Textilindustrie - Know Your Lifestyle

Textilindustrie - Know Your Lifestyle

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KNOW YOUR LIFESTYLE Nachhaltiger Konsum für junge Erwachsene im zweiten Bildungsweg

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globale güterproduktion in der textilbranche

Ein Projekt des DVV International in Kooperation mit:

Impressum © 2014 DVV International Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. Obere Wilhelmstraße 32, 53225 Bonn, Deutschland Tel.: +49 228 97569-0 / Fax: +49 0228 97569-55 [email protected] / www.dvv-international.de

Diese Publikation wurde finanziert aus Mitteln der Europäischen Union

kofinanziert durch ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des

Für die Inhalte dieser Publikation sind allein die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Die Beiträge stellen nicht notwendigerweise die Meinung des Herausgebers und der Redakteure dar. Die Vervielfältigung jeglicher Inhalte dieser Publikation ist erlaubt, vorausgesetzt die Quelle wird angegeben und eine Kopie wird DVV International zur Kenntnisnahme über die obige Adresse bereitgestellt. Herausgeber: DVV International (verantwortlich: Dr. Anton Markmiller, Institutsleiter) Herausgegeben in Kooperation mit

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über /www.dnb.de abrufbar. ISBN: 978-3-942755-20-7 Autor: BAOBAB – Globales Lernen (Wien, Österreich) Redaktion: Benjamin Hell (VHSKTN, Österreich) Leitender Redakteur: Wolf Henrik Poos (Projektreferent, DVV International) Corporate Design: DVV/DVV International Design (Cover): Torsten Hess, Agentur zur Linde, Neuwied (Deutschland) Layout: Tatjana Krischik, Köln (Deutschland) Druck: BRANDT GmbH, Bonn (Deutschland) Diese Publikation wurde klima-neutral und auf 100% Recycling-Papier gedruckt.

Inhaltsverzeichnis 2 Einleitung 2 Globales Lernen 3 Nachhaltiger Konsum 4 Das Projekt Know your Lifestyle

31 Kopiervorlage " Wer bekommt welchen Anteil am T-Shirt" 32 Leute machen Kleider 33 Kopiervorlage „NäherInnen“

5 Die Projektpartner

34 Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie

10 Informationen zu diesem Materialienband

35 Kopiervorlagen „Arbeitsbedin gungen in der Textilindustrie“

11 Projekttag zum Thema Textilien

40 TABU 41 Kopiervorlage TABU

12 Einstieg 12 Marken machen Leute

43 Was kann ich tun?

13 Mein Look: Logo oder No Logo!

43 Was kann ich tun?

14 Kopiervorlage „Mein Look“

43 And the winner is ...

15 Money makes the world go round

44 Kopiervorlage „Was kann ich tun?

16 Die Textilindustrie: zwischen

Gewinn und Verantwortung

16 Quiz zu Textilien 17 Kopiervorlage „Quiz zu Textilien“ 18 Weltreise meiner Jeans 19 Kopiervorlage "Weltreise meiner Jeans" 20 Die Produktion eines T-Shirts 21 Kopiervorlage "Die Produktion eines T-Shirts" 28 Gütesiegeldschungel 29 Kopiervorlage „Gütesiegel“ 30 Wer bekommt welchen Anteil am T-Shirt? 30 Arbeit – was ist das?

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46 My fair T-Shirt 47 Kopiervorlage "My fair T-Shirt"

I. Einleitung Im unserem Zeitalter der Globalisierung rückt die Welt näher zusammen. Und das Schlagwort der Globalisierung umfasst nicht nur den grenzenlosen Informations- und Kapitalfluss, sondern auch das Zusammenwachsen der Kulturen und eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft. Spätestens mit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 wurde deutlich, dass knapper werdende Ressourcen, wachsende Umweltprobleme und zunehmende Chancenungleichheit den gesamten Globus betreffen und daher alle Staaten aufgerufen sind, für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung Sorge zu tragen. So verpflichteten sich auch die Staaten der Europäischen Union den in Rio de Janeiro anerkannten grundlegenden Dimensionen einer global nachhaltigen Entwicklung: Umweltund Ressourcenschonung, Sozialverträglichkeit und ökonomische Tragfähigkeit. Dabei erkennen die Regierungen an, dass

ihre Gesellschaften sich in einem Lernprozess befinden, in dem alte Denkschemata von Entwicklung und Unterentwicklung ihre Gültigkeit verlieren und Bildung für nachhaltige Entwicklung einen wichtigen Stellenwert erhalten muss. Denn die universelle Verantwortung der Menschen auf der ganzen Welt für ein sozial- und umweltverträgliches Verhalten bedingt ein tiefergehendes Verständnis der Beziehungen zwischen den Verbrauchsstrukturen und der Endlichkeit der Energieressourcen, ebenso wie ein Verständnis der Verbindungen zwischen den Verbrauchsstrukturen in den Ländern der Nordhalbkugel und den Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ländern der Südhalbkugel.

Globales Lernen Globales Lernen ist eine mögliche pädagogische Antwort auf globale Entwicklungs- und Zukunftsfragen. Eine Antwort, welche auf dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung und den völkerrechtlich bindenden internationalen Menschenrechtsverträgen basiert. Bei diesem pädagogischen Konzept wird das Verständnis von weltweiten wirtschaftlichen, politischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen als Querschnittsaufgabe von Bildung betrachtet - ein Bildungskonzept, das alle Lernbereiche berührt. Zweck des Globalen Lernens ist es, Verständnis für die Probleme der modernen Welt und ihrer Konsequenzen sowohl lokal als auch global zu verstärken. Das Globale Lernen animiert zu einen Perspektivwechsel und einer Reflexion individueller Denkstrukturen und Verhalten. Dieses Lernen ist wichtig, weil es den Menschen hilft, ihre Rolle zu erkennen, sowie ihre individuelle und kollektive Verantwortung, die sie als aktive Mitglieder der globalen Gesellschaft beim Bestreben nach sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit für alle und Schutz und Wiederherstellung von Ökosystemen auf unserem Planeten haben. Es handelt sich hierbei um kein festumrissenes pädagogisches Programm, sondern vielmehr ein offenes, vorläufiges, facettenreiches Konzept zeitgemäßer Allgemeinbildung.

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Globales Lernen soll Spaß machen. Es setzt auf Methodenvielfalt und interaktives, partizipatives Lernen. Methodisch-didaktisch erfordert Globales Lernen Lehr- und Lernmethoden, die interdisziplinär, partizipativ sowie handlungs- und erfahrungsorientiert sind, denn Globales Lernen soll sowohl kognitive, wie auch soziale und praktische (Handlungs-) Kompetenzen fördern. Globales Lernen zielt also nicht auf ein bestimmtes Wissensgebiet, sondern auf den Erwerb von Schlüsselkompetenzen und Gestaltungskompetenzen, von denjenigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Menschen brauchen, um - heute und in Zukunft - in verantwortlicher und solidarischer und nachhaltiger Weise als Weltbürger zu leben („global denken – lokal handeln“). Die Kompetenzbereiche Erkennen, Bewerten und Handeln werden in ihren Wechselwirkungen miteinander gefördert. Dabei wird ein Bezug zur Lebenswelt der Lernenden hergestellt: Auch wenn immer achtsam mit der Frage nach den realistischen Handlungsmöglichkeiten einer einzelnen Person und der eigenen Handlungsmacht umgegangen werden muss, sollen Lernende in die Lage versetzt werden, ihre eigene Position in der Gesellschaft zu analysieren, eine eigene Meinung bilden zu können und sich aktiv am politischen Prozess zu beteiligen.

Nachhaltiger Konsum Auf die Globalisierung stoßen wir überall in unserem alltäglichen Leben, beginnend mit unserem T-Shirt aus Bangladesch, dem mit Bohnen aus Guatemala aufgebrühten Becher Kaffee bis hin zum Chip unseres Mobiltelefons, welcher ohne Coltan aus dem Kongo nicht funktionieren würde. Einkaufen kennt keinen Ladenschluss mehr, denn im Internet kann immer gekauft werden. Konsum vermittelt Erlebnis. Er sozialisiert, vermittelt Sinnangebote und gestaltet unsere moderne Lebensführung. Konsum ist Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen und individueller Umgangsweisen. Konsum erscheint mitunter so selbstverständlich wie essen, trinken, mobil sein oder arbeiten. Medien und Werbung beeinflussen unseren Konsum: Produkte, Musik oder auch Outfits stehen für Stilangebote. So wird das passende Lebensgefühl und die richtige Wahrnehmung durch Dritte über den Markt organisiert: über das Kaufen der "richtigen Produkte“. Oftmals sind damit auch soziale Anerkennung und Statusverbesserung verbunden. Und so kaufen wir alle letztendlich sogar Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Mit Blick auf eine stetig wachsende Weltbevölkerung und begrenzte Ressourcen auf unserer Erde stellt sich jedoch die Frage, wie zukünftig der Lebensbedarf allen von 9 Milliarden Menschen gedeckt und dabei auch die Partizipation aller sichergestellt werden kann. Allein der Konsum der privaten Haushalte ist in Europa für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen. Das bedeutet: Der Konsum von Produkten beeinflusst immer stärker sowohl die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen als auch den Zustand der Umwelt. In der Herstellung, im Konsum und im Gebrauch von Produkten liegt ein großes Potenzial zur Verringerung der Umweltbelastung und zur Verringerung globaler Ungerechtigkeiten. Es geht darum, dieses Potenzial zu erkennen und zu nutzen, eine Diskussion um unsere Lebensstile und um unsere Verantwortung auch beim Konsum zu führen. Selbstverständlich gibt es das Prinzip des „Konsumverzichts“. Hierbei steht im Zentrum die Überlegung, ob man wirklich ein neues Produkt benötigt, oder nicht das alte reparieren, ein gebrauchtes kaufen oder durch Upcycling aus einem alten ein

neues Produkt herstellen kann. Dem gegenüber steht das Konzept des Nachhaltigen Konsums (auch ökologischer oder ethischer Konsum). Jener ist Teil einer nachhaltigen Lebensweise und ein Verbraucherverhalten: Umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte zu kaufen kann politischen Einfluss auf globale Problemlagen ausüben, kann die ökonomischen, die ökologischen und die sozialen Kosten unseres Lebensstils minimieren. Bekanntes Beispiel für die globale Dimension von Kaufentscheidungen sind die Bemühungen zum fairen Handel. Verbraucher sollen etwas teurere Güter kleinerer Erzeuger aus Entwicklungsländern wählen und so gerechte Arbeitsbedingungen unterstützen. Auch sollen bei einer Kaufentscheidung vor allem die Betriebs- und Folgekosten eines Produktes beachtet werden und ausschlaggebend sein. Dies gilt für den späteren Energieverbrauch ebenso wie für die leichte Reparierbarkeit oder die Langlebigkeit der Produkte. Folgt man also dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung ist Konsum dann nachhaltig, wenn er den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden. Nachhaltiger Konsum reicht damit in unseren individuellen Lebensstil hinein. Der nachhaltige Konsument ist der ökologisch und sozial verantwortliche Bürger. Nachhaltiger Konsum bedeutet vor allem: bewusster Konsum, genauer hinzuschauen und eine eigene "Gesamtbilanz" im Auge zu haben. Nachhaltigkeit als ein Qualitätsmerkmal von Produkten sollte die selbstverständliche Leitidee für Verbraucherinnen und Verbraucher, aber ebenso für die Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung in Europa sein. Doch wie können wir gerade junge Menschen auf ihrem Weg in eine globalisierte oder „vernetzte“ Welt im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung vorbereiten und begleiten? Wie können wir ihnen Kenntnisse über lokale sowie globale Entwicklungen und Herausforderungen vermitteln? Wie können wir sie für zukunftsfähige Handlungsmöglichkeiten sensibilisieren? Das Projekt “Know your Lifestyle – Nachhaltiger Konsum für junge Erwachsene im 2. Bildungsweg“ möchte insbesondere jungen Erwachsenen die Möglichkeit bieten, über den Horizont ihres eigenen Lebensstils hinauszuschauen.

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II. Das Projekt „Know your Lifestyle“ Die Idee zum Projekt „Know your Lifestyle – Nachhaltiger Konsum für junge Erwachsene im 2. Bildungsweg“ basierte auf dem Umstand, dass Entwicklungspolitische Bildung und Themen der Globalisierung und Nachhaltigkeit praktisch nicht Gegenstand von Lehrplänen des 2. Bildungswegs in Europa sind. In Zusammenarbeit mit selbst im 2. Bildungsweg tätigen Lehrkräften und Nichtregierungsorganisationen, welche sich in Deutschland, Österreich, Estland und Slowenien im Bereich der Entwicklungspolitischen Bildungsarbeit engagieren, wurden die in dieser Publikation vorliegenden Unterrichtsmaterialien bzw. Projekttagsmodule zu verschiedenen Themen des Nachhaltigen Konsums am Beispiel der Erneuerbare Energien, Handy/Smartphone, Wasser und Globale Textilproduktion zusammengetragen oder entwickelt, um diese Lücke zu schließen. Arbeitstreffen mit Lehrkräften wurden veranstaltet. Erste Unterrichtskonzepte und Ideen wurden den Lehrkräften vorgestellt, Kritik und Informationen bezüglich der Charakteristika der Zielgruppe und der organisatorischen Rahmenbedingungen des 2. Bildungswegs eingeholt. Später wurden in allen Projektländern erste Fortbildungen in der Handhabung der Materialien für einen erweiterten Kreis von Lehrkräften durchgeführt. Diese Veranstaltungen sollten jene bereits befähigen, mit den Materialien zu arbeiten und auf Basis dieser Themen der Entwicklungspolitischen Bildung und Globalisierungszusammenhänge in ihrem Unterricht zu behandeln. So kam es in allen Projektländern auch zu einer Vielzahl von Projekttagsveranstaltungen in den Programmen des 2. Bildungswegs, im Zuge jener es dann möglich war, Rückmeldung der jungen Erwachsenen selbst zu erhalten. Wichtig war für uns, ob die Materialien im Unterricht anwendbar waren, ob sie für die Zielgruppe geeignet waren, ob Interesse seitens der Teilnehmenden an den behandelten Themen geweckt werden konnte und ob die Teilnehmenden Spaß an der Veranstaltung und an der Methodik hatten. Entsprechend der hier gemachten Erfahrungen wurden die Materialien dann weiter überarbeitet und optimiert. Ziel des Projektes ist es, jungen Menschen wie den Teilnehmenden von Programmen des 2. Bildungswegs die

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Zusammenhänge zwischen unserem persönlichen, lokalen Konsum in Europa und den daraus resultierenden globalen Auswirkungen zu verdeutlichen. Das Projekt gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sich kritisch mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen und nachhaltigere Handlungsalternativen zu entwickeln. Studierende des 2. Bildungswegs werden in ihrem Alltag nur selten mit entwicklungspolitischen Themen konfrontiert. Sie sind eine besondere Zielgruppe mit besonderen Lernbedürfnissen: Zumeist handelt es sich um junge Erwachsene mit Migrations- und/oder schwierigem sozialen Hintergrund, welche durch ihre Familien oftmals nur geringe Unterstützung für eine fundierte Ausbildung erfahren können. Doch stehen sie mit ihrem baldigen Eintritt ins Berufsleben voll im Leben. An Programmen des 2. Bildungswegs nehmen sie teil, um ihre Chancen hierfür zu verbessern. Mit der Entwicklung der hier vorliegenden Unterrichtsmaterialien wurde also versucht, einen innovativen pädagogischen Ansatz zur Diskussion von Nachhaltigem Konsum und Globalisierungsthemen mit Teilnehmenden von Programmen des 2. Bildungswegs zu entwickeln. Selbstverständlich wünschen wir uns, dass die Materialien auch unter vielen Akteuren in anderen Bereichen der Bildungsarbeit Anklang finden und dementsprechend auch in Zusammenarbeit mit anderen Zielgruppen zum Einsatz kommen werden. Unser Anspruch ist es nicht, die an solchen Veranstaltungen teilnehmenden Personen wie die jungen Erwachsenen zu gänzlich informierten und aufgeklärten Konsumenten/-innen zu erziehen. Die Veranstaltungen sollen den Teilnehmenden einen Anstoß geben, sich des Themas Nachhaltigkeit, globaler Zusammenhänge und der Frage globaler Gerechtigkeit für einen Augenblick bewusst zu werden, sie in die Lage versetzen, mehr zu verstehen, sollten sie in Zukunft in ihrem Alltag wieder einmal mit diesen Themen konfrontiert werden, und eventuell in der ein oder anderen Situation tatsächlich bewusst nachhaltig zu handeln. All dies, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben und an das individuelle „schlechte Gewissen“ zu appellieren. Bewusst nachhaltiger Konsum ist eine Herausforderung, fast eine Wissenschaft für sich im Angesicht der heutigen Komplexität von Informationen und des Lebens an sich.

