Klaus Baltzer zum Gedenken Klaus Baltzer, Professor emeritus für

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Klaus Baltzer zum Gedenken Klaus Baltzer, Professor emeritus für alttestamentliche Theologie in der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universitä...

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Klaus Baltzer zum Gedenken

Klaus Baltzer, Professor emeritus für alttestamentliche Theologie in der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität München, wurde am 3. März 1928 als Sohn eines Arztes im Hamburg geboren. Seit seinem sechsten Lebensjahr war er in Wuppertal zu Hause, einem Ort, der einer der Brennpunkte des Kirchenkampfs wurde. Die Jahre als Schüler und Konfirmand hat Klaus Baltzer in diesem Umfeld erlebt. Was er damals an Bedrückung nicht zuletzt jüdischer Menschen und auch an tapferem Widerstand mitbekam, hat ihn tief geprägt. Zeit seines Lebens hat er die Erinnerung daran lebendig gehalten, die er auch als akademischer Lehrer den kommenden Generationen weiterzugeben nicht müde wurde. Seit 1944 musste er als Flakhelfer in den Krieg. Von den zweiunddreißig Knaben, die 1936 zusammen mit ihm am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium begannen, haben nur acht überlebt. Die Erfahrungen von Kirchenkampf und Krieg gaben den Anstoß, nach dem Abitur 1947 mit dem Studium der Theologie zu beginnen, zuerst in der Heimat Wuppertal an der neu gegründeten Kirchlichen Hochschule, bald darauf in Tübingen, in Heidelberg und zuletzt in Bonn. Die Lehrer im Alten Testament wurden Gerhard von Rad und Martin Noth. Während des Vikariats bei der Rheinischen Landeskirche erreichte ihn 1953 die Einladung, bei Hans Walter Wolff in Wuppertal Assistent zu werden. Ein Jahr später wechselte er auf die Assistentenstelle bei Gerhard von Rad in Heidelberg. Die zur Habilitationsschrift erweiterte Dissertation über das Bundesformular aus dem Jahre 1959 ist ein Musterbeispiel für die formgeschichtliche Arbeit, die seinerzeit in großer Blüte stand. Sie beeindruckt vor allem, weil Baltzer die Definition der Gattung nicht allein auf dem Wege des Rückschlusses und des innerbiblischen Vergleichs gewann, sondern in einem Maße, das nicht die Regel war, das altorientalische Vergleichsmaterial heranzog. Was sich in der späteren Forschung unter dem Gesichtspunkt „Das Deuteronomium als Vertragsformular“ bestätigt hat, findet sich weitgehend schon bei Klaus Baltzer. Auf diese Weise hat er auf die Deutung jenes biblischen Buches, das man mit Recht die Mitte des Alten Testaments genannt hat, nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Entscheidend für den weiteren Lebensweg wurde der Wechsel in die Vereinigten Staaten. 1962-63 erhielt Klaus Baltzer einen Ruf an das Garret Biblical Institute in Evanston bei Chicago. Während seines dortigen Aufenthalts wurde zusammen mit Frank Moore Cross, Helmut Koester und James M. Robinson der Hermeneia-Kommentar gegründet, der ohne Klaus Baltzer nicht zu denken ist. Dieser Kommentar gehört zu den exegetisch anspruchsvollsten Reihen in englischer Sprache und entwickelte sich zu einem Brückenglied zwischen der amerikanischen und der deutschsprachigen Exegese wie auch zwischen den Konfessionen. In der Hermeneia erschienen die Übersetzungen der Kommentare von Hans Walter Wolff zum Dodekapropheton und von Walther Zimmerli zum Ezechielbuch. Klaus Baltzer war für diese Reihe zuletzt betreuender Herausgeber des dreibändigen Psalmenkommentars der Katholiken Frank-Lothar Hossfeld und Erich Zenger. Dort erschien 2001 sein eigener, großer Kommentar zu Deutero-Jesaja (deutsche Fassung 1999). Schon 1963 ging Klaus Baltzer von Evanston nach Bethel. Seither trat in seiner Forschung die Prophetie in den Vordergrund, und zwar die narrative Seite der Prophetie. Die Berufungsszenen erwiesen sich als Beispiele von „Ideal-Biographien“. Wieder wurde der Vergleich mit außerbiblischem Material entscheidend, diesmal besonders aus Ägypten. „Die Biographie der Propheten“ erschien 1975. In der Folge entstand das szenische Verständnis des Deutero-Jesaja als eines „liturgischen Dramas“, an dessen

