Stiftung & Sponsoring - Stiftung Mercator

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Rote Seiten: Strategische Philanthropie zum Klimaschutz Sonderausgabe 2012 www.stiftung-sponsoring.de Das Magazin für NonprofitManagement und -Mark...

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Rote Seiten: Strategische Philanthropie zum Klimaschutz

Sonderausgabe 2012

www.stiftung-sponsoring.de

Das Magazin für NonprofitManagement und -Marketing

Stiftungen und Klimawandel Eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation

Gespräch Der neue Bundesumweltminister Altmaier zum Umbau des Energiesystems und zur Rolle der Stiftungen als Impulsgeber, Unterstützer und Koordinierer

Aktuelles Rio+20 und Deutscher StiftungsTag: Stiftungen sollten die Koinzidenz nutzen, um Signale zu setzen und sich politisch zu positionieren

Schwerpunkt Klimaschutz, Energiewende und Transformation: Beispiele zeigen, wie Stiftungen sich einbringen und wie sie noch mehr erreichen können

Ein wunderschöner Garten. Oder anders ausgedrückt: Das Ergebnis professioneller Planung, täglicher Pflege, der richtigen Korrekturen zur rechten Zeit und der gekonnten permanenten Erneuerung. Denken Sie nun an Ihr Stiftungsvermögen? www.oppenheim.de

3

Editorial

Die Welt in ihrem Bestand erhalten Liebe Leserin, lieber Leser, die Folgen der rasant voranschreitenden globalen Erwärmung sind sichtbar: abschmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, extreme Wetterschwankungen, Naturkatastrophen, Verluste an Artenvielfalt, Hungerkrisen, Migrationsbewegungen. Hauptursache hierfür ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der anthropogene Treibhauseffekt, hervorgerufen durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe, großflächige Entwaldung oder den gesteigerten Methanausstoß etwa durch industrielle Tierhaltung. Je nach Ausmaß der künftigen Erwärmung werden sich weitere extreme Konsequenzen ergeben, die heute kaum abschätzbar sind. Angesichts der drohenden Klimakatastrophe ist ein Umsteuern erforderlich. Diese Erkenntnis setzt sich zunehmend durch. Doch eingefahrene Gewohnheiten des Einzelnen, befürchtete Wettbewerbsnachteile der Wirtschaft, ökonomische Ungleichheiten zwischen Weltregionen, einzelnen Staaten oder innerhalb der Gesellschaften, politische Machtfragen, auch eine tief verwurzelte Klimaskepsis verhindern es, sofort umfassende Anstrengungen zu unternehmen.

„Schiffsfriedhof“ – Muynak (Karakalpakstan), einst der Fischerhafen des ausgetrockneten Aralsees

Klimaschutz wird meist mit dem Konzept der Nachhaltigkeit verbunden. Ein System ist danach so zu nutzen, dass es in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann. Stiftungen etwa agieren nachhaltig, wenn sie ihr Vermögen im Bestand erhalten. Auch die Welt sollte als Lebensraum des Menschen in seinem Bestand erhalten werden. Eine gewaltige Herausforderung. Grund genug für Stiftung&Sponsoring, dieser Thematik eine Sonderausgabe zu widmen. Der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation danken wir für diese wichtige Initiative. Ihrer Förderung ist die Realisierung zu verdanken. Dieses Heft stellt exemplarisch Handlungsfelder und Aktivitäten von Stiftungen vor, die sich strategisch oder operativ dem Klimaschutz widmen. Bundesumweltminister Peter Altmaier erläutert im Gespräch, das nur drei Tage nach seinem Amtsantritt entstand, die klima- und energiepolitischen Überlegungen der Bundesregierung. Er hält es für „sehr naheliegend, dass Stiftungen sich der großen langfristigen Herausforderungen unseres Planeten annehmen“ und schätzt sie als Vordenker, Treiber und Helfer. Die Beiträge zeigen, dass Stiftungen sich aufgrund ihrer spezifischen Stärken an dieser Aufgabe wirksam beteiligen können. Sie können recht frei handeln und gestalten, in verschiedensten Zusammenhängen kooperieren und sie verfügen über Mittel, um kreative und innovative Lösungsansätze zu fördern und umzusetzen. Sie können Themen setzen, eine Plattform für Diskussion und Information bieten, Forschungsförderung betreiben, als Thinktanks Lösungen entwickeln, als unabhängige Organisationen Politik und Öffentlichkeit informieren und aktivieren. Und sie können Vorbild sein, indem sie selbst ihre Energieeffizienz verbessern und CO2 -Neutralität anstreben. Noch allerdings bildet Klimaschutz keinen Schwerpunkt des Stiftungshandelns. Es ist ein Anliegen dieser Ausgabe, dass sich dies ändert. Dr. Christoph Mecking, Berlin Chefredakteur

Bundesumweltminister Peter Altmaier

Tropischer Regenwald in Amazonien

Sonderausgabe 2012

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Wie können Stiftungen effektiv zum Klimaschutz beitragen? Ob Lobbyarbeit, Information oder Forschung – einige beeindruckende Beispiele in diesem Heft zeigen, dass sich Stiftungen in diesem Feld bereits vielfältig engagieren. Doch angesichts der Größe der Herausforderung kann dies nur ein Anfang sein. Deshalb richten sich Appelle und Anregungen an die Stiftungswelt, ihre Anstrengungen zu verstärken. Besonders dringend ist eine Verbesserung der Vernetzung, Koordination und Kooperation von Stiftungen bzw. Stiftungshandeln, worauf etwa das Forum EEFG zielt. Seite 12-26

impressum Stiftung&Sponsoring – Das Magazin für Nonprofit-Management und -Marketing Sonderausgabe · Juni 2012 15. Jahrgang · ISSN 1438-0617 Herausgeber: Deutsches Stiftungszentrum im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft / Institut für Stiftungsberatung Redaktion: Dr. Christoph Mecking (Chefredakteur) V.i.S.d.P., Nicole Germeroth, Magda Weger Redaktionsassistenz: Katharina Weiss Redaktionsbeirat: Arndt P. Funken, Deutsche Bank AG (Frankfurt am Main), Dr. Roland Kaehlbrandt, Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, Ulrike Posch, Führungsakademie für Kirche und Diakonie (Berlin), Dr. K. Jan Schiffer, Schiffer & Partner (Bonn), Dr. Christoph Schumacher, Union Investment Institutional Property GmbH (Hamburg), Harald Spiegel, Dr. Mohren & Partner (München), Dr. Volker Then, CSI – Centrum für Soziale Investitionen der Universität Heidelberg, Linda Zurkinden-Erismann, StiftungsZentrum.ch (Bern) Zitiervorschlag: S&S

Editorial 3

Christoph Mecking Die Welt in ihrem Bestand erhalten

6 Kaleidoskop Akteure & Konzepte 8 Was meint …? Peter Altmaier, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Deutsche Stiftungen können Vordenker, Treiber und Helfer für den Klimaschutz sein 12 Klaus Milke Essay: Gruß aus dem Laboratorium nach Rio?! Stiftungen als „Ewigkeitsakteure“ für Klimaschutz und Green Economy 14 Uwe Schneidewind / Mandy Singer-Brodowski Rio + 20: Fördervisionen. Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung nachhaltiger Transformationsforschung 16 Claus Leggewie / Bernhard Lorentz Pioniere des Wandels. Die Rolle von „Change Agents“ in Transitionsprozessen wie der Energiewende 18 Susanne Schröder / Mark Speich Thinktanks. Wie Stiftungen durch die Förderung von „Denkfabriken“ die Hebelwirkung ihrer Arbeit verstärken können 20 Ottmar Edenhofer Wohlstand vs. Klimaschutz? Nachhaltiges Wachstum, globale Gemeinschaftsgüter und eine Neubetrachtung der wissenschaftlichen Politikberatung 22 Rainer Baake Richtung erneuerbar. Das Projekt Agora Energiewende 24 Lars Grotewold / Leonardo Lacerda Mehr Wirkung durch Zusammenarbeit. Die European Environmental Funders Group (EEFG) 26 Hal Harvey Erfolge, Misserfolge und Lektionen. Philanthropisches Engagement für den Klimaschutz in den USA

Kommunikation & Sponsoring 28 Harald Welzer Wiedergewinnung von Zukunft. Geschichten des Gelingens erzählen 30 Carel C. Mohn Im Zweifel helfen Fakten. Das Projekt Klimafakten bietet Orientierung Verlag: Stiftung&Sponsoring Verlag GmbH (Anzeigen-Service, Vertrieb, Herstellung, Sonderdrucke, Nachdrucke, Print) Möwenweg 20, 33415 Verl, Tel. 05246 9219-0, Fax 05246 9219-99 [email protected]

Bezugsmöglichkeiten: S&S erscheint sechsmal jährlich. Jahresabonnement 126,80 € inkl. MwSt. und Versand (Portopauschale Ausland), Einzelheft 22,00 € inkl. MwSt., zzgl. Versand; Nachlässe für Buchhandlungen/ Bibliotheken (15 %), Redaktionen (20 %), Studierende (40 %) und für jedes weitere Abonnement (50 %).

Abonnenten- u. Leserservice: Bleichestr. 305, 33415 Verl Tel. 05246 92510-0, Fax 05246 92510-10 [email protected]

Anzeigenpreise: Gültige Liste vom 1.1.2012 www.stiftung-sponsoring.de/top/mediadaten.html

Redaktion: Eisenacher Straße 29a, 10781 Berlin Tel. 030 26393763, Fax 030 26393767 [email protected] Online-Redaktion: Björn Quäck [email protected] Leserbriefe: an die Redaktion oder an [email protected] Produktion: PER.CEPTO mediengestaltung Königstraße 28, 48366 Laer Tel. 02554 917921, Fax 02554 917922 [email protected] Druck: Lensing Druck – Westmünsterland Druck GmbH & Co. KG, van-Delden-Str. 6-8, 48683 Ahaus Verwendete Abkürzungen sind erklärt unter www. stiftung-sponsoring.de/top/service.html

Bildnachweise: S. 3 o.: Robert Bosch Stiftung; S. 3 m.: dapd; S. 6 o.: DBU; S. 7 o.: greenvalue.de; S. 7 u.: DOC RABE Media/Fotolia; S. 8-10: BMU; S. 17+18: rubysoho/Fotolia; S. 20: Bernd Ege/Fotolia; S. 22+26/27: guukaa/Fotolia; S. 32: Pixelwolf/Fotolia; S. 35: frank peters/Fotolia; S.50: Richter Titelbild: Klimawandel © Ssogras/Fotolia.com Weitere Bildnachweise u. Nutzungsrechte können bei der Redaktion erfragt werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge liegen in der Verantwortung der Autoren. Für dieses Magazin haben wir Papier aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern unter Einhalten von ökologischen und sozialen Minimumstandards verwendet. Die Sonderausgabe „Stiftungen und Klimawandel“ ist eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation und wird von beiden Stiftungen gefördert.

www.stiftung-sponsoring.de | www.stiftungsreport.de

Der Wohlstand der Zukunft darf nicht weiter auf Kosten unserer natürlichen Lebensgrundlagen gehen, so Umweltminister Peter Altmaier. Es sei Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für die notwendige Transformation zu setzen. Die Energiewende sei die Antwort auf den Klimawandel, die einen grundlegenden Umbau unseres Energiesystems erfordere. In Stiftungen sieht er entscheidende Träger zivilgesellschaf tlichen Fortschritts, die u.a. Pilotprojekte ermöglichen, Denkfabriken unterstützen, Dialoge herbeiführen und helfen, Projekte vor Ort umzusetzen. Seite 8

:

5

Ein Anspruch auf „Weltrettung“ ist uneinlösbar und untauglich, Menschen zu motivieren, ein solches Ziel überhaupt erst in Angriff zu nehmen. Hier setzt die Stiftung FUTURZWEI an, indem sie „Akteure des Wandels“ vorstellt, die im Rahmen ihrer konkreten Handlungsspielräume zukunftsfähige Lebens- und Wirtschaftsweisen nachahmenswert vorleben. Dagegen werden auch immer wieder Stimmen laut, die einen vom Menschen gemachten und nennenswert beeinflussbaren Klimawandel anzweifeln. Das Projekt Klimafakten nimmt diese Skeptiker ernst und bietet Orientierung. Seite 28-30

32 Max Schön Bühne der Transformation. Ideenplattform für eine kohlenstoffarme Wirtschaft der Zukunft

Organisation & Finanzen 34 Thomas Krützmann Neue Energie für das Stiftungsportfolio? Wie Stiftungen in den Klimaschutz investieren und davon profitieren können +++ Zwischenruf zur Vermögensanlage +++ 36 Martin Volmer Riskantes grünes Gewissen. Anleger unterschätzen die Verlustgefahr bei Anleihen und Genussrechten

Recht & Steuern 38 Felix Streiter / Christopher Brandt Freiwillige CO2 -Kompensation. Gemeinnützigkeitsrechtliche Handlungs- und Gestaltungsoptionen 40 Evelin Manteuffel Aktuelle Gerichtsentscheidungen und Verwaltungsanweisungen 40 Philanthropicus Neues aus Philanthropien. Einleuchtend?

Echo & Dialog

Klimaschutz ist für Stiftungen ein noch relativ junges Fördergebiet. Wenn auch die Sensibilität für Umweltthemen im Stiftungssektor wächst, so ist Klimaschutz ein nach wie vor stark unterfinanzierter Bereich gemeinnützigen EngaROTE ROTE SEITEN gements. Lorentz und Meier sehen hier ein Betätigungsfeld gerade für Stiftungen, da diese unabhängig von Tagespolitik und Marktlogik agieren können. In den Roten Seiten zeigen Beiträge verschiedener Akteure, wie strategische Stiftungsarbeit zum Klimaschutz aussehen kann, was bereits geschieht und was noch wie getan werden sollte. Rote Seiten

Bernhard Lorentz, Essen, und Johannes Meier, Berlin (Hrsg.)

STRaTEgIScHE PHILaNTHROPIE zuM KLIMaScHuTz

ansätze am Beispiel der Stiftung Mercator und der European climate Foundation

42 Statements von Stiftungsakteuren zum Klimawandel

2.5.4 Wuxi trifft Düsseldorf (Marisa Klasen)

Editorial (Bernhard Lorentz / Johannes Meier) 1.

Bücher & Aufsätze 2.

44 Christoph Mecking Wandel – beim Klima, beim Engagement

3.

rEnaturiErung, BiodivErsität und Klimaschutz (ulrich Brömmling) 1.1

Jede fünfte Stiftung für den umweltschutz

1.2

Philanthropie in den uSa: 1 Mrd. fürs Klima, 100 Mrd. für die Religion

1.3

Lenzener Erklärung zur Energiewende

3.1

1.4

Den Klimawandel verschlafen? Nicht komplett...

1.5

Bessere Vernetzung notwendig

EngagEmEnt dEr stiftung mErcator (Lars grotewold) 2.1

Hintergrund und Relevanz

2.2

ziel und Strategie der Stiftung Mercator im Themencluster Klimawandel - Konzentration auf die Reduktion von Treibhausgasen - Lokal handeln, global denken - Das ziel: Deutschland als Vorbild für ambitionierten Klimaschutz Methodischer ansatz - Die zeit drängt - Handeln vor allem auf politischer Ebene erforderlich - ansatzpunkte der Stiftung Mercator - Wissen schaffen - Vernetzen Vom Projekt- zum Portfolio-Management

2.3

2.4 2.5

ausgewählte Projekte 2.5.1 Programm zur umsetzung der Energiewende in Deutschland 2.5.2 unterflurpumpspeicherwerke (andré Niemann) 2.5.3 Mercator Research Institute on global commons and climate change

Service & Aktuelles

EuropEan climatE foundation (Ecf)

3.2

4.

5.

  

Mehr Wohlstand ohne fossile Energie (Martin Rocholl) 3.1.1 Das ziel heißt cO2-armer Wohlstand 3.1.2 acht Stiftungen bündeln ihre Ressourcen 3.1.3 Die Strategie entscheidet über die Förderung Projekte der EcF 3.2.1 Fahrplan für ein klimafreundliches Europa (anita Demuth) 3.2.2 Der Energieeffizienz eine Stimme geben (Sofie Krotter / Martin Bornholdt) 3.2.3 „50 Jahre lang so viele Emissionen wie Finnland, Irland und Schweden zusammen“ (Daniela Setton) 3.2.4 Die Fakten müssen stimmen (anita Demuth)

KoopErationsprojEKtE dEr stiftung mErcator und dEr EuropEan climatE foundation 4.1

agora Energiewende

4.2

Ein Transformator für Erneuerbare Energien in Europa (anja Köhne)

4.3

Den Fuß von der Bremse (Peter Mock)

Kurz & Knapp (Lars grotewold / Martin Rocholl)

interviews mit Ortwin Renn und Ottmar Edenhofer (im gespräch mit Marisa Klasen) Rainer Baake (im gespräch mit anita Demuth und carel c. Mohn)

Sonderausgabe|2012

47 Nachrichten & Vermischtes 49 Personen & Veränderungen 49 Preise & Auszeichnungen 50 Termine & Veranstaltungen

Rote Seiten Bernhard Lorentz / Johannes Meier (Hrsg.) Strategische Philanthropie zum Klimaschutz. Ansätze am Beispiel der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation

Anzeige · Überprüfung der Stiftungsidee · Entwicklung eines Stiftungsprofils · Nachfolgelösungen · Errichtung neuer Stiftungen · Strategische Begleitung · Umstrukturierungen · Satzungsänderungen · Gutachten ·

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Berlin + 030 263 93 763 www.stiftungsberatung.de Verl/Westf. + 05246 9219-0 www.stiftungsberatung.de

6

Kaleidoskop

Akteure & Konzepte

Haus sanieren – profitieren

I

mmer mehr Hausbesitzer sanieren ihre Häuser – und jeder dritte führt die Sanierung direkt auf den kostenlosen Energie-Check von „Haus sanieren – profitieren“ zurück, wie eine bundesweite Befragung des Marktforschungsunternehmens „Produkt und Markt“ unter Handwerkern, Energieberatern und Hausbesitzern ergab. Damit hat sich die Klimaschutz- und Beratungskampagne der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) als Investitions- und Klimaschutzmotor und somit als „Sprungbrett für die Energiewende“ erwiesen. Immer öfter griffen die inzwischen rund 12.000 Handwerkspartner im Verlauf der DBU-Kampagne zum Energie-Check, um ratsuchende Hausbesitzer über den energetischen Zustand ihrer Immobilie aufzuklären. „Das Bewusstsein, dass etwas für den Klimaschutz getan werden muss, ist im Handwerk wie bei

Kommunikation & Sponsoring

Eine Hauptstadtresidenz im Garten

V

on skeptischen Blicken bis hin zu schmunzelnder Begeisterung reichten die Reaktionen, als die Vorsitzenden der Haniel Stiftung, der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und der Gerda Henkel Stiftung von ihrer Idee erzählten, eine gemeinsame Hauptstadtresidenz in einem Kleingarten zu eröffnen. Doch es blieb nicht nur bei

Beratung mit Energie-Check-Bogen

den Hausbesitzern groß. Nur muss man beide Seiten eben auch zusammen führen, so Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung [s. Statement in diesem Heft, S. 42]. Im Schnitt investierten die Hausbesitzer dafür rund 23.000 €, wobei Immobilieninhaber mit Energie-Check knapp ein Viertel mehr in Sanierungsmaßnahmen steckten als Eigner ohne Check. Hochgerechnet über die bisherige Laufzeit der Kampagne flossen insgesamt rund drei Mrd. € an Investitionen in die Gebäudesanierung. Damit konnten jährlich rund 400.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart werden. Derzeit werden hochgerechnet rund 280.000 Energie-Checks in Deutschland durchgeführt. Der Energie-Check werde von den Handwerksbetrieben als

zusätzliches Marketinginstrument erkannt und auch eingesetzt, sagt Andreas Skrypietz, Leiter der Kampagne. Das sorge nicht nur für ein grünes Image der Unternehmen, sondern zeige auch, dass sich der Handwerker aktiv mit Umweltthemen auseinandersetze. Seit dem Start der DBU-Kampagne 2007 führe im Durchschnitt jeder geschulte Handwerker etwa alle zwei Monate einen Energie-Check durch. „Haus sanieren – profitieren“ zählt zu den größten Klimakampagnen in Deutschland und wird gemeinsam mit dem Deutschen Handwerk durchgeführt. Mehr als 230 Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Fachverbände bieten Seminare für ihre Betriebe an.

einer Ankündigung, schnell nahm die Idee Formen an. Der Bezirksverband der Kleingartenfreunde Pankow stellte Anfang des Jahres eine Parzelle in einer seiner Anlagen zur Verfügung. Auf dem verwilderten Grundstück wurden die Beete beackert, die baufällige Laube renoviert und eine Linde gepflanzt. Auch die Mitarbeiter der drei Stiftungen beteiligten sich an diversen Putz- und Pflanzaktionen. Am 11.5.2012 wurde die Hauptstadtresidenz „Unter der Linde 1“ schließlich feierlich eröffnet. Trotz des angekündigten Regens und des weiten Weges kamen viele Gäste nach Pankow: Kleingärtner, Professoren, Stipendiaten, Politiker, Stiftungsvertreter, Journalisten und Kinder blickten neugierig in die Laube, setzten sich in das zur Bibliothek umfunktionierte Gewächshaus und bestaunten die erste Rhabarberernte. Einen Sommer lang werden die beteiligten Stiftungen nun Wurzeln im Kleingarten schlagen – einem Ort, der vielen Menschen als Rückzugsort wertvoll, anderen gänzlich fremd ist. Die Haupt-

stadtresidenz im Garten ist auch als Kommentar zum Geltungsdrang mancher Stiftungen zu verstehen. Sie ist jedoch vor allem ein Ort, der Raum bietet für Alltag und für Gegenentwurf und der Berührungspunkte erlaubt, wo man keine vermutet. Geplant ist ein lebendiges Programm mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, von akademischen Diskussionsrunden über Konzerte und Filmvorführungen bis zu Jurysitzungen, Stipendiatentreffen und entspannten Grillabenden. Vielleicht ist die Linde nicht nur Namensgeber, sondern auch Sinnbild der Hauptstadtresidenz. Sie wurde auf der Parzelle eingepflanzt und trotzte dem wiederkehrenden Winter genauso wie allen Zweiflern. Mittlerweile ist sie ein ganzes Stück gewachsen und trägt bereits einzelne Blätter. Wie es das Kleingartengesetz will, muss sie jedoch im Herbst, zum Ende des Projekts, wieder ausgepflanzt werden. Bis dahin ist aus dem Pflänzchen sicherlich schon ein stattlicher Baum geworden – und wer weiß, wo dieser danach weiterwachsen wird.

Sonderausgabe 2012

www.dbu.de, www.sanieren-profitieren.de

7

Kaleidoskop

Organisation & Finanzen

Mit Sinn, Verantwortung und Verstand investieren Solarpark mit zweiachsiger Nachführung

W

indräder und Solarfelder sind zum Inbegriff der Energiewende geworden. Im Zusammenspiel mit den weiteren Energieformen werden heute 20 % des Strombedarfs aus regenerativen Quellen erzeugt. Ziel der Bundesregierung ist es, ihren Anteil bis 2050 auf 80 % zu steigern. Die gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten Investoren vielfältige Möglichkeiten ihr Geld nachhaltig anzulegen. Individuelle Einzelanlagen oder die Beteiligung an einen Fonds sind nur zwei populäre Varianten. Vor dem Hintergrund der Angebotsanzahl wurde im Jahre 2002 das unabhängige und neutrale Informationsportal greenValue ins Leben gerufen. Ziel der Plattform ist es, Investoren die Vielfalt von Angeboten komprimiert vorzustellen, ohne selbst als Vermittler aufzutreten.

Recht & Steuern

Klimaschutz und Bildung – JStG 2013

D

er relativ junge Förderbereich des Umweltschutzes hat in den letzten Jahren bei Stiftungserrichtungen ein starkes Wachstum zu verzeichnen, darunter eine Reihe von Stiftungen, die speziell den Klimaschutz fördern. Zudem können auch Nonprofits, die Umwelt- oder Klimaschutz nicht ausdrücklich im Satzungszweck führen, auf diesem Feld tätig sein, etwa im Bereich der Wissenschaft und Forschung oder der Bildung. Beispielsweise wird das Anliegen, die Bevölkerung über Themen des Klimaschutzes zu informieren – sei es zu Energieeffizienz, Gebäudetechnik, Ressourcenverbrauch – häufig durch Schulungen und dergl. verwirklicht. Auf diesen Tätigkeitsbereich könnte sich eine im Jahressteuergesetz 2013 geplante Neuregelung zur Umsatzsteuerbefreiung für Bildungsleistungen Sonderausgabe 2012

Eine Momentaufnahme zeigt, dass sich aktuell über 80 Beteiligungen in der Platzierung befinden, die nachhaltige Projekte finanzieren. Das Gesamtvolumen aller geschlossenen Fonds und festverzinslichen Wertpapiere liegt bei mehr als 4,5 Mrd.€. Die Investorengelder werden beispielsweise zur Finanzierung von Energieanlagen, nachhaltigen Gebäuden oder forstwirtschaftlichen Projekten verwendet. Die Laufzeit der Beteiligungen schwankt. Zwischen fünf und 20 Jahren sind je nach Angebot vorgesehen. Privatanleger können sich ab einigen Tausend Euro engagieren. Die meisten Fonds prognostizieren durchschnittliche Auszahlungen zwischen 6-10 % p.a. Die Einnahmen der Fonds stammen aus den Erlösen der Fondsobjekte. Green

Buildings erzielen klassische Mieteinnahmen, bewirtschaftete Wälder bringen Erlöse aus dem Verkauf des Holzes und Energieanlagen erwirtschaften Erlöse aus dem Verkauf von Strom und Wärme. Stromerzeugungsanlagen nehmen dabei eine besondere Stellung ein, da der Verkauf der Energie in Deutschland und vielen Ländern gesetzlich geregelt ist. Hierzulande verpflichtet das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) den zuständigen Energieversorger, den Strom im Jahr der Inbetriebnahme und 20 weiteren Betriebsjahren abzunehmen und zu vergüten. Lässt man die Chancen der Direktvermarktung des Stroms außen vor, so ist dieser gesetzliche Rahmen eine solide Grundlage für jede Investitionsrechnung.

gem. § 4 Nr. 21 und 22 UStG im Endeffekt ungünstig auswirken. Steuerbefreit sind bislang die unmittelbar dem Schul- und Bildungszweck dienenden Leistungen privater Schulen und anderer allgemein- oder berufsbildender Einrichtungen, die enge Kriterien zu erfüllen haben, wie staatliche Genehmigung oder landesrechtliche Erlaubnis. Nach der neuen Regelung würden Schul- und Hochschulunterricht, Aus- und Fortbildung sowie berufliche Umschulung „und damit eng verbundene Lieferungen und sonstige Leistungen“ von der Umsatzsteuer befreit. Und sie beträfe – über die bisher begünstigten Einrichtungen hinaus – auch andere „mit vergleichbarer Zielsetzung“. Dieser scheinbar „günstigere“ Zugang zu Bildungsleistungen könnte durch den mit der Steuerbefreiung verbundenen Verlust des Vorsteuerabzugs vereitelt werden. Stiftungen und sonstige NPOs, die z.B. Seminare im Rahmen wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe – also im unternehmerischen Bereich – durchführen, könnten dann die Umsatzsteuerbeträge

aus Vorleistungen z.B. für Honorare, Seminarräume, Schulungsunterlagen usw. nicht mehr als Vorsteuer abziehen, Bildungsleistungen würden somit „teurer“. Auch von Nonprofits beauftragte gewerbliche Anbieter müssten ggf. ihre Kosten umlegen bzw. Preise erhöhen. Weitere Szenarien betreffen etwa die nicht mehr abziehbaren Vorsteuerbeträge beim Bau oder Unterhalt von Schulungsgebäuden. Es wird deshalb erwartet, dass die europarechtlich gebotene Änderung des § 4 Nr. 21 UStG noch Modifizierungen erfährt.

Sonderausgabe 2012

www.greenvalue.de

www.bundesfinanzministerium.de

Sonderausgabe 2012

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WAS MEINT ...?

Akteure & Konzepte

Peter Altmaier, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Deutsche Stiftungen können Vordenker, Treiber und Helfer für den Klimaschutz sein im Gespräch mit Christoph Mecking, Stiftung & Sponsoring

S&S: Herr Minister, der Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf die Menschheit insgesamt, aber auch auf die Lebensumstände eines jeden einzelnen vor Ort. Vor welchen Herausforderungen stehen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Altmaier: Bei aller Armut, die es auf dieser Welt nach wie vor gibt: Wir haben in den letzten Jahrzehnten einen Wohlstand erreicht, der einzigartig ist. Aber dieser Wohlstand wurde teuer erkauft. Der Zusammenhang von Wachstum und Umweltzerstörung, von Wachstum und Treibhausgasausstoß, der ist evident. Deshalb lautet die große Herausforderung: Der Wohlstand der Zukunft darf nicht weiter auf Kosten unserer natürlichen Lebensgrundlagen gehen! Man kann sagen: Wir müssen von einer Logik des Verbrauchs zu einer Logik der Bewahrung und der nachhaltigen Bewirtschaftung kommen. S&S: Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Ich bin Politiker. Ich weiß, dass die Politik diese Aufgabe nicht allein lösen kann. Die Aufgabe der Politik ist es aber, die für diese Transformation erforderlichen Rahmenbedingungen zu setzen. Klimaschutz braucht einen klaren ordnungspolitischen Rahmen! Die Wirtschaft sollte mutig und ideenreich sein und die neuen Chancen nutzen. Davon gibt es viele – wer schneller ist, ist erfolgreicher. Und natürlich muss jeder Einzelne von uns seinen Beitrag leisten. In allererster Linie, indem er bereit ist für ein wenig Veränderung. S&S: Was sind die Leitlinien der Klimapolitik der Bundesregierung? Altmaier: Deutschland ist eine der treibenden Kräfte im internationalen Klimaschutz. Wir bekennen uns zu dem Ziel, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf zwei Grad zu beschränken. Schon das ist ein Temperaturanstieg mit schwerwiegenden Folgen. Aber ein oder anderthalb Grad sind einfach nicht realistisch. Und deshalb gehört zur Klimapolitik immer auch die Anpassung an das, was sich wohl nicht mehr verhindern lässt. Hierzu haben wir die Nationale Anpassungsstrategie entwickelt. S&S: Was besagt diese Nationale Anpassungsstrategie? Altmaier: Wir brauchen ein verbindliches, am Zwei-GradZiel orientiertes globales Klimaabkommen. Mit klaren Emissionsobergrenzen und mit einem wirkungsvollen Monitoring. Dabei ist eines klar: Zu einem solchen Abkommen wird es nur kommen, wenn wir einen fairen Ausgleich finden zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Das beginnt mit den zugrunde liegenden Prinzipien. Ich fand es sehr richtig, dass die Bundeskanzlerin sich schon früh zu einem grundlegenden Gerechtigkeitsprinzip bekannt hat, dem gleichen Recht auf die Atmosphärennutzung für jeden Menschen auf dieser Welt. Natürlich müssen wir dann einen Weg finden, auf dem das mittelfristig funktionieren kann, etwa durch Emissionshandel. Fairer Ausgleich bedeutet aber auch: Nicht nur die westlichen Industrienationen, auch die aufstrebenden Schwellenländer müssen angemessene und nachprüfbare Reduktionsziele für sich akzeptieren. Und wir müssen zeigen, dass klimafreundliche Entwicklung möglich ist. S&S: Was bedeutet das konkret für Energieerzeugung und -verbrauch?

