Randbemerkungen und Daten zur Geschichte der

Randbemerkungen und Daten zur Geschichte der

Quecke Sondernummer - Juli 1970 Randbemerkungen und Daten zur Geschichte der Unternehmensgruppe Hünnebeck Als eines der wichtigsten Daten in der Gesc...

1MB Sizes 0 Downloads 6 Views

Recommend Documents

Zur Geschichte meteorologischer und meereskundlicher Daten auf
preußischen Landtages Victor Hensen (1835 – 1924)21 einen Antrag ein, in dem er wissenschaftliche ..... vom Freistaat Pr

Daten zur Geschichte der Bürokommunikation - B2-fbs2
1938 Der Amerikaner Chester Carlson entwickelt die elektrostatische Kopiertechnik. 1948 IBM liefert den ersten lochkarte

Neuerscheinungen zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz
Sulzbach-Rosenberg: die Oberpfalz und ihre .... Gross, Hans: Natur und Landschaft zwischen Strom ... Dobmeier, Hans-Karl

Zur Geschichte der Zensur
Herrschaft der Zensur gerade der patriotischen „Konterbanden“ auch weiterhin an. 1810 erließ Napoleon ein Dekret zu

Zur Geschichte der Psychoanalyse
Sigmund Freud und der Beginn der Psychoanalyse - von Kritikfähigkeit und ...... der Internationalen Psychoanalytischen

Geschichte Österreichs in Daten
Otto III., Kaiser 996. Otto von Eberstein 1246. Otto von Freising 976, 1143–1146. Otto von Wittelsbach 1141. Ottoar oûz

Daten und Fakten zur Konzertreihe - Hauptstadtkulturfonds - Berlin.de
14.02.2011 - ausgewählten Werke unter dem Titel „Berlin – New York – Berlin“ mit Klarinette, Violine und Vio- loncello.

Heinse und der ästhetische Immoralismus : zur Geschichte der
Pecor:, Storia della Terra di San Gimignano (Firenze 1853) p. 158 ff. 2 .... Storia della Bianca Cappello noch die fatti

ALGORISMUS Studien zur Geschichte der Mathematik und der
Heft 39: Karin Reich (Hrsg.): Gauß' Werke in Kurzfassung. 196 Seiten. 2002 .... Carl Gustav Jacob Jacobi. ... Carl Fried

Arbeitskreis zur Erforschung der Geschichte der NS-„Euthanasie" und
26.04.2013 - NS-Euthanasie. Lothar Pelz (Rostock) . – . Uhr. Die Arbeit der Kommission zur Aufarbeitung der. Geschicht