Kommentierung Klaus Baltzer jahrzehntelang gearbeitet hat. Auch für diese Hypothese stand außerbiblisches Material bereit, diesmal besonders aus dem griechischen Kulturraum. Dadurch verschoben sich die in der Exegese üblich gewordenen Koordinaten: Deutero-Jesaja erwies sich als ein Dokument der Neukonstitution nach dem Exil und geriet in die Nähe Nehemias im 5. Jahrhundert. Im Jahre 1968 folgte Klaus Baltzer dem Ruf an die neu gegründete Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität München. Hier wurde er zu einem Studenten-Professor im besten Sinne. Dazu trug seine Internationalität wesentlich bei. In den USA hatte er einen akademischen Stil kennengelernt, der – im Unterschied zu manchem Fakultätskollegen – auf professorale Hierarchien keinen Wert legte. Seine Seminare waren beliebt und überaus anregend, weil er selber sehr ausgeprägt der Lernende blieb und seine Begeisterung für das Fach und für neue Perspektiven lebhaft vermittelte. Bis heute sind die zweitägigen Semesteranfangstreffen im bayerischen Oberland vielen in Erinnerung, die damals dabei waren. Mit ihnen begannen regelmäßig die Hauptseminare, und dort entstand zwanglos eine vertraute Atmosphäre, die im weiteren Semester für lebhafte Beteiligung sorgte. Für Ideen und Anregungen seiner Studenten hatte Klaus Baltzer immer ein offenes Ohr. Auf diese Weise gewann er eine bemerkenswerte akademische Wirksamkeit. Er hat stets viele Doktoranden betreut, und nicht wenige seiner Schüler konnten Lehrstühle erringen. Das Gespräch über die Grenzen der Disziplinen hinweg war für Klaus Baltzer lebenswichtig. Er suchte für seine Forschung und Lehre stets nach Anregungen aus der Altorientalistik, aus der Ägyptologie, aus der Archäologie, aus der Gräzistik und der Alten Geschichte. Regelmäßig führte er mit Fachvertretern anderer theologischer, altertums- oder humanwissenschaftlicher Disziplinen interdisziplinäre Seminare durch, in denen fruchtbare Einsichten zu Themen gewonnen wurden, die heute erneut die Forschung bewegen. Schon als Jugendlicher in Wuppertal hatte er die Erfahrung gemacht, wie wichtig der Zusammenhalt der Gemeinde ist. Deshalb lag ihm auch in dem – sehr anderen – lutherischen Umfeld in Bayern die Verbindung zwischen Theologie und Kirche am Herzen. Fast zwei Jahrzehnte lang war er als Vertreter der Münchener Fakultät Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Auch seine ökumenische Gesinnung war ausgeprägt. Unter den Kollegen der verwandten Fächer entstand in München ein lebendiges Netzwerk. Das schloss besonders Vinzenz Hamp und Josef Scharbert ein, die Alttestamentler der Katholisch-Theologischen Fakultät, und den Assyriologen Dietz-Otto Edzard als Freund aus Heidelberger Jahren. Aus Heidelberg datierte die enge Verbundenheit mit dem Neutestamentler Helmut Koester in Harvard, mit dem er jährlich im November im Herausgeberkreis der Hermeneia zusammentraf. Diese Herausgebertreffen waren für Klaus Baltzer als ein Ort der Freundschaft lebenswichtig. Dort kamen im Laufe der Jahre weitere Beziehungen hinzu, besonders eng mit Peter Machinist aus Harvard. Im November 2012 erlitt Klaus Baltzer zusammen mit Helmut Koester in den USA einen schweren Verkehrsunfall. Zwar konnte er sich davon wieder erholen, aber seine Kraft war seither eingeschränkt. Am 6. September 2017 ist er im neunzigsten Lebensjahr in Deisenhofen bei München gestorben. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität gedenkt seiner in großer Dankbarkeit. Friedhelm Hartenstein / Christoph Levin