Sonderausgabe 2012

Akteure & Konzepte

Altmaier: Die Energiewende ist unsere Antwort auf den Klimawandel. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, seine Emissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu senken, bis 2050 sogar um 80 bis 95%. An diesen Zielen halten wir fest – und wir werden sie auch erreichen. Energiewende – das bedeutet einen grundlegenden Umbau unseres Energiesystems. Wir wollen zeigen, dass auch eine führende Industrienation der Welt von Kohle, Öl und Gas loskommen kann. Diese Vorreiterrolle ist auch Teil unserer wirtschaftspolitischen Strategie. Sie wird unsere Unternehmen über Jahrzehnte in eine führende Rolle auf den Weltmärkten für Energie- und Umwelttechnik bringen.

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eine Vielzahl kleiner dezentraler Quellen. Für den Transport in die Verbrauchszentren brauchen wir neue Überlandnetze. Auch die Stromverteilung in den Städten müssen wir anders organisieren, um Verbräuche besser steuern zu können. Ich spreche von so genannten Smart Grids. Das zweite Standbein neben den Erneuerbaren Energien ist die Energieeffizienz. Hier liegen die ganz großen Potenziale für kurzfristigen Klimaschutz.

S&S: Wie sehen das die Partner in Europa? Altmaier: Wir brauchen eine klare europäische Antwort auf den Klimawandel. Auch in Europa gilt: Eine technologische Modernisierung macht uns wettbewerbsfähiger, produktiver, wirtschaftlich erfolgreicher – und ist darum auch wirtschaftlich zu empfehlen. Dafür reicht es nicht, dass die Europäer bei ihrem 20-%-Reduzierungsziel bleiben. Der EU-Emissionshandel darf seine Wirksamkeit als führendes Klimaschutzinstrument nicht verlieren. Ich setze mich deshalb für eine Anhebung des EU-Klimaschutzziels ein – auf der Basis unseres nationalen Ziels. Die Kommission hat dazu einen wegweisenden Fahrplan vorgelegt. S&S: Der gescheiterte UN-Gipfel von Kopenhagen hat die Notwendigkeit eines internationalen Zusammenwirkens im Klimaschutz gezeigt, aber auch die gewaltigen Schwierigkeiten bei der notwendigen Einigung. Was ist die Rolle Deutschlands im weiteren Prozess? Altmaier: Wie gesagt, Deutschland ist einer der Treiber des Prozesses. Aber wir werden auch als fairer Makler zwischen den Interessen der Armen und der Reichen verstanden. Beides ist wichtig. Auf beides werde ich auch in Zukunft setzen. Deshalb unterstützen wir den UN-Verhandlungsprozess mit unserem Petersberger Klimadialog. Es gibt auch erste Erfolge: Bei den Verhandlungen in Durban haben wir neue Allianzen gesehen. Etwa zwischen der EU und den am wenigsten entwickelten Ländern, zwischen EU und kleinen Inselstaaten. Und es hat sich gezeigt, wie erfolgreich die EU verhandeln kann, wenn sie sich einmal einig ist. Hier blitzte mit einem Mal die echte Chance auf, trotz aller Blockaden erfolgreich zu sein. S&S: Sie sind der neue Macher der Energiewende. Was ist das eigentlich, die Energiewende? Wie wichtig ist das Projekt? Altmaier: Die Energiewende bedeutet nicht weniger als der Aufbruch in ein neues Energiezeitalter, das Zeitalter der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Bis zum Jahr 2050 soll die Energieversorgung Deutschlands weitgehend auf Erneuerbaren Energien beruhen. Hierfür müssen wir unser Energiesystem grundlegend umbauen. Wir werden zentrale Erzeugung, etwa große Offshore-Windparks vor der deutschen Nord- und Ostseeküste, ergänzen durch

S&S: Wie sehen Sie die Resonanz aus dem Ausland? Die Energiewende ist international so etwas wie ein Lackmustest. Mir hat einmal ein Bekannter – er kommt nicht aus Deutschland – gesagt: Auch wir waren von Fukushima schockiert, sind dann aber doch so schnell wie möglich zur Tagesordnung übergegangen. Ihr Deutschen macht ernst und steigt aus der Kernenergie aus. Dann sagte er: Wenn es einer schaffen kann, diesen Schritt zu vollziehen, dann seid Ihr Deutschen es. Was ich meine, ist: Genauso verhält es sich mit der Energiewende selbst. Die Welt schaut auf uns und will sehen, ob eine nachhaltige Energieversorgung möglich ist. Wir werden es zeigen! S&S: Was sind die nächsten Schritte bei der Gestaltung der Energiewende? Drei Dinge: Wir müssen dringend den Ausbau Erneuerbarer Energien in den Ländern mit den Planungen zum Netzausbau abstimmen. Die Energiewende kann nicht funktionieren, wenn jeder etwas anderes darunter versteht. Zweitens müssen wir mit dem Netzausbau vorankommen. Das werden wir schaffen! Und drittens müssen wir uns mit den Ländern bei der Energieeffizienz einigen. Sie blockieren bislang Sonderausgabe 2012

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die steuerliche Absetzbarkeit von Gebäudesanierungen. Dabei kann es nicht bleiben. Schon die McKinsey-Studie von 2007 hat gezeigt, wo die tief hängenden Früchte beim Klimaschutz sind: Bei der Gebäudesanierung. S&S: Um die Energiewende zu finanzieren, bedarf es erheblicher Ressourcen. Können sie von der Wirtschaft, von den Bürgern aufgebracht werden? Reicht das Wachstum aus? Altmaier: Mittel- und langfristig ist eine auf Erneuerbaren Energien beruhende Energieversorgung kostengünstiger als eine konventionelle. Und schon heute sehen wir, welche Arbeitsmarktimpulse die Energiewende auslöst. 380.000 Menschen arbeiten allein im Bereich Erneuerbarer Energien. Hinzu kommen Anlagenbau, Bauwirtschaft, Dienstleistungen. Die Chancen sind also gewaltig. Aber natürlich ist eines klar: Jede Veränderung erfordert erst einmal eine Investition. Das ist auch bei der Energiewende so. Die Bundesregierung steht für eine Energiewende mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung. So hat es mein Amtsvorgänger immer gesagt, und ich nehme diese Formulierung gern auf. Wir achten sehr genau auf die Entwicklungen der Strompreise. Genau deshalb müssen wir die Fördersätze für die Photovoltaik im Erneuerbare-Energien-Gesetz anpassen. Es kann nicht sein, dass Einzelne hohe Sondergewinne auf Kosten der Allgemeinheit realisieren. Das dürfen wir den Verbrauchern nicht zumuten und auch der Wirtschaft nicht. S&S: Wie sehen Sie die Rolle und Möglichkeiten der Stiftungen im Kampf gegen den Klimawandel? Altmaier: Stiftungen sind entscheidende Träger zivilgesellschaftlichen Fortschritts. Gerade beim Klimaschutz sind sie es immer wieder, von denen Impulse ausgehen. Stiftungen unterstützen strategisch wichtige Forschungsprojekte, lassen Pilotprojekte Realität werden und organisieren vertrauensvolle Dialoge. Auch die finanzielle Unterstützung unabhängiger Denkfabriken gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Gerade sind in Berlin interessante Einrichtungen entstanden, finanziert von der Mercator-Stiftung und von der European Climate Foundation. Das ist wirklich wertvoll! Gut auch, wenn Stiftungen ihre Kräfte bündeln, gemeinsam handeln. S&S: Wo sehen Sie zukünftige Betätigungsfelder?

am besten einbinden in die Infrastrukturentscheidungen der Energiewende? Sie sehen, ich schätze die Stiftungen als Vordenker. Aber natürlich geht ihre Rolle weit darüber hinaus. Stiftungen können auch ganz praktische Hilfe leisten. Etwa indem sie Menschen fortbilden, indem sie sie zusammenführen, indem sie ihnen ermöglichen, Projekte vor Ort umzusetzen. S&S: Haben Stiftungen aufgrund ihres Nachhaltigkeitsanspruchs nicht sogar eine besondere Pflicht, sich für den Klimaschutz zu engagieren? Altmaier: Solange ich Bundesumweltminister bin, werde ich an dieser Stelle immer „ja“ sagen. Aber im Ernst: Es ist zumindest sehr naheliegend, dass Stiftungen sich der großen langfristigen Herausforderungen unseres Planeten annehmen. Und dazu gehört ja gerade der Klimawandel. Ich kann sie hier nur ermutigen und ihnen für ihr Engagement in diesem Feld von Herzen danken! S&S: Herzlichen Dank für das Gespräch!

zur Person Peter Altmaier, geboren am 18.6.1958 im saarländischen Ensdorf, katholisch, ledig, studierte nach Abitur und Grundwehrdienst von 1980 bis 1985 Rechtswissenschaft an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und absolvierte ein Aufbaustudium „Europäische Integration“, Zertifikat über Europäische Studien. Die juristischen Staatsexamina folgten 1985 und 1988. 1985 bis 1987 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Staats- und Völkerrecht, von 1988 bis 1990 am Europa-Institut der Universität des Saarlandes. Seit 1990 Beamter der Europäischen Kommission war er von 1993 bis 1994 Generalsekretär der EG-Verwaltungskommission für die soziale Sicherheit der Wanderarbeitnehmer. Seit 2006 amtiert er ehrenamtlich als Präsident der Europa-

Altmaier: Wir alle wissen, wie wenig Zeit im politischen Prozess ist, um neue Ideen zu entwickeln, um Ideen einmal vollständig zu durchdenken. Dafür brauchen wir die Wissenschaft, dafür brauchen wir unabhängige Think Tanks – und die Unterstützung durch Stiftungen. Ein paar Themen: Was machen wir eigentlich, wenn der internationale Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen zu spät kommt? Wie stärken wir das Engagement der Bürger für den Klimaschutz? Wie können wir Staaten wie Indien davon überzeugen, verbindlichen nationalen Vorgaben zuzustimmen? Wie können wir die Bürgerinnen und Bürger

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Union Deutschland. Seit 1994 ist Altmaier Mitglied des Bundestages, von 2004 bis 2005 Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion; von November 2005 bis Oktober 2009 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, seit Oktober 2009 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer. Seit Mai 2012 ist Peter Altmaier als Nachfolger von Dr. Norbert Röttgen [S&S 4/2010, S. 24 f.] Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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Rio de Janeiro, Panoramabild vom Zuckerhut gesehen.

GruSS aus dem Laboratorium nach Rio?! Stiftungen als „Ewigkeitsakteure“ für Klimaschutz und Green Economy von Klaus Milke, Hamburg

Deutsche Stiftungen stehen in diesem Jahr in besonderer Weise auf dem Prüfstand. Sie können zeigen, dass sie eine „Nachhaltige Entwicklung“ zum Schwerpunkt ihrer gemeinwohlorientierten Arbeit machen, etwa durch Beteiligung an der Klimaschutzdebatte, Unterstützung der Energiewende und der damit zusammenhängenden Großen Transformation. Diese Aktivitäten bedürfen gerade angesichts des am 20.6. beginnenden Weltgipfels in Rio der Einordnung in größere Zusammenhänge. Dass die dritte Nachfolgekonferenz „Rio + 20“ des Gipfels der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung zeitgleich mit dem Deutschen StiftungsTag in Erfurt stattfindet, ist eine spannende Koinzidenz. Dies ermöglicht es, das Tagungsthema „Mit langem Atem – Stiftungen entwickeln nachhaltige Lösungen“ am politischen und gesellschaftlichen Prozess zu spiegeln, der sich seit dem Bericht der Brundtland-Kommission von 1987 („Unsere gemeinsame Zukunft“), bei dem der Begriff eines Sustainable Development entstand, entwickelt hat und dessen zentrale Fragen bis heute unbeantwortet sind. Sicherlich wird eine große Vielfalt von guten Beispielen für nachhaltige Entwicklung aus den unterschiedlichsten Themenfeldern der Stiftungen diskutiert werden. Um Signale zu setzen, die über die Stiftungsszene hinaus wahrgenommen werden, bedarf es zusätzlich deutlicher politischer Positionierungen im gesellschaftlichen Kontext. Wo kommen wir her – wo gehen wir hin? Zwanzig Jahre nach der historischen Rio-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung der UNCED von 1992 hat sich die Welt stark verändert. Über Nachhaltigkeit wird viel geredet und doch sind wir den damals formulierten Absichten und Zielen nicht wirklich näher gekommen. Und gleichwohl wurde nicht nur eine kurzlebige Sau mit Namen „Sustainable Development“ durch das globale Dorf getrieben. Die damals entwickelten Sonderausgabe 2012

Positionen haben sich als langlebiger Stachel im Fleisch des Ressourcen verschwendenden und die weltweite Armut nicht beseitigenden Industrie- und Wohlstandsmodells erwiesen. Und über sie wird auch dann besonders intensiv diskutiert, wenn die multiplen Krisen allzu bedrohlich und ohne Lösung erscheinen. Ein grüner Marshallplan soll nun die Finanz- und Schuldenkrise der EU beheben und im Deutschen Bundestag setzt sich eine Enquete-Kommission mit neuen Formen des Wohlstands ohne Wachstum und mit Green GrowthAnsätzen auseinander. Green Economy, welche das zentrale inhaltliche Thema in Rio ist, und andere Lösungsansätze wie Corporate Social Responsibility (CSR) kamen und kommen zum Begriff der nachhaltigen Entwicklung hinzu. Stiftungen – Change Agents oder Bewahrer eines Business as Usual? Nach Grundanlage und Selbstverständnis sind Stiftungen nicht auf begrenzte Zeit, sondern auf ewige Dauer errichtet. Die meisten Stiftungen agieren als gemeinnützige Einrichtungen und nehmen unter Nutzung steuerlicher Vorteile wertvolle gesellschaftliche Aufgaben wahr. Stiftungen sollten daher nicht nur Verbündete des Nachhaltigkeitsgedankens sein, sondern müssten als Akteursgruppe eigentlich den Motor aller Nachhaltigkeitsbemühungen bilden. Und daher sollten sie darauf drängen, dass die Menschheit den gefährlichen Kurs ändert, den sie mit ihrem derzeit gültigen Wohlstands-, Produktions- und Konsummodell eingeschlagen hat. Sie müssten Change Agents sein für die Große Transformation, für eine Energiewende in Richtung 2-Grad-Gesellschaft, für globalen Klima-, Umwelt- und Artenschutz. Und es gibt gute Beispiele für Stiftungen, die genau dies tun – in Deutschland, Europa und in anderen Teilen der Welt. Es kann und darf nicht um die Erhaltung des Status Quo und des Weiter-so-wie-bisher gehen. Politische Einmischung und streitbare eigene Konzepte sind unumgänglich. Gleichwohl besagt das Wort Schutz in den Worten Klimaschutz und

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Artenschutz, dass es auch um ein Bewahren und Pflegen der (noch) zur Verfügung stehenden Lebensgrundlagen geht. Für die heutigen Gesellschaften und ihre Strategien ist ein intelligenter Mix gefragt: massive Veränderung und gleichzeitig Bewahrung der Schöpfung, also die Beachtung der „planetry boundaries“ – kein leichter Balanceakt. Um dabei Aussicht auf Erfolg zu haben, werden die Stiftungen mit ihrem Sachverstand, ihrer Unabhängigkeit und ihrem langen Atem unbedingt gebraucht. Sie sollten die deutsche Politik auffordern, innerhalb der EU und beim Rio-Gipfel weiterhin eine konstruktive und pro-aktive Rolle zu spielen. Das könnte die Kanzlerin ermutigen, frühzeitig anzukündigen, dass sie nicht nur beim G20-Treffen am 18. /19. 6. in Mexiko, sondern auch in Rio dabei ist (und damit andere mitzieht). Das Laboratorium für Klimaschutz, Energiewende und Nachhaltigkeit Die Welt schaut auf Deutschland. Gefragt wird: Werden die Deutschen das schaffen, was eigentlich von allen geleistet werden muss, also der beim Klimagipfel in Cancun Ende 2010 als Überlebensprogramm beschlossenen Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 Grad Celsius zu entsprechen? Die parteiübergreifenden Beschlüsse zu Energiewende und Atomausstieg und gleichzeitig die Tatsache, dass Deutschland als Industrieland offensichtlich die Wirtschafts- und Finanzkrise besser als andere gemeistert hat, rückt das Land in die Rolle eines Laboratoriums. Deutschland könnte die Rolle eines Vorreiters für ein global relevantes Modell in Richtung einer „Green and fair Economy“ werden. Dies erfordert eine Implementierung in alle Bereiche der Volkswirtschaft. Es steht eine aufregende Achterbahnfahrt in einer Lernkurve von Glaubwürdigkeit und Transparenz bevor. Wenn allerdings die Energiewende in Deutschland scheitert, wird auch die internationale Klima- und Energiedebatte nicht nur einen Dämpfer bekommen, sondern zum Stillstand gebracht werden. Selbstgefälligkeit verbietet sich, denn die Energiewende läuft keinesfalls rund und perfekt, wie im zweiten Jahr nach Fukushima festgestellt werden muss. Vielfältige Hindernisse sind noch zu beseitigen; altbekannte Bremser haben sich in Stellung gebracht. Vor allem im Bereich der Energieeffizienz geht es nicht voran. Bei den Erneuerbaren Energien stellen wir fest, dass ihr sichtbarer Erfolg auch zu Einbrüchen aufgrund von falschen Rahmensetzungen und einer neuen internationalen Wettbewerbssituation führt.

Im Kontext der nationalen, aber auch der europäischen und globalen Debatte sind die deutschen Stiftungen gefragt, kraftvoll mitzuwirken. Ermutigend ist das Beispiel vieler kleinerer Stiftungen aus dem lokalen Bereich, unternehmensnaher Stiftungen wie der 2-Grad-Stiftung oder der 100 prozent erneuerbar stiftung, aber auch von großen Akteuren wie der European Climate Foundation und der Stiftung Mercator, Gründer des für die Unterstützung der Energiewende geschaffenen sog. Agora-Programms. KURZ & KNAPP Erfurt und Rio fallen zeitlich zusammen. Diesen Zufall sollten die Stiftungen durch kreative Initiativen, offene Debatten und große Hör- und Sichtbarkeit nutzen. Eine kleine Idee zum Schluss: Sollten sie den Verhandlern auf der UN-Konferenz in Rio nicht gemeinsam einen ermutigenden Energiewende-Gruß senden? Vielleicht kann er dazu beitragen, dass die Konturen für Green-Economy dort mehr Gestalt annehmen. Und dass auch institutionelle Fragen hin zu einem mit einem High Commissioner ausgestatteten UN-Council für Nachhaltige Entwicklung und zu einer neuen Umwelt-Organisation der Vereinten Nationen mutiger beantwortet werden.  zum Thema Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): StiftungsReport 2011/12. Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen das Klima schützen. 2011 [vgl. Kurzrezension unter www.stiftungsponsoring.de/organisation-finanzen/literaturtipps/ratgeberdes-bundesverbandes-deutscher-stiftungen.html] im Internet www.100-prozent-erneuerbar.de www.europeanclimate.org/de/agora-energiewende in Stiftung&Sponsoring Milke, Klaus: atmosfair. Eine Stiftung schafft erffiziente Organisation für Klimaschutz im Flugverkehr, S&S 1/2006, S. 28-29 Röttgen, Norbert / Fleisch, Hans: Klimaschutz als Kooperationsaufgabe. Plädoyer für konstruktives Zusammenwirken der Stiftungen, S&S 4/2010, S. 24-25 Töpfer, Klaus / Lorentz, Bernhard: Nach Kopenhagen. Angesichts der Klimakatastrophe müssen Stiftungen Impulsgeber für politische Prozesse sein, S&S 4/2010, S. 18-19 Klaus Milke ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zukunftsfähigkeit und von der NGO Germanwatch e.V.; er hält am 22.6.2012 bei der Abschlussdebatte des Deutschen StiftungsTags den Festvortrag „Erfurt – Rio: Was signalisiert uns Stiftungen der gerade stattfindende Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung?“; [email protected] germanwatch.org, www.stiftungzukunft.de, www.germanwatch.org

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Rio + 20: Fördervisionen Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung nachhaltiger Transformationsforschung von Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski, Wuppertal

Der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat in seinem Hauptgutachten im Jahr 2011 eine „Große Transformation“ eingefordert. Dahinter steckt ein umfassendes technologisches, ökonomisches und gesellschaftliches Umbauprojekt, mit dem moderne Industriegesellschaften Motor für eine nachhaltige Entwicklung auch auf globaler Ebene werden können und müssen. Auch 20 Jahre nach der ersten UN-Konferenz über Klima und Entwicklung im brasilianischen Rio de Janeiro liegen die damals postulierten Ziele noch in weiter Ferne. Die globalen CO2-Emissionen sind seitdem um rund die Hälfte gestiegen, Probleme wie die Abnahme von Biodiversität und eine übermäßige Ressourcenbeanspruchung haben sich weiter verschärft – trotz eines massiven Erkenntniszuwachses bei der ökologischen Problemanalyse sowie der Entwicklung vielfältiger technologischer Lösungen, z.B. im Bereich der regenerativen Energien. Transdisziplinarität gefordert Dass die Umsetzung so hakt, ist eine Herausforderung für das Wissenschaftssystem. Dort weiß man zu wenig über Handlungsstrategien, um aktuelle Blockaden in Politik und Gesellschaft zu überwinden. So kritisiert der WBGU die oft zu einseitig technologische und disziplinäre Ausrichtung der Nachhaltigkeitsforschung und entsprechender Förderprogramme. Um nachhaltige Systeminnovationen zu befördern, braucht es vermehrt eines anderen Typus von Wissenschaft, nämlich eine transdisziplinäre Forschung, die ƒƒ ƒƒ

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neben Systemwissen auch Ziel- und Transformationswissen erzeugt, neben den Natur- und Technikwissenschaften von Anfang an auch Sozial- und Kulturwissenschaften integriert und insbesondere das Wissen von Akteuren mit einbezieht, die die Transformationsprozesse gestalten.

Solche Forschungsansätze gibt es heute viel zu wenig. Der neue Forschungsmodus zur Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft – mit Themenfeldern wie nachhaltige Energieversorgung, zukunftsfähige Mobilitätskonzepte und Sicherung zentraler Ressourcen – ist bisher im Wissenschaftssystem kaum etabliert. Für Wissenschaftler bedeutet Transformationsforschung ein verändertes Rollenverständnis. Eine an diesem Forschungszweig orientierte Arbeitsweise erfordert viel Zeit, ein besonSonderausgabe 2012

deres Engagement sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Wissensformen zu verknüpfen, etwa intuitives Praxiswissen mit klassischem Forschungswissen. Der Einsatz für das neue Forschungsfeld ist zudem wenig lukrativ, da nicht genügend Anreize bestehen und die transdisziplinäre Arbeitsweise wenig kompatibel ist mit den typischen Karriereverläufen im Wissenschaftssystem.

Dirk Messner, einer der WBGU-Autoren, fordert daher, dass 30 % der Forschung im Wissenschaftssystem per se transdisziplinär sein sollten. Ein solches Umsteuern hat nun massive strukturelle Konsequenzen. Es beeinflusst Karrierepfade von Nachwuchswissenschaftlern genauso wie Fakultätsstrukturen. Für die Umsetzung bedarf es neuer Qualitätssicherungsmechanismen und Experimentierorte zur Erprobung von Systeminnovationen in „Reallaboren”. Dafür müssen Forschungsprogramme neu ausgerichtet und stärker transdiszplinär orientierte Forschungseinrichtungen geschaffen werden. Das Wissenschaftssystem und auch die Wissenschafts- und Förderpolitik tun sich mit diesen Veränderungen sehr schwer. Dies zeigt ein Blick auf die Ausrichtung der deutschen „Exzellenzinitiative” genauso wie derjenige auf die aktuellen Förderstrategien von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Forschungsrahmenprogramm der EU. Chancen für die Stiftungsarbeit Hier ergeben sich nun interessante Chancen für das Engagement von Stiftungen. Sie können die erkannten Defizite aufgreifen und mit gezielten Impulsen wichtige Katalysatoren für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems hin zu einer transformativen Wissenschaft werden. Stiftungen haben dabei gleich mehrere Vorteile und Freiheitsgrade. Sie können ƒƒ

innovative Impulse in die Förderung von unkonventionellen und riskanteren Forschungsprojekten geben

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und dabei auch vermeintlich auseinanderliegende Themenstränge sinnvoll zusammenführen, an der Schnittstelle von Hochschule und Gesellschaft entscheidend zu einer Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie zu einer daraus folgenden Verschränkung unterschiedlicher Wissensformen beitragen, außerhalb der Föderalismuszwänge agieren und daher auch strukturelle Impulse jenseits der klassischen Förderinstrumente an Hochschulen setzen, z.B. mit transdisziplinär arbeitenden Stiftungsprofessuren, Aufmerksamkeits- und Reputationskapital ins Wissenschaftssystem einbringen und dadurch über ihre finanziellen Mittel hinaus Anreize für ein umfassenderes Umsteuern im Wissenschaftssystem setzen.

Diese Potenziale verdeutlichen, dass die Wirkkraft von Stiftungen und Stiftern nicht vom absoluten Geldvolumen abhängen muss. Das innovative Design der Föderstrategie kann für die Wirkung viel entscheidender sein. Best-Practice-Beispiele Zahlreiche Beispiele zeigen, wie Stiftungen diese Möglichkeiten nutzen und so einen Anreiz zur Nachahmung geben können. So haben Stiftungen in den letzten Jahren immer wieder transdisziplinär arbeitende Nachhaltigkeitsprofessuren eingerichtet, die sich als wichtiger Katalysator an ihren Universitäten erwiesen haben. Das Spektrum reicht von der (auf studentische Initiative zurückgehende) oikos-Stiftung und der Einrichtung eines Institutes für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen Ende der 1980er Jahre über die von einem breiten Bündnis mittelständischer Unternehmen und der Stadt finanzierten Stiftungsprofessur „Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften“ an der Universität Ulm bis hin zur Stiftungsprofessor Nachhaltigkeitswissenschaft an der Universität Saarbrücken, gestiftet von der ASKO-Europa-Stiftung im Jahr 2009 oder den Juniorprofessuren zur „Nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen” der Robert Bosch Stiftung. Beispiele für innovative programmatische Ausrichtungen sind das von der Stiftung Mercator im Jahr 2011 mit 17 Mio. € initiierte und zwischen der TU Berlin und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung angesiedelte „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)”. Es wird interdisziplinäre Forschungsbeiträge zu Fragen des nachhaltigen Wachstums in einer begrenzten Welt erarbeiten und damit die bisherigen Forschungen seiner Trägerinstitutionen mit einem transdisziplinären Anspruch ergänzen. Auf eine ähnlich innovative Synthese zielt das im Jahr 2010 von der Fritz- und Hildegard Berg-Stiftung initiierte Förderprogramm von Junior-Forschungsgruppen zum Thema „Stadt der Zukunft: Gesunde, nachhaltige Metropolen“. Die Stiftungsinitiative will den Dialog zwischen Gesundheitswissenschaften, Ökologie, Raumplanung und Ökonomie im Sinne einer neuen Wissenschaftskultur anregen und hat schon in der ersten

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Ausschreibungsrunde zu hoch innovativen Kooperationen der einreichenden Partner beigetragen. Auch die politischen Stiftungen erkennen die Bedeutung des Themenfeldes „Transformationsforschung“ zunehmend und setzen dies u.a. im Rahmen der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung um. So hat die Heinrich-Böll-Stiftung Anfang 2011 einen Forschungsschwerpunkt zur Transformationsforschung ausgeschrieben. Unter dem Themenschwerpunkt Forschung für und über die „Große Transformation“ fördert sie explizit Promotionsvorhaben, die sich mit dem im WBGU-Gutachten beschriebenen Transformationsansatz beschäftigen. Ein wichtiger Motor für Ansätze transdisziplinärer Wissenschaft sind Studierendeninitiativen. Sie haben in den letzten Jahren an vielen Universitäten mit neuen Veranstaltungsreihen, eigenen Lehrangeboten sowie Forschungsprojekten wichtige Impulse für eine stärker transdisziplinäre Forschung ausgelöst. In vielen Fällen wurde dieses Engagement durch Stiftungen unterstützt und ermöglicht. Hier lassen sich häufig mit kleinen Beträgen hohe Hebelwirkungen erzielen. KURZ & KNAPP Die notwendige engagierte Transformationsforschung benötigt noch umfassende Anpassungen im Wissenschaftssystem. Stiftungen können hier wichtige Impulse setzen. Für künftige Strategien gilt es besonders zwei Aspekte zu berücksichtigen: ƒƒ

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Eine möglichst gute Verzahnung mit Bundes- und Länderprogrammen sowie Aktivitäten anderer Stiftungen. Diese findet erst in Ansätzen statt und könnte die Wirkung der Programme erheblich erhöhen. Einsatz struktureller Effekte, um ein „Verpuffen“ von Maßnahmen nach Förderende zu vermeiden. Dazu gehört z.B. die Konzentration von Maßnahmen auf einzelne Standorte, um dort vorbildhaft umfassende strukturelle Veränderungen auszulösen, z.B. Schaffung neuer Fakultätsstrukturen, Aufbau einer kritischen Masse an transdisziplinär arbeitenden Lehrstühlen usw. 

zum Thema Schneidewind, Uwe: Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen, in: DIE-Kolumne v. 27.6.2011 [abrufbar unter http://bit.ly/jGQzj8] Schneidewind, Uwe / Augenstein, Karoline: Analyzing a transition to a sustainability-oriented science system in Germany, in: Journal for Environmental Innovation and Societal Transitions 2012 [im Erscheinen] Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung: Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, 2011 Prof. Dr. Uwe Schneidewind ist Präsident der Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH, uwe. [email protected]; Mandy Singer-Brodowski ist dort Wissenschaftliche Assistentin der Geschäftsleitung und Koordinatorin für das Projekt „Transformatives Wissen schaffen“, [email protected] org, www.wupperinst.org

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Pioniere des Wandels Die Rolle von „Change Agents“ in Transitionsprozessen wie der Energiewende von Claus Leggewie und Bernhard Lorentz, Essen

Die Verkündung der Energiewende im Jahr 2011 hat Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Bewegung gebracht. Die politische Rahmensetzung zeigt an, dass es die Bundesregierung mit der Absicht ernst meint, den nuklear-fossilen Komplex in der Strom- und Wärmeversorgung mittelfristig aufzugeben. Dies will sie zugunsten erneuerbarer Energien, groß angelegter Effizienzmaßnahmen und eventuell auch einer auf Suffizienz, also auf die Vermeidung überflüssiger Mobilität und Raumvernutzung zielenden Nachhaltigkeitsstrategie erreichen. Die Energiewende war von der Zivilgesellschaft seit Langem gefordert und kann nun auch nur mit ihr Wirklichkeit werden. Bisher sind konkrete Planungen allenfalls schemenhaft erkennbar. Deshalb müssen alle Akteure neben der wichtigen Policy-Fokussierung auch „bottom up“ beginnen, den bereits bröckelnden Konsens mit Leben zu füllen. Alle sind aufgerufen: Gesetzgeber, Regierungen in den unterschiedlichen Ressorts (Umwelt, Energie-, Wirtschafts-, Innovations-, Forschungs- und Wissenschafts-, Entwicklungspolitik), Verbraucher, kommunale Netzwerke und überregionale Klimaallianzen, Banken, Unternehmen und Unternehmensverbände, die Stiftungen als „convener“ und „networker“ – und letztlich jeder einzelne Weltbürger.

schaubare Gruppen wie z.B. Arbeitsgemeinschaften, Vereinsmitglieder, Berufsverbände oder auch ehrenamtliche Teams zusammenwirken. Schließlich kommen Großorganisationen wie Unternehmen, politisch-administrative Einheiten von der lokalen bis zur supra- und transnationalen Ebene sowie weitere Zusammenschlüsse (u.a. von bestimmten Berufsgruppen oder Mäzenen) als Akteure in Betracht. Diese und andere Schlüsselgruppen – Konsumenten, kleinere kommunale Initiativen und informelle Netzwerke – sind als mögliche Betreiber des Wandels ebenso in den Blick zu nehmen wie technische Experten, politisch-administrative Entscheidungseliten, Manager oder Unternehmer. Gerade Stiftungen mit Feldkompetenz können bei der Identifizierung und Verbindung von Change Agents eine wichtige Rolle spielen. Entscheidendes Kriterium für erfolgreiche Change Agents ist neben der innovativen Kapazität und der Gemeinwohlorientierung die Fähigkeit, „Neues“ zu kommunizieren. Sie schaffen in den jeweiligen Kommunikationsräumen Identität und das Bewusstsein von Wirkungsmächtigkeit. Diese Kommunikationsräume erstrecken sich von der direkten interpersonalen Kommunikation bis zu grenzüberschreitenden Plattformen virtueller Kommunikation in sozialen und wissenschaftlichen Netzwerken. Selbst tragender Wandel

Es geht nicht bloß darum, für einen in Berlin und Brüssel ausgedachten Plan Akzeptanz zu suchen. Vielmehr geht es im Sinne eines „neuen Gesellschaftsvertrags“ darum, dass Menschen heute ökologische Verantwortung für künftige Generationen übernehmen. Ihnen sollen für unvermeidbare Härten, die der Wandel für Einzelne und ganze Regionen mit sich bringen wird, mehr Möglichkeiten für Bürgerbeteiligung und -engagement eingeräumt werden. Dabei ist es wichtig, die Bürgergesellschaft nicht länger als lästigen Klotz am Bein zu sehen, die Bedenken vorbringt und so die komplizierten Planungsprozesse verzögert, sondern als aktiven Teil der Energiewende. Zur Aktivierung muss eine Partizipationskultur aufgebaut werden. Insofern kommt Stiftungen durch ihre spezifischen Stärken eine besondere Verantwortung zu. Strategische Akteure befördern Innovationen

Aus der Organisationsentwicklung und dem Veränderungsmanagement (Change Management) ist bekannt, dass sog. weiche Faktoren wie soziales Verhalten und die Qualifikation, Prozesse gut gestalten zu können, zentral für den Erfolg von Veränderungsprozessen sind. Die Untersuchung gegenwärtiger und historischer Transitionsprozesse macht aber auch deutlich, dass Akteure nicht nur von sich öffnenden Gelegenheitsfenstern profitieren können, sondern häufig selbst aktiv daran beteiligt sind, diese aufzustoßen. Strategische Gruppen und Allianzen fungieren dabei als Rollenmodelle und Trendsetter; so verschaffen sie isolierten Innovationsimpulsen eine „kulturelle Hegemonie“. Aus der Diffusions- und Transitionsforschung ist bekannt, dass Change Agents bei der Einführung neuer Technologien und Ideen eine zentrale Bedeutung zukommt.

