Lieb mich! - Klaus Witting

Lieb mich! - Klaus Witting

LIEB MICH! Drehbuch von Klaus Witting Frei nach dem Roman "If I should die before I wake" von Michelle Morris - AUSZUG - Kontakt: Email: [email protected]

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LIEB MICH! Drehbuch von Klaus Witting

Frei nach dem Roman "If I should die before I wake" von Michelle Morris

- AUSZUG -

Kontakt: Email: [email protected] Tel:

+49 (0) 172 8539839

Copyright ©2016 Klaus Witting

INNEN - MADDOGS SCHLAFZIMMER - NACHT Geisterhaft fahles Licht dringt durch das vorhanglose Fenster. Kräftige Wandböen prallen gegen die Straßenlaterne vor dem Fenster. Das eindringende Licht pendelt über Möbel und Wände. Langsam schweift die KAMERA über Schlafzimmermöbel, achtlos hingeworfene Männerkleidung; Hose, Socken, Hemd, Krawatte, Unterhose, bis schließlich die kräftige Gestalt eines Mannes ins Bild kommt. Maddog liegt auf dem großen Doppelbett, zusammengekauert wie ein Riesenbaby. Das Laken ist verdreht und bedeckt seinen nackten Körper nur spärlich. Die KAMERA setzt ihre Fahrt fort, bis sich plötzlich ein großer Revolver ins Bild schiebt. Er ist auf den Schlafenden gerichtet. Der Armeerevolver wird von STELLAS zierlichen Hand gehalten. Ihre Augen starren zu dem Mann hinüber. Langsam und sehr vorsichtig senkt sie die Waffe und legt sie in ihren Schoß. Das etwa fünfzehnjährige, blasse Mädchen mit großen, wachen Augen, sitzt in einem Sessel. Sie ist von vier Handpuppen mit fast menschlichen Zügen umgeben. MYMOUSE, LEOLY, PUNKEY und KRISTEL. Im Gegensatz zu Stellas Gelassenheit, scheint der Ausdruck der Puppen von Hass geprägt zu sein. Als erster spricht Punkey, der Affe. PUNKEY (leise, ohne seine Lippen zu bewegen) Lasst ihn uns fertig machen. Jetzt, für immer und ewig! Stille. Stella, Augen halb geschlossen, scheint ihn nicht zu hören. PUNKEY (WEITER) (dringlicher) Auf geht's! Auf geht's! Leoly, eine unglückselige Mischung zwischen einem langmähnigen Löwen und einem Esel meldet sich auch. LEOLY (leise, mit rauer Stimme) Nicht einmischen! Auf keinen Fall jetzt einmischen! Nicht unsere Show. Mia, eine goldgelockte, zierliche Puppe, spricht als Nächste. Ihr zerbrochenes Porzellangesicht ist mit Tesafilm notdürftig zusammengeklebt.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

2. WEITER: KRISTEL (irritiert) Sei ruhig du Affe sonst wecken wir ihn auf! Mymouse, eine Spitzmaus mit einer langen, kegelförmigen Nase, melden sich auch. MYMOUSE (nervös) Richtig, richtig! Sonst wecken wir ihn auf. Kristel weiß Bescheid! Plötzlich regt sich die Gestalt auf dem Bett. Die Waffe in Stellas Hand schießt hoch und zielt auf den Mann. INNEN - SCHULKORRIDOR - TAG Eine Flügeltür öffnet sich mit einem lauten Krach und Stella betritt den Korridor. Sie schiebt einen großen, phantasievoll bemalten Kinderwagen vor sich her. In dem Wagen transportiert sie ihr mobiles Puppentheater. Stella ist von einer Meute Schulkinder umgeben die ihr wie ein Bienenschwarm folgen und immer wieder versuchen einen Blick in den Wagen zu werfen. Stella versucht sie so gut wie möglich davon abzuhalten. INNEN - KLASSENZIMMER - TAG Der Schwarm löst sich auf als Stella ihr Klassenzimmer betritt. Ihre Mitschüler ignorieren sie, während sie den Kinderwagen in einer Ecke des Raumes abstellt und zu ihrem Platz läuft. Ihre Schuluniform scheint zu groß, ihre müden Augen haben dunkle Ränder. LAURENZ, ein übergewichtiger, gehässiger Junge, wendet sich ihr zu. Andere Augenpaare folgen. LAURENZ Wieder mal die Nacht durchgezecht, was, Dornröschen? Einige Schüler lachen und spötteln, doch sie werden plötzlich von Punkeys Stimme unterbrochen. PUNKEY (V.O.) (hasserfüllt) Arschgeige! Verdutzte Gesichter, dann Gegröle, während Laurenz bedrohlich an Stella herantritt. LAURENZ (gekünstelt) Entschuldigung, ich habe das eben nicht richtig mitgekriegt. Was meintest du? (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

3. WEITER: STELLA (leise) Nichts. Hilfe kommt unerwartet von Rektor Loose, der in Begleitung einer neuen Lehrerin, das Klassenzimmer betritt. Die Lehrerin, CARINA SILVA, scheint die Situation auf den ersten Blick zu durchschauen. Sie lächelt Stella zu, während sich der Rektor, in seiner üblich geschwollenen Art an die Klasse wendet. LOOSE (fröhlich) Es ist mir eine Ehre, meine Damen und Herren, Ihnen Frau Silva, Ihre neue Sozialkundelehrerin vorzustellen. (nach einem jovialen Blick zur Lehrerin) Ich bitte Sie, sich Frau Silva gegenüber anständig zu benehmen. Sie ist neu im Lehramt und Sie sind ihre erste Klasse. Frau Silva scheint die Bevormundung nichts auszumachen, wenn ja, dann lässt sie es sich nicht anmerken. Ihr Lächeln ist warm und ehrlich. LOOSE (WEITER) Meine Türe ist jederzeit offen wenn es Probleme geben sollte. (mit einem lakonischen Blick zu Stella) Für Sie auch, Maddog. Stella die ihren Blick gesenkt hatte, blickt auf und läuft rot an. Ihre gehetzten Augen finden in denen von Frau Silva Zuflucht. Rektor Loose verabschiedet sich mit einem letzten, affektierten 'Au Revoir' und verlässt den Raum. FRAU SILVA Keine schlechte Vorstellung. Schön euch alle kennenzulernen. Ein Stimmengewirr ist die Antwort auf Frau Silvas ersten Worte, doch sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. FRAU SILVA (WEITER) Wie Herr Loose bereits angedeutet hat, bin ich neu in diesem Geschäft, aber vielleicht konnten wir ja versuchen, sozusagen als sozialkundig-praktisches Experiment, diesen Kurs erfolgreich zu gestalten? (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

4. WEITER: Einige Schüler geben zustimmende Laute von sich, andere besonders die Gruppe um Laurenz bleiben quatscht unbeeindruckt weiter. Plötzlich LÄUTET die Schulglocke. LAURENZ (autoritär) Feueralarm! Wir müssen sofort raus hier. Es brennt! Er springt auf und die anderen Kinder folgen ihm. Schultaschen landen auf dem Boden, Stühle werden umgestoßen. Der Klassenraum ist in sekundenschnelle leer. Stella ist die einzige die sich nicht von ihrem Platz rührt. FRAU SILVA Ich nehme an, wir sollten den anderen folgen. STELLA (leise, ohne aufzublicken) Es ist nur eine Übung. Loose behauptet, es bricht das Eis zwischen einem neuen Lehrer und seiner Klasse. Macht er immer. Wie auf Kommando stürzt Loose ins Klassenzimmer. LOOSE Was machen Sie denn noch hier, in Gottes Namen? Haben Sie denn die Alarmglocke nicht gehört? (wild gestikulierend) Raus, raus, raus! Stella steht von ihrem Platz auf und läuft zu ihrem Kinderwagen. FRAU SILVA Wir waren gerade unterwegs... Loose fällt ihr ins Wort. LOOSE (aufgeregt) Lass die blöden Puppen, Maddog, lass sie wo sie sind und lauf um dein Leben. Los! (zu Frau Silva) Bringen Sie sie bitte schnell nach draußen - es muss schnell gehen. Bitte! Er stürzt aus dem Raum. Frau Silva hilft Stella ihren Theaterwagen an den umgeworfenen Stühlen vorbei zu manövrieren. Zusammen schieben sie den Wagen in den Korridor.

