Predigt zum Thema Netz - Zweifeln und Staunen

Predigt zum Thema Netz - Zweifeln und Staunen

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Predigt 4. März 2013 Steffen Kern Thema: Netzwerk und Beziehungen Ein großartiges Lied und ein großartiges Gebet: „Vater Unser“ – wir dürfen zu Gott Vater sagen und ganz persönlich mit ihm reden. Ich grüße Sie ganz herzlich an diesem zweiten Abend von ProChrist. Wir haben heute Abend ein Thema, das uns alle betrifft, keiner ist ausgenommen: Wie viel Netz braucht der Mensch? Wir leben ja in einer Zeit, in der wir alle total vernetzt sind. Wir haben Smartphones, wir haben Notebooks, das Internet bestimmt uns, wir leben darin, wir sind verbunden miteinander. Die ganze Technik, das Stromnetz, die Wasserleitungen – auch das ist ein Netz, auf das wir angewiesen sind. Das Straßennetz, auf dem wir uns bewegen, und das Schienennetz, auch hier in Stuttgart, ob oben oder unten. Und dann lebt unser Körper davon, dass ein Netz funktioniert. Das Blut fließt durch unsere Adern, wir brauchen dieses Netz. Auch unser Nervensystem, unsere Gliedmaßen sind vernetzt, sonst könnten wir uns nicht bewegen. Wir sind angewiesen auf diese Netze, auf diese Verbindungen. Und dann gibt es die Verbindungen zu anderen Menschen. Die ganz entscheidend sind. Viele pflegen sie über Facebook. Und viele pflegen sie auch noch beim Fußballspielen und bei anderen Begegnungen persönlicher Art. Aber wir brauchen diese Beziehungen. Ohne Vater und Mutter wären wir gar nicht da. Fürsorgende Menschen brauchen wir auch, wenn wir krank werden, wenn wir pflegebedürftig werden, wenn wir schwach sind. Wir brauchen andere Menschen. Und es ist keine Frage: Wir sind vernetzt. Die Frage ist nur: Welche Netze tragen uns? Und welche Netze sind eher dazu da, dass wir uns darin verfangen, dass wir uns verwirren, dass wir gefangen werden? Und dann wäre da noch die Frage nach Gott. Gibt es eine Beziehung zu ihm? Eine Verbindung zu ihm? Und wenn es sie gibt, wenn wir wirklich „Vater“ sagen und singen dürfen, was bedeutet das dann für unsere menschlichen Beziehungen?

Menschliche Beziehungen Bleiben wir erst einmal bei diesen menschlichen Beziehungen. Das ist ja wirklich keine einfache Sache. Im Gegenteil: Das mit den Beziehungen ist höchst kompliziert. Sie kennen vielleicht das berühmte Beispiel: Ein Ehepaar sitzt im Auto. Und das ist immer eine ganz spannende Sache, wenn aus Mann und Frau Fahrer und Beifahrer werden. Dann ist das heikel. Und in diesem Fall jetzt ganz besonders, denn da sitzt sie am Steuer und er – widerwillig – daneben auf dem Beifahrersitz. Sie haben das bildhaft vor Augen: Sie gibt Gas, sie fährt gut, sie fährt konzentriert. Aber er hat die rechte 1