In diesem Zusammenhang spielen „Change Agents“ eine besonders wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um strategische Akteure, die als (z.T. unerkannte) Pioniere beim sozialen Wandel vorangehen und ein Bewusstsein der damit verbundenen Chancen verbreiten. Sie können Individuen sein, die auf der Mikroebene als Leitfiguren und Rollenmodelle Reputation und Vertrauen gewinnen und auf der Mesoebene als über-

Change Agents verbreiten Innovationen, indem sie eine Politik des „weiter so wie bisher“ hinterfragen, eine alternative Praxis schaffen, etablierte Weltbilder und Pfade in Frage stellen, Einstellungs- und Verhaltensmuster herausfordern sowie bei neuen Gleichgesinnten (Followers, Early adopters) eine dauerhafte Motivation zum selbst tragenden Wandel schaffen. Eine langfristige Orientierung und die Überwindung von Verlust-

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und Risikoaversionen sind hierbei typisch. Pioniere des Wandels bewirken demnach nicht nur punktuell Veränderungen, sondern stoßen vergleichsweise großflächige Transformationsprozesse dezentral und „von unten“ an. Dabei animieren sie andere ebenfalls zur Veränderung ihrer Verhaltenspraxis. Zum Wandel beitragen können auch Personen und Netzwerke, die thematisch zunächst schwache Bezüge zur Klima- und Nachhaltigkeitspolitik aufweisen, aber in ihrem Umfeld, etwa in Sportvereinen und Nachbarschaftsinitiativen, als Ehrenamtliche und Ruheständler Veränderung bewirken. Ein wichtiger Aspekt ist, ob Akteure über ausreichend strategische Kompetenz verfügen bzw. in der Lage sind, sich mit anderen Change Agents zusammenzuschließen, um Transformationsprozesse zu initiieren oder zu beschleunigen.

Engagierter in ihren Reihen schlagkräftige Basisorganisationen. Auch spüren sie nicht das starre Korsett der Vereinsstruktur und können aus ihrer Position heraus Kommunikationsdefizite vor Ort besonders gut erkennen. Ihnen ähnlich sind kleine Umweltstiftungen, die lokal begrenzt tätig sind. Die großen operativen Stiftungen mit breiten Netzwerken und Kontakten zu den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft und den Multiplikatoren in der Gesellschaft übernehmen eine andere Rolle. Unter den Akteuren der Zivilgesellschaft können sie die erfolgreichsten Change Agents werden, denn sie lassen sich als Organisation nicht einem bestimmten politischen Lager zuordnen. Sie genießen Vertrauen als handlungsstarke Institutionen, die sich auf ihre inhaltliche Arbeit konzentrieren.

Die Rolle der Stiftungen

Pionier des Wandels zu sein setzt voraus, dass eine Stiftung den Klimawandel als eine der zentralen Herausforderungen dieser Zeit begreift – auch dann, wenn sich der Stiftungszweck vordergründig auf Bildung, Wissenschaft oder Kultur richtet. Denn die Verpflichtung auf den Stifterwillen beinhaltet in letzter Konsequenz, eine Welt zu schaffen, in der die Erfüllung des Stiftungszweckes in Zukunft überhaupt noch möglich sein wird.

Privaten Stiftungen kommt eine besondere Verantwortung zu. Wenn sie es richtig anstellen und Vertrauen gewinnen, können sie an den Schnittstellen zwischen den vielen Klimainitiativen und -allianzen und den staatlichen bzw. marktwirtschaftlichen Akteuren tätig werden. Kaum eine Gruppe von Institutionen der Zivilgesellschaft erfüllt alle Kriterien für verlässliche Change Agents so gut wie die Stiftungen. Sie sind unabhängig von politischen Akteuren – sofern es sich nicht um parteinahe Stiftungen handelt. Dadurch sind sie in der Lage, eine Vermittlerrolle einzunehmen und unterschiedliche Interessengruppen an einen Tisch zu bringen. Vertrauen bei den unterschiedlichen Gruppierungen kommt ihnen auch deswegen zu, weil die gemeinnützigen selbstständigen Stiftungen in Deutschland einer doppelten Kontrolle durch Stiftungsaufsicht und Finanzbehörden unterliegen. Trotz dieser Kontrolle – und das ist der dritte Grund für ihre besondere Eignung – sind sie schnell handlungsfähig, weil sie anders als die Wirtschaft nicht von einem Markt abhängen und anders als die Politik nicht an Wahlen und Legislaturperioden gebunden sind. Stiftungen können je nach Größe und Ausrichtung verschiedene Rollen übernehmen, die sich ergänzen. Bürgerstiftungen etwa beginnen, vor Ort als Netzwerkkoordinator aufzutreten, Meinungen aus den unterschiedlichen Gruppierungen auf lokaler Ebene zu sammeln und zu bündeln. Sie gewinnen Bedeutung als finanziell schwache, aber aufgrund der Zahl

KURZ & KNAPP Die Akteure der Bürgergesellschaft sind wesentliche Pioniere für das Gelingen der Energiewende. Eine besonders wichtige Rolle in der Bewältigung des Wandels sind Change Agents. Stiftungen können unabhängig von ihrem Stiftungszweck in besonderer Weise solche Pioniere des Wandels sein. 

zum Thema Grin, J. / Rotmans, J. / Schot, J.: Transitions to sustainable development – new directions in the study of long term transformation change. Routledge, New York (2010) Prof. Dr. Claus Leggewie ist Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), [email protected] de, www.kwi-nrw.de; Prof. Dr. Bernhard Lorentz ist Geschäftsführer der Stiftung Mercator, [email protected], www.stiftung-mercator.de

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Thinktanks Wie Stiftungen durch die Förderung von „Denkfabriken“ die Hebelwirkung ihrer Arbeit verstärken können von Susanne Schröder, Berlin, und Mark Speich, Düsseldorf

Zu den zentralen Herausforderungen des Landes gehören der Umgang mit dem Klimawandel oder mit dem etablierten wohlfahrtstaatlichen Leistungsprogramm unter den Bedingungen des demographischen Wandels und schrumpfender fiskalpolitischer Spielräume. Umso wichtiger ist es, über die intelligente Weiterentwicklung gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen nachzudenken, um soziale Innovationen zu ermöglichen. Insofern gilt es, Erkenntnisse, die in praktischer Projektarbeit gewonnen wurden, wie auch wissenschaftliche Forschungsergebnisse in der politischen Praxis umzusetzen. In jedem Fall wird ein Transmissionsriemen benötigt, der diese Übersetzungsarbeit leistet. Hier findet das Konzept des Thinktanks seinen Ausgangspunkt.

Auch Stiftungen haben die Möglichkeit, ihren Wirkungsbereich in diese Richtung auszudehnen und als ein weiteres Betätigungsfeld zu erschließen. Die Förderung eines Thinktanks kann enormes Potenzial für das eigene Stiftungshandeln bereithalten und eine große Hebelwirkung entfalten. Thinktanks Der Begriff wurde während des 2. Weltkrieges in den USA geprägt und für einen abhörsicheren Raum (tank) verwendet, der militärischen und zivilen Experten als Ort zur Entwicklung von Invasionsplänen und militärischen Strategien diente (think). Im Verlauf der 1960er und 1970er Jahre ging man dazu über, den Begriff auch als Bezeichnung für praxisorientierte Forschungsinstitute außerhalb der Außen- und Sicherheitspolitik zu benutzen. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in den USA die ersten Thinktanks mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Politik nutzbar zu machen und auf diesem Wege eine Verbindung zwischen Wissenschaft und politischer Praxis herzustellen. In ihrer Vorgehensweise und ihrem wissenschaftlichen Selbstverständnis orientieren sich die Thinktanks an akademischen Standards, berücksichtigen jedoch zunehmend stärker die Anforderungen ihrer außeruniversitären Auftraggeber, z.B. die Ausrichtung entlang der politischen Praxis. Instrumente wirkungsvoller Stiftungsarbeit Um interessierten Stiftungen einen Einblick zu ermöglichen, haben der Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Vodafone Stiftung Deutschland im Januar 2012 eine gemeinsame Studie mit dem Titel „Denken fördern: Thinktanks als Instrumente wirkungsvoller Stiftungsarbeit“ vorgelegt. Sie enthält einen Überblick über Institutionen dieser Ausrichtung in den USA und Deutschland. Anhand ausgewählter Beispiele wird gezeigt, wie die Förderung eines Thinktanks durch eine Stiftung oder die operative Tätigkeit von Stiftungen, die selbst entsprechend agieren, gestaltet werden kann. Außerdem bietet die Studie zentrale Handlungsempfehlungen für Stiftungen, die sich auf dem Feld engagieren möchten.

In Deutschland werden Denkfabriken überwiegend öffentlich finanziert. Daneben gibt es auch einige privat finanzierte Denkfabriken, die von Unternehmen, Verbänden, privaten Stiftungen oder Einzelpersonen unterstützt oder von Stiftungen selbst operativ betrieben werden.

Sonderausgabe 2012

Stiftungen verfügen aufgrund ihrer oft langjährigen Praxiserfahrungen auf dem Gebiet ihres Förderzwecks über wertvolle Sachkenntnis und sind daher besonders prädestiniert, innovative und praxistaugliche Lösungsansätze zu entwickeln und – dies ist eine der besonders hervorzuhebenden Aufgaben einer Stiftung – das Nachdenken über die Verbesserung gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen zu befördern.

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Politisch werden Eines der zentralen Ergebnisse der Studie lautet, dass Stiftungen die enormen Potenziale, die eine nicht projektgebundene Förderung unabhängiger privater Institute bietet, noch nicht ausreichend ausschöpfen. Die Finanzierung der Thinktanks wird stark von staatlicher Seite dominiert und es engagieren sich bisher nur wenige private Stiftungen als Geldgeber. Das ist auch deswegen erstaunlich, weil viele Stiftungen das Ziel gesellschaftlichen Wandels verfolgen. Gleichzeitig sind einige dieser Stiftungen aber auch erkennbar reserviert gegenüber jeder Berührung mit dem Politischen. Wer aber das Ziel des gesellschaftlichen Wandels ernst nimmt, muss auch bereit sein, politisch zu werden. Damit ist keine parteipolitische Festlegung gemeint, sondern die Notwendigkeit, zum Anwalt der eigenen Themen zu werden. Dieses Ziel kann auch verwirklicht werden, wenn diejenigen eine Stimme erhalten, die für wissenschaftliche Expertise und evidenzbasierte Politikberatung stehen. Führende Stiftungsgeschäftsführer wurden nach ihrer Meinung zu Thinktanks und damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten für Stiftungen befragt. So wurde deutlich, welche Maßnahmen zur institutionellen Förderung von Thinktanks heute für wirksam und machbar gehalten werden. Die Befragten zeigten eine mehrheitlich positive Einstellung der Stiftungen gegenüber Thinktanks und deren Förderung. Als besonders wichtig wird das Engagement in der Politikberatung angesehen. Uneinigkeit besteht allerdings, ob Stiftungsförderungen für Thinktanks zukünftig zunehmen werden. Eine deutliche Mehrheit spricht ihnen eine große Wirksamkeit als Katalysator für gesellschaftspolitische Entwicklungen zu, die auch dazu beitragen kann, die Ziele in den Förderbereichen der Stiftungen besser zu erreichen. Die Entwicklung entsprechender eigener Aktivitäten, die Gründung neuer Thinktanks oder die Förderung bereits etablierter Institute können wirkungsvolle Ansätze sein, sich auf diesem Feld zu betätigen.

folg entfalten. Gleichzeitig fehlt aber die Anschaulichkeit der Projektästhetik, die die Vermittlung von Stiftungsarbeit gegenüber externen und internen Stakeholdern erheblich erleichtert. Hat sich eine Stiftung für einen wissenschaftlich basierten Themenansatz als Fürsprecher eingesetzt, ist zudem die Zurechnung des eigenen Erfolgsbeitrags reichlich komplex. Auf dem politischen Marktplatz der Ideen sind nur die erfolglosen Ideen Waisenkinder; die Ideen mit erfolgreicher Veränderungskraft haben nachträglich immer viele Mütter und Väter gehabt. Aber möglicherweise liegt eine der Stärken von Stiftungen auch darin, mit dieser Zuschreibung großzügig, d.h. im Wortsinne mäzenatisch umgehen zu können. Befreit von den Zwängen, sich einer Wahl stellen zu müssen, können sie in der Sphäre bürgerlicher Freiheitsausübung wichtige Stimmen im pluralistischen Meinungsdiskurs werden, der für unsere Demokratie und die Weiterentwicklung unseres politischen Systems so wichtig ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger. KURZ & KNAPP Thinktanks sollen wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen für den politischen Prozess nutzbar machen. Eine neue Studie weist diesen „Denkfabriken“ oder „Ideenschmieden“ eine besondere Wirksamkeit als Katalysatoren für gesellschaftspolitische Entwicklungen zu. Die damit verbundene Hebelwirkung können Stiftungen durch die Förderung von Thinktanks nutzbringend für die Verwirklichung ihrer Zwecke einsetzen. 

Langfristige Förderung von Thinktanks zum Thema

Nicht die reine projektgebundene Förderung wird im Übrigen als wirksamste Methode eingestuft, sondern die langfristige Förderung von Thinktanks und des damit verknüpften Organisationsaufbaus. Diese Erkenntnis überrascht, da in der Stiftungspraxis üblicherweise die (individuelle) Projektförderung für eine der wirksamsten und in ihrer Umsetzbarkeit praktikabelsten Aktivitäten gehalten wird. Es scheint, dass sich die theoretische Erkenntnis noch in der alltäglichen Stiftungsarbeit durchsetzen muss. Dieser Prozess ist allerdings höchst kompliziert, denn natürlich kann die Veränderung politischer Rahmenbedingungen eine deutlich größere Hebelwirkung als jeder Projekter-

Merai, Karolina / Metzner-Kläring, Juliane / Schröder, Susanne / Sütterlin, Sabine: Denken fördern. Thinktanks als Instrumente wirkungsvoller Stiftungsarbeit 2012 [vgl. S&S 1/2012, S. 37] Thunert, Martin: Thinktanks in Deutschland – Berater der Politik?, in: Aus Politik und Zeitgeschehen, B 51/2003, S. 30-38 in Stiftung&Sponsoring Bergheim, Stefan: Neue Denkfabriken in Deutschland. Stiftungen für mehr Lebenszufriedenheit, S&S 5/2009, S. 14-15 Susanne Schröder ist Vodafone StiftungsFellow beim Forschungsbereich des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, [email protected], www. svr-migration.de; Dr. Mark Speich ist Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, [email protected], www.vodafone-stiftung.de

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Wohlstand vs. Klimaschutz? Nachhaltiges Wachstum, globale Gemeinschaftsgüter und eine Neubetrachtung der wissenschaftlichen Politikberatung von Ottmar Edenhofer, Berlin

Die Entdeckung von Kohle, Öl und Gas hat in Kombination mit den Institutionen Privateigentum und Wettbewerb seit dem 19. Jahrhundert zu einem nie dagewesenen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum geführt. Dieser Wachstumsprozess erhält mit der verstärkten Einbindung von Schwellen- und Entwicklungsländern in die globalen Austauschprozesse neue Dynamik. Es ist offenkundig, dass natürliche Gemeinschaftsgüter wie die Atmosphäre und Ozeane als kostenlose Deponie übernutzt werden. Mit der fortschreitenden Abholzung von Wäldern gerät eine weitere bedeutende CO2-Senke unter Druck. Aus der Übernutzung, der steigenden Nutzungskonkurrenz und der Interdependenz von Gemeinschaftsgütern ergeben sich großskalige Risiken für das weitere Wirtschaftswachstum und für das zivilisierte Zusammenleben der Menschen.

Zur Erreichung des Ziels, die globale Erderwärmung mit mittlerer Wahrscheinlichkeit auf 2 °C zu beschränken, dürfen nach aktuellem Wissenstand bis 2050 nur noch zwischen etwa 750 und 1.100 Mrd. Tonnen CO2 in der Atmosphäre deponiert werden. Bei 33 Mrd. Tonnen globaler CO2-Emissionen im Jahr – Tendenz steigend – lässt sich leicht ausrechnen, dass die Deponie in wenigen Dekaden voll sein wird. Dies bedeutet: Die Weltwirtschaft müsste in wenigen Jahrzehnten vollständig dekarbonisiert sein. Im Boden lagern indes noch 15.000 Mrd. Tonnen CO2, besonders in Form von Kohle, die relativ leicht abgebaut und kostengünstig zu Treibstoff verflüssigt werden können. Dagegen werden sich erneuerbare Energieträger im globalen Maßstab auch bei rasanten Innovationserfolgen über Marktmechanismen allein nicht durchsetzen. Ohne einen möglichst allgemein akzeptierten globalen Ordnungsrahmen wird die Formel vom „grünen Wachstum“ allenfalls Wunschdenken bleiben. Wird aber die Entnahme von Kohlenstoff aus dem Boden begrenzt und die Atmosphäre zum limitierenden Faktor, so hat das eine unausweichliche ökonomische Konsequenz: Die Besitzer von Kohle, Öl und Gas werden gewissermaßen enteignet, da der Preis und die gehandelte Menge der fossilen Rohstoffe auf Grund der fallenden Nachfrage sinkt. Gleichzeitig wird durch die Verknappung der Deponie Atmosphäre eine Klimarente geschaffen, die es neu zu verteilen gilt. Aus dieser Perspektive lässt sich auch das Stocken der internationalen Klimapolitik besser verstehen; denn simultan laufen die Verhandlungen über die potenzielle Entwertung des Besitzes von Kohle, Öl und Gas, über eine faire Verteilung knapper Nutzungsrechte an den Rohstoffen sowie über die Begrenzung globalen Deponieraums.

Grünes Wachstum und Klimarente Manche Beobachter setzen mit der Formel des „grünen Wachstums“ darauf, dass die kurzfristig nötigen Anpassungen des Wirtschaftens allein über Marktmechanismen und technologische Innovationen, aber ohne internationale Abkommen erreicht werden können. Diese Annahme basiert auf einer Illusion; denn die Einsparungen durch Ressourcen- und Energieeffizienz und durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energieträger werden überkompensiert durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, konterkariert durch die fortgesetzt kostenlose Nutzung globaler Deponieräume und ad absurdum geführt durch die Renaissance des kostengünstigen fossilen Energieträgers Kohle. Sonderausgabe 2012

Theoretische und praktische Ansätze eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums müssen deshalb Lösungswege zur Bearbeitung der beschriebenen Nutzungskonflikte um Gemeinschaftsgüter und zur Neubewertung fossiler Ressourcen anbieten. Globale Ordnungspolitik Die notwendige Transformation hin zu einer nachhaltigen globalen Ordnungspolitik muss angesichts der dezentral organisierten Welt auf einem polyzentrischen Verständnis von Governance aufbauen. Um ein tragfähiges System von Anreizen und Sanktionen zu schaffen, welche die Ausgleichsund Vermeidungskosten senken und Verteilungskonflikte

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entschärfen, muss auf mehreren Ebenen zugleich angesetzt werden. Dies lässt sich exemplarisch für die internationale Klimapolitik durchspielen. Auf internationaler Ebene muss der völkerrechtliche Rahmen abgesteckt werden, innerhalb dessen die einzelnen Nationalstaaten Verpflichtungen übernehmen. Die Grundsätze der Lastenverteilung und die Unterstützung von Entwicklungsländern wird auf dieser Ebene ebenso geklärt werden müssen wie die Einführung von Sanktionen, die einen Schutz gegen trittbrettfahrende Nationalstaaten entfalten. Einer der ermutigenden Fortschritte der letzten Verhandlungsrunden im Kontext der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen UNFCCC war die Zusage der Industriestaaten, bis zum Jahr 2020 eine Summe von jährlich 100 Mrd. US-$ für Klimaschutz in Entwicklungs- und Schwellenländern zu mobilisieren. Damit könnten wichtige erste Schritte zur Transformation der Energiesysteme der Empfängerländer unternommen werden. Auf regionaler Ebene sollten neu entstehende Emissionshandelssysteme so ausgestaltet werden, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt miteinander verknüpft werden können. Das europäische Emissionshandelssystem wäre durch Einbeziehung aller Sektoren zu verbessern, auch des Transport- und des Gebäudebereichs. Die Verknüpfung solcher regionaler Systeme ist eine vielversprechende Option zur Minderung von Klimaschutzkosten. Auf nationaler Ebene können Subventionen für fossile Energieträger – weltweit immerhin rund 400 Mrd. US-$ im Jahr 2010 – abgebaut und zur Förderung lernender erneuerbarer Energien verwendet werden. Laut Berechnungen der OECD würde ein Abbau dieser Subventionen bis zum Jahr 2050 zu einer Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen von bis zu 10 % führen. Deutschland kann mit einer erfolgreichen Energiewende zeigen, dass sich Wohlstand und Emissionswachstum entkoppeln lassen. Die lokale Ebene schließlich wurde in der klimapolitischen Debatte bisher sträflich vernachlässigt. Allein durch die Nutzung der bereits bestehenden Energie- und Transportinfrastrukturen werden bei normaler Nutzungsdauer in den nächsten 50 Jahren beinahe 500 Mrd. Tonnen CO2 emittiert werden. Gerade in Asien und Afrika wird in den nächsten Jahren zusätzliche Infrastruktur im großen Maßstab aufgebaut. Hier wird es darauf ankommen, diese so kohlenstoffarm wie möglich zu gestalten. Die Städte sind hier die entscheidenden Spieler, die durch öffentlichen Nahverkehr, Stadtplanung und Umbau der Gebäudeinfrastruktur die Emissionen drastisch senken können. Hier spielen Aerosole – also winzige Partikel in Abgasen – ebenfalls eine große Rolle. Die Bekämpfung lokaler Luftverschmutzung kann eine wichtige Dynamik für die Klimapolitik entfalten. Die beschriebenen Maßnahmen wirken aufeinander und können gleichsam die Verhandlungen auf internationaler Ebene erleichtern, aber auch erschweren. Am Ende bedarf es eines ordnungspolitischen und möglichst allgemein akzeptierten

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Rahmens für die Nutzung der Atmosphäre und anderer Gemeinschaftsgüter. Ein ordnungspolitisch so abgesichertes „grünes Wachstum“ kann dann auch eine sinnvolle Rolle spielen und helfen, Wohlstand und Klimapolitik zu versöhnen. Dies ist auch dringend nötig, wenn man bedenkt, dass z.B. gegenwärtig weltweit etwa 1,5 Mrd. Menschen noch nicht einmal Zugang zu Elektrizität haben. Selbst wenn sich die industrialisierten Gesellschaften vom Wachstum als wirtschaftspolitischem Leitbild verabschieden, wäre ein Konsumverzicht, der den Entwicklungs- und Schwellenländern abgefordert würde, ethisch nicht vertretbar. Wissenschaftliche Politikberatung Gerade weil die Lösung des Klimaproblems drängend wird, erweist die Wissenschaft der Politik dann den besten Dienst, wenn sie gangbare Wege mit den damit verbundenen Kosten und Risiken exploriert und Landkarten anbietet, die das unbekannte Gelände vermessen. In diesem neu zu vermessenden Gelände wird immer deutlicher, dass die Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter den Wohlstand im 21. Jahrhundert bestimmen wird. Die Nutzungsrechte an der Atmosphäre, an Boden und Wasser führen zu Konflikten, die ohne ein gemeinsames Verständnis von Kooperation und Gerechtigkeit nicht zu lösen sein werden. Wissenschaft bezieht ihre Stärke aus dem Streit um das bessere Argument und aus der Suche nach neuen Wegen. Wissenschaftler sollten diese Stärke nicht verleugnen, wenn sie die Politik beraten. Nur so kann die Wissenschaft überhaupt zu einem Frühwarnsystem für Risiken und Nebenwirkungen werden, aber auch neue Möglichkeiten aufzeigen, um tragische Zielkonflikte zu entschärfen. Die Wissenschaft muss sich dem Ansinnen der Politik verweigern, eindeutige Empfehlungen auf der Basis vermeintlicher Sachzwänge zu formulieren. Aufgabe der Wissenschaft ist es, eine Orientierung zu ermöglichen. Die Politik muss sich darauf einlassen, dass sich manche Optionen als Irrwege erweisen werden. Dies ist Teil eines demokratischen Lernprozesses, der auf die Kraft vertraut, durch Versuch und Irrtum nachhaltige Lösungen zu finden. KURZ & KNAPP Die Nutzung der Gemeinschaftsgüter wird die globale Entwicklung im 21. Jahrhundert bestimmen. Zur Entschärfung kommender Konflikte bedarf es einer von allen Akteuren akzeptierten nachhaltigen globalen Ordnungspolitik. 