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5.

INNEN - KORRIDOR - TAG Die letzten Nachzügler, stürmen an Frau Silva und Stella vorbei, in Richtung Ausgang, doch die beiden lassen sich Zeit. FRAU SILVA Was hast du da drin? Scheint doch sehr wichtig zu sein. STELLA Mein Puppentheater. Heute Nachmittag hab ich eine Vorstellung in der Bibliothek. Um zwei Uhr. Sie erreichen gerade die Flügeltür zum Ausgang als ihnen eine Meute frustrierter Schüler entgegenkommt. Das frühzeitige Ende der Feuerübung löst Kommentare aus wie: "Wenn doch der verdammte Ort mal wirklich abrennen würde!", etc. Rektor Loose erscheint auch. Er hebt seinen Zeigefinger und setzt eine gespielt ernste Miene auf. LOOSE (ohne stehen zu bleiben) Keine gute Vorstellung, Frau Silva. Eines Tages konnte dies ein Ernstfall sein. (zu Stella) Und was Sie betrifft, Maddog, sagen Sie Ihrem Vater dass ich mit ihm sprechen will. Stella wird steif und dreht sich weg. Sie läuft zurück zum Klassenzimmer, ohne auf Frau Silva zu warten. FRAU SILVA (Stella hinterher rufend) Wie heißt du? STELLA (ohne sich umzublicken) Stella Maddog. AUßEN - STELLAS SCHULE - TAG Das Schulgebäude liegt an einem Fußball-Bolzplatz. Das Spiel wurde für die Feuerprüfung unterbrochen. Nun pfeift der Sportlehrer wieder an. Irgendwo singt eine Lerche im blauen Himmel.

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6.

AUßEN - STRAßE - TAG Eine Reihe von bewegten KAMERAFAHRTEN entlang mehrerer Straßenzüge enthüllt eine saubere und ruhige Kleinstadt. Die Bilder werden von einer melancholischen, beinahe 'besessenen' Musik begleitet. Schließlich kommt die Stimme von FELIX Maddog dazu. MADDOG (O.S.) In dieser Stadt hat man wirklich das beste zweier Welten. Auf der einen Seite den Strand, die wunderbare Landschaft und die Intimität einer Kleinstadt - auf der anderen Seite sind Sie bei all dem nur knapp eine Stunde von Berlin entfernt. Ich verspreche ihnen Sie werden sich im Handumdrehen in dieses Städtchen verlieben. Ein 5-6 Jahre alter BMW fährt ins Bild. Die KAMERA fährt weiter mit. Maddog sitzt am Steuer. Seine Beifahrer sind ein älteres Paar, Herr und Frau HOLD. MRS. HOLD (O.S.) Das sind wir schon, Maddog, glauben Sie mir, das sind wir schon. Es geht uns nur drum, das richtige Haus zu finden; sonst kann mein Mann nicht arbeiten. INNEN - BMW - TAG Maddog blickt in den Rückspiegel.

Hold sitzt hinter ihm.

MADDOG Was machen Sie beruflich, wenn man fragen darf? HOLD Ich schreibe. MADDOG Ach, ein Journalist. So ein Zufall! Erst letzte Woche hätte ich um ein Haar einem Kollegen von ihnen ein Haus verkauft. Leider musste er in letzter Minute wegen Finanzierungsschwierigkeiten abspringen.

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7. WEITER: MRS. HOLD (etwas irritiert) Mein Mann ist Autor. Er schreibt wissenschaftliche Bücher zum Thema Kinderpsychologie. Deswegen muss das Haus das richtige Ambiente haben. MADDOG Verstehe. Faszinierendes Thema... Kinderpsychologie. Ich kann nicht behaupten, dass ich viel davon verstehe, außer der üblichen Elternweisheit. Ich habe nämlich eine dreizehnjährige Tochter und ich sage Ihnen, die treibt mich öfter mal an den psychischen Abgrund. Er lacht und biegt in eine hübsche, bebaumte Straße ein. MADDOG (WEITER) Ich erziehe sie alleine. Früher, als ich noch in der Armee war, haben wir in Deutschland gewohnt. Nach dem Tod meiner Frau bin ich dann mit meiner Tochter zurück nach England gezogen. MRS. HOLD Armes Kind! MADDOG (kaufmännisch) Da sind wir! AUßEN - SOMMERVILLE COTTAGE - TAG Maddog springt aus dem Wagen und eilt auf die andere Seite wo er Mrs. Hold galant die Türe aufhält. Der plötzliche Umschwung in der Konversation verblüfft die potentiellen Käufer zwar etwas, doch bald wenden sie ihre Aufmerksamkeit dem hübschen Haus zu. Sie sind begeistert. Während Maddog in Richtung Haus vorweggeht, meldet sich Punkeys enthobene Stimme. PUNKEY (O.S.) Welch ein Wurm! (hastig) Lass ihn uns klarmachen!

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8.

INNEN - SCHULBIBLIOTHEK - TAG Punkey und Mymouse wandern durch einen Wald aus bemalter Pappe und Stoff. Sie haben gerade einen lange, saftigen Regenwurm entdeckt. MYMOUSE (besorgt) Wozu? Warum? Wofür, Punkey? PUNKEY (klopft sich an die Stirn) Für Kristel natürlich, du doofe Maus! Geburtstagsgeschenk. Verstehst? Wir können doch schlecht mit leeren Händen aufkreuzen. Mymouse ist nicht überzeugt. PUNKEY (WEITER) Schnell jetzt, hilf mir ihn in diesen, meinen Sack hineinzubugsieren. Punkey strengt sich an, den riesigen Wurm in den Sack zu bekommen, während Mymouse - eher schlecht als recht versucht den Sack offen hält. MYMOUSE Aber es ist doch so schleimig, Punkey. I... Ich dachte, wir konnten ihr vielleicht ein paar Blumen pflücken. Ich denk nicht, dass sie Würmer mag. PUNKEY (genervt) Na klar mag sie Würmer. Jeder mag Würmer. Du isst Würmer! MYMOUSE Nur w... wenn ich ganz und gar nichts anderes finden kann. Und auch dann nur vielleicht! PUNKEY Los, nun mach schon, halt den Sack auf! Nach einigem Hin-und-Her, schaffen sie es endlich, den Wurm in den Sack zu bekommen. Die etwa 20-30 anwesenden Kinder jubeln und klatschen. Die kleine Kulisse fängt an sich zu drehen, während Punkey und Mymouse in Richtung Kristels Haus weiterlaufen.

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9. WEITER: Die KAMERA fährt hinter die 'Kulissen', wo Stella ihren Puppen Stimmen und Bewegung verleiht. Die Stimmen sind die uns schon bekannten aus der Anfangsszene. Immer wieder blickt Stella durch ein Loch im Vorhang um die Reaktion ihres jungen Publikums zu prüfen. Zwei Lehrerinnen sitzen als Aufpasser am Rand doch die Vorführung scheint sie nicht sonderlich zu interessieren. Die eine liest in ihrem Smartphone, die andere ist eingedöst. Punkey und Mymouse kommen bei Kristels Haus an. Punkey klopft mit seinem Wanderstab an die Türe und Kristel erscheint. PUNKEY (WEITER) Einen wunderschönen Tag meine Liebste. Wir sind da. Hast du Kuchen für uns? KINDER (schreiend) Kuchen! Wo ist der Kuchen? MYMOUSE (aufgebracht) Hast du denn keine M... Manieren? Zuerst musst du doch Kristel 'Alles Gute' wünschen; doch nicht gleich nach Kuchen fragen. Aber wirklich Punkey! KRISTEL Ist schon in Ordnung, Mymouse, er meint es nicht böse. Punkey hält ihr wortlos den Sack entgegen, doch sobald ihn Kristel entgegen genommen hat, dreht er sich zum Publikum und kichert. KRISTEL (WEITER) (gerührt) Für mich? Ein Geschenk? Ein Wurm!