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Randbemerkungen und Daten zur Geschichte der Unternehmensgruppe Hünnebeck Als eines der wichtigsten Daten in der Geschichte der Lintorfer Industrie und damit in der Geschichte unseres Ortes wird man das Jahr 1954 ansehen müssen. In diesem Jahr verlegte die Deutsche Stahllamelle Hünnebeck KG ihren Sitz von Düsseldorf nach Lintorf. Mit der Firma Hünnebeck etablierte sich zum ersten Mal ein Industrieunternehmen von internationaler Bedeutung in Lintorf, das nicht ohne Einfluss bleiben konnte auf die wirtschaftliche Struktur Lintorfs, auf seine so überraschend schnelle Entwicklung von einer Gemeinde halb dörflichen Charakters zu einer mit allen Vorteilen ausgestatteten modernen städtischen Siedlung. Für den Kenner und Liebhaber unserer Heimathistorie wird es nicht ohne Reiz sein, festzustellen, dass die heutige Hünnebeck GmbH sich auf dem Gelände zwischen Rehhecke und Breitscheider Weg ausdehnt, wo eigentlich die Frühgeschichte der Lintorfer Industrie begonnen hat. Hier wurde bereits 1734, wenn nicht gar schon ein gutes Jahrhundert vorher, nach begehrtem, kostbarem Blei geschürft, hier betrieb der wagemutige und vielseitige Heinrich Kirschbaum, Düsseldorfs erster Großindustrielle, um 1750 sein Bleibergwerk St. Elisabeth, hier stand 1754 die nun schon berühmt gewordene Feuermaschine des belgischen Ingenieurs Jean Wasseige, und schließlich versuchten noch zu Beginn unseres Jahrhunderts holländische und deutsche Unternehmer hier ihr Glück „unter Tage“. Auf dem Gelände der Hünnebeck GmbH lagen die Schächte und Gebäude der Zeche Friedrichsglück der Gewerkschaft der Lintorfer Erzbergwerke. Zu ihren Teilhabern zählten Männer wie Heinrich Lueg, Hugo Jakobi, Heinrich Haniel, die wie ihre Vorfahren in der Geschichte der niederrheinischen Industrie eine so bedeutende Rolle gespielt haben. Nach der Schließung des Bergwerkes vor rund 70 Jahren verfielen die Anlagen, die Flächen überzogen sich mit dichtem Baumbestand und Buschwerk, Schutthalden und tiefe Einbrüche über nicht verfüllten Stollen zeigten für ein Menschenalter das typische Bild verwahrlosten Unlandes. Einige Kleinbetriebe und Behelfsheime, die ohne einheitlichen Bauplan verstreut lagen und nur durch Fußwege miteinander verbunden waren, verstärkten noch den trostlosen Eindruck. Selbst der gelegentlich von anderen Betrieben wie der Gießerei Sistig benutzte Gleisanschluss wucherte immer mehr zu. Heute wird dieser ganze Bezirk durch Werksanlagen eingenommen, die nicht nur zu den größten im ganzen Bezirk zählen, sondern auch äußerlich durch die architektonische Gestaltung, die Farbgebung und die umfangreichen Grünanlagen wohl die schönsten weit und breit sind und nicht vermuten lassen, dass hier ein Stahlbaubetrieb seinen Sitz gefunden hat. Seite 1/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Als die Deutsche Stahllamelle Hünnebeck ihren Betrieb von Düsseldorf nach Lintorf verlegte und aus der Entflechtungsmasse der Hugo Stinnes GmbH (Mülheim a. d. Ruhr) den Grundbesitz der ehemaligen Gewerkschaft Lintorfer Erzbergwerke in der Größe von 155 000 qm mit 2800 m Gleisanlagen erworben hatte, war der internationale Ruf des Unternehmens bereits gesichert. Die Erzeugnisse, bekannt unter der Bezeichnung „Hünnebeck-Schalungsgeräte“, hatten sich zunächst im Inland, dann aber auch auf den europäischen und überseeischen Märkten, besonders in Amerika, im Vorderen Orient und Südafrika durchgesetzt und bewährt. Damals schon, 1954, gehörte der Hünnebeck-Träger zu den meistgekauften Schalungsträgern der Welt. Weit über 2 Millionen lfdm hatte das Werk bereits an die Bauindustrie ausgeliefert, als auf Lintorfer Boden Gelände gewonnen wurde, das groß genug war, die Ausdehnung des Betriebes und die Steigerung der Produktion zu ermöglichen. Die äußerst günstige verkehrsgeographische Lage Lintorfs zwischen den Großstädten Düsseldorf und Duisburg und Anschlüsse an die Eisen- und Bundesautobahn war bei der Wahl der neuen Produktionsstätte mitentscheidend. Bevor wir jedoch einen Überblick geben über die Entwicklung des Werkes, einige Daten aus dem Leben des Mannes, dem Gründung und Aufstieg der Gesellschaft zu einem weltweiten Unternehmen zu verdanken sind: Emil Mauritz Hünnebeck. Dr.-Ing. E. h. Dipl.-Ing. Emil Mauritz Hünnebeck wurde am 30. Juli 1891 in Bochum als Sohn des Ingenieurs Emil Hünnebeck geboren. Bochum, ehemals wie Lintorf ein Dorf ackerbautreibender Kötter, 1871 noch eine Kleinstadt von 21000 Einwohnern, entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Steinkohlenbergbaus und der eisenverarbeitenden Industrie. Der Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation (gegr. 1842), die Ruhrknappschaft, die Industriegewerkschaft Bergbau, die erste Berghauschule Europas (seit 1816!) und das in der Welt einzigartige Bergbaumuseum hatten in Bochum ihren Sitz. So blieb die Stadt mit all ihren Aspekten, ihren Einrichtungen, ihren Menschen nicht ohne Einfluss auf den jungen Hünnebeck, der später selbst ein bedeutendes Industrieunternehmen gründen und leiten sollte. Sein schon als Schüler wachgewordener Wunsch, Architekt zu werden, erfuhr erste verständnisvolle Anregung durch den Vater und auf der Bochumer Oberrealschule durch den Studienrat Dr. Grimme. Um seine Schüler in der Geschichte der Baukunst einzuführen, unternahm Dr. Grimme kunstgeschichtliche Exkursionen, die für die damalige Zeit noch ziemlich ungewöhnlich waren. Hierbei erlebte der Schüler Hünnebeck den mittelalterlichen Zauber der einstigen westfälischen Hansestadt Soest mit ihren konstruktiven Architekturen. Zum ersten Mal sah und entdeckte er die romanische, von Christian Rohlfs gemalte St. Patrokluskirche, das kühne Kreuzgewölbe der gotischen Wiesenkirche. Vier Jahre vor Beginn des 1. Weltkrieges ließ sich Hünnebeck an der Technischen Hochschule in Aachen immatrikulieren. Seite 2/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Er hatte das Glück, in Professor Domke, dem damaligen Inhaber des Lehrstuhles für Statik und Konstruktion, einen Lehrer zu finden, der die Begabung des Studenten erkannte und förderte. Schon 1913, Hünnebeck war im 4. Semester, errang der junge Student und angehende Baumeister die nach dem bekannten Wasserbauer benannte Intze-Plakette. Hünnebeck erhielt die Auszeichnung für die in jenem Jahr als Wettbewerb ausgeschriebene Arbeit: „Die Bebauung des Lousberges mit einem akademischen Vereinshaus.“ Die preisgekrönte Arbeit Hünnebecks wurde übrigens als Diplomarbeit anerkannt. Im 3. Kriegsjahr wurde der junge Diplom-Ingenieur zur Pioniertruppe eingezogen. Nach einer Verwundung kam er zur Festungsbauabteilung in Königsberg. Hier blieben Talent und Ideen-reichtum des Ingenieurs nicht verborgen und erregten die Aufmerksamkeit des technischen Führungsstabes.