Hand am Türgriff, immer fester. Er drückt so zu, dass die Hautfarbe an den Knöcheln weiß wird. Seine Füße treten die Pedale mit ins Leere und sein Puls steigt mit dem Drehzahlmesser. Und dann sagt er einen verhängnisvollen Satz, der die ganze Ehe gefährden kann: „Die Ampel da vorne ist rot.“ Das ist ja zunächst mal ganz sachlich gemeint. Die Ampel ist eben rot und nicht blau oder türkis. Aber das war wahrscheinlich nicht die Aussage. Eher schon ein Appell: Tu doch langsam, halt doch an! Vielleicht auch ein Stück Selbstoffenbarung: „Ich habe Angst, merkst du es denn nicht? Ich bekomme gleich einen Herzschlag, wenn du so weiterfährst!“ Aber sie hört es ganz bestimmt auf dem Beziehungsohr: „Du traust mir ja gar nichts zu! Das war eigentlich schon immer so. Ich finde, das ist keine Basis für eine gute Ehe. Oh, hätte ich nur damals auf meine Mutter gehört!“ Und spätestens jetzt ist für ihn alles zu spät. Denn wenn von der Schwiegermutter die Rede ist, dann sieht er wirklich rot. Ich überlasse es Ihrer Fantasie, wie die Geschichte mit den beiden weitergeht. Aber es ist doch merkwürdig, wie unsere Beziehungen uns belasten können. Wir haben jetzt nur eine Geschichte gesehen, zwischen Mann und Frau. Das kann ganz schön schwierig sein. Warum ist das eigentlich so? Und warum ist die Schwiegermutter oder der Schwiegervater schon sprichwörtlich „ein rotes Tuch“ für manche? Von den Beziehungen zu den Kindern und den Eltern und den Kollegen und den Freunden und den vielen, vielen anderen haben wir noch gar nicht gesprochen. Es ist manchmal ganz schön schwierig mit unseren Beziehungen! Wie können wir leben? Wie können wir unsere Beziehungen leben, unsere Netze gestalten und flechten, sodass sie uns tragen? Dass wir uns nicht darin verlieren und verfangen, dass Beziehungen nicht zur Last werden, sondern dass sie unser Leben bereichern? Wie geht das? Was hilft da? Was sagt Jesus? Ich möchte Ihnen eine Geschichte aus der Bibel vorlesen. Sie steht im Neuen Testament, im hinteren Teil der Bibel, in einem Evangelium. Die Evangelien sind Lebensberichte von Jesus. Der Evangelist Lukas hat diese Geschichte auch erzählt. Die Lebensgeschichte von Jesus und der kurze Abschnitt, den ich Ihnen vortragen möchte, der spielt am Ende der Lebensgeschichte von Jesus. Gerade eben hat Jesus mit seinen Jüngern – mit den Freunden, mit denen er unterwegs war – das Abendmahl gefeiert. Er hat von seinem Tod gesprochen. Es war ein ganz besonderer Abend, ein ganz besonderes Essen. Er hat angekündigt, dass er sterben würde – und zwar würde er für sie sterben. Er würde sich für sie dahingeben. Die Freunde hörten zu, aber konnten es nicht wirklich begreifen. Und gleich danach wird Jesus gefangengenommen und dann wird ihm der Prozess gemacht. Und dazwischen diese kleine Episode. 2