KINDER

Kristel hört den Zwischenruf nicht, da Leolys dröhnende Stimme aus dem Haus, dazwischenkommt. LEOLY (fröhlich) Salve, Freunde! Er erscheint im Fenster. PUNKEY (enttäuscht) Der Esel! (zu Mymouse) (WEITER) (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

10. WEITER: Jetzt können wir uns ja ausmalen wie viel Kuchen wir abbekommen werden! LEOLY (irritiert) Löwe, wenn ich bitten darf, Sie Affe! Riesen Beifall von den Kindern. Leoly brüllt, das die ganze Kulisse wackelt. Mymouse schubst Punkey an um ihn von einem weiteren Angriff auf Leoly abzubringen, doch es hilft nichts. PUNKEY Ach halt doch's Maul du... du. Ich weiß - wir fragen einfach die Kinder. Leolys Brüllen wird plötzlich leiser und verebbt schließlich in einem eigenartigen Eselsröcheln. PUNKEY (WEITER) (weiter; zu den Kindern) Ist er ein Löwe oder ein Esel? Einige KINDER rufen Esel!

KINDER

LEOLY (aufgeregt) Löwe! Eine andere Gruppe ruft Löwe!

KINDER

Es entwickelt sich ein heißes Wortgefecht zwischen den beiden Parteien. Die Kinder werden von Punkey und Leoly, kräftig angestachelt. Kristel, die immer noch den Sack hält, versucht sich durchzusetzen. KRISTEL Ich bitte euch! Ich bitte euch alle! Langsam beruhigen sich die Kinder, während Kristel in einer plötzlichen Anwallung von Euphorie, von einem ihrer Freunde zum anderen geht und schlichtende Küsse verteilt.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

11. WEITER: KRISTEL (WEITER) Ich bin so glücklich! So glücklich, euch alle hier zu haben, meine Freunde! (sie dreht sich um und läuft zum Haus) Kommt jetzt, lasst uns Kuchen essen und Tee trinken, und alle fröhlich sein. Punkey reibt sich die Hände als er Mymouse und Kristel ins Haus folgt. Leolys Kopf verschwindet auch aus dem Fenster. Aus dem Haus dringt nach einigen Augenblicken, Kristels Stimme. KRISTEL (O.S.) (WEITER) Aber zuerst muss ich Punkeys Geschenk aufmachen! Schauen wir mal! Die KINDER fangen an zu kichern. Ein kleiner Junge schreit Wurm!

JUNGE

Aus Kristels Haus dringt plötzlich ein schriller Schrei. Es folgt ein dumpfer Knall. MYMOUSE (O.S.) (aufgeregt) Schnell... W... Wasser! Sie ist in Ohnmacht gefallen! Die Kinder grölen und klatschen wild Beifall als sich der Vorhang schließt. AUßEN

STRAßE

NACHMITTAG

Eine ruhige, bebaumte Straße mit hübschen Häusern. Stella kommt auf uns zu; sie schiebt ihren Kinderwagen. Sie scheint tief in Gedanken verloren. Plötzlich wird sie von einer Autohupe aus ihren Gedanken gerissen. Sie blickt sich um und sieht einen Wagen neben ihr anhalten. Drinnen sitzt Frau Silva. FRAU SILVA Hi, Stella! STELLA (ohne anzuhalten, unverbindlich) Hallo.

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12. WEITER: FRAU SILVA Es tut mir leid, dass ich die Show verpasst habe. STELLA Macht nichts. War nicht so gut, heute. Nachdem Stella keine Anstalten macht, stehen zu bleiben, fährt Frau Silva neben ihr her. FRAU SILVA Ich wurde in Looses Büro bestellt. Er war stinksauer, wegen dem Feuerübung. Stella sagt nichts. FRAU SILVA (WEITER) Du hattest recht mit den Spielchen die er mit neuen Lehrern spielt. (sie lächelt) Er sagt er versucht eine psychologische Brücke zwischen Schülern und Lehrer am ersten Tag zu bauen. (kurze Pause) Verrückt, was? Ein Lächeln streift über Stellas Gesicht. Sie blickt zu der Lehrerin und die lächelt zurück. Stella bleibt stehen. FRAU SILVA (WEITER) Möchtest du einsteigen? STELLA Nein, danke. FRAU SILVA Es ist wirklich kein Problem. Stella deutet auf das Haus hinter ihr. Ein großes 'VERKAUFT'Schild ist am Zaun befestigt. STELLA Ich wohne hier. Aber danke... FRAU SILVA (lacht) Das ist ja komisch. Ich bin gerade in das blaue Haus da am Ende der Straße eingezogen. Stella sieht das Haus welches etwa hundert Meter entfernt ist. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

13. WEITER: FRAU SILVA (WEITER) Bis bald, Stella. STELLA Auf Wiedersehen. Stella biegt in ihre Einfahrt ein und Frau Silva fährt weiter. Das Haus ist groß und heruntergekommen. Ein gelber Rosenbusch liefert die einzige Farbe in dem anderseits grün überwucherten Garten. Stella bleibt stehen und pflückt eine Rose. INNEN

GARAGE

NACHMITTAG

Durch lange, schmale Scheiben, sehen wir Stella mit Kinderwagen und der gelben Rose in der Hand, auf die Garagentüre zukommen. Sie öffnet die Türe. Licht flutet in den mit Umzugskisten vollgestellten Raum. Stella schiebt ihren Theaterwagen in eine Ecke nimmt Kristel, Mymouse, Leoly und Punkey auf den Arm. INNEN

KÖCHE

NACHMITTAG

Die Verbindunstüre zur Garage geht auf und Stella betritt die Küche. Stella die ihre Puppen vorsichtig wie Babies in den Armen hält, schaltet mit dem Ellenbogen das Licht ein. Stella entdeckt eine Nachricht von ihrem Vater an einem Pinboard. "Arbeite länger - Abendessen 8.30. D." Ein Blick auf die Küchenuhr beruhigt Stella. Es ist 5.45. Sie setzt die Puppen auf dem Tisch ab und holt eine große Glasschüssel aus dem Kühlschrank, den sie mit automatischen Bewegungen in den Ofen schiebt. Ihr linker Fuß schließt die Ofentüre während ihre linke Hand die Hitze einstellt. Nachdem sie ihre Puppen wieder in die Arme nimmt, verlässt sie die Küche ohne das Licht auszuschalten. INNEN

TREPPENHAUS

NACHMITTAG

Das Treppenhaus ist trotz dem noch kräftigen Licht außen, dunkel. Stella schaltet auf ihrem Weg nach oben die Lichter ein. Im ersten Stock angelangt, bleibt Stella vor einer halboffenen Türe kurz stehen. Sie überlegt es sich jedoch anders und läuft weiter; an der offenen Badezimmer Türe vorbei und dann in ihr Zimmer.

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14.

