kontrolle über die übertragenen Forderungen. 72 – Die emittierten Wertpapiere begründen keine Verbindlichkeiten der übertra­gen­den Bank. – Die übernehmende Partei ist ein SPV, dessen Anteile durch die Inhaber ohne Weiteres verpfändet oder veräussert werden können. – Die Verbriefung darf keine Klauseln enthalten, die den Originator in irgend­einer Weise zu einer zusätzlichen oder nachträglichen Übernahme von Kre­di­t­risiken verpflichten. 2.2 Synthetische Verbriefungen Bei synthetischen Verbriefungen verbleiben die entsprechenden Forderungen beim Originator der Trans­aktion, die Positionen müssen demnach weiterhin mit Eigen­mitteln unterlegt werden. Die zur Absicherung des Forderungspools ver­wendeten Kredit­ risiko­minderungstechniken können hingegen als eigenmittelreduzierend anerkannt werden, wenn eine Rei­he von Anforderungen kumulativ erfüllt wird, insbesondere:73 – Die Kreditrisikominderungen müssen den Anforderungen des Standard­ansatzes genügen.. – Sicherheiten sind auf die in Basel II, §§ 145 f. genannten beschränkt.74 – Garantiegeber sind auf die in Basel II, § 195 genannten beschränkt,75 SPV können nicht als Garantiegeber auftreten.

2. Verbriefung von eigenen Kreditpositionen Das Regelwerk von Basel II stellt in den §§ 554 f. die Anforderungen auf, damit ein Risiko­transfer anerkannt werden kann. Die Anforderungen gelten sowohl bei Anwendung der Stan­dard­- wie auch der IRB-Ansätze.

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Basel II, § 539.

Vgl. im Folgenden Basel II, § 554. Die Forderungsverwaltung selber kann u.U. bei der übertragenden Bank verbleiben; dies stellt nicht zwingend eine indirekte Kontrolle dar. Vgl. im Folgenden Basel II, § 555. Im Wesentlichen Bareinlagen, Gold, bestimmte Schuldverschreibungen, kotierte Aktien sowie bestimmte Investmentfonds. Staaten, öffentliche Institutionen, Banken und Wertpapierhäuser, die ein niedrigeres Risikogewicht als der Originator aufweisen, sowie andere Institutionen mit einem anerkannten Rating von mindestens A–.

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– Ein «erheblicher Teil» des Kreditrisikos muss auf Dritte übertragen werden. – Die eingesetzten CRT-Instrumente müssen das Risiko bedingungslos über­tragen. 3. Verbriefungspositionen 3.1 Grundlagen Basel II fasst den Begriff der unterlegungspflichtigen Ver­briefungspositionen weit.76 Als der Verbriefungstransaktion zugrunde lie­gen­de Instru­men­te kommen u.a. in Frage: Darlehen, Kreditzusagen, ABS und MBS, Unter­nehmens­­anleihen, Aktien und nicht frei handelbare Beteiligungen. Damit fallen auch second- oder higher-tier-Verbriefungen wie CDO unter den Begriff. Wie andere Positionen müssen auch Verbriefungspositionen zur Berechnung der erforderlichen Eigenmittel risikogewichtet werden. Die Risikogewichte sind ent­weder nach dem Standardansatz oder einem der IRB-Ansätze für Verbriefungen zu ermitteln. Generell müssen Banken den gleichen Ansatz für Verbriefungen wäh­­len, den sie auch für das Kreditrisiko der zugrunde liegenden verbrieften Forde­ rungs­art anwenden. Für die Nutzung externer Ratings bei Verbriefungspositionen stellt Basel II insbesondere folgende Anforderungen auf:77 – Das externe Rating muss das gesamte Kreditrisiko der Bank einbeziehen. – Das Rating muss von einer durch die nationale Bankenaufsicht anerkannten Ratingagentur vorgenommen werden. – Die Ratingagentur muss über «ausgewiesenes Fachwissen» auf dem Gebiet von Verbriefungen verfügen. 3.2 Standardansatz Im Standardansatz werden den Ver­brie­fungs­posi­ tionen Risikogewichte in Abhängig­keit vom externen Ra­ting zugeteilt. Je nach langfristigem Rating der Verbriefungsposition müssen Eigenmittel in der Höhe von 1.6 (AAA– bis AA–), 4 (A+ bis A–), 8 (BBB+ bis BBB–) oder 28 Prozent (BB+ bis BB–) vorgehalten bzw. ein Abzug vom Eigenkapital vorgenom­men wer-