Emil Mauritz Hünnebeck (1891 – 1968)

© Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Seite 3/17

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Hünnebeck wurde mit dem Entwurf und der Bauleitung der Fliegerschule Nordhausen beauftragt. Bauherr des Unternehmens waren die Condor-Flugzeugwerke. Für den späteren Konstrukteur und Bauherrn Hünnebeck sollte der Kontakt mit den Flugzeugingenieuren nicht ohne Nachwirkung bleiben, gewann er doch in Nordhausen wertvolle Einblicke in den bei Flugzeugzellen und Flugzeugflügeln zuerst angewandten Leichtbau mit Stahl. Die ersten Jahre, die dem verlorenen Krieg folgten, waren alles andere als günstig für die Bautechnik und ihre Entwicklung. Die Misere einer wirtschaftlich trostlosen und politisch oft bürgerkriegsähnlichen Zeit musste jedes Anzeichen eines technischen Fortschrittes als illusorisch erscheinen lassen. Doch macht bekanntlich Not erfinderisch, und so zwang der nach dem 1. Weltkrieg überall herrschende Kapital- und Materialmangel dazu, den Aufwand an Material und Arbeit und die damit verbundenen Kosten möglichst zu verringern. So wurde damals von hervorragenden Fachleuten, darunter Professor Dr.-Ing. H. Spiegel, der „Ausschuss für wirtschaftliches Bauen“ gegründet.

Die Werksanlagen der Hünnebeck GmbH in Lintorf im Jahr 1966

Seite 4/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

In diesen Ausschuß berief man auch Dipl.-Ing. E. M. Hünnebeck, der sich anfangs der zwanziger Jahre in Essen als beratender Ingenieur niedergelassen hatte. Hier in Essen begründete er seinen Ruf als Wissenschaftler und Theoretiker und, wie man hinzufügen muß, als Erfinder einer neuen Bauweise, wohl der schönste, erstrebenswerteste, wenn auch nicht offiziell verliehene Titel für einen Architekten und Konstrukteur. Der Ausschuß in Essen hatte damals einen Wettbewerb ausschreiben lassen über das Thema: „Massivdeckenbau“. Hünnebeck war bei diesem Wettbewerb als Vorprüfer tätig. Bei dieser Gelegenheit publizierte er eine Reihe von Aufsätzen, die sich eingehend und grundsätzlich mit dem Problem „Die Decke als Tragwerk im Baukörper“ befassten. Was war nun der Leitgedanke der Hünnebeckschen neuen Bauweise? Hünnebeck wies jedem Bauteil mehrere Funktionen zu. Bei der Auswahl der eigentlichen Deckenform sollte das Deckentragwerk nie für sich allein, sondern stets in seiner gemeinsamen Wirkungsweise mit dem Gesamthaukörper betrachtet und bewertet werden. Bei den „aufgelösten“ Bauweisen im Eisenbeton- und im Stahlskelettbau sei eine wirtschaftliche Lösung einer räumlich festgelegten Bauaufgabe nur möglich, wenn die waagerechten und lotrechten Tragteile unter genauer Abwägung ihrer gegenseitigen Beeinflussungen gleichzeitig festgelegt würden. Erst dann, führte Hünnebeck aus, wird es den aufgelösten Bauweisen möglich sein, mit der ausgereiften Technik der Massivbauten erfolgreich zu konkurrieren. In der Folgezeit förderte Hünnebeck besonders den Stahlleichtbau und den Hallenbau durch die Erfindung und Weiterentwicklung neuer Konstruktionsmethoden. Ein bedeutendes Datum im Lebenswerk des Erfinders und Konstrukteurs und damit in der Geschichte der Firma Hünnebeck war zweifellos der 20. Aug. 1924. Dieses Datum trägt nämlich das Hünnebecksche Patent Nr. 440761. Aus diesem Patent und weiteren Zusatzpatenten entstand schließlich die „Rautennetzbauweise DRP, Bauart Hünnebeck“. Diese neuartige Bauweise, die als räumliches Tragewerk nur ein tragendes Hauptglied, die so genannte „Stahllamelle“, kannte, war für jede Spannweite und für verschiedenartig gewölbte Dachformen anwendbar. Sie konnte bei landwirtschaftlichen und industriellen Bauten benutzt werden. Vor allem jedoch war sie geeignet für die Überdachung von Wasserspeichern, Verladeschuppen aller Art, für Stadt-, Markt-, Sport- und Ausstellungs-, für Bahnhofs- und Flugzeughallen. Seite 5/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Und da die Rund- und Spitzbogenausführung sich u. a. auch den gotischen Bauformen zwanglos anpasste, fand die „Stahllamelle“ bald als Formelement im Kirchenbau besondere Beachtung. Durch die Verwendung der Rautennetzbauweise ergaben sich beim Vergleich mit den Decken der üblichen Bauart Gewichtsersparnisse, die 25 Prozent und mehr betragen konnten. Auch die Kosten des Lamellendaches waren wesentlich geringer als die des Binderdaches. Es ergaben sich Einsparungen von etwa 25 bis 30 Prozent! Nicht zuletzt musste beachtet werden, dass die Unfallgefahr bei der Errichtung von Überdachungen nun erheblich vermindert war; denn die Montage erfolgte von einem Arbeitsgerüst aus, das den Arbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bot. Von weiteren Vorteilen seien u. a. noch genannt: Der leichte Transport, der etwa 7,5 bis 15 kg schweren Lamellen. Der leichte und schnelle Aufbau durch ungeschulte Arbeitskräfte (Fortfall von Hebezeugen). — Die örtliche Versetzungsmöglichkeit des Bauwerks ohne Materialverlust mit geringem Arbeitsaufwand. — Die gute architektonische Wirkung. Das Kräftespiel des tragenden Netzwerkes wird zum architektonischen Raumabschluss. Die Rautennetzbauweise, mit deren Anwendung nach Meinung namhafter in- und ausländischer Statiker und Konstrukteure solche offensichtlichen Vorzüge verbunden waren, ermutigte den Erfinder, im Jahre 1925 in Essen die Rautennetz GmbH zu gründen. Führende Persönlichkeiten der Stahlindustrie, die den Erfinder, den Organisator, den Unternehmer Hünnebeck respektierten und ihm vertrauten, wurden seine Teilhaber. Das Unternehmen vergab nicht nur Lizenzen, sondern entwarf und konstruierte auch Hallenbauten, die dann durch die Brückenbaufirma C. H. Jucho in Dortmund und die Hüttenwerke Siegerland AG in Siegen ausgeführt wurden. Nicht viel später kam es zur Gründung der Deutsche Stahllamelle GmbH in Dortmund, mit der sich dann die Essener GmbH zusammenschloss. Es entstanden jetzt die ersten Großbauten aus genormten Bauelementen, die in allen Erdteilen Verbreitung finden sollten. Als 1937 die modernen wirtschaftlichen Bauweisen mit der Ausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf der deutschen und internationalen Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zeigte E. M. Hünnebeck mit seiner Halle „Stahl und Eisen“ eine inzwischen von ihm erfundene neue Art der Überdachung großer Spannweiten aus profilierten Stahlblechen, die zugleich als Tragwerk und Dachhaut dienten. Diese Bauweise war an der Technischen Hochschule in Dresden gemeinsam mit Professor Gehlen in dessen Institut für Statik und Massivbau berechnet und erprobt worden. Noch im gleichen Jahr, 1937, verlegte die Firma ihren Sitz von Dortmund nach Düsseldorf. Seite 6/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Das Bürohaus der Zeche Friedrichsglück