INNEN

STELLAS ZIMMER

NACHMITTAG

Stellas Zimmer wird von einem großen, überdekorierten Himmelbett dominiert. Das Zimmer ist aufgeräumt und sauber. Stella schaltet auch hier das Licht ein bevor sie ihre Puppen auf eine alte Daunendecke auf dem Boden zwischen Fenster und Bett legt. Danach läuft sie zurück zur Tür, schließt sie ab und legt sich neben ihre Puppen auf die Daunendecke. Direkt außerhalb Stellas Fenster steht eine große, rostfarbene Buche. Stella liegt auf dem Rücken und starrt auf die Schatten der Blätter an der Decke. Ihre Augenlider sind schwer. Sie schläft ein. BLENDE AUF: AUßEN

SCHULHOF

TAG

Die KAMERA schwebt, frei wie ein Vogel, hoch über dem Schulhof. Es ist gerade die große Pause und der Hof ist voller Schüler. Irgendwo, sehr nahe aber doch außerhalb des Bildes singt eine Lerche was das Zeug hält. Der Lärm unten, im Schulhof, ist vorerst kaum wahrnehmbar. Langsam bewegt sich die KAMERA nach unten. Das Lied der Lerche wird dabei allmählich vom Lärm der Kinder verdrängt. Schließlich endet die KAMERA auf einem schlanken, dunkelhaarigen Jungen. DEAN, etwa fünfzehn Jahre alt, trinkt Saft von einem kleinen Karton, während er in ein kleines Heft schreibt. Er ist schlank und hat ein hübsches, fast mädchenhaftes Gesicht mit langen Augenwimpern. SAMANTHA, eine frühreife Mitschülerin mit großem Busen und Pausenmake-up, tritt an Dean heran. SAMANTHA Hi Dean, neues Stück für deine Schulzeitung? DEAN (blickt auf) Hi. Ja, vielleicht. SAMANTHA Zur Zeit gibt's genug Klatsch, wenn dich sowas interessiert. DEAN Ich denke nicht.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

15. WEITER: SAMANTHA Wie du willst. Aber ich hätte eine persönliche Info, wenn dich die interessiert. Dean trinkt von seinem Fruchtkarton. Er scheint nicht sonderlicht interessiert. DEAN Schieß los. Samantha wirft ihre lange blonde Mähne nach hinten und tritt näher. SAMANTHA Sieh jetzt nicht hin, aber - du kennst doch Stella, die mit dem Puppentheater?

Ja.

DEAN (unverbindlich)

Er kann sich einen Blick trotzdem nicht verkneifen. Stella sitzt neben dem Eingang und liest. SAMANTHA Nicht hinschauen hab ich gesagt! Sie will dich im Umkleideraum treffen. Nach der nächsten Stunde. Dean blickt sie skeptisch an. SAMANTHA (WEITER) Ich denke sie will mit dir sprechen. Frag mich nicht warum. Samantha dreht sich um und geht. INNEN

SCHULKORRIDOR

TAG

Stella wird auf dem Weg ins Klassenzimmer von zwei Schülerinnen, PATSY und DOREEN, abgefangen. PATSY Stella, wir haben eine Nachricht für dich. STELLA (nervös) Von wem? (sie beantwortet ihre eigene Frage) Loose. PATSY Nein, nein. Eine gute... (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

16. WEITER: DOREEN (redet dazwischen) Oder auch nicht. Patsy schubst sie diskret an. Doreen verdreht die Augen. PATSY Dean will mit dir sprechen. STELLA (versucht Zeit zu gewinnen) Wer? DOREEN Du weißt schon, der Junge mit den hübschen Augenwimpern. STELLA Mit mir? Warum das? PATSY Ich bin nicht sicher, aber ich denke es hat etwas mit dem Schulball am Freitag zu tun. DOREEN Wir denken er will dass du ihn begleitest. Stella ist von der Nachricht sichtlich beunruhigt. Patsy und Doreen zwinkern sich zu und bleiben stehen, während Stella weiterläuft. PATSY (ruft ihr hinterher) Er will dich in der nächsten Pause im Umkleideraum treffen. INNEN

UMKLEIDERAUM

TAG

Der Raum ist leer. Keine Spur von Dean. Stella läuft suchend von einem Gang zum anderen und bleibt schließlich vor ihrem eigenen Metalschrank stehen. Sie begreift, dass sie auf den Leim gegangen ist. STELLA (leise) Arschgeigen! Sie will sich gerade umdrehen und gehen, als plötzlich die Türe zum Korridor aufgeht und Dean erscheint. Stella schließt hastig ihren Schrank auf und tut so als ob sie dringend etwas suchen würde. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

17. WEITER: Dean lächelt und tritt näher. Ein Päckchen Monatsbinden fällt zum Boden als Stella sich umdreht. Sie ist entsetzt und stürzt zu Boden um die Binden einzusammeln. Beim hochkommen, schlägt sie sich den Kopf an der Schranktüre an. Dean ignorierte das panische Spektakel auf galante Weise. Doch Stella merkt plötzlich, dass hinter ihm die Köpfe ihrer Mitschüler auftauchen. Darunter auch Patsy, Doreen und Samantha. Dean scheint die Ansammlung hinter ihm nicht wahrzunehmen. Mit einem warmen Lächeln bewegt er sich auf Stella zu und beugt sich zu ihrem Ohr. Stella versucht zurückzutreten, doch er hält sie sanft am Arm. DEAN (flüstert) Wir wurden verarscht. Lächel und sag JA, so dass alle es hören.

Ja.

(laut)

STELLA

Sie schafft es sogar ihn überzeugend anzulächeln. Doch als Dean sie auf die Wange küsst und weggeht, läuft sie rot an. Dean tritt erhobenen Kopfes in den Korridor, gerade als die Schulglocke läutet. Die enttäuschten Zuschauer folgen ihm, wahrend Stella weiter sinnlos in ihrem Schrank stöbert. DOREEN (im Hinausgehen) Scheiße, er mag sie wirklich! Sobald sich die Türe schließt, lehnt Stella ihre heiße Stirn gegen die kühle Schranktüre. AUßEN

SCHULFELD

TAG

Hoch oben, im blauen Himmel, schwebt eine Lerche und singt was das Zeug hält. KRISTEL (O.S.) Ich kann euch gar nicht sagen wie sehr ich das Lied der Lerche liebe. Ich liebe, liebe, liebe es. Warum, dich?

LEOLY (O.S.) Kristel? Woran erinnert es

KRISTEL (O.S.) Es ist rein wie ein Edelstein. Und es erinnert mich an unseren Bruder. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

18. WEITER: MYMOUSE (O.S.) Ach, mich erinnert es, dass kein Bussard in der Nähe ist und ich mich im Korn vergnügen kann. LEOLY (O.S.) Sei nicht albern, Mymouse, ich meine es ernst. KRISTEL (O.S.) Es erinnert mich auch an sie. Ihr goldenes Haar und liebes Gesicht. Ihre blauen Augen, so blau wie der Himmel. Unsere Mama. PUNKEY (O.S.) (aufgeregt) Er behauptet aber sie ist es nicht! LEOLY (O.S.) (ruhig) Wir wissen schon. Ein greller PFIFF lässt die Lerche verstummen. Die KAMERA schwenkt vom Himmel und der Lerche nach unten und wir entdecken Stella die dabei ist die Kleider ihrer Puppen zu flicken. Dean kommt quer übers Feld auf sie zugelaufen. Bei ihr angekommen, setzt er sich ins Gras.

Hi.

DEAN (lächelnd)

Stella ist verlegen. Sie nickt ohne ihn anzusehen. DEAN (WEITER) Hey, es tut mir leid wegen neulich. Stella schüttelt den Kopf abwehrend. Dean fährt mit seine Fingern durch das dichte Gras. DEAN (WEITER) Am Besten ist es wenn man die ganze Bande ignoriert. Stella sagt immer noch nichts doch sie nickt zustimmend. DEAN (WEITER) Egal, ich hoffe nur, dass ich dir nicht zu nahe getreten bin. Du hast genau das Richtige gemacht. Stella blickt auf.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

19. WEITER: STELLA (überstürzt) Nein, du... Dean lächelt. DEAN Nein. Du auch, Stella. Wir haben sie richtig auffahren lassen. Die Art und Weise wie er diesen letzten Satz sagt, schmeißt Stella völlig aus der Balance. Irgendwie ist ihr all dies unangenehm. Dean schaut ihr tief in die Augen. DEAN (WEITER) Ich hatte schon lange vor mit dir zu sprechen. Nur wollte ich auf den richtigen Augenblick warten. (er überlegt) Weißt du warum sie es getan haben? Stella schüttelt den Kopf. Dean zieht seine Beine an sich und setzt sich in eine Lotusposition. Er umfasst seine schmalen Fußgelenke. DEAN (WEITER) Ich denke du weißt, dass es wegen mir war. Sie glauben dass sie über mich Bescheid wissen. (sein Kiefer strafft sich) Sie glauben mit mir stimmt was nicht. Stella entspannt sich langsam. Sie merkt, dass Deans verlegen nach Worten sucht. Sie blickt ihm in die Augen. DEAN (WEITER) Nicht wie ein Junge sein sollte. STELLA (leise) Aber du bist so hübsch. Er hält sich an einem Grasbüschel fest. DEAN Genau das ist es. Eine unglückselige Beschreibung. Findest du nicht? Eine verlegene Pause. Beide wissen nicht so recht wie weiter. Schließlich blickt Dean wieder auf.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