den (B+ und niedriger/kein Rating).78 Für zu­rück­ behaltene Positionen mit einem Rating unterhalb von BBB– hat der Originator einen Kapital­abzug vor­ zunehmen.79 Kreditab­sicherungen, die einen Teil der Verbriefungs­position ab­sichern, können bei der ­­Eigen­mittelberechnung gemäss den allge­meinen Regeln berücksichtigt werden. 3.3 IRB-Ansatz Die verschiedenen IRB-Ansätze für Verbriefungspositionen unterlie­gen einer Rangordnung. Falls ein externes Rating vorliegt oder abgeleitet werden kann, muss der sog. Rating Based Approach (RBA) angewendet werden. Falls kein externes Rating vorliegt, kann die Bank für bestimmte Verbriefungs­positionen den sog. Internal Assessment Approach (IAA) ver­ wenden, andernfalls den Super­visory Formula Approach (SFA). Falls die Bank keine der genannten Methoden anwenden kann, ist die Ver­briefungs­position vom Eigen­kapital abzuziehen.80 Beim RBA ergeben sich die risikogewichteten Aktiva einer Ver­briefungs­position grund­sätzlich wie beim Standardansatz aus der Multiplikation der Position mit einem bestimmten Risikogewicht. Das Risikogewicht wird beim RBA hingegen insbesondere in Abhängigkeit vom externen oder abgeleiteten Rating, von der sog. «Granularität» des zugrunde liegenden Aktivenpools sowie vom Rang der betreffenden Tranche bestimmt.81 Der IAA erlaubt es Banken, interne Bewertungsmethoden an­zu­wenden. Im Gegensatz zum allgemeinen IRB-Ansatz für Kreditrisiken sind die Ban­ken hier aber im Wesentlichen an die Methoden der Ratingagenturen gebun­den. Die verantwortliche Auf­sichtsbehörde muss die Anwendung des IAA genehmigen.82 Der SFA kommt zur Anwendung, wenn weder RBA noch IAA benützt werden können. Die Bank muss insbesondere über folgende Informationen über die Verbriefung verfügen, um die Eigenmittel für eine Verbriefungsposition berechnen zu können: Referenzkapital (KIRB), effektive Zahl der Forderungen, for­de­rungsgewichtete durchschnittli78

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Vgl. Basel II, § 541. Basel II, § 565.

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Ein Abzug vom Eigenkapital entspricht einem Risikogewicht von 1250 Prozent bzw. einer Eigenmittel­unter­ legung in der Höhe von 100 Prozent. Basel II, § 570. Basel II, § 609. Basel II, § 612. Basel II, § 620 lit. c.

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che Verlustausfallquote des Aktiven­pools sowie Volumen der in Frage stehenden Tranche der Ver­brie­­ fung. 3.4 Verbriefungspositionen im Handelsbuch Banken halten einen Grossteil der Verbriefungsinstrumente in ihren Handelsbüchern. Das Kreditrisiko solcher Produkte ist aber von Basel II momentan nur erfasst, falls diese im Bankenbuch gehalten werden. Gemäss einem Bericht des Financial Stability Board sei regulatorische Arbitrage zum Zweck der Eigenmittelminimierung die Folge davon, die Eigenmittelanforderungen für solche Instrumente im Handelsbuch müssten deshalb erhöht werden.83 Für Verbriefungstransaktionen im Handelsbuch, welche nach den Vorschriften für Verbriefungs­­trans­ aktionen vom Kapital abgezogen werden müssen,84 gelten die Eigen­mittel­vorschriften für Verbriefungs­ transaktionen im Bankenbuch.85 Ban­ken können von einer solchen Behandlung absehen, falls sie folgende Bedingungen er­füllen:86 – das Institut ist Händler in solchen Positionen; – es gibt für die entsprechenden Positionen einen Markt mit unabhängigen Geld- und Briefkursen, so dass innerhalb eines Tages ein Preis gefunden werden kann; und – das Institut verfügt über ausreichend Marktdaten, um das konzentrierte Aus­fallrisiko dieser Positionen er­fas­sen zu können. 4. Aufsichtliches Überprüfungsverfahren und Marktdisziplin Die zweite Säule von Basel II enthält die Grundsätze für die qualitative Über­wachung der Banken durch die zuständigen Aufsichtsbehörden. In den §§  784 ff. ist das Überprüfungs­verfahren von Verbriefun­gen geregelt. Das Verfahren soll grundsätzlich sicher­stellen, dass Banken die ökonomischen Risiken aus solchen Transaktionen in angemessener Weise mit Eigen­mitteln unter­legt haben. Wenn dies nicht der Fall ist, kann die Aufsichts­