Aufnahme um 1905

Auf dem Werksgelände der Hünnebeck GmbH 1968 Links: Betriebsverwaltung und Vorrichtungsschlosserei

(ehemals Gebäude

der Zeche Friedrichsglück)

Rechts: Technisches Betriebsbüro (ehemals Bürohaus der Zeche) Seite 7/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Die Fremdanteile der Deutschen Stahllamelle GmbH übernahm nun Hünnebeck selbst unter Beteiligung seines Sohnes und seiner Tochter; das Unternehmen wurde in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, in die „Deutsche Stahllamelle Hünnebeck KG'‘. Hallenbau und Stahlkonstruktionen bestritten das Hauptprogramm der Firma. Die Hallenbauten, nach eigenen Patenten entworfen und konstruiert, fanden ihre Auftraggeber im Inund Ausland. So lieferte die Gesellschaft für die holländische Regierung Flugzeughallen, die auf der Insel Jawa errichtet wurden. Die Ausführung der Bauten übernahmen u. a. die Firmen Mannesmann und die Vereinigten Stahlwerke. Neuartig war dann die Konstruktion „beweglicher“ Flugzeug- und Werfthallen, die einschließlich der Fundamente in einer Woche auf- bzw. abgebaut werden konnten. Hünnebeck, der diese Konstruktion später weiterentwickelte, verwandte sie nach dem 2. Weltkrieg bei Bauten auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt. Für den Historiker wird es nicht ohne Interesse sein zu erfahren, dass die ersten Anregungen zu diesen „beweglichen“ Flugzeughallen Ernst Udet gab, der berühmte Jagdflieger des 1. Weltkrieges, der 1941 unter tragischen Umständen Selbstmord beging. Wir erwähnten bereits, wie der Ausgang des 1. Weltkrieges und die durch ihn verursachten politischen und wirtschaftlichen Zustände nicht ohne Einfluss geblieben waren auf den Werdegang des jungen Ingenieurs und Konstrukteurs Hünnebeck. In welchem Maß der 2. Weltkrieg die Technik revolutionierte, weiß heute jedes Schulkind. So hatte sich auch die Auffassung über das Bauen durch die Ereignisse des letzten Weltkrieges geändert. Der Stahlbeton verdrängte die früheren Holzbalkendecken, da er durch die Verbesserung der Bewehrung und durch wesentliche Steigerung der Betongüten sich als die rationellere und wirtschaftlichere Bauart erwies. So übernahm der Stahlbeton im Bauwesen, das sich nach dem 2. Weltkrieg in bisher unbekanntem Maß und Tempo ausweitete, Aufgaben, die früher dem reinen Stahlbau vorbehalten waren. Beim Betonbau entfällt ein wesentlicher Kostenanteil auf Schalung und Einrüstung; sie wurden auch noch in den ersten Nachkriegsjahren ausschließlich in Holz ausgeführt. Die hohen Kosten entstanden durch hohe Löhne der Fachkräfte und nicht zuletzt durch die geringe Lebensdauer der hölzernen Schalung und Einrüstung. So versuchten Ingenieure und Techniker schon seit dem Beginn des Betonbaues das Arbeitsverfahren zu rationalisieren durch Schalungsgeräte aus Stahl. Bereits 1890 waren für solche Betonschalungsgeräte aus Stahl die ersten Patente erteilt worden. Es kam jedoch nicht zu einer serienmäßigen Herstellung dieser Geräte, da das Verhältnis zwischen Anschaffungspreis und Rentabilität viel zu ungünstig war. Die Holzpreise und Löhne lagen damals noch verhältnismäßig niedrig. Auf der anderen Seite war die Konstruktion der Geräte noch nicht genügend durchdacht.

Seite 8/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Zusammenfassend kann man sagen: Die Wirtschaftlichkeit von Schalungsgeräten setzte voraus: 1.

leichte und einfache Bedienung,

2.

hohe Tragfähigkeit bei geringem Eigengewicht,

3.

robuste Ausführung und

4.

einen geringen Anschaffungspreis.