20. WEITER: DEAN (WEITER) Meine Großmutter hat das immer gesagt. Wie schön lang meine Wimpern seien, verschenkt an einem Jungen. Mit einer schnellen Bewegung, steht Dean unerwartet auf und klopft sich Gras von den Hosen. DEAN (WEITER) Ich muss los. Er hebt die Hand zum Gruß, dreht sich um und fängt an in Richtung Schulgebäude zu laufen. Stella beobachtet seine tänzerhaft, geschmeidige Bewegung bis her aus ihrem Blickfeld verschwindet. Dann zupft sie einen Grashalm, nimmt ihn zwischen die Lippen und legt sich zurück. Langsam bilden sich Tränen in ihren Augen. Die Lerche singt wieder, hoch über ihr, im blauen Himmel. Langsam verändert sich jedoch das Lied der Lerche. Es klingt mehr und mehr verzerrt und schrill. Durch Stellas Tränen scheint sich der Vogel schnell zu vergrößern und näher zu kommen. Plötzlich gibt der inzwischen riesig gewordene Vogel einen markerschütternden Schrei von sich. Ein dunkler Schatten stürzt auf Stella. Sie schreit auf. INNEN

STELLAS ZIMMER

ABEND

Stella springt von ihrer Daunendecke auf. Es dauert einige Augenblicke bis sie sich beruhigt. Sie sieht sich nach ihren Puppen um. Sie sind noch da wo sie waren, als sie eingeschlafen ist. Plötzlich zuckt sie zusammen. Da ist dieses markerschütternde Geräusch wieder. Es ist die elektrische Klingel. Stella eilt zu ihrem Fenster welches die Einfahrt zum Haus überblickt. Unten sieht sie den BMW ihres Vaters. Maddog hat offensichtlich beschlossen, dass es an der Zeit ist, das 'VERKAUFT' Schild zu entfernen. Er entdeckt Stella am Fenster und winkt ihr ausgelassen zu. INNEN

TREPPENHAUS

ABEND

Stella stürmt die Treppe herunter. In einer Hand hält sie die gelbe Rose die sie am Nachmittag gepflückt hat. Sie läuft ins Esszimmer.

LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

21.

INNEN

ESSZIMMER

ABEND

Mit geübten Handgriffe, breitet Stella ein weißes Tischtuch auf dem Esstisch aus. Dann legt sie silbernes Besteck an zwei entgegengesetzte Enden des Tisches; an ein Ende stellt sie ein Weinglas ans andere ein Wasserglas. Als letztes stellt sie die gelbe Rose in einer kleinen Kristallvase neben das Weinglas. Auf dem Weg vom Esszimmer in die Küche, zieht sie sich hastig die zerknitterte Schuluniform zurecht und fährt sich durchs zerzauste Haar. INNEN

KÜCHE

ABEND

Stella hat gerade noch Zeit eine Dose Budweiser aus dem Kühlschrank zu nehmen, bevor die Verbindungstüre zur Garage aufgeht und Maddog erscheint. Er strahlt. MADDOG Stella! Ich hab's geschafft! Sie reicht ihm die offene Bierdose. Was, Papa?

STELLA

Maddog setzt die Dose an um zu trinken aber überlegt es sich anders. MADDOG Das Johnson-Grundstück, erinnerst du dich? Völlig renovierungsbedürftig. Der Johnson hatte es völlig überpreist so, dass kein Arsch dran interessiert war. (er nimmt einen großen Schluck) Ich hab's verkauft! Er stellt das Bier auf den Tisch, zieht seine Jacke aus und reicht sie Stella, die sie sorgfältig über einen Küchenstuhl hängt. STELLA Das ist toll, Papi. Sie öffnet den Ofen und sieht nach dem Auflauf. Dann schiebt sie zwei Teller zum aufwärmen in die Röhre. Maddog läuft gutgelaunt in der Küche auf und ab während er in großen Zügen von seinem Bier trinkt. MADDOG Ich hab's den ganzen Tag schon in den Knochen gespührt. (WEITER) (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

22. WEITER: Die Holds, ein altes Ehepaar aus Berlin haben es gekauft. Keine Miene haben sie verzogen als es um die Finanzierung ging. Echt altes Geld. Er greift nach einer Keksdose, öffnet sie und schmeißt einen Zwanzig Pfundschein hinein. MADDOG (WEITER) Haushalt. Entschuldige die Verspätung. STELLA Macht nichts, Papi. Stella versucht so gut sie kann, am Erfolgserlebnis ihres Vaters teilzunehmen und Interesse zu zeigen. MADDOG Ich hab' den Chef auf dem Heimweg abgepasst und ihm die gute Nachricht erzählt. Du hättest sein Gesicht sehen sollen! Erinnerst du dich wie er sich aufgeführt hat, als er mich eingestellt hat? Wie er mir gesagt hat, ich müsste mich bewehren. Stella nimmt den Auslauf aus dem Ofen und bringt die Schüssel in das Speisezimmer. Maddog doziert unbeirrt weiter. MADDOG (WEITER) Inzwischen hat er es mir alleine zu verdanken, dass es den verdammten Laden überaupt noch gibt. Stella erscheint wieder, lädt Pfeffer, Salz und eine Wasserflasche auf ein Tablet. Maddog trinkt den letzten Schluck Bier aus der Dose und holt eine halbvolle Weißweinflasche aus dem Kühlschrank. Dann folgt er Stella ins Esszimmer. MADDOG (WEITER) Klar gibt es manchmal Probleme mit Verträgen. Aber so ist das Geschäft nun mal. Risiko... Dein Papa braucht das, mein Kleines. (mit Pathos) Ich brauch das wie die Luft zum atmen. Dein Vater ist ein Kämpfer, Baby. Er gießt sich ein Glas Wein ein, während er mit der anderen Hand seinen Teller für Stella zum auffüllen hinhält. Der Auflauf sieht eindeutig angebrand aus, doch Maddog ist zu sehr in seinem Monolog vertieft um es zu merken. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

23. WEITER: MADDOG (WEITER) Hervorragend. Danke, Schatz. Stella bedient sich selber und setzt sich an das andere Ende des langen, ovalen, Tisches. MADDOG (WEITER) Ich kann es gar nicht abwarten, bis diese Harrison, blöde Fotze, Wind davon bekommt. Ihr Gesicht will ich sehen wenn sie feststellt, dass sie nicht mehr die scheiß Königin in dem Laden ist! (er trinkt sein Glas halb leer) Sie werden sich alle in Reih' und Glied aufstellen um mir den Arsch zu küssen. Das werden sie ... allesammt. Stella stochert in ihrem Teller und beobachtet ihren Vater, der sich den Auflauf gabelvoll in den Mund schiebt. Sie reagiert auf die letzten Worte ihres Vaters mit einem gequälten Lächeln. Plötzlich stockt Maddog mit vollem Mund. Er deutet mit der Gabel auf seinen Teller. MADDOG (WEITER) Hey, das hier ist der schlimmste Fraß überhaupt! Er stößt den Teller von sich, würgt, und trinkt sein Glas in einem Zug leer. MADDOG (WEITER) Heute wo wir feiern sollten - und dann dieser Schweinefraß... Er bricht ab und schüttelt verzweifelnd den Kopf. Stella schiebt eine große gabelvoll in den Mund als um zu beweisen, dass es essbar ist. MADDOG (WEITER) Warum tust du mir dies an, Stella? STELLA (mit Anflug von Panik) Es tut mir leid, Papi ... Es ist der Ofen. Er überheizt seitdem ihn die blöde Katze kaputt gemacht hat. Maddog stochert in seinem Teller, gibt dem Auflauf noch eine letzte Chance und schiebt eine halbe Gabel voll in den Mund. Sein Gesicht verzieht sich sofort und er schüttelt den Kopf. Er greift zur Weinflasche, füllt sein Glas und trinkt es halb leer. Dann schweifen seine Gedanken wieder ab. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