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Financial Stability Forum (seit 4. April 2009 Financial Stability Board), Report of the Financial Stability Forum on Enhancing Market and Institutional Resilience, Basel 2008, 14. Vgl. FINMA-RS 08/19, Rz 254–265. FINMA-RS 08/20, Rz 286. Vgl. im Folgenden FINMA-RS 08/20, Rz 287 ff.

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behörde die kapital­ent­lastende Wirkung verweigern oder reduzieren bzw. eine Er­höhung der Eigenmittel vorschreiben.87 Die Aufsichtsbehörde ist gehalten, die Signifikanz des Risikotransfers beim Originator zu überprüfen und allenfalls geeignete Massnahmen zu treffen. Zentral sind im Weiteren Kontrolle und Sank­tion der Gewährung ausservertraglicher Unterstützung von Strukturen durch den Originator. Schliesslich ist die Aufsicht betreffend Restrisiken, Kündigungs­bestimmungen und vorzeitigen Rückzahlungen bei Verbriefungen näher geregelt. Die dritte Säule von Basel II ergänzt die beiden ersten Säulen mit umfassenden Offen­legungspflichten der regulierten Institute. Für Verbriefungen muss insbesondere Folgendes offen­gelegt werden:88 – Grundsätze des Risikomanagements sowie der Verbriefungs­aktivitäten; – die von der Bank übernommenen Funktionen im Verbriefungsprozess; – die verwendeten Ansätze für die Berechnung der regulatorischen Eigen­mittel; – die für Verbriefungen eingesetzten Ratingagenturen; – ausstehender Gesamtbetrag der von der Bank verbrieften Forderungen; und – durch die Bank in der laufenden Periode ausgewiesene Verluste der verbrieften Forderungen.

IV. Würdigung 1. CRT-Instrumente und die Kreditkrise Die Ereignisse in der Folge der Kreditkrise haben gezeigt, dass die modernen CRT-Instru­mente besondere Risiken beinhalten. Verschiedene Institutionen und Gremien haben Analysen zu den Ursachen der Kreditkrise veröffentlicht. In der Folge sollen diese in den Bereichen der Entstehung (Origination), der Übertragung und Übernahme (Risk Transfer) sowie der Bewirtschaftung (Risk Management) von Kreditrisiken dargestellt werden. 1.1 Risikoentstehung Mit der Möglichkeit, übernommene Kreditrisiken an die Finanzmärkte weitergeben zu können, sank die

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Basel II, §§ 784 f. Basel II, § 825, Tabelle 8.