Diese Voraussetzungen schuf E. M. Hünnebeck bereits mit dem von ihm entwickelten Zet-SchalungsSystem. Bevor allerdings mit der Produktion dieser und weiterer neuer Schalungen aus Stahl begonnen werden konnte, waren noch manche Hindernisse zu überwinden. Die Bewirtschaftung mit ihren Restriktionen und die damals erforderliche Erlaubnis der Besatzungsmacht zur Produktion verlangten Tatkraft und Zähigkeit und schließlich viel Optimismus im Wettkampf um die Absatzmärkte. Nur durch höchst wirtschaftliche Arbeitsweise konnte man konkurrenzfähig bleiben. Daher hatte E. M. Hünnebeck schon bei der Entwicklung seiner Schalungs- und Rüstgeräte vorausschauend daran gedacht, sie nicht nur rationell herzustellen, sondern als Geräte auf den Markt zu bringen, die den höchsten Anforderungen einer modernen und rationellen Bauweise gerecht wurden. Zu den zeitbedingten Schwierigkeiten gesellte sich als weitere die Raumnot. Das Verwaltungsgebäude war im Krieg ausgebrannt. Nur in einer Werkstatt in Düsseldorf-Flingern konnte noch gearbeitet werden. Hier begann man bereits 1946 mit der Herstellung der Zet-Schalung, die sich erfolgreich auf ungezählten Baustellen des In- und Auslandes bewährte und auch heute noch in Übersee als Qualitätserzeugnis verwendet wird. Daneben wertete Hünnebeck verschiedene seiner Patente aus zur Herstellung von Stahlkonstruktionen: von Flugzeug-, Messe- und Industriehallen, von Schiebetoren für Flugzeughallen, Ölbohrtürmen und Verfahren zur Errichtung weitgespannter Tragwerke. Buffons viel zitierter Satz: Le style c’est l´homme — Wie der Stil, so der Mensch — darf man auf den Architekten und Konstrukteur wie auf Hünnebeck als den Verfasser zahlreicher Aufsätze, Abhandlungen und Reden beziehen. Schon die Gestaltung seiner Konstruktionen lässt ihre statische Wirkungsweise erkennen; höchste Zweckmäßigkeit verbindet sich mit eleganter Leichtigkeit der Linienführung zu einer oft faszinierenden Form. Nicht anders der Stil des Autors. Wenn man einmal absieht von der dem Laien ohnehin unverständlichen Beschreibung technischer Details, statischen Berechnungen, mathematischen Formeln, so kann auch der Nichtfachmann Hünnebecks Schriften mit jenem Vergnügen lesen, das die Lektüre jeder guten Prosa bereitet.

Seite 9/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Auch wenn er schrieb, besaß Hünnebeck zu viel Formgefühl und Takt, um seine Leser nicht mit komplizierter Syntax oder dem abstrusen Jargon mancher Wissenschaftler oder technischer Experten zu beunruhigen oder zu langweilen. Die berühmte Bemerkung eines berühmten Autors: Ein guter Satz ist eine Aktion, hat sich hier wohl auch im internationalen Konkurrenzkampf bestätigt. Ohne große mathematische und technische Begabung wäre das Werk Hünnebecks nicht realisierbar gewesen, aber auch nicht ohne die schöpferische Phantasie des Künstlers. Wir erwähnten schon, wie sehr der erste Besuch der Stadt Soest mit ihren mittelalterlichen Bauten den Schüler Hünnebeck beeindruckte. Tatsächlich waren seine kunsthistorischen Kenntnisse weit gespannt und wir begreifen, welche Gefühle ihn bewegten, als Geräte und Rüstzeuge des Unternehmens, das seinen Namen trug, in Tiryns zum Wiederaufbau zerstörter mykenischer Bauwerke eingesetzt wurden. Die sagenhafte Stadt des Peloponnes, der Heimat des Herakles, war bekanntlich von Schliemann 1885 zum ersten Mal ausgegraben worden. Hünnebecks Schalungsträger hatten seit dem Jahr 1952 mit ihrer technischen Konzeption den Weltmarkt erobern können. Bis zum Jahr 1968 waren bereits 16 Millionen lfdm im Einsatz, ein überzeugender Beweis ihrer unübertroffenen Zweckmäßigkeit. Als erstes Glied einer später folgenden Reihe von Geräten für die Bauindustrie trat 1952 an Stelle der Zet-Schalung der Schalungsträger Typ „Senior“, der aus nur zwei Bauelementen bestand: einem Vollwand-Innenträger und einem Gitter-Außenträger. Beide Bauelemente wurden entsprechend den vielseitigen Erfordernissen der Praxis in verschiedenen Längen geliefert. In Form, Aufbau und Funktion war dieser Träger neu und bahnbrechend. Er konnte die Einschalungskosten erheblich verringern und bewies seine Überlegenheit gegenüber Geräten herkömmlicher Bauart, so dass der Betriebsleitung die möglichst rationelle Herstellung des neuen Trägers mehr Sorge bereitete als der Vertrieb; denn der steigenden Nachfrage auf den in- und ausländischen Märkten war kaum nachzukommen. Unser kurzer Überblick der Werkgeschichte muss darauf verzichten, auf die Vielfalt technischer Besonderheiten, die Neuartigkeit, die verschiedene Verwendbarkeit der bei Hünnebeck entworfenen und hergestellten Geräte näher einzugehen. Das wird einer genaueren und umfangreicheren Geschichte des weltweiten Unternehmens vorbehalten bleiben. Die Namen vieler Geräte werden wir kaum in unserem Wörterbuch finden: Rüststütze, Rüstbinder, Verschwertungsklammer, Unterzugzarge, Hubgerät, Verbaulasche, wobei Bezeichnungen wie Traverse, Leichtgerüst, Hänge- und Handwerkergerüst immerhin der Phantasie des Laien noch einige Möglichkeiten offen lassen. — Die hohe Rentabilität der Geräte machte sie und ihre Herstellungsfirma in kurzer Zeit in allen Industrieländern der Erde bekannt. Der rasche und wirtschaftliche Wiederaufbau in Deutschland und im europäischen Ausland ist im wesentlichen Umfang durch diese Erzeugnisse ermöglicht worden. Seite 10/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Hünnebeck GmbH Lintorf – Verwaltungshochhaus 1969