24. WEITER: MADDOG Verkaufen - da war ich schon immer der Beste. Schon als Kind, Stella. Ich habe meinen Freunden Schokolade verkauft und ihren Eltern Zeitschriften Abonnements. Aber meinst du das hat meinem alten Herren imponiert? Keine Spur. Er hat alles was mit Verkaufen zu tun hatte gehasst. Und jetzt verdien ich zehnmal so viel wie er, selbst nachdem er es zum Obermacker bei der Feuerwehr geschafft hat. (er gestikuliert in den Raum) Wenn er mich jetzt sehen könnte! Dieses Riesenhaus ... Einen BMW ... Das würde ihm Respekt einjagen, und wie, mein Mädel. Er leert den Rest der Flasche in sein Glas. Stella ist um das Aufrechterhalten der Harmonie bemüht. STELLA Ich liebe dieses Haus. (sie sieht sich um, versucht das Positive zu finden) Ein Haufen Arbeit, aber wir schaffen's schon. (sie schiebt eine volle Gabel in den Mund) Wir können richtig stolz sein, wenn wir damit fertig sind. MADDOG Ich bin einfach gut, Stella, wenn ich was anfasse, dann wird auch was draus. Aber was wollte mein Alter? Er blickt Stella fragend an; sie blickt ratlos zurück. MADDOG (WEITER) Ein Feuerwehrmann sollte ich werden; oder Soldat. (er trinkt) Die Armee hab' ich versucht, Stella, drüben im Krautland. Vergiss es. Nur menschlicher Abfall der da rumläuft. Müll. Keine Zukunft. (er seufzt) Leer, Schätzchen. STELLA (verwirrt) Was? (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

25. WEITER: Sie merkt, dass Maddogs Augen die Weinflasche anstieren als ob sie ihn verraten hätte. MADDOG Diese ist leer, Schatz. Was haben wir sonst noch da? STELLA Burgunder. (sie steht auf) Oder Chablis. MADDOG (er säufzt) Egal. Stella geht in die Küche. Maddog entdeckt die gelbe Rose. Seine Augen glänzen im Kerzenlicht. MADDOG (WEITER) (sanft) Schön. Stella kommt von der Küche zurück, schenkt ein und setzt die Weinflasche bei ihrem Vater ab. MADDOG (WEITER) Aus dem Garten? Stella nickt. MADDOG (WEITER) Sehr lieb von dir, Stella. (er berührt die Blüten zärtlich) Als ob du gewusst hättest, dass wir heute feiern. Es ist wie Telepathie, oder so. Wir wissen immer wie es dem anderen geht. Nicht wahr, Stella? Stella ist von der sanften Vertraulichkeit ihres Vaters verunsichert. Sie blickt auf die Rose und lächelt. STELLA Bald haben wir deine eignen Blumen im Garten. Ihr Vater lehnt sich schwer auf den Tisch und lächelt sie verliebt an. MADDOG Die hab' ich schon. Stella blickt verlegen auf ihren Teller. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

26. WEITER: MADDOG (WEITER) Ich hab' dich. Er räuspert sich und hebt sein Glas zu einem Toast. MADDOG (WEITER) Auf meine kleine Blume. STELLA (verlegen) Ach, Papi. (sie hebt ihr Wasserglas) Erfolg, Papa. Maddog trinkt einen großen Schluck, dann wischt er sich mit dem Handrücken über die feuchten Augen. MADDOG Ich versprech's dir, Schatz, unsere Träume werden bald in Erfüllung gehen; früher als du denkst. Sobald wir diese Bude hergerichtet haben, verkaufen wir und dann kaufen wir unser Traumhaus. Auf den Klippen, mit der besten Aussicht in der ganzen, verdammten Gegend. STELLA (enttäuscht) Wieder umziehen? Sie spürt, dass die Stimmung kippen könnte, steht auf und fängt an Geschirr zusammen zu räumen. MADDOG Mensch, Mädel, bei der miserablen Zinslage wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Wer kauft heutzutage schon ohne weiteres ein Haus. Die Zeiten sind vorbei. Stella macht mit dem Abräumen weiter. Sie bläst die Kerzen aus und zieht das Tischtuch ab. Dabei passt sie auf, dass sie die Weinflasche und das Glas ihres Vaters an die ursprüngliche Stelle zurückstellt. MADDOG (WEITER) Mach dir mal keine Sorgen, Kleines, du kannst auf jeden Fall deine OLevels hier beenden. Aber vergiss eins nicht. Wir haben nicht jahrelang Häuser renoviert um jetzt, mitten drin, aufzuhören. Das Haus am Meer ist unser Ziel. Vergiss das nicht. (blitzartig ändert sich seine Stimmung) (WEITER) (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

27. WEITER: Hab' ich gesagt, dass du aufstehen darfst? Setz dich sofort wieder hin, ich rede mit dir. Stella gehorcht. Maddog füllt sein Glas und winkt sie zu sich. Stella reagiert langsam. MADDOG (WEITER) Du denkst doch nicht, dass dein dreizehnter Geburtstag viel ändert? Mach dir nichts vor, Stella. Er greift ihre Hand und zieht sie auf seinen Schoß. Stella schließt ihre Augen. Er umarmt sie mit seinen kräftigen Armen und drückt ihren Kopf an seine Schulter. Dann rückt er ein Bein zur Seite und zieht Stella höher auf seinen Schoß. INNEN

MADDOGS SCHLAFZIMMER

NACHT

Der Armeerevolver liegt in Stellas Schoß. Ihre rechte Hand ruht auf dem Griff. Ihre Augen sind geschlossen doch sie sitzt aufrecht. Kristel, Leoly, Punkey und Mymouse sitzen mit weit aufgerissenen Augen neben ihr. Maddog atmet tief und regelmäßig auf dem großen Bett. Er schläft. INNEN

SCHIEßSTAND

SPéTER NACHMITTAG

Etwa sechs der zwölf Schießstände sind beleuchtet. Ohrenbetäubendes Patronenknallen und Rauch erfüllt die Luft. Die KAMERA fährt die Bahnen entlang. Grimmig aussehende Männer schießen auf Pappfiguren. Die KAMERA bleibt stehen, als Maddog und Stella ins Bild kommen. Beide tragen Ohrenschutz. Stella sieht zu wie Maddog mit entschlossener Miene, die Pappgestalt am anderen Ende der Bahn zerschießt. Nachdem er den letzten Schuss abgefeuert hat, entlädt er das leere Magazin und schiebt ein volles ein. Er reicht Stella den Armeerevolver. MADDOG (brüllt) Letzte Runde! Stella nickt selbstsicher und geht in Position. Ein neuer Kartonmann wird am anderen Ende der Bahn in Position geschoben.