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer ist Direktor des neuen, von der Stiftung Mercator finanzierten und gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) initiierten Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), er ist zudem Chefökonom und Vizedirektor des PIK und gehört zu den führenden Köpfen des Weltklimarats IPCC der Vereinten Nationen; an der TU Berlin hält Edenhofer den Lehrstuhl für die Ökonomie des Klimawandels, [email protected], www.mcc-berlin.net

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Richtung erneuerbar Das Projekt Agora Energiewende von Rainer Baake, Berlin

Seit dem 1. April wird die Energiewende von zwei Seiten in die Zange genommen. Genau genommen von beiden Seiten des S-Bahnhofs Hackescher Markt in Berlin. Nördlich befinden sich die European Climate Foundation und die Stiftung Mercator. Und genau gegenüber, jenseits der Gleise, arbeitet ein gemeinsames Projekt beider Stiftungen daran, das Mammutvorhaben voranzubringen: Agora Energiewende heißt es. Zehn Mitarbeiter werden es sein, die die Energiewende auf das richtige Gleis schieben wollen. Unter ihnen Ökonomen und Öffentlichkeitsarbeiter, Ingenieure und Politikwissenschaftler mit Expertise zu Themen wie Strommarkt, Erneuerbare Energien, Netzausbau oder Energieeffizienz. Trotz der geballten Fachkompetenz bleibt die Frage: Zehn Menschen für ein auf Jahrzehnte angelegtes gesellschaftliches Großprojekt, wie soll das bitte funktionieren? Und was soll es bewirken? Pe r s p e k t i v e n wechsel: Auf dem kurzen Weg von den Büros der beiden Stiftungen zu ihrem gemeinsamen Projekt überquert man den Hackeschen Markt, ein Magnet der Touristenströme in der Hauptstadt. Würde man die hier zu jeder Tages- und Nachtstunde anzutreffenden Besucher fragen, was ihnen zum Thema Energiewende einfällt, dann fielen mit Sicherheit die Stichworte „Atomausstieg“ und „Fukushima“, und dann wohl auch „Erneuerbare Energien“ und der Parteienstreit über gekürzte Fördersätze für Solaranlagen. Vermutlich aber würden nur wenige der Befragten auf die zeitliche Perspektive der Energiewende verweisen: Bis 2050 nämlich hat sich Deutschland vorgenommen, die Stromerzeugung nahezu komplett auf Erneuerbare Energien umzustellen, den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 bis 95 % gegenüber 1990 zu senken. Es sind dieser weit gespannte Zeithorizont und die ambitionierten Ziele, die die Energiewende zu einem weltweit wegweisenden Unterfangen machen. Sonderausgabe 2012

Schub für die Klimapolitik weltweit Die zeitlichen und globalen Dimensionen der Energiewende dringen erst allmählich in das öffentliche Bewusstsein, in Deutschland wie im Ausland. Sie machen sie zum Projekt einer ganzen Generation und zum Leuchtturm der globalen Klimapolitik. Gelingt es, das Energiesystem der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt fast komplett umzubauen, wird davon eine ungeheure Schubkraft, eine Welle der Motivation ausgehen. Dass es Wohlstand ohne nukleare und fossile Energien geben kann, darum geht es. Diese Perspektive auf die Energiewende ist es, die den Impuls für das Projekt Agora Energiewende gab. Und es sind zwei ganz praktische Beobachtungen, die es viel wenig e r kühn und verm e s s e n erscheinen lassen, mit z e h n Menschen in fünf Jahren Projektlaufzeit tatsächlich etwas bewirken zu können. Die eine Beobachtung hat mit dem Pioniercharakter der Energiewende zu tun, die andere mit politischer Dynamik. Oder besser gesagt: mit fehlender politischer Dynamik bei der politischen Steuerung. Wirrwarr in den Medien Ein Jahr nach den historischen, von allen Parteien getragenen Bundestagsbeschlüssen zur Energiewende, ruckelt das Vorhaben auf Nebengleisen. Zwischen den beteiligten Bundesministerien gibt es heftigen Streit darüber, wie Netzausbau, Anreize für mehr Energieeffizienz oder die Schaffung neuer Stromerzeugungskapazitäten vorankommen. Tag für Tag breiten die Medien diese Verknotungen aus. Derweil mahnen Wirtschaftsverbände und Umwelt-NGOs, Gewerkschaften

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und Wissenschaftler unisono mehr Tempo und weniger Streit, bessere Koordination und eine stringentere Planung an. Parteipolitische Streitereien statt systematischer Umsetzung – das hat auch damit zu tun, dass Wissenschaftler über die Energiewende konzeptionell zwar schon seit Jahren und Jahrzehnten nachdenken und die entscheidenden Wegmarken in robusten Szenarien auch bereits recht exakt beschrieben haben. Und doch hat sich in den Planungsstäben von Ministerien, Parteien und Fraktionen noch keine vollkommen klare Vorstellung davon herausgebildet, wie daraus konkrete Politik werden kann. Zu den übergeordneten politischen Zielen gibt es einen breiten, parteiübergreifenden Konsens. Was aber fehlt, ist eine gemeinsame Vorstellung, welche Routen dorthin führen könnten. Wie wichtig solche gemeinsamen Bilder in der konsensorientierten deutschen Politik sind, zeigt ein Blick auf andere Politikfelder, etwa die Rentenpolitik und den Umgang mit dem demographischen Wandel. Dass es in Deutschland wegen der Rente mit 67 beispielsweise nicht zu Generalstreiks gekommen ist, hat auch damit zu tun, dass es ein gemeinsames Problemverständnis, eine Problemanalyse gab, auf die man sich jenseits von Partei- und Lagergrenzen verständigen konnte. Ort der politischen Debatte Hier setzt die Agora Energiewende an, im Rückgriff auf den griechischen Begriff der agorá, jenen Platz in der griechischen polis, auf dem nicht nur Markt gehalten wurde, sondern auf dem auch die Geschicke des Gemeinwesens erörtert und debattiert wurden. Übertragen auf deutsche Verhältnisse bedeutet das: Die Agora Energiewende will einen Ort der politischen Debatte schaffen, an dem Politiker jeder Couleur und Vertreter wichtiger gesellschaftlicher Gruppen offen und vertrauensvoll miteinander sprechen können, ohne den Druck, sich parteipolitisch oder im Sinne ihrer Klientel positionieren zu müssen. In ihren Konferenzen und Klausurtagungen soll es darum gehen, ein gemeinsames Verständnis der zentralen Herausforderungen und belastbare Wege in das regenerative Zeitalter zu entwickeln. Ziel ist es, die Debatte zu öffnen und zu verbreitern. Schließlich muss in der Gesellschaft insgesamt ein Bewusstsein dafür heranreifen, welche praktischen Fragen es zu lösen, welche Interessengegensätze es auszugleichen gilt, welche Rolle Einzelne parallel und innerhalb des politischen Prozesses übernehmen können und müssen: als Städte, Unternehmen, Bürger. Sowohl für die Fachpolitik im engeren Sinne als auch für die breite gesellschaftliche Debatte geht es also um einen Ort, an dem im Dialog und unterstützt von wissenschaftlicher Expertise ein gemeinsames Verständnis der zu lösenden Probleme heranreifen kann. Bereitstellung wissenschaftlicher Expertise, das ist der zweite Ansatz für die Gründung der Agora-Initiative. Sie wird nötig sein, um eine ganze Reihe praktischer, technischer, ökonomischer und regulatorischer Fragen zu lösen, die mit der Energiewende verbunden sind:

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Welchen Rahmen braucht ein Strommarkt, der auch dann funktioniert, wenn es immer größere Anteile von Erzeugungsanlagen gibt, die faktisch keine Betriebskosten haben (Wind, Sonne)? Wie sieht ein volkswirtschaftlich sinnvolles Anreizsystem zum Lastmanagement aus? Was ist der volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch optimale Netzausbau? Und wie wird das deutsche Energiesystem sinnvoll in den europäischen Energiemarkt eingebunden?

Dies sind nur einige wenige der hoch komplexen Fragen, bei denen es schnell einen Schub an politischem Durchdringen, Verstehen und Sortieren von Lösungsmodellen geben muss. Nur so kann das derzeitige Knäuel Energiewende entwirrt und zu praktischer Politik werden. Jede dieser und viele weitere Fragen sollen in der Agora Energiewende durchdrungen und mit dem Ziel politischer Umsetzbarkeit diskutiert werden. Deshalb stehen dem Projektteam für wissenschaftliche Politikberatung, für die Erkundung der empirischen Grundlagen und für die Erarbeitung von Expertisen und Studien auch umfangreiche Forschungsmittel zur Verfügung. Und parallel läuft sich ein breites Netzwerk der besten Wissenschaftler und Fachleute warm, um die Debatte punktgenau jeweils dann voranzubringen, wenn Daten und Lösungsmodelle gefragt sind. Ist Stiftungsengagement bei hochpolitischen Themen anmaSSend? An dieser Stelle wird übrigens auch klar, welchen praktischen Beitrag zur Politik Stiftungen in einer demokratischen Gesellschaft leisten können – und wo die Grenzen erreicht sind. Das Stiftungshandeln nämlich setzt genau dort an, wo es gilt, zwischen dem politischen Konsens, den klaren politischen Zielen (Energiewende bis 2050) und der wiederum im Parlament zu beschließenden praktischen Umsetzung die Mühen der Ebene zu überwinden. Was hier so viel heißt, dass die Agora Energiewende sich als Inkubator, als Lernwerkstatt versteht, in der politische Entscheidungen weder getroffen noch vorweggenommen werden. Aber politische Entscheidungen setzen voraus, dass Entscheidungsträger und Bürger verstehen, was die Handlungsalternativen und ihre jeweiligen Konsequenzen sind und wie viel auf dem Spiel steht. KURZ & KNAPP Mit der Energiewende hat Deutschland sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Jetzt steht die Routenplanung auf der Tagesordnung – die Stiftungsinitiative Agora Energiewende will hierfür die passenden Landkarten erarbeiten und den reisenden Gelegenheit zum Gespräch geben. 

Rainer Baake leitet die Agora Energiewende im Rahmen der Smart Energy for Europe Platform (SEFEP), ab 1998 war er Staatssekretär im Bundesumweltministerium und handelte den ersten Atomausstieg aus, von 2006 bis 2012 war er Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, [email protected], www.agoraenergiewende.de

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Mehr Wirkung durch Zusammenarbeit (EEFG) Die European Environmental Funders Group von Lars Grotewold, Essen, und Leonardo Lacerda, Genf / Schweiz

Es ist eher selten, dass deutsche Stiftungen Projekte initiieren, die auf politischen Wandel zielen. Eine „policy“-orientierte Fokussierung der Stiftungsarbeit ist im ganzen europäischen Raum nicht eben weit verbreitet. Überhaupt ist das philanthropische Engagement für Klimaund Umweltschutz noch vergleichsweise unterentwickelt. So war die Stiftung Mercator dann auch allein, als sie 2009 ihr Themencluster Klimawandel aufbaute. Mit operativen und fördernden Projekten will sie die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft adressieren. Auf diese Weise möchte sie die rasche politische Umsteuerung in Richtung eines klimaschonenden Wirtschaftens erreichen.

Die Stiftung Mercator und die Oak Foundation wollen nicht allein bleiben; sie können sich das auch gar nicht leisten. Denn als einzelne Stiftung sind sie viel zu klein, um die überwältigenden Herausforderungen, vor denen Europa und die Welt im Klima- und Umweltschutz stehen, angemessen anpacken zu können. Deswegen war es zentral zu verstehen, wie der „Kontinent der europäischen Umwelt- und Klimastiftungen“ aussieht. Nur auf der Grundlage dieses Wissens konnte ein Prozess mit dem Ziel gestartet werden, die Zusammenarbeit dieser Stiftungen zu verbessern, ihre unterschiedlichen Expertisen bestmöglich zu nutzen und wo immer möglich Synergien herzustellen. Vernetzungsinstrument für „grant-maker“

Eine ganz ähnliche Erfahrung machte die Oak Foundation bereits im Jahr 2006, als sie ihre Partner aus der Zivilgesellschaft nach deren wichtigsten Förderern fragte. Sie stellte fest, dass sie praktisch die einzige Stiftung war, die „advocacy“ für Klimaund Meeresschutz auf der europäischen Ebene finanzierte. Oak Foundation Mit diesem ernüchternden Befund wollte sich die Oak Foundation nicht abfinden. Erkannten andere Förderer nicht den großen Umbruch in der Umweltpolitik, der mit der zunehmenden Bedeutung der EU einherging? Statt auf der Ebene der einzelnen Mitgliedstaaten wurden einschlägige Regelungen zunehmend in Brüssel debattiert und beschlossen. Während der Unternehmenssektor schnell reagierte und Lobbygruppen und Interessenvertretungen nur so aus dem Boden schossen, war (und ist) es für Umwelt-NGOs zum Teil sehr schwierig, Fördermittel zu bekommen, um ihre Arbeit auf dem Brüsseler Parkett sicherzustellen. Warum engagierten sich so wenige Stiftungen hier?

Diese Erkenntnis war der Startschuss für die „European Environmental Funders Group“ (EEFG). Als Träger für das entstehende Netzwerk war das European Foundation Centre (EFC) prädestiniert, da es bereits als Konvergenzpunkt für viele europäische Stiftungen etabliert war. Das EFC verstand von Beginn an das Anliegen, ein Forum ausschließlich für fördernde Stiftungen zu schaffen, in dem ein peer-to-peer Austausch über Erfahrungen und Fragen kluger Förderstrategien im Klima- und Umweltbereich möglich ist. Heute stellt die EEFG im EFC eine zunehmend ausgereifte Plattform für gegenseitiges Lernen, Netzwerken und die Identifizierung von Synergien und Kooperationsmöglichkeiten dar. Mehr als 50 Stiftungen aus fast allen europäischen Ländern sind in die Aktivitäten des Netzwerks einbezogen. Finanziert wird die Arbeit des Netzwerks und eines kleinen Koordinationsbüros durch die Förderung der Oak Foundation, der Stiftung Mercator und der Fondazione Cariplo. Klassische Umweltthemen im Vordergrund

„No man is an island entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main; if a clod be washed away by the sea, Europe is the less (….)“ (John Donne) Nicht weniger erschreckend als diese Erkenntnis war die offensichtlich nicht vorhandende Transparenz unter den Klima- und Umweltstiftungen. Die Oak Foundation musste damals die Fördermittelempfänger selbst nach ihren Hauptgeldgebern fragen, um herauszufinden, welche Stiftungen welche zivilgesellschaftliche Gruppe bzw. thematische Arbeit unterstützt. Die Umweltstiftungen wirkten völlig unorganisiert; ein gegenseitiger Informationsaustausch existierte praktisch nicht. Sonderausgabe 2012

Zu Beginn war es wichtig, einen möglichst umfassenden Überblick darüber zu erhalten, welche Stiftungen in Europa fördernd im Klima- und Umweltbereich tätig sind, wie viele Fördermittel sie vergeben und wofür. Das ist kein triviales Unterfangen, da die thematische Abgrenzung der Aktivitäten und die Zuordnung von Fördermitteln zu thematisch einschlägigen Programmen und Projekten unterschiedlicher Stiftungen nicht immer einfach sind. Mit der Studie „Environmental Funding by European Foundations: A snapshot” ist es gelungen, einen bislang unerreicht systematischen Überblick über das Feld herzustellen. Die Analyse gibt Einblick in die Förderpraxis von 40 Stiftungen, die zwischen 2008 und 2009 annähernd 300 Mio. €

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in Projekte für Umwelt- und Klimaschutz investiert haben. 27 dieser Stiftungen gaben dabei sehr detaillierte Auskünfte über ihre einschlägigen Förderaktivitäten; sie allein vergaben in diesem Zeitraum 791 Zuwendungen mit einem durchschnittlichen Volumen von rund 230.000 € an 599 Organisationen. Mehr als ein Drittel dieser 791 Zuwendungen fielen in die Kategorien „Terrestrische Ökosysteme“ und „Biodiversität und Artenschutz“. Die Anzahl der Zuwendungen in den Kategorien „Klima und Atmosphäre“, „Energie“ und „Verkehr“ beliefen sich zusammen auf rund 20 %. Die Autoren der Studie, Jon Cracknell und Marilena Vrana, zogen aus den Daten den Schluss, dass „die europäischen Stiftungen offenbar nur wenig Engagement zeigen bei der Auseinandersetzung mit systemischen Umweltthemen, auch wenn diese potenziell den Fortschritt in anderen Bereichen untergraben können.“ Lernprozesse Nur ungefähr 4 % der im Rahmen der Studie untersuchten Zuwendungen zielten darauf, Politik auf der europäischen Ebene voranzubringen, obwohl rund 80 % der relevanten Umweltgesetzgebung hier entwickelt wird. Vielen Stiftungen ist es aufgrund satzungsmäßiger Limitierungen wohl nicht möglich, außerhalb ihrer nationalen, teilweise gar regionalen Grenzen zu arbeiten. Eine solche räumliche Limitierung bedeutet aber nicht automatisch, dass Initiativen lokal tätiger Stiftungen weniger wirkungsvoll auf der europäischen Ebene sind. Vielmehr können solche Projekte effektive Instrumente sein, die lokale Implementierung von EU-Richtlinien zu testen und hieraus wiederum Vorschläge für deren Optimierung zu entwickeln. Zentral hierfür sind ein intensiver Informationsaustausch und die Koordination oder Kooperation zwischen Stiftungen, die vergleichbare Ziele, aber unterschiedliche Schwerpunkte mit Blick auf ihren thematischen Fokus, ihren räumlichen Wirkungsradius und ihre Arbeitsweise setzen. Solche Lernprozesse ermöglicht die EEFG. Darüber hinaus bildet sie eine Schnittstelle zu vergleichbaren Plattformen, beispielsweise in den USA, Australien und Kanada. So eröffnet sie auch Möglichkeiten für die Entwicklung strategischer

Abstimmungen von Klima- und Umweltschutz-fördernden Stiftungen auf der globalen Ebene. Die EEFG bietet schon heute einen echten Mehrwert für die Vernetzung europäischer Klima- und Umweltstiftungen. Kreativität, Stärke und Effektivität des Netzwerks hängen zentral von Umfang und Intensität des Engagements seiner Mitglieder ab. In diesem Zusammenhang ist die Mitwirkung weiterer einschlägiger Stiftungen aus Deutschland wünschenswert. Derzeit sind sie deutlich unterrepräsentiert, insbesondere wenn man die Bedeutung Deutschlands für europäische Klima- und Umweltpolitik in Anschlag bringt. Kurz & knapp Die European Environmental Funders Group (EEFG) ist ins Leben gerufen worden, um eine wichtige Lücke zu schließen: Sie soll die Koordination und Zusammenarbeit von Stiftungen zum Klima- und Umweltschutz verbessern, um sicherzustellen, dass Klima- und Umweltaspekte in verschiedenen Politikfeldern (z.B. Energie, Landwirtschaft, Handel) angemessen berücksichtigt werden. Die EEFG bietet inzwischen ein Forum zum gegenseitigen Lernen über wirkungsvolles Stiftungshandeln, in das derzeit mehr als 50 europäische Stiftungen einbezogen sind. Eine noch stärkere Beteiligung einschlägiger deutscher Stiftungen wäre wünschenswert.  zum Thema European Foundation Centre (Hrsg.): Environmental Funding by European Foundations: A snapshot. Studie, 2011 [Download der PDF unter www.efc.be/Networking/InterestGroupsAndFora/ Environment/Documents/efc_environmental_final.pdf] im Internet www.efc.be/AboutEFC/Pages/AboutEFC.aspx

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Dr. Lars Grotewold ist Leiter des Themenclusters Klimawandel bei der Stiftung Mercator, [email protected] stiftung-mercator.de, www.stiftungmercator.de; Leonardo Lacerda ist Environment Programme Director bei der Oak Foundation, [email protected] oakfnd.ch, www.oakfnd.org

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Sonderausgabe 2012

Akteure & Konzepte

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Erfolge, Misserfolge und Lektionen Philanthropisches Engagement für den Klimaschutz in den USA von Hal Harvey, San Francisco, Kalifornien / USA

Das Engagement US-amerikanischer Stiftungen in Sachen Klimawandel erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. In dieser Zeit haben Stiftungen – und gemeinnützige Gruppen, die von ihnen unterstützt werden – einige große Fortschritte erzielt. Sie haben eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung und Verbreitung der „Renewable Portfolio Standards“ (RPS) gespielt. Diese verlangen von den Energieversorgern, wachsende Anteile aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. Dies hat zu einem Markt für Windenergie im Umfang von 70 Mrd. US-$ und zu einem wachsenden Markt für Solarenergie geführt.

Damit Stiftungen die Politik beeinflussen können, müssen sie sich bei der Wahl der Strategie auf das Wesentliche konzentrieren, eine sehr genaue Kenntnis der Verfahren politischer Entscheidungsfindung haben und eine seriöse, nachhaltige Herangehensweise bei der Vergabe von Fördermitteln. Eine sorgfältige Analyse der Möglichkeiten zur Reduktion von CO2-Emissionen hat zu einer Konzentration auf Vorschriften für Energieversorger, Bauordnungen sowie Standards für den Kraftstoffverbrauch von Autos, Geräten und Anlagen geführt.

Das philanthropische Engagement für den Klimaschutz in den USA hat Anreize zur Einführung von kalifornischen Standards für umweltfreundliche Autos geschaffen, welche die strengsten weltweit sind. Im Laufe von 15 Jahren konnten national verbindliche Obergrenzen für den CO2-Ausstoß von umgerechnet 115 g/km erreicht werden. Durch die Unterstützung von Stiftungen wurden auch sehr strikte Vorgaben für Geräte, Anlagen und Gebäude definiert und jetzt der Weg für die Stilllegung etwa eines Viertels der Kohlekraftwerke geebnet. Dies ist eine großartige Bilanz und ein eindrucksvolles Zeugnis für ein konzentriertes und diszipliniertes philanthropisches Engagement zum Klimaschutz.

Der zweite Baustein für den Erfolg bestand in der sehr genauen Sachkenntnis über die politischen Entscheidungsfindung. Naheliegend ist die Annahme, die Institutionen in der Hauptstadt Washington, D.C. seien der Ort, an dem die Energiepolitik bestimmt wird. Aber umfassend betrachtet ist dies ein falscher Ansatzpunkt. Der größte Teil der US-amerikanischen Energiepolitik wird von bundesstaatlichen Regulierungsbehörden (Public Utility Commissions) bestimmt – von denen es 50 gibt. Jede dieser Regulierungsbehörden hat die Kontrolle darüber, ob die ihr unterstellten Energieversorger in effiziente Kraftstoffe, Erneuerbare Energien oder neue fossile Kraftwerke investieren. Diese Auswahl entscheidet mehr als alles andere über den zukünftigen Kohlenstoffausstoß der USA.

Was folgt? Auf der anderen Seite ist der Erlass einer umfassenden Klimagesetzgebung in den Vereinigten Staaten auf dramatische Weise gescheitert. Das bedeutet, dass die Nation als Ganzes keine Obergrenze für CO2-Emissionen festlegen will und internationale Verhandlungen deshalb blockiert sind. Wie lautet also das Urteil? Ist die US-amerikanische Klimaschutz-Philanthropie ein Erfolg oder ein Misserfolg? Interessanter ist vielleicht die Frage: In welchen Punkten gab es Erfolge und warum? Was kann man daraus für die Zukunft lernen? Konzentration auf Politik Das oberste Gebot für erfolgreiches Stiftungsengagement zum Klimaschutz in den USA (und anderswo) ist die Konzentration auf die Politik. Warum? Der schiere Umfang der Energiewirtschaft von ungefähr 5 Billionen US-$ pro Jahr lässt jegliche direkten, philanthropischen Investitionen vergleichsweise gering erscheinen. Deshalb müssen NPOs Einfluss auf die Gelder nehmen, die für neue Gebäude, Fabriken, Kraftwerke und Autos ausgegeben werden – oder sie sind raus aus dem Spiel. Und dafür wird die Politik gebraucht. Sonderausgabe 2012

Sachkenntnis ist unverzichtbar

Die Entschlüsse der Regulierungsbehörden zu beeinflussen, ist kein Job für Amateure. Dies erfordert großen technischen Sachverstand, ökonomisches Fachwissen und die erforderlichen Geldmittel, um einen Prozess dauerhaft zu beeinflussen, der sich über Jahre hinziehen kann. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, können profunde Ergebnisse erzielt werden.

Akteure & Konzepte

Erfolgsfaktoren für Hebeleffekte Das wirksame Stiftungsengagement für den Klimaschutz, das sich auf die Vorschriften für Energieversorger konzentrierte, hat dazu geführt, dass über 100 Mrd. US-$ in effizientere Kraftstoffe und Erneuerbare Energien investiert wurden. Es hat auch dazu beigetragen, dass die Preise für viele neue Technologien gesunken sind und dass einige Bundesstaaten, wie etwa Kalifornien, auf eine kohlenstoffarme Zukunft zusteuern. Das soll nicht heißen, dass sich die Veränderungen schnell oder umfassend genug vollzogen haben, um die wissenschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, nach denen der Klimawandel abgeschwächt werden kann. Aber von einem philanthropischen Blickwinkel aus betrachtet, hat diese Strategie eine außerordentliche Rendite erbracht. Diese Vorgehensweise zeigt regelmäßig eine Hebelwirkung von 1.000 zu 1 auf. Die wesentlichen Faktoren für den Erfolg seien hier noch einmal zusammengefasst: A. Eine profunde, quantitative Einsicht in potenzielle Lösungen; B. Konzentration auf die Politik und deren Beeinflussung aufgrund umfassender Erfahrung mit den relevanten politischen Instanzen und C. Fachwissen, Größe und ausreichende zeitliche Ressourcen, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Stiftungen konnten das Scheitern einer US-Klimapolitik nicht abwenden Stiftungen aus dem ganzen Land haben NROs bei dem beispiellosen, gemeinsamen Versuch unterstützt, eine bessere Klimapolitik in den Vereinigten Staaten gesetzlich zu verankern. Bekanntermaßen wurde eine Gesetzesvorlage zur CO2-Emissionsreduktion vom US-Repräsentantenhaus verabschiedet, vom Senat aber abgelehnt, so dass der Versuch scheiterte. Ein Grund dafür war die tiefe Kluft zwischen den Parteien in der amerikanischen Politik. Nachdem Präsident Obama die Finanzkrise in den USA abgewendet, einen Krieg reorganisiert und die US-Truppen aus einem anderen abgezogen hatte, nachdem er ein umfassendes Gesetz zur Gesundheitsreform erlassen und ein Gesetz zur Finanzmarktreform unterzeichnet hatte, waren die politischen Mittel erschöpft, die ihn an die Macht gebracht hatten. Er hatte einfach nicht die Kraft für einen weiteren größeren Gesetzesvorstoß. Und nachdem

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die Republikaner miterlebt hatten, dass ein demokratischer Präsident derart viele Gesetze erließ, beschlossen sie, Obama bei jedem wichtigeren Thema eine Niederlage beizubringen, koste es, was es wolle. Hinzu kommt die überwältigende Komplexität des Gesetzesentwurfs zum Klimaschutz, der vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und mehr als 2.000 Seiten umfasst. So ist es nicht verwunderlich, dass hier ein politisches Problem vorliegt, das mit Mitteln der Pilanthropie nicht zu bewältigen war. Die Stiftungen, die sich um die Verabschiedung dieser Gesetze bemüht haben, sollten sich für ihr Engagement nicht entschuldigen. Sie haben eine historische Chance gesehen, aber in der Politik schlagen auch finanziell solide, sorgfältig geplante Bemühungen manchmal fehl: Nicht alle relevanten Variablen lassen sich kontrollieren. Ausblick Wie sollte es also weitergehen? Derzeit erscheint es sinnvoll, einen sich positiv verstärkenden klimapolitischen Kreislauf in den USA (und anderswo) in Gang zu setzen. Daher müssen überall dort Fortschritte angestrebt werden, wo es möglich ist. Stiftungen sollten sich in jedem Bundesstaat für strengere Bauvorschriften einsetzen, für eine größere Kraftstoffeffizienz bei Geräten und Anlagen und für kluge Gesetze zur Regulierung der Energieversorger. Wenn die Bundesstaaten Erfahrung in diesem Bereich sammeln, wie bereits Kalifornien und New York, werden sie offener für eine umfassende Gesetzgebung zur Reduktion der CO2-Emissionen werden. Sobald neue, saubere Industrien aufgebaut werden, werden neue Arbeitsplätze geschaffen und neue Interessengruppen entstehen. Diese neuen Gruppen werden dazu beitragen, die notwendige Unterstützung für eine breitere politische Reform zu gewinnen. Dieser positive Kreislauf hat bereits in vielen US-Bundesstaaten funktioniert. Nun müssen Stiftungen ihn in den Süden und Mittleren Westen ausdehnen und von dort zurück nach Washington bringen. KURZ & KNAPP Stiftungsengagement für Klimaschutz ist kein Spiel für Dilettanten, aber auch nicht für eine schnelle Intervention geeignet. Stiftungen können eine enorme Rolle als vereinende Kraft haben und einen dauerhaften Einfluss auf die Politik in ihrer Wechselhaftigkeit ausüben. Stiftungen, die sich für diesen Bereich entscheiden, müssen dies ernsthaft tun, sie müssen sich von Zahlen leiten und dürfen sich nicht von politischen Enttäuschungen abschrecken lassen; diese sind Teil des Geschäftes. Eine entscheidende Belohnung zeichnet sich ab – eine klimatisch stabile Zukunft. Es ist äußerst wichtig, sich ernsthaft darum zu bemühen. 

Hal Harvey ist Chief Executive Officer von Energy Innovation LLC und Director des American Energy Innovation Council, zuvor hat er die Energy Foundation, das China Sustainable Energy Program und die ClimateWorks Foundation gegründet und geleitet, [email protected] org, www.americanenergyinnovation.org

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Wiedergewinnung von Zukunft Geschichten des Gelingens erzählen von Harald Welzer, Berlin

Die Nachhaltigkeits- und Klimaschutzbewegung hat keine Geschichte zu erzählen. Sie hat lediglich zu sagen, dass alles sofort anders werden muss, damit es bleibt, wie es ist. Und sie argumentiert desaströs: Fünf vor zwölf ist es andauernd, man habe keine Zeit, müsse gleichwohl sofort die Welt retten, und zwar die ganze, ansonsten drohten Katastrophen, die Tod und Verderben für die Menschheit bringen – Extremwetterereignisse, Dürren, Überschwemmungen, Hurrikans. Darunter läuft es gewöhnlich nicht: Immer geht es um die ganze Welt, die ganze Menschheit und die sofortige, zu allem entschlossene Rettung des Planeten. Der Anspruch auf Weltrettung ist falsch und ideologisch. Falsch ist er, weil alles zwar gesagt, aber nie eingelöst werden kann. Weder gibt es eine Weltgemeinschaft, die sich für die Rettung der Erde zuständig fühlt, noch wird es sie auf absehbare Zeit geben: Gerade der Klimawandel teilt die Welt in Gewinner und Verlierer. Das Ergebnis wird, wie der Soziologe Lars Clausen richtig gesagt hat, eine „failed globalisation“ mit unabsehbaren Folgen sein. Er ist darüber hinaus ideologisch: Wer auf den Müllhalden der Megacities der Dritten Welt lebt, kann an der Weltrettung nicht interessiert sein; ihm würde die Rettung seines Kindes vor dem Verhungern schon genügen. Und dass Stellvertretung hier nicht möglich ist, zeigten schon die totalitären Verirrungen der Studentenbewegung seit 1968. Andere aus der Komfortzone heraus verbal vor Elend und Erniedrigung zu schützen, das war damals schon ideologisch und ist es heute umso mehr – ihr Elend ist die Kehrseite des Komforts der Menschen in den Industrieländern, und zwar in jeder Hinsicht. Veränderung braucht konkrete Ziele Die Rede von der Weltrettung ist nicht nur überheblich, sondern auch völlig untauglich, Menschen zu motivieren, sich um die Welt auch nur zu kümmern. Wenn von vornherein klar ist, dass etwas nicht in der eigenen Macht steht, gibt es psychologisch auch kein Motiv, es überhaupt erst zu versuchen. Veränderung benötigt ein positives Ziel, und zwar eines, das mit der eigenen Identität und den eigenen Wünschen in Verbindung gebracht werden kann. Niemand rettet etwas abstrakt, sondern immer nur konkret: Das Ziel muss benennbar und erfahrbar sein, für das sich einzusetzen lohnt. Dafür taugen der Klimawandel, das CO2 und die ganze naturwissenschaftlich grundierte Apokalyptik nicht. Dafür braucht es positive, anschauliche, lebenswirkliche Ziele: Eine Stadt ohne Autos, ein Bildungssystem, in dem das Lernen Spaß macht, Formen von Gemeinschaftlichkeit, die Sinn und Bedeutung anders definieren als allein über Konsum. Die Umsetzung solcher Ziele wäre auch wünschenswert, wenn es gar keinen Sonderausgabe 2012

Klimawandel gäbe. Menschen brauchen also Geschichten des Gelingens – Geschichten über die Möglichkeiten eines besseren, gerechteren, qualitätvolleren Lebens, das nicht die einen auf Kosten der anderen führen. Geschichten zur Nachahmung Die Stiftung FUTURZWEI erzählt solche Geschichten. Sie stellen Akteure der Zukunftsfähigkeit vor, die andere Formen des Lebens und Wirtschaftens ausprobieren und vorleben. In einer Fülle von Laboren der Zivilgesellschaft zeigen verantwortungsbewusste Unternehmer, kreative Schulleitungen, Bürgerinitiativen, studentische Start-ups oder einzelne Bürgerinnen und Bürger, dass man das Unerwartete tun kann. Sie nutzen ihre Handlungsspielräume, um zukunftsfähige Lebensstile und Wirtschaftsweisen zu entwickeln. Sie fangen schon mal an. FUTURZWEI macht es sich zur Aufgabe, das Anfangen gesellschaftlich sichtbar und politisch wirksam zu machen. Auch das 21. Jahrhundert braucht Visionen von besseren, gerechteren und glücklicheren Lebensweisen. Die Stiftung erzählt, wie solche Visionen ganz handfest in Wirklichkeit verwandelt werden. Und dass Veränderung nicht nur möglich ist, sondern dass sie auch Spaß macht und einen Gewinn an Lebensqualität bedeutet. Den Akteuren des Wandels geht es nicht, wie vielen konventionellen Unternehmern, um Greenwashing und das Umhängen eines Nachhaltigkeitsmäntelchens um weiterhin umweltzerstörerische Produkte. Ihnen geht es um eine ganz neue Definition des unternehmerischen Zwecks. So will der Schweizer Textilunternehmer Patrick Hohmann mit seiner Remei AG nicht länger die Zahl der jährlich produzierten T-Shirts erhöhen, sondern die Zahl jener bäuerlichen Familien in Asien, denen seine Lieferverträge eine autonome und sinnvolle Existenz ermöglichen. Und dem Ehepaar Sladek, den Erfindern der mittlerweile international bekannten Elektrizitätswerke Schönau, ging es nicht vorrangig darum, ein Energieversorgungsunternehmen zu betreiben, sondern sie nutzten die Idee als Mittel zur Veränderung einer nur scheinbar starren Wirklichkeit: Die Entrichtung des „Sonnencents“ pro genutzter Kilowattstunde, die jeden Kunden gleichzeitig zum Mäzen eines Fonds macht, aus dem alternative Energieerzeugungsanlagen finanziert werden, verwandelt den Stromkunden in einen Gesellschaftsveränderer – ganz egal, ob er das weiß oder nicht. Die Gemeinwohlökonomie von Christian Felber, die von mittlerweile fast 500, vorwiegend allerdings kleinen, Unternehmen unterstützt wird, bringt diese neue Zielsetzung unternehmerischen Handelns auf den Punkt: Es geht nicht mehr um die Mehrung des Gewinns, sondern des Gemeinwohls.