Die Projektpartner: DVV International Kontakt: DVV International Obere Wilhelmstraße 32, 53225 Bonn, Deutschland Tel.: +49 (0) 228 97569-0 / Fax: +49 (0) 228 97569-55 [email protected] / www.dvv-international.de

DVV International ist das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V., dem Bundesverband der 16 Landesverbände der deutschen Volkshochschulen, der als größter Anbieter von Weiterbildung in Deutschland die Interessen seiner Mitglieder und der etwa 1000 VHS auf der Bundes-, der europäischen und der internationalen Ebene vertritt. Als führende professionelle Organisation im Bereich der Erwachsenenbildung und der Entwicklungskooperation widmet sich DVV International seit über 45 Jahren der Unterstützung des Lebenslangen Lernens. In der Erfüllung seiner nationalen und internationalen Aufgaben orientiert sich DVV International an den Menschenrechten und folgt seinen Grundsätzen zur Frauenförderung und Geschlechtergerechtigkeit. DVV International arbeitet weltweit mit mehr als 200 Partnern in über 35 Ländern. Das Institut versteht sich als Fachpartner, der seine Erfahrung und Ressourcen in gemeinsame Vorhaben mit einbringt und dabei umgekehrt auch von den Partnern lernt. DVV International finanziert seine Projektarbeit vorwiegend aus öffentlichen Mitteln des Bundes und anderer Geber. DVV International • fördert den europäischen und weltweiten Informations- und Fachaustausch zu Erwachsenenbildung und Entwicklung • leistet Unterstützung beim Auf- und Ausbau von Strukturen der Jugend- und Erwachsenenbildung in Entwicklungs- und Transformationsländern • bietet Fortbildung, Beratung und Medien für das globale, interkulturelle und europapolitische Lernen. Entwicklung Unter der übergeordneten Zielsetzung der Armutsbekämpfung strebt DVV International den Auf- und Ausbau effizienter Erwachsenenbildungs-Organisationen an, die vernetzt zu einem entwicklungsorientierten Erwachsenenbildungssystem beitragen. Dabei bilden die Millennium-Entwicklungsziele (MGD), das Weltprogramm „Bildung für Alle“ (EFA) und die Weltkonferenzen zur Erwachsenenbildung (CONFINTEA) einen wichtigen Orientierungs- und Handlungsrahmen. Die Arbeit von DVV International ist von eindeutiger Identifikation mit den Interessen der ärmeren Bevölkerungsschichten in den Partnerländern geprägt. Inhaltliche Schwerpunkte sind Grundbildung und Alphabetisierung, Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung,

globales und interkulturelles Lernen, Migration und Integration, Gesundheitsbildung und AIDS-Prävention, Krisenprävention und Demokratiebildung. Die Arbeits- und Berufsorientierung schlägt eine Brücke zwischen Bildung und Beschäftigung, zielt ab auf die Integration der Menschen in Arbeitsprozesse und Berufspositionen, strebt Einkommensverbesserungen an und qualifiziert für die Mitarbeit in Selbsthilfegruppen und Kooperativen. Zusammenarbeit Der sektorale Arbeitsansatz von DVV International strebt die Verbesserung von Strukturen in Politik, Gesetzgebung und Finanzen sowie Professionalität in Theorie und Praxis für die Erwachsenenbildung an. Die Stärkung der Durchführungsfähigkeiten von Partnern in der Jugend- und Erwachsenenbildung zielt auf die langfristig wirksame Etablierung von lokalen und nationalen Sozialstrukturen als Element der Armutsbekämpfung. Die Projektansätze in einzelnen Ländern werden in Regionalund Programmbereichen zusammengeführt, die gemeinsam geplant, gesteuert und in ihren Wirkungen evaluiert werden. Länder- und Regionalbüros in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa gestalten die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort und sichern die Qualität der Arbeit. Ein wichtiger Grundsatz der Zusammenarbeit besteht in der Vernetzung auf europäischer und internationaler Ebene mit anderen Fachorganisationen der Jugend- und Erwachsenenbildung in der Entwicklungszusammenarbeit. Der DVV ist Mitglied der European Association for the Education of Adults (EAEA), des International Council for Adult Education (ICAE) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK). Jugend - und Erwachsenenbildung Bildung ist ein universelles Menschenrecht. Es ist ein Grundbedürfnis und eine unabdingbare Voraussetzung für Entwicklung. Jugend- und Erwachsenenbildung ist Kernbestandteil von Bildung und hat als allgemeine, berufliche, kulturelle und wissenschaftliche Weiterbildung im Prozess des Lebenslangen Lernens eine Schlüsselaufgabe. Nicht-formale und außerschulische Bildungsprogramme zum Erlernen von Fähigkeiten zur Lebensbewältigung für Jugendliche und Erwachsene erfüllen komplementäre und kompensatorische Funktionen zur formalen Bildung und Ausbildung.

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Die Kärntner Volkshochschulen Kontakt: Verein „Die Kärntner Volkshochschulen“ Bahnhofplatz 3, 9020 Klagenfurt, Österreich Tel.: +43 (0) 50 47770 70 / Fax: 0043 (0) 50 47770 20 [email protected] / www.vhsktn.at

Die Kärntner Volkshochschulen (VHSKTN) sind ein gemeinnütziger Verein mit acht Bezirksstellen in Klagenfurt, Villach, Spittal, Wolfsberg, Feldkirchen, St. Veit und Völkermarkt. Die VHSKTN wurde vor 60 Jahren gegründet und ist ein ständiges Mitglied des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. Der Geschäftsführer der VHS ist Dr. Gerwin Müller, die Pädagogische Leitung Mag.a Beate Gfrerer. Die Kärntner Volkshochschulen sind eine allgemein bildende Erwachsenenbildungseinrichtung, die sich der Demokratie, den Grundsätzen der Menschenrechte und der parteilichen Unabhängigkeit verpflichtet. Deshalb tritt die VHSKTN auch vehement gegen Demokratiefeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, frauenfeindliches Verhalten oder Diskriminierung gegen jede Gruppe von Menschen auf und verpflichtet sich solchen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Bildung ist in den Kärntner Volkshochschulen ein lebenslanger Prozess und beinhaltet kognitive, affektive und physikalische Dimensionen. Der Bildungsauftrag der VHS orientiert

sich an den Bedürfnissen und Anforderungen der Lernenden, versucht jedoch auch Bedürfnisse zu wecken und Kompetenzen des Alltags, die im Laufe des Lebens verlernt wurden, wieder zu stärken. Mehr als 600 VHS-TrainerInnen halten jährlich mehr als 2500 Kurse in ganz Kärnten ab. Neben dem klassischen Kursprogramm mit den Themenschwerpunkten Kultur und Gesellschaft, Natur und Umwelt, Wirtschaft und IT, Sprachen, Kreativität und Kulinarik sowie Beauty und Wellness setzen die Kärntner Volkshochschulen 25 lokale und internationale Projekte um. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem 2. Bildungsweg und umfasst kostenlose Basisbildungsangebote, das Nachholen des Pflichtschulabschlusses sowie die Berufsreifeprüfung. Die Kärntner Volkshochschulen geben diejenige eine Chance, die durch das soziale Netz der Gesellschaft gefallen sind und unterstützt Menschen aller sozialen Milieus beim Emporsteigen der sozialen Leiter.

Slovenian Institute for Adult Education Kontakt: Andragoški Center Slovenija Šmartinska 134, 1000 Ljubljana, Slowenien Tel.: +386 1 5842 560 / Fax: +386 1 5842 550 [email protected] / www.siae.si Das Slowenische Institut für Erwachsenenbildung (SIAE, Slowenien Institute for Adult Education) ist die wichtigste nationale Einrichtung für Forschung und Entwicklung, Qualität und Ausbildung, Anleitung und Validierung sowie Werbe- und Informationsaktivitäten im Bereich der Erwachsenenbildung. Das SIAE entwirft professionelle Grundlagen und Evaluierungsmethoden und überwacht die Entwicklung des Erwachsenenbildungssystems, entwickelt verschiedene nicht formelle und formelle Lernformen, erarbeitet Programme für die Verbesserung der Lese- und Schreibfähigkeit bei Erwachsenen sowie den Zugriff auf Bildung und Lehre für benachteiligte Erwachsenengruppen. Dabei entwickelt es die erforderliche Infrastruktur, um das Lernen zu unterstützen, erstellt es Modelle für die Selbstbewertung von Qualität und die Bewertung von früher Gelerntem, und bietet professionelle Ausbildung und Schulung für Lehrer für Erwachsene. Das SIAE informiert Fachleute und die allgemeine Öffentlichkeit über all diese Prozesse und Erfolge und trägt zu dem breiteren 6

Bewusstsein im Hinblick auf die Bedeutung und die Rolle der Erwachsenenbildung bei. Details zu der Aufgabe des SIAE: Wir sind der Meinung, dass Bildung den Menschen dabei helfen kann, eine Antwort auf eine Frage zu finden, die sie ein Leben lang begleitet: "Wie soll ich mein Leben leben?" Deshalb müssen die Belange der Lernenden im Lehrplan berücksichtigt werden. Anderseits kann eine Person nicht isoliert von der Gesellschaft betrachtet werden. Und das ist noch nicht alles – jede Person wird in der Gesellschaft eingeordnet. Die Bildung schlägt Brücken zwischen diesen beiden Seiten im Leben eines Menschen. Das Wort "Gemeinschaft" leitet sich vom lateinischen Wort „communicare“ ab, d. h. gemeinsam machen, teilen, Mitteilungen machen. Kommunikation bedeutet Teilen – nicht nur die materiellen Dinge, sondern auch Wissen, Spiritualität, Werte, Probleme usw. Menschen müssen kommunizieren. Probleme, die sie teilen, und selbst

die Konflikte, können konstruktiv verstanden werden, wenn es einen Ort für den Dialog gibt, wo die Gedanken der Menschen, Wissen und Kompetenzen, Vorzüge und Werte offen gelegt und diskutiert werden können. Dialog bedeutet, dass sich die Menschen zuhören und versuchen, einander zu verstehen. Wenn Menschen einander verstehen, sind sie möglicherweise auch gewillt, eine gemeinsame Realität zu schaffen. Aus diesem Grund legt das SIAE einen speziellen Schwerpunkt auf das Lernen in der Gesellschaft, den Dialog und die Personalisierung des Lernens. In diesem Prozess widmen wir besondere Aufmerksamkeit den Erwachsenen, die Gefahr laufen, vom Dialog ausgeschlossen zu werden, z. B. Menschen mit schlechter Schulbildung, junge Ausbildungsabbrecher/-innen, Migranten/-innen, Arbeitslose usw. Ein Großteil unserer Arbeit konzentriert sich auf nicht-formelles Lernen, das den wichtigsten Teil des lebenslangen Lernens eines Menschen darstellt. Das SIAE und Dozenten für Erwachsene: Wir wissen, wie wichtig es ist, in der Erwachsenenbildung kompetente Mitarbeiter einzusetzen, deshalb entwickeln wir

Lernprogramme für die Dozenten für Erwachsene (Lehrer, Mentoren, Tutoren, Berater, Betreuer usw.). Sie stellen den Eckpfeiler für die Qualität des Lernprozesses dar und sind damit wichtige Kräfte, die die Gesellschaft ändern können. SIAE und das Projekt "Know Your Lifestyle“: Die Entscheidung, am Projekt "Know your Lifestyle" mitzuarbeiten, ist uns nicht schwer gefallen, weil es aus ähnlichen Werten entstanden ist und sehr ähnliche Ziele hat, wie die, die wir oben bereits beschrieben haben. Die Fragen des nachhaltigen Verbrauchs sind in der ganzen Welt von größter Bedeutung. Wir sind der Überzeugung, dass wir dazu beitragen können, das Prinzip des nachhaltigen Verbrauchs in Slowenien zu verbreiten. Wir sind zusammen mit dem PUM-Netzwerk1 – den Mentoren und der Organisation Umanotera, der Nichtregierungsorganisation, die bereits seit mehr als 10 Jahren in diesem Bereich tätig ist – dem Projekt beigetreten. Wir alle lernen zusammen mit anderen Partnern im Projekt. Wir kommunizieren und teilen alle Güter, Wissen und Ideen, um mit aller Kraft zu versuchen, sie weltweit zu verbreiten.

Estonian Non-formal Adult Education Association Kontakt: Eesti Vabaharidusliit 55 J. Vilmsi Street, 10147 Tallinn, Estland Tel.: +372 648 8100 [email protected] / www.vabaharidus.ee Mutig ist es, unabhängig zu sein. Weise ist es, gemeinsam zu handeln. Die ENAEA (Estonian Non-formal Adult Education Association) ist eine Nichtregierungsorganisation unter staatlichem Schirmherrschaft im Bereich der nicht formellen Erwachsenenbildung, der bildungsorientierte Nichtregierungsorganisationen und Volkshochschulen zusammenführt. ENAEA hat 72 Mitgliedsorganisationen. Unsere Werte: • Lebenslanges Lernen und aktive Teilnahme jedes Menschen an seiner eigenen Gemeinschaft sowie im staatlichen Leben als Ganzes ist eine notwendige Voraussetzung und Ressource für die Entwicklung; • Lernen spielt eine maßgebliche Rolle, um Armut, Ungleichheit und soziale Schichtenbildung zu mildern, aber auch, um Demokratie, Kreativität und wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Nach der Auffassung der ENAEA muss das lebenslange Lernen in Estland garantieren, dass die Bedürfnisse der Lernenden berücksichtigt werden, und dass die Teilnehmer aktiv in den Studienprozess einbezogen werden. Außerdem müssen die Lernmöglichkeiten für alle offen stehen, die sie benötigen.

ENAEA engagiert sich in der Bildungspolitik für Erwachsene. Sie unterstützt die Aktivität ihrer Mitglieder, fördert deren wechselseitigen Beziehungen, sammelt und veröffentlicht Schulungsunterlagen, sammelt und verteilt Informationen, führt Forschungsprojekte durch, organisiert Seminare, Kurse, Konferenzen usw., arbeitet mit Organisationen mit ähnlichen Zielen auf nationaler und internationaler Ebene ebenso wie mit Regierungsorganisationen zusammen. ENEA verfügt über Erfahrung in unterschiedlichen Forschungs- und Netzwerkprojekten: EQF, NQF, Details im Hinblick auf Beruf und Qualifikation von Dozenten für Erwachsene (nationale und internationale Ebene, einschließlich der Ausbildung der Schulungsleiter), grundlegende Fertigkeiten und Berufsunterricht, wichtige Kompetenzen und nicht formelle Ausbildung usw. Die Kompetenzbereiche sind: Erwachsenenbildung in lokalen Regionen, Schulung für Leiter von Nichtregierungsorganisationen, Anleitung und Beratung in der Erwachsenenbildung, Qualität der Erwachsenenbildung (einschließlich der Schulung der Schulungsleiter), Einbeziehung von Schulabbrechern/-innen (junge Erwachsene) in Aktivitäten der Erwachsenenbildung.