Ich lese aus Lukas 22, ab Vers 24: Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen der Größte sei. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener. Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist es nicht der, der zu Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Es ist also nicht so, dass bei den Freunden von Jesus alles paletti wäre: kein Streit, kein Vergleichen, keine Geltungssucht. Das Gegenteil ist der Fall. Und das an diesem Abend! Sie streiten darüber, wer der Größte unter ihnen ist. Welche Wirkung, welche Rolle spielt denn dann die Beziehung zu Gott? Kann die Beziehung zu Gott unsere Beziehungen verändern? Ist das so? Und wie könnte das aussehen? Beziehungsnetz Ich möchte Sie heute Abend zu einem kleinen Experiment einladen und bitte Sie jetzt einfach: Lassen Sie sich einmal darauf ein. Ich bitte Sie, stellen Sie sich einmal eine Wiese vor, eine schöne grüne Frühlingswiese. Das Bild haben wir bald wieder vor Augen. Sie ist frisch gemäht, es ist warm, es ist ein sonniger Tag. Nicht heiß, aber sehr angenehm. Eine leichte Brise weht und Sie fühlen sich wohl. Sie stehen mitten auf dieser Wiese, die an einem Hang liegt. Eine leichte Steigung. Sie stehen also auf dieser Wiese und jetzt bitte ich Sie, einmal in Gedanken die Personen, zu denen Sie eine Beziehung haben, auf Ihre Wiese einzuladen. Führen Sie nach und nach die Menschen, mit denen Sie zu tun haben, auf Ihre Wiese und weisen Sie jeder Person einen Platz zu. Und dann nehmen Sie ein Wollknäuel – das haben Sie dabei – und drücken Sie jeder der Personen ein Stück von diesem Faden in die Hand. Und es entsteht nach und nach ein Netz auf Ihrer Wiese, denn jeder hält an dem einen Faden ein Stück fest. Es entsteht ein Beziehungsnetz. Ich lade Sie jetzt ein: Stellen Sie nach und nach die Personen, mit denen Sie eine Beziehung haben, auf die Wiese. Zuerst Ihren Ehepartner, wenn Sie verheiratet sind, Ihren Freund oder Ihre Freundin. Ihre Kinder, wenn Sie welche haben. Ihre Enkel, wenn Sie schon Enkel haben. Einen nach dem anderen. Ihre Geschwister, Ihre Eltern, die Großeltern, wenn sie noch leben. Die Urgroßeltern, Onkel und Tanten. Alle bekommen einen Platz. Alle halten fest, diesen einen Faden, dieses Stück Wolle, das alle verbindet. Alle haben mit Ihnen zu tun. Und dann kommen die Nachbarn dazu. Und Ihre Freunde, Ihre Bekannten, Ihre Kollegen, die Vorgesetzten, Ihr Chef. Die, die für Sie etwas tun, Ihre Mitarbeiter. Und die Menschen, mit denen Sie Ihre Freizeit verbringen, in der Handballmannschaft, in einem Chor oder wel3

chem Hobby auch immer Sie nachgehen. Nach und nach kommen sie alle auf die Wiese und es wird immer voller. Es ist eine Momentaufnahme. Es könnten noch mehr dazu kommen, aber ich möchte Sie fragen: Wer steht jetzt dabei? Und wie stehen Sie zu Ihren Mitmenschen? Sagen Sie, wer steht Ihnen am nächsten? Und wer steht ganz weit weg? Wen hätten Sie am liebsten noch viel weiter weg positioniert? Am besten auf die Nachbarwiese, die frisch gedüngt ist, wo es stinkt. Der sollte gar nicht da sein, aber er ist halt da. Wer ist ganz nah da? Wer begegnet Ihnen mit offenen Armen? Und wer kehrt Ihnen den Rücken zu? Wer steht über Ihnen? Wer steht unter Ihnen? Wer steht auf jeden Fall hinter Ihnen? Wem können Sie vertrauen? Und wen sehen Sie etwas argwöhnisch an? Unsere Wiesen sehen unterschiedlich aus. Es kann auch sein, dass Sie entdecken, Sie haben gar keine engen Beziehungen. Es steht gar niemand in Ihrer Nähe, Sie stehen ziemlich allein da! Das kann eine schmerzhafte Entdeckung sein. Es ist ziemlich viel Platz um Sie herum. Sie haben gar keine Zeit für enge Beziehungen: weil der Job Sie auffrisst; weil Sie Amtsperson sind und immer zu verwalten haben; weil Sie keine Muße haben, weil Sie nicht der Typ sind dafür; weil die anderen nicht wollen und Sie auch nicht. Es kann sein, es gibt jemanden, den sehnen Sie herbei, aber er kommt nicht. Und Sie kommen nicht an ihn oder an sie heran. So sieht Ihre Wiese aus. Wir müssten Ihre Wiese jetzt ansehen. Ihr Beziehungsnetz. Das können wir jetzt nicht, aber Sie haben an diesem Abend Gelegenheit, mit anderen Menschen darüber zu reden, wenn Sie mögen. Es gibt Mitarbeiter, hier in Stuttgart und bei Ihnen an den Übertragungsorten. Es lohnt sich, das einmal näher anzusehen. Jetzt aber gemeinsam wollen wir nur einige wesentliche Beziehungen ansehen, die es gibt und die es bestimmt auch bei Ihnen gibt. Partnerschaft Ich nenne die erste ganz wesentliche Beziehung: Das ist Ihre Partnerschaft. Ich weiß nicht, an welchen Menschen Sie zuerst gedacht haben, als ich von der Wiese gesprochen habe und von Menschen, die Sie dazu einladen. Darf ich einmal die Ehepaare unter Ihnen fragen: Wo steht Ihr Ehepartner? Wie stehen Sie zueinander? Sehen Sie sich gegenseitig an? Oder stehen Sie Rücken an Rücken? Steht jemand womöglich zwischen Ihnen? Wissen Sie, da darf niemand dazwischen stehen! Da soll niemand dazwischen stehen! Die Ehe, das ist die Gemeinschaft, die Gott in ganz besonderer Weise segnet, und die er schützt. Er will, dass Mann und Frau beieinander bleiben. Da gehört niemand dazwischen! Ihre Kinder nicht und Ihre Eltern und Schwiegereltern auch nicht. Es wäre gut, wenn Sie als Ehepaar sich einmal darüber unterhalten. Vielleicht noch heute Abend. Es kann auch sein, Sie haben gar keine Partnerschaft, aber 4