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Wege in eine andere Wirklichkeit Der vielleicht wichtigste Effekt des Experimentierens mit neuen nachhaltigen Formen des Wirtschaftens ist die Transformation von partikularen in allgemeinen Nutzen. Und dieser Effekt ist insofern auch das Gegenteil von Greenwashing, als in zivilgesellschaftlichen Laboren solcher Art nicht nur die ökologischen Konditionen verändert werden, sondern auch die sozialen. Kunden werden hier plötzlich zu Mitproduzenten, anonyme und abhängige Arbeiter von Zulieferbetrieben zu Partnern des Unternehmens. Und: Solche Akteure, von denen es inzwischen eine ganze Menge gibt, sind eben nicht beim Konjunktiv stehengeblieben – „man müsste“, „man könnte“, „man sollte“. Die Zeit der Konjunktive ist ohnehin vorbei. Wer wirklich noch etwas daran ändern möchte, dass die Wirtschaftsform der Industrienationen und ihr totalitärer Konsumismus die Überlebensbedingungen auf dem Planeten unrettbar zerstört, braucht Vorbilder. Diese zeigen die Wege in eine andere Wirklichkeit dadurch auf, dass sie sie praktizieren. Darüber lassen sich Geschichten erzählen, die zeigen, dass die andere Wirklichkeit nicht umsonst zu haben ist, aber trotzdem ein besseres Leben bereithält. Und letztlich braucht man anschauliche, nachahmenswerte Beispiele dafür, dass gelingendes Leben den Modus der Alternativlosigkeit nicht vorsieht, ja, dass es im Gegenteil im Ausprobieren von Alternativen besteht. Noch fehlt es an der gesellschaftlichen Sichtbarkeit der gelebten Experimente gegen das nicht-zukunftsfähige Business as usual. Und es fehlt am gesellschaftspolitischen Rahmen, in den diese Experimente gestellt werden müssen. In dem Augenblick, wo sie nicht nur als bessere, sondern vor allem als andere Praxis verstanden werden, sind sie politisch – als neu eröffnete Möglichkeitsräume der Zukunftsfähigkeit. Anders gesagt: Es geht nicht um effizientere Motoren, sondern um eine andere Kultur der Mobilität, nicht um Bioäpfel aus Neuseeland, sondern eine andere Kultur der Ernährung, nicht um

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das Dämmen von Häusern, sondern um eine andere Kultur des Lebens. FUTUR ZWEI Die Grammatik kennt eine Zeitform, die das erstaunliche Vermögen des Menschen wiedergibt, sich in eine Zukunft hinein entwerfen und von diesem imaginären Punkt zurückblicken zu können auf den Weg, den er bis zum Erreichen dieses Punktes zurückgelegt hat. Diese Zeitform heißt Futur zwei, vollendete Zukunft: Es wird geschehen sein. Die damit verbundene Anfrage ist persönlich: Wer werde ich gewesen sein? Besser noch: Wer will ich gewesen sein? Genau diese Frage bildet den Antrieb für die Veränderung der gegenwärtigen Leitkultur der Verschwendung und Zukunftslosigkeit: Wer will schon einer von denen gewesen sein, die verantwortlich für die Zerstörung der Welt waren? KURZ & KNAPP Wer will schon einer von denen gewesen sein, die verantwortlich für die Zerstörung der Welt waren? Die Antwort auf die Frage nach der vollendeten Möglichkeit in der Zukunft legt es nahe, über alternativer Lebensstile und Wirtschaftsformen nachzudenken – und zu handeln.  zum Thema Felber, Christian: Gemeinwohlökonomie, 2010 [vgl. dazu Kurzrezension online unter www.stiftung-sponsoring.de/organisationfinanzen/literaturtipps] Genesis Institute / Vodafone Stiftung Deutschland (Hrsg.): Denk die Welt weiter! 25 Ideen, selbst die Zukunft zu gestalten, 2012 [vgl. dazu Rezension in diesem Heft S. 44] Prof. Dr. Harald Welzer ist Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit; er ist Professor für Sozialpsychologie mit einem Schwerpunkt auf kulturwissenschaftlicher Klimafolgenforschung, [email protected], www. futurzwei.org

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Im Zweifel helfen Fakten Das Projekt Klimafakten bietet Orientierung von Carel C. Mohn, Berlin

In die klimapolitische Debatte mischen sich immer wieder skeptische Zwischentöne, es gebe überhaupt keinen Klimawandel. Deswegen will ein Stiftungsprojekt einer verunsicherten Öffentlichkeit verlässliche Orientierung geben. Es steht 122:1. Das jedenfalls ist die Größenordnung, wenn man bei Google die Zahl der Treffer für die Begriffe „Klimawandel“ und „Klimaschutz“ vergleicht mit der Zahl der Ergebnisse für „Klimaskepsis“ oder – noch härter – „Klimaschwindel“. Diese schnell recherchierten Zahlen sagen viel über die hohe Relevanz des Themas Klimaschutz in der öffentlichen Debatte. Und doch bleibt eine Restgröße des Zweifels, der Skepsis. Sie wird sichtbar, wirft man noch einmal einen Blick in die Tiefen – oder sagen wir besser Untiefen – des Internets, etwa auf die Kommentarseiten von Spiegel online. Wann immer hier im redaktionellen Teil über Klimapolitik berichtet wird, häufen sich die Kommentare der User: ƒƒ ƒƒ

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limawandel? „Gibt es nicht.“ K Der Beitrag des Menschen zum globalen Temperaturanstieg? „Klimaveränderungen hat es schon immer gegeben.“ K limapolitik? „Wirkt sowieso nicht. Oder soll etwa am deutschen Wesen... ?“

In solchen Grundmustern verläuft die Debatte im Internet. Sie lässt sich beiseitewischen mit dem Hinweis auf die von allen Bundestagsparteien beschlossene Energiewende, die ja zentral auch mit Verweis auf den Klimawandel begründet ist. Auch in der redaktionellen Berichterstattung selbst finden die so genannten „Klimaskeptiker“ vergleichsweise wenig Gehör, selbst dann, wenn sie sich beispielsweise in Person prominenter Autoren wie dem früheren Hamburger Umweltsenator und RWE-Manager Fritz Vahrenholt zu Wort melden. Dennoch sind die Zweifel, ist die Skepsis ernst zu nehmen. Dieser Ansatz entspricht auch der Grundphilosophie hinter dem Projekt Klimafakten der European Climate Foundation. Die Zweifel ernstzunehmen, das bedeutet zunächst einmal, die skeptischen Einwände zu prüfen. Und da ist das Ergebnis recht eindeutig. Denn so sehr Zweifel und Skepsis untrennbar zur Wissenschaft gehören, so hat die Klimaforschung doch in den vergangenen vier Jahrzehnten eine geradezu erdrückende empirische Evidenz dafür erarbeitet, dass insbesondere die Verbrennung Sonderausgabe 2012

fossiler Energieträger zu einem gefährlichen Klimawandel beiträgt. Weltweit haben Tausende von Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Disziplinen mit den unterschiedlichsten Methoden und Daten diesen Befund erhärtet. Schwierige Begrifflichkeit: Klimaleugnung und Wandelskepsis Als Klimaskeptiker werden Personen bezeichnet, die einen anthropogenen, vom Menschen verursachten Klimawandel bezweifeln. Die Bandbreite des Zweifels reicht vom Abstreiten jeder Klimaveränderung bis hin zu Positionen, bei denen zwar der Befund nicht verneint, wohl aber der Sinn von Klimaschutzpolitik in Frage gestellt wird. Der Begriff Klimaskeptiker ist durchaus problematisch. Zum einen gehört Skepsis zum Kernbestandteil jeder Wissenschaft und zu den Grundtugenden wissenschaftlichen Arbeitens. Doch geht es den Klimaskeptikern in erster Linie darum, zentrale Ergebnisse der Klimaforschung abzustreiten oder zu leugnen. Zum anderen ist der Begriff sprachlich unscharf – statt von Klimaskeptiker müsste eigentlich von Klimawandelskeptiker die Rede sein. Was passiert auSSerhalb der Scientific Community? Es geht also weniger um Respekt vor der wissenschaftlichen Grundtugend der Skepsis. Zweifel sind ohnehin bereits fest in das Wissenschaftssystem eingebaut. Peer reviews bei Fachzeitschriften, Transparenz bei Quellen und Daten sorgen dafür, dass Ergebnisse überprüfbar und diskutierbar bleiben. Ohnehin sind Wissenschaftler untereinander die schärfsten Kritiker und Konkurrenten. Wenn es also gilt, Klimaskepsis ernstzunehmen, dann deshalb, weil von einer politischen Größe die Rede ist. In dem Maße, in dem aus Klimawandel Klimapolitik wird, werden auch die Befunde der Klimaforschung politisch relevant – und zum Gegenstand scharfer politischer Auseinandersetzung. Überraschen kann das nicht. Schließlich verlangt konsequenter Klimaschutz erhebliche Anstrengungen, tiefgreifende Veränderungen in zahlreichen Lebens- und Wirtschaftsbereichen. So lässt sich das Phänomen „Klimaskepsis“ auch vor allem als Abwehrreaktion verstehen. Doch was macht es so attraktiv, die praktisch einhelligen Befunde der weltweiten Wissenschaftscommunity anzuzweifeln? Für das dreiköpfige Projekt-

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team von Klimafakten ist das eine entscheidende Frage, sieht man die eigene Aufgabe doch auch darin, die Klimadebatte im Blick zu behalten. Vier Grundmotive der Klimaskeptiker  Sozialpsychologie: Die Klimaforschung sagt einen globalen Temperaturanstieg, eine Zunahme von Wetterextremen und steigende Meeresspiegel voraus. Hierauf mit Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verdrängen zu reagieren, ist ein verbreitetes Verhaltensmuster. Dies gilt umso mehr, da die Prognosen bei vielen Menschen ein Gefühl der Überwältigung, der Ausweglosigkeit und Machtlosigkeit hervorrufen.

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oder indirekt ist das Thema Klimawandel ständig präsent. Und je häufiger in einer demokratischen Gesellschaft auf wissenschaftliche Befunde, auf empirische Evidenz als Ausgangspunkt für praktische Politik verwiesen wird, desto wichtiger wird es, diese wissenschaftlichen Befunde einordnen und verstehen zu können. Und tatsächlich gibt es handfesten Erklärungsbedarf. Schließlich klingt auf den ersten Blick häufig durchaus plausibel, was Klimaskeptiker vorzutragen haben. Und wer dann in renommierten Medien liest, es gebe Streit um zentrale Aussagen der Klimaforschung, wird verunsichert fragen, ob all der Aufwand der Klimapolitik denn auch wirklich berechtigt ist. Projekt Klimafakten

 Wirtschaftliche Interessen: Auch mit Bezug auf die Ursachen sind die wissenschaftlichen Befunde eindeutig. Die entscheidende Rolle spielt die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Wer also vor den Folgen des Klimawandels warnt, plädiert impliziert auch dafür, die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas drastisch zu reduzieren. Dass hierbei handfeste wirtschaftliche Interessen tangiert sind, liegt auf der Hand.

Bei diesen Fragen setzt das Projekt Klimafakten der European Climate Foundation an. Herzstück ist die Website, auf der u.a. folgende Fragen beantwortet werden: ƒƒ ƒƒ ƒƒ

 Politische Weltsichten: Einen weiteren Antrieb bilden ideologische Motive und Werte. Es geht um die politischen Konsequenzen, die aus den Forschungsergebnissen zu ziehen sind, um Grundsatzfragen der Politik, über die heftig gestritten wird, wie z.B.: Wie gerecht ist es, dass einige sehr viele Ressourcen in Anspruch nehmen, anderen nur wenig verbleibt? Der Klimawandel setzt diese politischen Meta-Fragen mit aller Macht neu auf die Tagesordnung – und bietet dabei auch die Chance, die eigene politische Anhängerschaft zu mobilisieren.  Dynamik der Medienberichterstattung: Audiatur et altera pars – Gehört werde auch der andere Teil. Der politische Journalismus baut hierauf auf, gibt der Vielfalt der Meinungen und Ansichten ganz bewusst Raum. Nun mag man darüber streiten, inwieweit es sich bei Aussagen zur Klimaforschung um „Meinungen“ handelt. Tatsache ist dennoch, dass krasse Außenseiterpositionen in vielen Medien allein schon aus diesem Grundsatz zu Wort kommen. Hinzu kommt, dass kaum etwas einen geringeren Nachrichtenwert hat als „wissenschaftlicher Konsens“. Auf diese Weise tragen interne Medienmechanismen dazu bei, klimaskeptischen Positionen deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als in der Substanz geboten wäre. Erklären und einordnen ist unabdingbar Mag die Klimaforschung für den Zweifel am Klimawandel also wenig hergeben, so gibt es dennoch starke Motive, die klimaskeptische Positionen attraktiv machen. Zu vermuten ist, dass deren Attraktivität sogar noch steigt, was wiederum mit dem sich zuspitzenden Klimaproblem zu tun hat. Ob es um Gebäudesanierung oder Benzinpreise, um die Lärmbelastung durch den Flugverkehr oder den Ausbau der Stromnetze geht, ob um spanische Erdbeeren oder Massentierhaltung – direkt

ar es im Mittelalter nicht viel wärmer als heute? W Ist nicht vor allem die Sonne Antreiber von Klimaveränderungen auf der Erde? Arbeiten die Klimaforscher wirklich korrekt?

Viele haben diese Fragen im Kopf. Das Projekt bietet einen verlässlichen Referenzpunkt, der diesen Fragen verständlich, wissenschaftlich fundiert und mit weiterführenden Quellen auf den Grund geht. Wer sich der Wissenschaft verweigert, den wird man damit nicht erreichen können. Wer aber verstehen will, wie skeptische Einwände einzuordnen sind, der findet hier Orientierung, die über Google hinausgeht. KURZ & KNAPP Immer wieder werden kritische Stimmen laut, die den durch Menschen verursachten Klimawandel anzweifeln. Diese sollten ernst genommen werden. Das Projekt Klimafakten der European Climate Foundation möchte Interessierten verständlich Fragen beantworten und so Orientierung in der komplizierten Faktenwelt zum Klimawandel bieten.  zum Thema Naomi Oreskes & Erik M. Conway: Merchants of Doubt. How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming, New York, Berlin, London, 2010 im Internet Lewandowsky, Stephan: Selling climate uncertainty: misinformation and the media, http://theconversation.edu.au/sellingclimate-uncertainty-misinformation-and-the-media-2638 BBC Trust: BBC Trust review of impartiality and accuracy of the BBC’s coverage of science www.bbc.co.uk/bbctrust/our_work/ other/science_impartiality.shtml www.klimafakten.de Carel Carlowitz Mohn ist Kommunikationsdirektor der European Climate Foundation in Berlin und Chefredakteur von www.klimafakten.de, [email protected] org, www.europeanclimate.org

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Bühne der Transformation Ideenplattform für eine kohlenstoffarme Wirtschaft der Zukunft von Max Schön, Berlin

Als einzige deutsche Umweltstiftung bündelt die Stiftung 2° die Klimaschutzaktivitäten führender deutscher Unternehmer und demonstriert damit, wie die Gesellschaft der fortschreitenden Erderwärmung noch entgegentreten kann: mit Ideen aus der Wirtschaft, die längst geboren sind, aber noch zu wenig umgesetzt werden. Die Stiftung 2 Grad ist eine Initiative von Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern und Familienunternehmern. Ziel ist es, die Politik bei ihren Bemühungen zur Etablierung marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen für den Klimaschutz zu unterstützen und die Lösungskompetenz deutscher Unternehmer zu aktivieren. Benannt ist die Stiftung nach ihrem Leitbild, die durchschnittlich globale Erderwärmung auf 2 Grad zu beschränken. Im März 2012 hatten u.a. australische Forscher erneut Alarm geschlagen: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erreichte im vergangenen Jahr ein Rekordniveau. Die erhobenen Daten machen deutlich, dass der Klimaschutz keinen Aufschub mehr duldet. Wer jetzt nicht handelt, gefährdet die Lebensgrundlage der nachfolgenden Generationen. Schlüsselrolle der deutschen Wirtschaft Neben den Verhaltensänderungen der Verbraucher kommt der deutschen Wirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung einer kohlenstoffarmen Volkswirtschaft der Zukunft zu. Wenn sie zeigen kann, dass Klimaschutz und ökonomischer Erfolg miteinander vereinbar sind, rückt das Thema in die Mitte unserer Gesellschaft. Dann erfährt es die längst überfällige Wahrnehmung als ein Problem, welches genauso viel Aufmerksamkeit verlangt wie die globale Finanzkrise oder die internationale Sicherheitspolitik. Werden hier wichtige Weichenstellungen versäumt, werden den Menschen die Grundlagen für ein Leben in Frieden, Sicherheit und Wohlstand entzogen. Die Länder mit sehr hoher oder hoher menschlicher Entwicklung tragen auch beim Klimaschutz Verantwortung für weniger entwickelte Gesellschaften, die die Folgen des Klimawandels aufgrund mangelnder ökonomischer Leistungsfähigkeit nicht durch Anpassungsleistungen ausgleichen können. Klimaschutz ist somit auch eine Frage der Gerechtigkeit innerhalb der Weltgemeinschaft. Der Klimaschutz zählt damit zu den größten Herausforderungen unserer Zeit, die als gesamtgesellschaftliche Aufgabe nur Sonderausgabe 2012

gemeinsam von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie durch ein verändertes Verhalten der Verbraucher gelöst werden kann. Als Zugpferd der Gesellschaft muss die deutsche Wirtschaft als erste die Ziellinie überqueren. Um das nötige – sehr hohe – Tempo zu erreichen, um das 2 °-Ziel nicht zu verfehlen, braucht es auch einen branchenübergreifenden Wissens- und Ideenpool. Hier sieht sich die Stiftung 2°. Deutsche Unternehmen als Pioniere Im brandenburgischen Prenzlau ging im vergangenen Jahr das weltweit erste Wasserstoff-Hybridkraftwerk ans Netz. Erstmalig ist es seitdem möglich, Windenergie in Wasserstoff umzuwandeln und damit zu speichern. Aus dem Wasserstoff entsteht Strom oder das sog. Windgas, welches den Besitzern von Brennstoffzellenautos an Tankstellen in Berlin und Hamburg zur Verfügung steht. Partner des Betreibers Enertrag sind die 2°-Unternehmen Vattenfall und die Deutsche Bahn. Hoch oben im Norden der Republik, in Schleswig, steht das Stadthaus der Firma Schüco im Energie-Plus-Standard. Mit einer Dünnschicht-Photovoltaik-Anlage in der Fassade und einer weiteren auf dem Dach sowie einer thermoaktiven Wand kann sowohl Energie gewonnen und gespeichert als auch der Verbrauch bewusst niedrig gehalten werden. Das Schleswiger Haus hat damit nicht nur eine hervorragende CO2-Bilanz, sondern ist auch aus Verbrauchersicht extrem kostengünstig. Der Sportartikelhersteller Puma gilt in der deutschen Wirtschaft als Musterknabe und wurde vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung bereits als Unternehmen mit der „nachhaltigsten Zukunftsstrategie“ ausgezeichnet. Das Engagement des Lifestyle-Konzerns ist bemerkenswert. Bis 2015 sollen 50 % der Produktion den Kriterien eines speziell entwickelten Nachhaltigkeitsindexes entsprechen. Mit diesem S-Index (SUSTAINABILITY-INDEX FOR PRODUCT AND PACKAGING) werden nur jene Produkte ausgezeichnet, die zu mehr als 50  % aus nachhaltigem Material bestehen. Zudem hat sich Puma verpflichtet, die CO 2-Emissionen, Energie, Wasser und Abfall um 25 % in allen

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seinen Niederlassungen, Stores, Lagern und bei direkten Zulieferern weltweit bis zum Jahr 2015 zu reduzieren. Die Einführung von „papierlosen Büros“ sorgt für eine Verminderung des Papierverbrauchs um 75 %, effizientere Produkttransporte reduzieren die CO2-Emissionen darüber hinaus um weitere 25 %. Die weiteren Unterstützer der 2° Stiftung Deutsche Telekom, Allianz, Burda, EWE, EnBW, Xella, Otto und M+W pflegen in ihren Unternehmen ähnliche Bemühungen hin zu einer nachhaltigeren und klimagerechteren Wirtschaft.

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Aus allen diesen Geschichten heraus entsteht die sog. Bühne der Transformation, die in unbewegten und bewegten Bildern, durch Text oder Animation erzählt, wie sich Klimaschutz und ökonomischer Erfolg im Einklang befinden können. Die Bühne der Transformation entwirft damit die Vision einer kohlenstoffarmen Wirtschaft der Zukunft. Sie ist eine Ideenplattform für Unternehmer, Politiker und die Bürger in Deutschland, die dazu anregen soll, gewohnte Denkmuster und ausgetretene Pfade zu verlassen und zu Gunsten des Klimas und der Umwelt neue ökonomische, politische und soziale Wege zu gehen.

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Die Beispiele demonstrieren auch, dass Investitionen in kohlenstoffarme Technologien der deutschen Wirtschaft große Chancen im globalen Wettbewerb bieten. Die Bühne eröffnet politischen Akteuren einen Referenzrahmen für die Erarbeitung von Visionen und konkreten klimaschonenden Politiken und Instrumenten und unterstützt sie in ihren Bestrebungen. So können die dringend notwendigen Strategien zur Verhütung einer weiter steigenden Erderwärmung Hand in Hand von Politik und Wirtschaft entwickelt werden. KURZ & KNAPP Anders als bei der 2011 politisch implementierten Energiewende, die nicht als Ergebnis eines systematischen Prozesses, sondern als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima in Erscheinung trat, ist beim Klimaschutz nicht der Weg das Ziel. Ganz im Gegenteil: Der Weg wird immer steiniger. Deutschen Unternehmen kommt dabei zur pragmatischen Lösungsfindung eine besondere Rolle zu. Die Stiftung 2° versteht sich hier als Wegweiser und Mahner. 

zum Thema in Stiftung&Sponsoring Röttgen, Norbert / Fleisch, Hans: Essay: Klimaschutz als Kooperationsaufgabe. Plädoyer für konstruktives Zusammenwirken der Stiftungen, S&S 4/2010, S. 24-25 Max Schön ist Vorstand der „Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" und seit 2010 Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung sowie Aufsichtsratsvorsitzender der DESERTEC Foundation, [email protected] org, www.stiftung2grad.org

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Organisation & Finanzen

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Neue Energie für das Stiftungsportfolio? Wie Stiftungen in den Klimaschutz investieren und davon profitieren können von Thomas Krützmann, Grünwald

Stiftungen stehen in ihrer Kapitalanlage vor enormen Herausforderungen. Einerseits erscheint es schwierig, die Ziele des langfristigen Kapitalerhalts und der nachhaltigen Erfüllung des Stiftungszwecks mit den bisher verfolgten Anlagestrategien zu erreichen. Andererseits war nur selten die Zahl und Bandbreite der möglichen Entwicklungen und Investitionsformen an den Finanzund Kapitalmärkten so unübersichtlich. Große institutionelle und private Vermögen verfolgen in diesem volatilen Umfeld eine klare Strategie. Sie investieren gezielt einen zunehmenden Teil ihrer Asset Allokation langfristig und diversifiziert in Substanzwerte, zu denen auch die sog. Erneuerbaren Energien zählen. Hierfür gibt es gute Gründe: ƒƒ ƒƒ ƒƒ ƒƒ ƒƒ ƒƒ ƒƒ ƒƒ

Sachwerte verkörpern materielles Eigentum an realen Gütern Sachwertinvestments sind unmittelbar, einfach und transparent Ihre Bonität hat einen starken Kern: den langfristigen originären Nutzen Sie lassen sich durch gutes Management aktiv in ihrem realen Wert erhalten Sie erzielen von Anfang an laufende Cash Flows Sie bieten Schutz vor Geldentwertung durch vertragliche Regelungen und Marktpreisanpassungen Sie können die Volatilität eines Portfolios reduzieren bzw. dessen Rendite erhöhen Ihre langfristigen Umweltwirkungen, oftmals unter dem Begriff Nachhaltigkeit zusammengefasst, lassen sich konkret nachprüfen

Die steigende Zahl der Investitionsprogramme und getätigten Anlagen zeigt, dass institutionelle Kapitalanleger wie Versicherungen, Pensionskassen und große Stiftungen die wirtschaftlichen Chancen und günstigen Eigenschaften der Investition in Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie erkannt haben. Erneuerbare Energien – ein interessanter Portfoliobaustein Eine der (mehr oder weniger überraschenden) Erkenntnisse aus der Wirtschafts- und Finanzkrise ist, dass einzelne Anlageklassen tatsächlich stärker zusammenhängen als es in den theoretischen Modellen prognostiziert wurde. Es scheint zudem ein Merkmal unserer Zeit, dass die Vergangenheit nur noch bedingt zur Herleitung künftiger Entwicklungen herangezogen werden kann. Das stärkt die These, dass ein Portfolio, das auf einem breiten und sinnvoll zusammengestellten Fundament von Einflussfaktoren basiert, langfristig mehr Stabilität bietet. Vor diesem Hintergrund sind Investitionen in Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien, insbesondere in den Bereichen (Onshore-)Wind und Photovoltaik, eine gute Portfolioergänzung. Die Investitionseigenschaften und Einflussfaktoren sind gänzlich andere als die einer Kapitalmarktinvestition über Aktien oder Anleihen.

Energieinfrastruktur – ein zukunftsträchtiges Investitionsfeld Mit den politischen Beschlüssen zur Energiewende wird sich in den nächsten Jahrzehnten ein erheblicher Strukturwandel der gesamten Energieinfrastruktur vollziehen. Anstelle der bisherigen oligopolistischen Strukturen mit wenigen Konzernen treten zunehmend dezentrale Produktions- und Versorgungsstrukturen. Die Nutzung kostenfrei vorhandener und aus menschlicher Sicht quasi unerschöpflicher Energieformen wie Wind, Sonne und Wasser führt nicht nur zu einer unmittelbaren Reduktion von Treibhausgasemissionen, sondern auch zu größerer wirtschaftlicher und politischer Autarkie. Hierzu sind gewaltige Investitionen erforderlich, die nicht ohne die Einbindung privater Kapitalgeber geleistet werden können. Sonderausgabe 2012

Energiewende bedeutet nicht nur, dass herkömmliche Kraftwerke mit fossilen Energieträgern ersetzt werden können. Der Effekt wird dadurch verstärkt, dass beim Abschalten fossiler Kraftwerke als erstes die älteren, besonders „schmutzigen“ Kraftwerke vom Netz genommen werden.

Abb.: Hoher Anteil der erneuerbaren Energien an der neu installierten Energieerzeugungskapazität. Quelle: Bundesnetzagentur, Erzeugungskapazität nach Energieträgern (2009)

Organisation & Finanzen

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Wesentliche Einflussgrößen eines Investments sind natürliche und mit den Kapitalmärkten unkorrelierte Performancefaktoren, wie Globalstrahlung oder Windaufkommen. Gesetzlich geregelte Einspeisevergütungen bilden die Grundlage für stabile und gut prognostizierbare Rückflüsse. Die eingesetzten Technologien haben sich in den letzten Jahren signifikant weiterentwickelt und weisen heute auf Basis langfristiger Betriebserfahrungen hohe Verfügbarkeiten und gut kalkulierbare laufende Kosten auf. Zudem liegt die Einspeisevergütung für bestimmte Erzeugungsarten, insbesondere Onshore-Wind in Deutschland, schon heute relativ nahe an den Marktpreisen für Energie. So kann durch Investition in die alternative Energieproduktion – und um nichts anderes handelt es sich hier – auch ein gezieltes Gegengewicht zu den vielfältigen mittelbaren Risiken steigender Energiepreise (Inflation, konjunkturelle Risiken) im Portfolio gebildet werden. Erneuerbare Energien – geeignet für das Stiftungsportfolio? Grundsätzlich eignen sich Beteiligungen in Erneuerbare Energien gut als Beimischung für die auf Langfristigkeit ausgelegte Kapitalanlage von gemeinnützigen Stiftungen und Familienstiftungen. Stiftungen erzielen stabile, gut prognostizierbare Rückflüsse und integrieren natürliche Einflussfaktoren in ihr Portfolio, die ganz offensichtlich nicht mit den Finanz- und Kapitalmärkten verbunden sind. Gleichzeitig können sie den (virulenten) Risiken steigender Energiepreise entgegenwirken. Die Investition in Erneuerbare Energien erfordert spezifische Marktkenntnisse und ist mit hohen Vorkosten für die Beschaffung, Prüfung und Umsetzung verbunden. Eine gute langfristige Performance erfordert zudem aktives Asset Management über die gesamte Laufzeit. Elementar bei der Auswahl des Investments sollte deshalb die Substanz, Erfahrung und Leistungsbilanz des Asset Managers sein. Mit Blick auf eine Streuung von Einflussfaktoren auch auf Investmentebene ist die Anlage in ein regional und technologisch gestreutes Portfolio einer Einzelinvestition vorzuziehen. Hierbei könnten Co-Investments mit großen institutionellen Investoren eine interessante Möglichkeit sein. Sie bieten den Zugang zu großen, aktiv gemanagten und breit gestreuten Investitionsprogrammen mit schlanken Kostenstrukturen in einem professionellen Umfeld. Eine Begrenzung der Fremdfinanzierung auf eine moderate Quote (z.B. 50 %) kann die Volatilität des Investments deutlich reduzieren. Auf die Form der Beteiligung ist aus Stiftungssicht besonderes Augenmerk zu legen. Die Beteiligung einer gemeinnützigen Organisation an einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft, die die einzelnen Sachwerte mittelbar oder unmittelbar hält, führt i.d.R. nicht zu einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der Stiftung. Andere gesellschaftsrechtliche Konstruktionen, insbesondere gewerbliche Personengesellschaften, sind in jedem Fall individuell zu prüfen. Hierbei können sich durch das BFH-Urteil vom 25.5.2011

[vgl. dazu S&S 6/2011, S. 34 f.], das zwischen originär gewerblich tätigen und nur gewerblich geprägten Gesellschaften unterscheidet, neue Sichtweisen ergeben. Zusätzlich sollte zuvor untersucht werden, ob die Anlagerichtlinien in der Satzung einer Beteiligung entgegenstehen. KURZ & KNAPP Durch die dynamischen globalen Entwicklungen und die andauernde Wirtschafts- und Finanzkrise rücken Sachwerte in den Fokus zahlreicher Stiftungen. Alternative Sachwertanlagen wie Investitionen in Erneuerbare Energien stellen eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios dar, weil sie sowohl zur Diversifikation beitragen, als auch zur Optimierung im Hinblick auf Rendite und Volatilität. Stiftungen, die in alternative Sachwertanlagen investieren wollen, sollten aus Gründen der Risikostreuung die Investition in ein ausgewogenes Portfolio der Einzelinvestition vorziehen. Co-Investitionen können hierbei eine interessante Anlageform darstellen. Wenn die Anlagerichtlinien dies nicht vorsehen, sollte eine entsprechende Erweiterung des Handlungsrahmens zumindest in Erwägung gezogen werden.  zum Thema in Stiftung&Sponsoring Knörzer, Andreas: Nachhaltige Kapitalanlagen schaffen Image und Rendite. Anlagestrategien für Stiftungen, S&S 1/2011, S. 32-33 Mecking, Christoph: Abkehr vom Gepräge. Die Beteiligung an nur gewerblich geprägten Personengesellschaften ist steuerbefreit, S&S 6/2011, S. 34-35 Thomas Krützmann ist Leiter Individual Investments bei KGAL GmbH & Co., seit dem 1.1.2010 ist er für die Investorengruppen Stiftungen und Family Offices verantwortlich; 2009 ist die KGAL mit dem Scope Investment Award „Erneuerbare Energien“ ausgezeichnet worden, [email protected], www.kgal.de

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Organisation & Finanzen

Riskantes grünes Gewissen Anleger unterschätzen die Verlustgefahr bei Anleihen und Genussrechten

insolventen Solar Millennium AG bangen derzeit um ihr Geld. „Ein marktunüblich hoher Zins ist immer ein Warnsignal. Bundesanleihen bieten derzeit für zehn Jahre Laufzeit kaum 1,5 %“, erklärt Thomas Buckard.

von Martin Volmer, Gladbeck

Geschlossene Energiefonds stabilisieren das Depot

Das niedrige Zinsniveau von Bundesanleihen und Pfandbriefen macht es Stiftungen schwer, ausreichend Kapitalerträge für den gemeinnützigen Zweck zu erwirtschaften. Da wirken die Renditeversprechen geschlossener Fonds, Genussrechte und Anleihen besonders verlockend. Insbesondere in der Branche der Erneuerbaren Energien sind diese Finanzierungswege üblich. Doch was gut für die Umwelt ist, kann mit dem Totalverlust des investierten Betrags enden, warnt Vermögensverwalter Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG (MPF), Wuppertal.