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

28. WEITER: Zwei Männer, BUCKY und PETE bleiben auf der Galerie überhalb des Schießstandes stehen. Sie winken Maddog zu und beobachten Stella. Stellas Schüsse erfolgen in schneller Folge. Sie senkt die Waffe erst nachdem das Magazin leergeschossen ist. Bucky und Pete pfeifen anerkennend und klatschen begeistert. Maddog hebt den Daumen. Er ist sichtlich stolz. Stella hat aus der Lendengegend der Kartonfigur einen nahezu perfekten Kreis herausgeschossen. Sie lächelt. Die Beiden auf der Galerie gestikulieren: Biertrinken. Maddog nickt, doch Stella sieht nicht begeistert aus. Er nimmt ihr die Pistole ab und verstaut sie sorgfältig im Waffenkoffer. MADDOG (WEITER) Sehr gut Stella. Nur musst du die Waffe höher halten. Ein klein wenig höher und du hättest auch das Herz getroffen. Stella nickt. Sie verlassen den Schießstand. INNEN

SCHIESSCLUB

SPÄTER NACHMITTAG

Auf dem Weg vom Schießstand zum Parkplatz, werden Maddog und Stella von anderen Clubmitgliedern gegrüßt. Einige der Männer und Frauen sind in Polizeiuniformen gekleidet. AUßEN

PARKPLATZ

SPéTER NACHMITTAG

Während sie zu Maddogs BMW laufen, verlangsamt Stella ihre Schritte. STELLA Papa, bitte. Ich würde lieber nicht... Maddog läuft voraus. MADDOG Nicht - was? STELLA Nicht ins Shooter's Inn gehen heute abend. MADDOG (hämisch) Ach wirklich? Ich dachte du magst unseren Freund Bucky. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

29. WEITER: Maddog öffnet den Kofferraum und legt den Pistolenkoffer unter eine Decke. Dann schließt er seine Türe auf. STELLA Ich mag ihn schon, Papa, nur fühl ich mich heute nicht so gut. Steig ein. INNEN

BMW

MADDOG

SPÄTER NACHMITTAG

Maddog lässt sich in seinen Sitz fallen und lehnt sich hinüber um Stellas Türe zu öffnen. Stella steigt widerwillig ein. MADDOG (sardonisch) Du fühlst dich nicht gut? (er startet den Motor) Na sowas! Äußerst gelegen, nicht wahr? Er fährt mit quietschenden Reifen vom Parkplatz. STELLA (flehend) Ich habe Bauchkrämpfe. Maddog sieht sie mit einem triumphierenden Lächeln an. MADDOG Deine Periode? Stella nickt. MADDOG (WEITER) (weiter; boshaft) Du hattest sie vor zwei Wochen. Guter Versuch, aber klappt nicht. Stella starrt ihn ratlos an, dann blickt sie auf ihre gefalteten Hände. STELLA Ich weiß, Papa. Aber in letzter Zeit kommt es ein wenig unregelmäßig. MADDOG Klar, verstehe. In den letzten zwei Minuten oder so, was? (drohend) Ich kenn' dich, Mädel. Ich weiß ganz genau wenn du zu etwas keine Lust hast. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

30. WEITER: Ein Wagen hinter Maddogs BMW HUPT. Maddog blickt in den Rückspiegel und schüttelt seine Faust. MADDOG (WEITER) (aufgebracht) Halt's Maul, Wichser! (er sieht zu Stella) Ich kenn deine Ausreden. Spar dir die Mühe. STELLA (verzweifelnd) Das Shooter's Inn ist für Erwachsene, Papa. Maddog schlägt mit seiner schweren Faust aufs Lenkrad. MADDOG (wütend) Erzähl mir keinen Scheißdreck! Stella zuckt zusammen. Maddog fährt los. MADDOG (WEITER) Immer so entgegenkommend ... STELLA (resignierend) Gut, ich komm mit. MADDOG (aufbrausend) Gut du kommst mit? Was verdammt nochmal heißt das denn jetzt? Stand es denn je zur Debatte? Ich hab dich nicht um deine Einwilligung gebeten. Ich hab's beschlossen! Seine Augen glänzen gefährlich als er auf den Parkplatz des Shooter Inn's einbiegt. Doch als der Wagen zum Stehen kommt, ändert er seine Taktik. MADDOG (WEITER) Schau mal, Schatz, ich weiß doch genau dass du mitkommen willst. Du hast ja auch Spaß mit den Jungs. Hab ich nicht recht? Ja, Papa.

STELLA

MADDOG (lächelt sie an) Dann sag's.

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31. WEITER: STELLA (mit gezwungenem Lächeln) Ich möchte mitkommen. Er lächelt, beugt sich hinüber und öffnet ihr galant die Türe. INNEN

SHOOTERS INN

ABEND

Die Kneipe ist dunkel und verraucht. Einige Gäste lehnen an der Bar, andere sitzen an kleinen runden Tischen. Bucky und Pete, die beiden Männer vom Schießclub, sitzen in einer Ecke. Sie winken, als sie Maddog und Stella entdecken. Maddog winkt zurück und geht zur Bar. Stella folgt. TONI, der Wirt, kommt zu ihnen. MADDOG Hi, Toni. Wie geht's? TONI Schön dich zu sehen, Felix. (er zwinkert) Und die, junge Dame. (er greift nach einem PintGlas) Was darf's denn sein, Chef? MADDOG (deutet zu Bucky und Pete) Zweimal was die beiden haben und ein Budweiser für mich. Und einen Orangensaft. (zu Stella) In Ordnung? STELLA Grapefruit, bitte. MADDOG Grapefruit, bitte, Toni. Toni zapft drei Pints. TONI Wie läuft's Geschäft, Felix? MADDOG Nicht schlecht, kann nicht klagen. Toni stellt drei volle Gläser auf die Theke und füllt Grapefruitsaft in ein kleines Glas.

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32. WEITER: MADDOG (WEITER) Und bei dir? Wie geht's der Gattin? TONI Gut, gut. Wiedermal schwanger. Er blickt mit gespielter Verzweiflung zur Decke. MADDOG Wow! Wir gratulieren! TONI Danke, danke - ein neues Maul zum stopfen. Hervorragend. (er stellt den Saft ab) Das macht fünf-vierzig, bitte, Felix. Maddog gibt ihm das Geld und reicht Stella zwei volle Gläser. MADDOG Mach dir nichts draus, Toni, wenn's alles zu viel werden sollte, kannst du meine Knarre haben. Er lacht, zwinkert und geht. Stella folgt ihm. Toni winkt ab und wendet sich einem anderen Gast zu. GAST Deine Gäste werden auch von Jahr zu Jahr jünger. TONI (während er ein Pint Bitter zapft) Na ja, sonst gibt's das bei mir nicht, aber bei ihm mach ich 'ne Ausnahme. Hat seine Frau verloren, als die Kleine geboren wurde. Jetzt ist er allein mit ihr und hin und wieder will er eben auch mal einen trinken. GAST Klar ist das OK. Ich dachte nur an die Bullen. TONI Die kennen ihn ja aus dem Schießsclub. Da gibt's keine Probleme. (er stellt das Bitter ab) Eins-Achtzig, bitte, Graham. Die KAMERA schwenkt zu einer Gruppe GÄSTE die gerade zur Türe hereinkommen und folgt ihnen. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

33. WEITER: Die Gäste kommen am Tisch von Bucky, Toni, Maddog und Stella vorbei und laufen weiter. Die Kamera bleibt stehen. Pete, ein drahtiger Mann mit Schnauzer und Totenkopf Tattoo auf dem Handrücken, klopft auf den Tisch. PETE Ich sag's euch ehrlich, so ein Talent habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen wie diese junge Dame hier. (zu Maddog) Eindeutig ein Blitzmädel, Felix, vielleicht sogar Geheimdiest, wer weiß. Bucky, untersetzt, Mitte Vierzig, hebt sein Glas. BUCKY Warum nicht? Oder zu uns. (zu Stella) Wie wär's Stella, du und ich auf Streife zusammen? Stella lächelt pflichtbewusst, während Maddog stolz, einen großen Schluck von seinem Bier nimmt. Neue Gäste betreten die Kneipe. Stella beobachtet wie sie an der Theke Getränke bestellen. Bucky streicht ihr über das Haar. Er merkt, dass sie in Gedanken woanders ist. BUCKY (WEITER) Ach was, lassen wir das Mädel in Ruhe, sie ist doch gerade erst dreizehn (zu Stella) nicht wahr, Süße? STELLA (geistesgegenwärtig) Fast. BUCKY (lächelt) Fast... Was möchtest du denn wirklich machen, wenn du groß bist, Kleines? STELLA Keine Ahnung. BUCKY Ich meine, willst du studieren? Vielleicht so'ne "Ologin" werden? Du hast doch Träume, oder? (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

34. WEITER: Stella hat keine Chance zu antworten, da Maddog lachend dazwischenfährt. MADDOG Sie? Träume? Ich hab' noch nie in meinem Leben eine nüchternere Seele getroffen. Der Witz fällt flach. BUCKY

Oh!

