Studienreise des 81. Lehrgangs nach Athen

Studienreise des 81. Lehrgangs nach Athen

Studienreise des 81. Lehrgangs nach Athen Am Montag, den 15.05.2017 reisten die Studierenden des 81. Lehrgangs im Rahmen einer Studienreise nach Athen...

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Studienreise des 81. Lehrgangs nach Athen Am Montag, den 15.05.2017 reisten die Studierenden des 81. Lehrgangs im Rahmen einer Studienreise nach Athen. Für die nächsten 5 Tage war die in der Hauptstadt Griechenlands gelegene Unterbringung bestens für das bevorstehende Programm geeignet. Als erster Programmpunkt ging es Dienstag früh mit dem Bus nach Agios Nikolaos, Viotia zur Betriebsbesichtigung von Aluminium of Greece (www.alhellas.com), um im Gespräch mit den Führungskräften mehr über den Betrieb zu erfahren. Dort angekommen erhielten die Studierenden im Vorlesungsraum einen ausführlichen Vortrag über die Geschichte des Betriebs und die Bedingungen der Aluminiumproduktion. So hat das 1960 gegründete und 1966 in Betrieb genommene Unternehmen, das seiner Zeit die modernste Aluminiumfabrik Europas war, eine jährliche Produktionskapazität von 800.000 Tonnen Aluminiumoxid und 164.000 Tonnen Aluminium. Der für das Aluminium benötigte Rohstoff Bauxit wird in unmittelbarer Nähe der Region abgebaut. Das Unternehmen ist seit 1973 an der Athener Börse als Aktiengesellschaft gelistet und beschäftigt über 1000 Mitarbeiter.

Neben den Fakten über das Unternehmen erhielten die Studierenden auch Einblicke in die betriebsinternen Probleme, mit der sich Aluminium of Greece seit einigen Jahren befasst. Im Anschluss des Vortrags konnten die EAdAisten sowohl mit dem Betriebsrat als auch mit einem Vertreter der Arbeitgeberseite in die Diskussion gehen und kritische Fragen stellen. Besonders im Fokus der Diskussion lag die Minimierung der Produktionskosten und die Umsetzung der Mitbestimmung. Für eine ausführliche Besichtigung der Produktionsorte, Förderanlagen und Arbeitsbedingungen wurde den Studierenden mit dem Werksbus eine Fahrt über das 75 Hektar große Betriebsgelände ermöglicht. Die während der Führung erhaltenen Informationen bestätigten

die imposanten Eindrücke des riesigen Werkgeländes inmitten der malerischen Bergkulisse. Besonders beeindruckt hat die Erkenntnis, dass der Energiebedarf des Werks, den es durch eigene Kraftwerke deckt, 6 % des gesamten Bedarfs des Landes entspricht.

Auf dem Rückweg besuchten die Studierenden das Holocaust-Museum und die Gedenkstätte in Distomo. Dort erwartete sie ein Vortrag und ein Kurzvideo über das Massaker von Distomo, bei dem am 10.06.1944 das Dorf von Angehörigen einer SS-Kompanie als willkürliche „Vergeltungsmaßnahme“ überfallen wurde. Mit 218 ermordeten Menschen wurde fast das ganze Dorf ausgelöscht. Unter den Opfern befanden sich vor allem viele Frauen, Kinder und Alte (http://www.memorialmuseums.org). Am Mittwoch wurde ein 24-stündiger, landesweiter Generalstreik von den zwei größten Gewerkschaften Griechenlands ausgerufen. Hauptanlass des Streiks sind die vom Parlament geplanten Sparmaßnahmen in Folge der Staatsschuldenkrise, welche nun schon seit über 7 Jahren das Leben der Menschen bestimmt. Mit diesem Streik zeigten sich viele der Studierenden solidarisch und demonstrierten außerplanmäßig an diesem Tag in den Straßen von Athen. Am Donnerstagvormittag erwartete die Studierenden ein besonderer Programmpunkt. Sie waren zu Gast im Zentrum für Entwicklung der Bildungspolitik der GSEE (General Confederation of Greek Workers) für ein Treffen mit dem Vorstand. Die Europäische Akademie der Arbeit ist den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern in Griechenland keineswegs unbekannt. Sie schätzen das Bildungsangebot sehr und haben selbst

eine ähnliche Einrichtung ins Leben gerufen. Diese in Griechenland ebenso als Akademie der Arbeit bezeichnete Institution wurde 2005 gegründet und ist dort die höchste Ebene gewerkschaftlicher Bildung. Die Struktur der GSEE ähnelt in vielen Teilen der EAdA. Beispielsweise gibt es bei der GSEE ein vierstufiges gewerkschaftliches Bildungssystem. Dadurch können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden und damit auf die unterschiedlichen Wissensstände der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingegangen werden. Weiterhin gibt es sowohl dezentrale Bildungsangebote in den einzelnen Regionen Griechenlands als auch ein zentrales Angebot in Athen. Jedoch gibt es nicht die Möglichkeit der Unterbringung in Athen, daher gestaltet es sich momentan noch schwierig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die von außerhalb kommen, an dem zentralen Bildungsangebot teilhaben zu lassen.