Sie sehnen sich danach. Und das ist mit bangen Fragen verbunden. Diese Sehnsucht: Finde ich den Richtigen? Gibt es auch die Traumfrau für mich? Ich weiß nicht, was das Leben bringen wird. Die große Frage „Partnerwahl“. Diese Entscheidung treffen Sie. Sie sind nicht nur Ihren Gefühlen ausgeliefert. Nein, Sie stehen mit Verantwortung dafür ein. Sie entscheiden sich füreinander, sagen Ja zueinander und stehen dann zueinander. Brennende Gefühle sind etwas Großartiges. Aber bei manchen brennt auch gar nichts mehr. Da ist nur noch Asche und kein Feuer mehr. Da ist alles aus! Bittere Enttäuschung, tiefe Wunden in der Seele. Manche Ehe zerbricht oder ist schon zerbrochen. Es kann sein, das Glück liegt in Scherben und wir haben nichts mehr, an dem wir uns freuen können an der Partnerschaft. Und die Frage ist: Wie kann es weitergehen? Da gibt es so viel Schuld. So viel Verletzung. Wie können wir einen Weg finden? Und dann gibt es die, die gewollt oder ungewollt allein sind. Die als Single leben. Und es gibt die, die allein sind, weil der Partner des Lebens gestorben ist. Die Witwen und Witwer, die diesen Schmerz spüren und damit leben, dass der Platz neben ihnen leer ist. Aber sie spüren genau und sie sehen genau: Hier gehört eigentlich er oder sie hin. Oh ja, die Partnerschaft ist mit Fragen verbunden, mit Schmerzen, aber auch mit Freude und Reichtum. Beides gehört zusammen.# Familie Dann gibt es das reiche Beziehungsnetz der Familie. Die Familie ist die Keimzelle einer Gesellschaft. Wir alle kommen aus einer Familie, jeder hat eine Herkunftsfamilie. Wenn die Familie gesund ist, dann geht es einer Gesellschaft gut und sie ist gesund. Wenn die Familie krank wird, dann wird eine Gesellschaft krank. Wir brauchen gesunde Familien. Frau und Mann, Kinder, Großeltern, die miteinander verbunden sind. Verbindlich. Die Verantwortung füreinander übernehmen und füreinander einstehen. Aber Familie ist eine Herausforderung! Die Beziehung zu den Eltern und Großeltern, wissen Sie, da haben wir ein Gebot von Gott, eines der Zehn Gebote: Wir sollen Vater und Mutter ehren – auch wenn sie alt und schwach und krank werden. Wir sollen sie in Würde achten. Und es gibt trotzdem immer wieder Streit. Zwischen Geschwistern ohnehin. Geschwister streiten sich. Es ist gut, wenn man das lernt, zu streiten. Aber Geschwister, je älter sie miteinander werden, können auch eine Last sein. Es gibt Hierarchien. Es gibt manchmal festgefahrene Rollen und man kommt nicht heraus. Ich habe schon manchen Schrei gehört: „Hilfe, ich bin Familienglied, holt mich hier raus! Aber ich komme nicht raus! Ich bleibe immer die Gleiche und mein Bruder und meine Schwestern auch. Ich komme nicht aus dieser Rolle, es 5