(zu Stella) Hör' ihn dir an. Wenn man ihn nicht besser kennen würde, sollte man glauben, dass er dich nicht besonders mag; wenn man ihn nicht besser kennen würde. Pete steht mit seinem leeren Pintglas auf. PETE Meine Runde. Nicht weglaufen. MADDOG (zu Stella) Hör auf Löcher in die Luft zu starren, Stella. Warum trinkst du deinen Saft nicht? Stella starrt auf ihrem Schoß. Sie scheint in Gedanken verloren. MADDOG (WEITER) Stella! INNEN

PKW

AUTOBAHN

NACHT

ANFANG FLASHBACK Maddog, etwa zehn Jahre jünger, lenkt einen Wagen mit Linkssteuerung. Er blinzelt müde in die vorbeiziehenden Fernlichter. Stella!

MADDOG

Stella, etwa fünf Jahre alt, schläft zusammengekauert auf dem Beifahrersitz. Sie hält einen roten Spielzeuglastwagen in ihren Armen. Stella!

MADDOG (WEITER)

Stella wacht auf und reibt sich die Augen. Sie lächelt ihn an. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

35. WEITER: Ja, Papi.

STELLA

Maddog klopft auf seinen Schoß. MADDOG Leg dein Köpfchen auf meinen Schoß, Schatz. Es ist viel gemütlicher hier. Stella rückt hinüber und legt sich hin. Hinter Stella, auf dem Rücksitz, sitzen die Handpuppen Punkey, Mymouse, Leoly und Kristel. MADDOG (WEITER) So ist's gut. Schön weich, auf Papis Klötzchen, nicht? Stella nickt und kuschelt sich näher. AUßEN

DEUTSCHE AUTOBAHN

NACHT

Maddogs Wagen rast die fast leere Autobahn entlang. INNEN

PKW

AUTOBAHN

NACHT

Stellas Kopf liegt immer noch auf Maddogs Schoß. STELLA Papi, mein Bauch tut weh. MADDOG Ich kann jetzt nicht anhalten, Schatz, schlaf weiter. Er schaltet das Radio ein und sucht nach einem Sender. Nach einigen deutschsprachigen Sendern findet er den englischsprachigen AFN. Der Nachrichtensprecher berichtet über den Vorstoß der britischen Truppen nach Port Stanley, auf den Falkland Inseln. ENDE FLASHBACK INNEN

SHOOTERS INN

ABEND

Maddog legt einen Arm um Stella und drückt sie an sich. MADDOG Mäuschen - bist du noch bei uns? STELLA Ja, Entschuldigung, ich fühl mich nur ein wenig komisch. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

36. WEITER: BUCKY Trink was, Süße. Es ist heiß hier drin. Pete kommt mit einer neuen Runde getränke an den Tisch. Er stellt ein frisches Glas Grapefruitsaft vor Stella ab. Das erste ist noch fast ganz voll. PETE Sparst du, Stella? Stella fühlt sich ertappt und trinkt einen großen Schluck aus dem ersten Glas. Danke. INNEN

PKW

STELLA

AUTOBAHN

NACHT

ANFANG FLASHBACK Maddogs schwere Hand ruht auf Stellas Kopf, der auf seinem Schoß liegt. Seine Finger spielen mit ihren Locken. Wir sehen ihn von unten, aus STELLAS PERSPEKTIVE. Seine markanten Gesichtszüge werden immer wieder - beinahe geisterhaft - vom Gegenverkehr erleuchtet und verschwinden dann wieder im schummrigen Licht der Armaturen. STELLA Papa ich muss aufs Klo. MADDOG Jetzt nicht, Stella. Wir sind mitten auf der Autobahn. Wart bis zur nächsten Raststätte, ok? Stella antwortet nicht. Sie dreht den Kopf zur Seite, ohne ihre Augen zu schließen. Die Musik aus dem Radio wird vom Dröhnen des Motors beinahe völlig überdeckt. STELLA Ich muss wirklich, Papi. Ich kann's nicht mehr aushalten. Maddog starrt weiter geradeaus. MADDOG Okay, rutsch näher und ich helf dir. Stella rückt näher und Maddog schiebt seine Hand unter ihr Kleid. Sie schließt ihre Augen und drückt sie fest zu. Plötzlich reißt Maddog seine Hand von unter Stellas Kleid hervor. Sie ist nass. Er ist angewidert. Ein kleines Rinnsal läuft den Sitz hinunter. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

37. WEITER: MADDOG (WEITER) Verdammt! Was zum Teufel soll das? (er brüllt) Ich hab doch gesagt, jetzt nicht! Jetzt ist der scheiß Autositz total nass. Stella setzt sich auf. Ihr Gesicht ist angstverzerrt. Sie drückt ihre kleine Faust in ihren Schoß und schafft es den Fluss zu stoppen. STELLA Verzeih, Papi. MADDOG Du bist böse! Schau dich an! Mein Sitz ist vollgepisst und deine Hosen auch. Ausziehen! Stella fängt an ihre Unterhosen auszuziehen, doch das Geschreie ihres Vaters macht sie so nervös, dass sie sich wieder vergisst. Ein neues Rinnsal läuft den Sitz herunter. Maddog merkt es. MADDOG (WEITER) (brüllt) Hör auf! Er schlägt ihr hart ins Gesicht. Stellas Kopf knallt gegen das Seitenfenster. Instinktiv hält sie den Spielzeuglaster vor ihr Gesicht. AUßEN

AUTOBAHN

NACHT

Maddog fährt den Wagen rechts ran und schaltet die Warnblinkanlage ein. Das Licht im Wagen bleibt aus. INNEN

WAGEN

NACHT

Seine grimmigen Züge werden nur vom blinkenden Warnlicht erleuchtet. Das Radio ist noch immer an. Maddog entreißt Stella, den Laster und wirft ihn zum Fenster hinaus. Dann greift er Stella beim Haar und drückt ihr Gesicht auf den feuchten Sitz. MADDOG Jetzt kannst du sauber machen. Los, auflecken! Stellas Gesicht ist gegen den Sitz gepresst. STELLA (weinerlich) Papi, bitte nicht! Ich kann's nicht auflecken. Es ist doch Pipi. (WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

38. WEITER: Maddog lacht bitter. MADDOG Hat sie dir das beigebracht? Es ist Pisse und du darfst es jetzt auflecken. (er zieht an ihrem Haar) Los! Langsam fängt Stella an ihr Urin aufzulecken. Sie schluchzt und würgt doch sein Griff lässt nicht locker. Als er endlich loslässt und Stella sich wieder aufsetz, grinst er hämisch. MADDOG (WEITER) Das hat dir doch geschmeckt, nicht wahr? Er fährt los. STELLA Papa, kann ich bitte meinen Laster wieder haben? Er schüttelt den Kopf und ignoriert ihre Frage. MADDOG Du hast mir nicht geantwortet. Was, Papa?

STELLA

MADDOG Ich hab dich gefragt ob es dir geschmeckt hat. STELLA (weinerlich) Nein Papa. MADDOG Doch, klar hat es dir geschmeckt du Heulsuse. Sag dass es dir geschmeckt hat. AUßEN

AUTOBAHN

NACHT

Der Wagen rast wieder die fast leere Autobahn entlang. Los sag's.

MADDOG (O.S.)

ENDE FLASHBACK

(WEITER) LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)

39. WEITER: Ende der Leseprobe. Wenn Sie das Buch zu Ende lesen möchten, bitte eine Email an [email protected] senden.

LIEB MICH! copyright © 2016 Klaus Witting (notariell hinterlegtes Dokument)