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Hemmschwelle, Kredite auch an schlechte Schuldner zu vergeben.89 Bei den US-amerikanischen Subprime-Hypotheken deutet vieles darauf hin, dass auf der Stufe der Kreditvergabe falsche Anreizstrukturen eine wesentliche Rolle spielten: So wurden Hypothekar­kredite an Schuldner vergeben, die weder Einkommen noch Ver­mögen nach­weisen mussten.90 Durch das Geschäftsmodell «originate and distribute» war das Kreditrisiko zudem schliesslich oft mehrere Stufen vom Originator entfernt. Dadurch sanken für diesen die Anreize, den Kreditnehmer zu über­wachen und für eine pünktliche Rückzahlung des Kredites besorgt zu sein. Die Kombina­tion von umsatzabhängi­gen Prämien­systemen im Kreditgeschäft und fehlenden Anreizen zur Kreditüberwachung hat gemäss einer Meinung erheb­lich zum Ausbruch der Kreditkrise beige­tragen.91 1.2 Risikoübertragung Mit dem Begriff des Warehousing Risk wird die Gefahr bezeichnet, dass im Falle eines Nachfragerückgangs auf den Märkten für Kreditrisiken Originators gros­se und potenziell überbewertete Kreditrisikopositionen in ihren eigenen Büchern behal­ten müssen.92 Im Zuge der Kreditkrise fiel die Liquidität an den Märkten auf­grund von Unsicherheiten und Vertrauensverlust rapide, und das Warehousing Risk rea­li­sier­te sich für viele Institute. Während der Kreditkrise mussten zudem einzelne Banken ihre eigentlich bereits in SPV ausgelagerten Aktivitäten und Risiken wieder in ihre eigene Bilanz zurücknehmen.93 Grund dafür dürften vor allem Sorgen um den Ruf der Unternehmung gewesen sein (Reputation Risk). Weiter erlauben es CRT-Instrumente, regulierte Bankrisiken in regulierte Versiche­rungs­risiken und umgekehrt überzuführen. Strukturen wie die sog.

Transformers treten als Versicherungs­nehmer und Risikokäufer bzw. als Versicherungs­geber und Risiko­ verkäufer am Derivatmarkt auf.94 Damit können Banken und Versiche­rungen in Geschäftsbereichen tätig werden, deren Bearbeitung ihnen der Regulator eigentlich untersagen wollte. 1.3 Risikoübernahme In der Theorie erlaubt es CRT, Risiken weiterzugeben, besser zu diversifizieren und damit deren Verteilung breiter abzustützen.95 In der Praxis ist aber die Marktkonzentration erheblich. Gemäss einer Umfrage waren im Jahr 2003 weltweit bloss 17 Banken für 83 Prozent der Credit Default Swap-Transaktionen verant­wortlich.96 Im US-amerikanischen Markt war die Konzentration noch stär­ker ausgeprägt: Der Anteil der fünf grössten Institute betrug im 3. Quartal 2007 über 99 Prozent.97 Eine solche Konzentration birgt Risiken bezüglich Marktstabilität,98 Liquidität des Marktes und korrekter Preisfindung.99 Bei abgeleiteten und kombinierten CRT-Instrumenten wie higher-tier-Verbriefungen ist eine zuverlässige Prognose der zukünftigen Zah­lungs­ströme aufgrund der hohen Zahl von Underlyings und der (mehrfachen) Tranchierung selbst für professionelle Marktteil­nehmer schwierig. Von der Europäischen Zentralbank EZB befragte Banken bezweifelten in einer Umfrage, dass die an CRT-Transaktionen beteiligten Institute die damit verbundenen Risiken wirk-

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Bank of England, Financial Stability Report, Issue No. 21 (April 2007), London 2007, 6. Vgl. auch Kiff John/Mills Paul, Money for Nothing and Checks for Free: Recent Developments in U.S. Subprime Mortgage Markets, IMF Working Paper No. 07/188, 7 f. Sog. «Ninja Loans»: «No income, no job, no assets». Kiff/Mills (zit. Fn. 89), 7. Financial Services Authority, Cross-Sector Risk Transfers (Discussion Paper), London 2002, 19 f. So gab etwa Citigroup Mitte De­zem­ber 2007 bekannt, dass sie strukturierte Anlagevehikel (SIV) im Umfang von USD 60 Mrd. wieder in die eigene Bilanz aufnehmen werde, NZZ vom 15. Dezember 2007, 23.