Alternativ können sich Stiftungen, die gezielt in die ÖkoEnergiebranche investieren möchten, an geschlossenen Fonds beteiligen. Allerdings ist das Kapital dann in der Regel auf mehr als zehn Jahre gebunden. Während der Laufzeit können die Kommanditanteile praktisch nicht verkauft werden. Diesem Aspekt gewinnt Thomas Buckard auch eine positive Seite ab: „Die Kurse von börsennotierten Anleihen und Aktien können sehr stark schwanken. Das kann zu Panikverkäufen führen. Für Energiefonds gibt es keine Tageskurse. So können Kommanditbeteiligungen mehr Stabilität ins Depot bringen – und regelmäßige Erträge.“

Die Prokon Regenerative Energien macht es potenziellen Investoren so einfach wie möglich: Schon ab 100 € können sie Genussrechte erwerben, die minimale Laufzeit betrage nur drei Jahre. Vor allem aber lockt das Unternehmen mit 8 % Zinsen, die es seit 2006 den Anlegern jährlich gezahlt habe. Mit Anzeigenkampagnen, Fernsehspots und Wurfsendungen bringt die Unternehmensgruppe aus dem norddeutschen Itzehoe ihr Angebot in die Haushalte. Zinserträge sind nicht verlässlich planbar Thomas Buckard betrachtet Genussrechte generell mit Skepsis. „Die Angebote suggerieren sichere Einnahmen. Tatsächlich hängen die Rendite und die Rückzahlung aber vom wirtschaftlichen Erfolg der Anbieter ab“, gibt der Vermögensverwalter zu bedenken. Sprich: Fällt der Gewinn des Unternehmens z.B. wegen anhaltender Windflaute geringer aus, können die Verzinsung gesenkt oder Zinszahlungen verschoben werden. Geht der Emittent pleite, droht Anlegern der Totalverlust ihres eingesetzten Betrags, denn Genussrechte werden in der Regel erst zurückgezahlt, nachdem die Ansprüche aller anderen Gläubiger befriedigt sind. Hat eine Stiftung einen größeren Teil ihres Vermögens so investiert, kann der Ausfall die Erfüllung des Stiftungszwecks erheblich beeinträchtigen. „Das Geld der Anleger wird im Unternehmen wie Eigenkapital behandelt, aber der Genussrechtsgeber erwirbt keine Eigentums- und Mitspracherechte“, kritisiert der MPF-Vorstand. Bei Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet seien, erhielten die Investoren oft auch zu wenig Einblick in die Geschäftszahlen. Das gleiche gilt für die so genannten Nachranganleihen von Unternehmen. Im März hat die Pleite des Windkraftzulieferers SIAG Schaaf Industrie den Markt aufgerüttelt. Noch im Sommer 2011 hatte der Mittelständler eine Anleihe im Volumen von 50 Mio. € platziert, ausgestattet mit einem Zinskupon von 9 %. Der Kupon ist mit der SIAG-Insolvenz wertlos geworden. Schlimmer noch: Die Rückzahlung der Einlage ist unwahrscheinlich. Auch die Anleihegläubiger der Sonderausgabe 2012

Allerdings hänge die Qualität eines Windkraft- oder Solarfonds von vielen Faktoren ab, wie Standort, Erfahrung und Finanzkraft des Betreibers, Verwaltungs- und Vertriebskosten. Das stellt hohe Anforderungen an das Vermögensmanagement. „Nur Fachleute sind in der Lage, die Projekte und die Initiatoren solcher Fonds richtig zu beurteilen“, ist Buckard überzeugt. KURZ & KNAPP Wer in Genussrechte, Nachranganleihen oder geschlossene Fonds investiert, riskiert den Totalverlust seines eingesetzten Kapitals. Ent spre chend gründlich sollten die Prospekte geprüft werden. Zu besonderer Vorsicht ist zu raten, wenn der Anbieter eines Windkraft- oder Solarfonds kaum oder keine Erfahrung mit realisierten Projekten vorweisen kann. Negativ zu werten sind außerdem hohe Fondsnebenkosten und Fremdkapitalanteile. Fonds, die sich an mehreren Objekten beteiligen, seien Ein-Objekt-Fonds wegen der besseren Risikostreuung vorzuziehen. Die Stiftung Warentest veröffentlicht unter www. test.de/warnliste, welche Angebote sie für zweifelhaft oder unseriös hält.  Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe, die in unregelmäßiger Folge zu Themen der Vermögensanlage erscheint. Martin Volmer beobachtet als freiberuflicher Finanzjournalist Beteiligungen an Solar- und Windenergieanlagen, [email protected]

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Freiwillige CO2-Kompensation Gemeinnützigkeitsrechtliche Handlungs- und Gestaltungsoptionen von Felix Streiter, Essen, und Christopher Brandt, Hamburg

Alle Stiftungen können klimafreundlich agieren, und zwar unabhängig davon, ob sie den Klimaschutz als Satzungszweck verankert haben. Klimafreundlichkeit bedeutet zunächst ein umweltbewusstes und nachhaltiges Verhalten, insbesondere durch die Einschränkung von Aktivitäten, die unmittelbar oder mittelbar zur Emission von Treibhausgasen führen. Darüber hinaus können Stiftungen ihre Treibhausgasemissionen freiwillig ausgleichen oder Dritte bei deren Kompensation unterstützen. Das Prinzip ist einfach: Wer Treibhausgasemissionen verursacht, kann dafür bezahlen, dass die entsprechende Menge an anderer Stelle eingespart wird. Der Markt für freiwillige CO2-Kompensation ist vielfältig. Von einzelnen Aktivitäten bis hin zur gesamten Lebensführung lässt sich alles als „klimafreundlich“ entschädigen: Waren, Dienstleistungen, Reisen, Veranstaltungen und ganze Institutionen. Wie funktioniert die Kompensation? Der Interessent lässt seine Treibhausgasemissionen fachgerecht bestimmen und zahlt dann einem Kompensationsanbieter einen Betrag, der zum Ausgleich dieser Emissionen bestimmt ist. Dabei hat die erstattende Organisation grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um Emissionen auszugleichen: Sie kann Klimaschutzprojekte veranlassen oder Emissionszertifikate kaufen. Klimaschutzprojekte werden entweder durch den Kompensationsanbieter selbst oder durch einen Kooperationspartner durchgeführt. Damit eine tatsächliche Emissionsminderung eintritt, muss das Projekt drei entscheidende Voraussetzungen erfüllen: ƒƒ

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Die finanzierte Maßnahme erfolgt zusätzlich, d.h. das Klimaschutzprojekt wird nicht ohnehin schon verwirklicht, sondern ist abhängig von der (Mit-)Finanzierung durch den Interessenten. Die Emissionsreduktion wird realistisch berechnet. Die Treibhausgasreduktion ist dauerhaft, d.h. die einmal erfolgte Emissionsreduktion lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Alternativ ist eine Kompensation durch den Kauf von Emissionszertifikaten durchführbar. Dabei repräsentiert jedes Zertifikat eine Tonne CO2 (oder deren Äquivalent eines anderen Treibhausgases). Die Zertifikate werden teilweise für erfolgreiche Emissionseinsparungen in Klimaschutzprojekten verliehen – in diesen Fällen handelt es sich um eine mittelbare Projektfinanzierung durch den Interessenten. Oder die BescheinigunSonderausgabe 2012

gen entstammen verpflichtenden Emissionshandelssystemen. Insbesondere bei kleineren Emissionsmengen ist der Weg über den Emissionshandel praktikabler, wenn einige Grundregeln beachtet werden, um die ökologische Wirksamkeit der Kompensation sicherzustellen. Typen von Emissionszertifikaten Neben den Emissionszertifikaten, die ausschließlich zwischen Staaten gehandelt werden können (sog. Assigned Amount Units), gibt es drei Zertifikatstypen, die für private juristische Personen handelbar sind: Unternehmen in der EU, die bestimmte emissionsintensive Großanlagen betreiben, sind seit 2005 gesetzlich verpflichtet, für ihre Emissionen Zertifikate abzugeben. Ein Teil davon wird den Unternehmen vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellt. Die restlichen Zertifikate müssen sie entweder am Markt hinzukaufen oder sie reduzieren ihre Zertifikatsabgabeverpflichtung, indem sie ihre Emissionen verringern. Der EU-Emissionshandel ist ein marktwirtschaftliches Instrument der Klimapolitik mit dem Ziel, die CO2-Emissionen unter minimalen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken. Wird ein Klimaschutzprojekt zuvor beim Klimaschutzsekretariat der Vereinten Nationen in Bonn ordnungsgemäß registriert, so erteilt das Sekretariat für nachgewiesene Treibhausgasemissionen bestimmte Emissionszertifikate. Diese sog. Kyoto-Zertifikate können von den emissionshandelspflichtigen Anlagebetreibern erworben werden, die damit in Deutschland bis zu 22 % ihrer gesetzlichen Kompensationspflichten abdecken können. Sie können aber auch auf dem Markt zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasen gehandelt, d.h. von Institutionen und Personen erworben werden, die ihre Treibhausgasemissionen auf diese Weise freiwillig entschädigen wollen. Verified Emissions Reductions (VERs) sind, anders als die zuvor genannten Typen, keine staatlichen oder völkerrechtlich anerkannten Zertifikate, sondern werden durch private Prüfinstitute für Klimaschutzprojekte ausgestellt. Diese Zertifikate sind i.d.R. günstiger als Kyoto-Zertifikate. Den Betreibern von Klimaschutzprojekten eröffnen sie die Möglichkeit, das kostenintensive, langwierige und komplizierte UN-Registrierungsverfahren zu vermeiden. Insbesondere für kleine Klimaschutzprojekte lohnt sich der Aufwand der UNZertifizierung oft nicht. Der Nachteil der VERs ist es, dass sie nicht zur Erfüllung von gesetzlichen Verpflichtungen – etwa der Abgabepflicht der Anlagenbetreiber im europäischen Emissionshandelssystem – zugelassen und daher auch nicht staatlich reguliert sind. Bei der Auswahl der zertifizierten

Recht & Steuern

Klimaschutzprojekte muss der an einer CO2-Kompensation interessierte Kunde daher besonders auf die Qualität und Seriosität des Angebots achten. CO2 -Kompensation für Stiftungen Stiftungen können sich sowohl auf der Emittenten- als auch auf der Anbieterseite an der freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen beteiligen. Zur Kompensation ihrer Emissionen können sie den dafür erforderlichen Geldbetrag an einen Kompensationsanbieter überweisen. Ist dieser Anbieter gemeinnützig, so erhält die Stiftung im Gegenzug eine Spendenbescheinigung und die Bestätigung, dass die Kompensation für sie durchgeführt wurde. Die Gestaltung als Spende ist möglich, weil die Stiftung das Zertifikat freiwillig erwirbt und keine Gegenleistung erhält; insbesondere werden keine CO2-Zertifikate an die Stiftung übertragen, sondern stattdessen nur im Auftrag der Stiftung gelöscht. Die Bescheinigung der Kompensationsdurchführung hat keinen nennenswerten Wert an sich, da sie weder übertragbar noch handelbar ist. Die spendende Stiftung kann die Kompensation als eigene Zweckverfolgung gestalten, wenn sie Klimaschutz als gemeinnützigen Zweck nach § 51 Abs. 2 Ziff. 8 AO „Umweltschutz“ in ihrer Satzung verankert hat. Je nach Ausgestaltung ist die Kooperation mit dem Kompensationsanbieter als Zweckverfolgung durch Einschaltung einer Hilfsperson (§ 57 Abs. 1 Satz 2 AO) oder als Mittelweitergabe (§ 58 Nr. 2 AO) zu betrachten. Ist Umweltschutz nicht Satzungszweck, so ist die Kompensation als Verwaltungsaufwand zu buchen. Stiftungen können auch mit einem nicht gemeinnützigen Kompensationsanbieter zusammenarbeiten. Der Erwerb ist in diesem Fall stets bilanziell als Verwaltungsaufwand und damit Betriebsausgabe zu veranschlagen. Eine Betriebsausgabe liegt u.a. dann vor, wenn ein erkennbarer Werbeeffekt gegeben ist (Sponsoring-Erlass des BMF, BStBl. I 1998, S. 212). Der Ausgleich eigener Emissionen dient nicht allein dem Klimaschutz, sondern soll in aller Regel auch das eigene Image fördern, wird also zugleich zu Werbezwecken genutzt (z.B. durch öffentliche Darstellung der Kompensationsbestätigung im Internet, in Veröffentlichungen und auf Veranstaltungen). Um dies mit einem Beispiel zu illustrieren: Satzungszweck der Stiftung Mercator ist u.a. der Umweltschutz. Die Stiftung setzt sich insbesondere dafür ein, die von Menschen verursachte Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Daher sieht sich die Stiftung auch selbst in der Pflicht, über die Förderung von themenspezifischen Projekten hinaus einen eigenen Beitrag zur Emissionsminderung zu leisten. Neben dem Bezug von Ökostrom und der Optimierung ihrer Ressourcennutzung gleicht die Stiftung die nicht vermeidbaren CO2-Emissionen durch Kompensationsleistungen aus. Dabei werden ihre gesamten CO2-Emissionen einschließlich aller Veranstaltungen einbezogen. Stiftungen als CO 2 -Kompensationsanbieter Stiftungen können auch auf der Anbieterseite tätig werden. Sie können entweder anderen Institutionen und Personen

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eine CO2-Kompensation ermöglichen, indem sie für deren Emissionen CO2-Zertifikate erwerben. Sie können Klimaschutzziele auch dadurch verfolgen, dass sie Emissionszertifikate erwerben, um damit die im Emissionshandelsmarkt verfügbaren Emissionszertifikate zu verknappen. Das setzt voraus, dass keine (freiwilligen) VERs, sondern nur die Kyoto-Zertifikate zur Erfüllung gesetzlicher Abgabepflichten verwendet werden. Eine Marktverknappung erhöht die Preise und damit den Anreiz für Anlagenbetreiber, in emissionsverringernde Technologie zu investieren. Noch wesentlicher ist, dass bei der Verwendung solcher Zertifikate der Klimaschutzeffekt dadurch gewährleistet ist, dass die Bescheinigungen anderenfalls zur Rechtfertigung weiterer Emissionen verwendet würden. Dieses Konzept verfolgt beispielsweise die 2011 gegründete gemeinnützige Climate Concept Foundation. Sie führt CO2-Kompensationen durch Erwerb von compliancefähigen CO2-Zertifikaten durch. Diese Vorgehensweise ist mit gemeinnützigkeitsrechtlichen Anforderungen problemlos vereinbar. Der Kauf von Emissionszertifikaten ist nicht per se gewerblich geprägt, da die Stiftung keine als Handel zu qualifizierende Zielsetzung hat. Ein Verkauf erworbener Zertifikate ist durch entsprechende Bestimmungen der Satzung ausgeschlossen. Die Zertifikate werden nach Erwerb dem Emissionshandelskonto der Stiftung gutgeschrieben, die Stiftungsorgane sind nicht zu einer Veräußerung befugt. Da dies auch auf der Vertretungsbescheinigung der Vorstandsmitglieder ersichtlich ist, würde diese Beschränkung sogar gegenüber gutgläubigen Dritten gelten. Bei der Finanzierung von eigenen Klimaschutzprojekten hat die Stiftung – wie alle gemeinnützigen Organisationen – den Vorteil, dass Projektreserven aus unversteuerten Überschüssen gebildet werden können. Ihre Mittelverwendungseffizienz ist aufgrund der steuerlichen Privilegierung damit höher als bei gewerblichen Kompensationsanbietern. KURZ & KNAPP Der Handel mit Emissionszertifikaten bringt vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für Stiftungen mit sich. Sie können mit Hilfe von CO2-Zertifikaten klimafreundliche Projekte finanzieren, ihre eigenen Emissionen ausgleichen oder auch selbst als CO2-Kompensationsanbieter fungieren. 

zum Thema Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt: Leitfaden zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen, 2008 [Download der PDF unter www. umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3660.pdf Dr. Felix Streiter, LL.M., ist stellvertretender Leiter des Kompetenzzentrums Wissenschaft und Leiter Rechtsabteilung der Stiftung Mercator, felix. [email protected]; Christopher Brandt ist Vorstand der Climate Concept Foundation, [email protected], www.climate-concept.org

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Gerichtsentscheidungen 1. Abzugsfähigkeit von Spenden einer deutschen Kapitalgesellschaft an eine EU-ausländische gemeinnützige Einrichtung, verdeckte Gewinnausschüttung, FG Bremen, Urteil vom 8.6.2011, 1 K 63/10 (6) Eine deutsche GmbH, deren alleiniger Gesellschafter auch ihr Geschäftsführer war, leistete 2004 eine Zuwendung an eine im Register für juristische Personen der Präfektur Rom eingetragene russisch-orthodoxe religiöse Vereinigung mit Sitz in Rom für den Bau einer Kirche. Die Zuwendung wurde von der Vereinigung, die über eine entsprechende Satzung verfügte, bestätigt. Zwischen der Spendenempfängerin und dem Geschäftsführergesellschafter bestanden keine persönlichen Beziehungen. Die Klägerin leistete in den Jahren 2000 bis 2006 keine weiteren Spenden. Das FA versagte einen Abzug als Spende gem. § 9 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 KStG und nahm eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) an. Die hiergegen gerichtete Klage hatte vor dem FG Erfolg. Das FG stellt zunächst fest, dass es sich bei der Zuwendung nicht um eine vGA i.S.v. § 8 Abs. 3 KStG handelt. Eine Spende ist dann als verdeckte Gewinnausschüttung zu werten, wenn sie durch die persönliche Beziehung des Gesellschafters zum Spendenempfänger beeinflusst ist. Das FG äußert sich zu Sachverhaltskonstellationen, die zur Annahme eines solchen Näheverhältnisses führen können. Ist der Gesellschafter z.B. Mitglied beim Zuwendungsempfänger, kann dies für die Beurteilung, ob eine vGA vorliegt, eine

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erhebliche Bedeutung haben. Das FG betont aber, dass die bloße Mitgliedschaft nicht alleiniges ausschlaggebendes Indiz ist. Ein weiteres Indiz für das Vorliegen einer vGA kann, so das FG, ein einseitig ausgerichtetes Spendenverhalten sein, wenn die Zuwendung außerhalb des üblichen Spendenverhaltens der Körperschaft liegt oder wenn auch in Verlustjahren gespendet wurde. Dagegen sind Zuwendungen im Rahmen des Üblichen oder einmalige, im Hinblick auf die Vermögens- und Ertragslage des Spenders adäquate Zuwendungen grundsätzlich nicht geeignet, ein besonderes Näheverhältnis anzunehmen. Im vorliegenden Fall lag keine der aufgezeigten Sachverhaltskonstellationen vor. Das FG äußert sich sodann zu den Voraussetzungen für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden an Empfänger im EU-Ausland. Gem. § 9 Abs. 1 Nr. 2 S. 2 lit. c KStG in der Fassung des Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher EU-Vorgaben vom 8.4.2010 sind auch Zuwendungen an Einrichtungen als Sonderausgabe abziehbar, die ihren Sitz in einem EU/EWR Mitgliedstaat haben. Voraussetzung hierfür ist, dass diese Einrichtung, wäre sie im Inland belegen, hier entsprechend § 5 Abs. 1 Nr. 9 i.V.m. § 5 Abs. 2 Nr. 2 steuerbefreit wäre, wenn sie inländische Einkünfte erzielen würde, und mit dem Sitzstaat ein Amtshilfe- und Beitreibungsabkommen besteht. Die Zuwendung muss tatsächlich und zeitnah für die in einer Zuwendungsbestätigung angegebenen steuerbegünstigten Zwecke verwandt werden und mit einer Zuwendungsbestätigung bescheinigt worden sein.

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Neues aus Philanthropien Einleuchtend? Neulich berichtete der Geschäftsführer einer Stiftung, dass sie im Kampf gegen den Klimawandel nicht mehr beiseite stehen wolle. Das jedenfalls sei die erklärte Auffassung des Vorstandes. Dieser habe beschlossen, die Stiftung solle im nächsten Geschäftsjahr als alleiniges Projekt eine Solarstromanlage für die örtliche Hochschule bauen und betreiben, ausgeführt in einer Größe, die das Anliegen des Klimaschutzes für jeden weit sichtbar zeige. Schließlich verfolge die Stiftung den satzungsmäßigen Zweck, Wissenschaft, Forschung und Lehre an dieser Hochschule zu fördern. Studierende sollten in einem Wettbewerb um Gestaltungsvorschläge ringen, nach dem Besuch von Seminaren zur Fotovoltaik bei der Inbetriebnahme helfen und die Anlage zum Gegenstand ihrer Abschlussarbeiten machen. Der erzeugte Strom solle in das Netz des Energieversorgers eingespeist werden. Nach der ersten Euphorie wären ihm aber, fuhr der Geschäftsführer fort, Bedenken gekommen, weil die Stiftung bisher nur Stipendien vergeben und Zuschüsse an die Hochschulbibliothek vergeben habe. Die Erzeugung und der Verkauf von Strom seien zudem sicher kein gemeinnütziger Zweck. In der Tat handelt es sich bei Stromerzeugung und -verkauf in der geplanten Dimension um einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, der steuerpflichtig ist. Ein steuerbegünstiger Zweckbetrieb kann Sonderausgabe 2012 nur vorliegen, wenn die Anlage nicht größer ist, als es für Lehr- und

Zwar wurde die Spende zu einem Zeitpunkt geleistet, zu dem § 9 Abs. 1 Nr. 2 KStG noch eine Beschränkung des Sonderausgabenabzugs auf Zuwendungen an inländische Zuwendungsempfänger vorsah. Die Neuregelung findet aber gem. § 34 Abs. 8 lit. A S. 5 KStG in allen Fällen Anwendung, in denen die KSt noch nicht bestandskräftig festgesetzt wurde. Das FG prüft anhand der von der Klägerin vorgelegten Unterlagen, insbesondere der Satzung und des Internetauftritts der Vereinigung, ob die Vereinigung die Voraussetzungen der §§ 51 bis 68 AO erfüllt und daher mit inländischen Einkünften gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 i.V.m. § 5 Abs. 2 Nr. 2 KStG steuerbefreit wäre. Es betont ausdrücklich, dass dabei keine streng formalen Anforderungen zu stellen sind, sondern es vielmehr darauf ankommt, dass die materiellen Anforderungen dieser Bestimmungen durch die ausländische Körperschaft erfüllt werden. Die erste Hürde für ausländische Körperschaften, der mit dem JahressteuerG 2009 in § 51 Abs. 2 AO eingeführte strukturelle Inlandsbezug der Förderung, spielt im vorliegenden Fall keine Rolle, weil die Neufassung des § 51 AO nur auf Lebenssachverhalte anzuwenden ist, die nach dem 31.12.2008 verwirklicht wurden. Nach der ständigen Rechtssprechung des BFH konnten bis zu diesem Zeitpunkt steuerbegünstigte Zwecke sowohl im In- als auch im Ausland verwirklicht werden. Nach ihrer Satzung verwirklicht die Vereinigung nach den Feststellungen des FG sowohl gemeinnützige Zwecke i.S.v. § 52 AO als auch kirchliche Zwecke i.S.v. § 54

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Demonstrationszwecke nötig ist. So ist das Vorhaben durchaus problematisch, denn Bau und Betrieb der Fotovoltaikanlage stellen die einzige Tätigkeit der Stiftung im Geschäftsjahr dar. Die Stiftung verfolgt dann in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke und handelt insofern nicht mehr selbstlos im Sinne des § 55 AO. Zwar hat die Finanzverwaltung inzwischen die sog. Geprägetheorie aufgegeben [vgl. S&S RS 1/2012, S. 5]. Sie nimmt daher keine steuerschädliche Mittelfehlverwendung mehr an, wenn die wirtschaftliche Betätigung um des steuerbegünstigten Zwecks willen erfolgt. Bei der Umsetzung des Vorstandsbeschlusses würde die Stiftung gegen den Ausschließlichkeitsgrundsatz verstoßen, da sie ihre Tätigkeit nicht auf die Erreichung ihres Satzungszwecks ausgerichtet hat. Wissenschaft, Forschung und Lehre an der Hochschule werden nämlich durch das Projekt gerade nicht gefördert. Der Wettbewerb und auch die Begleitstudien wären auch ohne Bau und Betrieb der Anlage möglich gewesen Die Initiative, Klimaschutz und erneuerbare Energien voranzubringen, tröstete ich meinen Gesprächspartner, ist wirklich gut gemeint. Aber das ist hier, wie so oft, das Gegenteil von gut gemacht. Noch Fragen? Ihr Philanthropicus [email protected]

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Recht & Steuern

AO. Dass die Voraussetzungen der Selbstlosigkeit i.S.v. § 55 AO, der Ausschließlichkeit, i.S.v. § 56AO und der Unmittelbar i.S.v. § 57 AO gegeben waren, entnahm das FG ebenfalls der Satzung, sonstigen vorgelegten Unterlagen und dem Parteivorbringen. Für die formale Satzungsmäßigkeit sah es das FG als ausreichend an, dass aufgrund der Satzungsinhalte eine materielle Vergleichbarkeit mit der gem. § 60 Abs. 1 S. 2 AO gesetzlich vorgeschriebenen Mustersatzung gegeben war. Das Gericht betont in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass das ausschließliche Abstellen auf eine formale Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Mustersatzung unter Berücksichtigung der Stauffer- und Persche-Entscheidungen des EuGH (siehe S&S 1/2009 S. 39) zu einem Verstoß gegen den EG-rechtlichen Effektivitätsgrundsatz führen würde. Dies gilt auch im Hinblick auf die in § 61 Abs. 1 AO vorgeschriebene ausreichende Vermögensbindung. Wenn das ausländische Recht eine solche formelle satzungsmäßige Vermögensbindung nicht kennt, sind die Voraussetzungen an die Satzung als erfüllt anzusehen, wenn das Recht des Sitzstaates eine staatliche Vereinigungsaufsicht vorsieht, deren Aufgabe es u.a. ist, die ordnungsgemäße Verwendung der Vereinigungsmittel für die von der Vereinigung verfolgten Zwecke zu überprüfen. Dies ist nach den Feststellungen des FG aufgrund entsprechender Bestimmungen im italienischen Zivilgesetzbuch der Fall. Auch an den Nachweis, dass die tatsächliche Geschäftsführung der ausländischen Körperschaft auf die ausschließliche und unmittelbare Verwirklichung der satzungsmäßigen steuerbegünstigten Zwecke gerichtet ist, dürfen im Lichte der Grundfreiheiten des Unionsrechts keine überzogenen Anforderungen gestellt werden, so das FG, das in diesem Zusammenhang aus eingereichten Unterlagen und aufgrund des Internetauftrittes der Vereinigung „keinen vernünftigen Zweifel“ daran hat, dass die satzungsmäßigen Zwecke auch tatsächlich verfolgt werden – zumal die Ordnungsmäßigkeit der tatsächlichen Geschäftsführung auch von der italienischen staatlichen Vereinigungsaufsicht kontrolliert wird. Mit Italien besteht ein Amtshilfeabkommen und die Möglichkeit eines Informationsaustausches nach dem Doppelbesteuerungsabkommen mit Italien, so dass auch diese Voraussetzung erfüllt ist. Gem. § 50 EStDV können Zuwendungen nur abgezogen werden, wenn sie mit einer Zuwendungsbestätigung bescheinigt werden, die dem deutschen amtlichen Muster entspricht. Auch hier sieht es das FG aber als ausreichend an, dass die von der ausländischen Vereinigung ausgestellte Bestätigung über die Zuwendung materiell alle Angaben enthält, die nach deutschen Recht erforderlich sind. Die Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.

Anmerkung: Das Urteil relativiert in erfreulicher Weise die mit Schreiben des BMF vom 16.5.2011 IV C4 – S 2223/07/0005:008 (siehe S&S 3/2011 S. 45 f ) aufgestellten engen Grundsätze für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Auslandsspenden, in dem es nicht auf die formelle, sondern auf die materielle Erfüllung der Bestimmungen der §§ 51 bis 68 AO durch die ausländische Einrichtung abstellt. Eine wesentliche Hürde für den Sonderausgabenabzug für Spenden an EU-ausländische Einrichtungen wird aber nach wie vor der Nachweis des strukturellen Inlandsbezuges der Förderung dieser Einrichtungen sein, der durch das JahressteuerG 2009 in § 51 AO aufgenommen wurde und daher für den vorliegenden Fall keine Rolle spielte. Der strukturelle Inlandsbezug wird bei einer Förderung durch eine inländische Einrichtung im Ausland unterstellt (Indizwirkung). Er ist bei einer Förderung durch eine ausländische Einrichtung aber konkret nachzuweisen, was im vorliegenden Falle sicherlich schwierig geworden wäre.