1 PUM ist eine slowenische Abkürzung für ein Programm des zweiten Bildungswegs, d. h. Projektlernen für junge Erwachsene, das bei SIAE in den 90-er Jahren entwickelt wurde, um jungen Ausbildungsabbrechern helfen, Bildung zu erwerben oder eine Arbeit zu finden. Heute gibt es 12 PUM-Gruppen in Slowenien. 7

European Association for the Education of Adults Kontakt: European Association for the Education of Adults (EAEA) Mundo-J, Rue de l'Industrie 10, 1000 Brussels, Belgium Phone: +32 2 893 25 22 [email protected] / www.eaea.org

Der Europäische Verband für Erwachsenenbildung, EAEA (European Association for the Education of Adults), ist die Stimme der nicht-formellen Erwachsenenbildung in Europa. EAEA ist eine europäische Nichtregierungsorganisation mit 123 Mitgliedsorganisationen in 42 Ländern. Sie vertritt mehr als 60 Millionen Lernende in ganz Europa. Die EAEA hat es sich zur Aufgabe gemacht, europäische Organisationen, die direkt im Bereich der Erwachsenenbildung tätig sind, zu verbinden und zu repräsentieren. Ursprünglich als das „European Bureau of Adult Education“ bezeichnet, wurde die EAEA 1953 durch Vertreter mehrerer europäischer Länder gegründet. Die EAEA fördert die Aspekte der sozialen Inklusion in der Strategie EU 2020. Sie fördert die Erwachsenenbildung und die Ausweitung des Zugangs zur und der Teilnahme an der formellen und informellen Erwachsenenbildung für alle, insbesondere jedoch für die unterrepräsentierten Gruppen. Wir fördern auf die Lernenden abgestimmte Ansätze, die das Leben der Menschen berücksichtigen und ihnen ermöglichen, die unterschiedlichsten Kompetenzen zu erwerben, mit speziellem Schwerpunkt auf grundlegenden und transversalen Fertigkeiten. EAEA • bietet Informationen und einen Überblick über die EU-Politik • arbeitet mit Einrichtungen der EU, nationalen und regionalen Regierungsstellen zusammen, beispielsweise dem Europarat und der UNESCO • arbeitet über EUCIS-LLL mit den Interessensvertretern/innen zusammen

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• veröffentlicht Berichte, Handbücher, Projektinformationen und Ergebnisse • bietet Anleitung und Empfehlungen zur politischen Arbeit unserer Mitglieder • hilft den Mitgliedern durch Austausch von als gut befundenen Verfahrensweisen, mit der Suche nach geeigneten Partnern und die Verbreitung von Projekten und Veranstaltungen. Die EAEA hat das Ziel, das Engagement ihrer Mitglieder zu unterstützen und zu verbreiten, was Aktivitäten, Partnerschaften, Politik und Lehrplanentwicklung, Forschung und Bereitstellungen für soziale Inklusion und Kohäsion, demokratische Beteiligung sowie Bekämpfung von Armut und Diskriminierung betrifft. EAEA ist mit einem internationalen Netzwerk aus Anbietern von Erwachsenenbildung verbunden und ist führend bei der Etablierung innovativer Konzepte in der Erwachsenenbildung. Die EAEA organisiert regelmäßig europäische Konferenzen zu Themen, die für die Erwachsenenbildung und Life Long Learning relevant sind und sorgt für die Verknüpfung mit anderen europäischen Plattformen und übergreifenden Initiativen auf europäischer Ebene. Darüber hinaus verfügt die EAEA über eine langjährige Erfahrung bei der Verbreitung von Aktivitäten und besitzt leistungsfähige Kanäle für diese Verbreitung: über ihre Website erreicht sie 350.000 Einzelbesucher/-innen pro Jahr. Ihr Newsletter erreicht mehr als 2.000 Leser und Leserinnen, und auf verschiedenen sozialen Medien folgen ihr mehr als 800 Menschen.

Die Autoren dieses Materialienbandes: BAOBAB - Globales Lernen Kontakt: BAOBAB – Globales Lernen Sensengasse 3, 1090 Wien, Österreich Tel. : +43 (0) 1319 30-73 / Fax: +43 (0) 1319 3073-510 [email protected] / www.baobab.at

BAOBAB ist ein zentraler Lern- und Kommunikationsort zu Globalem Lernen in Österreich. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und fördern mit unserem Angebot die Auseinandersetzung mit Globalisierung, Nachhaltigkeit, Mehrsprachigkeit und Diversität in der Bildungsarbeit. Unser Ziel ist es Kompetenzen zu fördern um global vernetzte Entwicklungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Umwelt verstehen und analysieren zu können. Unsere Aufgabengebiete • Wir führen gemeinsam mit den Partnerorganisationen ÖFSE und Frauensolidarität die C3-Biblothek für Entwicklungspolitik www.centrum3.at/bibliothek. Baobab betreut den fachpädagogischen Bestand mit ca. 8.000 Medien. Der Bestand bietet ein breites Angebot an vorwiegend didaktischen Medien (Bücher, DVDs, CD-ROMs, CDs, Spiele, Themenkoffer) sowie Spiel- und Dokumentarfilmen. Einen eigenen Schwerpunkt bilden ein- und mehrsprachige Kinder- und Jugendbücher. • BAOBAB entwickelt in Kooperation mit Partnerorganisationen Bildungsmaterialien, die mit ansprechenden visuellen Medien (Infografiken, Video, Fotos) in Kombination mit interaktiven und kreativen Unterrichtsmethoden vernetztes Denken fördern. • In unserer DVD-Reihe „Weltbilder“ thematisieren wir globale Zusammenhänge und ermöglichen Einblicke in

unterschiedlichste Lebenssituationen von Menschen aus aller Welt. Viele unserer Filme, die wir weltweit recherchieren, haben internationale Filmpreise und Auszeichnungen erhalten. Zu allen Filmen findet sich auf der DVD-ROM didaktisches Begleitmaterial für den direkten Einsatz im Unterricht. • Wir bieten Workshops und Seminare für KindergärtnerInnen, LehrerInnen aller Schulstufen und MultiplikatorInnen der außerschulischen Bildungsarbeit an und vermitteln Theorie und Praxis des Globalen Lernens. • BAOBAB bietet Fachberatung für PädagogInnen in Bezug auf Auswahl von Materialien und Durchführung von Projekten zu Themen des Globalen Lernens. Unser pädagogischer Ansatz: Globales Lernen Globales Lernen schafft Räume, in welchen komplexe Weltverhältnisse erforscht und Lerninhalte in ihren lokalen und globalen Dimensionen erschlossen werden. Es öffnet den Blick auf die Welt, greift internationale Beziehungen und weltweite Verflechtungen auf, reflektiert eurozentrische Sichtweisen, thematisiert Fragen globaler Gerechtigkeit und sensibilisiert für Nachhaltigkeit. Es fördert das Verständnis von sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Zusammenhängen. Globales Lernen erfordert Lehr- und Lernmethoden, die interdisziplinär, interaktiv, kooperativ sowie handlungs- und erfahrungsorientiert sind.

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III. Informationen zu diesem Materialienband Ausgehend vom Thema Konsum und Produktionsketten bietet das folgende Modul Anregungen zur Umsetzung von Globalem Lernen im Lernalltag. Im Vordergrund steht dabei die Auseinandersetzung mit dem Thema Baumwolle und Textilproduktion. Im Mittelpunkt steht die Globalisierung von Produktionsprozessen am Beispiel von Kleidung. Wo und wie wird unsere Kleidung produziert? Welche Schritte sind dafür notwendig und welche finanziellen und sozialen Kosten entstehen hierbei? Welche Auswirkungen hat dies auf die Umwelt? Und unter welchen Bedingungen stellen andere Menschen in fernen Ländern unsere Kleidung her? Ausgehend vom eigenen Konsumverhalten setzen sich die Lernenden mit globaler Warenproduktion auseinander und betrachten sie vor dem Hintergrund von Menschenrechten und Nachhaltigkeit. Hierbei ist die Anknüpfung an die Lebenswelt der Lernenden zentral. Die Materialien umfassen verschiedene Methoden, die sowohl einen Einstieg als auch eine intensivere Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten des Themas ermöglichen. Die Lernenden nehmen verschiedene Perspektiven zu den behandelten Themen ein und überlegen sich eigene Handlungsmöglichkeiten. Die Methoden sollten sowohl eine kognitive als auch eine kreative Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. In jedem dieser Kapitel finden Lehrkräfte Hintergrundinformationen zu den einzelnen Themenkomplexen sowie eine Auswahl an Methoden, welche sie verwenden können, um ihre Kursteilnehmenden mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen. Dieser Materialienband bietet unterschiedliche Zugänge: Er kann zum einen als Methodensammlung zum Thema Textilien genutzt werden, indem je nach Unterrichtsfach, Interesse oder verfügbarer Zeit eine oder mehrere Methoden

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ausgewählt und in den Unterricht integriert werden. Es wird aber auch eine mögliche Projekttagesvariante vorgestellt. Der Band bietet Lehrkräften zudem die Möglichkeit, sich eigenständig einen Projekttag entsprechend der Interessen und Ideen der Beteiligten oder zu einem oder mehreren Aspekten des hier behandelten Themas zusammenzustellen. Selbstverständlich können die Methoden auch mit anderen, hier nicht vorgeschlagenen Methoden und Aktivitäten verknüpft werden. Es handelt sich um ein Angebot, welches Raum zum Erweitern und Improvisieren lässt. Die Methoden sind immer so beschrieben, dass einer eigenständigen und einfachen Umsetzung durch die Lehrkräfte nichts im Wege stehen sollte. Doch wie sich bereits bei der Durchführung vieler der Methoden zeigte, ist für ein Gelingen der Anwendung und für ein hohes Maß an Spaß bei all dem oftmals auch ein gewisses Maß an Improvisation durch die Lehrkraft notwendig bzw. in einigen Fällen auch gewollt. Die jeweils für die Durchführung der Methoden benötigten Materialien, der benötigte Zeitumfang (die jeweiligen Angaben zur Dauer der Methode sind als Richtwerte gedacht und können je nach Gruppe variieren), Hinweise zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertung sind angegeben. Kopiervorlagen und Arbeitsblätter stehen jeweils den Methoden zugeordnet zu Verfügung. Die benötigten Inhalte können aus dieser Broschüre herauskopiert werden. Da die Materialien jedoch auch im Downloadbereich der Projekt-Webseite (www.knowyourlifestyle.eu) zu finden sind, bietet sich eventuell auch der Ausdruck einzelner benötigter Inhalte an. Wir hoffen, dass alle Lehrkräfte und ihre Kursteilnehmenden, welche gemeinsam mit diesen Materialien arbeiten, Spaß an der Beschäftigung mit den von uns vorgeschlagenen Themen haben, Neues erfahren und ein erweitertes Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit in ihr zukünftiges Leben mitnehmen werden.

Projekttag zum Thema Textilien Zeitbedarf: 5 Stunden (plus Pausen)

Zeit/ Minuten

Titel

Methode

Inhalt

Materialien/ Medien

35

Einstieg

05

Einführung in den Tag

15

Mein Look

Positionsbarometer

Reflexion zu Kleidung und eigenem Konsum

15

Quiz zu Textilien

Quiz

Kennenlernen verschiedener Fakten zur Textilindustrie

Arbeitsblatt „Quizlösungen“

160

Vorstellung des Programms

Textilindustrie und Arbeitsbedingungen

30

Die Produktion eines T-Shirts

Bilderkette

Einblick in die „Textile Kette“ sowie Probleme für Mensch und Umwelt

Bilder, Textkarten, Plakatpapier, Stifte, evtl. Internetzugang

30

Wer bekommt welchen Anteil am T-Shirt?

Visualisierung der Lohnkosten am Endpreis eines T-Shirts im Vergleich zu anderen Posten

Auseinandersetzung mit Produktionskosten und Kostenaufteilung

Kärtchen, Stecknadeln oder Klebstreifen, A4Zettel mit je einer Kostengruppe, Arbeitsblatt „T-Shirt“ für jede Gruppe

100

Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie

Arbeit mit Zitaten, Entwicklung von Forderungen

Erkennen von arbeitsrechtlichen Problemen in der Textilindustrie und Formulierung von Lösungsvorschlägen

Texte „Berichte zu Arbeitsbedingungen“, Plakate, Stifte, Arbeitsblatt „Menschenrechte und Kernarbeitsnormen“ (1x pro Gruppe), min. 40 Kärtchen, Stecknadeln oder Klebstreifen

105

Lösungs-/Handlungsmöglichkeiten

45

Gütesiegeldschungel

Internetrecherche

Kennen und Beurteilen von Nachhaltigkeitssiegeln im Textilbereich

Ausgeschnittene Gütesiegel, Infotext „Gütesiegel“, Internetzugang

60

Was kann ich tun?

Positionsbarometer

Kennenlernen und Bewertung unterschiedlicher individueller Handlungsmöglichkeiten

Textkarten „Handlungsmöglichkeiten Thema Textil“, Schild „Dadurch kann sich viel verändern“, Schild „Dadurch ändert sich nichts“, rote und grüne Stifte 11

>>> BAUMWOLLE UND TEXTILINDUSTRIE Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist extrem globalisiert. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die Suche nach günstigen Produktionsbedingungen haben viele Textilunternehmen dazu veranlasst, ihre Produktionsstätten in so genannte Entwicklungsländer zu verlagern. Eine Vielzahl von Akteuren, von High-Tech-Unternehmen über diverse Lieferanten und Sublieferanten bis hin zu HeimarbeiterInnen, sind in diese globale Wirtschaft integriert. Die Missachtung von Arbeits- und Menschenrechten entlang der Produktionskette ist Alltag. In den zigtausenden Konfektionsbetrieben vor allem in Asien aber auch Lateinamerika arbeiten mehrheitlich junge Frauen für den globalen Textilmarkt. Keine regelmäßigen Löhne, keine Arbeitsverträge, unbezahlte Überstunden, u.v.m. stehen dort auf der Tagesordnung. Nicht selten werden Rohstoffe, Zwischen- und Endprodukte um die halbe Welt transportiert. Die ökologischen Belastungen entlang der textilen Kette sind mittlerweile bekannt: Der Einsatz von hohen Mengen an Pestiziden beim Anbau der Rohfasern, der Einsatz eines großen Spektrums von Chemikalien bei der Textilveredelung oder der immens hohe Wasserverbrauch beim Anbau der Baumwolle. In den letzten Jahren spielen soziale Themen zunehmend eine Rolle. Durch zivilgesellschaftliche Aktivitäten wie zum Beispiel der Clean Clothes Kampagne sind Textilunternehmen und -händler immer mehr gefordert, neben ihren wirtschaftlichen Interessen verstärkt soziale und ökologische

Verantwortung für ihre Produkte, insbesondere aber auch für die Produktionsprozesse entlang der Wertschöpfungskette, zu übernehmen. Bio & faire Mode ist nicht länger nur ein Nischenprodukt! BioJeans und Fair-Trade-Shirts hängen heute schon an den Kleiderstangen großer Modeketten. Doch wofür steht der Begriff „bio“ und was bedeutet „fair“? Was steckt hinter den verschiedenen Gütesiegeln? Mit dem folgenden Baustein soll auf die verschiedenen Problemfelder in der Produktionskette von Textilien aufmerksam gemacht werden, mögliche Alternativen aufgezeigt und für einen nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen sensibilisiert werden.1 In diesem Modul setzen sich die TN ausgehend vom eigenen Konsumverhalten mit der globalen Güterproduktion am Beispiel von Textilien auseinander. Sie verfolgen die Jeansproduktion über den Erdball, lernen die Produktionsschritte der Textilproduktion und die Probleme, die damit verbunden sind, kennen. Besonderes Augenmerk wird dabei den Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion geschenkt. Vor dem Hintergrund der Menschenrechte und der Kernarbeitsnormen erarbeiten die TN Lösungsmöglichkeiten, reflektieren diese und beurteilen eigene Handlungsmöglichkeit. Ein Impuls bietet die Möglichkeit, sich auch im Englischunterricht mit dem Thema zu beschäftigen.