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European Central Bank, Credit Risk Transfer by EU Banks: Activities, Risks and Risk Management, Frank­ furt am Main 2004, 15; Financial Services Authority (zit. Fn. 92), 13. BIS, Credit Risk Transfer – Report Submitted by a Working Group Established by the Committee on the Global Financial System, Basel 2003, 26. Deutsche Bundesbank, Instrumente zum Kreditrisikotransfer: Einsatz bei deut­schen Banken und Aspek­te der Finanzstabilität, Monatsbericht April 2004, 27 ff., 35. Comptroller of the Currency, OCC’s Quarterly Report on  Bank Derivatives Activities – Third Quarter 2007, ­Washington 2007, Graph 4. Beim Konkurs von Lehman Brothers führte weniger die Abwicklung von Kreditderivaten auf Lehman-Kredite zu Problemen (vgl. etwa «ISDA CEO Notes Success of Lehman Settlement, Addresses CDS Misperceptions», Pressemitteilung der ISDA vom 21. Oktober 2008) als viel­mehr der Ausfall von Lehman Brothers als Gegenpartei (Sicherungsgeber) von Kredit­derivat­transak­tionen. Vgl. dazu BIS (zit. Fn. 95), 27; European Central Bank (zit. Fn. 94), 22 f.

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lich erkennen und verstehen würden. Prob­lematisch seien dabei insbesondere die intransparenten Preisund Risiko­mecha­nismen.100 Wegen der Komplexität der CRT-Instrumente verliessen sich viele Investoren mindestens teilweise auf Ratings von anerkannten Agen­tu­ren.101 Externe Ratings von anerkannten Agenturen spielen unter dem aktuellen Regime von Basel II eine essenzielle Rolle für die modernen Instrumente des Kreditrisiko­trans­ fers.102 Im Verlaufe der Kreditkrise gerieten die Ratingagenturen in mehr­facher Hinsicht in Kritik:103 – Sie seien aufgrund der Beauftragung und Bezahlung durch die Emittenten Interessen­konflikten ausgesetzt; – die von ihnen verwendeten Ratingmodelle seien einer Arbitrage durch die Emittenten zugänglich; – die verwendeten Modelle würden auf ungenauen und verzerrten Daten beruhen; und – die verwendeten Ratingskalen seien inkonsistent und irreführend.

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1.4 Risikobewirtschaftung Aus Sicht der Regulierungsbehörden stellt sich die Frage, ob die Risikomanagement­systeme der beaufsichtigten Institute die CRT-Instrumente überhaupt beherrschen. Nach der Ein­schätzung der Banken soll dies vor kurzem noch der Fall gewesen sein.104 Die enormen Ab­schrei­bun­gen auf diesen Ins­ trumenten in der Folge der Kreditkrise deuten aber auf das Gegenteil hin. Die Auswirkungen der Kreditkrise haben gezeigt, dass das Risiko­management vieler Akteure für die neuen CRT-Instrumente unge­ nügend ist. So ergaben etwa die Selbstanalyse der UBS und deren nachfolgende Überprüfung durch die damalige Eidgenössische Bankenkommission unter anderem folgende Ur­sachen für die hohen Verluste der Bank in der Kreditkrise:105 Ein Versagen der Risikomessungs- und Risiko­steuerungs­systeme, eine Unvollständigkeit der Risikomodelle, fehlende interne Limiten, falsche interne Anreize sowie Interessenkonflikte. 2. Reformbestrebungen

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European Central Bank (zit. Fn. 94), 23 und 27. BIS (zit. Fn. 95), 23. Viele Investoren wie z.B. Investmentfonds oder Pensionskassen dürfen aufgrund von gesetzlichen Vorschriften nur Wertschriften mit AAA-Rating halten. Aus dem Bereich der Kreditderivate seien beispielhaft die folgenden Aspekte hervorgehoben: – Ob die Absicherungswirkung eines Kreditderivates im Bankenbuch anerkannt werden kann, ist davon abhängig, ob die Gegenpartei über ein externes Rating einer bestimmten Qualität verfügt. – Die Höhe der gewährten Eigenmittelentlastung stellt im Standardansatz direkt auf das Rating der Gegen­ partei ab. – Die Unterlegungssätze für Kreditderivate im Handelsbuch hängen direkt von den Ratings der Emittenten der Instrumente ab. – Die Einordnung eines Kreditderivates als «qualifiziertes Zinsinstrument» ist davon abhängig, ob das Instrument über ein externes Rating einer bestimmten Qualität verfügt. Für Verbriefungen sind externe Ratings womöglich von noch grösserer Be­deu­tung. Aufgrund der komplexen Struk­turen und der enthaltenen Risiken ist ein Rating der ausgegebenen Titel schon bei einfacheren ABS zwin­ gende Voraussetzung für eine erfolgreiche Platzierung am Finanzmarkt. Vgl. dazu etwa CESR, Second Report to the European Commission on the Compliance of Credit Rating Agencies with the IOSCO Code and the Role of Credit Rating Agencies in Structured Finance, Paris 2008; IOSCO, The Role of Credit Rating Agencies in Structured Finance Markets – Final Re­port, Madrid 2008.