Allein im Rahmen der deutschen Volkswirtschaft konnten durch ihre Verwendung Milliarden eingespart werden. Der Nutzen hieraus kommt dem größten Teil der Bevölkerung durch verminderte Bau- und Mietkosten zugute. Hünnebecks außerordentliche technische Leistung, seine Verdienste, was das wirtschaftliche Bauen im allgemeinen und die ökonomische Gestaltung der Betonarbeit beim Wohnungsbau im Besonderen anbetraf, ehrte man, als dem Erfinder und Konstrukteur 1953 die Goldmedaille der Großen Rationalisierungs-Ausstellung in Düsseldorf verliehen wurde. Bereits vor ihrer Übersiedlung von Düsseldorf nach Lintorf stellte die Deutsche Stahllamelle Hünnebeck KG neben den Hallenhauten und Stahlkonstruktionen Schalungsträger für die Bauindustrie her, die ebenfalls Seite 11/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

nach Patenten des Firmengründers entwickelt worden waren. Dieser wichtige Produktionszweig des Unternehmens nahm unter Leitung des Sohnes Dipl.-Ing. Hajo Hünnebeck in kurzer Zeit an Bedeutung zu. Serien- und Massenfertigungen am Fließband und der Aufbau eigener Vertriebsorganisationen im In-und Ausland führten im November 1954 zur Ausgliederung dieses Zweiges aus der Kommanditgesellschaft und zur Gründung einer GmbH gleichen Namens. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1954 war jedoch der Erwerb des Grundbesitzes der ehemaligen Gewerkschaft Lintorfer Erzbergwerke. Hier entstanden dann nacheinander die umfangreichen, modernen Werkhallen, das Verwaltungshochhaus, ein vorbildliches Sozialgebäude, mit einem Wort: die größte Industrieanlage, die jemals in Lintorf errichtet worden war. So bedeutete das Jahr 1954, wir sagten es schon, nicht nur ein denkwürdiges Datum in der Geschichte der Firma Hünnebeck, sondern auch in der Geschichte Lintorfs und seiner dreihundertjährigen Industrie.

Zeche Friedrichsglück 1905 Im Gebäude links befindet sich heute die Betriebsverwaltung und die Vorrichtungsschlosserei der Hünnebeck GmbH

Der Erwerb des Lintorfer Werkgeländes hatte die notwendige Voraussetzung geschaffen, mit dem Problem einer zu erwartenden Steigerung und Erweiterung der Produktion fertigzuwerden. Die Entwicklung des Unternehmens unter Hajo Hünnebeck zu seiner heutigen Größe und internationalen Bedeutung bestätigte die Richtigkeit der Planung. Aufbau und Ausbau der neuen Lintorfer Werksanlage und der Maschineneinrichtungen bestritt die Firma aus eigenen Mitteln. Im folgenden Jahr, 1955, erwarb die Firma ein 13 000 qm großes Baugelände in Lintorf (Am Löken), auf dem eine moderne Werksiedlung mit 32 Wohnungen aufgebaut wurde.

Seite 12/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Das Unternehmen gewann im In- und Ausland Wiederverkaufsfirmen, es vergrößerte und etablierte neue Werksvertretungen mit Auslieferungslagern, erschloss weitere Länder und Gebiete und verdichtete hier das Vertriebsnetz. Im Werk selbst entwickelte man neue Geräte, um den Wünschen und Forderungen einer modernen Bauindustrie gerecht zu werden. Rüstgeräte für schweren Industrie- und Brückenbau, Fassadengerüste und viele andere Geräte vervollständigen das Lieferprogramm. 1960 betrug der Umsatz in diesen Erzeugnissen bereits über 40 Mill. DM. Die Vertriebsorganisation der Firma bot in diesem Jahr folgendes Bild: Allein in Deutschland sorgten für den Verkauf von HünnebeckGeräten 31 Auslieferungslager, 18 Werksvertretungen und 21 Händlerfirmen mit insgesamt 200 Mitarbeitern im Außendienst, ferner Generalimporteure in 22 Staaten der Welt, vorzüglich in den USA, Frankreich und der Schweiz. Steigender Erfolg, steigender Wettbewerb, beides zwang zur Vergrößerung der Produktionsanlagen in Lintorf, beides zur stetigen Modernisierung des Produktionsapparates. So entstanden neue Hallen; der Betrieb der Fließbänder und Fertigstraßen wurde rationalisiert durch die Entwicklung und den Einbau neuer Maschinen und Aggregate wie Spezialbohrmaschinen, Stahlsandfunker, Farbflutungsanlagen, Trockenöfen. Die 1967 in Dienst gestellte vollautomatische Feuerverzinkungsanlage gehört heute zu den fortschrittlichsten Einrichtungen ihrer Art. Dabei half die Rationalisierung ein anderes sehr aktuelles, sehr heikles Problem zu lösen: die Verpflichtung menschlicher Arbeitskräfte, die zu gewinnen in Deutschland immer schwieriger geworden war. 1961 wurde der Name der Firma Deutsche Stahllamelle Hünnebeck GmbH gekürzt. Er lautete nunmehr: Hünnebeck GmbH Bereits 1959 hatte die Produktion im Lintorfer Werk einen derartigen Stand erreicht, dass ein Teil anderen Werken zugewiesen wurde. In diesem Zusammenhang entstand 1959 als Schwesterwerk die Metallwerk Rüthen GmbH & Co. KG in Rüthen an der Möhne in Westfalen. Die Gesellschaft übernahm zunächst mit einer Belegschaft von 100 Personen die Herstellung der schwersten Geräte. Auf weitere Beteiligungen an Industrie- und Handelsunternehmungen der Maschinen- und Gerätebranche sei hier nur hingewiesen. 1960 kam es auf einem 40 000 qm großen, der Hünnebeck GmbH benachbarten Gelände zur Gründung der Rex-Hünnebeck GmbH Außer dem Standardtyp des 5,5- cbm - Betonmischers produzierte das Werk größere und kleinere Mischer und Beton-Mischanlagen, u. a. nach den Lizenzen der Chain Belt & Co. (Milwaukee, USA). Seite 13/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