1

Zusätzliche Hintergrundinformation für TrainerInnen in: WeltverbesserIn 2/2011, S.9-11: www.cleanclothes.at/media/common/uploads/ download/ausgabe-22011/weltverbesserIn-2-2011_web-doppel.pdf

>>> Einstieg Die folgenden drei Übungen können alternativ für den Einstieg in das Thema Textilien verwendet werden. Alle Übungen setzen am Konsumverhalten der TN an und greifen das Thema „Marken“ auf. Jeder Mensch hat bestimmte Vorstellungen, die sein Leben und Verhalten bestimmen.

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Bei manchen Menschen spielt der Look, das Aussehen eine wichtige Rolle. Das Markenzeichen steht für ein bestimmtes Image und Lebensgefühl. Über das Outfit wird häufig auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bestimmt. Kleidung wird somit zu einem Statussymbol, das eine ein- oder ausgrenzende Wirkung hat.

>>> marken machen leute Die TN setzen sich mit dem Thema Marken und den Funktionen von Kleidung auseinander.

kreatives Arbeiten 25 Min. A-3 Papier für alle TN, Buntstifte, Schnur, Wäscheklammern (alternativ: Pinnwand)

Alle TN erhalten ein Blatt Papier, auf welches sie die Umrisse einer Person zeichnen. Diese wird nun „angezogen“ (gezeichnet) mit „Markenkleidung“. Dabei sollen die Marken sichtbar sein, so zeichnen sie z.B. ein T-Shirt und schreiben klar sichtbar die Marke oder das Markenlogo dazu. Der Gestaltungsfantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es steht ihnen frei, ob sie sich mit dieser Person identifizieren und sie nach ihren eigenen Gewohnheiten, Vorlieben oder Wünschen kleiden oder dies eine fiktive Person ist.

Nach ca. 10 Minuten werden die Zeichnungen im Raum an einer Schnur aufgehängt und von allen betrachtet, jedoch nicht kommentiert (Alternativ können die Zeichnungen an einer Pinnwand aufgepinnt werden). Abschließend werden folgende Fragen diskutiert: • Was hat Kleidung für Funktionen? • Warum sind Marken eigentlich so wichtig? • Für welche Einstellung steht welcher Kleidungsstil?

>>> Mein Look: Logo oder No Logo! Die TN setzen sich mit eigenen Einstellungen und Verhalten bezüglich Kleidung und Konsum auseinander.

Positionsbarometer 15 Min. Arbeitsblatt „Mein Look“

In der Klasse werden zwei Pole festgelegt, zwischen denen sich die TN nach ihrer persönlichen Einschätzung auf einer gedachten Linie aufstellen – je nach dem zu welchem Pol sie sich mehr oder weniger stark hingezogen fühlen. Auf Basis der Freiwilligkeit erklären sie, warum sie diesen Standort gewählt haben. Die Lehrperson sollte bei der Auswahl der Fragen die Zusammensetzung der Gruppe berücksichtigen und somit ein Bloßstellen einzelner TN vermeiden. • Wie lange brauchst du um Kleidung am Morgen auszuwählen? (kurz bis lang) • Ist dir beim Kleiderkauf die Marke wichtig? (unwichtig – wichtig) • Wie oft kaufst du dir neue Klamotten? (täglich – höchstens 1x im Jahr)

• Wie wichtig ist dir die Marke bei den Schuhen? (unwichtig – wichtig) • Gibst du gerne viel oder eher wenig Geld für Klamotten aus? (wenig – viel) • Ziehst du viele Kleidungsstücke aus dem Kleiderkasten an? (viel – wenig) Varianten Die Übung kann auch in Einzelarbeit mit Hilfe des Arbeitsblattes „Mein Look“ durchgeführt werden. Nach dem Ausfüllen vergleichen die TN in Partnerarbeit ihre Antworten. Tipp zur Weiterarbeit: Die Arbeitsblätter können eingesammelt und dann ausgewertet werden. Hat man die Häufigkeiten ausgezählt, können diese in % umgewandelt werden. 13

KopierKo p i e r >>> Mein Look: Logo oder no Logo! vorlage vorlage Arbeitsblatt

1. Wie lange brauchst du, um Kleidung am Morgen auszuwählen?

< 5 Min.

5-10 Min.

10-20 Min.

20-30 Min.

> 30 Min.

2. Ist dir beim Kleiderkauf die Marke wichtig?

Sehr wichtig eher wichtig

eher unwichtig ganz unwichtig

3. Wie oft kaufst du dir neue Klamotten?

Ca. 1x / Woche ca. 1x / Monat

alle 2-3 Monate ca.1x/Halbjahr Ca. 1x im Jahr

seltener 4. Wie wichtig ist dir die Marke bei den Schuhen?

Sehr wichtig eher wichtig eher unwichtig ganz unwichtig 5. Wie viel Euro gibst du durchschnittlich im Monat für Kleidung aus?

< 10

10-30 30-60

60-100

über 100

6. Wie viele Kleidungsstücke aus deinem Kleiderkasten ziehst du wirklich an?

Fast alle ca. 2/3   14



ca. die Hälfte

ca. 1/3

nur ganz wenige

>>> Money makes the world go round Die TN setzen sich mit Bekleidungsgeschäften und Marken, dem Sitz der Konzerne und ihren Produktionsländern auseinander.

Visualisierung auf Weltkarte 50 Min. Weltkarte in A3 (z.B. www.mygeo.info/ karten.html), Textkarten: Weltreise meiner Jeans (1 Set pro Gruppe), Stecknadeln

Die TN teilen sich in Kleingruppen zu je 3-4 Personen. In der Gruppe reflektieren sie folgende Fragen: In welchen Kleidungsgeschäften kaufe ich ein? Habe ich Markenkleidung an, wenn ja welche? Welche Bekleidungsunternehmen und Marken kenn ich noch? Je nach Gruppen werden die genannten Firmen hier variieren. Die Namen werden gesammelt und anschließend recherchiert jede Kleingruppe für zwei Firmen bzw. Marken auf der Seite der Clean Clothes Kampagne (www.cleanclothes.at/de/ firmen-check) die Firmensitze und Produktionsländer der Konzerne. Falls nur Geschäfte bzw. Marken genannt werden, zu denen es keine Angaben gibt, können

folgende überprüft werden: C&A, H&M, Helly Hansen, Jack Wolfkins, Jack & Jones, Tally Weijl, New Yorker, Levi Strauss. Die Ergebnisse werden von jeder Gruppe auf einer Weltkarte eingetragen, die Firmensitze mit blauen, die Produktionsländer mit gelben Fähnchen. Gemeinsam kann nun kurz diskutiert werden, warum diese Firmen ihre Niederlassungen in den Industrieländern und ihre Produktionen in verschiedenen so genannten Entwicklungsländern ausgelagert haben. Wo lassen sich die meisten Firmen nieder, wie lässt sich dies erklären? Was könnten Gründe sein, dass Firmen ihre Produktionsländer nicht angeben?

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>>> Die Textilindustrie: zwischen Gewinn und Verantwortung Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist wie kaum eine andere Branche sowohl geographisch als auch sozial extrem globalisiert. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die Suche nach günstigen Preisbedingungen haben viele Textilunternehmen dazu veranlasst, ihre Produktionsstätten in so genannte Entwicklungsländer zu verlagern. Eine Vielzahl von Akteuren, von High-Tech-Unternehmen über diverse Lieferanten und Sublieferanten bis hin zu HeimarbeiterInnen, sind in diese globale Wirtschaft integriert. Nicht selten werden Rohstoffe, Zwischen- und Endprodukte bei der Herstellung eines Bekleidungsstücks um die halbe Welt transportiert. Ökologische Belastungen entlang der textilen Kette sind eine bekannte Tatsache. Darüber hinaus spielen 2 3 4

soziale Themen zunehmend eine Rolle. Vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung sind Textilunternehmen und -händlerInnen zukünftig gefragt, neben ihren wirtschaftlichen Interessen verstärkt soziale und ökologische Verantwortung für ihre Produkte, insbesondere aber auch für die Produktionsprozesse entlang der Wertschöpfungskette, zu übernehmen. Diese ganzheitliche Betrachtung der unternehmerischen Tätigkeiten sollte auch im Bereich der Produktkennzeichnung verankert werden. Ein glaubwürdiges und aussagekräftiges Gütesiegel im Textilbereich muss den Aspekt der Nachhaltigkeit in den Vordergrund des Zertifizierungsprozesses stellen. Transparenz über Herkunft der Stoffe, Verarbeitung und Produktion ist gefragt.

Quelle: http://de.globometer.com/kleidung-jeans.php Quelle: www.trendtop500.at/unternehmen/h-m-hennes-mauritz-gmbh/nettoumsatz Quelle: www.statistik.at/web_de/statistiken/soziales/verbrauchsausgaben/konsumerhebung_2009_2010/055851.html

>>> Quiz zu textilien Quiz

Die TN bekommen einen Überblick zu Fakten aus der Bekleidungsindustrie.

15 Min. Arbeitsblatt „Quiz-Lösungen“

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Die TN bilden Kleingruppen. Jede Gruppe bekommt das Arbeitsblatt „Quiz-Lösungen“ zu den Fragen. Allerdings sind diese durcheinandergewirbelt. Der/die TrainerIn liest die erste Frage vor. Wenn die Frage zu Ende formuliert wurde – und erst dann – dürfen die Gruppen ihre Antworten geben. Die Gruppe, die als erstes die

richtige Antwort ruft, hat gewonnen und bekommt einen Punkt. Wird eine Antwort gegeben bevor die Frage fertig gestellt wurde, bekommt die Gruppe einen Minuspunkt. Der/die TrainerIn liest nun die nächste Frage vor. Abschließend wird darüber gesprochen, was für die TN neu, überraschend bzw. bekannt war.

Lösungen • 1. Plastikflaschen!“ (für jedes Trikot werden 13 PET-Flaschen recycelt) • 2.„1,8 Milliarden“ 2 (ca. 60 Jeans pro Sekunde) • 3. „China!“ • 4. H&M 3 (dicht gefolgt von C&A) • 5. „130 Euro“4 (ca. 4,5% der monatlichen Budgets) • 6. Ein Gütesiegel gibt Auskunft über Umwelteigenschaften und Arbeitsbedingungen etc. in der Herstellung eines Produktes“ (auch als Gütezeichen oder Qualitätssiegel bezeichnet) • 7. „Verweis auf die Herstellerfirma“ (Unternehmen haben in ihrem Angebot oft mehrere

Marken. Markenzeichen stehen für ein bestimmtes Image und Lebensgefühl. Über das Outfit wird häufig auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bestimmt) 8. „USA!“ (Levi Strauss, der 1847 in die USA auswanderte, fertigte für Goldgräber eine robuste Hose, die Jeans) 9. Baumwolle (das Papier besteht aus reiner stärkefreier Baumwolle) 10. „Gore-tex!“ 11. „adidas!“ [Das Unternehmen hat seinen Sitz in Deutschland und vertreibt auch die Marken Reebook und TaylorMade]



• • •

Kopier>>> vorlage QUIZ zu Textilien: Quiz-Lösungen

1. Woraus wird das Trikot der brasilianischen Fußballmannschaft gemacht?

6. Was ist ein Gütesiegel?“ 7. Was ist eine Marke?

2. Wie viele Jeans werden jährlich weltweit verkauft?2 8. Wo wurde die Jeans erfunden? 3. Wo wächst die meiste Baumwolle? 9. Woraus ist die Euro-Banknote gemacht? 4. Wie heißt das erfolgreichste Bekleidungsunternehmen in Österreich?3 5. Wie viel gibt ein Privathaushalt in Österreich durchschnittlich im Monat für Bekleidung und Accessoires aus?4

10. Welches Material wurde wegen seinem guten Schutz vor Nässe bekannt? 11. Welches große Unternehmen, das auch Kleidung herstellt, hat seinen Sitz in Deutschland?

1,8 Milliarden

Plastikflaschen

Gore-tex

H&M Baumwolle

Ein Gütesiegel gibt Auskunft über Umwelteigenschaften und Arbeitsbedingungen etc in der Herstellung eines Produktes.

Verweis auf die Herstellerfirma

China

adidas

130 Euro USA

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>>> Weltreise meiner Jeans Am Beispiel der Jeans erhalten die TN einen Einblick in die Globalisierung der Produktion und lernen Gründe für die Internationalisierung der Produktion kennen.

1. Schritt: Made in …… (10 Min.) Als Einstieg in das Thema sollen sich die TN mit einem/r Partner/in auf die Suche nach der Herkunft der eigenen Kleidung machen. Jedes Kleidungsstück, das an diesem Tag getragen wird, wird untersucht. Auf den Etiketten im Inneren der Kleidungsstücke muss angegeben werden, woher das Kleidungsstück kommt. Sogar bei den Schuhen kann man die Herkunft meist eruieren. Die verschiedenen Länder werden gesammelt und auf die Tafel geschrieben. Zusätzlich wird den TN folgende Information gegeben: Etiketten erzählen nicht immer die Wahrheit: wenn auf diesen „Made in India“ oder „Made in Austria“ steht, heißt das lediglich, dass die Endfertigung in diesem Land stattgefunden hat. Die einzelnen Verarbeitungsschritte von der Pflanzung der Baumwolle über das Spinnen der Fäden, das Färben der Stoffe bis zur Endfertigung wurden an den verschiedensten Orten dieser Welt durchgeführt. 2. Schritt: (35 Min.) Je nach Klassengröße werden die TN in Gruppen von ca. 10 Personen geteilt. Jede Gruppe erhält eine Weltkarte und die ausgeschnittenen Kärtchen zur Weltreise der Jeans. Die TN sollen die Kärtchen in die richtige Reihenfolge zu bringen, sie können somit den Fertigungsprozess vom Baumwollfeld bis zum Verkauf nachvollziehen. Die Stationen werden zeitgleich auf der Weltkarte mit Stecknadeln markiert. Dadurch wird gut sichtbar, welche Produktionsschritte notwendig sind und wie globalisiert die Produktion heute ist. Ein Kleidungsstück hat nicht selten 20.000 – 50.000 Kilometer hinter sich, bis es bei uns im Geschäft liegt.

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Visualisierung auf Weltkarte 45 Min. Weltkarte in A3 (z.B. www.mygeo.info/ karten.html), Textkarten: Weltreise meiner Jeans (1 Set pro Gruppe), Stecknadeln

Lösung: 1. C // 2. F // 3. H // 4. I // 5. K // 6. B // 7. A // 8. E // 9. J // 10. G // 11. D Anschließend werden in der Gruppe folgende Fragen diskutiert. Hinweise darauf finden sich in den Textkärtchen bzw. sollen von den TN kommen. Im Bedarfsfall kann der/die TrainerIn ergänzen: • Früher fand ein großer Teil der Textilproduktion auch in Europa statt. Warum kam es zu einer Verlagerung der Produktionsstätten? • Was hat diese Verlagerung möglich gemacht? Mögliche Antworten: andere Länder sind billiger, haben weniger Arbeitsrechte, niedrigere Steuern und Zölle, politische Abkommen haben es einfach gemacht, Kommunikationsmittel haben es einfacher gemacht; Transport ist billig, Rohstoffe wachsen am besten in einem Gebiet, Know-How ist in einem Land vorhanden, internationale Unternehmen machen alles zentral etc. Hier kann darauf verwiesen werden, dass durch immer rascher verlaufende Modezyklen auch die Produktion wieder näher an Europa heranrückt und nun auch schon vermehrt in Marokko oder Rumänien produziert wird. Tipp zur Weiterarbeit: Vertiefend kann hier auch auf die historischen Entwicklungen in der Textilindustrie in Europa und weltweit und auch auf die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie in Europa früher eingegangen werden.

Kopier>>> vorlage Weltreise meiner Jeans: Textkarten

c

f

Das Ausgangsmaterial und somit Startpunkt für unsere Jeans ist Baumwolle. Baumwolle wächst vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten unserer Erde. Baumwollpflanzen brauchen viel Sonne, möglichst gleichmäßige Temperaturen zwischen 18 und 28 Grad Celsius und reichlich Wasser. Die Baumwolle unserer Jeans wurde in Asien, genauer in Indien angebaut und geerntet.