In der Folge der Kreditkrise wurde erkannt, dass auch die neuen Vorschriften von Basel II die Kreditkrise nicht verhindert hätten. So schrieb etwa die Schwei­ze­rische Nationalbank: «Two problems that lie at the heart of the crisis cannot be solved by the Basel II regulation. The first is the poor credit risk assessment by banks and rating agencies. […] The second problem is market risk assessment».106 In der Folge der Kreditkrise be­schloss der Bas­ ler Ausschuss im März 2008, die Vor­schriften zu den Marktrisiken zu überarbeiten. Zu den Zielen der vorge­schlagenen Revision gehörten ins­be­son­ dere der Einbezug von zusätzlichen Risiken, die Verbesserung der bank­inter­nen Value-at-Risk-Modelle für Marktrisiko sowie die Überarbeitung der Bestimmun­gen zu weniger liquiden Positionen.107 Das Financial Stability Board erkannte in seiner

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European Central Bank (zit. Fn. 94), 27 f. Vgl. UBS, Shareholder Report on UBS’s Write-Downs, Zürich 2008 sowie Eidgenössische Bankenkommis­sion, Sub­prime-Krise – Untersuchung der EBK zu den Ursachen der Wertberichti­gun­gen der UBS AG, Bern 2008. Schweizerische Nationalbank, Financial Stability Report 2008, Zürich 2008, 35. BIS, Proposed Revisions to the Basel II Market Risk Framework – Consultative Document, Basel 2008.

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Analyse die Verbriefungs­instru­mente als primäre Verlustquelle der Banken. Die Komplexität dieser Instrumente habe dazu geführt, dass sowohl Banken wie Ratingagenturen die damit ver­bundenen Risiken systematisch unterschätzt hätten. Der Basler Ausschuss werde die Eigen­mittelanforderungen erhöhen müssen, insbesondere für das Handelsbuch.108 Im Juli 2008 veröffentlichte der Basler Ausschuss erste Vorschläge für Anpassungen, welche die wahren Risiken besser abbilden sollen.109 Weiter wurde den einzelnen Aufsichtsbehörden nahegelegt, von ihren Kompetenzen innerhalb der zweiten Säule von Basel II Gebrauch zu machen, um den Aufbau von übermässigen Risi­ken zu verhindern.110 Ratingagenturen werden in Zukunft sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union einer strengeren Regulierung unterliegen, insbesondere bezüglich Bewilli­gungs­­pflichten, Transparenz sowie der Erbringung von Beratungs­dienstleistungen.111 Die Bedeutung der externen Ratings in Basel II wird hingegen kaum infrage ge­stellt werden, da Alternativen im Moment nicht vorhanden sind. Das Financial Stability Board mahnt aber immerhin an, dass die Regulierungsbehörden die Rolle von Ratings überprüfen sollten.112 Die Erhöhung der erforderlichen Eigenmittel für bestimmte Positionen mit Ratings drückt implizit auch Zweifel an der Verlässlichkeit der Ratings aus. In der Schweiz wurde als Reaktion auf die Kreditkrise primär auf die Mitarbeit der FINMA und der SNB in internationalen Gremien und damit deren Reform­bestrebun­gen hingewiesen. Zudem habe sich der von der Aufsichtsbehörde verfolgte Ansatz

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Financial Stability Forum (zit. Fn. 83), 13 f. «Computing Capital for Incremental Risk in the Trading Book» and «Revisions to the Basel II Market Risk Framework» – Consultative Documents Issued by the Basel Committee on Banking Supervision, Pressemitteilung der BIS vom 22. Juli 2008. Financial Stability Forum (zit. Fn. 83), 13 und 17. Vgl. «Proposed Rules for Nationally Recognized Statistical Rating Organizations» der SEC vom 16. Juni 2008 sowie den Vorschlag der Europäischen Kommission für eine «Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Ratingagenturen». «Authorities should check that the roles that they have assigned to ratings in regulations and supervisory rules are consistent with the objectives of having investors make independent judgment of risks and perform their own due diligence, and that they do not induce uncritical reliance on credit ratings as a substitute for that independent evaluation», Financial Stability Forum (zit. Fn. 83), 38.