ist zum Verzweifeln!“ Familie ist ein Segen, aber manchmal tut auch Abstand gut, damit die Beziehung wieder leichter wird. In der Beziehung zu den Kindern haben wir Verantwortung. Erziehung ist und bleibt Elternsache. Wir können sie nicht einfach delegieren, abschieben an den Staat oder an Einrichtungen. Beziehung hat etwas mit Verantwortung zu tun. Für andere einzustehen, gerade in der Familie. Freundschaft Und dann gibt es die Freundschaften. Freunde sind ein Geschenk! Menschen, die zu einem stehen, die mir den Rücken stärken. Menschen, die bei mir bleiben, auch dann, wenn es mir schlecht geht. Wohl dem, der Freunde hat. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Freunde haben. Sie sind ein gesegneter Mensch, wenn Sie solche Menschen kennen. Menschen, mit denen Sie lachen und weinen können. Und Menschen, mit denen Sie beten können. Freunde sind wertvoll. Aber auch unter Freunden gibt es Streit und Neid. Manchmal etwas subtil, etwas versteckt. Wir fragen, wie die Freunde von Jesus: Wer wird der Größte sein? Bin ich ein bisschen besser als der andere? Es ist ja gut, dass wir befreundet sind, aber so einen kleinen Vorteil möchte ich haben. Etwas mehr Anerkennung, einen kleinen Schritt wenigstens will ich voraus sein. Das gibt es unter Freunden. Und das kann Freundschaften belasten und kaputt machen. Wir wollen etwas gelten. Und das gilt erst recht von den weiteren Beziehungen: die Kollegen, die Nachbarn, die Konkurrenten in unserer Ellenbogengesellschaft – es gibt so viele, mit denen wir unterwegs sind oder gegen die wir unterwegs sind. Jesus So, jetzt stehen wir da auf der Wiese, Jede und Jeder von uns mit seinem und ihrem Beziehungsnetz. Jetzt möchte ich Sie einladen, noch einmal aufzusehen. Es gibt noch eine Überraschung. Eine ganz verblüffende Entdeckung! Sehen Sie noch einmal über Ihre Wiese. Sehen Sie etwas den Hang hinauf, über ihre Wiese hinaus: Sie entdecken oben ein Kreuz. Alles, was auf Ihrer Beziehungswiese geschieht, das geschieht im Licht dieses Kreuzes. Sie gehen im Schatten, nein, eben im Licht dieses Kreuzes. Und von diesem Kreuz her kommt Jesus auf Sie zu – Er, der Gekreuzigte betritt Ihre Wiese. Er geht von einem zum anderen. Er redet mit jedem. Er spricht alle an. Auch den Nachbarn, mit dem Sie seit fünfzehn Jahren kein Wort mehr gewechselt haben. Er hört zu. Er reicht die Hand – und Sie, Sie erstarren, als Sie sehen, wie Jesus sich vor 6