Um aus der geernteten Baumwolle Stoff zu machen, müssen zuerst die Fäden gesponnen werden. Dies geschieht in Spinnerein – in unserem Fall in der Türkei. Das Garn wird dabei mit Hilfe von teuren und modernen Maschinen erzeugt. Deshalb geschieht dies oft in Ländern, die über technisches Know-how und Geld verfügen.

h

k

Das Garn wird dann in einer Weberei in China zu Jeansstoff weiterverarbeitet.

Eingefärbt wird der fertige Stoff allerdings in Tunesien (Nordafrika).

A

i

Das Schnittmuster für die Jeans kommt aus den USA und wird schnell und einfach elektronisch an die Fabrik in Bangladesch übermittelt.

Damit der Jeansstoff seine blaue Farbe erhält, muss der Stoff in einem nächsten Schritt gefärbt werden. Die Farben dazu kommen aus Polen.

b

e

Nach dem Färben wird der Stoff noch veredelt, das heißt er wird weich und knitterarm gemacht. In unserem Fall geschieht dies in Bulgarien. Danach wird der Stoff zum Zuschneiden und Nähen weitergeschickt. Im Land, in dem genäht wird, müssen vor dem Nähen alle Einzelteile (auch Schnitt, Knöpfe, Waschanleitung) zusammenkommen.

Die Waschanleitung kommt aus Frankreich und wird ebenso nach Bangladesch geschickt.

j Knöpfe und Nieten werden in Italien produziert und nach Bangladesch geschickt.

g

d

Als nächstes werden nun die einzelnen Teile zusammengenäht. Dies wird vorwiegend von jungen Frauen gemacht und benötigt viel Arbeitszeit. Deshalb findet dieser Produktionsschritt vor allem in Ländern statt, in denen nur sehr niedrige Löhne bezahlt werden müssen. In unserem Fall ist dies Bangladesch.

Die fertig genähte Jeans wird dann per Schiff nach Europa gebracht. Hier werden noch die Labels eingenäht, die Jeans nochmals gereinigt und dann in ein zentrales Lager und später in die Verkaufsstelle nach Österreich gebracht. Hier liegt sie zum Verkauf in einem Geschäft bereit.

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>>> Die Produktion eines T-Shirts Die TN erhalten einen Einblick in die „Textile Kette“ und in die Probleme für Mensch und Umwelt, die bei der Produktion von Textilien entstehen sowie in die Vorteile der biologischen Landwirtschaft und des Fairen Handels.

1. Schritt: (20 Min.) Die TN legen gemeinsam die Bildkartei „Die Produktion eines T-Shirts“. Ab einer Gruppengröße von 15 TN ist es besser die Gruppe zu teilen und mit zwei Bildkarteien zu arbeiten. Die Bilder werden aufgelegt, die Kärtchen an die TN verteilt. Der/die erste TN beginnt und liest den Text Nr. 1 vor. Gemeinsam wird das passende Bild gesucht und das Kärtchen dazu gelegt. Danach wird das Kärtchen Nr. 2 vorgelesen usw. bis die Bilder in der richtigen Reihenfolge aufgelegt wurden. Zwischendurch werden sich immer wieder Fragen ergeben. Es ist erwünscht, dass auch hier schon diskutiert wird bzw. ungekannte Begriffe erklärt werden. Fragen, die nicht beantwortet werden können, werden notiert. Im Anschluss können die TN versuchen, die Antworten auf die Fragen zu recherchieren. Einige Aspekte werden auch in anderen Methoden noch angesprochen. Als Hilfestellung können folgende Webtipps zu Textilproduktion, Umwelt und Arbeitsbedingungen angeboten werden:

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Bilderkette 30 Min. Bilder und Textkarten (jeweils 1 Set pro Gruppe), Plakat und Stifte, ev. Internetzugang

• www.wupperinst.org/globalisierung/pdf_global/baumwolle.pdf • www.baumwolle.at/qualitaeten/qualitaetenbaumwolle.html • www.wikipedia.org • www.klimabuendnis.at/start.asp?ID=115294 2. Schritt: (10 Min.) Jede Produktion hat Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Die Frage ist nur wie groß diese Auswirkungen sind. Es kann kein Produkt hergestellt werden, das völlig neutral ist. Die biologische und faire Produktion versucht die negativen Auswirkungen möglichst gering zu halten. In den Gruppen fassen die TN nochmals schriftlich in Stichworten auf einem Plakat die genannten Probleme und mögliche Alternativen bei der Textilproduktion zusammen. Es empfiehlt sich mit der Methode „Gütesiegeldschungel“ anzuschließen.

Kopier>>> vorlage die Produktion eines t-shirts: Textkarten 5

1. Baumwollanbau Der Hauptbestandteil unseres T-Shirts ist Baumwolle. Seit Jahrtausenden wird Baumwolle zur Herstellung von Kleidung verwendet. Baumwolle wird in den tropischen und subtropischen Zonen unserer Erde angebaut, also in den warmen, frostfreien und sonnenintensiven Klimazonen. Baumwollpflanzen sind sehr anspruchsvoll, brauchen viel Sonne, möglichst gleichmäßige Temperaturen zwischen 18 und 28 Grad Celsius und reichlich Wasser. Beim konventionellen Anbau von Baumwolle werden viel Düngemittel und Insektizide – also Gifte zur Abtötung von Insekten – eingesetzt. Dies führt mitunter zu großen Belastungen für die Umwelt. So versickern etwa Düngemittel im Boden und gelangen so ins Grundwasser. Auch für die Menschen, die in den Feldern arbeiten, sind die Gifte gesundheitsschädlich. Mittlerweile wird Baumwolle auch biologisch angebaut – so auch auf unserem Bild. Dies bedeutet unter anderem, dass beim Anbau keine künstlichen Düngemittel und giftigen Pestizide verwendet werden, sondern auf natürliche Mittel zurückgegriffen wird. Dies hat nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Menschen, die in den Baumwollfeldern arbeiten. Obwohl die Fläche, auf der biologische Baumwolle angebaut wird, jedes Jahr stark anwächst, ist es derzeit nur rund 1% der weltweiten Baumwolle, das aus biologischer Produktion kommt.

2. Baumwollernte Die Baumwollpflanzen entwickeln Fruchtkapseln, in denen erbsengroße Samen mit unzähligen weißen Samenhaaren wachsen. Wenn die Baumwolle reif ist, springen die Fruchtkapseln auf und die behaarten Samen quellen hervor. Dann muss die Baumwolle rasch geerntet werden, damit sie nicht hart und somit unbrauchbar wird. In großen Monokulturen erfolgt dies meist maschinell. Dafür werden die Baumwollstauden mit giftigen Chemikalien besprüht, sodass sie ihre Blätter verlieren. Dann können die weißen Fasern mit Hilfe von Maschinen geerntet werden. Auf kleineren Feldern und bei Baumwolle aus biologischem Anbau – wie auf unserem Bild – wird die Baumwolle meist händisch geerntet. Dies ist eine sehr anstrengende und langwierige Arbeit. Jedoch kann hier auf die chemische Entlaubung verzichtet werden. Die Qualität von händisch geernteter Baumwolle ist höher, da die PflückerInnen nur wirklich reife Faserbüschel ernten und die weniger reifen am Strauch lassen. Leider kommt es im konventionellen Anbau auch immer wieder vor, dass die PflückerInnen für diese anstrengende Arbeit sehr wenig bezahlt bekommen und auch Kinder diese harte Arbeit verrichten.

3. Synthetische Chemiefasern Da unser T-Shirt aber dehnbar und pflegeleicht sein soll, wird zur Baumwolle auch noch ein kleiner Anteil an Elasthan hinzugemischt. Elasthan gehört zu den synthetischen Kunstfasern und wird wie z.B. auch Polyester unter anderem aus Erdöl hergestellt. Aufgrund ihrer Eigenschaften (trocknen schnell, sind reißfest, behalten ihre Form, sind pflegeleicht etc.) sind Chemiefasern – rein oder gemischt mit anderen Fasern – nicht mehr aus der Textilindustrie wegzudenken. Allerdings entstehen bei der Förderung von Erdöl oftmals große Schäden für die Umwelt. Man denke nur an die Meldungen über Tankerunglücke und leckende Ölpipelines. Auch werden Kriege um den begehrten Rohstoff geführt. Weiter ist Erdöl eine begrenzte Ressource. Obwohl sich ExpertInnen nicht einige sind, wann die Erdölvorräte zu Ende gehen werden, ist es notwendig sich rechtzeitig Alternativen zu überlegen. Eine Möglichkeit ist dabei aus Zellulose – also aus Holz – Textilfasern zu erzeugen

5Verbraucherzentrale Bundesverband: Textilien – Eine Unterrichtsidee zu Nachhaltigkeit und Globalisierung. 2010 Paulitsch, Katharina: Am Beispiel Baumwolle: Flächennutzungskonkurrenz durch exportorientierte Landwirtschaft. 2004 Engelhardt, Andreas: Schwarzbuch Baumwolle. Was wir wirklich auf der Haut tragen. 2012 Verbraucherzentrale Bundesverband: Nachhaltigkeit und Globalisierung am Beispiel Textilien. 2010 www.wikipedia.org 21

Kopier>>> vorlage die Produktion eines t-shirts: Textkarten

4. Spinnen und Weben Nach dem Ernten der Baumwolle werden die Baumwollfasern maschinell von den Kernen befreit und zu Ballen gepresst. Dann geht es weiter in die Spinnerei. Dort werden vermischt mit Elasthan aus den Baumwollfasern Fäden gesponnen. Am Anfang erhält man ganz breite „Baumwoll-Stränge“. Das Endprodukt, nach vielen Spinnvorgängen, ist ein sehr feines Baumwollgarn, das zu Stoff weiterverarbeitet wird. Das Spinnen wird meist von Maschinen übernommen, deren Anschaffung teuer ist. Das fertige Garn wird anschließend in die Weberei gebracht, wo es zu Stoff weiterverarbeitet wird. Dieses Bild stammt aus einer Spinnerei aus Indien, die sich dazu verpflichtet hat, nach Kriterien des Fairen Handels zu produzieren. Dies bedeutet unter anderem, dass sie den Bauern und Bäuerinnen, die die Baumwolle liefern, höhere Preise für ihre Ernte zahlen. Weiter wird in der Spinnerei auf gute Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung geachtet. Leider ist dies in vielen anderen Unternehmen nicht selbstverständlich.

5. Textilveredelung Bevor aus unserem Stoff ein T-Shirt genäht wird, muss er noch veredelt werden. Dies heißt, dass der Stoff je nach Bedarf gebleicht, gefärbt und mit Hilfe chemischer Stoffe glänzend, weich und schmutzabweisend gemacht wird. Um kräftige Farben zu bekommen, werden oft Farbstoffe verwendet, die Schwermetalle enthalten. Diese Schwermetalle sind nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch krebserregend. Oft findet die Textilveredelung in Ländern statt, die über kein ausreichendes Klärsystem verfügen und die Giftstoffe landen ungefiltert in der Umwelt. Aber auch die Menschen, die mit den Chemikalien arbeiten, sind oftmals nicht ausreichend geschützt. Als Alternative kann auch mit Naturfarben gefärbt werden, die Mensch und Umwelt weniger belasten. Jedoch werden hier die Farben oftmals nicht so intensiv und leuchtend. Die Färbetrommeln unseres Bildes stehen in Mauritius, in einem Unternehmen, das faire Kleidung für Österreich produziert.

6. Zuschneiden und Nähen Nachdem der Stoff veredelt wurde, geht es weiter in der Produktion. Nach Schnittmustern werden die Teile maschinell oder mit der Hand zugeschnitten und zusammengenäht. Dieser Arbeitsschritt wird auch als Konfektionierung bezeichnet. Dieser Teil der Produktion ist sehr arbeitsintensiv. Dies heißt, dass viel menschliche Arbeitskraft benötigt wird und dies bedeutet wiederum, dass viele Löhne bezahlt werden müssen. Dies hat zur Folge, dass viele Unternehmen ihre Kleidungsstücke in Ländern nähen lassen, in denen nur sehr niedrige Löhne bezahlt werden müssen. Das ist vor allem in vielen asiatischen Ländern wie Bangladesch oder China der Fall. Vor allem junge Frauen nähen täglich zwölf Stunden und mehr. Oftmals erhalten sie aber nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn und auch die Sicherheitsvorkehrungen in vielen dieser Fabriken sind nur mangelhaft. Kleidungsstücke, die fair produziert wurden, nehmen darauf Rücksicht. ArbeiterInnen wie die Näherin auf unserem Bild werden fair bezahlt und Sicherheitsstandards werden eingehalten.

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Kopier>>> vorlage die Produktion eines t-shirts: Textkarten

7. Transport Nun ist unser T-Shirt fertig genäht. Es wird verpackt und an seinen Bestimmungsort verschickt. In unserem Fall geschieht dies zuerst per Schiff und dann per LKW. Dies ist allerdings nicht die erste Reise unseres T-Shirts. Begonnen hat es damit, dass die Baumwolle vom Feld in die Spinnerei gebracht wurde. Mittlerweile sind es mehr als 20.000km, die es zurückgelegt hat. Dabei wurde viel Diesel – also Erdöl – verbraucht und es sind eine Menge umweltschädlicher Abgase entstanden. So sind etwa die Treibhausgase mitverantwortlich für den Klimawandel. Vor allem im Bereich des Schiffverkehrs ist hier noch einiges zu tun, bedenkt man, dass mehr als 90% aller Waren per Schiff transportiert werden. Und gerade in dieser Branche wurde im Bereich Umweltschutz noch nicht so viel gemacht.

8. Verkauf Nun liegt unser T-Shirt fertig im Geschäft und wartet darauf von uns gekauft zu werden. Es hat viele Arbeitsschritte benötigt, bis es fertig gestellt war. Allerdings erfahren wir als KonsumentInnen nur sehr wenig über die Bedingungen, unter denen es hergestellt wurde. Immer mehr KäuferInnen wollen aber genau diese Informationen haben. Sie wollen wissen, wie NäherInnen und Bauern und Bäuerinnen gearbeitet haben und wie viel sie dafür bekommen haben. Sie wollen auch wissen, wie stark die Umwelt geschädigt wurde. Deshalb haben Firmen begonnen darauf zu achten, dass bei der Herstellung ihrer Kleidungsstücke keine Menschen ausgebeutet und die Umwelt geschont wurden. Mittlerweile gibt es eigene Gütesiegel für biologische oder fair produzierte Kleidung und viele große Firmen haben sich dazu verpflichtet nachhaltig zu produzieren. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, allerdings muss immer auch überprüft werden, ob diese Versprechungen eingehalten werden.

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Bild Baumwollstrauch mit 2 weißen Knollen © EZA Fairer Handel

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Bild Hände, die Baumwolle pflücken © EZA Fairer Handel

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Bild Erdölpumpe (schwarz/weiß) © askaja - Fotolia.com

Bild Garnspulen © EZA Fairer Handel 25

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Bild Färbetrommel © EZA Fairer Handel

Bild Frau beim zuschneiden © EZA Fairer Handel 26

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Bild Transportschiff © URSfoto / pixelio.de

Bild Kleidergeschäft © Helmut Wimmer 27

>>> Gütesiegeldschungel Die TN kennen verschiedene Nachhaltigkeitssiegel in der Textilbranche, können Informationen

Internetrecherche 45 Min. Internetzugang, Infotext „Gütesiegel“, ausgeschnittene Gütesiegel

Schritt 1 (15 Min.) Die TN werden in Gruppen zu 2-3 Personen eingeteilt. Jede/r erhält den Infotext „Gütesiegel“ mit Informationen zur Bewertung von Gütesiegeln und liest sich diesen durch. Die einzelnen Gütesiegel (siehe unten) werden ausgeschnitten und jede Gruppe sucht sich eines aus. Die Gruppen versuchen nun zu ihrem Gütesiegel im Internet folgende Informationen zu recherchieren: • Was sind die Kriterien (biologischer Anbau, Arbeitsbedingungen etc.)? • Wer kontrolliert wie? • Findet man Infos auf den Websites? Wie leicht? Schritt 2 (20Min.) Anschließend präsentieren sie die Ergebnisse kurz ihren KollegInnen. Diese sollten sich die wichtigsten Informationen zu jedem Gütesiegel notieren, sodass alle am Schluss einen Überblick über die einzelnen Gütesiegel haben.