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des «Swiss Finish» mit zusätzlichen Eigenmitteln bewährt. Im Basler Ausschuss werde man auf eine «Verschärfung» von Basel II hinsichtlich Unterlegung von Markt­risiken und Stärkung der Eigenmittel hinarbeiten.113 Für die Grossbanken wur­de im Herbst 2008 eine «Leverage Ratio» eingeführt.114 3. Fazit Basel II ist Dreh- und Angelpunkt der modernen Bankenregulierung. Die Kredit­krise hat aber Marktteilnehmern und Aufsichtsbehörden weltweit die Grenzen dieses Systems aufgezeigt. Die Komplexität und Detaillierung der aktuellen Aufsichtssysteme täuschte offenbar eine falsche Sicherheit vor. Bereits 1999 warnte Daniel Zuberbühler Banken und Auf­ sichts­behörden davor, der Modellgläubigkeit zu verfallen. Beinahe prophetisch klingt heute die Aussage, je komplexer eine Organisation sei, desto eher bestünde die Gefahr, die Übersicht zu verlieren!115 Mit den «neusten» Ansätzen (Stichwort: Leverage Ratio) scheinen die Regulierungs­be­hörden nun aber einen grundsätzlich lobenswerten Weg zurück zu einfacheren Konzep­ten zu verfolgen. Auch der Basler Ausschuss kündigt neuerdings derartige Massnah­men an: «[…] the need to supplement risk-based measures with simple gross measu­res of exposure in both prudential and risk management frameworks to help contain le­ve­rage in the banking system».116 Auf Regulierungsseite dürften die Ursachen der Kreditkrise zu einem Teil noch beim Regelwerk von Basel I liegen. Von Seiten der Aufsichtsbehörden und internationa­len Organisationen wird aber aner­kannt, dass auch die neue Rahmenvereinbarung verbessert

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Zuberbühler Daniel, Globalisierte Kreditkrise – Konsequenzen für die Banken­auf­sicht, Referat an der EBKJahresmedienkonferenz vom 1. April 2008, 7 f. Vgl. «EBK und Grossbanken einigen sich auf höhere ­Eigenmittelziele und die Ein­füh­rung einer Leverage Ratio», Pressemitteilung der damaligen EBK vom 4.  Dezember 2008. Als «Ergänzung zum risikobasierten Eigen­mittelerfordernis» wurde eine Leverage Ratio von minimal 3 Prozent (auf Konzernebene) bzw. minimal 4 Prozent (auf Ebene der Einzelinstitute) eingeführt. Zuberbühler Daniel, Revision des Capital Accord des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, in: Nobel Peter (Hrsg.), Aktuelle Rechtsprobleme des Finanz- und Börsenplatzes Schweiz, Bd. 8/1999, Bern 2000, 135 ff., 165. «Comprehensive Strategy to Address the Lessons of the Banking Crisis Announced by the Basel Committee», Pressemitteilung der BIS vom 20. November 2008.

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werden muss. Externe Ratings und interne Bewertungsmodelle sind Grund­­­pfeiler des Basel II-Regelwerkes für Verbriefungen. Heute werden beide als ursächliche Probleme der Kreditkrise gesehen, Alternativen dazu sind zurzeit aber keine in Sicht. Die Schweiz wird einerseits in die Überarbeitung von Basel II involviert sein und diese Anpassungen

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umsetzen. Andererseits haben die Aufsichtsbehörden im Herbst 2008 aber auch schon gezeigt, dass sie den vorhandenen Spielraum im Rah­men der zweiten Säule von Basel II auszunützen gedenken. Eine weitere Professio­nalisierung der Aufsicht muss zudem erklärtes Ziel sein.