An dem Stammkapital von 1 Million DM war zu 50% die Firma Chabelco (Zürich) beteiligt. Die restlichen Stammanteile besaß H. J. Hünnebeck. Die Firma konnte ihren Marktanteil in Deutschland und im übrigen Europa von Jahr zu Jahr steigern: 1969 stellte sie rund 1000 fahrbare Betonmischer her. In Lintorf produziert man die stählernen Drehtrommeln mit ihrem Spezialgetriebe. Das Fahrgestell von Mercedes, Hanomag, Büssing oder Magirus — wird von den Kunden geliefert. Anfang 1969 ging die Firma Rex Hünnebeck zu 100 Prozent in den Besitz der Rex Chainbelt (Milwaukee, USA) über. Als Mitglied des Aufsichtsrates bleibt Dipl.- Ing. Hajo Hünnebeck weiter mit dem benachbarten Unternehmen verbunden. Der Erlös aus der Veräußerung der Beteiligung wurde in den weiter expandierenden eigenen Gesellschaften angelegt. Am 13. Januar 1968 war der Begründer der Gesellschaft, dessen schöpferische Tätigkeit den Namen Hünnebeck zu einem internationalen Begriff hatte werden lassen, in Innsbruck gestorben. Noch wenige Jahre vor seinem Tod hatte ihn, den Erfinder und erfolgreichen Pionier auf dem Gebiet des Stahlleichtbaues, die Technische Hochschule Aachen geehrt durch die Verleihung des Ehrendoktortitels. E. M. Hünnebeck hinterließ eine Tochter und einen Sohn. Die Tochter, Frau Heidi von Vopelius, Mitinhaberin der Unternehmungen, wohnt mit ihrer Familie in Lintorf. Der Sohn, Dipl.-Ing. Hajo Hünnebeck, wurde 1921 in Hösel geboren. Nach seinem Kriegsdienst in der Marine studierte er wie sein Vater an der Technischen Hochschule in Aachen und machte sich schon frühzeitig mit den technischen, administrativen und kaufmännischen Problemen eines Industriewerkes vertraut. Seit über 10 Jahren leitet er die gesamte Unternehmensgruppe Hünnebeck, die er mit zahlreichen Produktions- und Handelsgesellschaften in Deutschland und im europäischen Ausland immer weiter zu ihrer heutigen Größe auf- und ausgebaut hat.

Hünnebeck GmbH Lintorf – Werkhalle 1970

Seite 14/17

© Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

Dipl.- Ing. Hajo Hünnebeck – Aufnahme aus dem Jahr 1969

Aber trotz aller Verantwortung, die er dabei zu tragen hat, existieren für ihn, den Unternehmer und Ingenieur, nicht nur Absatzmärkte, Bilanzen und Maschinen. Der wichtigste Ursprung seiner Persönlichkeit ist wohl die bodenverbundene Tradition der Familie Hünnebeck, die seit Generationen im westfälischen Raum ansässig war. So hat sich Hajo Hünnebeck als Förderer heimatlichen Brauchtums ganz besonders eingesetzt; u. a. ist er dem Hammer Fanfarencorps eng verbunden; ein Archiv über die Entwicklung der Lintorfer Industrie ist auf breiter Grundlage im Aufbau begriffen. Doch von den Musen hat nicht nur Klio an seiner Wiege gestanden: neben einer Autografensammlung gilt sein Interesse der Kunstgeschichte. Begabte Künstler haben -— vor allem im Bereich der Musik auch mit Veranstaltung erlesener intimer Kammerkonzerte — seit Jahren verständnisvolle Förderung erfahren. Wer ihn kennt, weiß, dass für ihn der Mensch der wichtigste Teil der Technik geblieben ist. Das persönliche Gespräch und der schöpferische Gedankenaustausch bedeuten ihm deshalb auch als Unternehmer ein wichtiges Mittel der Zusammenarbeit und des erfolgreichen gemeinsamen Wirkens. Die Frage ist immer wieder gestellt worden, welche Qualitäten den erfolgreichen Leiter eines bedeutenden Industrieunternehmens auszeichnen. Sicherlich gehören dazu Sachkenntnis, Organisationstalent, Seite 15/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