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Schritt 3 (10 Min.) Abschließend sollen die TN folgende Fragen gemeinsam kurz reflektieren: (10 Min.) • Welche Gütesiegel kannten sie schon? Wussten sie, was sie bedeuteten? • Würden sie selbst Kleidung mit Gütesiegel kaufen? Warum ja, warum nein? • Finden sie Gütesiegel eine Möglichkeit die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern? Variante: Sollte kein Internetzugang zur Verfügung stehen, können die Infos von den Websites (www.ciromero.de/gruenemode-siegel; www.labelonline.de) auch ausgedruckt und den TN zur Verfügung gestellt werden. Die dritte Fragestellung (Findet man Infos auf den Websites? Wie leicht?) muss in diesem Fall allerdings weggelassen werden.

Kopier>>> vorlage gütesiegeldschungel: Infotext

Es gibt eine Vielzahl an Gütesiegel, die uns über die Herstellung von Kleidungsstücken informieren. Da ist es nicht immer leicht den Überblick zu bewahren. Um zu wissen, wie vertrauenswürdig ein Gütesiegel ist, sind folgende Informationen wichtig: • Welche Kriterien werden herangezogen? Also was verspricht das Gütesiegel überhaupt? Biologischen Anbau? Verpackung aus Recyclingmaterial? • Wer kontrolliert, ob dies eingehalten wird? Und wie? Hier ist es wichtig, dass es eine unabhängige Einrichtung ist. Wenn das Unternehmen selbst prüft, ob die eigenen Regeln

eingehalten werden, dann sollte man vorsichtig sein. Einen Unterschied macht es auch, ob die Kontrollen angekündigt werden und man sich darauf vorbereiten kann oder ob sie überraschend sind. • Wie einfach ist es zu den Informationen zu kommen? Führen die Gütesiegel die Infos auf ihren Seiten an? Findet man Infos auf den Kleidungsstücken? Tipps zum Recherchieren: Webseiten der Siegel www.ci-romero.de/gruenemode-siegel/ www.label-online.de

Folgende Gütesiegel werden ausgeschnitten und auf die Gruppen verteilt:

>>> Wer bekommt welchen Anteil am T-Shirt? 6

Die TN setzen sich mit den Produktionskosten und der Kostenaufteilung eines T-Shirts auseinander. Sie visualisieren dieLohnkosten am Beispiel des Preises eines T-Shirts im Vergleich zu anderen Posten.

1. Schritt Die TN überlegen in Einzelarbeit, welche Kosten rund um Produktion und Verkauf eines T-Shirts anfallen und schreiben die verschiedenen Posten (Preis für Baumwolle, Lohn NäherIn, Werbung, Lohn VerkäuferIn, Transportkosten etc.) auf Kärtchen auf. 2. Schritt Nun werden die untenstehenden Kategorien aufgepinnt. In der Großgruppe ordnen die TN die Kärtchen den Kategorien zu und pinnen sie auf. • Einzelhandel, Verwaltung, Mehrwertsteuer • Markenname, Verwaltung, Werbung • Materialkosten + Gewinn der Fabrik im Billiglohnland • Transportkosten, Steuern • Lohn der NäherIn Weiter erhalten die TN in Kleingruppen das Arbeitsblatt „T-Shirt“ und schneiden die Teile aus. Nun schätzen sie, welcher Kategorie welcher prozentuelle Anteil am T-Shirt zugeordnet werden kann. Die Gruppen pinnen ihre Schätzungen zu den Kategorien auf. Anschließend wird mit der richtigen Lösung verglichen und den TN die Möglichkeit gegeben sich dazu zu äußern.

Visualisierung am Beispiel eines T-Shirts 20 Min. bzw. 30 Min. leere Kärtchen, Stecknadeln oder Klebestreifen, A4-Zettel mit je einer Kostengruppe, Arbeitsblatt „T-Shirt“ für jede Gruppe Lösung: • Einzelhandel, Verwaltung, Mehrwertsteuer: 50% • Markenname, Verwaltung, Werbung: 25% • Materialkosten und Gewinn der Fabrik im Billiglohnland: 13% • Transportkosten, Steuern: 11% • Lohn der NäherIn: 1% Falls die TN in Mathematik Prozentrechnungen schon durchgenommen haben, können folgende Berechnungen gemacht werden. Ansonsten werden die Zahlen angegeben: • Ein T-Shirt kostet im Einzelhandel 5 Euro. Wie viel bekommt eine NäherIn? (5 Cent) • Um wie viel wird das T-Shirt teurer, wenn die NäherIn das Doppelte bekommt? (5 Cent) Anschließend werden folgende Fragen diskutiert: • Ist diese Aufteilung fair? • Falls der Lohn der NäherInnen verdoppelt wird: Wer soll diese 5 Cent zahlen? KundInnen oder Unternehmen? Warum? Tipp zur Weiterarbeit: Es können auch noch die Anteile der anderen „Kostenstellen“ berechnet werden.  

>>> Arbeit – was ist das? Die TN setzen sich mit dem Begriff „Arbeit“ auseinander und finden eine Definition.

Brainstorming 15 Min.

Die TN teilen sich in Kleingruppen zu je vier Personen und versuchen gemeinsam eine Definition für Arbeit zu finden.

Anschließend tauschen die Gruppen ihre Ergebnisse aus und diskutieren darüber bzw. finden in der Klasse eine gemeinsame Definition.

Tipp zur Weiterarbeit: In „Deutsch Kommunikation und Gesellschaft“ kann hier eine Erörterung zum Thema Arbeit angeschlossen werden. Weiter können auch Argumente pro und contra Arbeit gesammelt werden und dann in einer Diskussion vorgetragen werden.   6 Hintergrundinformationen für TrainerInnen: : http://derstandard.at/1363709879452/Bangladesch-Papst-nennt-Naehstuben-SklavenFolgende Fragen können dabei helfen: • Wenn wir das Wort „Arbeit“ hören, woran denken wir dabei spontan? • Wie würden wir „Arbeit“ definieren? • Welche Formen von Arbeit gibt es? • Was bedeutet Arbeit für jede/n von uns?

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Kopier>>> vorlage wer bekommt welchen Anteil am t-shirt?

25%

50%

11%

13%

1%

Quelle: Christliche Initiative Romero (CIR): FAIRlixt und zugenäht! Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie, 2011, S.5 31

>>> Leute machen Kleider Die TN setzen sich spielerisch mit den schwierigen Arbeitsbedingungen von TextilarbeiterInnen auseinander. Die Übung dient dazu, den Arbeitsalltag von NäherInnen – Fließbandarbeit und noch dazu unter Akkord – nachvollziehen zu können. Um eine „normale“ Bluse zu nähen, sind viele Teilschritte erforderlich. In den Textilfabriken werden sie von verschiedenen Arbeitsgruppen erledigt. So stellt niemand eine Bluse von Anfang bis Ende her, sondern näht z.B. den ganzen Tag lang nur Knöpfe, Ärmel oder Passen an, Vorderund Rückenteile oder andere Teile. Durch diese Aufteilung wird die Herstellungszeit stark verkürzt – die Arbeit aber umso eintöniger. Meist stehen die NäherInnen zusätzlich unter Zeitdruck. Bezahlt wird nach Leistung, d.h. Stückzahl. Erschwerend kommen noch die ständige Überanstrengung der Augen und die anhaltende Reizung der Atemorgane durch Staub und Flusen hinzu. 1. Schritt: Die TN teilen sich in Gruppen zu je 12 Personen – 11 NäherInnen, 1 Kontrollperson (VorarbeiterIn) – auf. Die NäherInnen erhalten je eine Nummer: NäherIn 1, NäherIn 2 etc., ein Arbeitsblatt und einen Stift zum Schreiben. Die restlichen Arbeitsblätter bekommt die Kontrollperson. Der/ die TrainerIn sagt den NäherInnnen ihre jeweilige Aufgabe (siehe Kasten „Arbeitsaufgabe“). Die TN notieren sich je nach Nummer ihre „Aufgaben“. „Arbeitsaufgaben“ Näherin1: Einzelteile zuschneiden Näherin 2: Schulterpassen(doppelseitig) einsetzen Näherin 3: Seitennähte schließen und säumen Näherin 4: Brusttaschen vorbereiten und aufsteppen Näherin 5: Knopfleiste fertig stellen Näherin 6: Knopflochleiste aufsetzen und fest steppen Näherin 7: Ärmelschlitze mit Blenden säumen Näherin 8: Ärmel einsetzen Näherin 9: Kragen vorbereiten und fest steppen Näherin 10: Knopflöcher nähen Näherin 11: Knöpfe annähen 2. Schritt: Auf los geht’s los! Wichtige Vorgabe vom Firmenchef: An diesem Arbeitstag müssen mindestens 70 Blusen produziert werden! JedeR „NäherIn“ schreibt den eigenen Arbeitsschritt, d.h. NäherIn 1 „Einzelteile zuschneiden“, NäherIn 2 „Schulterpassen (doppelseitig) 7

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Rollenspiel 40 Min. Arbeitsblatt „NäherInnen“ (für 12 Personen mind. 70 Arbeitsblätter A5 vorbereiten) einsetzen“ etc. auf das Arbeitsblatt, sobald er/sie fertig ist, wird das Blatt dem/der nächsten „NäherIn“ nach links weitergegeben. Nun wird der gleiche Text auf das nächste Arbeitsblatt geschrieben und so geht es weiter, bis die Kontrollperson nach 10 Min. den „Arbeitstag“ beendet. Die Kontrollperson ist dafür verantwortlich, dass am Ende des „Arbeitstags“ dem Firmenchef/der Firmenchefin (TrainerIN) die 70 sauber gefertigten Blusen übergeben werden können. Während des Spiels hat er/sie vor allem darauf zu achten, dass schnell, effektiv und konzentriert gearbeitet wird und dass jede/r sofort aufhört, wenn die Zeit abgelaufen ist. Eine zusätzliche Aufgabe ist das Bereitstellen von neuen Arbeitsblättern, wenn die ersten schon voll sind. 3. Schritt: Danach wird gezählt, wie viel Einzelteile der/die Näher/in 1 „fabriziert“ hat, d.h. auf wie vielen Arbeitsblättern „Einzelteile zuschneiden“ vermerkt ist; der/die Näher/in 2 „Schulterpassen (doppelseitig) einsetzen“, usw. Die Kontrollperson kontrolliert die einzelnen Teile und sondert die aus, die nicht den Qualitätskriterien entsprechen. Die Näher/innen, die davon betroffen sind, müssen in einer „Nachtschicht“ (Nacharbeit), die nicht gelungenen Teile nachproduzieren. 4. Schritt: Abschließend wird das Spiel gemeinsam reflektiert. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein: • Wie ist es den NäherInnen ergangen? • War es ein Problem unter Zeitdruck zu arbeiten bzw. die Vorgabe von 70 Blusen zu erfüllen? • Den ganzen Arbeitstag immer dieselbe Tätigkeit durchzuführen, macht das Spaß, ist es angenehm, weil man nicht viel denken muss oder ist es eintönig und fad? • War es schwierig ständig kontrolliert zu werden? • Wie ist es der Kontrollperson ergangen? • War der Druck, am Abend 70 schöne, fertige Blusen abliefern zu müssen, aushaltbar? • War es schwierig die NäherInnen zu kontrollieren und den Druck an sie weiterzugeben? • Welchen Job würdet ihr lieber machen und warum?  

Diese Methode würde übernommen aus: BAOBAB – Globales Lernen: Die Welt entdecken, erfahren, verstehen. Methoden für den Unterricht. Wien, 2008. 32

Kopier>>> vorlage leute machen kleider: arbeits blatt „näherinnen“

Näherin 1: Näherin 2: Näherin 3: Näherin 4: Näherin 5: Näherin 6: Näherin 7: Näherin 8: Näherin 9: Näherin 10: Näherin 11:

Näherin 1: Näherin 2: Näherin 3: Näherin 4: Näherin 5: Näherin 6: Näherin 7: Näherin 8: Näherin 9: Näherin 10: Näherin 11:

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>>> Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie Die TN können die arbeitsrechtlichen Probleme in der Textilproduktion identifizieren. Sie können Forderungen formulieren und diese präsentieren. Sie kennen internationale Rechte zu Arbeitsbedingungen.

1. Schritt: (20 Min.) Die TN arbeiten in Kleingruppen (max. vier Gruppen). Jede Kleingruppe erhält die ausgeschnittenen Berichte zu Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie (siehe Textkarten „Berichte zu Arbeitsbedingungen“). Dabei kommen vor allem NäherInnen und GewerkschaftsmitarbeiterInnen aus dem Süden zu Wort. Die Texte werden in der Gruppe aufgeteilt und gelesen. Nicht jeder muss jeden Text lesen. Gemeinsam werden zuerst die in den Texten angesprochenen Probleme herausgearbeitet. Anhand der Probleme erstellen die Gruppen Forderungen, wie die Probleme gelöst werden können (z.B. es müssen Löhne gezahlt werden, von denen man leben kann; es darf keine Kinderarbeit geben etc.). Die Forderungen werden auf einem Plakat festgehalten. 2. Schritt: (30 Min.) Jede Gruppe präsentiert ihre Forderungen. Im Plenum wird aus den genannten Forderungen gemeinsam ein Forderungskatalog erstellt. Dabei sollen nur jene Forderungen enthalten sein, die den TN wirklich wichtig erscheinen. 3. Schritt: (60 Min.) Die TN gehen wieder in die Kleingruppen. Jede Gruppe bekommt das Arbeitsblatt „Menschenrechte und Kernarbeitsnormen“ mit ausgewählten Artikeln aus der Menschenrechtserklärung und den Kernarbeitsnormen. Der/die TrainerIn erläutert kurz deren Entstehung und Bedeutung. Anschließend beantworten die TN in ihren Gruppen folgende Fragen. Bei der ersten Frage können am Arbeitsblatt die Forderungen zu den Artikeln dazugeschrieben werden. Bei der dritten Frage vermerken sie jeden ihrer Umsetzungsvorschläge auf persönlicher oder politischer

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Arbeit mit Zitaten, Entwicklung von Forderungen 100 Min. Textkarten „Berichte zu Arbeitsbedingungen“, Plakate und Stifte, Arbeitsblatt „Menschenrechte und Kernarbeitsnormen“ (1x pro Gruppe), min. 40 Kärtchen, Stecknadeln oder Klebstreifen Ebene auf ein Kärtchen. • Welche eurer Forderungen werden durch die Menschenrechte bzw. die ILO-Kernarbeitsnormen unterstützt? Und durch welche? • Warum ist es möglich, dass es trotz der Menschenrechte und Kernarbeitsnormen immer noch so schlechte Arbeitsbedingungen gibt? • Was muss passieren, damit die Forderungen umgesetzt werden? Was kann ich persönlich tun? Was muss auf politischer Ebene passieren? Was muss auf der unternehmerischen Ebene passieren? Zuerst werden im Plenum kurz die Fragestellung 1 und 2 besprochen. Anschließend präsentieren die Gruppen ihre auf Kärtchen notierten Handlungsvorschläge auf der individuellen, politischen und unternehmerischen Ebene. Diese werden sortiert aufgepinnt. Abschließend werden die TN darauf hingewiesen, dass es Organisationen gibt, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzen. Eine davon ist die international arbeitende Clean Clothes Kampagne. Diese hat auch einen Verhaltenskodex erarbeitet, der unten www.cleanclothes.at/de/ueber-uns/forderungen abgerufen werden kann. Gemeinsam wird der erstellte Forderungskatalog mit dem der CCK verglichen. Wo gibt es Überschneidungen? Wo Unterschiede? Tipp zur Weiterarbeit: Um Textverständnis zu fördern können die Textkarten „Berichte zu Arbeitsbedingungen“ von den TN auch jeweils in 1-2 Sätzen zusammengefasst werden.