einem anderen plötzlich niederkniet. Wie er die Ärmel hochkrempelt, wie er einen Waschlappen nimmt und einem anderen die Füße wäscht! Das hat Jesus getan. Auch kurz bevor er gefangen genommen wurde. Er hat seinen Jüngern, seinen Freunden, die Füße gewaschen. Und er sagt: „Ich bin unter euch wie ein Diener.“ Er versöhnt alle mit sich. Alle haben Schuld, alle sind aneinander schuldig geworden, alle haben etwas kaputt gemacht. Aber Jesus ist da und versöhnt alle mit sich und miteinander. Und dann kommt er zu ihnen, er kommt auf sie zu, er sieht ihnen in die Augen und sagt: „Ich bin da für dich. Um dir zu helfen. Um dich heil zu machen. Um die Wunden deiner Seele zu heilen. Um deine Schuld wegzunehmen. Dazu bin ich gekommen.“ An einer anderen Stelle im Neuen Testament lesen wir das, wie Jesus sagt: „Der Menschensohn“ – damit meint er sich selber – „ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern, dass er diene und dass er sein Leben gebe als ein Lösegeld für viele.“ Er kommt vom Kreuz her. Er gibt sich ganz für alle, die auf ihrer Wiese stehen, für alle, die wir heute Abend hier beieinander sind. Er gibt sich ganz für Sie. Dazu ist Jesus da. Und wissen Sie, ich weiß von keinem Gott, der das getan hat – außer Jesus. Wir haben das vorher eindrücklich gehört, diese Geschichte von Dündar, die Geschichte seines Lebens. Er hat den Gott gefunden, der dient, der sich gibt, hingibt für ihn. Und es gibt diesen Gott. Von diesem Gott rede ich. Es ist beschämend, wenn wir das sehen: Jesus ist sich nicht zu schade, uns die Füße zu waschen. Er bleibt da. Sie und ihre Beziehungen, Sie sind nicht jenseits von Gott. Nicht jenseits der heilen Welt. Gott ist da. Er kommt. Er betritt Ihre Wiese. Egal wie viel Schlamm, wie viel Dreck da ist. Er ist da. Und er bleibt da. Ich werde sie nachher einladen, eine Beziehung mit Jesus zu beginnen, Jesus in die Augen zu sehen. Zu hören, was er ihnen sagt, und ihm zu antworten. Sie sind eingeladen, nach vorne zu kommen, hier vor die Bühne. Und ich möchte Sie dazu ermutigen: Wagen sie das! Es ist eine Chance, ein Angebot, lassen Sie sich ein auf diese Beziehung mit Jesus. Drei Hinweise Aber bevor ich Sie einlade zu kommen, möchte ich Ihnen noch drei Hinweise mitgeben. Ich will Ihnen noch etwas zu dieser Beziehung zu Jesus sagen: Jesus ist der Sohn Gottes, darum das Erste: Sehen sie auf Jesus! Sehen sie auf Jesus! Sehen sie ihn, wie er vom Kreuz her kommt! Er hat durchbohrte Hände. Er wurde mit Nägeln an das Kreuz geschlagen. Er hat die Schuld, die Last der ganzen Welt und Ihres Lebens getragen. Das, wo wir uns gegenseitig verletzen und kaputt machen. Die ganze Last dieser Welt hat er auf sich genommen. Das hat er getan aus Liebe, um einen Ausweg zu zei7