Im Anschluss ging es zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Ansichten und Dimensionen der Wirtschaftskrise in Griechenland und Europa“ in das Amphitheater der GSEE. Unter den Rednern waren Stavros Zografakis (Professor für Makroökonomie, Landwirtschaftliche Betriebslehre, Produktionsökonomie und EU-Integrationswirtschaft an der Universität für Landwirtschaft in Athen), Nikos Mouzelis (Professor für Sozialwissenschaften an der London School of Economics in Athen und Vorsitzender des Forschungskomitees von KANAP GSEE), Nikos Fotopoulos (Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Westmakedonia und Forscher des KANAP GSEE), Vasilios Patsouratis (Professor für Wirtschaftslehre an der Universität für Wirtschaftswissenschaften in Athen) und Ioannis Kouzis (Professor für Sozialpolitik an der Panteion Universität in Athen).

Die Redner diskutierten und gingen dabei auf unterschiedliche Fragen zur Krisenentwicklung, Arbeitslosigkeit und zu Europa ein. Ein fester Lösungsansatz oder ein Konzept, wie man mit einer derzeitigen Situation umgeht, und welche Ansätze auf die Agenda gehören, kamen dabei nur wenig bis gar nicht zur Geltung. Zu viele Faktoren spielen bei den Problemen Griechenlands eine Rolle, so dass man auf internationale Hilfe und Solidarität angewiesen ist, so die Wissenschaftler. Am Nachmittag stand noch eine Stadtführung durch Athens Altstadt auf der Tagesordnung, wobei die Studierenden ihre neu gewonnenen wirtschaftspolitischen Erkenntnisse mit historischen Hintergrundinformationen des Landes in Zusammenhang bringen konnten. Der Besuch der Akropolis war hier selbstverständlich. Ein gemeinsames Essen mit griechischen Spezialitäten rundete den Donnerstag ab.

Am Freitag standen ein Treffen mit Führungskräften der sozialistischen linken SYRIZA Partei und eine anschließende Diskussionsrunde auf der Tagesordnung. Thematisch ein zentraler Punkt war die Arbeitspolitik der Partei. Einleitend gab es einen Vortrag über die Geschichte der Partei. Ursprünglich war SYRIZA (übersetzt: Koalition der Radikalen Linken) ein Wahlbündnis, welches sich aus verschiedenen linken, kommunistischen, ökosozialistischen, maoistischen und trotzkistischen Gruppierungen zusammensetzte. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen und aufgrund der steigenden Popularität wurde dieses Wahlbündnis 2012 in eine Partei umgewandelt. Bei dieser Wahl ging SYRIZA als zweitstärkste Partei hervor und 2015 gewannen sie schließlich die Wahlen als stärkste Kraft. Seither bilden sie eine Koalitionsregierung mit der rechtspopulistischen Partei Anexartiti Ellines / ANEL (übersetzt: Unabhängige Griechen). Ein Bestreben der Partei besteht in der Vereinigung der linken Kräfte

in Europa sowohl gegen den aktuellen Rechtsruck als auch gegen das Kapital. Nur vereint könne man eine Gegenmacht darstellen, und nicht klein zersplittert und zerstritten wie es aktuell der Fall ist, so ein Vertreter der Partei. Die anschließende Diskussionsrunde war geprägt von kritischen Nachfragen im Hinblick auf die Vereinbarkeit der parteipolitisch diametral orientierten Koalitionspartner, deren politische Ausrichtung und der Umgang mit der Staatsschuldenkrise. Mit Bezug auf die Krise des Landes argumentierten die Vertreter der Partei, dass ihnen von Seiten der EU die Hände gebunden seien. Der Spielraum, der ihnen bei der Ausübung ihrer Politik gelassen wird, sei kaum erwähnenswert. Im Anschluss des Treffens mit der SYRIZA ging es zum letzten gemeinsamen Programmpunkt des Aufenthaltes in Athen. Geplant war ein Treffen mit Michael Massourakis, Chefvolkswirt des Griechischen Industrie- und Unternehmerverbandes (SEV). Der SEV selbst feiert dieses Jahr seinen 110. Jahrestag, so dass man auf eine Menge Erfahrungen und Ideenvielfalt in Hinblick auf die noch immer andauernde Krise in Griechenland hoffen konnte. Die Informationen des SEV und die anschließende Diskussion waren allerdings recht ernüchternd. Die volkswirtschaftlichen Erkenntnisse und Statistiken zur Arbeitslosigkeit und der Schulden widersprachen zum Teil jenen, die die Studierenden bei den vorausgehenden Veranstaltungen gewinnen konnten. Teilweise konnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass man sich die Krise schön rechnet, um somit einen Aufschwung Griechenlands darzustellen. Themen wie soziale Gerechtigkeit, Gegenmaßnahmen zu der hohen Jugendarbeitslosigkeit und Mitbestimmung im Betrieb und in der Gesellschaft spielten, zumindest im Vortrag des SEVReferenten, keine Rolle. Am Samstag machten sich die 41 EAdAisten wieder auf den Rückweg nach Frankfurt. Alle waren dankbar, dass solch eine Studienreise mit anregenden und interessanten Eindrücken ermöglicht werden konnte. Von diesen wertvollen Erfahrungen werden alle sicher noch lange zehren.