Verwaltungsanweisungen 1. Umsatzsteuerfreiheit der Leistungen von Ballett- und Tanzschulen, Veröffentlichung des Urteils des BFH vom 24.1.2008, Änderung des USt-Anwendungserlasses, BMF, Schreiben vom 2.4.2012, IV D - 3 S 7179/07/10006, www. bundesfinanzministerium.de Gem. § 4 Nr. 21 Buchst. a Doppelbuchst. bb UStG sind die unmittelbar dem Schulund Bildungszweck dienenden Leistungen privater Schulen oder anderer allgemeinbildender oder berufsbildender Einrichtungen umsatzsteuerfrei, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie auf einen Beruf oder eine vor einer juristischen Person des öffentlichen Rechts (jPöR) abzulegenden Prüfung ordnungsgemäß vorbereiten. Gem. Artikel 132 Abs. 1 Buchst. i der Richtlinie 2006/112/EG, MwStSystRL (früher Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. I der Richtlinie 77/388/EWG) befreien die Mitgliedstaaten den Schul- und Hochschulunterricht durch Einrichtungen des öffentlichen Rechts, die mit solchen Aufgaben betraut sind, oder durch andere Einrichtungen mit von dem betreffenden Mitgliedstaat anerkannter vergleichbarer Zielsetzung von der Umsatzsteuer. Mit Urteil vom 24.1.2008, V R 3/05, hatte der BFH zu entscheiden, ob die Umsätze eines Ballett- und Tanzstudios, dem die zuständige Landesbehörde bescheinigt hatte, dass es ordnungsgemäß Kenntnisse und Fertigkeiten für den späteren Beruf vermittelt bzw. auf eine vor einer jPöR abzulegende Prüfung vorbereitet, umsatzsteuerfrei sind (siehe dazu S&S 4/2008 S. 42). Der BFH hatte den Begriff „Schul- und Hochschulunterricht“ auszulegen und dabei unter Berufung auf den EuGH festgestellt, dass sich dieser Begriff nicht auf den Unterricht beschränkt, der zu einer Abschlussprü-

fung zur Erlangung einer Qualifikation führt. Entscheidend sei vielmehr, ob vergleichbare Leistungen in Schulen erbracht werden, oder ob die erbrachten Leistungen der bloßen Feizeitgestaltung dienen. Dass tatsächlich nur ein geringer Teil der Schüler die Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Schule ablegte und eine weitere Berufsausbildung anstrebte, spielt in diesem Zusammenhang nach Auffassung des BFH keine Rolle, da es auf die Ziele der Personen, die die Einrichtung besuchen, im Zusammenhang mit der Steuerbefreiung nicht ankomme. Entscheidend sei, so der BFH, vielmehr nur die Art und Weise der erbrachten Leistung und ihre Eignung als Schul- oder Hochschulunterricht. Die Bescheinigung der zuständigen Landesbehörde, dass die Ballettschule auf eine vor einer jPöR abzulegende Prüfung vorbereitet, sei ein Indiz dafür, dass die Leistungen der Ballettschule nicht den Charakter einer bloßen Freizeitgestaltung haben. In Umsetzung dieses Urteils werden in Abschnitt 4.21.2 und 4 die umsatzsteuerfreien Leistungen von Ballett- und Tanzschulen konkretisiert. 2. Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 Nr. 25 UStG für individualpädagogische Maßnahmen; Wirkung der Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII; BMF, Schreiben vom 29.3.2012, IV D 3 – S 7183/11/10001, www.bundesfinanzministerium.de Nach § 4 Nr. 25 S. 1 UStG sind die Leistungen der Jugendhilfe nach § 2 Abs. 2 SGB VIII und die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII umsatzsteuerfrei, wenn sie von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe oder von einer anderen Einrichtung mit sozialem Charakter erbracht werden. Dies sind u.a. Einrichtungen, die für ihre Leistungen eine im SGB VIII geforderte Erlaubnis besitzen (§ 4 Nr. 25 S. 2 b aa UStG). Das Schreiben legt fest, dass die Betriebserlaubnis, die einer Jugendhilfeeinrichtung nach § 45 SGB VIII erteilt wurde, auch für Unternehmer gilt, die im Auftrag der Einrichtung eine sonstige Wohnform betreiben, in der Kinder oder Jugendliche betreut werden oder Unterkunft erhalten. Voraussetzung hierfür ist zum einen, dass die sonstige Wohnform organisatorisch mit der Jugendhilfeeinrichtung verbunden ist und als Teil der Einrichtung gilt und zum anderen, dass der die Wohnform betreibende Unternehmer in der Betriebserlaubnis der Jugendhilfeeinrichtung nach § 45 SGB VIII ausdrücklich aufgeführt ist. Abschnitt 4.25.1 Abs. 2 Nr. 2 a des UStAnwendungserlasses wird entsprechend ergänzt. Abkürzungen sind erklärt unter www.stiftung-sponsoring.de/top/service.html Für Sie recherchier t von Rechtsanwältin Evelin Manteuffel, Stifter verband für die Deutsche Wissenschaft, [email protected] stifterverband.de

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Echo & Dialog

B. Stephan Baldin Stiftungen sind eher kleinere Verbraucher von Energie und sind daher nicht wirklich marktrelevant. Stiftungen können aber konzeptionell und im Rahmen ihrer Projektportfolios aufklärerisch arbeiten.

Fritz Brickwedde Treibhausgasemissionen können sowohl durch technische Maßnahmen, Forschungsfortschritte, die Stärkung von Senken, die Kohlenstoff aufnehmen und speichern, als auch durch Projekte der Umweltkommunikation vermindert werden. In all diesen Feldern sind die über 1.000 Stiftungen, die sich mit dieser Thematik in Deutschland beschäftigen, engagiert. Im Arbeitskreis Umweltstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen wird die Vernetzung der einzelnen Aktivitäten diskutiert und optimiert.

Hans Fleisch Stiftungen können in fünf Bereichen aktiv werden: 1. kann jede Stiftung in der Organisation eigener Aktivitäten zum Klimaschutz beitragen: klimaneutrale Drucksachen und Veranstaltungen bzw. entsprechende Ausgleichsmaßnahmen, Bürostrom aus klimafreundlicher Produktion, fleischloses oder fleischarmes Catering usf.; 2. bieten sich in der Vermögensanlage Möglichkeiten, zumindest teilweise durch Investments in entsprechende Finanzprodukte – z.B. in Fonds von Bürgersolarkraftwerken – zu CO2-Einsparungen beizutragen; 3. kann eine Stiftung den Gedanken des Klimaschutzes popularisieren helfen, z.B. durch Hinweise auf die eigenen Bemühungen um Klimaschutz oder indem Partner zu entsprechendem Agieren ermutigt werden; 4. kann eine Stiftung in die satzungskonforme Verfolgung des Stiftungszwecks Klimaschutzziele integrieren; 5. kann sie sich als Themenanwalt betätigen, indem sie z.B. entsprechende Resolutionen unterstützt.

Bernhard Lorentz Vor allem eines: Sie können die spezifischen Stärken ihrer Unabhängigkeit einsetzen, um politischen Wandel zugunsten einer „Low Carbon“-Gesellschaft zu erreichen. Sie können durch ihre „convening power“ Menschen mit unterschiedlichen Interessenlagen zusammenbringen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sie können Forschungsprojekte initiieren, um Entscheidungsträgern solide Handlungsoptionen aufzuzeigen, und sie können bürgerschaftliches Engagement für Klimaschutz organisieren und unterstützen.

Hans Fleisch

Thorsten Müller Für diese Akteure der Zivilgesellschaft und Multiplikatoren eröffnen sich unzählige Möglichkeiten. Stiftungen können auch durch die gezielte Anlage ihres Stiftungskapitals Impulse setzen. Natürlich entbindet das nicht davon, sparsam mit Energie umzugehen und das Handeln klimaverträglich zu gestalten.

Lutz Spandau Stiftungen bringen sich bereits aktiv in den Schutz des Klimas ein. Ihre Aktivitäten sind mit dem Mut zu Neuem, der Zuversicht in die eigenen Stärken und einem verbindlichen Prozess der Überprüfung und Steuerung zu beschreiben. Stiftungen gestalten bereits heute den klimabezogenen Dialog der Gesellschaft mit. Eine Intensivierung ist gleichwohl notwendig.

Ralf Dunker Im Kern können Stiftungen auf drei Wegen für den Klimaschutz agieren: handelnd, erklärend und finanzierend. Innerhalb der Stiftungswelt handeln Organisationen schon lange explizit für den Natur- und Umweltschutz. Hier gilt: Wer die Natur wirksam schützt, der schützt auch das Klima. Dies ist insbesondere richtig für den Erhalt ausgesprochener Kohlenstoffsenken – naturnahe Wälder, Moore, humusreiche Böden. Konkret erfolgt dies durch den Erwerb schützenswerter Räume, deren Monitoring oder die finanzielle Unterstützung derjenigen, die vor Ort wachen, erklären und erhalten. Daneben entstehen derzeit Stiftungen, die sich dem technischen Klimaschutz verschreiben, indem sie einen Beitrag für die Energiewende leisten. Sie suchen nach Wegen, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, indem sie der Politik die Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen anbieten, Wege zur Beteiligung der Bürger oder zur räumlichen Steuerung der Erneuerbaren aufzeigen und in der Öffentlichkeit erklärend um deren Akzeptanz werben. An all diesen Aktivitäten zum Klimaschutz können sich solche Stiftungen finanziell beteiligen, deren Stiftungszweck dies gestattet.

Er nutzt alle fünf Möglichkeiten. Zudem unterstützt er Stiftungen bei ihrem Bemühen um Klimaschutz, etwa durch Veröffentlichungen wie den StiftungsReport 2011/12 zu diesem Thema. Wir wollen bis 2015 ein klimaneutraler Verband werden und gehen dabei schrittweise vor. Aktuell haben wir die Fenster in der Bundesgeschäftsstelle austauschen lassen, um Energie zu sparen.

B. Stephan Baldin Die Aachener Stiftung ist auf nationaler Ebene zum Thema Ressourceneffizienz tätig. Wir sind hier bei der eigentlichen Ursache des Klimaproblems, denn Ressourcenschutz ist Klimaschutz. Nur wenn die gewaltigen Massenströme verringert werden können, geht Energieverbrauch dauerhaft zurück. Daher ist es zu kurz gesprungen, nur bei Energieeffizienz anzusetzen. Die Aachener Stiftung unterhält Informationsportale im Web mit hohen Seitenaufrufen wie das Nachhaltigkeitslexikon www.nachhaltigkeit.info oder www.faktor-x.info. Sie initiiert regionale Projekte zum Ressourcenschutz und fördert die für eine Diskussion der Klimaentwicklung notwendige lange Sicht mithilfe von Szenarienprozessen. Um sicher wirkende Politikansätze voran zu bringen, propagiert die Stiftung mit der CO2-Card einen persönlichen Emissionshandel. Für den Fall, dass die derzeitige Politik wie erwartet nicht die angestrebte Emissionsminderung bewirken kann, stellt er einen Plan B dar.

Was tut die von Ihnen vertretene einrichtung für den Klimaschutz?

Was können Stiftungen für den Klimaschutz tun?

Wie halten Sie selbst es mit dem Klimaschutz?

B. Stephan Baldin ist Vorstand der Aachener Stiftung Kathy Beys, [email protected], www.aachener-stiftung.de Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde ist Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), [email protected], www.dbu.de Ralf Dunker ist Referent Kommunen & Verbände der 100 prozent erneuerbar stiftung; [email protected], www.100-prozent-erneuerbar.de Prof. Dr. Hans Fleisch ist Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, [email protected], www.stiftungen.org Prof. Dr. Bernhard Lorentz ist Geschäftsführer der Stiftung Mercator, [email protected], www.stiftung-mercator.de Thorsten Müller ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Umweltenergierecht, [email protected], www.stiftung-umweltenergierecht.de Dr. Lutz Spandau ist Vorstand der Allianz Umweltstiftung, [email protected], www.allianz-umweltstiftung.de

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Echo & Dialog

Ralf Dunker Bernhard Lorentz

Thorsten Müller Der Klimaschutz war Anlass für die Gründung der Stiftung Umweltenergierecht. Zur Begrenzung des Klimawandels müssen wir den Energieverbrauch reduzieren und die Versorgung auf Erneuerbare Energien umstellen. Dazu braucht es einen tiefgreifenden Transformationsprozess, für den alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden müssen. Der rechtliche Rahmen der Energienutzung muss neu ausgerichtet werden, um diesen Prozess zu initiieren und zu unterstützen. Hier setzt unsere Forschung an: Wie kann und muss sich das Recht in Deutschland und Europa ändern, damit Klimaschutz effizient und effektiv gelingt? In verschiedenen Forschungsvorhaben entwickeln wir als Teil eines interdisziplinären Wissenschaftsnetzwerks neue Regelungsansätze für eine nachhaltige Energieversorgung.

Lutz Spandau Die Allianz Umweltstiftung hat sich bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1990 in zahlreichen Projekten mit dem Klimaschutz befasst, wie folgende Auswahl zeigt: ƒƒ Über das Projekt „Solar – na klar“ wurden über 100 Schulen mit Solaranlagen ausgestattet. ƒƒ Auf der mit Hilfe der Allianz Umweltstiftung gebauten Solarfähre Helio, die auf dem Bodensee fährt, kann man viel Interessantes über die Nutzung der Solarenergie erfahren. ƒƒ Umweltausstellungen informieren über Klima, Klimaschutz, Energiesparen und Erneuerbare Energien. ƒƒ Um das aktive Klimaschutzengagement an Schulen zu unterstützen, wird seit 2009 jährlich der mit insgesamt 65.000 € dotierte „Deutschen Klimapreis der Allianz Umweltstiftung“ verliehen [s. in diesem Heft S. 49]. ƒƒ Auf Symposien sind Klimawandel, Klimaschutz und Erneuerbare Energien laufend Gegenstand der Diskussion.

Die 100 prozent erneuerbar stiftung entwickelt derzeit ein EEG-Vergütungsmodell, das dafür sorgt, die erneuerbaren Energietechniken räumlich besser zu verteilen, um teure Speicher und den Ausbau der Übertragungsnetze auf ein Mindestmaß zu begrenzen: mehr Windenergie in den Süden, mehr Photovoltaik in den Norden. Wir entwickeln mit Landkreisen übertragbare Konzepte, die für eine regionale Nutzung regional erzeugten Stroms sorgen, so dass sich die Bürger mit „ihrer“ erneuerbaren Energie identifizieren und sich für deren Ausbau, für Effizienz und Stromsparen vor Ort stark machen.

Fritz Brickwedde Die DBU hat seit 1991 im Klimaschutz über 3.700 Projekte mit ca. 540 Mio. € unterstützt. Deutschland ist Weltmeister im Export von Klimaschutztechnik. Voraussetzung dafür sind exzellente Forschung, Entwicklung und Innovation. Das betrifft Energieeffizienz und regenerative Energien ebenso wie die Biotechnologie. Durch den Schutz der Moore und der Wälder tragen wir dazu bei, dass CO2-Senken erhalten werden. Durch die Übernahme von 46.000 Hektar ehemaliger Militärflächen in das Eigentum der DBU wird das Nationale Naturerbe erhalten und als CO2-Speicher bewahrt. Engagiert sind wir auch in der Umweltkommunikation. Durch unsere Beratungskampagne „Haus sanieren – profitieren“, die wir gemeinsam mit über 10.000 Handwerkern durchführen, werden allein 675.000 Tonnen CO2 eingespart.

Fritz Brickwedde Wer sich wie ich für erneuerbare EnerIch stelle meinen Lebensstil auf den gien einsetzt, bezieht zu Hause echPrüfstand, gehe z.B. mehr zu Fuß, ten Ökostrom. Die Deutschlandreise fahre mehr Fahrrad, mache Urlaub ist eine Reise mit der Bahn, die Fahrt in Deutschland oder achte beim Eindurch Berlin eine Fahrt mit dem Fahrkaufen auf regionale, saisonale und rad oder dem ÖPNV. Ich bevorzuge umweltfreundliche Produkte. Produkte aus ökologischer Landwirtschaft und versuche, in meiner privaten Umgebung in diese Richtung zu Hans Fleisch wirken – ohne zu nerven.

Lutz Spandau Ich versuche, die oftmals sehr emotionalen und kontroversen Diskussionen zum Klimaschutz mit etwas mehr Gelassenheit, weniger Verkrampfung und mehr Sachkenntnis zu führen.

B. Stephan Baldin Privat heize ich mit Geothermie. Außerdem nutze ich seit Langem regionale Produkte mit kurzen Distributionswegen und damit geringeren Emissionen.

Im dienstlichen Bereich versuche ich, durch entsprechendes Engagement zum Klimaschutz beizutragen und durch eigenes Verhalten, z.B. durch Reisen per Bahn. Privat produzieren wir unseren Strom mit eigener Solaranlage, heizen mit Holz aus dem nachhaltig bewirtschafteten eigenen Wald, kaufen bevorzugt regionale Produkte usf. Und mein wesentliches Hobby, Kajakfahren, ist auch nicht besonders klimaschädlich.

Bernhard Lorentz Seit 2009 erfasst und publiziert die Stiftung Mercator detailliert ihren „CO2Fußabdruck“. Auf dieser Basis haben wir Maßnahmen ergriffen, durch die wir in zwei Jahren über 60 Tonnen CO2-Äquivalente vermeiden konnten. Nicht vermeidbare Emissionen kompensieren wir durch Erwerb von „Gold Standard“-Klimaschutzzertifikaten.

Thorsten Müller Ich führe mir immer wieder vor Augen, dass wir alle als Verbraucher letztlich ursächlich für den Klimawandel sind. Klimaschutz fängt bei uns selbst an und erfordert bewusste Entscheidungen, etwa beim Einkaufen oder in Mobilitätsfragen. Wenn ich meine Kinder betrachte, weiß ich, dass es sich lohnt, den inneren Schweinehund zu überwinden und nicht immer den vermeintlich bequemen Weg zu gehen.

Ralf Dunker Wer sich wie ich für erneuerbare Energien einsetzt, bezieht zu Hause echten Ökostrom. Die Deutschlandreise ist eine Reise mit der Bahn, die Fahrt durch Berlin eine Fahrt mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV. Ich bevorzuge Produkte aus ökologischer Landwirtschaft und versuche, in meiner privaten Umgebung in diese Richtung zu wirken – ohne zu nerven.

statements zum klimaschutz

Die Stiftung Mercator ist die einzige der großen deutschen Stiftungen, die einen strategischen Schwerpunkt Klimaschutz hat und ein klares politisches Ziel für die Verhinderung eines gefährlichen Klimawandels verfolgt. Wir zielen insofern immer auf eine Veränderung der Politk. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben wir dafür über 30 Mio. € investiert. Mit Projekten wie der „Agora Energiewende“ oder dem „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ ermöglichen wir es, durch Forschung und sektorenübergreifende Dialogprozesse zwischen Entscheidern und Multiplikatoren gangbare Wege in eine klimaschonende Zukunft aufzuzeigen und umzusetzen.

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Bücher & Aufsätze

Bücher & Aufsätze Wandel – beim Klima, beim Engagement

die Embacher neben Bundestag und Bundesrat stellt. Verhalten hat er am Ende formuliert: Deutschland, Du kannst es besser!

Wer erinnert sich noch an die „Stromrebellen“ aus Schönau im Schwarzwald? Ursula und Michael Sladek und ihre Unterstützer, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Kampf gegen die Energiekonzerne ein eigenes Stromnetz auf die Beine stellten und die inzwischen bundesweit „grünen“ Strom vertreiben. Sie sind ein Beispiel dafür, dass aus der Zivilgesellschaft heraus machtvolle Strukturen verändert werden können.

Optimistisch ist der Blick auf die Midlife-Boomer. So nennt Margaret Heckel, Autorin des Spiegel-Bestsellers „So regiert die Kanzlerin“, die Generation, die während des Babybooms Mitte der 1950er bis 1960er Jahre geboren wurde. Diese Menschen in der zweiten Lebenshälfte sind, wie die Autorin unter Berufung auf Forschungsergebnisse und anhand persönlicher Beobachtungen feststellt, gut ausgebildet, lernfähig und dynamisch. Sie sind bereit und in der Lage, aktiv ihr Leben, ihr Umfeld und die Politik mit zu gestalten [vgl. dazu Roth, Roland: Bürgermacht. Eine Streitschrift für mehr Partizipation, unter www.stiftung-sponsoring.de /organisation-finanzen/literaturtipps]. Insofern sind durch die Alterung der Gesellschaft nicht nur Schwierigkeiten zu erwarten, wie es oft heißt. Vielmehr dürften damit besondere Chancen verbunden sein. Die Midlife-Boomer haben die Mittel und die Zeit, Neues zu beginnen – auch und gerade für gesellschaftliche Aufgaben. Es sind „Menschen im besten Alter, die neue Wege erkunden“.

Sozialkapital Geben ist seliger denn nehmen; Stiften macht glücklich. Solche goldenen Worte verweisen auf einen Zusammenhang, den die kanadische Sozialpsychologin Elizabeth Dunn in mehreren Studien gefunden hat und wonach ein Zusammenhang zwischen persönlichem Glück und dem Weggeben von Geld besteht. Dieser Aspekt findet sich erstaunlicherweise nicht direkt unter vielen Faktoren für ein gesundes und langes Leben, die Howard Friedmann und Leslie Martin vorstellen. Sie haben diese in einer Analyse gewonnen, die auf eine der größten Langzeitstudien in der Geschichte der Psychologie, der Terman-Studie, zurückgeht, die der Erforschung der Hochbegabung gewidmet war. Im Ergebnis entlarven sie manche gängige Gesundheitsempfehlung als Mythos und setzen auf positive Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen – oder die Einbindung in ein tragfähiges soziales Umfeld. Und gerade dazu tragen Ehrenamtlichkeit und Großzügigkeit bei. Zahlreiche Beispiele und Checklisten sollen eine Selbstbeurteilung ermöglichen. Die Studie deutet darauf hin, dass „eine Gesellschaft mit gewissenhaften und zielorientierten Bürgern, die gut in ihr gesellschaftliches Umfeld integriert sind, mit großer Wahrscheinlichkeit eine Gesellschaft gesunder Menschen ist, die ein langes Leben führen“. Wie ganz ohne Geld gesellschaftlich wertvolle Wirkungen erzielt werden können, macht Dill deutlich. Danach kann eine Aufwertung und Nutzung von Sozialkapital wie Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Geschenkfreude, Gastfreundschaft und einfach Freundlichkeit zu Problemlösungen und Wohlstand führen. Der Autor stellt zunächst dar, was Sozialkapital eigentlich bedeutet, zeigt beispielhaft auf, wie manche Gemeinschaften ihre sozialen Werte nutzen und wo sie brachliegen. Er erläutert lebendig anhand vielfältiger Beispiele aus In- und Ausland, angereichert mit politischer Kritik und getragen vom Glauben an das Gute im Menschen, dass Sozialkapital messbar ist und legt dar, wie es angewandt werden kann. Insofern fügt sich das Buch über die aktuelle, kritische und pointierte Bestandsaufnahme der derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse ein in die gegenwärtige Diskussion um die Allmende, um gemeinschaftliches Eigentum [vgl. etwa zu Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, S&S 6/2011, S. 42], die durch die Nutzung des Internets eine neue praktische Aktualität erfährt. Es geht nicht zuletzt um die Vision einer nachhaltig orientierten und für möglichst viele Menschen gemeinsam lebenswerte Gesellschaft. Ein optimistisch stimmendes Buch. Die Krise der demokratischen Kultur in Deutschland, ist der Ausgangspunkt der aktuellen Publikation von Serge Embacher [vgl. auch S&S 1/2011, S. 38 f.]. Im Kapitel HABEN beschreibt er die Besorgnis erregenden Tendenzen der Gegenwart, die zum gegenwärtig feststellbaren Vertrauensverlust in Politik und Wirtschaft führen. Neue Impulse für eine bessere Politik sieht der Autor in der Mitwirkung durch die Akteure einer aktiven Bürgergesellschaft, die er im Kapitel SEIN vorstellt. Ihrem bürgerschaftlichen Engagement muss Raum gegeben WERDEN, damit die demokratischen Mechanismen wiederbelebt und der Solidarzusammenhang gestärkt werden kann. Dazu bedürfe es freilich eines neuen Gesellschaftsvertrages, durch den das Verhältnis von Staat und Bürgergesellschaft neu definiert wird. Zur Umsetzung findet sich eine Reihe von Anregungen, von einem motivierenden Zuwendungsrecht bis zur Einführung einer Bürgergesellschaftskammer,

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Um soziale Innovatoren [vgl. Schwerpunkt S&S 2/2012] geht es in der Publikation von Genesis Institut, dem Veranstalter des „VisionSummit“ [vgl. S&S 2/2012, S. 30  f.], und Vodafone Stiftung Deutschland. Porträtiert sind hier 25 „Menschen, die sich dafür einsetzen, die Welt ein Stück weit zu verändern“, Changemaker genannt. In flott geschriebenen, knappen Beiträgen werden sie mit ihren praktischen Lösungen in den Innovationsfeldern Bildung, Umwelt, Jugend, Gesundheit, Arbeit und Integration vorgestellt. Bemerkungen von Mark Speich [vgl. in diesem Heft S. 18] und Peter Spiegel führen in den Band ein, der „Impact Guide“ mit Empfehlungen zum persönlichen Engagement beschließt ihn. Ein Navigationssystem mit wichtigen Adressen und Hinweisen sowie ein kurzes Vokabularium erleichtern den theoretischen und praktischen Einstieg in die Materie. Ganz in eine ähnliche Richtung ging schon einige Zeit vorher die Porträtsammlung über Moralmacher von Brand u.a. In Reaktion auf das gescheiterte unbedingte Wachstumsdogma der globalen Wirtschaftselite werden Manager vorgestellt, die auf Nachhaltigkeit setzen statt auf schnelle Renditen, die langfristigen Erfolg für das ganze Unternehmen über kurzfristigen Shareholder-Value stellen. Nach einem flott geschriebenen einführenden Teil finden sich aus Interviews entstandene Porträts von rund einem Dutzend Unternehmer, die die neuen ethischen und sozialen Ansprüche beispielhaft verwirklichen, von Götz W. Werner [Gespräch in S&S 3/2009, S. 6-8] über Wolfgang Huber, Stephan A. Jansen bis hin zu Andreas W. Korth [4/2009, S. 30-33] und Claudia Langer. Ein Pionierprojekt sozialer Innovation betrifft die Bildung. Am Beispiel der Evangelischen Gemeinschaftsschule in Berlin zeigen deren Leiterin Margret Rasfeld und Peter Spiegel [vgl. zu seinem Buch „Eine bessere Welt unternehmen“ S&S 6/2011, S. 42], wie Schule neu erfunden werden kann. Die Schüler übernehmen an dieser Modellschule Verantwortung für sich selbst und für die Gesellschaft, in inner- wie außerschulischen Projekten. Gelernt wird in altersübergreifenden Teams, im eigenen Tempo und gegenseitig (Peer Learning). Drei Säulen tragen das Konzept: Lernen zu handeln, Lernen, Wissen zu erwerben und Lernen, zusammen zu leben. Die Schüler sind motiviert, die Lehrer engagiert und die Eltern werden von Anfang an einbezogen. Das verdeutlichen auch die zahlreichen Zitate, die im Text optisch abgesetzt eingestreut sind. Die lebendige und anschauliche Darstellung enthält Tipps und – für motivierte Nachahmer – kleine Notizfelder für den eigenen EduAction-Plan. So soll Mut gemacht werden für die Bildungsrevolution in Deutschland. Hirnforscher Gerald Hüther beurteilt die Publikation wie folgt: „Schule geht auch anders. In diesem Buch erfahren Sie, wie sie gelingen kann“. Einsichten und eine umfangreiche Übersicht der neuesten Entwicklungen im sozialen Sektor vermittelt der Trendreport, der

Service & Aufsätze Aktuelles Bücher

Bücher & Aufsätze jetzt erstmals von betterplace.lab, der Forschungsabteilung der Spendenplattform betterplace.org, erarbeitet wurde. Joana Breidenbach und Dennis Buchmann zeigen hier anhand von Fällen („Cases“), wie digitale Anwendungen über Internet und Mobilfunk die Welt gemeinnützigen Handelns verändern („Trends“). Sie stellen innovative Websites, Programme und Anwendungen vor, die das Potenzial haben, die Arbeitsweise von NPOs wirksamer zu machen. Analysen („Insights“) runden die anregende und kenntnisreiche Darstellung ab. Der eigentümliche Thermochromumschlag zeigt symbolisch auf, welches Erkenntnispotenzial die Benutzung des Buches haben kann. Und dieses liegt bei den Mittlerorganisationen ebenso wie bei Gebern und Begünstigten. Immer aktuell und um derzeit mehr als 200 weitere Fälle erweitert lässt sich der Trendreport online abrufen unter www.trendreport. betterplace-lab.org. Am Ende steht die Frage, ob eine App die Welt retten wird. Wohl kaum, lautet die Antwort. Aber es kommt darauf an, die Möglichkeiten zu nutzen, die in der Transformation durch die digitalen Medien für die zivilgesellschaftlichen Akteure liegen. Friedmann, Howard / Martin, Leslie: Die Long-Life Formel. Die wahren Gründe für ein langes und glückliches Leben. Weinheim (Beltz) 2012 (318 S.) 19,95 € (ISBN 978-3-407-85939-6)

Werte stiften im Abonnement Wenn Sie das Magazin „Werte stiften“ abonnieren möchten, senden Sie uns bitte untenstehendes Formular ausgefüllt per Post an: Bühring und Weisner Verlagsgesellschaft GbR, Bayreuther Straße 1, 91054 Erlangen oder per Telefax: 09131.5302089. Oder abonnieren Sie „Werte stiften“ über unsere Homepage unter www.werte-stiften.de.

Werte stiften Magazin für Stifter, Stiftung en und engagierte Mensch en

MädchenLeben – anders

Fotoausstellung des Kinderhilfswerks Plan Deutschl and

Ehrenpreis für Kinderrechte

UNICEF ehrt Harry Belafont e

Authentisch bleiben

Über das soziale Engagem ent von Prominenten

Begleitung für Frühgeb orene

und ihre Eltern

Embacher, Serge: Baustelle Demokratie. Die Bürgergesellschaft revolutioniert unser Land. Hamburg (Körber-Stiftung) 2012 (220 S.) 16 € (ISBN 978-3-89684-090-5)

Hiermit bestelle ich „Werte stiften“ für ein Jahr im Abonnement (vier Ausgaben pro Jahr) zum Jahrespreis von 22 Euro inkl. Versandkosten innerhalb Deutschlands. Wenn ich nicht bis spätestens vier Wochen vor Ablauf eines Jahres kündige, verlängert sich mein Abonnement automatisch um ein weiteres Jahr.