gen. Um das Netz, in das wir uns verstricken und das uns gefangen nimmt, zu durchbrechen. Dazu hat er sich selber binden lassen und fesseln lassen an dieses Kreuz. Und auspeitschen lassen. Sehen Sie bitte einmal Jesus an! Ich rede nicht von irgendeinem Gott, der weit weg im Himmel ist – ich rede von Christus. Von Jesus Christus, der genau das getan hat. Sehen Sie einmal auf Jesus! Lassen Sie sich nur einmal darauf ein, bevor sie weiter gehen und weglaufen. Sehen Sie auf Jesus! Und dann das Zweite: Werden Sie ehrlich vor Jesus. Zeigen Sie ihm ihre Wiese, zeigen Sie ihm das Beziehungsnetz ihres Lebens. Vertuschen Sie nichts! Seien Sie nicht zu stolz. Ich bitte Sie darum, einmal ehrlich zu werden und einfach einmal klar Tisch zu machen. Nennen Sie ihm Ihre Verstrickungen, Ihre Lasten, Ihre Wunden. Das, was Ihnen andere zugefügt haben, und das, was Sie getan haben. Und dann: Lassen Sie sich von Jesus dienen! Das ist vielleicht das Schwerste: sich die Füße waschen zu lassen; dass ein anderer vor ihnen niederkniet. Wissen Sie, Gott verlangt nicht, dass Sie vor ihm buckeln, dass Sie ihn anbeten wie ein Götzenbild. Gott kommt Ihnen entgegen und kniet vor Ihnen nieder, weil er Sie liebt, weil er Sie retten möchte, weil er Sie herausholen möchte. Lassen Sie sich von Jesus dienen, lassen Sie sich verändern, lassen Sie sich heil machen, lassen Sie sich Worte der Versöhnung sagen und machen Sie sich auf den Weg der Heilung. Und wissen Sie: Diese Beziehung zwischen Ihnen und Jesus bleibt. Irgendwann werden alle Beziehungen, alle Verbindungen, die Sie haben auf ihrer Wiese, zurücktreten. Einmal heißt es Abschied zu nehmen, loszulassen. Einmal, da bleiben sie alleine da – aber Jesus bleibt bei Ihnen. Wenn Sie Abschied nehmen, wenn Sie diese Welt verlassen, dann sind nur noch Sie da – Sie und Jesus. Und darum lade ich Sie jetzt ein. Kommen Sie! Lassen Sie sich diese Beziehung mit Jesus nicht nehmen! Wagen Sie es einmal! Sie haben nichts zu verlieren. Gebet Hier vorne wird jetzt gleich ein Lichtkreuz erscheinen, auf dem Boden vor der Bühne. Kommen Sie, kommen Sie zu diesem Kreuz! Wir treffen uns hier. Lassen Sie sich einladen: Jesus ist da. Es werden andere Menschen mitkommen, Seelsorger, Mitarbeiter, die bereit sind, mit Ihnen ein Gespräch zu führen, wenn Sie mögen auch mit Ihnen zu beten. Sie sind einfach für Sie da, Sie erkennen diese Menschen an den gelben Schildern, die Sie um den Hals tragen. Kommen Sie! Lassen Sie sich ein auf diese Begegnung mit Jesus. Auch an den Übertragungsorten gibt es einen Platz, wo Sie hinkommen können. Auch wenn Sie nicht deutsch sprechen werden Menschen da sein, die 8

Ihnen das übersetzen und Ihnen zum Gespräch zur Verfügung stehen. Sie tragen ein Schild, wo die Sprache draufsteht, die sie sprechen. Sie sind eingeladen zu kommen! Und dann möchte ich mit Ihnen hier ein Gebet sprechen. Ein Gebet ist eine Antwort auf das, was Ihnen Jesus sagt. Es ist ein Gebet zu Jesus. Ich werde Ihnen dieses Gebet jetzt vorlesen, damit Sie wissen, wozu ich Sie einlade. Nachher haben Sie die Möglichkeit, dieses Gebet laut nachzusprechen, es zu Ihrem Gebet zu machen. Ich lese Ihnen das Gebet jetzt einmal vor: Jesus, danke, dass du mich so sehr liebst. Ich habe deine Einladung gehört. Ich öffne dir mein Leben. Ich bekenne dir meine Schuld und ich bitte dich um Vergebung. Ich danke dir, dass du am Kreuz für mich gestorben bist und dass du mir alle meine Sünden vergeben hast. Mein ganzes Leben soll dir gehören. Ich will dir vertrauen. Ich will dir folgen. Zeige mir deinen Weg. Du bist mein Herr. Danke, dass du mich angenommen hast. Amen.

Das ist eine Antwort auf das, was Jesus für Sie getan hat und was er für Sie tut. Lassen Sie sich das zusagen, was Jesus für Sie ist, und antworten Sie ihm. Wir werden jetzt ein Lied hören. Es heißt „Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin“. Und während dieses Liedes lade ich Sie ein, nach vorne zu kommen. Die Moderatoren an den Übertragungsorten werden Ihnen jetzt sagen, wohin Sie an Ihrem Ort kommen können. Zögern Sie nicht! Lassen Sie sich einladen! Wir treffen uns am Kreuz. Kommen Sie!

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