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Wer bezahlt unsere Kleidung? Mit der „Giants Campaign“ gegen die größten Discounter „Basierend auf Interviews mit 136 ArbeiterInnen aus sechs Fabriken, von denen fünf Lidl und drei KiK beliefern, stellt die eingangs erwähnte Broschüre schwerwiegende Arbeitsrechtsverletzungen fest: Die Näherinnen arbeiten ohne Arbeitsverträge zu Niedrigstlöhnen. Überstunden werden nicht oder nicht korrekt bezahlt, das Recht sich zu organisieren, wird den ArbeiterInnen verwehrt: In keiner Fabrik gibt es einen Betriebsrat oder eine Gewerkschaft. Frauen werden diskriminiert und von den Vorarbeitern schlecht behandelt, sie werden geringer bezahlt als die Männer.“ Auszug aus: Frauensolidarität, Nr. 104, 2/08, S.23

Bangladesch: Mehr als 100 Tote bei Brand in Fabrik, Hunderten meist weiblichen Arbeitern war Fluchtweg versperrt „Dhaka - Mehr als 100 Menschen sind beim verheerenden Brand einer Textilfabrik in Bangladesch ums Leben gekommen. Weitere 200 Menschen erlitten Verbrennungen, sagte der Einsatzleiter am Sonntag. Zwar gab es mehrere Treppenhäuser, doch alle führten ins Erdgeschoß, wo das Feuer am Samstag ausgebrochen war. Andere Notausgänge gab es nicht. Etwa 1.000 Arbeiter und Arbeiterinnen nähten zum Zeitpunkt des Unglücks in der Fabrik. Sie produzierte auch für deutsche Firmen. Die Kampagne für Saubere Kleidung prangerte die schlechten Arbeits- und Sicherheitsbedingungen in vielen Fabriken des Billiglohnlandes an. Immer wieder kommt es in Bangladesch, Indien und Pakistan zu ähnlichen Unglücken.“ Auszug aus: derstandard.at/1353207217427/Bangladesch-Mehr-als-120-Tote-bei-Brand-in-Fabrik (abgerufen am 07.05.2013)

Rote Karte für die Multis - Für existenzsichernde Löhne in der Sportbekleidungsindustrie Pui-Lin Sham [Vorstandsmitglied der Textilgewerkschaft Hongkong Clothing, Clerical & Retailing General Union]: „[…] die meisten ArbeiterInnen haben keinen Urlaubsanspruch oder Mutterschutz, keine Kranken- und Pensionsversicherung. Sie arbeiten von 7 Uhr bis 22 Uhr; um die eng gesetzten Produktionsfristen einzuhalten, müssen sie manchmal auch die Nacht durcharbeiten. In China gibt es zwar ein Arbeitsrecht, aber es wird nicht ernsthaft umgesetzt oder kontrolliert. Die ArbeiterInnen werden sehr streng an ihrer Arbeitsstelle überwacht, wenn sie zuviel reden oder zu häufig das WC aufsuchen, wird ihr Lohn gekürzt. Obwohl es Beschwerdestellen für ungerechte Bezahlung gibt, erhalten die ArbeiterInnen nur geringe und meist unzureichende Unterstützung.“ Auszug aus: Frauensolidarität, Nr. 104, 2/08, S.14

Ermittlungen gegen Textilkette Zara wegen Zwangsarbeit „Gegen die Textilkette Zara wird in Brasilien wegen des Verdachts auf Zwangsarbeit ermittelt. Zara werde vorgeworfen, im Bundesstaat Sao Paulo Arbeitnehmer unter Bedingungen zu beschäftigen, die an Sklaverei grenzten, sagte ein Sprecher der Arbeitsaufsicht am Mittwoch in Sao Paulo. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen im Mai aufgenommen und in Americana, 130 Kilometer südlich von Sao Paulo, 52 Bolivianer entdeckt, die schwarz und unter gesundheitsschädlichen Bedingungen gearbeitet hätten. Dabei seien Kleider der Marke Zara sichergestellt worden.“ Auszug aus: www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2811438/ermittlungen-gegen-kette-zara-zwangsarbeit.story (abgerufen am 06.05.2013)

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Die Modelüge „Manche Fabriken haben nicht einmal ein BSCI-Audit, etwa Megastar Apparel. Die Fenster des Werks im Zentrum von Dhaka sind vergittert, die Räume dunkel, der einzige Fluchtweg ist ein enges Treppenhaus, über das die 600 Arbeiter im Brandfall niemals werden fliehen können. Das Unternehmen zahlt nur den gesetzlichen Mindestlohn von 30 Euro im Monat.“ Auszug aus: www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-09/textilfabriken-bangladesch/seite-2 (abgerufen am 06.05.2013)

Interview mit einer Verpackerin bei Yung Wah Industrial Co., GAP-Lieferant „Mein momentaner Lohn reicht nicht, um all diese Ausgaben zu decken. Um gut zu leben, müsste ich mindestens 120 Dollar verdienen, die Zulagen nicht eingeschlossen. Selbst als ich Überstunden leisten konnte, war es nicht genug. Ich musste zwischen 30 und 50 Dollar pro Monat vom lokalen Geldverleiher borgen.“ www.evb.ch/p20334.html

Hunderte Brandopfer bei KIK-Zulieferer in Pakistan Das Unternehmen Ali Enterprises in Karachi, bei dessen Brand letzte Woche fast 300 Menschen starben, hat Jeans für den Discounter KIK produziert. Ungefähr 650 Beschäftigte arbeiteten in der Fabrik als letzten Dienstag das Feuer ausbrach. Verschlossene Notausgänge, vergitterte Fenster und versperrte Treppenhäuser führten dazu, dass fast die Hälfte der ArbeiterInnen starb. Weitere verletzten sich, als sie vom obersten Stockwerk des Gebäudes sprangen. Die Fabrik war nicht offiziell registriert und es hatten keine Gebäudeprüfungen oder Regierungsinspektionen stattgefunden. Auszug aus: www.cleanclothes.at/de/news/brandkatastrophe-KIK-zulieferbetrieb-Pakistan

Interview mit einer Qualitätskontrolleurin bei Berry Apparel Co., H&M-Lieferant „Ich kann nur 6.000 Riels (1.50 Dollar) pro Tag für Essen ausgeben. Das ist gerade genug, um den Hunger zu lindern. Ich kann mir damit eine Suppe und ein bisschen Reis kaufen – aber keine Früchte, Süßigkeiten oder Getränke. Das ist zu wenig und viele von uns leiden an Unterzuckerung. Deshalb gibt es bei uns so viele Ohnmachtsanfälle. Jeden Monat werden vier bis fünf Kolleginnen bewusstlos, vor allem bei der chemischen Reinigung der Textilien. Der Geruch nach Chemikalien ist dort sehr stark. Diese Abteilung sollte ins Freie verlegt werden.” www.evb.ch/p20353.html

Interview mit einer Näherin bei Evergreen Apparel, Levi’s-Lieferant „Ich habe gehört, dass benachbarte Fabriken bessere Löhne zahlen. Ich könnte mich dort bewerben, aber ich werde es nicht machen, weil wir bei Evergreen jetzt unbefristete Anstellungen haben (seit Januar 2012). Andere Fabriken bieten das nicht. Bis 2012 hatten wir nur Drei-Monats-Veträge. Ich weiß nicht, warum die Geschäftsführung beschlossen hat, das zu ändern, aber es sind auf jeden Fall gute Neuigkeiten. Jetzt kann ich selbst entscheiden, ob ich hier bleibe oder nicht, ohne Angst vor der Zukunft haben zu müssen.” www.evb.ch/p20342.html

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Interview mit einer Qualitätskontrolleurin bei Berry Apparel Co., H&M-Lieferant „Bis 2007 arbeitete ich oft zwölf Stunden pro Tag, um meine täglichen Ausgaben zu bezahlen und Geld nach Hause zu schicken. Heute dürfen wir nur zwei Überstunden pro Tag machen. So verdiene ich zwischen 100 und 110 Dollar pro Monat, wenn ich keinen Arbeitstag auslasse. Die Geschäftsführung versucht aber wenn immer möglich, den Anwesenheitsbonus zu umgehen, selbst wenn wir ein Arztzeugnis für unser Fernbleiben vorweisen. Jede “legitime Abwesenheit” kostet uns zwei bis drei Dollar sowie den Verlust des Anwesenheitsbonus. Wenn man den Arzt für das Attest nicht bezahlen kann, gilt die krankheitsbedingte Abwesenheit als unerlaubt und kostet uns zehn Dollar.” www.evb.ch/p20353.html

Sklavin für vier Jahre „Die Fabrik gleicht einem Gefängnis wie fast alle anderen hier. Schon draußen ist die enorme Staubbelastung zu spüren, die Zäune, die Pfähle, die Gitter, alles ist mit einer dicken Baumwollschicht überzogen. Der Manager spricht offen über seine Sumangali-Mädchen. Je nach Bedarf arbeiten sie 12 bis 16 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, kontrolliert von männlichen Schichtleitern. Wenn sie einen Tag krank sind, müssen sie einen ganzen Monat umsonst nacharbeiten, so einfach, so ungerecht. […] Aus eigenem Antrieb irgendwohin gehen dürften die Mädchen natürlich nicht: ’Ihnen ist es strikt verboten, das Gelände zu verlassen! Wenn sie rauswollen, werden sie von uns begleitet und wieder zurückgebracht. Wir erlauben es ihnen nicht, sich frei zu bewegen.’ Aber eigentlich hätte er all das nicht erzählen dürfen. Er hat sich hinreißen lassen, obwohl sein Direktor es ihm streng verboten hat.“ Auszug aus: www.zeit.de/2012/13/Indien-Textilfabrik-Arbeitsbedingungen/seite-2 (abgerufen am: 07.05.2013

Textil-Discounter Kik: Kinderarbeit nicht ausgeschlossen „Zu Beginn des Jahres veröffentlichte die "Kampagne für saubere Kleidung" (Clean Clothes Campaign, CCC) eine Studie über die Arbeitsbedingungen in Firmen in Bangladesch, die unter anderem für Kik tätig sind. In dem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, sind etliche Verletzungen des Kik-Kodex protokolliert. Die Rede ist von fehlenden Betriebsräten, zahllosen Überstunden und mickrigen Löhnen. Meist fehlten Arbeitsverträge, Diskriminierungen von Frauen seien alltäglich. Von einem Kodex habe keiner der befragten Arbeiter je gehört. Jedoch berichten sie in der Studie von Kontrollen durch westliche Geschäftspartner und deren Gesandte. Vorher würden dann extra die Toiletten geputzt, die Angestellten eingeschüchtert und Jugendliche nach Hause geschickt, um den Verdacht, dass Menschen unter 14 beschäftigt sind, gar nicht erst aufkommen zu lassen.“ Auszug aus: www.spiegel.de/wirtschaft/textil-discounter-kik-kinderarbeit-nicht-ausgeschlossen-a-552311.html (abgerufen am 06.05.2013)

Auszug aus dem Interview mit Bopha Chea, Strickerin bei E Garment, H&M-Lieferant „Kämpfen” ist ein Verb, das sehr gut zu Bopha Chea passt. Um ihr Schicksal nicht einfach hinzunehmen, entschloss sie sich für die Mitgliedschaft in der C.CAWDU, der einzigen unabhängigen Gewerkschaft in ihrer Fabrik. Ein mutiger Schritt, wenn man die damit verbundenen Risiken bedenkt. Am 2. Mai 2007 nahmen über 250 ArbeiterInnen an einer Wahl teil, um eine lokale C.CAWDU-Gewerkschaft zu gründen. Am nächsten Tag wurden 13 der 19 KandidatInnen entlassen, drei weitere wurden bedroht, versetzt und schließlich entlassen. Im Juli 2011 wurden acht C.CAWDU-VertreterInnen gefeuert und zwei weitere angegriffen, nachdem sie Unterschriften für einen fairen Lohn in der Textilindustrie sammelten. www.evb.ch/p20352.html; der Name wurde aus Sicherheitsgründen geändert

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Auszug aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Artikel 1 Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Artikel 4 Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten. Artikel 19 Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten. Artikel 22 Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind. Artikel 23 1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit. 2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. 3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen. 4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten. Artikel 24 Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub. Artikel 25 1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände. 2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz. Artikel 26 1. Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen. 2. Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein. 3. Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.

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Kernarbeitsnormen der ILO Übereinkommen 29 und 105: Abschaffung der Zwangsarbeit Als Zwangsarbeit wird Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch unter Androhung einer Strafe gegen seinen Willen gezwungen wird. Der Präsenzdienst, Arbeit im Zuge einer gerichtlichen Verurteilung oder im Falle von Unglücken wie Überschwemmungen, Kriegen etc. zählen nicht zu Zwangsarbeit. Übereinkommen 87 und 98: Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechtes, Recht zu Kollektivverhandlungen Dies bedeutet, dass ArbeitnehmerInnen das Recht haben Organisationen (z.B. Gewerkschaften) zu gründen, ihnen beizutreten und VertreterInnen zu wählen ohne dafür eine spezielle Bewilligung zu benötigen. Eine Entlassung auf Grund eines Gewerkschaftsbeitritts ist ebenso ungültig wie das Zahlen von Geld, damit man nicht beitritt. Übereinkommen 100 und 111: Gleichheit des Entgelts, Diskriminierungsverbot (Beschäftigung und Beruf) Gleichheit des Entgelts bedeutet, dass Männer und Frauen für gleichwertige Arbeit gleiche Löhne bekommen. Als Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf gilt jede Bevorzugung oder Benachteiligung von ArbeitnehmerInnen aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Glauben, politischer Meinung, Staatsbürgerschaft oder sozialer Herkunft. Bevorzugungen oder Benachteiligungen, die sich aufgrund der Anforderungen ergeben, sind keine Diskriminierung. Übereinkommen 138 und 182: Mindestalter, Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit Das von der ILO festgelegt Mindestalter liegt beim Ende der Schulpflicht und mindestens 15 Jahren. In Ausnahmefällen kann vorübergehend ein Mindestalter von 14 Jahren erlaubt sein. Mit „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ sind alle Formen der Sklaverei sowie der Verkauf von Kindern, Kinderhandel, Kinderprostitution, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft sowie Zwangsarbeit (einschließlich des Einsatzes in bewaffneten Konflikten) gemeint. Zudem ist es verboten Kinder zu unerlaubten Tätigkeiten (z.B. Drogenverkauf) und Arbeit, die vermutlich die Gesundheit, Sicherheit und Sittlichkeit von Kindern schädigt, heranzuziehen.

Hintergrundinformation für TrainerInnen Es gibt zwei internationale Dokumente, die sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen einsetzen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR): Die Vereinten Nationen sind eine globale internationale Organisation, die sich heute aus 193 Staaten zusammensetzt. Dieses Gremium verkündete 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Diese Erklärung besteht aus 30 Artikeln, die die grundlegenden Rechte eines jeden Menschen festhält, „ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Es werden dabei ganz unterschiedliche Aspekte des menschlichen Lebens angesprochen. Die Menschenrechte sind zwar nicht völkerrechtlich bindend, dennoch haben viele Staaten sie prinzipiell anerkannt und sie sind Grundlage vieler politischen Debatten.

Kernarbeitsnormen der ILO: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen. Sie kümmert sich speziell um die Rechte von ArbeitnehmerInnen und kämpft für menschenwürdige Arbeit. Fast alle Staaten der Welt sind Mitglied dieser Organisation. Das besondere ist auch, dass sowohl UnternehmerInnen, ArbeitnehmervertreterInnen und Politik an einem Tisch sitzen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Mehr als 120 Staaten haben alle Kernarbeitsnormen unterschrieben (darunter auch Österreich). Mehr als 160 Staaten haben etwa das Übereinkommen gegen Kinderarbeit unterschrieben (weltweit gibt es derzeit 193 Staaten). Die Kernarbeitnormen stoßen also auf breite Akzeptanz und werden international immer wieder als Referenzrahmen für menschenwürdige Arbeit herangezogen.