Heckel, Margaret: Die Midlife-Boomer. Warum es nie spannender war, älter zu werden. Hamburg (edition Körber-Stiftung) 2012 (218 S.) 18 € (ISBN 978-3-89684-091-2)

Empfänger:

Dill, Alexander: Gemeinsam sind wir reich. Wie Gemeinschaften ohne Geld Werte schaffen. München (Oekom) 2012 (204 S.) 14,95 € (ISBN 978-3-86581-288-9)

Genesis Institut for Social Innovation und Impact Strategies / Vodafone Stiftung Deutschland: Denk die Welt weiter. 25 Ideen, selbst die Zukunft zu gestalten. Berlin (Impact) 2012 (256 S.) 10 € (ISBN 978-3-7440-2000-1) Brand, Jobst-Ulrich / Elflein, Christoph / Pawlak, Carin / Ruzas, Stefan: Die Moralmacher. Erfolgreiche Manager mit Gewissen und was man von ihnen lernen kann. München (Redline) 2010 (213 S.) 22 € (ISBN 978-3-86881-268-8) Rasfeld, Margret / Spiegel, Peter: EduAction. Wir machen Schule. Hamburg (Murmann) 2012 (263 S.) 21,90  € (ISBN 978-3-86774181-1) Betterplace lab (Hrsg.): Trendreport 2012. Berlin (betterplace lab) 2012 (127 S.) Spende erbeten (ISBN 978-3-00-037868-3)

Bürgergesellschaft bringt Energiewende – und umgekehrt Welcher Bewusstseins- und Sinneswandel hinter der Energiewende steht, wird in dem Dialog deutlich, den Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, UNEP-Direktor und Vorsitzender der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung, und Ranga Yogeshwar, für seine Berichterstattung zum Unglück in Fukushima mit dem deutschen Fernsehpreis 2011 geehrter Fernsehmoderator und Wissenschaftsjournalist, führen. Sie sprechen über gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen und Risiken, die mit dem Atomausstieg und der Orientierung hin zu erneuerbaren Energien verbunden sind. Komplexe Zusammenhänge sind dabei gut verständlich dargelegt. Und es finden sich überzeugende Argumente, die sich in der Aussage verdichten, den deutschen Sonderweg zu gehen und sich persönlich für die damit verbundene Nachhaltigkeit einzusetzen. Denn letztlich kommt es für den Erfolg auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens an. Nichts weniger als einen Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte über den Zustand und die Entwicklung der Welt gibt die u.a. vom BUND herausgegebene Studie des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Die „Grüne Bibel“ (Christiane Grefe in DIE

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Bücher & Aufsätze

Bücher & Aufsätze ZEIT) wird inzwischen bereits als Standardwerk angesehen und liegt hier in vierter Auflage vor. Wissenschaftlich fundiert, politisch pointiert und handlungsorientiert wird hier zunächst auf der Grundlage krisenhafter Entwicklungen eine „ökologische Überschuldung“ festgestellt. Es folgt die Darstellung von Leitbildern für eine nachhaltige Entwicklung, die in Forderungen zum Kurswechsel münden, die an Politik, Wirtschaft und letztlich jeden einzelnen gerichtet sind. Ernüchtern fällt die Umsetzung in internationalen Übereinkünften aus. Am Ende bleiben Anregungen an die Bürger, sich in ihrem privaten Handeln nachhaltig auszurichten und damit auch politisch zu wirken. Ein klar strukturiertes und gut auch abschnittsweise lesbares Buch, das zum Nachdenken und Handeln anregt und dabei wertvolle Orientierung bietet. Auch das Jahrbuch Ökologie 2011, das von Altner u.a. herausgegeben wurde, möchte zur Klimadebatte beitragen. Dazu konzentrieren sich die Herausgeber zunächst auf die Problematik der großtechnischen Klimamanipulation (GeoEngineering), wie z.B. die Beeinflussung von Sonneneinstrahlung oder das Einfangen von Kohlenstoffdioxid, und stellen strukturiert Pro- und Contra-Argumente dazu vor. Es folgen skeptische Beiträge zur Klimapolitik sowie zu Perspektiven und Innovationen in den Bereichen Recht, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Kurzporträts von Vordenkern, Vorreitern und Umweltinstitutionen, u.a. der Stiftung Forum für Verantwortung oder der Initiative „Stiften für die Umwelt“ sowie Perspektiven ökologischer Trends beschließen das vielfältig angelegte Jahrbuch. Kritisch meldet sich der Ökonom Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts, in dieser gesellschaftlichen Debatte zu Wort. Sehr klar plädiert er für eine Klimapolitik, die rationale Entscheidungen trifft und nicht „Gefühle, Stimmungen und Träume“ als Ausdruck „einer neuen grünen Religiösität“ in den Vordergrund stellt. Er macht deutlich, dass die Umweltpolitik bislang überwiegend nachfrageorientiert ausgerichtet ist und dringend um einen Angebotsansatz zu ergänzen ist. Für illusorisch, kontraproduktiv und unverantwortlich teuer hält er den nationalen Alleingang Deutschlands in der Klimapolitik. Ein reduzierter Energieverbrauch führe nur dazu, dass andere Länder die Rohstoffe zu niedrigeren Preisen und somit in größerer Menge beziehen und somit bei einer Gesamtbetrachtung keineswegs Ressourcen geschont werden. Helfen können nur eine globale Strategie. Mit Hilfe von zahlreichen Abbildungen und Tabellen untermauert der Autor die volkswirtschaftlichen Argumente seiner erstmals 2008 veröffentlichten Analyse, die nach einer vollständigen Überarbeitung soeben in 3. Auflage als Taschenbuch für ein breites Publikum vorgelegt wurde. Dass er dabei gerne zuspitzt, hält er zu recht für sinnvoll, „um den für die geistige Durchdringung einer komplexen Materie nötigen Adrenalinspiegel beim Leser“ zu halten. Dass und wie sich die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft engagieren, zeigt das Porträt der Weltklimabewegung aus der Feder von Boese, der auch auf www.danielboese.de über die weltweite Bewegung bloggt. Der Titel „Wir sind jung und brauchen die Welt“ verdeutlicht das breite Einvernehmen einer relativ neuen dynamischen Bewegung gegen den Klimawandel. Das verwundert nicht, „denn sie sind es ja, die noch eine Zukunft zu verlieren haben“, wie Harald Welzer [vgl. dazu auch in diesem Heft, S. 28] in seinem Vorwort zum Buch feststellt, Zahlreiche Aktivistenporträts und Hintergrundartikel machen deutlich, wie die Aktivisten mit Hilfe von Facebook und Twitter, aber auch ganz persönlichen Handlungen die Menschen, darunter auch prominente Fürsprecher und Unternehmer, erreichen können. Vorgestellt werden 50 Jugendbewegungen und 25 einschlägige Websites. Durch die Macht der neuen Medien hat die Jugendbewegung einen erheblichen und global wirksamen Einfluss auf Politik und Wirtschaft, den regional tätige Umweltschutzorganisationen so bislang nicht erreichen könnten. Eine Zusammenstellung spannender Geschichten und wichtiger Informationen.

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Töpfer, Klaus / Yogeshwar, Ranga: Unsere Zukunft. Ein Gespräch über die Welt nach Fukushima. München (Beck) 2011 (234 S.) 19,95 € (ISBN 978-3-406-62922-8) Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland / Brot für die Welt / Evangelischer Entwicklungsdienst (Hrsg.): Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Frankfurt am Main (Fischer Taschenbuch) 4. Aufl. 2010 (656 S.) 14,95 € (ISBN 978-3-596-17892-6) Altner, Günter / Leitschuh, Heike / Michelsen, Gerd / Somonis, Udo E. / Weizsäcker, Ernst U. von (Hrsg.): Die Klima-Manipulateure. Rettet uns Politik oder Geo-Engineering? Jahrbuch Ökologie 2011. Stuttgart (S. Hirzel) 2010 (248 S.) 21,90 € (ISBN 978-3-77762110-4) Sinn, Hans-Werner: Das grüne Paradoxon. Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik. Berlin (Ullstein) 2012 (573 S.) 16,99 € (ISBN 978-3-548-37396-6) Boese, Daniel: Wir sind jung und brauchen die Welt. Wie die Generation Facebook den Planeten rettet. München (Oekom) 2011 (253 S.) 14,95 € (ISBN 978-3-86581-252-0 Grünes Geld Deml, Chefredakteur des ältesten Börsenmagazins zu ethischökologischen Geldanlagen „Öko-Invest“, und Blisse, der sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht intensiv mit Anlagemöglichkeiten für Stiftungen befasst hat [ZSt 6/2005, S. 140 ff.], haben ihr Handbuch erstmalig 1990 vorgelegt; inzwischen gilt es als Standardwerk. Die Autoren erheben selbst den Anspruch, eine der wenigen Publikationen verfasst zu haben, die unabhängig über die sog. grünen Geldanlagen informiert [vgl. aber S&S 4/2009, S. 53]; jedenfalls kommt ihnen das Verdienst zu, die Entwicklung eines Marktes für ökologisch orientierte Vermögensanlagen [vgl. S&S 6/2011, S. 8 ff.] aus der Nische in die Breite und Ausdifferenzierung intensiv begleitet zu haben. In der aktuellen Ausgabe werden aktuelle Ökoinvestprodukte, Anbieter und Berater auf aktuellem Stand vorgestellt und eingeschätzt. Auf einer sog. graugrünen Liste sind Anbieter genannt, die die Herausgabe von Informationen verweigert haben. Festverzinsliche bzw. sachwertbezogene Investments wie Plantagen und Immobilien wurden vertieft dargestellt – nicht zuletzt wegen der aktuellen Situation auf den Märkten. Ein Kapitel ist „Stiftungen, Spenden und Sponsoring“ (S. 268-284) gewidmet, die sich diesem Bereich in besonderer Weise widmen. Zahlreiche Kontaktadressen und das Namensregister verstärken die Praxis-tauglichkeit des hilfreichen Nachschlagewerks. Deml, Max / Blisse, Holger: Grünes Geld. Das Handbuch für ethisch-ökologische Geldanlagen 2012/2012. Stuttgart (Hampp) 2011 (VII, 357 S.) 19,95 € (ISBN 978-3-942561-12-9)

HINWEIS Aufsätze und Bücher zum Themenkreis dieses Fachmagazins können gerne an die Redaktion gesandt werden; sie werden im Rahmen der Möglichkeiten in diese Rubrik aufgenommen. Die bibliografischen Angaben von „Bücher & Aufsätze“ sind im Internet abrufbar unter www.stiftung-sponsoring.de.

Für Sie zusammengestellt und kommentiert von Rechtsanwalt Dr. Christoph Mecking, Institut für Stiftungsberatung, Berlin, [email protected]

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Service & Aktuelles

Nachrichten & Vermischtes Energiewende: „Euphorie verflogen“ Unter dem Motto: „Ein Jahr nach der Energiewende – zur Zukunft der Energieversorgung in Deutschland“ fanden am 4.5.2012 die 16. Benediktbeurer Gesprächen der Allianz Umweltstiftung statt. Vor über 400 Gästen, die in den Allianz Saal des alt-ehrwürdigen Klosters Benediktbeuern gekommen waren, referierten und diskutierten der ehem. Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer, der CEO der RWE Innogy GmbH und ehem. Hamburger Umweltsenator, Prof. Fritz Vahrenholt, der 1. Vorsitzende des BUND, Prof. Hubert Weiger, und der ehem. Vorstandsvorsitzende der EnBW, Prof. Utz Claassen, über die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende. „Die anfängliche Euphorie ist verflogen, Worte und Taten liegen weit auseinander, die Energiewende droht im Tagesgeschäft unterzugehen“, so Prof. Dieter Stolte, Kuratoriumsvorsitzender der Allianz Umweltstiftung, bei seiner Begrüßung. Auch Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Stiftung, attestiert der Energiewende einen schleppenden Start und sieht unmittelbaren Handlungsbedarf für jeden Bürger und jede Institution.

Klaus Töpfer, für den das im Mai 2011 beschlossene Gesetzespaket zur Energiewende ambitioniert, aber durchaus machbar ist, hält die bestehende Ministerialbürokratie zur Umsetzung der Energiewende allerdings für kaum geeignet. Vielmehr sei die Energiewende als industriell gemanagtes Projekt zu begreifen, sie müsse ein „Business Case“ werden. Vahrenholt warnt dagegen vor einer überhasteten Energiepolitik. Die Förderung der Erneuerbaren Energien führe zu einer Erhöhung der Energiekosten und damit zu Nachteilen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er plädiert stattdessen für einen vernünftigen Umbau unseres Energiesystems. Eine eher positive Bilanz der bisherigen Energiewende, die allerdings verlässliche Rahmenbedingungen benötige, zieht Hubert Weiger. Die Kürzung der Solarförderung habe hier viel Vertrauen verspielt. Nachholbedarf sieht er vor allem im Bereich des Energiesparens, insbesondere fordert er eine stärkere Information und Beteiligung der Bürger. Utz Claassen empfiehlt, bei der Ausgestaltung der Energiepolitik und Formulierung der Ziele den Blick auf die weltweit zu erwartende Energienachfrage, hier vor allem auf das aufstrebende China, zu richten. Zur Umsetzung der Energiewen-

de hält er ein nationales Energieministerium für notwendig.

(v.l.n.r): Prof. Fritz Vahrenholt, Prof. Utz Claassen, Prof. Dieter Stolte, Prof. Hubert Weiger und Dr. Lutz Spandau

In der abschließenden Diskussion standen vor allem die Kosten der Energiewende für Wirtschaft und Verbraucher im Vordergrund. Das Menetekel „unbezahlbare Preise für den Endverbraucher“ ist nach Ansicht der Experten nicht zu befürchten. www.umweltstiftung.allianz.de/aktuelles/ news/bb12/index.html Immer aktuell im Internet www.stiftung-sponsoring.de

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Service & Aktuelles

Nachrichten & Vermischtes Jugend forscht-Alumni diskutierten mit Experten über Klimaschutz Im Rahmen des PerspektivForums „Mehr als nur Klimaschutz – Energieeffizienz als globaler Wettbewerbsvorteil Deutschlands“ diskutierten Ende März 20 Alumni des Bundeswettbewerbs Jugend forscht dieses aktuelle Thema im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Experten aus den Branchen Umwelttechnik und erneuerbare Energien.

derzeit noch im Studium befinden, zu fördern und sie in ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen, erklärt Dr. Sven Baszio, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Jugend forscht e.V. Bei der Veranstaltungsreihe tauschten sich Fachleute von heute mit den Experten von morgen über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und Zukunftsfragen aus. Die Alumni erhielten zudem die Chance, Kontakte zu knüpfen, die sie für Studium und Beruf nutzen können. www.jugend-forscht.de Nutzgärten in der postfossilen Stadt Ob in Berlin, Leipzig oder München, Zürich oder New York: Überall entwickeln sich neue Formen urbaner Landwirtschaft – Interkulturelle Gärten, Community Gardens, City Farms, Nachbarschaftsgärten, Kinderbauernhöfe oder auch Guerilla Gardening. Das Gärtnern schafft einen Rahmen für städtische Naturerfahrung, für Selbermachen, für Begegnung und Gemeinschaft und ermöglicht auch weitergehendes Engagement für den Stadtteil. Brachen werden entmüllt und bepflanzt, praktische Lernorte für Kinder entstehen, und neue Impulse für Kulturen der Teilhabe bereichern das Zusammenleben in der Stadt.

„Der Klimaschutz ist eine der größten globalen Herausforderungen der Menschheit“, sagt DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, der Deutschland sowohl in wissenschaftlich-technischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht als Vorreiter auf diesem Gebiet sieht. Nach der Roland-Berger-Studie „Green-Tech made in Germany 2.0“ wird der Umsatz der Umwelttechnikbranchen in Deutschland von 150 Mrd.  € in 2005 auf rund 470 Mrd. € in 2020 steigen. Im Natur- und Umweltschutz seien in Deutschland insgesamt mehr als 1,8 Mio. Menschen beschäftigt, davon allein 370.000 Arbeitnehmer in den erneuerbaren Energien. Ziel des PerspektivForums sei es, die ehemaligen Wettbewerbsteilnehmer, die sich

Die ökologische Bedeutung des Anbaus von Local Food und der Sensibilisierung für nahräumliche Lebensqualitäten liegt auf der Hand. Zugleich aber gehen postfossile Handlungsstrategien weit über eine verbesserte Klimabilanz hinaus: Auch im sozialen Sinne setzen sie neue Impulse, verflüssigen Grenzen und inspirieren einen neuen gesellschaftlichen Umgang mit der Natur. Urbane Landwirtschaft ist ein wichtiges Handlungsfeld, um Beiträge für eine ökologisch und sozial verträgliche Ökonomie und Gesellschaft zu leisten. Deshalb vernetzt, fördert und erforscht die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis die vielfältigen Formen des gemeinschaftlichen Gärtnerns und andere Praxen des Selbermachens. Sie

bringt innovative Akteure zusammen und kooperiert mit ihnen. www.anstiftung-ertomis.de 8. Deutsches CSR-Forum zur Nachhaltigkeit Am 17. und 18.4.2012 fand in Stuttgart das 8. Deutsche CSR-Forum statt. Unter Mitwirkung hochkarätiger Referenten wie Umweltminister Franz Untersteller, EUKommissar Günther Oettinger und Franz Fehrenbach diskutierten über zwei Tage lang ca. 550 Teilnehmer aus 20 Ländern über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, Nachhaltigkeitsstrategien und arbeiteten in Workshops an innovativen und zukunftsfähigen Lösungen für mehr Nachhaltigkeit. Die fünf Hauptthemen der Konferenz: Energiewende (Vorbild Deutschland), Nachhaltige Städte und Regionen (Nachhaltigkeit am Bau), Biodiversität (Win-Win-Situationen für Unternehmen und Umwelt), Mobilität der Zukunft (Die Suche nach nachhaltiger Mobilität) und Rio wird 20 (Blick voraus: Die Zukunft der nächsten 20 Jahre und Nachhaltige Verpackungskonzepte auf dem Prüfstand). Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Deutschen CSR-Preises 2012 an Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF, der die Ehrung aus den Händen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann entgegennahm. Kaum ein anderes deutsches Unternehmen habe gesellschaftliche Verantwortung so konsequent in seine strategischen Ziele aufgenommen wie die BASF, so die Jury. Insgesamt wurden sieben Unternehmen für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung ausgezeichnet. www.csrforum.eu/2012/index.html

Immer aktuell im Internet www.stiftung-sponsoring.de

Prinzessinnengärten bezeichnet einen mobilen Garten am Moritzplatz im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Es handelt sich um eine ehemalige Brache zwischen Prinzenstraße und Oranienstraße, die seit 2009 von engagierten Anwohnern in einen Nutzgarten für urbane Landwirtschaft umgewandelt wurde.

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Service & Aktuelles

Personen & Veränderungen Neuer Vorstand bei Greenpeace Energy Mit Wirkung zum 1.5.2012 hat der Aufsichtsrat der Energie-Genossenschaft Greenpeace Energy Susanne Grabler und Jörg Rohwedder als zusätzliche neue Vorstände berufen. Sie werden künftig zusammen mit Dr. Steffen Welzmiller, der seit 2007 dort Vorstandsmitglied ist, im Dreier-Vorstandsteam die Geschäfte von Greenpeace Energy leiten. Rohwedder, der auch zum Autorenkreis von Stiftung&Sponsoring zählt [s. S&S 1/2006, S. 10], wird bis zum 30.9.2012 noch weiterhin dem Vorstand der Bewegungsstiftung angehören, um einen guten Übergang auf eine Nachfolge zu gewährleisten

Der bisher für die Bereiche Energiewirtschaft, Privatkundenservice und Geschäftskundenvertrieb sowie IT zuständige Vorstand Rainer Weishaar wird sich zukünftig neuen Herausforderungen außerhalb von Greenpeace Energy stellen. Greenpeace Energy ist die größte bundesweite, unabhängige Energie-Genossenschaft in Deutschland. Das Unternehmen versorgt mehr als 110.000 Kunden, darunter rund 8.000 Geschäftskunden, mit sauberem Strom und dem neuartigen und ökologisch sinnvollen Gasprodukt proWindgas. Über das Tochterunternehmen Planet energy baut die Energie-Genossenschaft saubere Kraftwerke. Acht Windparks und drei Photovol-

Der Binding Waldpreis ist das traditionsreichste Engagement der Sophie und Karl Binding Stiftung. Seit 26 Jahren zeichnet die Stiftung damit Waldbesitzer und Forstbetriebe aus, die beispielhafte Leistungen erbringen und ihren Wald vorbildlich und nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit nutzen und pflegen. Am 10.5. wurde der mit 200.000 CHF dotierte Binding Waldpreis 2012 in Basel an die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen (FBG) verliehen.

Emilio Stöcklin, Präsident der Betriebskommission der FBG Am Blauen, links, und Dr. Dr. h.c. Bernhard Christ, Stiftungsratspräsident der Sophie und Karl Binding Stiftung, rechts, bei der Übergabe des Binding Waldpreises

Im Kern gehe es immer darum, Regeneration und Wertentwicklung, Mensch und Natur, Gegenwart und Zukunft in Einklang zu bringen, so Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Festredner und Leiter des Centre für Philanthropy Studies CEPS der Universität Basel [s. S&S RS 5/2010]. Die FBG erhalte den Preis in Anerkennung ihrer vorbildlichen Bewirtschaftung des Waldes als Produktionsort für den Rohstoff Holz, als Ort der biologischen Vielfalt und als Ort für die Freizeit- und Erholungsbedürfnisse, erläutert Georg Schoop, seit diesem Jahr Präsident des Kuratoriums für den Binding Waldpreis, die Entscheidung. Die FGB wird

taikanlagen mit zusammen 54 Megawatt Leistung sind in Betrieb. Immer aktuell im Internet www.stiftung-sponsoring.de

Preise & Auszeichnungen Höchstdotierter Umweltpreis der Schweiz vergeben

Das neue Vorstandsteam von Greenpeace Energy: Dr. Steffen Welzmiller, Susanne Grabler und Jörg Rohwedder

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einen Teil der Preissumme für eine Machbarkeitsstudie einer neuen HolzschnitzelHeizung im Kloster Mariastein einsetzen. Deutscher Klimapreis 2012 Am 5.6. wurden die fünf Hauptpreise des Deutschen Klimapreises 2012 im Allianz Forum am Pariser Platz in Berlin feierlich verliehen. Über 100 Schulen aus ganz Deutschland hatten sich um den zum vierten Mal ausgelobten und mit insgesamt 65.000 € dotierten Deutschen Klimapreis der Allianz Umweltstiftung 2012 beworben. Mit dem Deutschen Klimapreis will die Allianz Umweltstiftung das aktive Klimaschutz-Engagement von Schulen auszeichnen. Er wird jährlich verliehen und soll Schüler sowie Lehrer dazu motivieren, sich dem wichtigen Thema „Klimaschutz“ mit Spaß und positivem Engagement zu widmen. Der Deutsche Klimapreis der Allianz Umweltstiftung besteht aus fünf gleichwertigen Auszeichnungen, die mit jeweils 10.000 € dotiert sind. Zusätzlich erhalten alle Beiträge, die es in die Endrunde schaffen, einen Anerkennungspreis von jeweils 1.000 €. Auch diesmal kannte die Phantasie von Schülern und Schulen keine Grenzen. Theaterstücke, Kurzfilme und Plakataktionen zum Thema Klimawandel fanden sich ebenso unter den Einsendungen wie die Ausbildung von Energiespardetektiven oder die Installation von Solaranlagen. Auch Energiesparmaßnahmen an Schulgebäuden, Themenjahre zum Klimaschutz und Aktionstage zum Klimawandel waren eingereicht worden. „Vielfalt und Qualität der Projekte belegen die nach wie vor hohe Bedeutung des Themas Klimaschutz bei Schülerinnen und Schülern“, zeigt sich Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, begeistert von Art und Umfang der Wettbewerbsbeiträge.

Mit einem Kinderbuch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Die ehemalige Klasse R7a der Ganztagesschule Syke zeigt einen ungewöhnlichen Weg, Kinder und Jugendliche für den Schutz des Klimas zu sensibilisieren.

Träger der fünf Hauptpreise sind: die ehemalige 7. Klasse der Schule zur Lernförderung Elstertrebnitz (Sachsen) für ihre Aktivitäten zum Energiesparen, die Klima AG der Stadtteilschule Walddörfer aus Hamburg für die Umsetzung des schuleigenen Klimaschutzplans, die Solar-AG der WilhelmRaabe-Schule Lüneburg für ihr Projekt „Mit Solarenergie die Partnerschule in Tansania entwickeln“, das E-Ei-Team der Hauptschule Höhscheid Solingen für sein Projekt „Im E-Ei unterwegs – ultraleicht, elektrisch, emissionsfrei“ und das Team „Keep an eye on energy“ des Gymnasiums Steinhagen für seine zahlreichen Klimaschutzaktivitäten. Näheres unter http://umweltstiftung. allianz.de Für Sie recherchier t von R e c ht s anw ä l t in M a g da Weger, Institut für Stiftungsberatung, Verl, [email protected] stiftungsberatung.de

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Termine & Veranstaltungen Energiewende von unten Der Vision Summit vom 17.-19.5.2012 Wer begegnet den gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland mit kreativen Ideen? Es sind die Sozialunternehmer. Vor wenigen Jahren hierzulande als Typus noch so unbekannt, dass sich in Bornsteins bekannter Reportage „Die Welt verändern“ [vgl. S&S 3/2006, S. 42] kein einziges Beispiel fand, trafen sich jetzt 1.400 oft junge Engagierte in der Universität Potsdam. Unter der Leitung von Peter Spiegel [S&S 2/2012, S. 30-31] wurde den Teilnehmern beim diesjährigen Vision Summit unter der Leitidee „Denk die Welt weiter!“ ein Feuerwerk an Impulsen in über 20 Keynotes und 90 Workshops geboten. Diskutiert wurden die Perspektiven für den Durchbruch sozialer Innovationen in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Im Mittelpunkt stand die Bildungsfrage. Wie etwa können junge Menschen mit

sozialen, familiären und schulischen Problemen so gefördert werden, dass sie ihre Aussichten auf einen guten Schulabschluss und einen anschließenden Beruf, in dem sie als Teil der Gesellschaft wirksam sind, erhöhen? Nicht mehr und nicht weniger als eine Bildungsrevolution wollen die Innovatoren auslösen. Motivierend wirken schon bewährte Initiativen [vorgestellt etwa bei Genesis Institute/Vodafone Stiftung und Rasfeld/Spiegel, in diesem Heft S., 44]. Sie setzen vor allem auf die Entfaltung vorhandener Potenziale. Bearbeitet wurden aber auch ökologische Problemlagen. Besonders die Gefahren des Klimawandels setzen enorme Aktivitäten frei. David Bosshart (Gottfried Duttweiler Institut) etwa beschreibt den Wandel von der Wohlstandsgesellschaft mit ihrem rein quantitativen Wachstumsbegriff zu einer Gesellschaft, die von Kommunikation, Kooperation und quantitativem Wachstum geprägt ist. Hans Reitz (Grameen Creative Lab), Nicolas von Wilcke (Klares Licht Kampagne) oder Nancy Wimmer (Green Energy for a Billion Poor) zeigen Ansätze zu einer „Energiewende von unten“. Die im Rahmen des Vision Summit präsentierten Projekte und Ideen faszinieren. Und sie nutzen die Chancen, die moderne Kommunikationsinstrumente und soziale Medien bieten. Dennoch bleibt die Schwierigkeit, solche Initiativen nachhaltig umzusetzen und zu etablieren. So fehlt es oft schon an der Anfangsfinanzierung. Zwar bilden sich immer mehr Unterstützungs-

chancen heraus, wie ein neu aufgelegtes Matching-Grant-Programm der KfW, aus dem Sozialunternehmern Beteiligungskapital zur Verfügung gestellt wird. Dennoch wundert es, dass das Interesse bei Stiftungen noch sehr bescheiden ist. Sichtbar und aktiv waren beim Kongress nur wenige. Die Zurückhaltung mag freilich darin begründet sein, dass noch Unsicherheiten steuerlicher Art bestehen, bewegen sich Sozialunternehmen doch an dem schmalen Grat zwischen Gemeinnützigkeit und wirtschaftlicher Betätigung. Es dürfte sich aber in der Sache für die Stiftungen lohnen, auch in diesem Bereich Flagge zu zeigen und Fördermöglichkeiten zu gestalten. Stiftung&Sponsoring war Medienpartner dieser internationalen Leitkonferenz für Social Innovation, Social Entrepreneurship, Eco Business, Social Business und CSR. Ausgabe 2/2012 hat sich zuletzt schwerpunktmäßig mit der Thematik befasst. (Dr. Christoph Mecking, Chefredakteur, Berlin)

TERMIN

ORT

THEMA

VERANSTALTER / INFOS

12.06.2012

Stuttgart

Green Finance – Nachhaltig investieren

dokeo CSR-Akademie Fax 0711 722 0103 [email protected] www.csr-akademie.de

15.6.2012

Erscheinungstermin Stiftung&Sponsoring Ausgabe 3/2012 Schwerpunktthema: Schwierige Finanzlage: Reichen die Mittel?

20.-22.6.2012

Erfurt

Deutscher StiftungsTag 2012: Mit langem Atem – Stiftungen entwickeln nachhaltige Lösungen

Bundesverband Deutscher Stiftungen Tel. 030 897947 0 Fax 030 897947 31 www.Stiftungen.org/StiftungsTag

22.6.2012

Erfurt

Wege zur Nachhaltigkeit. Drei Ansätze für Ihre Stiftungsarbeit (Seminar im Rahmen des Deutschen StiftungsTages)

Deutsche StiftungsAkademie Tel. 0201 8401200 [email protected] www.stiftungsakademie.de

24.-29.6.2012

Ostritz-St. Marienthal

18. Sommerakademie der DBU: Energiewende zwischen Klimaschutz und Atomausstieg – Lösungen in die Umsetzung tragen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt [email protected] www.dbu.de/marienthal

3.7.2012

Stuttgart

Biodiversität als Teil des Nachhaltigkeits-Managements. Frosch, Biene und Co. – Was haben sie mit meinem Unternehmen zu tun?

dokeo CSR-Akademie Fax 0711 722 0103 [email protected] www.csr-akademie.de/kurs-biodiv

18.-20.10.2012

Raum Dresden

6. Rotwildsymposium – Hegegemeinschaften

Deutsche Wildtier Stiftung Tel. 040 73339-1876 Fax 040 7330278 [email protected] www.DeutscheWildtierStiftung.de www.Rothirsch.org

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Aktuelle Informationen und Trends rund um die Treuhandstiftung in einem Tagungsband Die Publikation zur Fachtagung „Die Treuhandstiftung – Ein Traditionsmodell mit Zukunft“, die am 19. April 2012 in Berlin zu Ehren und zum Abschied von Dr. Ambros Schindler stattfand, erscheint in Kürze mit Fachaufsätzen u.a. von:

Die Treuhandstiftu ung dstiftng eudellhamitnZuk EinD Trad ieitionTrsmo unft t ell mit Zukunf smod

Ein Tradition

· Prof. Dr. Freiherr Axel von Campenhausen · Prof. Dr. Stefan Geibel · Prof. Dr. Rainer Hüttemann · Dr. Ambros Schindler · Prof. Dr. Andreas Schlüter Ein kompakter Band, der in dieser Form erstmalig die Treuhandstiftung umfassend aus historischer, steuer- sowie zivilrechtlicher Sicht sowie im internationalen Vergleich betrachtet.

Direkt bestellen per Fax: (0201) 8401-255 Wir schicken Ihnen die Publikation direkt nach Erscheinen zu. Es entstehen Ihnen keine Kosten. Erscheinungstermin voraussichtlich Juli 2012.

Hiermit bestelle ich die Publikation „Die Treuhandstiftung – Ein Traditionsmodell mit Zukunft“. Bitte senden Sie diese an: Vorname/Name Institution Straße PLZ/Ort E-Mail/Telefon Datum

DSZ – Deutsches Stiftungszentrum GmbH im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft Barkhovenallee 1 · 45239 Essen [email protected] www.deutsches-stiftungszentrum.de

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Alternative Sachwertanlagen wie Investitionen in erneuerbare Energien sind eine sinnvolle Ergänzung des Portfolios einer Stiftung. Denn sie erzielen dauerhaft stabile, gut prognostizierbare Rückflüsse. Sie sind praktisch nicht mit traditionellen Kapitalanlagen korreliert, tragen zur Risikostreuung im Anlage-Portfolio bei und sind damit ein Beitrag zum langfristigen Kapitalerhalt und zur Erfüllung des Stiftungszwecks. Für die KGAL sind gemeinnützige Stiftungen und Familienstiftungen seit vielen Jahren wichtige Partner. Wir bieten individuelle Sachwertinvestments mit langfristigem Anlagehorizont, abgestimmt auf die Anforderungen des Gemeinnützigkeitsrechts. AA-Ratings bestätigen die hohe Qualität unserer Leistungen.

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