technische und kaufmännische Begabung, nicht zuletzt die Gabe der Menschenführung, der sichere Blick in der Bewertung und Einschätzung der Mitarbeiter. Freilich, zu den Mitarbeitern, der Betriebsmannschaft, dem Team, gehören, richtig verstanden, alle Angehörigen des Werkes: der leitende Direktor und — nicht zu vergessen — die Köchin der Werksküche. Jeder an seinem Platz. Die Familie Hünnebeck ist für ihre soziale Einstellung bekannt. Umfangreiche gemeinnützige Einrichtungen sind geschaffen worden, u. a. ein eigener Unterstützungsverein und Stiftungen für soziale und wissenschaftliche Zwecke. Die Zusammenarbeit zwischen Belegschaft und Unternehmensleitung beruht auf einem persönlichen Vertrauensverhältnis, das als vorbildlich bezeichnet werden muss und in diesem Umfange selbst für ein Familienunternehmen ungewöhnlich ist. Zu den Mitgliedern des Aufsichtsrates der Hünnebeck GmbH gehören führende Persönlichkeiten der deutschen Industrie: Dr. Ing. Walter Rohland (früher Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke AG). Rohland gilt als Experte von internationalem Ruf auf dem Gebiet der Schwerindustrie. Ferner Dr. jur. Karl-Heinz Kürten, Vorsitzender des Vorstandes der Niederrheinischen Hütte AG und Vorstandsmitglied der Hüttenwerke Oberhausen AG. Im Jahr 1969 betrug der Jahresumsatz der Hünnebeck GmbH 101 Mill. DM (1968: 62 Mill). Für 1970 rechnet die Firmenleitung mit einer weiteren Erhöhung auf insgesamt 125 Mill. DM, bei einem Stammkapital von 10 Mill. DM. In dem bereits erwähnten kurzen Informationsbericht der Firma aus dem Jahr 1969 heißt es u. a.: Das (heutige) Produktionsprogramm enthält: Für den Wohnungs- und Industriebau: Schalungsträger, Stahlrohrstützen, Schnellbau- und Leichtgerüste, Schalungen. Für den schweren Industrie- und Brückenbau: Rüstträger, Faltstützen, Dreigurtstützen und ein schweres Rüstsystem. Ferner Maschinen (Betonpumpen) und Zubehör. Etwa 25% der Produktion werden exportiert . . . Die Hünnebeck GmbH baut das vollständigste Schalungsprogramm auf dem Weltmarkt und gilt als die größte Spezialfabrik für diese Sparte. Sie ist in ihrer Branche führend und hat bereits vor Jahren Weltruf erlangt. Ihre Erzeugnisse gelten als Marken-Investitionsgüter. Sie wurden seit ihrem Erscheinen wiederholt im In- und Ausland ausgezeichnet und ihre hohe volkswirtschaftliche Bedeutung amtlich bestätigt. Insgesamt wurden bisher Erzeugnisse im Werte von fast 1 Milliarde DM in Europa und Übersee abgesetzt . . .

Seite 16/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de

Quecke Sondernummer - Juli 1970

In Ländern mit hohen Schutzzöllen und günstigen Produktionsmöglichkeiten (Australien, Großbritannien, Italien, Japan, Südafrika, Kolumbien, Neuseeland) werden Hünnebeck- Geräte heute durch namhafte Werke in Lizenz gefertigt. Die Gruppe der im Besitz der Familie Hünnebeck befindlichen Firmen umfasste 1969: 1. Produktionsbetriebe in der Bundesrepublik Deutschland a)

Hünnebeck GmbH, Lintorf, 700 Beschäftigte, Herstellung und Vertrieb von Geräten, Maschinen und Ausrüstungen für die Bauindustrie,

b)

Deutsche Stahllamelle Hünnebeck KG, Lintorf, 130 Beschäftigte, Konstruktionen und Montage,

c)

Metallwerk Rüthen GmbH & Co. KG., Rüthen/Möhne 140 Beschäftigte, Herstellung von schwersten Brückenbaugeräten.

2. Weitere Handels- und Produktionsfirmen in Deutschland und dem europäischen Ausland. Abschließend sei vermerkt: Die Hünnebeck GmbH gibt seit einigen Jahren die Zeitschriften „Rüsten und Schalen“ und „Der Lehrgerüstbau“ heraus mit Beiträgen namhafter Ingenieure und Experten aus Industrie und Forschung.

Diese Zeitschriften, gut redigiert und mit Bildern und Zeichnungen reich ausgestattet, erscheinen in unregelmäßiger Folge. Ihre Aufsätze werden dem Geschichtsschreiber der Hünnebeck GmbH einmal als wertvolles Quellenmaterial dienen. Theo Volmert

Literatur: E. M. Hünnebeck: Die Decke als Tragwerk im Baukörper (in: Vom wirtschaftlichen Bauen, Folge 10) E. M. Hünnebeck: Freitragende Netzwerke (Prospekt der Deutschen Stahllamellen- Gesellschaft mbH, Dortmund) E. M. Hünnebeck: Besondere Konstruktionen im Stahlleichtbau (Vortrag auf dem XIV. Internationalen Kongress der Stahlberatungsstellen in der Villa d’Este, 1951) H. Berben: E. M. Hünnebeck, Lintorf 1961 Bericht der Hünnebeck GmbH, 1969 Rüsten und Schalen, Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Rüsten und Schalen mit Hünnebeck-Geräten, Lintorf, Nr. 1 bis 18 Die Informationen der Hünnebeck GmbH über ihr Produktionsprogramm.

Seite 17/17 © Verein Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ▪ Altes Lintorfer Rathaus ▪ Speestraße 2 ▪ 40885 Ratingen - Lintorf Telefon: +49.(0)2102 – 9291091 ▪ [email protected] www.lintorf-die-quecke.de