Quellen: AEMR: www.wikipedia.org; ILO: www.ilo.org/berlin 39

>>> TABU Die TN trainieren durch den spielerischen Umgang mit Begriffen ihre Kommunikationsstrategien, wiederholen wichtige Begriffe rund um die Textilindustrie und können sie auch erklären.

Tabu ist ein kommunikatives Gesellschaftsspiel, bei dem es um die Erklärung von Begriffen geht. Im folgenden Spiel sollen Begriffen aus dem Themenbereich Textilbranche erklärt werden, die in den Methoden bereits vorgekommen sind. Je nachdem welche Methode bereits mit den TN durchgeführt wurde, kennen die TN die Begriffe. Die TN bilden Kleingruppen zu je 3-4 Personen. Je zwei Gruppen spielen gegeneinander. Für jedes Spiel wird ein Set Tabukarten bereit gestellt. Die SpielerInnen sitzen dabei abwechselnd je nach Team (A-B-A-B-A-B). Das Ziel jedes Teams ist es, innerhalb der vorgegebenen Zeit (z.B. 2 Min.) so viele Begriffe wie möglich zu erklären und somit möglichst viele Punkte zu bekommen. Ein Mitglied des beginnenden Teams zieht eine Karte und versucht den TeamkollegInnen den fettgedruckten Begriff zu erklären, ohne diesen oder die darunter stehenden Tabuwörter zu verwenden. Die MitspielerInnen im eigenen Team müssen den Begriff erraten. Es dürfen keine

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Tabu-Spiel 30 Min. Tabukarten (Kopiervoralge, mehrere Sets), Sanduhr verwandten Begriffe, Teilbegriffe oder Wörter in anderen Sprachen gebraucht werden (z.B. Bauer => Bauernhof oder Farmer, Gerechtigkeit => gerecht etc.). Der/die SpielerIn des gegnerischen Teams, die auf der linken Seite sitzt, wacht darüber. Die weiteren SpielerInnen des gegnerischen Teams behalten die Sanduhr im Auge. Wird der Begriff erraten, zieht die SpielerIn die nächste Karte und erklärt den darauf stehenden Begriff. Bei Benutzung eines „verbotenen“ Wortes muss eine neue Karte gezogen werden. Sind die zwei Minuten um, ist das andere Team an der Reihe. Für jeden erratenen Begriff erhält das Team einen Punkt. Das Spiel endet, wenn keine Karten mehr übrig sind.

Variante: Je nach den vorher gemachten Methoden können Begriffe weg- oder dazugegeben werden. In einer einfacheren Variante können die drei „verbotenen“ Wörter auch verwendet werden.

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Baumwolle

Erdöl

Kleidung

Marke

TABU

TABU

TABU

TABU

Material Faser Kleidung

Plastik Benzin Boden

Garn

Schwermetalle

TABU

TABU

Stricken Faden Knäuel

Gift/giftig Blei Rohr

Anhaben Jeans Körper

Biologische Landwirtschaft

TABU Gentechnik Pestizide Öko

Name Teuer Kleidung

Sklaverei

TABU Arbeit Befehl Freiheit

Produktionskette

Konventioneller Anbau

Gütesiegel

Produktionsländer

TABU Entstehung Schritt Herstellung

TABU Biologisch Normal Landwirtschaft

TABU FairTrade Hinweis Logo

TABU Herstellung Nähen Frau

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Düngemittel

Kinderarbeit

Pflückerin

Weberei

TABU

TABU

TABU

TABU

Landwirtschaft Boden spritzen

Baumwolle Hand Obst

Schifftransport

Lohn

Menschenrechte

TABU

TABU

TABU

Meer Boot Container

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Klein Job Jung

Niedrig Gehalt Geld

Alle Gleich UNO

Webstuhl Schiff Stoff

TABU

>>> Was kann ich tun? Die TN lernen unterschiedliche individuelle Handlungsmöglichkeiten kennen und beziehen dazu Stellung.

Positionsbarometer

Es werden fünf Gruppen gebildet, alle TN einer Gruppe erhalten die gleiche Karte und lesen diese durch. Anschließend besprechen sie sich kurz und eine Person aus der Gruppe gibt frei den Inhalt der Karte wieder. Die/der erste TN mit Karte beginnt und stellt die Handlungsmöglichkeit den anderen TN vor. Die TN erhalten kurz Zeit, um über diese Handlungsmöglichkeit nachzudenken und positionieren sich nun entlang einer Linie zwischen den beiden Polen: „Dadurch kann sich viel verändern“ – „Dadurch ändert sich nichts“ Die TN werden aufgefordert ihre Position zu begründen. Haben sie andere mit ihren Argumenten überzeugt, dürfen diese die Position ändern. Wenn alles Wichtige gesagt wurde, wird die nächste Handlungsmöglichkeit vorgestellt und dazu Position bezogen. Wichtig ist es hierbei als ModeratorIn eine neutrale Haltung einzunehmen und die vorgetragenen Meinungen nicht zu bewerten. Es sollte aber

Textkarten: Handlungsmöglichkeiten Thema Textil, Schild „Dadurch kann sich viel verändern“, Schild „Dadurch ändert sich nichts“, rote und grüne Stifte

60 Min.

am Ende darauf hingewiesen werden, dass es sich dabei nur um individuelle Handlungsmöglichkeiten handelt. Um die Situation zu verändern, sind auch Handlung von Seiten der Politik und der Wirtschaft nötig. Abschließend überlegen sich die TN kurz, welche der genannten Handlungsmöglichkeiten sie gegebenenfalls selbst durchführen würden. Inzwischen werden von dem/der TrainerIn die Textkarten an die Wand gehängt. Die TN können nun ihre Position mit einem grünen oder roten Punkt auf den Karten markieren. • Grüne Punkte: Ich kann mir vorstellen, das selbst zu machen. • Rote Punkte: Das würde ich nie und nimmer machen.

>>> And the winner is ... Die TN können zu Verhaltenskodizes im Internet recherchieren, Bewertungen treffen und diese begründen.

Internetrecherche 60 Min. Internetzugang, Papier, Stifte, Schere, Kreiden etc.

Die TN recherchieren in vier Kleingruppen Hintergründe zu Marken , die sie selbst gerne tragen oder kennen. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Fragen: • Gibt das Unternehmen Informationen zu Herkunft und Produktion der Ware bekannt? • Was ist über die Arbeitsbedingungen bekannt? • Hat das Unternehmen einen Verhaltenskodex? • Wie wird dieser umgesetzt? Jeder in der Gruppe recherchiert zu einer Marke. Infos finden die TN auf den Seiten der Marken bzw. unter www.cleanclothes.at oder www.suedwind-institut.de. Ebenso können über Suchmaschinen Zeitungsberichte recherchiert werden. Es ist wichtig, dass sie unterschiedliche Quellen verwenden, um somit unterschiedliche

Perspektiven zu erhalten und sich selbst ein Bild machen zu können. Anschließend vergibt die Gruppe an das ihrer Meinung nach beste oder schlechteste Unternehmen einen Preis – je nach Wahl entweder „Die weiße Weste“ oder „Die stinkende Socke“. Dabei steht die Frage im Zentrum, welches Unternehmen die Verantwortung für Mensch und Umwelt ihrer Meinung nach am besten oder schlechtesten wahrnimmt. Die Gruppe muss ihre Wahl begründen. Die TN entwerfen ein Logo für den Preis, überlegen sich einen Pokal und schreiben eine kurze Preisrede, in der sie ihre Wahl begründen. Abschließend findet in der Klasse die Preisverleihung mit Preisrede statt. 43

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Gruppe 1: Brief an ein Kleidungsgeschäft Eine Möglichkeit sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zu engagieren ist es, bei Bekleidungsgeschäften bzw. Herstellungsfirmen direkt nachzufragen, welchen Weg die Kleidung zurückgelegt hat und unter welchen Arbeitsbedingungen sie produziert wurde. Dazu kann man direkt an das Management des Unternehmens einen Brief oder eine Mail senden (Kontaktadressen stehen im Internet). Bei der Clean Clothes Kampagne gibt es auch eigene Shopkarten, auf denen bereits ein passender Text vermerkt ist und die man im Geschäft abgeben kann. Ein Brief wird die Arbeitsbedingungen nicht sofort ändern, das Unternehmen merkt jedoch, dass es die KonsumentInnen interessiert, woher ihre Kleidung kommt und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde. Kommen mehrerer solcher Anfragen, überlegt sich das Unternehmen womöglich, wie sie faire Arbeitsbedingungen sicherstellen können.

Gruppe 2: Einschränkung des Konsums Die Herstellung eines jeden Produktes hat Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Und je mehr wir einkaufen, desto größer sind auch die Auswirkungen. Oder umgekehrt: wenn wir weniger einkaufen, muss auch weniger produziert werden und deshalb müssen auch weniger Menschen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Wer weniger Kleidungsstücke kauft, hat dadurch meist zusätzlich die Möglichkeit mehr dafür auszugeben und deshalb auch auf die Herstellungsbedingungen zu schauen. Eine Möglichkeit ist es also bewusst einzukaufen und zu überlegen, was man wirklich benötigt. Weniger ist oft mehr!

Gruppe 3: Kauf von fair gehandelter und produzierter Ware Eine Möglichkeit ist es beim Kauf der Kleidung darauf zu achten, dass diese sozial und ökologisch fair gehandelt und produziert wurde. Dies bedeutet, dass keine Menschen ausgebeutet wurden und die Umwelt so gut es geht geschont wurde. Faire Kleidung erkennt man an verschiedenen Gütesiegeln. Aber Achtung! Nicht alle Gütesiegel versprechen dieselben Standards und sind im selben Ausmaß vertrauenswürdig. Wichtig ist zu kontrollieren, ob das Label von unabhängigen Stellen geprüft wurde. Vor allem Gütesiegel, die von Unternehmen selbst herausgegeben wurden, haben oft das Ziel ein besseres Image zu erzeugen und nicht Mensch und Umwelt zu schützen. Hier muss man genau schauen. Kaufen viele Leute fair gehandelte Produkte, steigt die Nachfrage dafür und es können mehr Waren fair produziert werden. Fair gehandelte Ware, die als solche gekennzeichnet ist, ist meist ein wenig teurer, dafür aber oft von besserer Qualität.

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Gruppe 4: Unterschreiben von Petitionen Petitionen richten sich meist an Verantwortliche in der Politik und fordern diese auf, etwas zu ändern. Bei aktuellen und dringenden Fällen aus der Textilbranche, die gegen die Menschenrechte verstoßen und gravierende Mängel in den Arbeitsbedingungen aufweisen, gibt es oft die Möglichkeit, Petitionen zu unterschreiben. Diese Petitionen gehen meist an Verantwortliche in der Textilindustrie oder an die Politik. Mit einer Unterschrift wird eine Veränderung gefordert und signalisiert, dass man mit den Produktionsbedingungen nicht einverstanden ist. Gehen viele Unterschriften ein, bemerken die Verantwortlichen die Unzufriedenheit der KonsumentInnen und überlegen sich womöglich Schritte zur Veränderung. So können Petitionen dazu führen, dass Arbeitsgesetze verbessert werden und ArbeiterInnen mehr Rechte erhalten. Infos zu aktuellen Petitionen gibt es zum Beispiel unter www.cleanclothes.at. Je mehr Menschen eine Petition unterschreiben, desto schwieriger wird es für PolitikerInnen die Forderungen zu ignorieren.

Gruppe 5: Selbst aktiv werden Eine Art sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einzusetzen ist, Informationen über Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu sammeln und diese Infos zu verbreitet. Das Wissen an FreundInnen weitergeben oder gemeinsam mit anderen Kampagnen und Aktionen planen, wie zum Beispiel Flugblätter gestalten und verteilen, Straßentheater machen oder eine Facebookgruppe gründen und dort die Infos weiterverbreiten, sind nur ein paar Möglichkeiten. Es gibt unterschiedliche Organisationen, die helfen Gleichgesinnte zu treffen und die auch bei Aktionen unterstützen. Eine NGO, die sich in Österreich für faire und gerechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche einsetzen, ist zum Beispiel Südwind (www.suedwind-agentur.at). Damit kann man zwar nicht direkt etwas an den Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie bewirken, aber Wissen ist der erste Schritt zur Veränderung. Und je mehr Menschen Bescheid wissen, desto schneller kann sich auch etwas ändern.

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>>> My fair T-Shirt Die TN lernen englische Vokabel aus dem Bereich Textilien und nachhaltige Produktion kennen. Sie verbessern ihren Wortschatz und ihre mündliche Ausdrucksfähigkeit.

Vorab sollten die Methoden „Die Produktion meines T-Shirts“, „Gütesiegeldschungel“ oder „Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie“ durchgeführt werden, damit die TN das nötige Hintergrundwissen haben. Für das Memory wird die Vokabelliste zu Memorykärtchen auseinandergeschnitten.

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Memory; Rollenspiel 140 Min. Vokabelliste und Memory „Faires T-Shirt“, ev. Kamera Nachhaltigkeitsgütesiegel hat. Die anderen fragen, was das bedeutet... • Auf der Straße: Die Personen gehen an einem Plakat vorbei, das für eine neue „faire“ Kleidermarke eines Bekleidungsgeschäftes wirbt. Eine/r fragt, was eine „faire“ Marke sein soll...

1. Schritt: (30 Min.) Die TN bilden Gruppen zu je 2 Personen und lernen gemeinsam die neuen Vokabeln (Vokabelliste „Faires T-Shirt“). Nach 15 Min. gehen sie mit zwei weiteren Personen zusammen und spielen in zwei Teams zur Festigung der Vokabeln das Memory. Die Gruppe, die die meisten Vokabelpaare gefunden hat, gewinnt. Gegebenfalls kann ein Revanchespiel durchgeführt werden.

3. Schritt: (50 Min.) Anschließend spielen sämtliche Gruppen ihre Szene in der Großgruppe vor. Das Publikum nimmt zugleich auch die Funktion einer Jury ein. Sie machen sich kurze Notizen zu folgenden Aspekten: • Gab es grobe sprachliche Schnitzer? Wenn ja wo? • Wie war die schauspielerische Leistung? • Wie war die Idee für die Geschichte?

2. Schritt: (45 Min.) Im Plenum wird nun der nächste Schritt erklärt. Die TN sollen in Gruppenarbeit (max. 4 Personen) ein kurzes Rollenspiel entwickeln, in dem die erlernten Vokabeln verwendet werden. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Folgende Situationen wären vorstellbar: • In einem Geschäft: Die Personen gehen einkaufen, eine nimmt ein T-Shirt, das ein

4. Schritt: (15 Min.) Am Schluss wird die Aufführung jeder Gruppe hinsichtlich der oben genannten Punkte besprochen. Abschließend werden drei Preise per Publikumsvoting an die Gruppen vergeben: • Beste schauspielerische Darbietung • Bestes Drehbuch (Idee) • Beste sprachliche Umsetzung

Kopier>>> vorlage My fair T-Shirt: Vokabelliste und Memory: fairer Handel

Biologische Landwirtschaft

Mindestpreis

organic farming

minimum price

child Kinderarbeit labour Kaffee coffee Genieße mit einem guten Gewissen!

gentechnikfrei



Enjoy with a good conscience!

genetically unmmodified

Kriterien criteria

Fairer Handel

fair trade



to garantieguarantee ren

umweltenvironmenfreundlich tally friendly farmer Bauer/ Bäuerin produzieren to produce fair Fairer salary Lohn

Umweltenvironmenstandards tal standards 47

Kopier>>> vorlage My fair T-Shirt: Vokabelliste fairer Handel

Enthalten

to contain

unhabhängige und regelmäßige Kontrollen

independent inspections on a regular basis

Fair-TradePrämie

Fairtrade Premium

in Würde leben

to live in dignity

Köstlich

delicious

treated behandelt with mit





schmecken to taste







kosten / to try probieren





lecker

tasty

billig cheap





teuer

expensive

Kosten

to cost

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nc eE duc ation

W O N K C ble ina Susta

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